Allgemeine Offenbarung: Die Schöpfung

Wir haben bereits gesehen, dass Gott Sich auf verschiedene Art und Weise offenbart. Man unterteilt den Bereich der Selbstoffenbarung Gottes in zwei Teile, von denen jeder wieder aus zwei Teilen besteht. Hierbei unterscheidet man die allgemeine Offenbarung von der speziellen Offenbarung. Die allgemeine Offenbarung besteht aus den beiden Hauptteilen Schöpfung und Gewissen, die spezielle Offenbarung aus den Teilen Bibel und Jesus Christus. Etwas geordneter sieht das so aus:
1. Allgemeine Offenbarung
1.1. Schöpfung
1.2. Gewissen
2. Spezielle Offenbarung
2.1. Bibel
2.2. Jesus Christus
Heute möchte ich mich auf den ersten Teil des ersten Teils beschränken: Wie kann der Mensch Gott in der Schöpfung erkennen?
Paulus beginnt seine Erklärung des Evangeliums im Römerbrief mit einer Erklärung dazu: Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, da Gott es ihnen offenbar gemacht hat; denn sein unsichtbares Wesen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit Erschaffung der Welt an den Werken durch Nachdenken wahrgenommen, so daß sie keine Entschuldigung haben. Denn obgleich sie Gott erkannten, haben sie ihn doch nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt, sondern sind in ihren Gedanken in nichtigen Wahn verfallen, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild, das dem vergänglichen Menschen, den Vögeln und vierfüßigen und kriechenden Tieren gleicht.(Römer 1, 18 – 24)
Mit anderen Worten: Jeder vernünftige Mensch, der die Welt anschauen kann, hat die Möglichkeit, Gott als Schöpfer darin zu erkennen. Er muss es nicht zwingend, denn er kann die Wahrheit auch verdrängen und unterdrücken. Wer das tut, dessen Herz wird immer mehr verdunkelt, bis er nur noch die Schöpfung sehen kann. Der Mensch, der so gegen Gott und gegen das Zeugnis seines eigenen Lebens rebelliert, bis er davon blind und verblendet ist, hat die Strafe für seine Rebellion gegen Gott wohl verdient. Eigentlich wird dann jede Zelle seines Körpers, jeder Stern im Universum und jedes Blatt, das im Herbst von einem Baum fällt, zum Zeigen gegen diesen Menschen, denn alles „schreit“ auf seine Art: „Schau mich an! Ich bin geschaffen! Ich habe einen Schöpfer, der mich geplant, gewollt und gemacht hat!“
Immer mehr Leute versuchen mit aller Kraft, diese Erkenntnis, die natürliche Offenbarung, mit aller Kraft zu unterdrücken. Etwa Richard Dawkins schreibt in seinem Buch „Der Gotteswahn“ sehr anschaulich, wie das praktisch gemacht wird: „Ein Atheist oder philosophischer Naturalist in diesem Sinn vertritt also die Ansicht, dass es nichts außerhalb der natürlichen, physikalischen Welt gibt: Keine übernatürliche kreative Intelligenz, die hinter dem beobachtbaren Universum lauert, keine Seele, die den Körper überdauert, und keine Wunder außer in dem Sinn, dass es Naturphänomene gibt, die wir noch nicht verstehen. Wenn etwas außerhalb der natürlichen Welt zu liegen scheint, die wir nur unvollkommen begreifen, so hoffen wir darauf, es eines Tages zu verstehen und in den Bereich des Natürlichen einzuschließen.“(Dawkins, Richard, Der Gotteswahn, S. 25f)
Davon abgesehen, dass diese Worte von Dawkins voll unnötiger Polemik sind (etwa dann, wenn er die übernatürliche Intelligenz hinter dem Universum „lauern“ lässt), sehen wir hier die Praxis dessen, was Paulus im Römerbrief beschrieben hatte: Der gottlose Mensch klammert von Anfang an jede Möglichkeit Gottes in seinem Denken aus und ist deshalb dazu verdammt, seine Herkunft und die Herkunft des ganzen Universums auf magische Art erklären zu müssen. Denn: Aus nichts kommt nichts! Nun gut, vielleicht kann man den großen Glauben eines Herrn Dawkins auch bewundern.
Da ist doch die Erklärung Johannes Calvins viel vernünftiger: „Höchstes Ziel des seligen Lebens ist nun die Erkenntnis Gottes. Niemandem sollte der Zugang zur Seligkeit verschlossen bleiben; deshalb hat Gott nicht nur dem Menschenherzen das geschenkt, was wir den Keim der Religion nannten. Er hat sich auch derart im ganzen Bau der Welt offenbart und tut es noch heute, dass die Menschen ihre Augen nicht aufmachen können, ohne ihn notwendig zu erblicken. Sein Wesen zwar ist unbegreiflich, so dass seine Gottheit allem Verstehen der Menschen völlig unerreichbar ist. Aber er hat den einzelnen Werken zuverlässige Kennzeichen seiner Herrlichkeit eingeprägt, und diese sind so deutlich und eindrücklich, dass auch den unkundigsten und unverständigsten Menschen jede Entschuldigung mit Unwissenheit unmöglich gemacht ist.“ (Calvin, Johannes, Institutio deutsch, 1. Buch, 5. Kapitel, Teil 1)
Eine zweite interessante Frage stellt sich dabei: Was kann der Mensch unabhängig von seiner Kenntnis der Bibel aus der Schöpfung über den einen, lebendigen Gott wissen?
Der Schöpfergott muss ein mächtiger Gott sein. Wer das Universum betrachtet, kommt sich klein vor. Das ist nicht erst so, seit wir Teleskope haben. Schon lange davor haben die Menschen in den nächtlichen Sternenhimmel geschaut und haben darüber gestaunt. Doch je mehr man über die Weiten des Universums weiß, desto mehr Grund zum Staunen gibt es. Der Gott, der das alles geschaffen hat, muss wirklich groß und mächtig sein.
Der Schöpfergott muss ein exakter Gott sein. Wenn man bedenkt, wie viele Konstanten ganz genau stimmen müssen, damit das Leben auf dem Planeten Erde überhaupt möglich wird, so entdeckt man, dass dahinter ein ganz exakt ausgeführter Plan stecken muss. Spätestens hier wird deutlich, wie weit der Mensch hinter dem Standard zurückbleibt, den der Gott, der alles erschuf, gesetzt hat.
Der Schöpfergott muss ein guter Gott sein. Alles, was geschaffen ist, trägt trotz all der Zerstörung durch den Sündenfall noch immer so viel Harmonie und Schönheit in sich, dass das Auge – wohin es auch immer sieht – zerbrochene Schönheit erkennen kann. So wird deutlich, dass der jetzige Zustand nicht von Anfang an so gewesen sein kann. Doch den Erlösungsweg gibt es nur in der speziellen Offenbarung.
Johannes Calvin schreibt weiter über die Schöpfung: „Ein solches Wissen um Gott muss uns zur Verehrung Gottes reizen und zugleich auch die Hoffnung auf ein ewiges Leben in uns erwecken und aufrichten.“(Institutio, 1. Buch, 5. Kapitel, Teil 10) Doch gibt es da ein Problem: „Jedoch wie hell und klar uns auch der Herr sich selbst und sein ewiges Reich im Spiegel seiner Werke vor Augen stellt – wir bleiben doch in unserem großen Stumpfsinn stets blind gegen solche Bezeugungen, so dass sie in uns ohne Frucht bleiben.“(Ebd. Teil 11)
Der Mensch unterdrückt sein Wissen, verschließt die Augen, klammert jede Möglichkeit aus, um nicht zugeben zu müssen, dass die Realität, mit der wir jeden Tag konfrontiert sind, immerzu auf den einen mächtigen und lebendigen Schöpfergott hinweist. Richard Dawkins, dessen Buch ich oben zitierte, hat vor kurzer Zeit den Rat gegeben, dass Kinder mit dem Down-Syndrom abgetrieben werden sollen. Es gab einen Aufschrei deswegen und er hat sich dafür entschuldigt. Doch im Grunde genommen war dieser Vorschlag total in Übereinstimmung mit seiner Weltanschauung. Dennoch muss sich Dawkins dann auch die Frage gefallen lassen, warum er zur Abtreibung während der Schwangerschaft rät, nicht aber zu einer postnatalen „Abtreibung“. Ein Kind ist für ihn ein Kind, ein Mensch, eine Art seelenlose Maschine. Warum ist er hier so inkonsequent? Warum schützt er das Leben des Kindes dann nicht, wenn es noch ganz hilflos in der Mutter ist, aber nach der Geburt schon? Auch ein Richard Dawkins kommt hier nicht darum herum, sein inneres Wesen auszuleben, in dem er nach dem Ebenbild Gottes geschaffen ist und deshalb einen Sinn für Gerechtigkeit besitzt. Es ist einfacher, Leben auszulöschen, solange man dies auf einen Knopfdruck machen kann. Sei es bei einem Drohnenangriff oder beim Absaugen eines Kindes im Mutterleib. Wenn man dem Gegenüber dabei in die Augen schauen muss, ist es immer viel schwerer. So beweist auch der Atheist durch sein Leben, dass seine gesamte Weltanschauung nicht dazu fähig ist, ihm durch alle Teile seines Lebens zu helfen, sondern auch er in seinem Tun immer wieder inkonsequent sein muss. Möge Herr Dawkins eines Tages seine Augen öffnen und den Schöpfergott erkennen, der alles – ihn inklusive – geplant, gewollt und geschaffen hat.
Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündigt das Werk seiner Hände. Es fließt die Rede Tag für Tag, Nacht für Nacht tut sich die Botschaft kund. Es ist keine Rede und es sind keine Worte, deren Stimme unhörbar wäre. Ihre Reichweite erstreckt sich über die ganze Erde, und ihre Worte bis ans Ende des Erdkreises. Er hat der Sonne am Himmel ein Zelt gemacht. (Psalm 19, 2 – 5)

Göttliche Offenbarung – Die Frage nach der letzten Autorität

Unsere Welt befindet sich heute in einer dunklen Nacht auf einem riesigen Marktplatz. Überall sind Menschen zu sehen, die eine Laterne mit sich herumtragen, doch alle sind dunkel. Diese rufen alle: Kommt zu mir! Ich habe es kapiert! Ich werde euch helfen! Jeder von diesen versucht, der Lauteste zu sein, denn je lauter einer ist, desto mehr Menschen werden ihn hören und versuchen, zu ihm zu kommen. Dabei stoßen sie immer wieder aneinander und fallen zu Boden. Sie streiten sich, rappeln sich wieder auf und laufen weiter, bis sie vom Nächsten zu Boden gestoßen werden.
In diese Situation hinein, auf diesen „Jahrmarkt der Eitelkeiten“, hat Jesus Christus Seine Gemeinde gestellt und gesagt: Ihr seid das Licht der Welt! Er hat uns Sich Selbst gegeben und gesagt: Ich bin das Licht der Welt. Und wir können das Licht der Welt sein, weil Er durch Seinen Heiligen Geist bei uns ist. Und das Licht, das Er uns gegeben hat, ist Sein Wort, die Bibel. Sie dient dazu, dass wir Menschen sehen können. Aber leider wollen viele Menschen nicht sehen, denn wenn sie sehen müssen, so können sie sich selbst erkennen – und was sie da sehen, gefällt ihnen nicht: Ehebruch, Unzucht, Unreinheit, Zügellosigkeit; Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Selbstsucht, Zwietracht, Parteiungen; Neid, Mord, Trunkenheit, Gelage und dergleichen(Galater 5,19-21) So wollen viele Menschen lieber im Dunkeln bleiben. Auch das hat uns Jesus Christus gesagt: Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes geglaubt hat. Darin aber besteht das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse.(Johannes 3, 17-19)
Jetzt hat die Gemeinde Jesu Christi zwei verschiedene Möglichkeiten, wie sie auf dieses Problem reagieren kann. Entweder sie hält ihr Licht hoch und nimmt in Kauf, dass sie von vielen Menschen verspottet, gekränkt und verlassen wird, aber dass eine kleine Zahl von Menschen sich zum Licht hingezogen fühlt, ihre Herzen von Gott geöffnet wurden und sie eine echte Veränderung in ihrem Leben möchten. Oder sie kann ihr Licht auslöschen und in den allgemeinen Wettbewerb um das lauteste Geschrei einstimmen. Wo die Gemeinde Jesu Christi den Anspruch, den Jesus Christus erhebt, verleugnet und die biblische Lehre von der absoluten Glaubwürdigkeit und Fehlerlosigkeit der Bibel aufgibt, hat sie ihr Licht ausgelöscht und den Menschen in der Dunkelheit nicht mehr zu sagen als alle anderen Marktschreier auch.
Zur Zeit Jesu gab es eine ähnliche Situation: Eine ganze Gruppe von Schriftgelehrten und Rabbinern hat dem übrigen jüdischen Volk die damalige Bibel, das Alte Testament, erklärt und ausgelegt. Weil es immer wieder Fragen dazu gab, wie man all diese 613 Gebote und Verbote halten kann, hat man neue Regeln zur Textauslegung gemacht: Um jedes Gebot herum wurde ein „Zaun“ aus anderen Geboten gemacht, um das Volk davor zu schützen, dem Gebot selbst zu nahe zu kommen. Es wurde zum Beispiel festgelegt, wie weit man am Sabbat gehen durfte, ohne dass dies als Ausübung eines Berufs gerechnet werden konnte. Und so weiter. Und dann kam Jesus und hielt die Bergpredigt. In einem Teil davon ging er auf verschiedene dieser menschengemachten Gebote ein, zitierte sie und setzte dann diesem Menschengebot das richtige, biblische Gebot, gegenüber. So sagte Er immer wieder: Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt wurde … (Menschengebot) … Ich aber sage euch … (Gottes Gebot). Das ist heute häufig nicht viel anders. Nur sind es heute oft keine Rabbis mehr, sondern andere „Schriftgelehrte“.
Sie präsentieren einen Gott, welcher den Menschen gefällt. Einen Gott, der sich Liebe nennt, aber in Wirklichkeit einfach nur allem gleichgültig zuschaut. Einen Gott, der nicht alles weiß, sondern darauf verzichtet, alles zu wissen, weil wir ja sonst – so wird dann gern behauptet – gar keinen freien Willen mehr hätten. Einen Gott, dessen Wort Fehler enthält und das man deshalb zuerst mit dem Menschenverstand prüfen müsse. Einen Gott, der zu schwach ist, dafür zu sorgen, dass wir sein Wort ohne Fehler in den Händen halten und verstehen können. Einen Gott, dessen Wort in jeder Generation etwas ganz anderes bedeuten kann – und manchmal auch das Gegenteil von früher. Einen Gott, den man nicht verstehen kann, sondern ihm immer nur im Gespräch mit anderen zusammen näher kommen.
So ist es ganz wichtig, dass wir immer wieder unsere Haltung zu Gottes Wort prüfen. Wo wir es für fehlerhaft halten oder es nur als eine von mehreren Quellen der Wahrheit halten, sind wir auf einem gefährlichen Kurs. Dass es noch weitere Hinweise auf Gott gibt, ist klar. Aber wer diesen Gott kennenlernen möchte, wird nicht um die Bibel herum kommen. Dass es Gott gibt, kann jeder Mensch auch durch zwei Quellen der sogenannt „natürlichen Offenbarung“ erkennen: Durch alles, was Gott geschaffen hat und durch sein Gewissen. Doch um den Charakter und den Willen des einen lebendigen Gottes zu kennen, braucht es die „spezielle Offenbarung“. Diese finden wir in Gottes Wort, der Bibel von 1. Mose 1,1 – Offenbarung 22,21. Da haben wir Wort für Wort und Buchstabe für Buchstabe das irrtumslose und unfehlbare Wort Gottes.
Jemand, dem Jesus Christus eh schon egal ist, wird nicht auf Gottes Wort hören. Aber für jeden, der sich Christ nennt oder sich als Nachfolger Jesu Christi sieht, ist diese Sache von unendlich großer Wichtigkeit: Gottes Wort ist die Wahrheit (vgl. Johannes 17,17). Und damit ist jeder Unglaube an Gottes Wort auch Unglaube gegenüber Gott und Ungehorsam gegen Gottes Wort ist somit auch Ungehorsam gegen Gott. Für jeden Christen ist somit Gottes Wort die letztgültige Autorität im Leben und wer diese Autorität untergräbt, macht sich mitverantwortlich, anderen Menschen die Türe zu Gott zu verschließen.
Die Bibel ist zwar nicht zwingend notwendig, damit der Mensch wissen kann, dass Gott existiert und alles (inklusive uns Menschen) geschaffen hat, aber sie ist absolut notwendig, wenn wir mehr über diesen Gott und über den Sinn der geschaffenen Welt (inklusive uns) wissen wollen. Der oben genannte Marktplatz ist voll von Menschen, die nicht wissen, wozu sie leben. Sie müssen sich ständig selbst erfinden oder versuchen, die Frage nach dem Sinn zu verdrängen. So ist die Menschheit gefangen in einer besessenen Suche nach dem Sinn oder in einer besessenen Suche nach der Verdrängung dieser Frage. Erst durch Gottes Wort kann diese Suche ein Ende finden: Wo Menschen ihre Bedürftigkeit der Erlösung von ihrer persönlichen Schuld durch die Sünde einsehen und sich an Gott als ihrem Erlöser zuwenden. So sind wir auf diesen Marktplatz gestellt mit dem Befehl Jesu Christi:
Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit! Amen. (Matthäus 28,18-20)
Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Diese Zeichen aber werden die begleiten, die gläubig geworden sind: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, sie werden in neuen Sprachen reden, Schlangen werden sie aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nichts schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden. (Markus 16,15-18)
So steht es geschrieben, und so mußte der Christus leiden und am dritten Tag aus den Toten auferstehen, und in seinem Namen soll Buße und Vergebung der Sünden verkündigt werden unter allen Völkern, beginnend in Jerusalem. Ihr aber seid Zeugen hiervon! (Lukas 24,46-48)

Biblische Theologie für die ganze Gemeinde

Biblische Theologie für die ganze Gemeinde
Entsprechend ihrer Etymologie ist die Theologie die Wissenschaft, Gott betreffend. Andere Definitionen führen entweder in die Irre, oder, wenn sie genauer betrachtet werden, zum selben Resultat.“(Vos, Geerhardus, Biblical Theology: Old and New Testaments, Wipf & Stock Publishers, 2003, S. 3)
Diese Definition der Theologie von Geerhardus Vos ist sehr treffend. Sie beinhaltet aber als Konsequenz auch die Tatsache, dass die Theologie für diejenigen ist, zu denen Gottes Offenbarung geschieht, nämlich für die Gemeinde Jesu Christi. Es kann deshalb keine Art von „Theologie“ geben, die nicht auf das eine Ziel ausgerichtet ist, der Gemeinde zu dienen. Die Theologie ist also niemals zu einem Selbstzweck da, sondern muss auf den Gebrauch innerhalb der gesamten örtlichen Gemeinde ausgerichtet sein. 
Da Gott alles zu dem einen Zweck geschaffen hat, dass der Mensch Ihn kennenlernen, verherrlichen und sich an Ihm erfreuen solle, muss entsprechend die Biblische Theologie ebenfalls auf dieses Ziel hin arbeiten. Sie kann und soll von dem wunderbaren Heilsplan erzählen, der Gottes Willen zeigt, Sich zu offenbaren und Menschen mit Sich zu versöhnen. 
Echte Biblische Theologie zeigt somit auf, dass Gott der Schöpfer aller Dinge ist. Er hatte den Plan, Sich Selbst dem Menschen zu zeigen, Sich zu offenbaren. Deshalb wurden alle Dinge geschaffen, die sind. Deshalb wurde der Mensch in Seinem Ebenbild erschaffen, um stückweise erfassen zu können, wer und wie Er ist. Die Herrschaft des Menschen über den Garten ist ein Ebenbild zu Gottes Herrschaft und Allmacht über alle Dinge. Die Wesenheit in ihrer Unterschiedlichkeit als Mann und Frau ist auf Gemeinschaft und auf Kommunikation ausgelegt, ganz im Ebenbild der Gemeinschaft und Kommunikation innerhalb der göttlichen Dreieinigkeit. Die menschliche Ausrichtung auf das Verlangen nach dem ehelichen Einssein ist ein Ebenbild für Gottes Verlangen nach dem Einssein mit der Gemeinde als der Braut Christi. Die Kreativität des Menschen ist im Ebenbild der schöpferischen Kreativität Gottes geschaffen, mit welcher alles ins Leben gerufen wurde.
Echte Biblische Theologie zeigt auch die Notwendigkeit der Erlösung auf, denn sie stellt Gott als den vor, der bereits vor Grundlegung der Welt entschlossen hatte, die Menschheit zu versöhnen. Deshalb stellt sie den ganzen Weg vor, wie Gottes Offenbarung stückweise erfolgt ist und wie sie ihren Höhepunkt am Kreuz von Golgatha findet. Dort ist alles vollbracht, was zur Erlösung nötig ist. Dort ist die letztendliche Offenbarung Gottes als die Liebe in Person, die das Allerwertvollste aufgibt, um die Gemeinschaft der Heiligen zu erlösen. So wertvoll ist Ihm der Mensch, dass Er bereit ist, den Fluch auf Sich zu nehmen und zu tragen, den der Mensch auf sich gebracht hat. 
So ist also die Selbst-Offenbarung Gottes auf der einen, der Heilsplan oder, anders gesagt, die Versöhnung des gefallenen Menschen mit Gott, auf der anderen Seite das Thema, welches sich durch die ganze Bibel hindurch zieht. Dies ist deshalb auch der Nutzen der Biblischen Theologie für die ganze Gemeinde: Sie unterstützt die Erkenntnis Gottes und hilft zu einem besseren Verständnis der ganzen Bibel. 
Mark Dever schreibt dazu:
Wir müssen Gott durch seine Offenbarung seiner selbst verstehen und nicht durch unsere eigenen Eindrücke, nicht durch unsere Wünsche und nicht durch die Art und Weise, wie wir uns Gott gern vorstellen. Wir sprechen heute allzu oft von Evangelisation, als ob es dabei um Werbeaktionen ginge und erklären das Wirken des Geistes in der Sprache des Marketing. Manche Menschen sprechen sogar auf eine Weise von Gott, als ob er im Bilde des Menschen geschaffen sei und nicht andersherum.
Wenn wir in diesen Zeiten eine gesunde Gemeinde sein wollen, dann müssen wir besonders sorgfältig für Leiter in der Gemeinde beten, die ein biblisches Verständnis davon haben und die aus Erfahrung auf Gottes Allmacht vertrauen. Rechte Lehre in all ihrer vollen biblischen Herrlichkeit kennzeichnet eine gesunde Gemeinde.“(Dever, Mark, 9 Merkmale einer gesunden Gemeinde, 3L-Verlag Waldems, 2009, S. 72f)
Möge die Theologie in all ihrem Tun zu Gottes Verherrlichung und dem Wachstum der Gemeinde geschehen! Amen.

Ein Wort an Laodizea

Ein Wort an Laodizea

Denn du sprichst: Ich bin reich und habe Überfluß, und mir mangelt es an nichts! — und du erkennst nicht, daß du elend und erbärmlich bist, arm, blind und entblößt. (Offenbarung 3, 17)

Wir leben in einer Zeit des zunehmenden Machbarkeitswahns in unseren Gemeinden. Wer einen Blick auf die Büchertische, die Predigtarchive und Zeitschriften wagt, wird feststellen, dass es an Programmen und Anleitungen zum „geistlichen Leben“ nur so wimmelt: „Sieben Schritte ins Leben“, „41 Methoden zum Bibellesen“ oder „Zwölf Schritte zu göttlicher Heilung“ ist nur eine kleine Auswahl an vorhandenem Material. Es wird alles „machbar“. Gemeinde wird „machbar“, Evangelisation wird „machbar“, Bekehrung wird „machbar“, geistliches Leben wird „machbar“. So denken wir wie Laodizea: „Ich bin reich und habe Überfluss, und mir mangelt es an nichts!“ Eigentlich absurd: Überall dort, wo Gott bislang am Wirken war, hat der Mensch mit seinen Methoden das Steuer übernommen. Wo Gott im Zentrum stand, ist nun der Mensch der Mittelpunkt aller Unternehmungen. Es ist nicht mehr Christus, der Seine Gemeinde baut, nein, dazu haben wir ja unsere Gemeindebauprogramme, die Demographie, die Soziologie und natürlich „relevante Predigten“.

Ich glaube, wir haben eine ganze Menge an fremdem Feuer in unsere Gemeinden hineingebracht: Das fremde Feuer der Psychologie in die Seelsorge, die damit humanistisch unterwandert wird. Das fremde Feuer der Soziologie in den Gemeindebau, der damit ebenfalls vom humanistischen Gedankengut beherrscht wird. Das fremde Feuer der Rhetorik in der Predigtlehre, die für die rechten Gefühle der Hörer sorgen will, um sie so vom Prediger zu überzeugen. Und natürlich muss die Predigt immer vom Menschen ausgehen und möglichst auf heikle Themen und biblische Worte verzichten. Laodizea wird vom Herrn Jesus als „lauwarm“ und „zum kotzen“ betitelt (Offenbarung 3, 15). Es hat üble Verbindungen mit der Welt eingegangen, ist halbherzig nur noch bei der Sache des Evangeliums und hinkt so auf beiden Seiten. Zur Zeit des Wirkens von Mose ist für fremdes Feuer auf dem Altar die Strafe sofort gefolgt. Auch in der Zeit der Apostel wurde die Strafe für die Lüge von Hananias und Saphira sofort vollstreckt. Zu anderen Zeiten, wie zum Beispiel in der von Eli, dauerte es Jahre oder Jahrzehnte. Warum? Wir lesen: Zu jener Zeit war das Wort des Herrn selten(1. Samuel 3, 1). Die Gegenwart Gottes ist dort, wo Sein Wort gelehrt, gehört und befolgt wird. Auch heute ist es so: Das Wort des Herrn ist selten, man muss danach suchen. Viel Menschenwort ist da und füllt die Kanzeln mehr und mehr. Doch wie lange wird der Herr noch Geduld haben?

In Laodizea ist viel Geschäftigkeit zu finden, man redet gerne von den sichtbaren Erfolgen, von den erfolgreichen Programmen und den genialen Aktivitäten, die alle im Namen Gottes geschehen sollen: „Ich bin reich und habe Überfluss, und mir mangelt es an nichts!“ Nichts? Wirklich nichts? Wer weiter liest, bemerkt, woran es mangelt. In Vers 20 spricht der Herr Jesus: „Siehe, Ich stehe vor der Tür und klopfe an!“ (Offenbarung 3, 20) Was???? Wir feiern doch unseren Herrn, wir singen doch Lieder, wir tun alles für den Herrn? Es ist alles vorhanden, es gibt einen Überfluss an allem, nur das Wichtigste fehlt. Die Hauptperson unserer Aktivitäten wird vor der Türe stehen gelassen. Die Geburtstagsparty steigt, doch das Geburtstagskind steht im Regen, muss anklopfen, und wird doch nicht gehört. Die Musik ist zu laut, die schönen Gefühle sind zu stark, die Ohren zu verstopft, um das Klopfen an der Türe wahrnehmen zu können.

Die Antwort des Herrn an Laodizea ist vernichtend: „Du erkennst nicht, dass du elend und erbärmlich bist, arm, blind und entblößt.“Es ist ein Mangel an Erkenntnis da, und Gottes Volk geht am Mangel an Erkenntnis zugrunde. Die Heiligkeit von Laodizea, die in der Bibel durch saubere, weiße Kleidung symbolisiert wird, ist wie des Kaisers neue Kleider: Er ist begeistert davon, aber in Wahrheit ist er nackt, frei von ihr. Die Menschen werden mit rosa Brillen von Ökumene, Allianz und anderen weltlichen Einheitsbreien blind gehalten und von der Erkenntnis der Wahrheit entfernt. „Oooh, das Wirken des Herrn ist da, wir haben wunderschöne Zusammenkünfte und gesegnete soziale Straßenaktionen gehabt! Ich bin reich und habe Überfluss, und mir mangelt an nichts!“ Bis das kleine Mädchen rufen muss: Der hat doch gar keine Kleider an! Der ist ganz nackt! Betretenes Schweigen. Wie lange noch wird die Menschheit blind gehalten? Wie lange noch von vorne bis hinten veräppelt? Wie lange noch wird der Herr Geduld haben mit Laodizea?

Alle, die ich liebhabe, die überführe und züchtige ich. So sei nun eifrig und tue Buße!“ (Offenbarung 3, 19) Dies ist der Ruf des Herrn an Laodizea. Buße tun? „Ist doch altmodisch“, spricht Laodizea. „Heute nennt man das Umdenken.“ Da muss man nichts Weiteres mehr tun, das kann man ganz und gar im Kopf. Echte Buße verlangt etwas mehr, nämlich das Aufhören und Aufgeben der Sünde. Umkehren und sich neu Gott zuwenden. Schuld zugeben und sich vergeben lassen. Vergebung annehmen und ein neues Leben beginnen. Das mag Laodizea nicht. Doch ewig wird das nicht so weitergehen können. Siehe, Laodizea, du hast dir deine Feinde ins Haus geholt, diejenigen, die dich verderben wollen. Du hast der Welt den kleinen Finger gegeben, nun hat sie den Rest an dir auch gleich gefordert. Bist du nun bereit, Laodizea, eifrig Buße zu tun? Dein Herr ist ein eifersüchtiger Gott! Vergiss das nicht!

Doch eine Lösung hält Er dir bereit: „Ich rate dir, von mir Gold zu kaufen, das im Feuer geläutert ist, damit du reich wirst, und weiße Kleider, damit du dich bekleidest und die Schande deiner Blöße nicht offenbar wird; und salbe deine Augen mit Augensalbe, damit du sehen kannst!“(Offenbarung 3, 18) Drei Dinge sind zu kaufen. Moooment mal… zu kaufen? War da nicht mal was von „wen da dürstet, der nehme umsonst“? Ja, wer will, der tue umsonst Buße. Aber sie ist nicht so einfach mit dem neumodischen „umdenken“ zu haben. Sie kostet nicht nur unsere falschen Gedanken, sie will uns ganz haben. Ganz und gar, durch und durch. Es gibt drei Dinge zu kaufen: Gold, Kleider und Augensalbe.

Das erste ist Gold, das im Feuer geläutert ist. Um Gold zu läutern, wird es über dem Feuer erhitzt, bis es geschmolzen ist. Das Gold selbst ist sehr schwer, sodass die Verunreinigungen alle obenauf schwimmen. Dann werden sie sichtbar und können abgeschöpft werden. Läuterung an uns geschieht immer durch schwierige Situationen, durch Druck, dem wir ausgesetzt sind. Dann wird all das, was uns verunreinigt, sichtbar. Wir können darauf auf zwei Arten reagieren: Entweder wir versuchen, es zu verstecken, überspielen oder verharmlosen es. Dann drücken wir diese Dinge, die uns unrein machen, so lange ins Gold hinein, bis es abkühlt und hart wird. Dann verschwindet es eine Weile aus unserem Blickfeld, aber es verhärtet uns und macht uns Gott gegenüber halsstarrig. Oder wir gehen mit diesen Verunreinigungen zum Herrn ins Gebet, bitten um Vergebung, geben es zu, und lassen uns vom Herrn rein machen. Bedingung dazu ist, dass wir tatsächlich bereit sind, darauf zu verzichten, weil wir vor dem Herrn geläutertes, reines Gold sein wollen.

Das zweite sind weiße Kleider, um uns damit zu bekleiden. Es sind die Hochzeitskleider, um als Braut den Herrn Jesus ehelichen zu dürfen. Es gibt keine größere Ehre als das. Doch alles, was wir selbst haben, unsere ganze menschliche Gerechtigkeit, sind dreckige Lumpen, mit denen wir uns niemals an Gottes Königshof zeigen lassen dürfen. Paulus schrieb dazu, dass er alles, was er zu seiner menschlichen Gerechtigkeit hätte zählen können, für Kot hielt (Philipper 3, 8). Er sagt damit aus: Wenn ich versuchen wollte, mit meinen Methoden, meiner Erkenntnis und meiner Gerechtigkeit zum Hochzeitsfest des Lammes zu gelangen, dann wäre ich wie einer, der versucht, seinen nackten Körper mit Kot zu beschmieren und das als Hochzeitskleid auszugeben. Da ist es kein Wunder, nennt der Herr Laodizea „elend und erbärmlich“ nennt. Wir brauchen das richtige Hochzeitskleid, das ist die Gerechtigkeit, die der Herr Jesus am Kreuz für uns erworben hat. Und die bekommt man nicht durch irgend einen Verdienst, sondern durch Gnade allein. Das benötigt die totale Selbstverleugung, weil wir Menschen uns das nicht gerne schenken lassen.

Das dritte ist die Augensalbe, um wieder sehend zu werden. Die Stadt Laodizea war bekannt für die gute Augensalbe, die dort hergestellt wurde. Die Augensalbe steht für den Heiligen Geist, dessen Aufgabe es ist, unsere Augen zu öffnen und uns Erkenntnis zu schenken. Hier müssen wir aber ganz gut aufpassen. Wir dürfen den Heiligen Geist nicht mit einem guten Gefühl verwechseln, das sich dann einstellt, wenn wir ein paar schöne Lieder singen. Als Jesus die Abschiedsrede hielt, sprach Er vom Kommen des Geistes, und woran man Ihn erkennen wird: „Und wenn jener kommt, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und vom Gericht; von Sünde, weil sie nicht an mich glauben; von Gerechtigkeit aber, weil ich zu meinem Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht; vom Gericht, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist.“ (Johannes 16, 8 – 11) Daran erkennt man das Wirken von Gottes Geist: Überführung von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht! Nicht an den schönen Gefühlen, nicht am guten Beisammensein, auch nicht an der Lautstärke einer Botschaft, sondern lediglich am Überführtsein von der Sünde. Das ist so ganz anders als all das, was wir hierüber zu denken gewohnt sind. Aber Gott sucht nach denen, die Buße tun. Nach denen, die in Hingabe leben wollen und kompromisslos ihr altes Leben, ihr altes Ich, ihren Egoismus und die Suche nach den guten und schönen Gefühlen verleugnen und statt dessen Ihm dienen wollen.

Sei gesegnet mit dieser Erkenntnis!
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