Greg Gilbert – Was ist das Evangelium?

Ich möchte heute ein super Buch vorstellen, in welchem ich immer wieder mit viel Gewinn lese. Es ist ein kleines Büchlein, das eigentlich schnell durchgelesen ist, aber der Inhalt ist derart gut, dass man über vieles gleich mal länger nachdenken muss (oder darf).
Ich spreche von Greg Gilberts Buch „Was ist das Evangelium?“ Ich möchte nachfolgend ein paar besondere Leckerbissen zitieren und empfehle wirklich jedem, dieses Buch zu lesen. Es ist theologisch hochwertig, aber auch für den theologisch völlig ungeschulten Laien leicht verständlich, da alles gut erklärt wird. Auch – und vielleicht besonders – für Menschen, die sich für den christlichen Glauben interessieren ist dieses Buch eine super Gelegenheit.
„Egal, wie man es dreht und wendet – zu sagen, dass Jesus Christus gestorben ist, um uns von negativen Gedanken über uns selbst zu retten, ist verwerflich unbiblisch. Tatsächlich lehrt uns die Bibel, dass ein großer Teil unseres Problems darin besteht, dass wir zu groß von uns denken, nicht zu klein. Denken Sie einmal einen Moment lang darüber nach. Womit hat die Schlange Adam und Eva versucht? Sie sagte ihnen, dass sie zu negativ über sich selbst denken. Sie sagte ihnen, sie müssten positiver denken, sich nach ihrem vollen Potenzial ausstrecken, wie Gott sein!“ (S. 63f)
„Leider ist die Lehre vom stellvertretenden Opfer vermutlich ein Teil des christlichen Evangeliums, den die Welt am meisten hasst. Die Menschen empört der Gedanke, dass Jesus für die Sünde eines anderen bestraft wurde. Mehr als ein Autor hat dies „göttliche Kindesmisshandlung“ genannt. Und doch: Wenn wir das stellvertretende Opfer ablehnen, schneiden wir dem Evangelium das Herz heraus.“ (S. 83f)
„Der Gedanke, die Gesellschaft müsse durch die Arbeit von Christen sichtbar verändert werden, scheint in letzter Zeit von vielen Evangelikalen Besitz ergriffen zu haben. Ich halte das für ein lobenswertes Ziel und ich glaube auch, dass die Bemühung, sich dem – persönlichen oder system-immanenten – Bösen in der Gesellschaft entgegenzustellen, biblisch ist. […] Viele „Transformationalisten“ gehen aber noch weiter und behaupten, der Auftrag, „die Gesellschaft zu erlösen“, sei tief in den Aussagen der Bibel eingewoben. Wenn Gott tatsächlich die Welt neu schaffen will, argumentieren sie, dann liegt es in unserer Verantwortung, uns an dieser Arbeit zu beteiligen. […] Es geht mir darum, dass unter einigen „Transormationalisten“ die gesellschaftliche Erlösung fast unmerklich zur großen Verheißung und zum Mittelpunkt des Evangeliums wird – was natürlich bedeutet, dass das Kreuz bewusst oder unbewusst von diesem Platz verdrängt wird.“ (S. 136 – 138)
Wer mehr lesen will, möge sich das Buch bestellen. Das kann man hier tun.

C. S. Lewis – Vom Lesen der alten Bücher

Vor einigen Jahrzehnten hat C. S. Lewis, besonders durch seine Chroniken von Narnia bekannt geworden, einen wertvollen Aufsatz über das Lesen der alten Bücher geschrieben. Er ist im Band „God in the Dock“ zu finden. Hier ein Auszug von diesem Aufsatz:

„Es gibt eine merkwürdige, weit verbreitete Idee, dass zu allen Themen die alten Bücher nur von den Fachleuten gelesen werden sollen, und der Laie sich mit den modernen Büchern begnügen soll. So habe ich als Tutor für englische Literatur empfunden, dass wenn der durchschnittliche Student etwas über den Platonismus herausfinden wollte, es das Letzte ist, was er tun würde, dass er eine Übersetzung von Plato aus dem Regal der Bibliothek nehmen würde und das Symposium lesen. Viel eher würde er ein paar langweilige moderne Bücher lesen, die zehn mal so lang sind, mit vielen „-Ismen“ drin und wer davon beeinflusst wurde, und sich gerade mal zwölf Seiten mit dem befassen, was Plato tatsächlich sagte. Der Fehler ist eigentlich eher ein liebenswerter, denn er entspringt der Demut. Der Student ist nun halbwegs verängstigt, einen von den Philosophen von Angesicht zu Angesicht zu treffen. Er fühlt sich unzulänglich und denkt, er würde ihn nicht verstehen. Doch wenn er nur wüsste, dass der große Mann gerade wegen seiner Größe viel besser verständlich ist als der moderne Kommentator. Der einfachste Student wird fähig sein, wenn nicht alles, so doch einen sehr großen Teil von dem zu verstehen, was Plato sagte; aber schwerlich wird irgendwer fähig sein, manche der modernen Bücher über den Platonismus zu verstehen. Als Lehrer war es deshalb immer einer meiner größten Bestrebung, die jungen Leute zu überzeugen, dass das Wissen aus erster Hand zu erwerben nicht nur mehr Wert hat als Wissen aus zweiter Hand, sondern dass es normalerweise auch viel einfacher und angenehmer zu erwerben ist.

Dieser irrtümliche Vorzug für die modernen Bücher und die Scheu vor den alten ist nirgendwo zügelloser als in der Theologie. Wo immer man einen kleinen Studienkreis von christlichen Laien findet, kann man sich fast gewiss sein, dass sie nicht die Apostel Lukas oder Paulus oder den Kirchenvater Augustinus oder Thomas von Aquin oder Hooker oder Butler lesen, sondern M. Berdyaev oder M. Maritain oder M. Niebuhr oder Miss Sayers oder gar mich.

Nun, dies erscheint mir auf den Kopf gestellt. Natürlich, da ich selbst ein Autor bin, wünsche ich nun nicht, dass der durchschnittliche Leserkeine modernen Bücher mehr liest. Aber wenn er sich entscheiden müsste, entweder nur die neuen oder nur die alten Bücher zu lesen, so würde ich ihm den Rat geben, die alten zu lesen. Und ich würde ihm diesen Ratschlag genau deshalb geben, weil er ein Laie ist und deshalb viel weniger gut geschützt vor den Gefahren einer exklusiv modernen Diät als der Experte. Ein neues Buch ist immer noch auf dem Prüfstand und der Amateur ist nicht in der Position, um das zu beurteilen. Es muss getestet werden im Licht der Gesamtheit des christlichen Denkens durch all die Jahrhunderte hindurch, und all seine verborgenen Auswirkungen (die ja oft vom Autor selbst gar nicht gewollt sind) müssen zuerst ans Licht kommen. Oft kann es gar nicht ganz verstanden werden, ohne dass man eine ganze Reihe anderer moderner Bücher kennt. Wenn du um elf Uhr zu einem Gespräch hinzustößt, welches um acht Uhr begonnen hat, wirst du oft gar nicht die ganze Tragweite dessen sehen, was gesagt wurde. Bemerkungen, die dir sehr normal erscheinen, werden Gelächter oder Verwirrung hervorbringen, ohne dass du verstehst, warum – der Grund liegt natürlich darin, dass die vorangehenden Stationen der Diskussion diesen einen besonderen Punkt gegeben hat. In derselben Weise ist es möglich, dass Aussagen in einem modernen Buch, die total normal aussehen, an ein anderes Buch gerichtet sind; auf diese Weise kann es geschehen, dass du dazu geführt wirst, etwas zu akzeptieren, was du sonst empört abgelehnt hättest, wenn du seine tatsächliche Bedeutung kennen würdest. Die einzige Sicherheit, die wir haben können, besteht darin, dass wir einen Standard des klaren, zentralen christlichen Glaubens haben („bloßes Christentum“, wie Baxter es nannte), welcher die Kontroversen der eigenen Zeit in ihre richtige Perspektive bringt. Es ist eine gute Regel, nachdem man ein neues Buch gelesen hat, sich nie zu erlauben, schon wieder ein neues Buch zu lesen, bis man zwischendurch ein altes Buch gelesen hat. Wenn dir das zu viel ist, solltest du mindestens pro drei neue Bücher ein altes lesen.

Jedes Zeitalter hat seinen eigenen Standpunkt. Es ist besonders gut darin, bestimmte Wahrheiten zu sehen und neigt besonders zu bestimmten Fehlern. Wir alle brauchen die Bücher, welche die charakteristischen Fehler unserer Zeit korrigieren. Und das bedeutet: Die alten Bücher. Alle zeitgenössischen Autoren haben ein Stück weit den zeitgenössischen Standpunkt – sogar jene, wie ich selbst, welche ihm am meisten zu opponieren zu scheinen. Nichts macht mich mehr betroffen, wenn ich die Kontroversen der vergangenen Jahrhunderte lese, als die Tatsache, dass beide Seiten normalerweise Dinge voraussetzten, ohne sie in Frage zu stellen, von denen wir einiges absolut ablehnen müssen. Sie dachten, sie wären einander derart entgegengesetzt, wie es nur geht, aber in Wahrheit waren sie im Geheimen Verbündete – verbündet miteinander gegen frühere und spätere Zeiten – durch eine gute Menge an gemeinsamen Annahmen. Wir können uns sicher sein, dass die charakteristische Blindheit des 20. Jahrhunderts – die Blindheit, von der die Nachkommenschaft fragen wird: „Aber wie konnten sie nur so etwas gedacht haben?“ – genau dort liegt, wo wir sie nie vermutet hätten, und das betrifft etwas, worüber sich ungetrübte Übereinstimmung zwischen Hitler und Präsident Roosevelt oder zwischen H. G. Wells und Karl Barth ist. Niemand von uns kann dieser Blindheit vollkommen entgehen, aber wenn wir nur moderne Bücher lesen, werden wir sie mit Sicherheit vergrößern und unsere Wachsamkeit davor schwächen. Wo sie wahr sind, da werden sie uns Wahrheiten geben, die wir zum Teil schon kennen. Wo sie falsch sind, da werden sie den Fehler verstärken, an dem wir schon gefährlich erkrankt sind. Das einzige Mittel zur Linderung ist es, die saubere Meeresbrise der Jahrhunderte durch unseren Verstand wehen zu lassen, und dies kann nur durch das Lesen alter Bücher geschehen. Natürlich gibt es keine Magie des Vergangenen. Die Menschen waren dann nicht klüger als als sie es jetzt sind; sie machten etwa gleich viele Fehler wie wir. Aber nicht dieselben Fehler. Sie werden uns nicht in unseren Fehlern schmeicheln, die wir bereits begehen, und ihre eigenen Fehler, die jetzt offensichtlich und greifbar sind, werden uns nicht in Gefahr bringen. Zwei Köpfe sind besser als einer, nicht weil einer unfehlbar wäre, sondern weil es unwahrscheinlich ist, dass beide in dieselbe Richtung falsch gehen. Um sicher zu gehen, wären die Bücher der Zukunft eine ebenso gute Möglichkeit zur Korrektur wie die Bücher der Vergangenheit, aber leider können wir nicht an sie gelangen.“

(aus: C. S. Lewis – Vom Lesen der alten Bücher, in: God in the Dock; eigene Übersetzung)

Vom Hören der Predigt und vom Lesen

Im Jahre 1960 hat D. Martyn Lloyd-Jones eine bemerkenswerte Lektion über das Erlangen von echter und falscher Erkenntnis gehalten. Im Zeitalter von Internet und freier Verfügung von so viel Wissen ist die Gefahr, die er anspricht, noch viel größer geworden. Ein lesenswerter Auszug aus diesem Vortrag:
„Aber wir müssen dem dritten Grund mehr Aufmerksamkeit widmen, welcher etwas kontroverser sein könnte. Ich bin der Meinung, dass es eine ganz spezielle Gefahr gibt an diesem Punkt und in dieser Beziehung der Diskussion, wo es um das Ausspielen von Lesen gegen Predigen geht. Vielleicht ist das eine der größten aller Gefahren in der Zeit, in der wir leben. Ich stelle fest, dass das Lesen viel gefährlicher ist als das Hören der Predigt, und ich weise darauf hin, dass eine wirklich echte Gefahr entsteht, wenn jemand seine Zeit nur mit Lesen verbringt und nicht unter die Kraft der Predigt kommt. Was will ich damit sagen? Ich will damit ungefähr folgendes sagen: Wenn jemand ein Buch liest, so hat er in einem gewissen Sinne die gesamte Kontrolle. Es hängt zwar teilweise vom Buch ab, ich weiß, aber sobald er beginnt, sich unwohl zu fühlen, kann er es zumachen und einen Spaziergang machen, oder – er kann viele Dinge tun. Aber all das kannst du nicht tun, während du eine Predigt hörst. Natürlich, es könnte sein, dass du so unhöflich bist, um aufzustehen und hinauszugehen, und manche Leute tun das ja auch, aber aufs Ganze gesehen ist das nicht üblich.

Das Predigen schützt uns deshalb in gewisser Weise vor diesen besonderen Gefahren, die aus dem Lesen allein resultieren, natürlich vorausgesetzt, es handelt sich um echtes Predigen. Denn wenn jemand echtes Predigen hört, so kommt er unter die Macht der Wahrheit, und zwar in einer Weise, in die er beim Lesen allein nicht kommt. Ob du jetzt die Definition des Predigens von Phillips Brooks magst oder nicht, der sagte, es sei „Wahrheit vermittelt durch Persönlichkeit“, aber sie beinhaltet eine Menge Wahrheit, und die Bibel gibt uns viele Beispiele dafür. Gott gebraucht die menschliche Persönlichkeit. Nicht nur das, sondern der Prediger erklärt nicht nur die Bibel, sondern er macht auch Anwendungen und sorgt dadurch dafür, dass die Anwendung auch ihr Ziel findet. Wenn jemand ein Buch liest, so kann es sein, dass er nie zu einer Anwendung kommt. Er kann sich dazu entscheiden, das Buch zu schließen und aufzuhören, wann immer er möchte; es gibt kein Beharren auf die Anwendung. Ich fürchte, dass in unserer Zeit, wo die Menschen dazu tendieren, immer weniger und weniger Predigten zu hören, und Predigten immer kürzer und kürzer werden, und unser Vertrauen in das Lesen immer größer wird, dass wir deshalb dieser Gefahr noch viel mehr ausgesetzt sind als unsere Vorfahren. Natürlich verurteile ich keinesfalls das Lesen an und für sich oder sage, dass es keine Veröffentlichungen mehr geben solle! Aber keinesfalls! Ich versuche lediglich die gefährliche Tendenz zu zeigen und halte an der Wichtigkeit und am Vorrang, sowie an der Überlegenheit des Predigens fest. Wir müssen unter die Kraft der Wahrheit gebracht werden. Wir mögen das nicht, aber das ist die Aufgabe eines Predigers, und wenn er dies verfehlt, so ist er ein armseliger Prediger. Wir versuchen immer, diesen Schlussfolgerungen und Anwendungen zu entkommen, aber der Prediger bringt diese ans Ziel. Er hält uns fest, sorgt dafür, dass wir ihnen ins Gesicht sehen müssen, und dadurch beschützt er uns vor bestimmten Gefahren. Eine Zeit, in welcher dem Lesen mehr Wichtigkeit beigemessen wird als dem Hören der Predigt ist immer eine gefährliche Lage. (D. M. Lloyd-Jones, The Puritans: Their Origins and Successors, S. 29 – 30, Übersetzung von mir)

Zweieinigkeit

Zweieinigkeit
Die Bibel ist die Schatzkarte, die zum Schatz Jesus führt. Niemand sollte die Schatzkarte ändern, weil man sonst den Schatz nicht mehr findet.“(S. 11)
Mit dieser Aussage entlarvt der Autor Michael Freiburghaus in seinem Buch „Zweieinigkeit“ alle Formen der Bibelkritik als unzulänglich. Das Buch, welches im Dezember 2012 in der zweiten überarbeiteten Auflage erschien, möchte in Kurzform eine Erklärung und Verteidigung des christlichen Glaubens darstellen.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert nach den Gesichtspunkten „Hirn – Herz – Hand“. Im ersten Teil geht es um die der Vernunft gemäße Verteidigung des Glaubens. Der Autor setzt sich kritisch mit verschiedenen Vorwürfen auseinander, die regelmäßig angesichts der bibelkritischen Theologie, der Vielzahl an Religionen und Sekten, sowie des Problems der Theodizee (ist Gott gerecht, wenn er Leid zulässt?) geltend gemacht werden.
Im zweiten Teil wird der biblische Glaube anhand von Begriffsdefinitionen und Bibelversen verständlich erklärt. Hier kommt die Hauptthese des Autors zur Geltung, die Zweieinigkeit:
Was meint Zweieinigkeit? Es ist die Einheit von zwei Gegensätzen, die sich normalerweise ausschließen würden! Deswegen ist jede Zweieinigkeit ein Wunder und ein Geheimnis! Der Unterschied zwischen einem Rätsel und einem Geheimnis: Ein Rätsel kann gelöst werden, doch auch wenn man beide Seiten eines Geheimnisses kennt, bleibt die Spannung bestehen.“ (S. 37)
Ausgehend von dieser These wird die Bibel in großen Linien erklärt. Darauf folgt eine „Top Ten“ mit den zehn wichtigsten Bibelabschnitten, die jeder kennen sollte. Sodann gibt es auch auf weitere Fragen, die oft gestellt werden, kurze Antworten, die oft mit guten Literaturhinweisen begleitet sind.
Im dritten Teil „Hand“ wird ein Grundstein der christlichen Ethik gelegt. Unter den drei Schlagworten Sex, Geld und Macht bekommt das Handeln aus biblischer Sicht eine gute Grundlage. Dieser Teil ist sehr praktisch gehalten, obwohl auch immer die ideologischen Hintergründe der Entwicklung unserer Gesellschaft aufgezeigt werden.
Das Buch erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es möchte in aller Kürze eine Grundlage für eigenes Weitersuchen und -forschen für das persönliche Glaubensleben sein. So kommt es, dass viele Themen nur in aller Kürze angesprochen werden können, was manchmal schade ist. Deshalb sind auch die vielen darin enthaltenen Buchempfehlungen sehr wertvoll. Es ist bestens geeignet für alle Menschen, die in kurzer Zeit einen guten Überblick über den christlichen Glauben bekommen möchten, die nach Argumenten oder Erklärungen suchen, um anderen zu helfen. Und natürlich ist es auch eine super Geschenkidee. Ich empfehle es.
Hier kann es bestellt werden.

Digitale Demenz

Digitale Demenz
Nachdem es mir von vier verschiedenen (voneinander unabhängigen) Seiten empfohlen wurde, habe ich das Buch „Digitale Demenz“ von Manfred Spitzer nun auch gelesen. Es hat mich rund drei Wochen begleitet, in denen ich immer nur kurze Zeit dem Buch selbst widmen konnte, da ich sonst noch eine Vielzahl an weiteren Projekten habe. Ich habe in dieser Zeit einiges an Neuem gelernt und vieles auch weiter vertiefen können, da es mich sehr interessiert.
Auch wenn man Spitzer nicht in allem zustimmt, werden sehr viele Zusammenhänge zwischen der Mediennutzung und den Problemen unserer Zeit klar. Leider werden diese Studien tatsächlich sehr gern verschwiegen oder falsch umgedeutet. Es wäre also dringend nötig, dass dieses Buch weitere Verbreitung bekommt. Ich empfehle es insbesondere allen Eltern, Lehrern und Jugendmitarbeitern. Spitzer vermittelt viel wichtiges Wissen sehr kompakt und recht gut verständlich, wenn man bereit ist, sich auf den Inhalt einzulassen.
Auf Seite 282 schreibt er: „Es ist ein Skandal, dass öffentliche Gelder dafür verwendet werden, Software auszuzeichnen, die die junge Generation zur Gewalt anleitet, dass Politiker und Pädagogen zu Marktschreiern verkommen und dass – über alle Parteien hinweg – eine völlige Immunität gegenüber den wissenschaftlich nachgewiesenen Erkenntnissen besteht.“
Dem muss ich leider zustimmen. In Anbetracht all der vorgestellten Forschung ist das tatsächlich ein Skandal. Es handelt sich dabei um den Ego-Shooter „Crysis 2“, der 2012 den Deutschen Computerspielpreis erhielt – ein Preis, zu dem „besonderer Wert auf pädagogisch und kulturell wertvolle Inhalte gelegt werden soll.“ (Wikipedia)
Ich empfehle das Buch von Manfred Spitzer – Digitale Demenz – jedem weiter, der sich mit dem Thema des Buches, nämlich den Einfluss der neueren Medien auf die Menschheit und deren Zukunft, befassen möchte.

Praktische Konsequenzen ziehen

Aus dem gestern rezensierten Buch Wer bin ich, wenn ich online bin… …und was macht mein Gehirn so lange? von Nicholas Carr habe ich versucht, ein paar Konsequenzen für mein tägliches Leben und den Umgang mit dem Computer und Internet zu ziehen. Da ich hochgradig schwerhörig bin, kann ich auf die digitale Kommunikation nicht einfach verzichten. Vielleicht sind die folgenden Punkte auch für jemand anders eine praktische Hilfestellung:

  1. Ich möchte meine Kräfte und meine Ressourcen möglichst sinnvoll und konzentriert nutzen.
  2. Ich habe meine kurzen Pausenzeiten, in welchen ich in den Foren, Social Medias und per eMail erreichbar bin, ansonsten sind diese Anwendungen geschlossen und können mich nicht erreichen.
  3. Ich lese so viel wie irgend nur möglich ist in Papierform, um mein Gehirn nicht an einen externen „Speicherplatz“ zu gewöhnen, sondern möchte möglichst viel von dem Gelesenen auch aktiv bereithalten können. Dazu kann es auch sinnvoll sein, ein eBook mal auszudrucken, zum Beispiel mit der Funktion, die es einem erlaubt, zwei Seiten auf eine A4-Seite auszudrucken. Lesen kann man das meist nach wie vor und spart dadurch 50% an Papier und nochmal fast so viel an Tinte. Diese Vorgehensweise erlaubt es mir auch, die bedruckten Blätter mit Textmarkern einzufärben und meine Notizen handschriftlich dazu anzubringen.
  4. Ich denke über das nach, was ich gelesen habe und nach Möglichkeit suche ich andere Menschen, die sich auch mit dem Thema auskennen. Ich scheue dabei nicht, meine Sicht immer wieder erneut zu hinterfragen und bin bereit, sie bei besseren Argumenten auch zu revidieren.

Ich denke auf diese Weise kann man durchaus auch noch ein Stück weit selbst mitbestimmen, wie weit unser Gehirn vom Internet umfunktioniert wird. Wer noch mehr Tipps hat, immer nur her damit!

Wer bin ich, wenn ich online bin?

Das Internet verändert nicht nur unser Verhalten, sondern unser gesamtes Dasein als Menschen. Diese Feststellung macht Nicholas Carr in seinem Buch Wer bin ich, wenn ich online bin… …und was macht mein Gehirn solange? Er beginnt im Prolog mit einer kurzen Zusammenfassung des Buches „Die magischen Kanäle“ von Marshall McLuhan. Dieses Buch sei „eine Prophezeiung, in der die Auflösung des linearen Denkens vorhergesagt wurde.“ (S. 15) Auf anschauliche und auch erstaunlich selbstkritische und reflektierte Art und Weise durchleuchtet Carr in den folgenden Kapiteln, wie das Internet unser Denken beeinflusst und unser Gehirn verändert.

Spannend ist die Feststellung, dass jedes neue Werkzeug unser Gehirn verändert. Wenn wir zum Beispiel lernen, mit einer Zange umzugehen, so wird die Zange für das Gehirn zu einem Körperteil, bzw. das Gehirn „denkt“ sich die Zange als Verlängerung des Arms. Anschaulich führt der Autor danach die Geschichte der wichtigsten menschlichen Werkzeuge aus: Schrift, Karte, Uhr, Buchdruck, Phonograph, Radio, Computer, Internet. Jedes neue Werkzeug beinhaltet auch ein eigenes Ethos. (Der Autor nennt es „die geistige Ethik“). Da zuerst Bücher laut gelesen wurden, weil die Schrift noch keine Lücken zwischen den Worten kannte und das Lesen deshalb anstrengend war, veränderte sich die „geistige Ethik“ des Buches mit der Einführung von Satzzeichen und Lücken zwischen den Worten: „Die Entwicklung des Wissens wurde zunehmend zu einem privaten Akt, bei dem jeder Leser in seinem eigenen Geist eine persönliche Synthese der Gedanken und Informationen schuf, die ihn durch die Schriften anderer Denker erreichten. Der Gedanke des Individualismus wurde dadurch immer stärker.“ (S. 113)

Das Internet und auch seine Texte bestehen zu einem Großteil aus Hyperlinks. Diese sind Verweise, die mitten im Text stehen. Sie führen uns direkt dorthin, worauf sie verweisen. Dies führt verschiedenen Studien zufolge zu einer starken Belastung unserer Ressourcen im Gehirn. Das Auswerten von Verweisen während des Lesens ist eine sehr anstrengende Sache. Carr schreibt dazu: „Wann immer wir – als Leser – auf einen Hyperlink stoßen, müssen wir wenigstens für einen Sekundenbruchteil innehalten, damit unser präfrontaler Kortex entscheiden kann, ob wir ihn anklicken sollen oder nicht. […] In dem Augenblick, in dem sich die exekutiven Funktionen des präfrontalen Kortex zusätzlich einschalten, wird unser Gehirn nicht nur trainiert, sondern überfordert. […] Bei der Online-Lektüre opfern wir die Ressourcen, die ein vertieftes Lesen erst ermöglichen, sagt Maryanne Wolf. […] Unsere Fähigkeit, jene reichen geistigen Verbindungen zu bilden, die beim ungestörten und konzentrierten Lesen entstehen, bleibt dabei weitgehend ungenutzt“ (S. 194)

Da unser Gehirn jedes Werkzeug als ein neuer Teil des Körpers betrachtet, sieht er nun auch den Computer und das Internet als einen externen Speicher an. Anders gesagt: Das Gehirn verlässt sich auf den Speicher namens Internet und benutzt sich selbst vornehmlich als „Wissen, wie man zum Wissen kommt“. Es wird mehr nur noch der „Datenpfad“, die „Datenstruktur“ zur gewünschten bzw. gelesenen Information gespeichert, der eigentliche Inhalt geht nur noch über äußerst viel Lernen in den Kopf rein. Das eigentliche Verstehen, das persönliche Verständnis des Gelesenen bleibt dabei außen vor. Ein weiterer Faktor ist auch die Tatsache, dass das Internet mit seiner vernetzten Datenstruktur eine relativ ähnliche Struktur aufweist wie das Gehirn mit seiner Vernetzung via Synapsen. Die beiden Netze sind „grundsätzlich kompatibel und leicht zu verbinden“. (S. 329)

Nicht zuletzt sollte man laut Nicholas Carr auch bedenken, dass das Internet und auch der Computer ganz allgemein uns immer mehr Möglichkeiten geben, unsere Entscheidungen, die eigentlich nicht nur Wissen, sondern Weisheit benötigen, an eine Rechenmaschine abzuschieben. Die immer leichter und intuitiver zu bedienenden Programme, Oberflächen und Browser führen uns doch allzu gerne in Versuchung, nicht mehr selbst entscheiden zu müsse, sondern sich einen „Tipp“ anzeigen zu lassen, der uns die Entscheidung (und damit vermeintlich auch die Verantwortung für unser Handeln) abnimmt. Carr hat damit ein sehr empfehlens- und überdenkenswertes Buch geschrieben.

Man muss nicht in allem seiner Meinung sein, um dennoch erkennen zu können, dass das Internet weit größere Folgen für die Menschheit und unsere Zukunft hat, als wir gerne zugeben. Hier kann das Buch bestellt werden.

Momentane Bücher Top Ten

Wer gute Literatur sucht, dem möchte ich folgende Werke ans Herz legen:

1. Johannes Calvin – Institutio Christianae Religionis

Das Standardwerk der reformierten Dogmatik ist auch heute noch in vielen Fragen moderner Zeitkritik absolut aktuell. Die Institutio ist nicht nur polemisch geschrieben, sondern zugleich auch sehr seelsorgerlich. Diese Mischung macht Calvins in seinem unnachahmlichen Stil verfassten Werke (besonders auch seine Briefe) zu Dokumenten von allergrößtem Wert. Muss man gelesen haben.

2. Michael F. Ross – Predigen wirkt Wunder

Der Pastor einer großen Gemeinde in den USA setzt sich für Predigten nach dem Vorbild der großen Puritaner ein: Der christozentrischen Auslegungspredigt. Er gibt zunächst die Geschichte dieses Predigtstils kurz wieder und geht dann auf den Inhalt, auf die nötige Ausgewogenheit, auf die Planung sowie die Vorbereitung dieser Predigten ein.

3. John Bevere – Die Furcht des Herrn

In diesem Buch fordert uns John Bevere (einer meiner bevorzugten Autoren aus unseren pfingstlich-charismatischen Gemeinden) dazu auf, unser Leben unter die Lupe zu nehmen und uns zu fragen, ob wir wirklich begriffen haben, was es bedeutet, Gott zu fürchten. Ein Buch, das unser Leben verändern und prägen kann.

4. Wayne Grudem – Politics According to the Bible

Wayne Grudem zeigt hier auf, wie Politik aus christlicher Sicht gesehen und umgesetzt werden kann. Ein umfangreiches, aber absolut lesenswertes Buch. Zu den verschiedenen Themen heutiger Politik werden die biblischen Grundlagen sehr exakt herausgearbeitet, mit anderen Meinungen verglichen und abgewägt. Leider nur in Englisch erhältlich (bisher) aber sehr leicht verständlich und einfach geschrieben.

5. Iain H. Murray – Jonathan Edwards, A New Biography

Vom amerikanischen Erweckungsprediger der Great Awakening können wir auch heute noch sehr viel lernen. Er hat sein Leben ganz in den Dienst des Herrn gestellt. Alles, was er tat, lehrte, predigte oder schrieb, kam bei ihm von ganzem, brennendem Herzen für den Herrn. Sehr anschaulich und doch theologisch tiefgehend beschreibt Iain H. Murray die Geschichte dieses großen Gottesmannes.


6. John Bunyan – The Pilgrim’s Progress

Dieses Buch begleitet mich seit langem, es hat mir den Zugang zu all den großen Schätzen der alten Puritaner eröffnet. Das Buch lässt sich so leicht lesen, hat aber jede Menge an Tiefgang! Absolut empfehlenswert!

7. Wayne Grudem – Systematic Theology

Noch ein zweites Mal Grudem. Es gibt manches, was man anders sehen kann oder wo man sich (zumindest als Student der Theologie) noch ausführlichere Erklärungen wünschen würde, aber es gibt keine moderne Ausgabe einer guten Systematischen Theologie (Bibellehre), die es fertigbringt, die wichtigsten Details zu nennen, auszudiskutieren und doch leichtverständlich (auch für theologisch Nichtstudierte) zu bleiben. Meinem momentanen Wissensstand nach wird das Buch gerade in die deutsche Sprache übersetzt und dürfte Ende dieses Jahres erscheinen.

8. Charles H. Spurgeon – The Treasury of David

(leider vergriffen und nur noch antiquarisch erhältlich)

Der Fürst der Prediger hat 20 Jahre lang in vielen Stunden zig Kommentare zu den Psalmen gelesen und ausgewertet. In diesem als vier-, sechs- oder gar siebenbändig erhältlichen Magnum Opus legt Spurgeon die Psalmen komplett Vers für Vers aus und gibt immer Hinweise für Prediger sowie gute Zitate anderer Kommentatoren. Ein wahrer Schatz für alle Prediger, Seelsorger aber auch sonst für jeden, der sich für die Psalmen interessiert.

9. Derek Prince – SÜHNE, Ihre persönliche Begegnung mit Gott

Prince, ein großartiger Bibellehrer, beleuchtet hier im Detail, was der Herr Jesus am Kreuz für uns getan hat. Das hat nämlich Konsequenzen für unser Leben. Anhand persönlicher Beispiele versucht er das darzulegen. Sehr leicht zu lesen und doch voll Tiefgang.

10. Benedikt Peters – George Whitefield, Der Erwecker Englands

In dieser Biographie erzählt B. Peters aus dem Leben des englischen Erweckungspredigers George Whitefield. Von ihm können wir vieles lernen und besonders interessant ist aus dieser Sicht auch die große Kontroverse mit John Wesley, der die biblische Lehre von der Vorsehung und Erwählung abgelehnt hat. Auch dies ist ein Thema, welches heute zur Debatte steht.

Bücher zur Predigtlehre

Meine Top 5 der Predigtlehrbücher:

An dieser Stelle möchte ich ein paar Bücher vorstellen, die sich damit befassen, wie man eine Predigt vorbereitet und hält. Ich habe hier die fünf besten, die ich bisher gelesen habe, herausgesucht und stelle sie kurz vor.

Ross, Michael F., Predigen wirkt Wunder. 3L-Verlag, 2009, ISBN-978-3-935188-70-8

Dieses ziemlich neue Buch hat es in sich. Ross hat erkannt und erlebt, dass eine Gemeinde vor allem dann gesund wachsen kann, wenn wir, statt ständig neuen Lehren hinterherzueilen, erneut anfangen, die fundamentalen Wahrheiten der Schrift zu predigen, und zwar in der Ausgewogenheit, wie dies schon bei unseren Vorvätern, den Puritanern, der Fall war. Von ihnen lernt und lehrt er predigen. Eine ausgewogene Predigt muss vor allem auch eine Auslegungspredigt sein. Mit vielen Beispielen und kraftvollen Worten ruft der Autor die Prediger auf, die Predigt zum absoluten Zentrum aller pastoraler Handlungen zu machen.

Lloyd-Jones, D. Martyn, Die Predigt und der Prediger, 3L-Verlag, 2005, ISBN 3-935188-47-1

Bei diesem Buch handelt es sich – wie man sich das bei Lloyd-Jones natürlich gewohnt ist – um eine Serie von Vorträgen, die er am Westminster Theological Seminary für die dortigen Studenten zu halten gebeten worden war. Für ihn ist der Fall eindeutig – die wahre Predigt, so drückt er es aus, sei das dringendste und wichtigste Bedürfnis für die Kirche der heutigen Tage – und damit auch für die Welt. Aus seinem reichen Erfahrungsschatz kann er über all die wichtigen Themen aber auch über Hindernisse und Fehler der Predigtvorbereitung und -durchführung sprechen. Ein Meister seines Fachs!

Mauerhofer, Armin, JESUS Mitte jeder Predigt, jota-Publikationen, 2005, ISBN 3-935707-35-5

Dieses Buch ist aus den langjährigen Vorlesungen meines Dozenten an der STH Basel, Armin Mauerhofers, entstanden. Es ist ein ausgezeichnetes Buch, das dem Prediger vermittelt, dass der Herr Jesus in jeder Predigt das Zentrum sein muss. Alles, was uns die Bibel verheißt, ist das direkte Ergebnis der Erlösungstat des Herrn, und jeder Forderung, die die Schrift dadurch stellt, kann nur mit Hilfe des innewohnenden Christus entsprochen werden. Auf diese Art und Weise wird jede Predigt lebendig und bleibt keine Theorie, sondern will und kann im täglichen Leben des Hörers auch angewandt werden.

Azurdia, Arturo, In der Kraft des Geistes, 3L-Verlag, 2003, ISBN 3-935188-27-7

In diesem Buch findet man in erster Linie Tipps, wie man mehr Vollmacht in der Verkündigung bekommen kann. Es geht weniger um den Prediger und das Halten von Predigten, sondern um eine Grundhaltung, in der man predigen soll, damit der Heilige Geist das Werk des Predigers in den Hörern bestätigt. Azurdia ist selbst Pastor, der auch von seinen eigenen Fehlern und zahlreichen Überraschungen auf der Kanzel berichtet.

Robinson, Haddon, Predige das Wort, Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, 2001, ISBN 3-89436-299-5

Dieses Buch habe ich mit großem Gewinn für meine ersten Gehversuche in der Predigtvorbereitung und -durchführung benutzt. Es werden zehn Schritte mit Beispielen und Illustrationen erläutert und viel wertvolles Arbeitswerkzeug vorgestellt. Es lohnt sich speziell für (noch) nicht ausgebildete Prediger und Theologen.