Fühlen und denken mit den Psalmisten

Abschließen möchte ich meine Serie zu den Psalmen mit einem letzten Gedanken. Hier nochmal die Blogserie zu den Psalmen:

Teil 1 zu Psalm 1 und 2

Teil 2 zu den Klagepsalmen

Teil 3 mein persönliches Erleben der Zeit in den Psalmen

Teil 4 zu den Rachepsalmen

Teil 5 zu Psalm 51 und dem krassesten Gebet

Natürlich ist damit vieles noch nicht gesagt. Natürlich kann man jetzt zu jedem Psalm auch noch eine ganze Auslegung machen. Aber das ist nicht meine Absicht. Ich möchte ganz im Gegenteil mehr Raum lassen, damit sich jeder Leser auch selbst noch mehr Gedanken machen kann.

Die Psalmen transportieren ganz viele Gefühle und Gedanken. Es sind die Gefühle der einzelnen Psalmisten zu Gott. Es sind aber auch Gottes Gefühle für uns. Und oft fallen sie in den Psalmen zusammen. Es sind Gottes Gedanken, die ER über uns hat, eingepackt in eine wunderschöne Sprache.

Was mich immer wieder sehr traurig macht, ist, wenn als Argument gebraucht wird, dass die Bibel dort, wo sie besonders schöne, lyrische Sprache verwendet, weniger ernst, weniger wörtlich genommen werden solle. Da muss ich mich dann doch fragen, ob ein Liebeslied, das jemand seiner Frau schreibt, deshalb weniger ernst zu nehmen ist? Ich glaube nein.

Die Psalmisten denken und fühlen ganz stark. Wenn ich da in Psalm 42 lese: Wie ein Hirsch lechzt nach Wasserbächen, so lechzt meine Seele, o Gott, nach dir! (Ps 42:2), dann gehe ich zunächst einmal nicht davon aus, dass das eine Übertreibung oder ein rhetorisches Stilmittel ist, sondern die Korachiten, die diesen Psalm schrieben, wirklich einen immensen Durst nach Gott hatten. Einen Durst, der sich womöglich sogar physisch bemerkbar machte.

Doch sind die Psalmen nicht nur voll von Gefühlen und Gedanken – sie schreien geradezu danach, ausgesprochen, gesungen, aufgesagt zu werden. Und ich bin überzeugt, dass hier auch einer der Gründe für eine schöne Sprache der Psalmen liegt. Sie wollen so sein, dass man sie sich gut merken kann, um sie immer wieder im Alltag anzuwenden. Die Psalmen wollen, dass wir sie uns selbst immer wieder zusprechen.

Das finden wir auch an manchen Stellen, wie etwa in Psalm 103: Von David. Lobe den HERRN, meine Seele, und alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! Der dir alle deine Sünden vergibt und heilt alle deine Gebrechen; der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit; der dein Alter mit Gutem sättigt, dass du wieder jung wirst wie ein Adler. (Ps 103:1-5)

David spricht hier zu sich selbst und hält seiner Seele die Versprechen Gottes vor, immer wieder. Und genau das ist für uns auch so wichtig. Dass wir unserer Seele die Vergebung Gottes zusprechen. Die Heilung Gottes zusprechen. Die Gnade Gottes zusprechen. Wie oft sind wir zu uns selbst gnadenlos – und wundern uns dann, wenn Zweifel aufkommen? Wie oft benehmen wir uns zu unserer Seele so, als wären wir unsere ärgsten Feinde?

Doch dann gehen die Psalmen auch weit über unser eigenes Wohlbefinden hinaus. Sie gehen hinaus ins Weltall, welches in die Psalmen mit einstimmt: Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündigt das Werk seiner Hände. Es fließt die Rede Tag für Tag, Nacht für Nacht tut sich die Botschaft kund. Es ist keine Rede und es sind keine Worte, deren Stimme unhörbar wäre. Ihre Reichweite erstreckt sich über die ganze Erde, und ihre Worte bis ans Ende des Erdkreises. Er hat der Sonne am Himmel ein Zelt gemacht. Und sie geht hervor wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und freut sich wie ein Held, die Bahn zu durchlaufen. (Ps 19:2-6)

Das ganze Weltall mit allem, was darin ist, stimmt in das Lob Gottes und in den Ruf mit ein, der an die ganze Welt ergeht: Singt dem HERRN ein neues Lied, singt dem HERRN, alle Welt! Singt dem HERRN, preist seinen Namen, verkündigt Tag für Tag sein Heil! Erzählt unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern von seinen Wundern! Denn groß ist der HERR und hoch zu loben; er ist furchtbar über alle Götter. Denn alle Götter der Völker sind nichtige Götzen; aber der HERR hat die Himmel gemacht. Pracht und Majestät sind vor seinem Angesicht, Stärke und Herrlichkeit in seinem Heiligtum. Bringt dar dem HERRN, ihr Völkerstämme, bringt dar dem HERRN Ehre und Lob! (Ps 96:1-7)

Sei gesegnet!

Das krasseste Gebet der Psalmen

Eins hat mich die fast zweijährige Zeit mit den Psalmen gelehrt: Es gibt sooooo viele unterschiedliche Psalmen. Ich hatte lange das Vorurteil, dass Psalmen immer so ein ähnliches Schema haben, aber in Wirklichkeit sind sie sehr verschieden. Man findet echt für jeden Moment, für jede Gefühlslage, für jede Begebenheit einen Psalm.

Viele Psalmen beginnen einfach mit Gebet oder mit dem Hinweis auf den Autor und die Melodie. Zwischendurch gibt es aber auch welche, die einen Hinweis geben auf den Moment, in welchem sie geschrieben wurden. So etwa jener Psalm, den ich heute etwas näher ansehen möchte. Hier (Link) habe ich die Situation und den Psalm vor einiger Zeit als Gedicht verarbeitet.

Der Schlüssel zu Gottes Herz

In dem Psalm, welchen er in dieser Situation schrieb, machte König David eine Aussage, die das krasseste Gebet der Psalmen, vielleicht sogar der ganzen Bibel sind. Ja, am Kreuz betete der Herr Jesus auch ein sehr krasses Gebet, ER betete für Seine Feinde, die Ihn ans Kreuz nagelten: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Ich bin mir unschlüssig, welches der zwei Gebete ich krasser finden soll. In gewisser Weise sind sie sich ähnlich.

Davids Psalm enthält einen Schlüssel, der uns zum Herzen Gottes führt: Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein zerbrochener Geist; ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten. (Psalm 51:19) Davor und danach hat sich David länger darüber ausgelassen, dass Gott eigentlich nicht so sehr an den Schlachtopfern interessiert ist. Ja, sie gehörten zum regelmäßigen, alltäglichen Gehorsam in der Zeit des Alten Testaments mit dazu. Sie waren ein Weg, mit dem Gott den Menschen zeigen wollte, dass Sünde etwas Schreckliches ist, was nur mit Blut und mit dem Leben eines perfekten Opfertiers, das man aufgezogen hat, für das man gesorgt hat, mit dem man einen persönlichen Preis bezahlt.

Mehr als mechanischer Gehorsam

Aber das Eigentliche, das, wonach sich Gottes Herz sehnt, ist nicht so sehr ein mechanischer Gehorsam. Der mechanische Gehorsam ist ganz klar immer noch besser als gar kein Gehorsam. Und trotzdem:

Der krasseste Moment im Leben eines Christen ist, wenn er zu Gott schreit: Herr, zerbrich mich! Nimm mich, forme mich, mach mein Herz von Herzen gehorsam, nicht mechanisch sondern aus Liebe zu DIR.

Und ich bin überzeugt: Wenn viele Menschen zugleich dieses Gebet neu entdecken, dann ist so vieles möglich. Dieses Gebet bedeutet gerade nicht: Herr, ich will meine Gaben und meine Persönlichkeit aufgeben und nur noch einen kleinen Bruchteil meines früheren Lebens. Im Gegenteil: Es bedeutet, dass Gott deine Kreativität und dein Wissen, deine Fähigkeiten und deine Gefühle nehmen darf und sie in etwas Neues verwandeln.

Es ist ein Leben, von dem Gott verspricht: Oder meint ihr, die Schrift rede umsonst? Ein eifersüchtiges Verlangen hat der Geist, der in uns wohnt; umso reicher aber ist die Gnade, die er gibt. Darum spricht er: »Gott widersteht den Hochmütigen; den Demütigen aber gibt er Gnade«. […] Demütigt euch vor dem Herrn, so wird er euch erhöhen. (Jakobus 4:5-6.10)

Gestillte Seele aus Gott

Interessant ist, dass König David mit den Jahren gelernt hat, diese innere Unruhe zu stillen und gegen seine Sünde anzukämpfen. So konnte er in einem anderen Psalm schreiben: Ein Wallfahrtslied. Von David. O HERR, mein Herz ist nicht hochmütig, und meine Augen sind nicht stolz; ich gehe nicht mit Dingen um, die mir zu groß und zu wunderbar sind. Nein, ich habe meine Seele beruhigt und gestillt; wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter, wie ein entwöhntes Kind ist meine Seele still in mir. Israel, hoffe auf den HERRN von nun an bis in Ewigkeit! (Psalm 131)

Ich habe meine Seele beruhigt, sagt David. Er hat Demut gelernt und Gott hat ihn erhört und erhöht. David hat gelernt, seiner Seele das Evangelium zu predigen. Vieles von dem, was uns zu schaffen macht, sind Dinge, die wir verdrängen. Ich darf in meinen Zeiten des Coachings (Link) auch vieles verarbeiten, wovon ich nicht dachte, dass es mir noch so sehr zu schaffen macht. Du darfst deiner Seele Gottes Gnade zusprechen und selber auch gnädig mit dir sein. Ein zerschlagenes Herz und ein zerbrochener Geist sind das ideale Material, mit dem Gott arbeiten kann.

Sei gesegnet!

Weg mit den Rachepsalmen?

In den Psalmen wird nicht nur gebetet, geklagt, gedankt. Manchmal geht es so richtig ans Eingemachte. Manchmal sind die Psalmen heftiger und schrecklicher als wir uns auch nur zu denken wagen. Manchmal haben sich Psalmisten ganz besondere Lynchmethoden für ihre Feinde ausgedacht, die eher an „Texas Chainsaw Massacre“ erinnern als an Lobpreissongs.

23 Ihr Tisch vor ihnen soll zur Schlinge werden und zum Fallstrick den Sorglosen! 24 Ihre Augen sollen finster werden, dass sie nicht mehr sehen, und ihre Lenden sollen allezeit wanken. 25 Gieße deinen Grimm über sie aus, und die Glut deines Zorns erfasse sie; 26 ihre Wohnstätte soll verwüstet werden, und in ihren Zelten wohne niemand mehr!

(aus Psalm 69)

oder

7 O Gott, zerbrich ihnen die Zähne im Maul; HERR, zerschmettere den jungen Löwen das Gebiss! 8 Lass sie zerrinnen wie Wasser, das sich verläuft! Legt er seine Pfeile an, so seien sie wie abgeschnitten! 9 Sie sollen sein wie eine Schnecke, die dahingeht und zerfließt, wie die Fehlgeburt einer Frau, welche nie die Sonne sah!

(aus Psalm 58)

Wer sucht, wird noch eine Reihe mehr davon finden.

Was machen wir damit?

Wer sind unsere Feinde? Es gibt hierauf eine doppelte Antwort. Wenn du keine menschlichen Feinde hast, die dir etwas so Schlimmes antun, dass du dich danach sehnst, so zu beten, dann sei dankbar. Aber versuche nicht, diese Psalmen weg zu erklären oder aus deinem Gedächtnis zu streichen. Wir haben sie nötig.

tl:dr Wenn wir die Rachepsalmen wegerklären oder auslassen, berauben wir die Menschen, die Schlimmes durchmachen, an Worten und Gebeten und zwingen sie dazu, das Leid in sich hineinzufressen. Der Doppelpunkt der Rachepsalmen ist immer: Die Rache gehört Gott. Wir geben sie an Ihn ab, der gerecht richtet.

Wenn ich daran denke, was viele Menschen in ihrem Leben durchgemacht haben, wie viele Frauen schon als junge Mädchen darauf getrimmt wurden, wie „normal“ es angeblich sei, dass Männer und ältere Verwandte mit ihren Körpern tun dürfen was ihnen gefällt, was es für angeblich „normale“ „Spiele“ gibt, die sie daran gewöhnen, andere an ihre intimen Bereiche fassen zu lassen, wenn ich bedenke, wie viele schon früh sexuell missbraucht wurden und werden, oder wenn Menschen zur Prostitution gezwungen werden, dann verstehe ich auch, wo diese Psalmen ihren Platz in unserer Zeit haben.

Die Rachepsalmen sind kein Freibrief für Selbstjustiz. Sie sind Gebete, die Gott darum bitten, gerecht zu sein und ihnen und ihren Widersachern Recht und Gerechtigkeit zu geben. Sie sind legitime Gebete für Menschen in Ausnahmesituationen. Interessant ist, dass Jesus am Kreuz keinen Rachepsalm gebetet hat. Im Gegenteil – ER betete: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Jesus wusste, dass die Menschen, die Ihm das antaten, von einem Höheren angestiftet wurden.

Der ultimative Feind

Jesus wusste, dass der ultimative Feind nicht der Mensch ist, der etwas Böses tut. Der Mensch ist zwar für seine Taten verantwortlich und wird von Gott dafür zur Rechenschaft gezogen, aber wie Paulus schreibt: Unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Mächte Satans. (vgl Epheser 6:10ff)

Und hier komme ich zur zweiten Antwort. Der ultimative Feind ist nicht der Mensch, sondern der gefallene Engel Luzifer, der als zweithöchstes Wesen den Platz Gottes einnehmen wollte und stattdessen zum Verkläger und Durcheinanderbringer der Menschen wurde, sie zum Ungehorsam und allen Arten von Übeln anstiftet. Deshalb haben die Rachepsalmen auch eine geistliche Ebene.

Am Ende wird dieser Widersacher tatsächlich in einem Akt, der durchaus aus einem der Texas Chainsaw Massacre Teilen stammen könnte, vernichtet – aber in Ewigkeit. Ohne Ende. Die Hölle, der Ort, an welchem Gott alles Gute entzieht und nur noch den Zorn zeigt, wird für den ultimativen Feind und alle seine Helfershelfer bereitet. Wie eine Schnecke, die in der Sonne austrocknet und nach Feuchtigkeit lechzt – doch ohne ein Ende in Sicht. Da ist dann die ultimative Gerechtigkeit für den ultimativen Feind, nach der sich die Psalmisten sehnen.

Psalmen-Overkill: Warum ich eine Pause brauchte

In den vergangenen zwei Jahren habe ich die Psalmen nach der Gray-Methode (Link) gelesen. Zuerst habe ich mich schon gefragt: Schaffe ich das? Die Psalmen 20 Mal zu lesen? Nachdem mir auf Facebook etwas Mut zugesprochen wurde, habe ich das Projekt begonnen.

Ich muss dazu anmerken, dass ich zwar so meine einzelnen Lieblingspsalmen habe, aber darüber hinaus noch nie so ein enthusiastischer Psalmen-Fanboy war. Ich kenne viele Menschen, die daraus viel Kraft schöpfen können. Das habe ich mir zwar auch irgendwie gewünscht, aber bin noch nicht da angelangt.

Zum Projekt selbst: Ich war erstaunt, wie leicht mir die ersten etwa zwölf bis 14 Male gefallen sind. Erstaunlich viel Neues durfte ich über die Psalmen lernen. Mir wurde bewusst, wie sehr das Buch der Psalmen ganz genau überlegt komponiert und zusammen gestellt wurde. Die vielen verschiedenen Arten von Psalmen haben mich fasziniert. Zu all dem werde ich nach und nach auch noch schreiben. Stay tuned!

Doch dann kam der Overkill

Heute möchte ich mich auf eins beschränken: Nämlich darauf, wie es mir nach diesen ersten, erstaunlich leichten Malen ergangen ist. Plötzlich kam nämlich der Umschwung. Ich merkte, dass mich die Gefühle der Psalmisten emotional mitrissen – und da wurde es zu viel. Fast konnte ich ein wenig nachvollziehen, wie es dem großen Fjodor Dostojewski ergangen sein musste, als er das Buch Hiob las:

„Ich lese das Buch Hiob, und es rührt mich zu schmerzlicher Ekstase. Ich lege das Buch beiseite und gehe stundenlang im Zimmer auf und ab, und es fehlt nicht viel, dass ich anfange zu weinen.“

Diese Zeilen schrieb Dostojewski gegen Ende seines Lebens in einem Brief an seine Frau. So ähnlich rührten mich manche Psalmen auch; besonders wenn es innerhalb weniger aufeinanderfolgender Psalmen viele starke emotionale Veränderungen gab. Von Angst zu Lobpreis, von Trauer zu Dank, von Wut zu Freude. Und so weiter. Das wurde mir zu viel. Was also sollte ich tun?

Bibel lesen – ja! Aber keine Sturheit ums Verrecken

Beim 17. Durchlauf habe ich mich dann entschieden: Es reicht! Ich brauche etwas Anderes. Etwas weniger Emotionales. Das Markus-Evangelium. Markus ist wohltuend straightforward. Ohne große Schnörkel. Einfach gehalten, einfach verständlich. Das war es, was ich jetzt brauche.

Und wie weiter? Ich weiß es noch nicht. Irgendwann werde ich wohl zu den Psalmen zurück kehren. Und dann zu den Sprüchen. Und dann kommen ja irgendwann auch noch die großen Prophetenbücher. Aber ich kann heute noch nicht genau sagen, ob ich wieder zur Methode von James Gray zurückkehren werde oder ein eigenes Zwischending mache.

Darum geht es ja auch: Bibel lesen ist wichtig. Es ist wertvoll. Es soll mich verändern. Jeden Tag merke ich, wie viel ich davon brauche. Von dieser Veränderung. Aber es geht nicht darum, dass man stur und ums Verrecken an genau der einen Methode festhält, die man sich in den Kopf gesetzt hat. Manchmal muss man sich auch selbst vor etwas Gutem schützen, das einem zu viel wird.

Die Bibel anders lesen?

Es gibt viele Arten, die Bibel zu lesen, und die meisten davon sind gut. Jede, die dafür sorgt, dass ich nichts auslasse, nichts umschiffe, nichts überlese, ist gut genug. Ich habe inzwischen Menschen getroffen, die die ganze Bibel in einem Monat durchgelesen haben. 30 Tage von 1. Mose bis Offenbarung. Das verdient meinen höchsten Respekt. Ich weiß nicht, ob ich mich das trauen würde. Vielleicht irgendwann.

Wovon ich abraten würde, sind Methoden, die nur einzelne Verse aus dem Zusammenhang gerissen betrachten. Zweifellos haben die Herrnhuter Losungen schon manch gutes bewirkt. Dennoch sind sie zu wenig. So manch ein Vers wird gar nicht erst ins Sortiment aufgenommen, aus welchen die täglichen Losungen gezogen werden. Auch wenn diese Verse ebenso vom Heiligen Geist inspiriert sind.

Eines kann ich aber jedem zum Schluss noch empfehlen: Wechsle immer mal wieder die Übersetzung. Alle paar Jahre. Das hilft, dass wir Dinge neu entdecken, die in anderen Übersetzungen schon so vertraut klingen, dass es überlesen wird.

Und wie liest Du dieses Jahr in der Bibel? Was sind Deine Tipps und Tricks?

Eine Reise zum Herzen der Psalmen: Klagepsalmen

Dies ist der zweite Teil unserer Reise zum Herzen der Psalmen. Zum ersten Teil geht es hier (Link). Wer sich mit den Psalmen beschäftigt, wird über eine Tatsache stolpern: In den Psalmen wird oft geklagt. Es geht um Sorgen, um Nöte, um Schmerzen. Wenn wir das mit vielen heutigen Gebeten vergleichen, dann fällt der Unterschied ziemlich krass auf. Die meisten frei formulierten Gebete (und auch sehr viele vorformulierte) sind in gewisser Weise triumphalistisch. Oberflächlich. Kleingläubig. Oder einfach gebetsautomatmäßig. So als ob Gott ein Automat wäre, der auf unser oben eingeworfenes Gebet dann antwortet, wenn der Betrag stimmt.

Jesus hat anders gebetet: Er hat auch geklagt

Ich schrieb im ersten Teil schon, dass die Psalmen im Grunde genommen auf die Kommunikation von Gott zurück gehen. Gott ist ein singender Gott, und Gott hat die Psalmen schon gekannt und festgelegt, bevor es Menschen gab, die sie aufschreiben konnten. Viele der Klagepsalmen gehen auf die Zeit zurück, als Jesus auf der Erde war. Oops – sie wurden doch schon Jahrhunderte früher aufgeschrieben? Oh ja – und genau das ist das Geniale: Der Heilige Geist sagte David und den weiteren Psalmschreiber durch ihr persönliches Leben schon früher, wie es Jesus einst gehen wird. Ganz deutlich wird das in Psalm 22, den Jesus am Kreuz betete.

Gerade in den vergangenen Wochen wurde mir eines deutlich, als ich die drei Bände von Philip Schaffs „Creeds“ (Link) las, also eine sehr umfangreiche Sammlung von Glaubensbekenntnissen und Katechismen aus vielen Jahrhunderten und aus vielen verschiedenen christlichen Konfessionen und Denominationen. Für die Christen der meisten Jahrhunderte war klar, dass Jesus nicht erst am Kreuz litt. Das Leiden am Kreuz, der Tod und die Auferstehung sind natürlich der Höhepunkt davon, und sie sind es, die uns erlöst haben. Aber das Leiden war etwas, was den Herrn Jesus Sein ganzes menschliches Leben lang begleitete. Und das wird oft vergessen oder viel zu wenig betont. ER litt unter den Kleinglauben der Jünger. ER litt unter dem Anblick des Volkes Israel, das wie Schafe ohne Hirten war. ER litt unter dem Anblick der Krankheiten und der dämonisierten Menschen. Jesus weinte. Litt. Betete. Klagte.

Das Klage-Gebet: Der sicherste Ort für deine Nöte

Wir haben es verlernt, zu klagen und zu beten wie Jesus. Und wie die Apostel. Und wie die meisten Christen vieler Jahrhunderte. Es gibt in unserer Zeit eine sehr ungesunde Tendenz und Gewohnheit unter uns: Wir nähern uns Gott sehr oberflächlich, tun so, als ob alles in Ordnung wäre. Und stattdessen klagen und murren wir lieber da, wo andere Menschen zuhören, die an der Situation nichts verändern können. Das macht etwas mit uns: Es verbittert. Viele Menschen haben sich so an das Klagen und Murren vor Menschen, an das Lästern und Hintenrum-Gerede gewöhnt, dass sie sich schon gar nicht mehr vorstellen können, wie es ohne Grund zum Lästern wäre.

Lass dir eins gesagt sein: Das Gebet ist der beste Ort, an den du mit deiner Klage und deinen Sorgen gehen kannst! Gott fordert uns in Seinem Wort geradezu auf, unsere Sorgen auf Ihn zu werfen, weil ER für uns sorgen will (1. Petrus 5:7). Wenn wir es nicht tun, sondern zu Gott nur oberflächlich kommen und stattdessen unsere Sorgen lieber mit anderen Menschen teilen, klagen und murren, dann geben wir dem Teufel Raum, so dass er uns verbittert machen kann.

Psalm 6: Ehrliche Klage verändert alles

Ich möchte dich einladen, den Psalm 6 in deiner Lieblingsbibel und am besten auch noch in einer oder zwei anderen Übersetzungen mal durchzulesen. Es ist nicht so viel Arbeit, aber sie lohnt sich umso mehr. Es sind nur elf Verse. David kommt zu Gott mit vielen Klagen, mit Vorwürfen. Wie lange, Gott, wie lange lässt Du Dir Zeit? Wie lange soll ich noch leiden? Wie lange noch lässt Du zu, dass mich meine Feinde bedrängen? Mein Bett ist nass von meinen Tränen! Darf man so beten?

David macht das Richtige. Er geht mit seiner Klage nicht zu seinen Freunden. Er geht nicht in den Hauskreis, um über seine Feinde abzulästern. Er geht nicht zu seinen Nachbarn, um ihnen zu erzählen, wie lange es ihm schon ach so schlecht geht. Nein, er geht damit zu Gott. Er richtet seinen Blick auf den Schöpfer des Universums, auf den König der Könige. Mir wurde bei diesem Psalm ganz besonders bewusst: Auf Gott schauen ändert nicht unseren Fokus oder Blickwinkel – es ändert alles. Wenn es nur unseren Fokus ändern würde, dann würden wir uns ständig durch Blickwinkelveränderung selbst erlösen müssen. Doch Gott sei Dank, dass ER uns beständig hält und unseren Blick immer wieder auf Ihn richtet.

Für wen beten wir?

David betet. Er klagt. Er schreit. Er macht Vorwürfe. Das ist alles vollkommen in Ordnung. Er macht es für sich und für Gott. Er macht es nicht, um damit Aufmerksamkeit von anderen Menschen auf sich zu ziehen. Jesus sagte etwas Krasses in der Bergpredigt: Wenn du armen Menschen etwas gibst, es aber so tust, dass es möglichst viele sehen können, dann hast du damit keine Schätze im Himmel gesammelt, sondern deinen Lohn (nämlich die Aufmerksamkeit) schon bekommen. Ich glaube das ist das Problem auch beim Beten: Viele Menschen, die sich Klage-Gebete angewöhnt haben, bekommen ihren Lohn schon auf der Erde. Viel wird für die Aufmerksamkeit geklagt, nicht für die Beziehung zu Gott.

Ich glaube, wenn mehr in der stillen Kammer geklagt würde, könnte man auch mehr Veränderung sehen.

Eine Reise zum Herzen der Psalmen

Vor ein paar Jahren begann ich eine neue Art des Bibellesens. Hier (Link) habe ich zum Konzept dahinter mehr geschrieben. Nun bin ich bei den Psalmen angelangt. Seit Ende Januar habe ich mit der Challenge begonnen, 20 Mal die Psalmen zu lesen. Sie wird noch einige weitere Monate dauern, inzwischen beende ich gerade den fünften Durchgang.

Lange Zeit haben mir die Psalmen etwas Mühe bereitet, da ich – abgesehen von ein paar Lieblingspsalmen – mit vielem darin eher weniger anfangen kann. So ähnlich, wie es wohl manchen geht beim Lesen der Genealogien oder der Beschreibung der Stiftshütte, ging es mir bei den Psalmen: Ich war froh, wenn sie vorüber waren und ich sie abhaken konnte. Inzwischen weiß ich mehr dazu, weshalb es mir so ergangen ist, aber dazu werde ich ein anderes Mal schreiben. Heute möchte ich eine Grundlage legen, die uns ins Buch der Psalmen einführt. Deshalb die grundlegendste Frage:

Was sind die Psalmen?

Die Psalmen sind zunächst einmal Lieder. Das ist schon mal etwas, was uns verloren geht, denn in den verbreiteten deutschen Übersetzungen geht sehr viel von der Schönheit dieser Lieder verloren. Aus diesem Grund habe ich mich vor einigen Jahren darangesetzt, meine Lieblingspsalmen in Gedichtform wiederzugeben. Das Ergebnis davon findet sich etwa in meiner Gedichtesammlung (Link) und verstreut auf meinem Blog (Link).

Aber die Psalmen sind viel mehr als nur Lieder. Sie sind auch nicht einfach eine Auswahl von Liedern, die Menschen einmal geschrieben haben und die Gott besonders gut gefallen haben. Nein, da müssen wir noch einen Schritt weiter gehen: Die Psalmen sind Gottes Lieder über Jesus Christus, in die wir mit einstimmen dürfen! Der Gott der Bibel ist ein singender Gott, Zephanja 3:17 zeigt das deutlich genug, besonders wenn man sich in englischen Übersetzungen umsieht. Deutsche Übersetzer scheinen damit wohl eher ein Problem zu haben. Die Psalmen zeugen von der Liebe innerhalb der göttlichen Dreieinigkeit, in welche die Gemeinde Jesu Christi durch den Heiligen Geist mit hinein genommen ist. Deshalb sind sie heilige Lieder, die denjenigen vorbehalten sind, die wirklich zu neuem Leben wiedergeboren wurden.

Die zwei Wächter-Engel

Und weil die Psalmen so heilige Lieder sind, hat der Heilige Geist auch zu Beginn der Psalmen zwei Wächter-Engel aufgestellt, ähnlich denen, die über der Bundeslade thronen. Psalm 1 und Psalm 2 sind Gottes Security-Personal, das aber zum Schutz der Leser, nicht zum Schutz Gottes, aufgestellt sind. Ich denke, dass man sich nicht nur beim Abendmahl Gericht auf sich ziehen kann, wenn es unwürdig (ungläubig oder in akuter Sünde lebend) eingenommen wird, sondern dass man sich auch das Gericht auf sich singen kann, aus ähnlichen Gründen. Deshalb stehen zu Beginn der Psalmen diese zwei Wächter.

Der erste Wächter sagt: Dieses Buch der Psalmen ist nur für eine ganz bestimmte Art von Menschen und es gibt zwei Arten von Menschen, die eine Art gleicht einem Baum, gepflanzt an Wasserbächen und die andere Art gleicht Spreu, die vom Wind verweht wird und dem Gericht Gottes ausgesetzt ist. Die eine Art begibt sich nicht auf das Niveau von Sündern und Gottlosen, sondern hat Freude am Gesetz Gottes und denkt immerzu darüber nach. Die andere ist sehr unbeständig und lässt sich immer wieder von Spöttern runterziehen und mitreißen. Kurz: Es gibt genau einen Menschen, der einem solchen Baum gleicht, und das ist Jesus Christus.

Und das war schon alles?

Da ergreift der zweite Wächter das Wort: Nicht so hastig, schau dich in der Welt um: Überall versuchen Menschen, in ihrem Leben und in ihrem Umfeld auf dem Thron zu sitzen und alles selbst zu bestimmen. Sie wollen autonom sein, ihr eigenes Gesetz, sie wollen Gottes Gebote aushebeln, so als ob sie sich die Naturgewalten und Naturgesetze untertan machen wollten. Doch Gott lacht und spottet nur über sie. Gott spricht zu ihnen: Diesen Mann, der einem Baum gleicht, den habe Ich als König eingesetzt! Ihr alle seid wie Spreu, die der Wind verweht, aber der starke Baum, der wird über euch herrschen und euch leiten. Es gibt einen Weg, um zu den Psalmen zu kommen, einen Weg zum Herzen Gottes, und der führt weg von dir, weg vom immer um sich selbst kreisen und stattdessen Gott in den Mittelpunkt stellen. Psalm 1 beginnt mit den Worten: Wohl dem, der nicht wandelt… und Psalm 2 endet ähnlich: Wohl allen, die sich bei ihm bergen. Wer sich bei Ihm birgt, beim König des Universums, kann aus Spreu zu einem kleinen Baum werden, der selber Frucht tragen kann.

So erzählen die zwei ersten Psalmen zusammen das Evangelium von Jesus Christus in einer Art und Weise, die wir heute nicht mehr so direkt kennen. Das wird in den weiteren Psalmen noch vielfach vertieft und weiter ausgebaut. Unsere Reise zum Herzen der Psalmen ist auch eine Reise zum Herzen der Thora (der fünf Bücher Mose) und nicht zuletzt eine Reise zum Herzen Gottes.

Sei gesegnet auf deiner eigenen Reise, Gott immer näher und tiefer kennen zu lernen!

O Gott, sei Du mir gnädig (nach Psalm 51)

(Singbar nach der Melodie von ‚O Haupt voll Blut und Wunden‘)

1. O Gott, sei Du mir gnädig
nach Deiner großen Güt‘.
Mach mich der Sünden ledig,
dass meine Schuld verglüht
in Deinem heil’gen Feuer
in der Barmherzigkeit
und meine Seel‘ erneuer
von allem Weheleid

2. Wasch Du mich rein und reiner
im Blute am Ysop
und hilf, dass immer kleiner
mein Ich wird und darob
ich meiner Sünde sterbe
den neuen Mensch anzieh,
das Himmelreich ererbe
und alles Böse flieh.

3. Ich kenne meine Sünden
und alles, was ich tu
so lasse mich doch finden
in Deiner Nähe Ruh.
Ich schrei zu Dir in Sorgen
bis dass Du mich erlöst
und mich bei Dir geborgen
in Deinen Armen tröst.

4. O Herr, mach mich doch weise
Erkenntnis schenke mir
bis dass ich zu Dir reise
an Deiner Himmel Tür.
Noch reiner als die Wolle
und weißer als der Schnee
bis dann umher ich tolle
vor Freude in der Höh.

5. Für Dich nur will ich leben
mich weihen meinem Herrn.
Denn Du nur kannst vergeben
die Schuld und tust es gern.
Ein neues Herz mir schenken
und einen neuen Geist,
willst meinen Willen lenken,
bis dass er Dich nur preist.

6. Nun möchte ich die Lieben
und Freuden, die Du gibst
auf dass sie nie zerstieben,
mit denen Du mich triebst
auch Menschen weitergeben,
zu denen ich gesandt,
indem mein ganzes Leben
zu ihnen sei gewandt.

7. So löse unsre Zungen
und fülle unsern Mund,
bis dass Dein Lob erklungen,
tu‘ so die Botschaft kund
von Deiner großen Ehre
und allem Deinem Ruhm
bis dass es jeder höre
von Deinem Eigentum.

8. Es ist nicht unser Können
und auch nicht unser Tun.
Wir können nicht so brennen,
verdient bei Dir zu ruhn.
Doch sind es Deine Gnaden
und Deine Herrlichkeit
so sind wir ohne Schaden
bei Dir in Ewigkeit.

Jonas Erne, 04.02.2018

Psalm 3

Psalm 3 (Gedicht)
Ein Lied von David, der auf seiner Flucht
vor Abschalom, seinem Sohn, die Rettung sucht.
HERR, wie groß ist meiner Feinde Zahl,
viele steh’n gegen mich auf zu meiner Qual.
Von meiner Seele sagen viele in ihrem Spott,
sie habe keine Rettung bei meinem Gott.
Pause.
Doch Du, HERR, bist ein Schild um mich her,
meine Ehre, meines Haupts Erheber mehr.
Meine Stimme ruft laut meinem HERRN,
Der vom heil’gen Berg antwortet gern.
Pause.
Ich legte mich nieder, schlief ein und stand auf,
denn der HERR stützt mich und hält meinen Lauf.
Nicht fürchte ich zehntausend wütend‘ Soldaten,
die um mich herum lagernd rühmen ihre Taten.
Erhebe Dich, HERR, errett‘ mich, mein Gott!
Denn Du hast geschlagen in ihrem Komplott
auf die Kinnbacke alle meiner Feinde Zahl,
der Gottlosen Zähne zerschmettert in Qual.
Dem HERRN gehört die Rettung alle Zeit!
Dein Segen Deinem Volke stets bereit!
Pause.
(frei nach Psalm 3)
02.04.2013, Jonas Erne

Psalm 16

Psalm 16 (Gedicht)
Ein Miktam, von David geschrieben:
Schütze mich, Gott, ich weiß mich getrieben
zu Dir, denn Dir will ich vertrauen!
Zu Dir allein, HERR, will ich schauen!
Du hast zum HERRN gesagt: Mein HERR bist Du!
Ich hab kein Gut außer Dir, meine Ruh!
Den Heil’gen auf Erden: Sie sind der Adel,
ihrer ist mein Wohlgefallen, und kein Tadel.
Groß werden die Sorgen all derer sein,
die hinter anderem herlaufen, als Ihm allein.
Keines ihrer Trankopfer von Blut will ich halten,
keinen ihrer Namen auf meiner Zunge gestalten.
Der HERR ist mein Erbe und meines Bechers Teil,
Du hältst bereit mein Erbstück und machst mich wieder heil.
Die Schnüre sind gefallen an den schönsten Orten,
auch ein schönes Erbteil ist mir zuteil geworden.
Ich lobe meinen HERRN, der mir den Rat gegeben,
auch in den Nächten mahnt mich mein inn’res Leben.
Ich habe den HERRN vor mir allezeit,
Er steht mir stets zur Rechten, zur Hilfe mir bereit,
weshalb ich nicht werde wanken:
Dafür will ich Ihm danken.
Deshalb freut sich mein Herz, jubelt laut
meine Herrlichkeit, die dadurch erbaut.
Auch mein Fleisch wird sicher ruh’n,
denn was Du mir nicht wirst tun,
meine Seele preiszugeben
dem Totenreiche, fern vom Leben.
Deinen Frommen wirst Du nicht lassen
sehen die Verwesung einsam verlassen.
Du wirst mir zeigen den Weg zum ew’gen Leben,
Fülle von Freuden Deines Angesichts geben
Freuden Deiner Rechten für ewig und immer
und Deiner Herrlichkeit herrlichen Schimmer.
(frei nach Psalm 16)
12.09.2012, Jonas Erne

Psalm 103

Psalm 103 (Gedicht)
Von David. Lobe, meine Seele, den HERRN
und was in mir ist drinnen, tu’s gern,
Seinen heiligen Namen. Meine Seele,
lobe den HERRN der guten Befehle
und vergiss nicht all jenes Gute,
das Er dir getan, mit frohem Mute.
Der dir alle deine Sünden vergibt,
all deine Krankheiten heilt und dich liebt.
Der dein Leben vom Verderben befreit,
dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit
Der satt macht mit Gutem deinen Mund,
dass du erneuert wie in der ersten Stund‘
eines Geiers in volle Kraft gestärkt.
Gerechtigkeit hat der HERR gewerkt
und Recht allen, die sind unterdrückt,
deren Kraft gebeugt, gebückt.
Mose Seine Wege wissen gemacht,
den Kindern Israels Seine große Macht.
Barmherzig und gnädig ist der HERR,
langsam zum Zorn, von Güte schwer.
Nicht für ewig wird Er richten
und nicht für immer zürnend sichten.
Nicht nach unseren Sünden hat Er getrieben
und nicht an unseren Verfehlungen geblieben.
Denn so hoch die Himmel über der Erden,
so groß die Gnade über die Ihn fürchten werden.
So weit wie der Osten vom Westen ist fern,
so hat Er uns unsere Sünden lassen entbehrn.
Wie ein Vater sich erbarmt über seine Söhne,
so erbarmt Sich der HERR, und das ist das Schöne,
über jeden, der Ihm in Ehrfurcht begegnet.
Denn Er kennt uns, und Er hat uns gesegnet.
Er weiß, wie wir sind, Er hat uns erdacht.
Er hat uns Menschen aus Staub gemacht.
Der Mensch: Wie Gras sind seine Tage,
wie des Feldes Blüte blüht, so vage.
Wenn der Wind darüber geht, ist sie verschwunden,
und der Ort, wo sie war, wird nicht mehr gefunden.
Und die Gnade des HERRN währt für immer:
Von Ewigkeit zu Ewigkeit bleibt ihr Schimmer
auf allen denen, die Ihn fürchten und ehren
und diese Furcht auch die Nachkommen lehren.
Auf denen, die Seinen Bund verwalten
und Seiner Gebote gedenken, sie einzuhalten.
Der HERR hat Seinen Thron in den Himmeln bereitet
und Seine Herrschaft alles regierend ausgebreitet
Lobt den HERRN, Seine Engel, Helden der Kraft,
die ihr Seinen Befehlen die Wirkung verschafft!
Gehorchend der Stimm‘ Seiner Worte,
ihr an dem himmlischen Orte.
Lobt den HERRN, all Seine Heeresscharen
Seine Boten, tuend Seinen Willen zu bewahren
Lobt den HERRN, all die Er so gut gemacht
an allen Orten Seiner herrlichen Macht.
Auch an mich selbst gehen die Befehle:
Lobe für immer den HERRN, meine Seele!
(frei nach Psalm 103)
05.09.2012, Jonas Erne