Von menschlichen und maschinellen Algorithmen: Wer steuert hier eigentlich wen?
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Auf Threads stolperte ich neulich über eine Diskussion aus der Buchszene. Eine Autorin machte ihrem Frust über Neid, Missgunst und ständige KI-Unterstellungen unter Kolleginnen und Kollegen Luft. Ihre Gegenforderung klang verlockend und herzerwärmend: wir sollten uns doch alle viel mehr unterstützen, uns Erfolge gegenseitig gönnen und endlich eine gesunde, wertschätzende Community aufbauen.
So verständlich dieser Wunsch nach einem friedlichen Miteinander ist, so sehr verkennt er die systemische Realität. Wer heute auf den großen Social-Media-Plattformen unterwegs ist, unterschreibt implizit einen Vertrag mit deren Algorithmen. Diese Systeme sind konstruiert, um Verweildauer und Werbeeinnahmen zu maximieren, und nichts erzeugt mehr Aufmerksamkeit als Reibung, Polarisierung und Empörung. Wer versucht, eine zutiefst auf Aufregung getrimmte Mechanik durch bloße moralische Appelle zu heilen, kämpft gegen Windmühlen. Ich habe vor 6,5 Jahren – noch vor Threads und vor ChatGPT – bereits hier auf meinem Blog dazu geschrieben. Dies ist gewissermaßen eine Fortsetzung meines früheren Blogposts (Link)
Wir machen es uns viel zu einfach, wenn wir die Schuld nur auf unpersönlichen Code und globale Tech-Konzerne schieben. Das Prinzip des „Algorithmus“ ist um ein Vielfaches älter als das moderne Feed-Prinzip. Es steckt erschreckend oft in uns Menschen selbst, sobald wir Systeme erschaffen, verwalten oder uns in ihnen bewegen.
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