1. Korinther 12, 8 – 11

1. Korinther 12, 8 – 11

Griechisch

Deutsch

8 ω μεν γαρ δια του πνευματος διδοται λογος σοφιας αλλω δε λογος γνωσεως κατα το αυτο πνευμα

9 ετερω δε πιστις εν τω αυτω πνευματι αλλω δε χαρισματα ιαματων εν τω αυτω πνευματι

10 αλλω δε ενεργηματα δυναμεων αλλω δε προφητεια αλλω δε διακρισεις πνευματων ετερω δε γενη γλωσσων αλλω δε ερμηνεια γλωσσων

11 παντα δε ταυτα ενεργει το εν και το αυτο πνευμα διαιρουν ιδια εκαστω καθως βουλεται

Dem einen nämlich wird durch den Geist ein Wort der Weisheit gegeben, einem andere aber ein Wort der Erkenntnis nach dem selben Geist

einem anderen aber Glaube in dem selben Geist, einem anderen aber Charismen der Heilungen in dem selben Geist

einem anderen aber Wirkungen der Kräfte, einem anderen aber Prophetie, einem anderen aber Unter-scheidungen der Geister, einem anderen aber Arten von Zungenrede, einem anderen aber Auslegungen der Zungenreden,

alles dies aber wirkt der eine und der selbe Geist, indem er unterscheidet zwischen den Einzelnen, gerade so wie er will.

Auslegung:

In der obigen Übersetzung haben wir eigentlich zwei verschiedene griechische Worte immer mit „einem anderen“ übersetzt. Im Griechischen Text steht überall „allos“, außer bei den Gaben des Glaubens und der Zungenrede, dort steht nämlich „heteros“. Das ist zu auffällig, als ob man einfach darüber hinwegsehen könnte. Wenn man dem Unterschied zwischen den beiden griechischen Wörtern nachgeht, so wird vor allem eines klar: Allos meint einfach den Unterschied zwischen zwei verschiedenen Dingen, während heteros etwas Neues in die Reihe hineinbringt, sowie die beiden Gaben, die mit heteros eingeleitet werden, verknüpft. Wenn man sich so Gedanken darüber macht, was das Neue sein soll, das erstens bei den übrigen Gaben nicht vorkommt, aber die beiden Gaben Glauben und Zungenrede ausmacht, so macht es den Eindruck, dass es sich bei den beiden Gaben um Dinge handelt, die jedem einzelnen Gläubigen grundsätzlich offen stehen. Wenn wir die Apostelgeschichte lesen und sie auch wirklich ernst nehmen und von ihr auch für unsere Zeit zu lernen versuchen, so wird schnell einmal klar, dass eigentlich alle, die gläubig wurden, auch sehr bald begannen, in Zungen zu reden. Natürlich ist das nicht bei jeder einzelnen Bekehrung explizit dazugeschrieben, aber das ist ja auch nicht unbedingt nötig. Es steht oft genug da, dass man wissen darf, dass diese Gabe für alle da ist. Wer nun die späteren Verse aus diesem Kapitel zitieren will, um dies zu widerlegen, dem muss ich entgegenhalten, dass es dort weniger um die Gaben, sondern vielmehr um die Ämter geht. Und nicht jeder hat das Amt, mit der Zungenrede als Amt prophetisch (mit Auslegung) der ganzen Gemeinde zu dienen. Vielmehr soll jeder die Gabe der Zungenrede bekommen, um sich selbst erbauen zu können. Dazu aber später mehr. Bei der Gabe des Glaubens gibt es Ausleger, die sich anmaßen wollen, zwischen zwei verschiedenen Gaben des Glaubens zu unterscheiden: einem rettenden und einem wunderwirkenden Glauben. Dies widerspricht jedoch dem gesamten Zeugnis der Schrift. Der Herr Jesus sagte, dass jemand, der einen Glauben wie ein Senfkorn habe, Berge versetzen könne. Hier müssen wir aufpassen, dass wir nicht zu dem Fehlschluss kommen, dass der Herr nur von der Größe dieses Glaubens sprechen wollte. Das ist zwar auch ein Aspekt, wichtiger ist da aber noch die Beharrlichkeit dieses Glaubens: Wo Senf einmal angebaut war, breitete er sich aus und war kaum noch zu stoppen.

Zunächst nennt Paulus das Wort der Weisheit. Weisheit ist ein zweischneidiges Wort. Menschliche Weisheit nennt die Bibel töricht, weil sie zu beschränkt ist, um den ganzen Horizont zu sehen, den Gott sehen kann. Hingegen ist die Weisheit, die Gott gibt, also das Charisma der Weisheit, etwas sehr Gutes. Diese Weisheit nimmt ihren Anfang in der Gottesfurcht (Spr. 1, 7). Ohne Gottesfurcht gibt es keine wahre Weisheit. Weisheit hat sehr oft auch mit der Gotteserkenntnis zu tun. Im Gebet für die Gemeinde im Brief an die Epheser betet Paulus auch um Weisheit, die dazu führen soll, dass sie Gott noch besser kennen sollen. Das Wort der Weisheit hat damit zu tun, dass man anderen Menschen im richtigen Moment die Erkenntnis und die Furcht Gottes nahe bringen kann.

Das Wort der Erkenntnis erwächst auch mit aus dem Wort der Weisheit. Erkenntnis hat aber noch mehr mit der Offenbarung verborgener Dinge zu tun. Manche Dinge sind auch jetzt noch – obwohl sie bereits in der Schrift offenbart wurden – etwas dunkel und unklar. Mit dem Wort der Erkenntnis ist es jemandem möglich, in eine komplexe Situation einer Gemeinde, einer Familie oder einer Einzelperson hinein zu sprechen und verborgene Dinge offenzulegen. So kann es sich manchmal um bestimmte Sünden im Leben von jemandem handeln, und so wie Achan offenbar wurde, der vom ganzen Gottesvolk Segen und Sieg verhinderte, kann auch ein Wort der Erkenntnis hier Abhilfe schaffen.

Die Gabe des Glaubens ist wie oben bereits kurz angesprochen ein besonders beharrliches Festhalten an etwas, das Gott uns versprochen hat. Oftmals benutzt Gott eine Form des prophetischen Dienstes, um in uns den Glauben so zu stärken, dass wir ein Wunder erwarten und dies beharrlich tun. Diese Art des Glaubens ist jedem zugänglich, der bereit ist, Gott ganz nachzufolgen. Doch ist diese Gabe nicht einfach immer da, sodass jedes Wunder automatisch geschehen muss, nur weil jemand mit diesem Glauben da ist. Es gibt auch Fälle, in denen Menschen denken, sie seien sich gewiss und doch passiert nichts. Oft braucht es Geduld und inneres Absterben des alten Menschen, bis eine Veränderung eintritt.

Charismen der Heilungen. Hier fällt auf, dass zwei mal die Mehrzahl steht: Es sind verschiedene Gaben, die verschiedene Arten von Heilungen betreffen. Wenn ein Christ krank ist, so hat er vier Möglichkeiten, die er nutzen sollte, um wieder gesund zu werden. Das erste ist das eigene ernstliche Gebet um Heilung, vielleicht zusammen mit jemandem aus der Familie oder der Gemeinde. Wenn das nichts hilft, so sollte der Gang zum Arzt oder das Einnehmen bereits vorhandener Medikamente der zweite Schritt sein. Wenn auch hier der Erfolg ausbleibt, sollte er sich überlegen, ob er noch unvergebene Sünde in seinem Leben hat und dann von den Ältesten seiner Gemeinde unter Handauflegung und Ölsalbung über sich beten lassen. Und dann gibt es noch ein Weiteres – nämlich diese Charismen der Heilungen. Es gibt Menschen, die haben eine Gabe der Heilungen für eine bestimmte Krankheit bekommen, andere für mehrere, selten aber für alle. Deshalb sind es ja auch verschiedene Gaben. Es braucht in der Gemeinde verschiedene Gläubige mit diesen Gaben der Heilungen, damit nicht einer das Monopol bekommt und dann zum Ober-guru der Gemeinde mutiert.

Wirkungen der Kräfte sind Gaben zu speziellen Wundertaten wie Totenauferweckung, Austreibungen aller Arten von Dämonen, etc. Diese Gaben sind vor allem auch Menschen nützlich, die das Amt des Evangelisten oder des Apostels ausüben. Ich möchte an dieser Stelle den heutzutage üblichen aber sicher nicht biblischen Unterschied zwischen Evangelisten und Missionaren verwerfen. Missionar kommt vom lateinischen Verb mittere und bedeutet senden, aussenden. Das griechische Verb apostello, von dem Apostel abgeleitet ist, hat dieselbe Bedeutung. Somit ist Missionar und Apostel gleichbedeutend, während ein Evangelist richtigerweise sowohl im Heimatland als auch in der Ferne unter anderen Kulturen das Evangelium verkünden kann und soll.

Die Gabe der Prophetie bezeichnet in erster Linie das Reden Gottes in unsere Zeit hinein. Da wir weiter oben aber schon andere Gaben dieser Kategorie genannt bekommen, muss es sich um eine von diesen unterschiedene Gabe handeln. Das griechische Verb, das hinter dem Propheten steht, ist pro-phemi. Phemi bedeutet reden, etwas (aus-)sagen und pro bedeutet für oder vor jemandem oder etwas. Entweder ist die Prophetie als Überbegriff ein Reden im Namen Gottes oder es ist im speziellen Fall ein Vorher-Sagen bestimmter Ereignisse, Handlungen oder Geschehnissen. Da wie gesagt in dieser gesamten Aufzählung auch das Wort der Weisheit und das Wort der Erkenntnis stehen, welche zum ersteren Fall automatisch dazugehören, muss es sich in unserem Fall um Zweiteres handeln. Ein gutes Beispiel dieser Art von Prophetie findet sich in Apg. 21, als Agabus kommt und Paulus auf seine Gefangenschaft vorbereitet. Auch der Herr Jesus ist ein sehr gutes Vorbild für diese Prophetie: Petrus sagte er voraus, dass dieser ihn verleugnen werde; ihm und auch anderen konnte er ihr Ende beschreiben, nämlich dass sie als Märtyrer in die Geschichte eingehen werden.

Unterscheidungen der Geister. Auch über diese Gabe scheiden sich die Geister. Hier steht die Gabe im Zusammenhang mit der Prophetie. Es geht darum, dass jede Prophetie geprüft werden muss. An die Gemeinde der Thessalonicher schreibt Paulus, dass sie den Geist nicht dämpfen sollen, aber dennoch nicht aufhören, jede Prophetie zu prüfen und das Gute zu behalten. Es ist heutzutage traurigerweise in Mode gekommen, möglichst viele „prophetische Worte“ zu empfangen. Manche Menschen scheinen sich nur dann von Gott geliebt zu fühlen, wenn sie „ein Wort vom Herrn“ bekommen haben. Und auf der anderen Seite gibt es unzähliche umherstreunende „Propheten“, die sich keiner Gemeinde verbindlich anschließen wollen, aber in allen Gemeinden ihr Reden als „Worte von Gott“ anpreisen und oft auch auf Knopfdruck für jeden „etwas zu haben“ scheinen. Und gerade auch weil oft solche Prophetien eine bestimmte Veränderung des Lebens entweder voraussagen oder voraussetzen, ist es wichtig, dass sie geprüft werden. Wenn wir also, sobald wir eine solche Prophetie bekommen haben, solange wir noch unsicher sind, ob sie a. in all ihren Details wirklich stimmt und von Gott ist und b. ob sie wirklich für uns bestimmt war, dann zu jemandem gehen, der diese Gabe der Unterscheidung hat, kann der uns helfen und mit uns zusammen vor Gott die Prophetie prüfen. Sinnvoll ist es auch, wenn jemand von den Ältesten diese Gabe hat.

Die Arten von Zungenrede sind die zweite Gabe, die mit heteros statt allos eingeführt wird. Wir haben gesehen, dass sie demnach eine Gabe ist, die für alle offen ist. Sie ist, wie wir später noch im Detail sehen werden, in verschiedenen Formen als Gabe vorhanden. An dieser Stelle möchte ich nur eine kurze Liste machen von allem Wichtigen, was wir über diese Gabe wissen:

-Es gibt Menschen- und Engelssprachen

-Es gibt eine Form, in der wir uns selbst auferbauen

-Es gibt eine Form, in der wir durch eine Auslegung andere in der Gemeinde erbauen

-Es gibt eine Form, in der wir zu Menschen anderer Sprachen verständlich reden

-Es gibt auch ein Singen in Zungenrede (bzw. Zungengesang)

Es ist mir bewusst, dass diese Aussagen für viele umstritten sind. Doch alles hat seinen Platz, deshalb werden all jene Argumente an ihrem eigenen Platz diskutiert und belegt oder entkräftet.

Auslegungen von Zungenrede ist in erster Linie eben NICHT eine Übersetzung einer fremden Sprache, denn es ist eine Geistesgabe, so wie auch lehren, predigen, Prophetie etc. Geistesgaben sind, also damit vom Geist Gottes direkt inspiriert. Diese Form der Zungenrede ist auch prophetisch, wenn sie zusammen mit Auslegung in der Versammlung getätigt wird. Nun kann es vorkommen, dass zwei verschiedene Ausleger dieselbe Zungenrede unterschiedlich auslegen. Das liegt in einer gewissen Freiheit des Geistes begründet. Sie können soweit unterschiedlich sein, wie der Sprachschatz verschiedene Bedeutungen haben kann. Das griechische Wort Pistis bedeutet zum Beispiel zugleich Glaube und Treue, also zwei Dinge, die für uns ziemlich verschiedenes bedeuten. Außerdem kann eine Auslegung sehr wörtlich sein und die andere eher umschreibend. Somit ergibt sich ein gewisser Spielraum für die Auslegung, der aber doch vom Gesamtinhalt an das Ausgesprochene gebunden ist.

Paulus ist hier ganz besonders wichtig, zu betonen, dass es der Geist Gottes ist, der all das wirkt. Nichts von alledem kann mit dem Verstand erfasst werden, denn der Geist geht uns über den Verstand. Und der Geist gibt nach seinem eigenen Wohlgefallen. Wir dürfen ihn aber auch darum bitten, uns für bestimmte Situationen mit den richtigen Gaben auszurüsten. Nach den Gaben zu streben heißt immer auch, darum zu bitten und nicht einfach abzuwarten, ob es ihm vielleicht irgendwann zufällig mal gefällt, uns zu gebrauchen. Wer nämlich so denkt, wird zumeist warten bis er schwarz wird…

1. Korinther 12, 4 – 7

1. Korinther 12, 4 – 7

Griechisch

Deutsch

4 διαιρεσεις δε χαρισματων εισιν το δε αυτο πνευμα

5 και διαιρεσεις διακονιων εισιν και ο αυτος κυριος

6 και διαιρεσεις ενεργηματων εισιν ο δε αυτος εστιν θεος ο ενεργων τα παντα εν πασιν

7 εκαστω δε διδοται η φανερωσις του πνευματος προς το συμφερον

Es gibt aber Unterschiede bezüglich der Geistesgaben, aber es ist derselbe Geist

und es gibt Unterschiede bezüglich der Dienste, und ist (doch) derselbe Herr

und es gibt Unterschiede bezüglich der Kraftwirkungen, es ist aber der eine Gott, der alles in allen wirkt.

Jedem aber wird gegeben die Manifestation des Geistes für den gemeinsamen Nutzen.

Auslegung:

Damit wir den Abschnitt richtig verstehen können, möchte ich zuerst den roten Faden heraus-arbeiten, der sich durch diese Verse hindurchzieht. Es geht Paulus hier in aller erster Linie noch nicht um die genauen Unterschiede, die hier vorliegen. Vielmehr möchte er aufzeigen, dass Gott eine wahre Vielfalt an Gaben, Diensten und sonstigen Wirkungen in der Gemeinde möchte, und dass diese alle, gerade weil der eine Gott sie schenkt, eben kein Chaos bewirken sollen, sondern eine freiheitliche, von Gott gelenkte Ordnung. Gott stellt jeden in der Gemeinde an seinen speziellen, für ihn vorgesehenen Platz. Schon wenn wir das erste Wort im griechischen Text betrachten, wird das deutlich: dihairesis (Unterschiede) ist eine zusammengesetzte Form von hairesis (das Fremdwort Häresie kommt davon). Hairesis bedeutet Spaltung, Teilung und Paulus benutzt das Wort im Kapitel 11, Vers 19 um von den Parteiungen oder Spaltungen zu sprechen, die es in der Gemeinde gab. Dihairesis bedeutet dann ungefähr Aufspaltung oder Durchtrennung und bedeutet so viel wie Unterschied. Ansonsten benutzt Paulus immer andere Worte, um von den Unterschieden zu sprechen, hier ist die Verwendung ganz offensichtlich mit Absicht so gewählt. Die Korinther haben den Brief schließlich am Stück auf Griechisch vorgelesen bekommen, da fiel ihnen diese Verwendung bestimmt auf. Paulus tadelt sie zuerst wegen den Spaltungen, die sie verursacht hatten und zeigt hier auf, dass es dann keine Spaltungen gibt, wenn alles in der göttlichen Ordnung abläuft.

Paulus spricht hier immer davon, dass ein und derselbe Gott all die Manifestationen wirkt, benutzt aber in den Versen die drei Personen der Dreieinigkeit: in Vers 4 Gott Heiliger Geist, in Vers 5 Gott Sohn (der Herr Jesus) und in Vers 6 Gott (der Vater). Damit streicht er einmal mehr die Bedeutung der Lehre von der göttlichen Dreieinigkeit hervor. Auch die Manifestationen werden in drei unterschiedliche Teile aufgeteilt. Wir müssen aufgrund anderer Gabenlisten davon ausgehen, dass er sie folgendermaßen aufteilte:

Vers 4: Charismata, damit meint er wahrscheinlich die Sprachgaben (Zungenrede, Prophetie, Lehre, Predigt, Wort der Weisheit, Wort der Erkenntnis, Wort der Ermahnung, etc.)

Vers 5: Diakonia, das sind wohltätige Handlungsgaben (Barmherzigkeit, freudiges Geben, Gastfreundschaft, sonstige administrative und organisatorische Gaben)

Vers 6: Energemata, das sind speziell sichtbare Kraftwirkungen (Heilung, Totenauferweckung, bergeversetzender Glaube, Dämonenaustreibung, andere Zeichen- und Wundertaten)

Wir sehen also, dass das ganze Spektrum der Gaben hier drin schon vorhanden ist. Die Liste ist natürlich nicht vollständig, wer möchte, darf mir gerne noch Ergänzungen zukommen lassen. Etwas anderes ist es jetzt mit den Ämtern (ich möchte sie mal so nennen, um eine Verwechslung mit dem hiesigen Begriff „Dienst“ zu vermeiden). Es gibt verschiedene Ämter, von welchen die Bibel spricht. Ein Amt ist das des Hirten, des Evangelisten, des Propheten, etc. In ein Amt hinein kommt man durch eine Einsetzung durch die örtliche Gemeinde. Jedes Amt erfordert eine bestimmte Gabenkonstellation, zum Beispiel sollte ein Lobpreisleiter ein gewisses Verständnis von Musik haben, aber auch die Gabe der Leitung und wenn möglich noch irgend eine Form der Prophetie ausüben. Oder der Hirte braucht die Gabe der Lehre und der Leitung, und wenn möglich auch eine Form der Prophetie. Für die Seelsorge, das apostolische Amt, die Evangelisation, und so weiter, braucht jedes Amt ihre spezielle Zusammensetzung aus den verschiedenen Gaben, die wir hier aufgezählt haben.

Im Vers 7 betont Paulus ganz deutlich, dass die Gabennicht dem Begabten, sondern der örtlichen Gemeinde gehören. Sie sind dazu bestimmt, der gesamten Ortsgemeinde zu dienen, in welcher sie ausgeübt werden. Wenn wir beginnen, unsere Geistesgaben für unsere eigene Ehre zu missbrauchen, werden sie von unserer fleischlichen Haltung verunreinigt. Oft lässt Gott dann zu, dass wir dann trotz besten Willens mehr von unseren menschlichen Gedanken und Gefühlen reinstecken als es dann wirklich Gottes Wort und Wirken ist.

Eine wichtige Frage möchte ich hier schon ein wenig vorwegnehmen, nämlich ob diese Gaben oder irgend ein Teil von ihnen, bereits aufgehört haben sollen. Solches nämlich wird immer wieder gefragt. Wenn dem nämlich so wäre, würde es keinen Sinn machen, diese Verse überhaupt so detailliert zu betrachten. Wenn man die gesamte Kirchengeschichte betrachtet, könnte man auf den ersten Blick tatsächlich vermuten, dass so etwas geschehen ist. In der Zeit nämlich, als der christliche Glaube nach und nach legalisiert wurde, ist auch zugleich eine große Spaltung oder Aufteilung der gesamten Christenheit geschehen. Ich meine damit nicht das Ost-West-Schisma, das war erst später. Worauf ich hinaus will, ist die Spaltung zwischen (gelehrten) kirchlichen Amtsträgern und dem restlichen Volk, den sogenannten Laien. Waren die Gottesdienste zu Beginn der Gemeinde noch sehr lebendig und von einer Gemeinschaft geprägt, in welcher jeder allen dienen durfte, bestand dieses Dienen und Empfangen bald nur noch zwischen dem Amtsträger, der predigte, beseelsorgerte und das Herrenmahl austeilte und dem Volk, das seinen Dienst noch durch steuerliche Abgaben tun durfte. Je mehr die Ausübung der Ämter auf einen sehr geringen Teil der Gemeinde beschränkt wurde, desto weniger Gaben wurden sichtbar. Die Gabe der Heilung wurde bald nur noch durch vereinzelte Mönche ausgeübt. Nicht etwa deshalb, weil sie verschwunden wäre, sondern weil nur noch eine sehr kleine Oberschicht der Gläubigen das Anrecht bekamen, überhaupt irgendwelche Gaben auszuüben.

Wir werden im Verlaufe der weiteren Ausführungen noch mehr Argumente näher betrachten müssen. Der kirchengeschichtliche Aspekt wäre nun kurz angesprochen. Die gesamte Kirchengeschichte zeigt immer wieder in erwecklichen Aufbrüchen die Suche der Menschen nach der Geistesfülle, nach der Vollmacht und damit auch nach der Fülle der Gaben. Es gibt Gaben, welche auf die Zeit der Gemeinde beschränkt sind, doch die Zeit der Gemeinde dauert vom ersten Pfingsten bis zur Entrückung der gesamten Gemeinde. Bis zu dem einen Moment, der noch unmöglich eingetroffen sein kann, sind alle Charismata den örtlichen Gemeinden übergeben und anvertraut. Gott möchte, dass wir sie allesamt gebrauchen und keine einzige von ihnen verschmähen. Sie alle sind Hilfsmittel von Gott, um unseren Auftrag als Gemeinde auszuführen. Natürlich lässt sich der Auftrag, einen Nagel in die Wand zu schlagen, auch mit Hilfe einer Zange ausführen. Dies ist jedoch viel anstrengender, zeitaufwändiger und dadurch auch ein Schwachsinn. So hat jede Gabe und jedes Amt seinen Platz, seinen Auftrag und seine Möglichkeiten und Grenzen. Je mehr sich die Gemeinde davon überzeugen lässt, dass sie alle Gaben in dynamischer Zusammenarbeit braucht, so wie man um ein Haus zu bauen auch eine ganze Fülle an Werkzeugen braucht, desto mehr wird Gott sie mit dieser Fülle der Gaben segnen und vermehren.

Leider haben wir uns damit abgefunden, dass viele unserer Gemeinden nicht mehr wachsen, andere kleiner werden und manche sich spalten. Wir versuchen das dann mit ein paar Bibelstellen, die wir uns dafür zurechtbiegen, um unsere Unfähigkeit zum Wachstum zu entschuldigen. Dahinter steckt reiner Pragmatismus, der denkt: Alles, was die Gemeinde braucht, um richtig zu funktionieren, können wir von Managern und Psychologieprofessoren lernen. Wir sehen plötzlich nicht mehr, dass geistliches aber auch zahlenmäßiges Wachstum im Willen Gottes für unsere Gemeinde ist. Dass eine Gemeinde kleiner wird oder sich spaltet, das ist die Schuld von Menschen, nicht aber von Gott. Und über diese Haltung, nämlich dass Gott in der heutigen Zeit kein Wachstum mehr möchte, müssen wir Buße tun. Als nächsten Schritt müssen wir uns anhand der Bibel überlegen, was unserer Gemeinde fehlt. In der Apostelgeschichte haben wir ein schönes, gutes und nachahmenswertes Vorbild für gesunde, wachsende Gemeinden. Dazu waren aber verschiedene übernatürliche Gaben (zum Beispiel Zeichen und Wunder, Heilung, Prophetie, Dämonenaustreibung) notwendig. Diese stehen auch uns zur Verfügung, wenn wir uns nach ihnen sehnen und streben. Und wenn eines Tages dieses dynamische Zusammenspiel der Gaben vorhanden ist, wird auch spätenstens dann das Wachstum nicht mehr länger auf sich warten lassen.

1. Korinther 12, 1 – 3

Griechischer Text

Deutsche Übersetzung

1 Περὶ δὲ τῶν πνευματικῶν, ἀδελφοί, οὐ θέλω ὑμᾶς ἀγνοεῖν.

2 Οἴδατε ὅτι ὅτε ἔθνη ἦτε πρὸς τὰ εἴδωλα τὰ ἄφωνα ὡς ἂν ἤγεσθε ἀπαγόμενοι.

3 διὸ γνωρίζω ὑμῖν ὅτι οὐδεὶς ἐν πνεύματι θεοῦ λαλῶν λέγει· Ἀνάθεμα Ἰησοῦς, καὶ οὐδεὶς δύναται εἰπεῖν· Κύριος Ἰησοῦς, εἰ μὴ ἐν πνεύματι ἁγίῳ

Bezüglich der geistlichen (Dinge), Brüder, will ich nicht, dass ihr unwissend seid.

Ihr wisst, dass ihr, als ihr Heiden wart, (immerzu) zu den stimmlosen Götzenbildern getrieben wurdet, als ihr weggetrieben wurdet.

Deshalb lasse ich euch wissen, dass niemand, im Geist Gottes sagt, dass Jesus verflucht sei und niemand kann sagen: Jesus ist Herr, außer im Heiligen Geist. (1. Korinther 12, 1 – 3)

Auslegung

Zunächst halten wir fest: Paulus ist gerade dabei, Fragen zu beantworten, die ihm die Korinther (oder zumindest vereinzelte von ihnen) gestellt hatten.

Paulus beginnt das Kapitel (eigentlich die Kapitel 12 – 14, die alle zusammen eine feste Einheit bilden) mit den Worten: Über die geistlichen (Dinge). Wörtlich steht da nur „über die Geistlichen“ (aber es geht ganz bestimmt nicht um Pfarrer oder Pastoren oder so…).

Es gab in Korinth eine bestimmte Gruppe, die eine Speziallehre angenommen haben. Wir haben aus dieser allerersten Zeit leider keine genauen Dokumente aber schon von wenigen Jahrzehnten später liegen uns die Schriften einer solchen Sekte vor. Diese hat die Menschen in drei Klassen eingeteilt: Normale Menschen, die waren und blieben unerrettet. Dann gab es die Psychiker, die waren gläubig, aber konnten trotzdem Gott nicht erkennen. Und schlussendlich noch die Pneumatiker, die einzigen, welche imstande waren, Gott zu erkennen. Sie waren dazu vorherbestimmt, Pneumatiker zu sein, und deshalb durften sie tun was immer sie wollten, es konnte ihnen nichts anhaben. Vermutlich haben wir hier in Korinth eine Vorgängergruppe von dieser Sekte. Paulus brauch hier nämlich das Wort Pneumatika für Geistesgaben, an allen anderen Stellen verwendet er sonst immer Charismata. Das scheint deshalb ein Hinweis zu sein, dass sich diese korinthische Sondergruppe schon als Pneumatiker bezeichneten.

Paulus will nicht, dass sie unwissend bleiben. Das griechische Wort Gnosis wurde von genau den oben genannten Sondergruppen gebraucht, um ihre Form der Gotteserkenntnis zu bezeichnen. „aginoskein“, also „unwissend sein“ ist somit für diese Gruppierung, die Paulus an der Stelle speziell ansprechen möchte, das Gegenteil von Gotteserkenntnis haben. Paulus fordert sie also heraus: Dann, wenn sie mit dem Nachfolgenden, nämlich diesen drei Kapiteln des Briefes, einverstanden sind, dann zählen sie zu denjenigen, die wirklich Gott erkennen und den Begriff Pneumatiker (also Geistbegabte) auf sich selbst anwenden dürfen. Interessanterweise kommt Paulus am Ende dieser Kapitel, nämlich in 14,37 noch einmal darauf zu sprechen: „Wenn jemand glaubt, ein Prophet zu sein oder geistlich, der erkenne, daß die Dinge, die ich euch schreibe, Gebote des Herrn sind.“

Im zweiten Vers kommt Paulus auf zwei interessante Punkte zu sprechen: In der Zeit, bevor die Korinther sich bekehrt haben, waren sie Götzendiener. Sie haben falsche Götzen angebetet. Das tun auch heute alle Ungläubigen (und zuweilen auch Gläubige…) indem sie den Menschenverstand, ihre Triebbefriedigung, ihren Geldbeutel, das Auto, die Ehre vor den Menschen und manch anderes an die Stelle setzen, die einzig und allein Gott gehört. Die Götzen, die sie anbeteten, waren stimmlos und eigentlich auch leblos. Doch es gab eine Kraft, die sie zu diesen Götzen trieb. Das war die Kraft der Sünde und des menschlichen Fleisches. Indem sie nun zuließen, dass diese Kraft sie gewaltsam zu diesen Götzen trieb, wurden sie von Gott weggetrieben. Sie verfinsterten sich selbst ihren Verstand, indem sie mit sich geschehen ließen, wie ihnen ihr Fleisch gerade tun hieß. Das ist ein erster Unterschied zwischen dem Heiligen Geist und anderen Geistern: Der Heilige Geist zwingt niemanden zu irgend etwas. Alles, was er an uns tut, lässt er uns frei-willig, also mit unserem bewussten Willen, tun.

Im dritten Vers kommt er noch einmal auf die Gotteserkenntnis zu sprechen, indem er ungefähr so formuliert: Aus diesem Grund mache ich euch wissend; oder: gebe ich euch die Gotteserkenntnis, nämlich dass man noch an mehr Merkmalen herausfinden kann, ob jemand wirklich aus dem Geist Gottes heraus spricht oder nicht. Das erste Merkmal war: Der Geist Gottes zwingt niemanden gegen seinen Willen. Das zweite Merkmal ist: Wer im Heiligen Geist redet, kann niemals Jesus verfluchen. Es ist nicht ganz einfach, zu wissen, worauf sich das genau bezieht. Es wäre zu einfach zu sagen, dass es nur darum ginge, dass niemand in einer echten prophetischen Botschaft oder einer Zungenrede tatsächlich einen solchen Fluch aussprechen könne. Wenn man die Bibel gründlich studiert und nach dem „verflucht sei…“ sucht, so stößt man auf das erste Kapitel des Galaterbriefes. Dort schreibt Paulus nämlich, dass jeder, er sei ein Mensch oder Engel oder was auch immer, der ein anderes Evangelium verkündet als das eine Evangelium von Jesus Christus, der als wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich auf die Erde kam und für unsere Sünden starb, der sei verflucht. Etwas weiter gesucht, stößt man im ersten Johannesbrief im vierten Kapitel, dass man die Echtheit einer Geistesgabe daran erkennen kann, dass derjenige, der sie ausübt, davon überzeugt ist, dass Gott im Herrn Jesus wirklich „ins Fleisch hinein“ gekommen ist.

Auch hier haben wir wiederum einen Hinweis auf diese Lehre von den Psychikern und Pneumatikern. Diejenigen, die nämlich diese Lehre vertraten, die haben sich folgendes einfallen lassen: Sie sagen, dass am Menschen nur der Geist gut ist und der Körper und die Seele sind schlecht, der Mensch ist in seinem Körper wie in ein Gefängnis hinein gebannt und gefangen, und nur der Geist (Pneuma) ist das Gute am Menschen. Und die haben dann auch gesagt, dass Gott in Jesus nicht wirklich in menschliches Fleisch hineinkommen konnte, sondern nur einen Scheinleib trug (so etwas, was so aussieht wie ein menschlicher Körper aber keiner ist). Somit kann also nur derjenige aus Gottes Geist heraus reden, der sagt, dass der Herr Jesus wirklich Gott und wirklich Mensch war.

Das Gleiche kommt in dem Vers noch ein zweites Mal vor. Niemand kann sagen Kyrios Jesus außer im Heiligen Geist. Kyrios ist die griechische Übersetzung des Gottesnamens Jahwe. Somit kann man ferner erkennen, ob jemand im Heiligen Geist spricht, wenn er davon überzeugt ist, dass Jesus wirklich Jahwe, der Gott des Alten Testaments, der Schöpfergott, ist. Ein weiterer Hinweis auf diese christliche Sekte: Die behauptete nämlich, dass der Schöpfergott (Demiurg genannt) ein böser Gott ist, weil er den menschlichen Geist (das Pneuma) in die bösen Körpergefängnisse hineingesteckt hat. Und dann sagten sie, dass Jesus gekommen ist, um diesen Schöpfergott zu besiegen, indem er uns sagte, wie wir uns aus diesem Gefängnis heraus befreien können. Dazu braucht man dann eben diese Erkenntnis, wie das geht. Das ist dann eine ziemlich okkulte Geschichte mit ekstatischem Herumgetanze bis man das Bewusstsein verliert und ähnlichem mehr.