Psalm 51

Psalm 51 (Gedicht)
An den Leiter der Gesänge:
Ein Psalm Davids. Von der Strenge
seiner Sünde. Als dem König
wurde klar, dass er nicht wenig
hat gesündigt und gefehlt,
so hat die Schuld er nicht verhehlt.
Dies war, als Nathan, sein Berater
zu ihm kam, und zwar in privater
Audienz um ihm zu sagen,
dass sein sexuell Betragen
an Batseba und sein Mord
zum HERRN geschrien in einem fort.
O Gott, ich brauche Deine Gnaden,
wie sehr bin ich mit Schuld beladen.
Gemäß Deiner Güte lösche aus meine Sünden,
lass sie im tiefsten Meere verschwinden.
Meine Übertretungen, nimm sie hinweg von mir,
und mach mich wieder ganz sauber vor Dir.
Wasche mich rein von all meiner Schuld,
und reinige mich in Deiner Geduld.
Denn meine Übertretungen erkenne ich an:
Wie viel Leid ich damit Dir habe getan.
Immer sehe ich meine Sünde vor mir stehen,
was ich auch tue, sie will nicht von mir gehen.
An Dir allein, HERR, hab ich gesündigt,
habe getan, was Du mir durch Nathan verkündigt.
Ich tat, was ist böse in Deinen Augen,
ich sehe, dass Sünden wirklich nichts taugen.
Wenn Du sprichst, Herr, so bist Du immer im Recht,
und wenn Du richtest, so bist Du gerecht.
Siehe, HERR, in Schuld bin ich geboren,
ohne Deine Güte und Gnad‘ verloren.
Siehe, in Sünde wurde ich empfangen
von meiner Mutter, in Sünde nun gefangen
Siehe, nach Wahrheit steht Dein Verlangen,
Wahrheit im Innersten, das lässt mich bangen.
HERR, lass mich erkennen, was weise,
sag es mir im Verborgenen leise.
Reinige mich, HERR, von meinen Taten,
mit Ysop, der Du mich hast beraten.
Wasche mich, HERR, mit allem Fleiß,
damit wie Schnee ich werde weiß.
Lass mich hören Freudenschrei,
Jubel und noch mehr dabei,
damit meine zerschlagenen Glieder
in Jubel singen Dir Lieder.
Verbirg vor allen meinen Sünden,
HERR, Dein Angesicht, lass finden
mich in Deinen Augen Gnaden,
und lösche aus die Missetaten.
Ein reines Herz erschaffe mir
o Gott und einen Geist, der Dir
von Neuem fest will bleiben,
mein Inn’res zu Dir treiben.
O HERR, ich bitt‘: Verwirf mich nicht
von Deinem teuren Angesicht.
Und den Geist Deiner Heiligkeit:
nimm Ihn nicht von mir im Streit.
Gib mir doch wieder die Freude am Heil,
das Du mir schenkst, damit ich verteil
diese Freude. Und mache mich fest
mit dem Geist, der sich auf Dich verlässt.
Ich will lehren die Rebellen Deine Wege,
auf dass sich der Sünder zu Dir bewege
und umkehrt von all seinem Tun,
damit er in Dir möge ruhn.
Errette mich doch vor des Blutes Schuld,
Du bist mein Gott des Heils, voll Geduld.
Meine Zunge soll loben Gerechtigkeit Dein
bis jubelnd fällt ein mein ganzes Gebein.
Mein Herr, tue mir meine Lippen weit auf
und mein Mund soll Dich loben von innen herauf.
Denn Dir geht es nicht um die Opfer von Tieren,
sonst würde ich gerne meinen Stall zu Dir führen,
auch der Rauch von den Opfern kann Dir nicht gefallen,
von den Tieren willst Du weder Fleisch noch die Krallen.
Es gibt nur ein Opfer, das Dir wohl gefällt,
und wer dies bringt, um den ist’s wohl bestellt.
Wer zerbrochenen Geistes und verwundet am Herzen
zu Dir kommt, um bei Dir zu stillen die Schmerzen,
wer seine Sünde erkennt und sich rein macht bei Dir,
den wirst nicht verachten, sondern öffnest die Tür.
Tue Gutes an Zion gemäß Deiner Gnade,
und baue Jerusalems Mauern gerade.
Denn dann erst wirst haben Du Dein Gefallen
an den Opfern der Gerechtigkeit, an allen.
An Brandopfern und Ganzopfern, an all den Tieren,
die man auf Deinem Altar wird opfern, den Stieren.
(frei nach Psalm 51)
04.09.2012, Jonas Erne

Psalm 15

Psalm 15 (Gedicht)
Ein Psalm, den David hat geschrieben,
der König, der Gott ist treu geblieben.
HERR, so fragt er, wer darf wohnen,
wen willst Du, HERR, damit belohnen,
in Deinem Zelt? Auf Deiner Heiligkeit
Berg sich niederlassen Deiner Herrlichkeit?
Wer nun geht den Weg der Wahrheit,
der Ehrlichkeit und aller Klarheit.
Und wer handelt nach gerechtem Sinn,
der ist bei Dir und macht Gewinn.
Und wer die Wahrheit sagt von Herzen,
und mag sie manchmal auch sehr schmerzen.
Wer keine Verleumdung trägt in seinem Munde,
auf seiner Zunge, die machen schnell die Runde.
Wer nicht Übles zufügt dem Nächsten daneben,
wer dem Mitmenschen nicht verdirbt das Leben.
Und wer dem Bruder nicht Schande muss bringen,
sondern vielmehr sich selbst darin kann bezwingen.
Wer denjenigen, der Gottes Willen verachtet
in seinen Augen als verwerflich betrachtet.
Und wer denjenigen mit Ehre bedenkt,
der sich gottesfürchtig Jahwe schenkt.
Wer seinen Schwur nicht nimmt zurück,
auch wenn er mehr Schaden bringt als Glück.
Wer für sein Geld nicht hohe Zinsen nimmt,
wer gegen solche Unterdrückung stimmt,
und wer nicht nimmt Bestechung an,
noch unrecht hilft, wo er nur kann.
Wer solches tut, der wird nicht stürzen,
noch wird ewig etwas den Segen kürzen.
(frei nach Psalm 15)
28. 08. 2012, Jonas Erne

Psalm 139

Psalm 139 (Gedicht)
Eine Info an den Lobpreisleiter zu Beginn:
Dies Lied hat David geschrieben, im Sinn
dem HERRN zu danken und Ihn zu loben:
HERR, Du kennst mich, von unten bis oben!
Du erforschst all mein Denken, Reden und Tun,
auch meine Zukunft ist Dir offen im Nun!
Du, HERR, siehst mein Tun und Lassen,
all mein Lieben, all mein Hassen,
weißt, ob ich sitze oder stehe,
wo ich bleibe, wo ich gehe.
Was ich fühle, was ich denke,
erkennst, wem ich Beachtung schenke.
Du siehst meinen Weg, den ich beschreite,
mein Hinlegen, zum Schlafe ich mich bereite,
beobachtest Du und siehst, wohin ich mich lege
erkennst auch mein Gehen und all meine Wege,
die je ich betreten und habe begangen,
fühlst mit mir mit, meine Ängste, mein Bangen.
Denn kein Wort war je auf meiner Zunge verborgen
vor Dir, und in meinen Gedanken jedwede Sorgen,
die Du nicht gekannt und gewusst noch vor mir.
O HERR, wie wunderbar ist das Leben mit Dir!
Nichts tritt auf meine Lippen, das Du nicht gekannt,
und dennoch bin ich nicht von Dir weg verbannt!
Von hinten und von vorn umgibst Du mich,
hältst mich fest, HERR, dafür liebe ich Dich!
Deine Hand hast Du um mich gelegt, meine Füße
stehn auf Dir als Fundament, deshalb schließe
mich ganz ein in Dich und Deine ewige Treue,
Dein Segen ist auf mir, dessen ich mich erfreue.
Zu wunderbar ist die Erkenntnis,
es fehlt zum Erfassen das Verständnis.
Das Wissen um all Dein Vermögen,
denn Deiner Macht steht nichts entgegen.
Zu hoch ist mir, dies zu verstehen,
und doch hast Du mich ausersehen.
Wohin könnte ich denn gehen vor Deinem Geist?
Wohin vor Dir, der Du doch alles weißt?
Wollte ich fliehen vor Dir, HERR, wohin?
Wer kann mich verbergen vor Deinem Sinn?
Vor Deinem Angesicht kann ich nicht verschwinden,
denn immer werde ich mich vor Dir befinden.
Wenn ich ins Weltall flöge, auf einen Planeten,
einen Stern, Meteoriten oder einen Kometen:
Der ganze Himmel steht vor Dir ganz offen,
auch dort wär ich überall auf Dich getroffen.
Legte ich mich ins Totenreich, den Scheol, hinein:
siehe, auch da wird Deine Gegenwart sein.
Würde ich Flügel des Morgens erheben,
in der Frühe des Taus am Meeresufer leben,
wenn ich mit Flügeln des Windes flöge,
ans äußerste Gestade der Wasser hinzöge,
wenn ich dort bliebe, um einsam zu bleiben,
um Deine Gegenwart von mir zu vertreiben,
so würde dennoch Deine liebende Hand
mich festhalten, selbst in fernstem Land.
Und bei Dir halten, ja, zu Dir führen,
mich festhalten, um mich nie zu verlieren,
würde Deine Rechte, ausgestreckt zu mir,
denn so lange ich bin, gehöre ich Dir.
Wenn ich nun spräche, um mich zu verstecken:
Finsternis möge meinen Körper verdecken;
keiner soll mich sehn in dieser Welt,
verborgen zu sein, ist, was mir gefällt,
ja, Nacht soll es werden rings um mich her!
Wäre denn dieses Dunkel zu schwer?
Doch Finsternis verfinstert Deine Augen nicht,
vielmehr ist Dunkel nicht dunkler als Licht.
Denn sei es bei Nacht oder sei es bei Tage,
für Dich ist’s dasselbe, das ist keine Frage.
Für Dich, o HERR, ist der Tag wie die Nacht:
Beide sind nicht um das Licht gebracht.
Denn Du hast geschaffen zu Deinem Besitze
tief in mir drin meine Nieren zur Stütze,
hast sie fein säuberlich geformt und gepflegt,
in meiner Mutter Leib mich geschützt und gehegt,
damit mir kein Übel dieser Welt mag begegnen,
hörst nicht auf, mich mit Gutem zu segnen.
Dafür, dass Du mich so wunderbar gemacht
und in mir ein wunderbares Werk hast vollbracht,
dafür will ich Dir danken, Dich loben,
mein HERR, der Du bist im Himmel droben.
Wundervoll sind all Deine Werke und Befehle,
dies weiß meine von Dir geliebte Seele.
Nicht versteckt vor Dir war mein
im Verborgenen geschaffnes Sein,
das Du, o HERR, hast wohl gemacht
und ganz genial Dir ausgedacht.
Du hast es im Versteck gewoben,
und dies so gut, ich will Dich loben.
Als meine Form noch unperfekt
im Mutterleibe war versteckt,
da sahen Deine Augen mich an
und in Deinem Buch war dann
bereits die Tage eingetragen,
als noch keiner war von jenen Tagen.
Und für mich – wie wertvoll sind
Deine Gedanken für mich, Dein Kind!
O Gott, wie groß ist ihre Zahl,
viel mehr als aller Sonnen Strahl!
Viel mehr als Wellen an Meeres Strand
und aller Sterne an Himmels Band.
Wollt ich sie zählen, sie schreiben mir auf,
so wären sie alle mit’nander zuhauf
viel mehr als der Meeresufer ist Sand,
auch mehr als die Länge der Himmel Rand.
Und wache ich auf, so bin ich bei Dir,
Du hast mich gehalten, bliebst immer bei mir.
O dass Du, Gott, den gottlosen Leuten
das Leben zertrenntest, die nie es bereuten,
vor Dir in Sünde und Stolz zu leben,
nach eitlem Egoismus zu streben,
dass die Blutgierigen müssen mir weichen,
statt ihr Ziel an mir zu erreichen.
Denn sie sind es, die herausfordernd sagen:
Was sollen wir nach diesem Gott denn fragen?
Voll Arglist und Bosheit rotten sie sich zusammen:
Unsrer sind viele, wer will uns verdammen?
So erheben sie ihre Hände zum Lügen,
und sehen zu, dass sie jeden betrügen.
Sollte ich denn etwa nicht
hassen alle, die nun schlicht
und ergreifend meinen HERRN
hassen, anstatt dass sie gern
dienen? Ist verabscheun verwegner
die sich zeigen als Deine Gegner?
Mit Hass, der nun nicht könnte mehr
sein, so hasse ich sie, HERR,
mit vollkommen starkem Hass,
auf den immer ist Verlass,
zu Feinden sind sie mir geworden,
die Dich befeinden, allerorten.
Durchsuche mich, Gott, darum bitte ich Dich,
lüfte jeden Schleier, schau tief in mich,
wie es um mich steht, was mein Herz bewegt,
wonach es verlangt, bei was es sich regt,
prüfe mich, HERR, denn Du siehst aufs Herz,
Du kennst mich, weißt jeden Schmerz.
Und sieh, HERR, welchen Weg ich will gehen,
ob meine Pfade vor Dir, HERR, bestehen,
wenn Du mich siehst weichen auf üblen Pfad,
so lasse mich wissen Deinen guten Rat
und führe mich, HERR, mein höchstes Gebet,
auf dem Weg der Ewigkeit, der immer besteht.
(frei nach Psalm 139)
27.08.2012, Jonas Erne

Psalm 91

Psalm 91 (Gedicht)
Wer unter dem Schutz des Höchsten lebt,
im Schatten Schaddais nach Sicherheit strebt,
wird sagen zu Jahwe: Mein Rückzug, mein‘ Feste
mein Gott, Dir vertrau ich aufs Allerbeste!
Denn Er wird dich schützen vor Vogelfängers Fallen,
zerstörender Pest sollst du nicht anheimfallen.
Mit Seinem Flügel wird Er dich sicher bedecken,
Unter Seiner Schwingen Schild kannst du dich verstecken.
Du sollst nun nicht fürchten den Schrecken der Nacht,
noch den Speer, des Tages zum Fliegen gebracht
noch vor der Pest, die im Dunkel umher geht
noch vor der Zerstörung, die mittags im Raum steht.
Nun mögen tausend an deiner Seite fallen, zur Rechten
dir Zehntausend, doch dir nahn sie nicht, die Schlechten.
Nur mit den Augen siehst du zu, wie sie fallen,
die Vergeltung an Gottlosen, ihre Schreie schallen.
Denn du hast den HERRN zu deiner Wohnung gemacht,
meine Hoffnung ist Er, der Allerhöchste, an Ihn gedacht.
Kein Übel soll dich auf deinen Wegen bangen,
noch eine Plage sich deinem Zelte gelangen.
Denn für dich hat Er Seine Engel als Boten
zum Schutz auf all deinen Wegen aufgeboten.
Sie sollen dich auf ihren Händen tragen
damit kein Stein deinen Fuß kann verzagen
Auf Löwen und Ottern wirst gefahrlos du gehen,
zermalmen wirst du Junglöwen und Drachen im Stehen.
Weil er an Mir klammert, will Ich ihn beschützen,
weil er Meinen Namen kennt, für immer ihn stützen.
Schreit er zu Mir, will Ich sein Rufen erhören,
in Not bin Ich da, rette und bringe ihn zu Ehren.
Mit Länge des Lebens will Ich ihn erfüllen
und mit Meiner Rettung seine Sehnsucht stillen.
(frei nach Psalm 91)
26.08.2012, Jonas Erne

Psalm 23

Psalm 23 (Gedicht)
Dies Lied hat der König David geschrieben,
der als Jüngling bei Vaters Schafen geblieben.
Er weiß, wovon er spricht, wenn er sagt:
Der HERR ist mein Hirte, ganz unverzagt
will ich Ihm folgen, wohin Er auch geht,
denn ich bin versorgt, wo immer Er steht.
Die Weide ist grün, das Gras voller Saft
wo Er mich hinführt, Sein Wort gibt mir Kraft.
Und wenn ich dürste nach Wasser und mehr:
Bei Ihm ist genug, deshalb komm doch auch her.
Zu ruhigen Bächen und stillem Gewässer
führt Er mich hin, da geht es mir besser.
Meiner Seele nimmt Er Sich bestens an:
Er erfrischt sie und liebt sie, bis Er sie gewann.
Auf richtigem Wege führt Er sie nun
und zeigt ihr das Beste, was sie kann tun:
Sich auf Ihn zu verlassen, weil Er es versprach,
in Seinem Namen, und Er kennt Sein Fach.
Selbst wenn ich zuweilen mich fühle verlassen:
Im Dunkel, allein, in Todesschatten Gassen,
im Tal der Finsternis, bist Du doch bei mir.
Kein Unglück kann mich vertreiben von hier,
an Deiner Seite, Dein Trost ist gewiss
Dein Stecken und Stab pariert jeden Biss.
Einen Tisch der Gemeinschaft machst Du mir bereit,
ein Festmahl für mich, den Du hast befreit
im Angesicht derer, die Böses mir wollen
auch das Haupt hast du mir – und mögen sie schmollen –
mit Öl gesalbt und reichst mir die Tasse
die überfließt des Weins von göttlicher Klasse.
So wird die Freude nun ewig sein mein,
die Güte, die Gnade was Gutes mag sein,
sie folgen für immer wohin ich auch geh,
denn Du bist bei mir, wo ich auch stehe.
Und so will ich nun im Hause des HERRN
mein Leben lang bleiben und dienen Ihm gern.
(frei nach Psalm 23)
24. 08. 2012, Jonas Erne

Psalm 2

Psalm 2 (Gedicht)
Warum nur toben die Völker der Heiden?
Warum nehmen sie sich so unbescheiden
heraus, den HERRN herauszufordern?
Sich selbst an Seinen Platz zu beordern?
Warum nur denken die Völker sich
nutzlos Böses, und das wissentlich?
Die Mächtigen stehen auf gegen Gott,
sie haben im Munde nur Übles und Spott.
Sie planen gemeinsam in einem fort
und haben dabei kein gutes Wort
gegen den HERRN, den himmlischen König
und den Messias, das kümmert sie wenig:
„Lasst uns gemeinsam, vereint in der Stärke
voranschreiten zu dem größten Werke:
Die Fesseln der Himmel zu zerstören,
uns zu befreien, uns selbst zu gehören.
Lasst uns zerreißen die göttlichen Strick‘
Selbst in die Hand nehmen irdisch‘ Geschick!“
Doch Gott im Himmel auf dem Thron
hat für sie nur Spott und Hohn.
Sie wollen selbstbestimmt nun leben,
doch wer kann anders dieses geben?
Als nur der Eine, Der nun lacht –
hat Er doch alles wohl gemacht!
Sodann spricht Er zu ihnen im Zorn,
waren doch sie es, die alles verlorn
in Zornes weißer Glut spricht Er
und jagt sie in ihrem Schreck einher
sie schaudern und sie zagen
als ob ägypt’scher Plagen.
„Und Ich“, so spricht der HERR im Grimm,
die Berge erzittern ob Seiner Stimm‘
„Ich hab den König eingesetzt,
Er wird herrschen bis zu Letzt
auf Zion, dem heiligen Berge
in aller göttlichen Stärke!“
Ich will den Befehl des HERRN verkünden
Sein Ratschluss, der nicht wird verschwinden
denn so hat Er zu mir gesprochen,
dies Wort, das niemals wird gebrochen:
Mein Sohn bist du, von heute an!
Ich hab dich gezeugt, bleib an Mir dran!
Bitte Mich drum, so will Ich dir geben
die Völker, die mit im Lande leben.
Die Heiden, sie sollen dein Erbe sein
Ich will nun, dass sie werden dein!
Dein Reich soll gehn bis ans Ende der Erde.
Das ist, wofür Ich Selbst sorgen werde.
Und du sollst herrschen über sie alle,
wie ein Hirte über die Schafe im Stalle.
Und wo immer du bist mit eisernem Stab
lass ihn sausen bei Ungehorsam auf sie herab
wie Porzellan an der Wand zerbricht.
Sorge für sie, doch schone sie nicht.“
Und nun, ihr Könige, lasst euch sagen:
Rebellion kann sich nicht mit dem HERRN vertragen!
Ihr Richter und Mächtigen dieser Erde
seht zu, dass ihr mit eurem Schwerte
euch nicht selbst den Schaden tut,
denn Gott zu folgen ist einzig gut!
Dient dem HERRN mit Furcht und Zittern,
und lasst euch davon nicht erbittern,
denn Gottesfurcht ist nun das Wahre,
damit der HERR euch offenbare
wie viel ihr Ihm zu danken habt
und Ihn zu loben, der euch labt.
Küsst des Gottessohnes Fuß
untertänigst, ihm zum Gruß
so zeigt ihr ihm den guten Willen
und könnt damit das Zürnen stillen.
Denn Sicherheit kann nur er geben
für eure Seele und das Leben.
(frei nach Psalm 2)
23. 08. 2012, Jonas Erne

Psalm 1

Psalm 1 (Gedicht)
Glückselig gepriesen von Gott ist der Mann,
von dessen Leben man sagen kann:
Er lebt nicht nach der Gottlosen Rat,
der Sünder Weg ist ihm zu schmaler Grat
auch der Spötter Kreis ist ihm zuwider
drum setzt er sich dort niemals nieder.
Vielmehr liebt er das Wort des HERRN
er liest und überdenkt es gern
er nimmt es auf und setzt es um
das sehn auch die um ihn herum.
Was er gelesen, nimmt er mit,
es folget ihm auf Schritt und Tritt.
So gleicht er einem starken Baum,
mit Bedacht gepflanzt auf feuchtem Raum:
Im Wasserbach streckt er Wurzeln aus,
die Frucht, sie wächst von selbst heraus.
Sein Blätterdach sitzt fest und gut:
Gelingend ist, was er auch tut!
Doch seht, es gibt die andre Seite:
So viele gottesferne Leute,
die von alledem nichts wollen wissen.
Ihr Leben, es ist wie zerrissen:
Wie Spreu, die Winde mit sich wehn.
Das, was sie tun, kann nicht bestehn!
Wenn einst der HERR fragt nach dem Leben,
was können sie für Antwort geben?
„Wir haben, HERR, Dich nicht bedacht!
Nein, wir haben gespottet und gelacht!“
Dann ist es zu spät, denn das Gericht
rafft sie hinweg, das ist im Licht.
Wo immer Gemeinschaft mit Gott wird sein,
da wird kein Sünder sein, oh nein!
Denn Gott weiß, wer zu Ihm gehört.
Daran ändert nichts, was man auch beschwört
Ein Leben ohne Gott, so ist’s nun mal,
führt ins Verderben, und das fatal!
(frei nach Psalm 1)
22. 08. 2012, Jonas Erne

Nach dem Herzen Gottes leben

Predigt über Psalm 1, 1 – 3


1 Wohl dem, der nicht wandelt nach dem Rate der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder, noch sitzt, da die Spötter sitzen; 2 sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und in seinem Gesetze forscht Tag und Nacht. 3 Der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und dessen Blätter nicht verwelken, und alles, was er macht, gerät wohl.

Mit diesen wunderschönen Versen beginnt die ganze Psalmensammlung, es ist der Auftakt und zugleich eine Einleitung in das ganze Buch der Psalmen. Immer wieder geht es um Gott und den Menschen in ihrer Beziehung zueinander. Wer das Buch der Psalmen lesen und verstehen möchte, findet in diesen Versen des ersten Psalms eine Inhaltsangabe, aber auch eine Einladung, sich mit dem Buch der Psalmen näher zu beschäftigen.

Diese Einladung beginnt in den ersten Worten: Wohl dem. Wohl dem könnte man vielleicht besser übersetzen mit: Gesegnet ist. Gesegnet ist derjenige, der sich an das hält, was im übrigen Psalm steht. In der Bergpredigt beginnt der Herr Jesus auf die gleiche Art und Weise: Gesegnet sind die geistlich Armen. Gesegnet sind die Trauernden. Gesegnet sind die Sanftmütigen. Und so weiter, die ganze Palette hindurch. Auch dort, in der Bergpredigt, wird zuerst der Typ Mensch festgestellt, für den der Rest dieser Predigt gelten soll. Gesegnet sind diejenigen, denen der Geist Gottes zeigt, wie arm sie vor Gott sind, die über ihre vielen Fehler in ihrem Leben traurig sind und die deshalb anderen Menschen gegenüber mit viel Sanftmut begegnen, und so weiter. Es werden dort nicht etwa viele verschiedene Menschen aufgezählt, sondern alle Seligpreisungen gelten genau der Sorte von Menschen, auf die das alles zutrifft. Da handelt es sich um die Menschen, welche ihre eigene Sündhaftig-keit erkannt und sich im Glauben auf den Herrn Jesus geworfen haben. Wer dem Herrn gehört, für den gelten alle diese Segnungen. Wenn wir erkannt haben, dass wir Gott gar nichts bringen können als nur Schande und Unehre, Sünde und Verderbnis und wenn wir dann der Stimme des Herrn Folge geleistet haben, der zu uns sagt: Tut Buße und folget mir nach, wenn wir ihm unser Leben über-geben haben und glauben, dass seine Erlösung, die er am Kreuz von Golgatha für uns erworben hat, dass diese auch für uns, für Sie und Sie und uns alle gilt, dann sind wir zu der Türe eingetreten, die unser erster Psalm auch ist: Gesegnet ist!

Wer nun genau gesegnet ist, wird auf zwei Arten beschrieben: Zuerst unter dem negativen Gesichtspunkt: Was derjenige nicht tut oder tun sollte, der zu den Gesegneten gehören will, dann im zweiten Vers: Was derjenige tut, der gesegnet ist und im dritten Vers auch noch ein schönes Gleichnis von all denjenigen, von denen das gilt.

Wohl dem, der nicht wandelt nach dem Rat der Gottlosen. Gott segnet also denjenigen, der nicht nach dem lebt, was die Welt ihm beibringen will. Ein Leben in der Sünde beginnt mit gespitzten Ohren und mit Augen, die offen für alles mögliche Neue sind. Es gibt einen guten Spruch, der lautet: Wer für alles offen ist, der ist nicht ganz dicht.

Das Problem gab es bereits im Paradies: Eva hatte ihre Ohren gespitzt und gespannt auf das gehört, was ihr die Schlange sagte. Sie war offen für Neues und hat gut hingehört. Sie wollte keine offene Rebellion gegen Gott begehen, aber das Neue in der Lehre der Schlange, das hat sie attraktiv gefunden. Zuerst hörte sie auf deren Worte, dann schaute sie sich die Frucht genauer an, und sah plötzlich, wie gut diese Frucht doch zu essen wäre. Sie ist nach dem Rat der gottlosen Schlange gewandelt, und das wurde ihr zum Verhängnis, und nicht nur ihr, sondern auch all ihre Nachkommen bis auf den heutigen Tag.

Wir haben immer wieder die Entscheidung zu treffen: Auf wen wollen wir hören? Nach wessen Rat wollen wir wandeln? Nach dem der Welt oder nach dem Rat Gottes? Und immer ist und bleibt es diese Entscheidung, die auch unser weiteres Leben zum großen Teil mitentscheidet. Ein Indianer erzählte einmal: In mir drin gibt es zwei Hunde, einen weißen und einen schwarzen, und diese beiden kämpfen immerzu gegeneinander. Da wurde er gefragt: Welcher gewinnt denn? Er antwortete: Es gewinnt immer der, dem ich mehr zu Fressen gebe. In uns drin ist es ähnlich, auch da haben wir einen solchen Kampf. Die Bibel nennt das den Kampf zwischen dem alten und dem neuen Adam. Und auch hier wird immer derjenige gewinnen, den wir mehr füttern. Wer öfter mal Hollywood-Filme anschaut, wird irgendwann ein falsches Verständnis von dem bekommen, was Liebe ist, was Erfolg bedeutet, etc. Und dabei habe ich nicht mal groß etwas gegen diese Filme. Die Frage ist nur, ob wir fähig sind, beim Anschauen eines solchen Films die Realität im Hinterkopf zu behalten oder ob wir uns dann von dem falschen Weltbild beeinflussen lassen.

Wir stehen ständig vor der Entscheidung, auf wen wir hören wollen. Hören hat in der Bibel sehr viel mit Gehorsam zu tun. Wo wir gut zuhören, werden wir vermutlich auch gehorsam sein. So hat Gott zum Beispiel im 5. Mosebuch die Israeliten auf diese Art und Weise angesprochen: HÖRE ISRAEL, der HERR, dein GOTT ist Einer. Immer wieder hat Gott zu uns Menschen gesprochen. Im Hebräerbrief wird der Herr Jesus als Gottes letztes Wort benannt. Gott spricht mit uns und möchte, dass wir auf ihn hören.

Wenn wir sehen, wie heute unseren Kindern in der Schule alles andere beigebracht wird als auf Gott zu hören, müssen wir uns auch fragen, wie wir diesem Trend entgegenstehen können. Hier ist es notwendig, dass wir erneut christliche Bekenntnisschulen ins Leben rufen können, und zwar in Zusammenarbeit mit anderen Denominationen. Anders ist es wohl auch gar nicht möglich. Aber wir brauchen solche Schulen, an die wir unsere Kinder schicken können ohne immer mit der Furcht leben zu müssen, dass sie jetzt das falsche, unbiblische Denken gelehrt bekommen. Wir sollten doch versuchen, es unseren Kindern möglichst zu erleichtern, nach Gottes Wegen leben zu wollen.

Aus dem Hören auf das falsche, weltliche Denken, wird sehr bald einmal auch das Handeln danach. Deshalb lesen wir auch im ersten Psalm: Wohl dem, der nicht tritt auf den Weg der Sünder. Anders gesagt: Gesegnet ist derjenige, der nicht so handelt wie die Sünder. Je mehr wir uns mit dem füllen und uns dem aussetzen, was die Welt uns beibringen will, desto leichter fällt der nächste Schritt in die Tatsünde hinein. Wenn unser Denken verseucht ist von dieser Weltlichkeit, so werden unsere Taten bestimmt nicht besser sein.

Und gleich geht es weiter: Wohl dem, der nicht sitzt wo die Spötter sitzen. Wir haben da eine Steigerung: erst kommt das Hören, dann das Tun und dann auch noch das Sitzen. Sich hinsetzen hat hier zwei verschiedene Bedeutungen: Zunächst das Bleiben. Zur Zeit, als die Psalmen geschrieben wurden, trug man ein langes Gewand, das mit einem Gürtel zusammengehalten wurde, damit man nicht stolperte. Die meiste Zeit des Tages verbrachte man so im Stehen. Nur dann, wenn man sich wirklich sicher war, dass man sitzen bleiben konnte, nahm man den Gürtel ab und setzte sich. In dem Zusammenhang bedeutet es: in der Sünde drin bleiben, verharren. Und dann hat dieses sich hinsetzen noch eine zweite Bedeutung, Der Genfer Reformator und Bibellehrer Johannes Calvin hat darauf hingewiesen: Sich setzen bedeutet auch, dass man anfängt, andere zu belehren. Man belehrt also auch andere, indem man unter ihnen sitzt und ihnen sagt, dass der Weg, den man gerade geht, der richtige ist und sie dadurch auch zum Sündigen anleitet. An dieser Stelle ist auch die Frage nach der Gemeindezucht zu stellen. Wenn jemand wirklich nicht einsehen will, dass er auf dem falschen Weg ist und sich im falschen Kreis, nämlich unter den Spöttern, niedergesetzt hat, so sollte ihm die Gemeinde irgendwann ein Ultimatum stellen, verknüpft mit einer Warnung bezüglich des Ausschlusses. Aber auch jeder Ausgeschlossene soll, wenn er sich bußfertig zeigt, schnell wieder in die Gemeinde hinein aufgenommen werden. Es muss dabei klar sein: Jeder von uns braucht sein ganzes Leben lang immer wieder und wieder die Vergebung unsrer Sünden. Der Herr Jesus ist für alle unsere Sünden gestorben. Und zwar nicht nur für alle jene vor unserer Bekehrung, sondern für alle bis zu unserer letzten Stunde hin. Wir dürfen immer wieder und wieder die Vergebung annehmen, die er uns erkauft hat am Kreuz von Golgatha. Ganz besonders dann brauchen wir diese Vergebung, wenn wir merken, dass unsere Herzen gleichgültig geworden sind. Gleichgültigkeit gegenüber unseren Sünden aber auch Gleichgültigkeit gegenüber unseren Mitmenschen ist immer ein Zeichen dafür, dass unser Gewissen verhärtet ist. Aber auch gerade dann dürfen wir 1.Johannes 1,9 für uns in Anspruch nehmen:

Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.

Wir haben jetzt also zuerst eine Beschreibung dessen gehört, was jemand, für den die Psalmen gelten sollen, NICHT tut: Er hört nicht auf den Rat der Gottlosen, dann tritt er auch nicht auf den Weg der Sünder und keinesfalls setzt er sich dorthin, wo die Spötter sitzen.

Nun hat unser Psalm aber auch noch eine positive Beschreibung dessen, der gesegnet ist: Sondern er hat seine Lust am Gesetz des HERRN. Wenn wir das so hören, das Gesetz des HERRN, dann denken wir vermutlich gleich an einen Polizisten mit Schlagstock bewaffnet, der genau überwacht, wann man welches Gebot von diesem Gesetz übertritt. Das ist hier jedoch nicht der Fall. Das Gesetz des HERRN meint an dieser Stelle einfach Gottes Wort, die Bibel. Durch sie spricht Gott zu uns. In ihr gibt Gott uns Hinweise auf das, was Gott in und mit unserem Leben vorhat. In ihr sagt uns Gott, wie er von uns denkt. Aber er sagt uns in ihr auch, wie er ist und wie wir mit ihm in einer ganz engen, nahen Beziehung leben können. Man könnte das Lesen in der Bibel beschreiben als eine Reise zum Herzen Gottes. Wenn wir also statt auf die falschen Ansichten der Ungläubigen zu hören, in der Bibel lesen, dann beginnen wir langsam zu verstehen, wer und wie Gott ist, wer und wie wir sind und sein sollen, was der Sinn und Plan unseres Lebens ist, und so weiter. Die Psalmen an und für sich sind schon eine Reise zum Herzen Gottes, eine spannende, aufregende Reise zu Gottes Herzen. Sie erzählen uns auch, wie wir zu Menschen nach Gottes Herzen werden können. So sind denn auch viele Psalmen von dem geschrieben, von welchem die Schrift selbst sagt, dass er ein Mann nach dem Herzen Gottes war: David. Bei sehr vielen seiner Psalmen merkt man das auch wirklich, und bei manchen Psalmen, die keine Autorenangabe haben, wie gerade zum Beispiel unser erster Psalm hier, könnte man sich das dennoch durchaus vorstellen, dass er von diesem Mann nach dem Herzen Gottes geschrieben wurde.

Ein Mann oder eine Frau nach dem Herzen Gottes, hat seine / ihre Lust oder Freude am Gesetz des HERRN, am Wort Gottes. Eine solche Freude, die kommt manchmal nicht einfach so von allein. Auch die Schreiber der Psalmen haben das genau gewusst. So lesen wir im Psalm 23 zum Beispiel von einem, der im finsteren Tal der Todesschatten war. Das muss eine wahnsinnig schmerzvolle Zeit gewesen sein. Es war vielleicht der Verlust eines sehr geliebten Menschen, oder eine äußerst schmerzhafte Krankheit über längere Zeit gewesen sein, vielleicht hat David diesen Psalm auch in der Zeit geschrieben, als er vom König, dem er dienen wollte, und der der Vater seines allerbesten Freundes war, verfolgt wurde. Es gibt so vieles im Leben, was uns alle Freude in unserem Leben rauben kann. Aber dennoch dürfen wir auch in diesen Zeiten wissen, dass wir nicht allein sind. Der Herr ist unser Hirte, der nicht zulassen wird, dass wir ganz allein sind. Der Herr ist unser Hirte, der im Gegenteil dafür sorgt, dass alles zu unserem Besten dienen muss. Und genau daraus kommt die Freude am Wort unseres Herrn.

Er will unser Allerbestes, und deshalb gilt für uns auch dieser Psalm: Wohl dem! Wir sind gesegnet, weil nichts in unserem Leben dem Zufall überlassen ist. Alles ist geplant und hat ein Ziel: Nämlich zu unserem Besten zu dienen. Was denn unser Bestes genau ist, darüber gibt uns Gott in Römer 8, 28 – 30 sehr deutlich Bescheid:

Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alles zum Besten mitwirkt, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind. Denn welche er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbilde seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Welche er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen, welche er aber berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt, welche er aber gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht.

Da sehen wir, dass alles, was wir erleben, alles, was uns Mühe und Leid bereitet, aber auch alles, was uns erfreut, alles zusammen zu genau einem einzigen Ziel dienen soll: Dass wir dem Ebenbild des Herrn Jesus gleichförmig gemacht werden. Das ist das letzte und über allem stehende Ziel Gottes. Jedes Geschehnis, sei es freudig oder traurig, schmerzhaft oder frohmachend, muss immer dazu führen, dass wir ins Ebenbild des Gottessohns verwandelt werden. Und zweitens erfahren wir aus diesem kurzen Abschnitt im Römerbrief auch, dass Gott uns nicht nur zur Freiheit, sondern auch zur letztendlichen Verherrlichung, der Entrückung, berufen und vorherbestimmt hat.

Ein Zweites, was ein Gesegneter Gottes, dem das „wohl dem“ unseres Psalmes gilt, tun sollte, ist: Nicht nur Freude haben am Gesetz des HERRN, sondern in seinem Gesetze forschen bei Tag und bei Nacht. Wir dürfen den Segen, der Gott für uns bereit hält, wenn wir sein Wort lieben, bei Tag und bei Nacht, also zu jeder beliebigen Stunde aus der Schrift heraus gewinnen. Ich glaube wir können auf folgende Art am meisten Gewinn aus der Schrift holen:

Frühmorgens beim Aufwachen sollten wir uns möglichst schnell unter diesen Segen stellen, indem wir uns, je nach Zeit, die wir haben, ein Kapitel oder zwei bis drei Kapitel der Schrift zu Gemüte führen. Zumindest sollten es aber ein paar Verse sein, für manche eignen sich hier die Herrnhuter Losungen gut, andere lesen lieber da weiter, wo sie am Tag zuvor aufgehört haben. Das spielt letztlich keine so große Rolle, jeder muss da seinen eigenen Weg finden. Wer am Morgen nur wenig liest, sollte aber nicht versäumen, später im Laufe des Tages noch einen Teil der Schrift in ihrem Kontext, also mindestens ein ganzes Kapitel oder einen ganzen Psalm lesen. Wer die Bibel in einem Jahr durchlesen möchte, ist gut beraten, wenn er jeden Morgen ein Kapitel des NTs und jeden Abend drei Kapitel des ATs durchliest. So geht es nämlich sehr gut auf ein Jahr auf.

Wenn man so vorgeht, hilft einem das sehr, dass man sich noch viel besser in der Schrift auskennt. Es besteht aber zugleich die Gefahr, dass man vieles von dem, was man liest, gar nicht so bald umsetzen kann. Und was man nicht umsetzt, geht vergessen und verloren.

Bevor wir mit Lesen anfangen, müssen wir uns bewusst werden, dass wir das, was wir lesen, aus uns selbst gar nicht verstehen und noch weniger anwenden können. Deshalb wenden wir uns am besten zuerst im Gebet an Gott, dass uns der Heilige Geist die Augen öffnen möge und unseren Verstand erleuchten, sodass wir es denn auch verstehen können. Dann lesen wir den jeweiligen Abschnitt und überlegen uns, wie das, was wir gerade lesen, in unser praktisches tägliches Leben hineinkommen kann: Also: Was möchte Gott an uns durch das Lesen dieses Textes verändern oder wie können wir das, was wir gelesen haben, in die Tat umsetzen? Diese Frage soll uns auch den ganzen Tag hinweg beschäftigen. Die Bibel ist niemals nur Information und nur Geschichte von früher. Jeder Text, ja, jedes Wort der Bibel drängt darauf hin, in unserem Leben praktisch Gestalt zu bekommen, indem es umgesetzt wird.

Ja, Gottes Wort will uns verändern. Wir dürfen jederzeit so zu Gott kommen, wie wir gerade sind. Aber wir müssen niemals so wieder weggehen, wie wir gekommen sind. Gott wünscht sich ein Leben der Veränderung für uns. Die Veränderung in das Bild des Herrn Jesus, wie wir gesehen haben. Ein Stück davon möchte uns der Psalm auch zeigen, nämlich in seinem dritten Vers. Da haben wir ein wunderschönes Gleichnis dessen, was unser Leben eigentlich ist:

3. Der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und dessen Blätter nicht verwelken, und alles, was er macht, gerät wohl.

Unser Leben als Gläubige wird mit einem Baum verglichen. Dieser Baum ist GEPFLANZT. Der Baum ist kein Wildwuchs, der zufällig dort wächst, er ist gepflanzt. Das heißt: Gott hat mit viel Liebe und Sorgfalt den Platz ausgewählt und ihn dort hingepflanzt. Kein Mensch kann sagen, dass er ein reines Zufallsprodukt einer Schwangerschaft oder gar eines misslungenen Verhütungsversuchs sei. Nein, Gott war es, der für jeden den Ort ausgewählt hat und ihn dort hingepflanzt. Jeder ist von Gott gewollt, geliebt und nach dem ewigen, göttlichen Bauplan geschaffen.

Weiter ist dieser Baum gepflanzt an WASSERbächen. Das heißt zunächst einmal, dass Gott selbst dafür sorgt, dass der Baum dort ist, wo er genügend Nahrung bekommen kann. Weiter ist in der Bibel das Wasser ein Symbol für den Heiligen Geist. Als der Herr Jesus in den Himmel aufgefahren ist, hat er den Heiligen Geist in einer neuen Größe geschickt und zu Pfingsten ausgegossen: Jeder Gläubige hat seither seinen Anteil daran. Der Heilige Geist ist es auch, der unsere Bekehrung veranlasst und durchführt, von ihm werden wir bekehrt und nach der Bekehrung versiegelt.

Der Baum bringt seine Frucht zu seiner Zeit. Die Frucht finden wir in Galater 5, 22: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung. Die Frucht bringen aber nicht wir selbst hervor, sondern der Heilige Geist, der uns als Wasserbäche mit der Nahrung versorgt, bringt sie hervor, und zwar zu seiner Zeit. Die Frucht wächst nach Gottes Zeitplan, nicht nach dem unsrigen.

Die Blätter des Baumes verwelken nicht und was er tut, wird ihm gelingen. Charles Haddon Spurgeon sagte hierzu: Gottes Bäume sind „Evergreens“. Sie vergehen nicht, sie verwelken nicht, denn sie bekommen immer genug von dem Wasser. Das Siegel des Geistes bleibt für immer auf uns. Es gibt niemanden, der es brechen kann. Wenn wir in Christus bleiben und aus der Liebe zu Gott leben, so wird alles, was wir für den Herrn tun, gelingen. Denn es ist Gottes Werk durch uns.