Von der Pandemie bis zur Gegenwart – und warum KI trotz allem nicht denkt
Hier geht es zu Teil 1 (Link) und Teil 2 (Link)
Als 2020 die Welt zum Stillstand kam, begann gleichzeitig die vielleicht schnellste Beschleunigung der Digitalisierung in der Geschichte. Homeoffice, Videokonferenzen, Online-Unterricht, digitale Verwaltung, Telemedizin – alles, was zuvor „Zukunft“ hieß, war plötzlich Gegenwart. Und mit ihr: die KI.
Doch bevor wir in die Pandemiejahre eintauchen, lohnt sich ein kurzer Blick zurück – auf die Akteure, die in den Jahren davor die Grundlage für das geschaffen haben, was heute unter dem Schlagwort künstliche Intelligenz allgegenwärtig ist.
Die Geburt der modernen Sprachmodelle
Ab etwa 2017 änderte sich die Dynamik in der KI-Forschung dramatisch. Der entscheidende Impuls kam aus einer Arbeit von Google Brain mit dem schlichten Titel Attention Is All You Need. Darin beschrieben Ashish Vaswani und seine sieben Kollegen eine neue Architektur: den Transformer. Im Gegensatz zu früheren neuronalen Netzen, die Wort für Wort verarbeiteten, konnte der Transformer Kontext über ganze Textpassagen hinweg erfassen. Damit entstand die Grundlage moderner Sprachmodelle (LLMs). Aus dieser Idee gingen binnen weniger Jahre die großen Namen hervor:- Google (BERT, T5): machte Transformer-Modelle zum Standard in der Forschung.
- OpenAI (GPT-Serie): setzte auf Größe, Datenmenge und Skalierung – die Modelle lernten, Sprache zu imitieren, zu erklären, zu ergänzen.
- Meta (LLaMA) und Anthropic (Claude) folgten mit ihren eigenen Varianten.
- DeepMind kombinierte neuronale Netze mit klassischem Denken in Projekten wie AlphaGo oder AlphaFold.
Die Pandemie als Katalysator
Dann kam COVID-19. Und mit der Krise explodierte die Nachfrage nach digitalen Werkzeugen. Für die Kommunikation waren es Zoom, Teams, Slack und Co. nutzten KI zur Spracherkennung, Transkription und automatischen Übersetzung. Was vorher als „nice to have“ galt, wurde zur Notwendigkeit. In der Wissenschaft und Medizin halfen KI-Systeme bei der Analyse von Virus-Genomen, der Modellierung von Impfstoffwirkungen und der Auswertung klinischer Daten. Open-Science-Plattformen kombinierten erstmals auf globaler Ebene Machine-Learning-Pipelines in Echtzeit. OpenCV, von dem ich bereits frühernschrieb, wurde plötzlich an abertausenden neuen Plätzen für die Video-Erkennung, ob Maskenpflicht eingehalten wurde, eingesetzt. Von Chatbots in Gesundheitsportalen bis zu automatisierten Kundendiensten – KI wurde zum Filter zwischen Mensch und System. Sie war überall, auch wenn kaum jemand sie als solche wahrnahm. Und doch zeigte sich in diesen Jahren etwas Grundlegendes: Je stärker die Systeme in den Alltag eingriffen, desto sichtbarer wurde, wie sehr sie Werkzeuge und keine Denker waren. Sie halfen, sie beschleunigten, sie unterstützten, und doch verstanden sie nichts.Die Nach-Pandemie-Explosion (2022 – heute)
2022 war das Jahr, in dem KI endgültig im Mainstream ankam. OpenAI öffnete ChatGPT für die Öffentlichkeit, und plötzlich war „KI“ nicht mehr nur Fachbegriff, sondern Alltagssprache. Innerhalb weniger Monate passierte, was Forscher über Jahrzehnte vorbereitet hatten:- Text, Bild, Ton, Video – alles ließ sich generieren.
- Programmieren, Übersetzen, Zusammenfassen – alles wurde ein Prompt entfernt.
- Millionen Menschen interagierten täglich mit Systemen, die auf Wahrscheinlichkeiten basierten – und verwechselten sie mit Verstehen.
- Google Bard / Gemini, Anthropic Claude, Meta LLaMA, Mistral, xAI Grok – ein neues Ökosystem entstand.
- Open-Source-Modelle wie Stable Diffusion und LLaMA 2 machten KI-Generierung für jeden zugänglich.
Kommentare (0)
Noch keine Kommentare vorhanden. Sei der Erste!
Kommentar verfassen