7 Gründe für das Lesen von Biographien

Etwa 10 – 15% aller Bücher, die ich pro Jahr lese, sind Biographien. Zur Zeit bin ich an Manfred Kühns Kant-Biographie. Biographien stehen bei mir häufig am Anfang einer Zeit, in welcher ich mich mit dem Werk oder der Zeit der jeweiligen Person befassen will.
In der Einleitung zur Kant-Biographie stellt Kühn eine interessante Frage, die mich einmal mehr zur Reflexion über meine Gründe zum Studium von Biographien angeregt hat. Hier das Zitat von Kühn:
Ich weiß nicht wirklich, was Biographien für so viele Leser eine derartige Faszination verleiht. Ist es einfach die Neugier zu wissen, wie die ‚Berühmten‘ gelebt haben? Ist es Voyeurismus, ein unschöner Drang, einen Einblick in die schmutzigen kleinen Geheimnisse der ‚Großen‘ zu bekommen? Ist es Eskapismus, ein Versuch eines stellvertretenden Lebens, eine Art Romanze für Menschen mit eher intellektuellen Neigungen? Oder ist es eine Art Versuch, in unserem eigenen Leben Sinn zu finden? Zahlreiche Selbsthilfebücher sind Zeugnis dafür, dass das Bedürfnis nach einem ‚erfolgreichen‘ Leben weit verbreitet ist. Von erfolgreichen Menschen könnte man meinen, sie hätten dieses flüchtige Ziel erreicht – und erfolgreiche Philosophen, also Menschen, die darüber nachgedacht haben, was zum Erfolg führt, könnten mehr zu bieten haben als die meisten.“(S. 38)
Ich habe mir Gedanken gemacht, warum ich Biographien lese. Unter anderem aus den folgenden sieben Gründen:
1. Biographien erweitern meinen Horizont.
Wenn ich eine Biographie lese, so muss ich über meinen Tellerrand hinausschauen. Ich darf die Welt mit fremden Augen sehen und erkennen, wie andere Menschen zu anderen Zeiten gelebt, geliebt, gelacht und gearbeitet haben. Meist bin ich dann so richtig dankbar, heute leben zu dürfen. Sehr viel Armut ist inzwischen erfolgreich bekämpft worden. Es gibt dafür andere Sachen anzupacken.
2. Biographien bewahren mich vor dem „chronologischen Snobismus“.
Beim Lesen einer Biographie darf ich aber auch erkennen, dass weder ich noch meine Zeit der Nabel der Welt sind. C. S. Lewis sprach davon, dass es leider nicht möglich sei, in die Zukunft zu reisen, um zu sehen, wie unsere Zeit und unser Handeln dereinst gesehen würden. Deshalb brauchen wir den Blick früherer Zeiten, der uns eine etwas objektivere Sichtweise auf unsere Zeit schenkt. Jedes Zeitalter hat eine ganze Menge blinder Flecken, und deshalb gibt uns die Kenntnis des eigenen plus mehrere anderer Zeitalter so etwas wie ein mehrdimensionales Bild der Realität.
3. Biographien zeigen mir den Denkweg auf.
Jeder Mensch verändert sich im Laufe seines Lebens. Das ist ganz normal und gesund so. Wenn ich eine Biographie lese, möchte ich etwas über das Erleben der Person erfahren, welches zu diesen Veränderungen geführt hat. Das hilft mir, sowohl dessen Werk zu verstehen, als auch zugleich meine eigene persönliche Biographie zu reflektieren.
4. Biographien erweitern meinen Geschichtshorizont.
Ich habe anderswo geschrieben, warum die Auseinandersetzung mit Geschichte (und da nicht nur mit den letzten 80 Jahren) so immens wichtig ist. Durch eine Biographie lerne ich diese Zeiten noch besser und persönlicher kennen, weil ich Personen kennenlerne, welche in dieser Zeit gelebt und gewirkt haben. Das hilft mir, die Geschichte noch besser zu kennen.
5. Biographien helfen mir, richtig und falsch zu unterscheiden.
Bei diesem Punkt muss ich natürlich ein wenig aufpassen, dass das nicht falsch verstanden wird. Was ich damit meine, ist folgendes: Wenn ich die Biographien mit einer biblischen Weltanschauung im Hinterkopf lese; besser noch: Wenn ich gleichzeitig in der Bibel blättere, während ich die Biographie lese und die Biographie anhand der Heiligen Schrift beurteile, dann erweitert die Biographie mein Unterscheidungsvermögen von gut und böse, richtig und falsch. Anders gesagt: Mein Gewissen wird sensibilisiert und hilft mir dadurch auch im Alltag.
6. Biographien ermutigen mich.
Wenn eine Biographie nicht gerade eine realitätsferne Hagiographie ist (und solche versuche ich nach Möglichkeit zu vermeiden), dann lerne ich einen einfachen Menschen kennen, der mit seinem Leben etwas erreicht hat. Ich lerne seine Schwierigkeiten, Trauer, Freude, alltäglichen Gewohnheiten kennen und sehe, wie einfache Menschen gebraucht werden, um Großes zu erreichen. Jeder von uns ist in einem Netzwerk von Menschen eingegliedert, wo wir Tag für Tag einen Unterschied machen können. Wenn wir das tun, dann haben wir Großes erreicht. Das lehren mich die meisten Biographien.
7. Biographien führen mich in die Anbetung Gottes.
Ob ich der Person zustimme oder nicht, über welche die Biographie geschrieben wurde, aber jede Biographie führt mich dazu, Gott anzubeten. Manche dieser Menschen haben uns viel Verständnis von der Welt gegeben, indem sie geforscht und nachgedacht haben. Andere haben eine Menge für Gottes Reich getan. Und dann gibt es auch noch jene Biographien, die mich dankbar machen, dass ich nicht so viel Macht bekommen habe wie andere, weil diese Macht so schnell einen Menschen betrügt und seine schlimmsten Seiten zeigt.
Und was sind Deine Gründe, um Biographien zu lesen?

Ein postfaktisches, postdemokratisches, postliberales Zeitalter

Wahrheit ist, was überzeugt. Jeder kann sein, was er will. Freiheit ist nicht so wichtig wie Sicherheit und Gleichheit. Es kann keine objektive Wahrheit geben. Wahrheit wird von der Gesellschaft konstruiert. Gefühle sind wichtiger als Tatsachen. Jeder hat seine eigene Erfahrung und Auffassung. Der Mensch ist das Maß aller Dinge.
Könnten diese obigen Sätze unserer Zeit entstammen? Ja, sie könnten. Und manch einer hält unsere Zeit für einzigartig. Doch könnten obige Zeilen ebenso gut im Athen vor 2500 Jahren gesagt oder geschrieben worden sein. Der letzte Satz ist übrigens genau in jener Zeit entstanden – es ist einer der ganz wenigen Sätzen, die man mit Sicherheit Protagoras zuschreiben kann.
Vor ungefähr 2500 Jahren war Athen eine blühende Stadt. Der technische Fortschritt und immer neue wissenschaftliche Entdeckungen prägten das Leben. Die Kunst hatte einen wichtigen Platz im Leben eingenommen. Athen war eine Demokratie – zwar nur eine der freien Männer, aber trotzdem hatte so jede Familie ein Mitspracherecht. Der Mittelstand war längere Zeit gewachsen und hatte Hoffnungen geweckt. Die Menschen sahen immer mehr, wieviel sie aus eigener Kraft erreichen konnten – mit Hilfe von Werkzeugen, Tieren und Angestellten. Der griechische Götterhimmel war tot – man feierte zwar die wichtigsten Feste zu Ehren der Götter, aber hauptsächlich deshalb, weil es die einzigen freien Tage des Jahres waren und weil man dazu verpflichtet war. Der griechische Götterhimmel war Staatsreligion. Doch längst war das alles nur noch tote Tradition. Wer nicht bei dieser staatlichen Götteranbetung teilnahm, dem drohte Verbannung oder gar Todesstrafe.
Der technische Fortschritt stärkte das Selbstbewusstsein der Athener enorm. Zugleich aber wuchs das neue Wissen derart rasant an, dass man es irgendwie sammeln und auch weitergeben musste. Diese Aufgabe als Universalgelehrte nahmen die Sophisten auf. Sie studierten das Wissen, sammelten es, und zogen umher, um es jedem anzubieten, der ihnen genug Geld dafür zahlte. Die Sophisten merkten bald, dass manche Dinge dieser Wissenschaften im krassen Widerspruch zueinander standen. Statt einer universalen Theorie, die alle Dinge umfasst, gab (und gibt) es nur mehrere einzelne Theorien, die nicht vereinbar sind. So kamen sie zum Schluss, dass alles relativ sei. Wahrheit sei nichts Absolutes, sondern der einzelne Mensch sei immer das Maß aller Dinge.
Was musste nun kommen? Plötzlich wurde die Rhetorik zum wichtigsten Zweig der Wissenschaften. Wie kann man überzeugend reden? In der athenischen Demokratie war dies besonders wichtig, denn jeder konnte mitreden, und wer überzeugte, befahl. So wurde aber zugleich aus dieser Demokratie eine Postdemokratie. Es wurde zu einer „Rhetorikratie“, eine Oligarchie der wenigen, in Rhetorik gut geschulten, reichen Bürger. Immer wieder kam es zu bürgerkriegsähnlichen Aufständen, Absetzungen, Verbannungen, die das Leben der Demokratie schwächten. Statt Fakten zählten die Gefühle, welche durch gelehrte Reden hervorgerufen wurden. Das Problem mit den Gefühlen in der Politik ist, dass sie ungerecht sind. Angst, Zorn, Mitleid, Empörung haben in der Politik nichts verloren. Gefühle ersetzen die Gerechtigkeit und führen zwangsläufig zu einem Zustand, den die Bibel „Ansehen der Person“ nennt. Gerechtigkeit wäre, wenn alle gleich behandelt werden – ohne Ansehen ihres Standes, Geschlechts, Reichtums (oder Armut), etc. Auch heute geht die Gerechtigkeit unter – zugunsten einer falsch verstandenen Pseudo-Gerechtigkeit, die versucht, Unterschiede durch politische Aktionen wie etwa Steuern, Gesetze, oder individuelle Behandlung vor Gericht, einzuebnen.
Die antiken Sophisten waren postliberal. Eigentlich sollte die attische Demokratie ja die Freiheit des Einzelnen schützen und stärken. Die Sophisten unterstützten die Reichen, die politische Ambitionen hatten und ihnen Geld für ihr Wissen und den Unterricht in der Rhetorik bezahlen konnten. Auch die heutigen Sophisten rufen wieder nach einem starken Staat mit Überwachung und Schutz vor dem Terrorismus. Sie sind einerseits bereit, mehr überwacht zu werden, aber zugleich hat man dann Probleme mit den USA, ist lieber für die Russen, wo es mit der Demokratie auch nicht weit her ist, und schimpft über die NSA. Was wäre die bessere Alternative? Wenn wir weiterhin Demokratie wollen, dann wird nur eines übrig bleiben. Wir müssen uns darum bemühen. Demokratie ist – anders als die meisten von der Demokratie beschenkten Menschen denken – kein automatischer, immer bleibender Zustand. Sie lebt davon, dass sich der Einzelne einbringt und mitarbeitet. Ohne die vielen Einzelnen mit ihren unterschiedlichen Sichtweisen, Ideen und Alternativen wird die Politik zur alternativlosen Oligarchie – zu einer Herrschaft der Wenigen, in der nur noch abgenickt wird, was sowieso schon längst feststeht.
In die Zeit der antiken Sophisten wurde Sokrates geboren, etwas später sein wichtigster Schüler Platon, sowie danach dessen Schüler Aristoteles. Diese drei Philosophen versuchten, eine Antwort auf die Sophisten zu geben. Sie gingen den Fragen nach, wie man richtig leben kann, auch in Zeiten, in denen der Götterhimmel nichts mehr zu bieten hatte. Zunächst war ihnen wichtig, dass Wissen ein demokratisches Gut ist. Sie gingen nicht nur zu den Reichen, sondern redeten mit allen, die sich dafür interessierten. Jeder darf das Wissen haben, jeder darf und kann über die großen Fragen dieser Welt nachdenken. Sie alle waren sich darin einig, dass die Realität, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, tatsächlich real ist, und ebenso auch, dass das richtige Wissen zum rechten Handeln führen wird.
Darüber hinaus konnten sie recht wenig Gemeinsamkeiten finden. Jeder übernahm manch einen Gedanken seines Lehrers, aber drehte die meisten davon auf den Kopf. Für Platon war das eigentlich Realere das Urbild hinter den einzelnen Erscheinungen in der Welt. Die Pferdheit ist realer als das einzelne, unterschiedliche Pferd. Für Aristoteles existiert die Pferdheit gar nicht, sondern nur das einzelne Pferd, und er hält die Pferdheit für eine rein menschliche Erfindung. Aus biblischer Sicht können wir beiden bedingt zustimmen. Gott hat die Pferdheit ausgedacht, nämlich die Spezies namens Pferd, und dazu durch sexuelle Fortpflanzung jedes einzelne Pferd geschaffen. Beides ist gleichermaßen real: Gottes Idee der „Pferdheit“ und die einzelnen „Erscheinungen“ dieser Idee Gottes, nämlich alle real existierenden und jemals real existiert habenden Pferde. Einheit und Vielfalt entstammen Gottes Wesen, da Gott der Dreieine ist, und wenn wir unsere Welt kennenlernen wollen, dann werden wir – ob wir das wollen oder nicht; ob wir diese Wahrheit annehmen oder verdrängen und unterdrücken, das ist uns überlassen – in einem gewissen Maß auch Gottes Wesen kennenlernen.

Massentod während 40 Jahren nach Evangelisation

40 Jahre nachdem auf dem Cannstatter Wasen eine Zeltevangelisation stattgefunden hat, ist nun auch der 899. Teilnehmer gestorben. Unbemerkt vom ganzen bunten Treiben auf dem Wasen stand das Zelt bis vorgestern dort. Ein inzwischen sehr in die Jahre gekommenes Seelsorgeteam wartete die ganze Zeit auf Entscheidungen für Jesus, doch irgendwie war es den Teilnehmenden zu schwer gefallen, die Kosten der Nachfolge zu berechnen, wie ihnen der Evangelist damals empfohlen hatte. Die meisten hatten zwar noch in der Schule Dreisatz gelernt, doch gerade Textaufgaben wie das Gleichnis vom Turmbau überfordern die meisten Hörer.
Nun wurde das Zelt abgebaut, und die Veranstalter überlegen sich jetzt, ob sie eine große Beerdigungsfeier für alle dort Verstorbenen durchführen sollten. Sie sind sich in einem Punkt sicher: Statt dem Gleichnis vom Turmbau würden sie auf jeden Fall lieber das zweite Gleichnis von der Kriegsplanung wählen. Vielleicht fällt den Angehörigen damit das Überschlagen der Kosten der Nachfolge leichter.

Die Schönheit einer besonderen Freundschaft

Taunton, Larry Alex, The Faith of Christopher Hitchens. The Restless Soul of the World’s Most Notorious Atheist. 224S. Kindle-Ausgabe. Link zu Amazon
Christopher Hitchens war einer der sogenannten „vier apokalyptischen Reiter der Nicht-Apokalypse“, also einer der bekanntesten vier „Neuen Atheisten“, zusammen mit Richard Dawkins, Daniel Dennett und Sam Harris. Larry Alex Taunton ist Autor und Direktor der Organisation „Fixed Point Foundation“ (ungefähr „Stiftung des festen Punkts“), welche den christlichen Glauben vertritt und dazu Debatten organisiert und weltweit reist, um an anderen Orten an solchen Debatten teilzunehmen. Eine spezielle Zusammensetzung ist in dieser Freundschaft zu finden, und genau darum geht es in dem Buch. Taunton möchte uns ermutigen, solche speziellen Freundschaften zu suchen und zu wertschätzen. Gleich zu Beginn schreibt er dazu: „I speak exclusively to Christians when I say this: how are we to proclaim our faith if we cannot even build bridges with those who do not share it?“(Kindle-Position 100)Taunton beschreibt diese Freundschaft, aber er sieht auch, dass es Christen gibt, welche ihm diese Freundschaft nehmen möchten, und behaupten, ein Christ könne nicht mit einem Atheisten befreundet sein.
Zuerst beschreibt Taunton das Leben Hitchens‘. Dieser war in eine Familie hineingeboren, die gerade am Aufsteigen war. Der Vater war ein einfacher Mann, aber er war im Krieg bei der Armee tätig. Die Mutter wollte unbedingt ihren Kindern einen weiteren sozialen Aufstieg ermöglichen und sparte an allen Ecken und Enden, damit die beiden Söhne eine anständige Privatschule und danach die Universität besuchen konnten. Die Schule war streng religiös, sodass Hitchens einen Hass auf Gott entwickelte. Taunton schreibt: „Every despot in history has claimed to be a man of principle, a champion of the people, but their principles were carefully chosen to match a seething hatred, be it hatred for one’s neighbor, the ruling class, or the Jews. Christopher hated God and was determined that he should master and tyrannize him. To do so, however, he now needed the tools of warfare. In atheism he had found a principle that corresponded to his grievance. Now he had to weaponize it.“(Kindle-Pos. 412) Worte haben Macht, und Christopher entdeckte diese Macht früh. In diesen Schulen war Sport etwas sehr Wichtiges, aber da der junge Christopher eher schwächlich und „mädchenhaft“ (er nennt sich selbst „girlish“) war, trug seine Abneigung zum Sport zusätzlich dazu bei, stattdessen die Macht der Worte in Debatten und in schriftlichen Auseinandersetzungen zu schulen. Er wurde ein extremer Linker, der als Journalist und politischer Agitator rund um den Erdball reiste. Wer seine Artikel liest, sieht auf den ersten Blick einen sehr weit belesenen Mann. Doch der erste Blick trügt: „Words as weapons. Reeling bullies. Turning the tide of public opinion. This must all be remembered when we watch Christopher Hitchens in debate. The danger here—and Christopher fell wholeheartedly into its snares—was developing a love of words insofar as they were weapons for attack and defense of his position, rather than loving words insofar as they lead to truth. This, I believe, resulted in Christopher’s wide but not deep reading. […] Rather than submitting to his professors’ systematic teaching and training of his mind, his reading was defined by predetermined goals: he looked for supportive assertions, witty repartee, and selective facts for ammunition. He remembered only what he could use. Consequently, he never really studied the great books and the great questions in real depth.“(Pos. 490) Was ihm fehlte, war die systematische Auseinandersetzung mit dem Gelesenen. Nur wenige Autoren kannte er wirklich, da er meist nur las, um Munition für seine Meinung zu finden. Was nicht seiner Ansicht entsprach, wurde geflissentlich überlesen.
Lange Zeit war sein Leben von diesen zwei Dingen beherrscht: linksextreme Politik und Journalismus. Doch dann kam die Wende – und zwar eine Wende, bei welcher ich mich selbst wiedergefunden habe. Der 11.9.2001 markiert die Wende in Hitchens‘ Leben. Nun wurde er zu einem Suchenden. So ähnlich ist es mir auch ergangen – nur dass sich die Antworten in entgegengesetzter Richtung ergeben haben. Vom Linksextremen wurde Hitchens zum Unterstützer der Anti-Terror-Politik George W. Bushs und zugleich zum militanten Atheisten. Gehörte der Atheismus bei ihm bisher einfach zu seinem Leben dazu, wurde er nun ein bestimmendes Element. 2007 gab Hitchens ein Buch heraus mit dem Titel „god is not great“ (die dt. Übersetzung bekam den Titel „Der Herr ist kein Hirte“) und damit wurde er zugleich auch als New Atheist bekannt. Dieses Buch war der erste Moment, in welchem Larry Alex Taunton auf Hitchens aufmerksam wurde. Er organisierte mit seiner Fixed Point Foundation eine Debatte zwischen Hitchens und John Lennox. Dies wurde der Beginn dieser ganz besonderen Freundschaft, welche im Rest des Buches geschildert wird.
In dieser Freundschaft entdeckte Taunton einen ganz anderen Hitchens als derjenige, der auf der Bühne zu brillieren wusste. Einen Hitchens, der eigentlich auf der Suche ist. Einen Hitchens, dessen Atheismus Teil seiner Selbstdarstellung ist, der sich in seinem Innersten aber nicht vollständig bewusst ist, was das bedeutet. Taunton hat auch mit Richard Dawkins, Michael Shermer und Peter Singer Debatten organisiert und kannte sich deshalb ziemlich gut aus, was die Positionen dieses Mainstream-Atheismus sind. So beschreibt er, wie Hitchens auf diese Auseinandersetzungen reagierte: „I recall once asking Christopher [Hitchens] if man was, in his view, born good or bad. His answer was emphatic: “Man is unquestionably evil.” I had asked that question of other atheists. Richard Dawkins spoke of genetic predispositions. Michael Shermer referred to social conditions. Peter Singer rejected the idea of such moral constructs. None of them had answered the way Hitchens did. They couldn’t. At least they couldn’t and remain consistent in their atheism. Christopher readily accepted that this was in contradiction to his atheism. He was then midstream of his philosophical transition and hadn’t yet worked out the details.“(Pos. 1200)
„Christopher was not the atheist ideologue I had supposed him to be from reading god Is Not Great and listening to his lectures and debates. An ideologue will adhere to his given dogma, no matter what. He places ideas above people because he deems them more important than people. In this he really thinks he is morally courageous because he subordinates his feeling for what he believes is the greater good.“ (Pos. 1661)
„Christopher Hitchens was a searcher. In search of a unifying philosophy of life, atheism offered nothing. In more honest moments, Christopher would acknowledge this “joylessly, humorlessly, gloomily, pessimistically.” Patriotism, at least, was something. In it were virtues that appealed to the elder Christopher Hitchens if not the younger—tradition, honor, loyalty, and commitment to a cause beyond oneself—and, yet, it was an uncomfortable compromise. Patriotism alone was not a system of thought. It could not provide the answers he wanted to the larger questions of life. It was, he knew, a half measure. Hence, he considered accessorizing it with science on the one hand and religion on the other. His approaches to religion, Christianity really, were what Nicodemus’s might have been had he come to see Jesus by day rather than by night: as that of reporter or critic rather than as a would-be disciple. Hitchens was not as certain about his atheism, whatever his public professions to the contrary.“(Pos. 2563)
2010 wurde bei Hitchens Speiseröhrenkrebs diagnostiziert, und Taunton war einer der ersten, die es erfahren durften. In der darauffolgenden Zeit unternahmen Taunton und Hitchens zwei längere Autofahrten, bei welchen sie zusammen im Johannesevangelium lasen und darüber miteinander sprachen. Kurz vor dem Tod Hitchens‘ wurde noch einmal eine Debatte organisiert, in welcher sich die beiden Freunde gegenüberstehen durften. Kurz danach starb Hitchens. Man weiß nichts darüber, was aus den Worten geworden war, die Taunton mit ihm teilte. Es gibt kein Zeugnis davon, dass er sich bekehrt hätte. Aber es gab auch nicht das Gegenteil davon – so sehr es sich die anderen Atheisten auch gewünscht hätten: „The atheist side wanted a saint, a man who would endure to the very last, courageously facing death in a way that—if he could just hold out—would show them that it could be done, quieting their own doubts about the hereafter. And, at first, Hitchens seems to be assuming that role. But he began introducing doubts, rather than hoped-for verities. In the same interview with Jeffrey Goldberg, Christopher leaves the door not simply cracked, but wide open to “a Prime Mover or a higher intelligence.” Much more than attacking the idea that there is a god, Christopher attacks the “man-made” notion that anyone speaks on that entity’s behalf. This is hardly the stuff of a public conversion, but neither is it the conventional atheist dogma he usually spouted.“(Pos. 2731)
Es ist ein Buch, das mich enorm mitgenommen hat in die Welt dieser Freundschaft. Zwei so unterschiedliche Männer mit so unterschiedlichen Ansichten, die sich dennoch mit sehr viel Respekt begegnen können. Eine echte Männerfreundschaft, die so tief geht, dass man sich nicht ständig sehen muss, und trotzdem einander zuerst Mitteilung macht, wenn man eine einschneidende Erfahrung im Leben macht, wie etwa die Krebsdiagnose. Lassen wir uns von Taunton zu solchen Freundschaften ermutigen!

Predigt: Eine biblische Weltanschauung für die nächste Generation

Ein paar Auszüge aus meiner heutigen Predigt über Richter 2, 6 – 19:
Zuerst geht es um Josua: Er lebte 110 Jahre und starb dann. Zuerst begegnet uns Josua in den Mosebüchern, und zwar war er schon dabei, als Mose auf den Berg Sinai stieg, um das Gesetz von Gott zu empfangen. Dann ist ein besonderer Charakterzug, den wir in 2. Mose 33,11 finden: Josua wich nicht aus der Stiftshütte. Die Stiftshütte war der Ort, an dem Gott dem Volk Israel begegnete und bei ihm wohnte. Josua war immer in der Gegenwart Gottes. Er wollte diese Gegenwart Gottes nicht verlassen. Das war es, was ihn vorbereitete, um später die Aufgabe von Mose zu übernehmen. Er teilte das verheißene Land unter den 12 Stämmen Israels aus und schloss am Ende nochmal einen Bund zwischen Gott und dem Volk. Auch heute ist es wichtig, dass wir in der Gegenwart Gottes sind und da bleiben. Auch für die nächste Generation wird es wichtig sein und die nächste Generation muss das der übernächsten Generation beibringen und so weiter.“
Es heißt hier: Sie kannten den Herrn, ihren Gott, nicht. Sie haben nichts mehr von Gott gewusst. Unwissenheit führt zum Götzendienst. Unwissenheit ist nicht ein entschuldbarer Mangel. Unwissenheit ist tödlich; und ein Affront gegen Gott. Wenn du mit dem Auto in ein anderes Land fährst, musst du dich mit den dortigen Geschwindigkeitsbegrenzungen und weiteren Verkehrsregeln auseinandersetzen. Wer das nicht tut, hat nicht einfach nur einen entschuldbaren Mangel an Wissen, sondern diese Unwissenheit kann tödlich sein und auf jeden Fall eine saftige Strafe mit sich bringen. Auch da gibt es nicht die neutralen Verkehrsregeln, bei denen das Übertreten einfach nur ein entschuldbarer Mangel wäre. In ein Land zu fahren, ohne dessen Regeln zu kennen, ist tödlich und auch ein Affront gegen das jeweilige Land.“
Man hört ja heute häufig die Klage, dass Eltern ihre Kinder nicht nach ihrem Glauben erziehen („indoktrinieren“) sollen. Das Problem dabei ist, dass es überhaupt keine neutrale Weltanschauung gibt. Jeder hat seinen Glauben, und über Gott zu schweigen sagt sehr viel über Gott aus. Genau da liegt der Hund begraben – je mehr wir von Gott schweigen, desto mehr bringen wir der nächsten Generation bei, wie klein und unwichtig Gott ist.“
In unserer Zeit ist es üblich geworden, von Gott zu schweigen. Man teilt das Leben in zwei getrennte Bereiche ein. Das Reden von Gott zählt man dann zum privaten Bereich. Wer was glaubt oder nicht glaubt, geht in der Öffentlichkeit niemanden was an – so denkt man. Das ist Privatsache. Da redet man niemandem rein – solange dieser sich in der Öffentlichkeit brav still verhält und von seinem Gott schweigt. Verlangt wird damit ein öffentlicher Atheismus. In der Öffentlichkeit zählen die harten Fakten, die Wissenschaft, die Vernunft, und so weiter. Ein tiefer Graben verläuft zwischen diesen zwei Bereichen und schafft so gespaltene Persönlichkeiten. Im öffentlichen Bereich herrscht die Vernunft, im privaten Bereich das Gefühl. Die Bibel gibt uns Werkzeuge, mit denen wir prüfen können, ob jemand eine biblische Weltanschauung hat. Eine Weltanschauung ist die Brille, mit der die Person die Welt anschaut. Das bedeutet erstens: Jeder hat irgendeine Weltanschauung und zweitens: Die Weltanschauung beeinflusst alles, was diese Person sagt oder tut – zumindest wäre es zu erwarten. Dass manche Leute darin inkonsistent sind, sollte uns zu denken geben.
Was braucht unsere nächste Generation? Sie braucht Vorbilder wie Josua es für Israel war. Menschen, die in der Gegenwart Gottes leben und von Gott reden. Sie braucht ein biblisches Weltbild von Gott als Schöpfer von jedem einzelnen Teil dieser Welt, vom Sündenfall als Problem in dieser Welt, und von der Erlösung, die durch Jesus Christus am Kreuz von Golgatha geschehen ist. Sie braucht Konstanz und Verlässlichkeit. Sie braucht unser Gebet um Erweckung, weil jede Generation wieder neu Erweckung braucht. Und sie braucht das Wissen darum, dass die Erlösung in der Ewigkeit vollkommen perfekt sein wird.
Wer sie sich anhören möchte, findet sie wie alle meine Predigten im Predigtarchiv.

Das Zitat von Nancy Pearcey findet ich im Buch „Total Truth“ ab S. 125 (Übersetzung von mir): 
Wir müssen sichergehen, dass, wenn unsere Kinder das Haus verlassen, dieselbe Überzeugung tief in ihr Gedächtnis eingebrannt ist – dass das Christentum fähig ist, wenn es auf dem Marktplatz der Ideen herausgefordert ist, in sich zu verhalten. Es reicht nicht, junge Gläubige einfach zu lehren, wie man eine persönliche „Stille Zeit“ hält, wie man ein Bibellernprogramm befolgt und wie man mit einer christlichen Gruppe auf dem Campus Verbindung aufnimmt. Wir müssen sie auch darin anleiten, wie man auf intellektuelle Herausforderungen antwortet, die ihnen im Schulzimmer begegnen werden. Bevor die das Haus verlassen, sollten sie mit all den „-ismen“ wohlbekannt sein, vom Marxismus zum Darwinismus bis zum Postmodernismus. Es ist am besten für junge Gläubige, wenn sie von diesen Ideen zuerst von den vertrauten Eltern, Pastoren oder Jugendleitern hören, welche sie in den Strategien trainieren können, um die konkurrierenden Ideologien analysieren zu können.“

Die Wahrheit hinter der Porno-Lüge

Shelley Lubben, Pornographie. Die größte Illusion der Welt, Ruhland Verlag Bad Soden, 2016, 330 Seiten. Link zum Buch / Amazon
Vielen Dank an den Ruhland Verlagund an die Agentur Literaturtestfür die Zusendung des Rezensionexemplars.
Die Autorin Shelley Lubben erzählt ihre Lebensgeschichte. Wie sie als junge Frau in der Prostitution und später in der Pornographie gelandet ist, aber auch wie sie einen Weg aus dieser schrecklichen Zeit gefunden hat.
Als Kind hatten ihre Eltern nur wenig Zeit und Aufmerksamkeit für sie – der Vater hatte immer irgendwelche Erfindungen, die er gerade austüftelte, die Mutter hatte nur böse Worte für sie übrig. Sie schreibt von ihrer Kindheit: „Meine Mutter sagte immer, der Fernseher sei der beste Babysitter. Klar, von einem solchen Babysitter lernte ich eine Menge! Als Kind lernte ich aus Sendungen wie ‚Herzbube mit zwei Damen‘ (Three’s Company) und ‚Wo die Liebe hinfällt‘ (Love American Style) mehr über Sex als irgendwo sonst. Wozu Pubertät, wenn man gleich mehrere Komödienserien voll übersteigerten Sextriebs konsumieren kann?“(S. 46)
Mit 9 Jahren wurde sie vom älteren Bruder einer Freundin sexuell missbraucht. Leider ist solcher Missbrauch für sehr viele Frauen, die in der Prostitution oder Pornographie landen, der Einstieg. Sexueller Missbrauch senkt nicht nur die Hemmschwelle zu außerehelichem Sex, sondern raubt den Missbrauchten auch den letzten Rest Selbstvertrauen. Shelley wurde zu einer aufmerksamkeitshungrigen jungen Frau, die sich ihrer äußeren Reize bald klar wurde und diese nutzte, um den männlichen Mitmenschen ihre Macht zu demonstrieren. Sie verkaufte sich selbst, um die Aufmerksamkeit zu bekommen, die ihr eigentlich ihre Eltern schuldig waren. Da war der Schritt in die Prostitution vergleichsweise klein; und als sie mit 17 Jahren aus dem Elternhaus gewiesen wurde (O-Ton ihres Vaters: „Für mich bist du tot.“), wurde dieser Schritt auch tatsächlich gegangen; nach zwei Tagen ohne etwas zu Essen.
Die nächsten Kapitel des Buches sind schwer zu lesen. Shelley gibt einen kleinen Einblick ins „Business“. Mit 19 war sie schwanger und behielt ihr Baby, eine Tochter, die später oft bei Freunden wohnen musste, da die Alleinerziehende sie nicht überall mitnehmen konnte. Nach einer Weile kam sie von der Prostitution zum Film. Schon als kleines Mädchen war sie eine geborene Schauspielerin, und unter dem Künstlernamen „Roxy“ nahm sie an über 30 Pornofilmen teil. Diese schreckliche Zeit kann sie nur überstehen, da sie Alkohol, andere Drogen, aber auch dämonische Einflüsse in ihrem Leben hatte. Mehrmals wollte sie sich das Leben nehmen, aber immer war da Gott, der das zu verhindern wusste.
Mit 26 kam ein Mann in ihr Leben, wie sie es sich wohl nie zu träumen gewagt hatte. Sie hasste Männer seit Langem, aber brauchte sie halt, um an ihnen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dieser Mann war erst 22, aber er war der erste Mann in ihrem Leben, der ihr zeigte, dass sie ihm tatsächlich wertvoll war. Er war Garrett (Gary) Lubben, der sie heiratete. Und damit kam eine Wende in ihr Leben. Sie musste ihren Körper nicht mehr verkaufen. Sie gingen zusammen in eine Gemeinde (ins „Champion Centre“ in Tacoma). Sie lernte Gott kennen. Und nun dürfen wir sie auf diesem langen und beschwerlichen Weg der Heilung begleiten.
Sie hatte lange Zeit ständig mit den dämonischen Einflüssen zu kämpfen. Widerstehen muss da gelernt sein. Sie musste lernen, den Menschen zu vergeben, die ihr so viele Jahre lang unendliche Schmerzen und Leid zugefügt hatten. Sie musste überhaupt erst mal lernen, dass sie auch nebst dem horizontalen Gewerbe Fähigkeiten besaß, die sie für Gott einsetzen kann. So lernte sie erst Webdesign und später Journalistik.
Doch dann kommt ein weiterer Ruf: Sie durfte in einem Gefängnis ihre eigene Geschichte von Ablehnung, Missbrauch, Prostitution, Pornographie und der Erlösung durch Jesus Christus erzählen und merkte, wie begierig viele Menschen nach der Botschaft von der Befreiung durch Jesus Christus sind. Ein weiterer Schritt bestand darin, einen Verein (Pink Cross) zu gründen, der anderen in ihrem ehemaligen „Gewerbe“ beim Ausstieg hilft. Nicht zuletzt bestand dieser Schritt auch darin, ihre Geschichte in Buchform zu bringen und so zu veröffentlichen. In all diesen Schritten hatte sie mit riesigen Widerständen zu kämpfen. Es gab (und gibt) sehr viele Menschen, die an Prostitution und Pornographie verdienen; gerade deshalb werden auch hier viele Menschen dem Gott Mammon geopfert. Statistiken zur Selbstmordrate sprechen eine deutliche Sprache.
Besonders berührt hat mich aber auch das Kapitel 28, in welchem Shelleys Tochter Tiffany aus ihrem eigenen Leben erzählt, wie sie das Leben mit ihrer Mutter wahrgenommen hatte. Sie war die erste Tochter, die Shelley als Prostituierte mit 19 bekommen hatte, als sie einen Asiaten bediente. Obwohl ihre Mutter jahrelang davon nichts wusste, war auch Tiffany sexuell missbraucht worden. Sie begann mit SVV (Selbstverletzendes Verhalten), indem sie sich immer wieder absichtlich schnitt, da der körperliche Schmerz angenehmer war als der seelische Schmerz. Am Ende wollte auch sie sich umbringen und landete mit offenem Handgelenk im Krankenhaus – Gott hatte ihrer Mutter gesagt, dass sie schnell zu ihrer Tochter nach Hause fahren solle. Bisher war Tiffany nicht groß aufgefallen – nicht zuletzt auch deshalb, weil ihre Eltern in dem ganzen Kampf gegen die Pornographie mit sich selbst zu beschäftigt waren. Moment mal – hatten wir das nicht schon mal?
So weit zum Buch selbst. Ich möchte es mit einer Einschränkung weiterempfehlen: Es ist nichts für schwache Nerven. Es ist aufrüttelnd, schamlos ehrlich und wird so manchen Widerspruch im Leser wecken. Hat es auch bei mir, aber das ist ok. Theologisch gehe ich nicht in allem mit ihr einig, aber mit wem kann ich das schon? 😉 Viele Fragen, die aufgeworfen werden, sind es wirklich wert, lange und tief darüber nachzudenken. Es ist ein mitreißendes Buch, das ich nur schwer aus der Hand legen konnte. 
Was nehme ich vom Buch mit?
1. Einen heiligen Zorn gegen die Unterhaltungsindustrie. Das betrifft Filme, Hollywood, aber auch viele andere. Man muss heute schon sehr weit suchen, um Filme zu finden, die keine pornographischen Ausschnitte beinhalten. Selbes gilt auch für Literatur, PC-Spiele und viele weitere Bereiche der Unterhaltungsindustrie.
2. Den dringenden Ruf: Eltern, lasst uns unsere Kinder ernst nehmen. Schieben wir sie nicht ab – weder vor den Fernseher noch in die Betreuungsinstitute. Begegnen wir ihnen gegenüber mit echtem Interesse und echter Anerkennung. In vielen Familien ist die mangelnde Zeit und Anerkennung für die Kinder ein Fluch, der sich von Generation zu Generation weitervererbt.
3. Das eigentliche Anliegen des Buches, welches ich schon seit vielen Jahren teile, nämlich die Schrecklichkeit der Prostitution und Pornographie und deren hohe Suchtgefahr bloßzustellen. Wir brauchen aber viel mehr als nur Predigten dagegen. Wir brauchen Unterstützung für die Menschen, die da raus wollen. Wir brauchen Angebote, die diesen Menschen zugute kommen, die aussteigen. Die Hürde ist extrem hoch: Finanziell, drogenabhängigkeitsbedingt, und nicht zuletzt auch geistlich. Hinzu kommt ein enormer psychischer Druck durch die Drohungen jener, welche daran verdienen wollen.

 

Lieber Andy – der vierte Brief an einen jungen Mann


Dienstag, 14. August 2007

Lieber Andy,
ich freue mich sehr, dass Du meinen letzten Brief so gut angenommen hast. Du wirst nun immer reifer und wächst zu einem Erwachsenen heran. Ich habe gesehen, dass Du gern noch mehr gelesen hättest. Heute möchte ich Dir diesen Gefallen tun und den Inhalt des letzten Briefes ein wenig weiter ausführen.
Ich habe Dir im letzten Brief von der Weisheit geschrieben. Sie ist wie Silber oder vergrabene Schätze. Man bekommt sie nicht hinterher geworfen. Silber wird in den Silberminen gefunden und gereinigt. Die Weisheit möchte gesucht und gefunden werden. Wenn ich Dir so schreibe, so wirst Du wohl nicht immer alles sofort verstehen. Am Besten Du liest es halt immer mal wieder durch und versuchst, es noch besser zu verstehen. So ist das mit der Weisheit. Der größte und auch der wichtigste Teil der Weisheit besteht darin, alle Dinge im richtigen Licht und der richtigen Perspektive zu sehen. Die Ehrfurcht vor Gott ist der Schlüssel dazu. Ehrfurcht ist gerade nicht Angst. Bei der Angst versucht man, davonzulaufen. Bei der Ehrfurcht vor Gott läuft man im Gegenteil auf Gott zu und vertraut ihm ganz und gar.
Das hilft uns auch zur richtigen Perspektive: Unser Leben ist einerseits „nur“ ein einzelnes, kleines Leben unter Milliarden von Menschen auf dieser Erde und die Erde nur ein kleiner Planet unter Milliarden von Himmelskörpern in unserer Galaxie unter Milliarden von anderen Galaxien. Und doch ist der Gott, der alles gemacht hat, genau an unserem kleinen, einfachen Leben unendlich interessiert und möchte, dass wir über alles mit ihm reden. Wer ihm vertraut und tut, was Gott möchte, wird in seinem Leben Gelingen und den Schutz Gottes haben. Nicht immer so, wie wir uns das vorstellen oder wünschen, aber immer so, dass es auf lange Sicht gesehen das Richtige sein wird.
Es werden immer wieder Menschen kommen, die Dich von diesem Weg abbringen möchten. Sie werden Dir allerlei Lügen auftischen. Sie werden versuchen, Dich für ihre falschen Unternehmungen zu gewinnen und wollen Dich überreden, ihnen bei ihren schlimmen Taten zu helfen und würden sich allzu sehr freuen, wenn sie Dich dazu überreden könnten. Es ist niemand davor geschützt, dass sie kommen. Doch wer die Weisheit in seinem Leben hat, wird erkennen können, wie man mit dieser Situation umgehen soll. Das ist der große Vorteil der Weisheit. Deshalb ist sie so praktisch. Sie hilft uns jeden Tag bei allem, was wir tun.
Lieber Andy, Du merkst langsam auch, dass sich Dein Blick für Menschen des anderen Geschlechts, nämlich für Mädchen und Frauen, verändert. Du brauchst das gar nicht blöd zu finden, weißt Du, Andy, jedem geht es so. Und das ist auch ein Grund, warum ich Dir heute schreibe. Es wird Frauen geben, die versuchen werden, Dir den Kopf zu verdrehen und Macht über Dich auszuüben. Sie werden merken, dass Du plötzlich dafür empfänglich geworden bist. Habe keine Angst vor ihnen, aber lass Dich von ihnen auch nicht um den Finger wickeln. Viele von ihnen haben als Kinder eine schwierige Zeit gehabt, wo sie viel zu wenig Aufmerksamkeit und Zeit von ihren Eltern bekommen haben – nun versuchen sie, diese von Euch Jungs zu kriegen.
Wir Menschen sind für Treue geschaffen, dass wir als Männer eine Frau suchen und ihr treu bleiben – durch dick und dünn, was immer kommen mag. Je mehr wir uns aber in jungen Jahren von vielen Frauen um den Finger wickeln lassen, desto schwieriger wird das später. Je mehr sich in unserem Kopf Bilder aus der frühen Zeit ansammeln, die uns beeindrucken, desto unrealistischer werden unsere Erwartungen und Wünsche und desto schneller werden wir enttäuscht. Deshalb sei auch vorsichtig, welche Bilder Du in den Medien und auf der Straße in Deinen Kopf reinlässt. So kannst Du Dir alles Schöne für später aufheben und dafür umso mehr genießen.

Liebe Grüße
Dein K. S.


Reformationsjubiläum abgesagt

Da es immer wieder zu Spott und Häme kam, wurde das Reformationsjubiläum 2017 nun kurzerhand abgesagt. Die Verantwortlichen der verschiedenen beteiligten Kirchen lassen verlauten, dass es auch innerökumenisch Schwierigkeiten gegeben habe. Schließlich sei die Reformation eine Kritik an der damaligen Kirche gewesen und habe zu mehreren Spaltungen geführt. Inzwischen wolle man das Gemeinsame betonen und könne deshalb die luther’sche Haarspalterei nicht mehr feiern. Nicht zuletzt habe es innerhalb vieler evangelikaler Kirchen den Willen gegeben, das Reformationsjubiläum mit eigenen Veranstaltungen zu feiern. Leider vergeblich habe man versucht, das Jahr 2017 direkt zu überspringen, indem man vom 31.12.2016 auf den 01.01.2018 wechseln würde.
Die öffentlich-rechtlichen TV-Sender haben nun beschlossen, statt der Reformationsfeiern eine eigene Fernsehserie namens „Die Tribute von Panem et Circenses Martini Lutheri“ zu drehen und am 31.10.2017 auszustrahlen. Des Weiteren soll ein Margot-Käßmann-Preis für erfolgreiches alkoholisiertes Autofahren auf einer eigens dafür gesicherten Strecke verliehen werden. 
Nun überlegen sich die beteiligten Kirchen, ob sie am 31. Oktober 2017 statt dem Reformationstag lieber Halloween feiern. Das Wort beinhaltet schon „Hallo“ und ist deshalb „ein offenes, freundliches, attraktives und einladendes Wort“. Was man allerdings dann mit dem verbleibenden „Ween“ machen soll, wird zur Zeit noch heftig diskutiert. Auf jeden Fall sei es besser, Süßes sammeln zu gehen als einen 500 Jahre alten Schismatiker zu feiern, der zu allem Überfluss auch noch selbstbewusst und arrogant gewesen sei.

Vergötzung der Macht im metaphysischen Vakuum

Bereits Friedrich Nietzsche hat vom Tod Gottes geschrieben. Was hat er damit gemeint? Er hat in seiner Zeit und seinem Umfeld eine Stimmung wahrgenommen, die mit dem tiefen Nachdenken über Gott und die Welt abgeschlossen hatte. Er lebte in einer Zeit des Umbruchs, man könnte sagen einer Stimmung, die von vielen internen Widersprüchen und Inkohärenzen geprägt war. Diese Stimmung beinhaltete einerseits einen Glauben an den Fortschritt, der durch immer neue Erfindungen und Entdeckungen gespeist wurde. Gerade der Darwinismus hatte ein neues Gebiet eröffnet, in welchem der Mensch sich gottgleich fühlen konnte. Endlich war eine Möglichkeit gefunden, wie man die Welt ohne göttliches Eingreifen erklären zu können glaubte. In diese Allmachtsphantasie hinein schrie Nietzsche: Gott ist tot! Wir haben ihn getötet, ihr und ich! Wir haben die Erde von der Sonne losgekettet!
Tatsächlich – was bleibt uns noch übrig, nachdem wir Gott aus dem Leben und der Welt ausgeklammert haben? Der Mensch – so Nietzsche – ist ein „Heerdenthier“, ein Tier, das in der Herde lebt und von den Stärksten geführt werden muss. Das Christentum ist für ihn eine Religion mit einer „Sklavenmoral“, weil dort Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Vergebung statt eigenmächtiger Vergeltung und menschliche Rache gepredigt wird. Er sieht den Ursprung des Christentums im babylonischen Exil und im späteren römischen Reich, wo das jüdische Volk keine eigene Rechtsprechung hatte, sondern entweder als Sklaven der Babylonier deren Willkür ausgesetzt oder später als Bewohner des römischen Reichs der dortigen Rechtsprechung unterworfen war. In diesem Klima habe sich der Gedanke ausgeprägt, dass das Schwache durch die Schwachheit das Starke überwinden könne. Und dann sieht Nietzsche, wie dieses Denken im Laufe der Jahrhunderte ausgehöhlt worden war. Die Menschen sind selbständiger geworden, haben begonnen, autonom zu denken, haben sich gegen die herrschenden Klassen aufgelehnt, und plötzlich sind die Schwachen zu Starken geworden. Diese Umkehr hat das Fundament des Christentums aufgeweicht.
Verlassen wir einen Moment Nietzsche und werfen einen Blick in die Geschichte. René Descartes hat versucht, zur Wahrheit zu kommen, indem er alles angezweifelt hat. Am Ende gelangt er zum Schluss, dass alles bezweifelt werden kann, außer die Tatsache, dass er denkt. Zweifeln beinhaltet denken, somit ist seine Gewissheit: Ich denke, also bin ich. Auf diesem Wissen baut er dann seine ganze Argumentation auf, bis er am Schluss auf diesem Fundament sein Argument für Gott aufbaut. Mit diesem Schritt hat die Umkehr begonnen: Plötzlich ist nicht mehr der Mensch von Gott abhängig, sondern der Mensch steht im Zentrum und Gott wird nun ausgehend vom Menschen „verteidigt“. Dieser Schritt wurde in den darauffolgenden Jahrhunderten zementiert, bis hin zu Immanuel Kant, der ihn zugleich vervollständigt aber auch auf den Kopf gestellt hat. Kant hat sich gefragt: Was kann der menschliche Verstand leisten? Er ging davon aus, dass der Mensch alles, was er durch seine Sinne aufnimmt, nicht nur passiv wahrnimmt, sondern bereits aktiv verarbeitet. So sind Raum und Zeit nicht unbedingt etwas, was real außerhalb von uns stattfindet, sondern diese sind das Gerüst, in dem das Wahrgenommene verarbeitet werden. Mit anderen Worten: Für Kant ist es der Mensch selbst, der die Realität im Verstand schafft, und zwar ohne dass er das beeinflussen kann. Wahrnehmung ist somit relativ geworden.
Vermutlich ist es jetzt leichter, zu verstehen, was Nietzsche seiner Zeit sagen wollte: Die echte Philosophie hat uns jetzt nichts mehr zu sagen. Sie kann uns kein festes Fundament mehr geben, in welchem wir eine transzendente und allgemein gültige Ethik schaffen können. Unserer Vernunft sind Grenzen gesetzt. Seit Darwins Beobachtungen sind wir nun auch noch zu Tieren mutiert, zwar gut entwickelten Tieren, aber mehr auch nicht. Gott ist tot, unsere Denker und Wissenschaftler haben ihn getötet und wir sind ganz allein im endlosen Weltall zurückgeblieben, in einem kleinen Winkel im riesengroßen Nichts. Wir haben keine Menschenwürde, denn diese muss eine Erfindung des Christentums sein. Was uns jetzt noch bleibt, ist die Hoffnung auf die Evolution. Die Hoffnung, dass es eines Tages eine bessere Menschheit gibt. Für Nietzsche ist die jetzige Menschheit nur der Übergang zum Übermenschen und das Beste am jetzigen Menschen wird dann sein, wenn er nicht mehr ist, sondern ausgestorben und vom Übermenschen abgelöst sein wird. Die einzige Frage ist, wie man dorthin kommt. Und da fand er seine Lebensaufgabe. Es gab nämlich nur sehr wenige Menschen, die ihn darin verstehen konnten, deshalb schrieb er seine Bücher immer „für die Wenigen“. Er sah sich selbst als einen der wenigen, die ein solches Wissen hatten, das die Menschheit dorthin bringen konnte, über sich selbst hinauszuwachsen. Dazu mussten alle Werte im Leben überdacht und neu bewertet werden.
Nietzsche war auch ein erklärter Feind des demokratischen Gedankens. Das Denken, dass alle Menschen gleich seien, stammte für ihn auch aus der christlichen Sklavenmoral. Das führte nur dazu, dass die Schwachen und Dummen dieser Welt bestimmen könnten, wohin man geht. Man könnte ihn den ersten Postdemokraten nennen. Die Herdentiere der Menschheit brauchten ihm zufolge starke Führer, die ihre Völker autoritativ und ohne Widerspruch zu dulden ans Ziel führten. In unserer Zeit findet sich dieses Denken leider auch wieder. Politiker wie Putin, Erdogan oder auch Trump finden dort ihre Anhänger, weil sie sich in der Politik Leute wünschen, die auf den Tisch hauen können und sich durch verbale Lautstärke auszeichnen.
Auch der deutsche Philosoph Martin Heidegger war so ein Postdemokrat. Bei ihm gehörte die Unterstützung der Revolution gegen die demokratische Weimarer Republik zum Leben dazu. Er war einer der ganz frühen Unterstützer des Nationalsozialismus, und zwar weil für ihn dieses Revolutionäre im Leben das Leben erst lebenswert macht. Seiner Meinung nach war das echte philosophische Denken am Ende angelangt, weil die Wissenschaft nun diesen Teil übernommen hätten. Was blieb, war eine Lücke, die von einer starken Regierung gefüllt werden musste. Mit Heidegger und dem Ende der Philosophie habe ich mich hier (Link) etwas eingehender befasst. In einer Vorlesung sprach er 1930 davon, dass die Langeweile zur Grundstimmung der Republik geworden sei und man deshalb nach dem rufen müsse, der dem Dasein einen Schrecken einjagen könne.
Es ist klar, dass nun ein Vakuum herrscht. Über dieses Vakuum habe ich bereits vor ein paar Tagen hier geschrieben. Lautstärke, totalitäres Gehabe und Wutanfälle sind kein Substitut für ethisches Handeln oder Regieren. Was wir brauchen, ist tiefes Nachdenken über Gottes Wort und eine biblische Weltsicht mit einer bibeltreuen, klaren Ethik. Kein Jota der ganzen Bibel wird jemals hinfällig werden. Nietzsche sagte zwar, dass Gott tot sei, doch nun ist Nietzsche längst tot und viele Menschen bezeugen Gottes Eingreifen in ihrem täglichen Leben auf vielerlei Weise. Das ist einer von vielen Hinweisen, dass Gott dieses Vakuum ausfüllen kann und will. Was wir brauchen, ist eine weitere Reformation oder eine Erweckung. Eine Rückkehr zum einen, dreieinen Gott der Bibel. Eine Rückkehr zu Gottes Wort, der Bibel. Eine Rückkehr zum wörtlichen Verständnis der Bibel, bei welchem deren Ereignisse und Worte als historisch echt und von Gott vollkommen inspiriert betrachtet werden. Gott liebt uns und möchte, dass wir Ihn lieben. Von ganzem Herzen, mit all unserer Kraft und nicht zuletzt auch mit unserem ganzen Verstand.

Lieber Andy – der dritte Brief an einen jungen Mann



Dienstag, 10. Juli 2007
Lieber Andy,
ich weiß nicht, ob Du das magst, was ich Dir heute schreiben werde. Es ist eigentlich nichts so Besonderes in der Zwischenzeit passiert, deshalb möchte ich Dir einfach mal ein paar Gedanken von einem alten Mann mitgeben, der schon viel in der Welt gesehen und erlebt hat. Bestimmt denkst Du jetzt: Also diese alten Leute, die sind doch schon voll out und haben kein Plan, was wirklich abgeht. Aber weißt Du, egal welche Zeit man sich anschaut – und davon habe ich eine ganze Menge gesehen – da finden sich immer wieder dieselben Probleme und auch dieselben Lösungen.
Es gibt da so ein altmodisches Wort, das heißt Weisheit, und das bedeutet eigentlich so viel wie praktische Lebenserfahrung. Das ist nichts Theoretisches, nichts aus dem Elfenbeinturm, es ist einfach die gesammelte Erfahrung eines langen Lebens. Und diese Weisheit möchte ich als ein alter Mann mit Dir teilen. Dein Leben ist zu kurz, um alle Fehler selbst zu machen. Deshalb ist es eigentlich die Aufgabe von uns erfahrenen Menschen, diese Weisheit weiterzugeben, damit Eure Generation davon lernen darf.
Eins ist klar: Jeder darf und muss auch bestimmte Fehler selbst machen. Jeder wird sogar eine ganze Reihe von Fehlern machen. Aber die Aufgabe der gesammelten Weisheit ist es, Euch zu helfen, dass Ihr nur die nötigen Fehler selbst machen müsst. Eigentlich wäre es unsere Aufgabe, überall in den Städten auf den großen Plätzen auf die Bänke zu stehen und laut hinauszurufen, was Ihr alle von uns lernen könnt. Aber ich bezweifle, dass das wirklich so gut ist und die Menschen das so annehmen würden.
Viel an dieser Weisheit ist öffentlich zugänglich, jeder kann sie bekommen, der es nur möchte. Nur ist es leider so, dass sehr viele Menschen die Weisheit ablehnen und sich nur darüber lustig machen. Das war schon immer so. Deshalb wird die Weisheit immer wieder bekämpft und zum Schweigen gebracht. Man lässt sie verstauben, überlässt sie den Professoren, die leider auch nicht besonders viel damit anfangen können. Am meisten bringt die Weisheit denen, die im täglichen Leben drin stehen, die zur Schule gehen oder arbeiten, die Familie haben oder auch nicht. Das spielt keine so große Rolle. Aber vielen Professoren geht es nur darum, dass sie die Weisheit auseinandernehmen können und kluge Bücher darüber schreiben und damit versuchen, sich einen bekannten Namen zu machen.
Weißt Du, Andy, manchmal könnte man schon richtig spöttisch werden. Da sieht man, was sich in der Welt für Probleme ergeben, wie viel Streit, Süchte, Diebstahl, Angst, Machtgehabe, und so weiter es da gibt. Und man sieht all die Weisheit, die jeder haben könnte, der sie nur haben wollte, die aber verspottet wird. Da könnte man manchmal echt drüber lachen, was sich manche Leute für unnötige Probleme machen, die schon lange gelöst wurden, aber immer und immer wieder noch einmal wiederholt werden müssen. Ich glaube, dass irgendwann die Weisheit auch am Ende sein wird, weil niemand darauf hört, und dann wird es echt schlimm werden. Da möchte ich dann nicht auf der Erde leben müssen.
Ich glaube dann werden die Menschen zu Gott schreien und es wird irgendwann zu spät sein. Noch ist die Zeit der Gnade, noch ist Gott jederzeit ansprechbar. Noch ist es so, dass jeder, der zu Gott ruft und seine Sünde zugibt und einen echten Neuanfang mit Gott will, das haben kann. Aber Gottes Geduld wird auch eines Tages zu Ende sein. Die vielen Menschen, die für ihren Glauben an Gott verfolgt und getötet wurden, sind noch nicht gerächt. Aber eines Tages werden sie das. Und dann wird es für viele zu spät sein. Sie wollten nicht auf die Weisheit hören, als dazu noch Zeit war – und dann wird es zu spät sein.
Lieber Andy, mach ganze Sache mit Gott und bete für die Menschen, die das auch noch nicht gemacht haben.
Liebe Grüße
Dein K. S.