#ec16poland: EuroCamp in Breslau / Wroclaw

7200 Royal Rangers wurden gezählt – so die vorsichtige Schätzung. Hunderte von Schwarzzelten und anderen Übernachtungsmöglichkeiten füllten die acht Campstädte, welche tagsüber eigentliche Zentren des Lebens waren. Erst abends ging es in das große Versammlungszelt, welches alle Teilnehmer zu fassen vermochte.
Unser Rangers-Stamm reiste bereits am Freitag, dem 29.07.2016 an. Spätabends wurden die ersten Zelte soweit aufgebaut, dass an eine erholsame Nacht zu denken war. Wegen diverser Baustellen und Straßenkontrollen erging es anderen Stämmen ähnlich, die ebenfalls am Freitag anreisten. Nach der ersten Nacht in Kohten und Jurten konnte man sich mit einem Frühstück stärken und ging erneut an die Aufbau-Arbeit.
An diesem Abend und auch am Sonntag noch einmal machten wir Ausflüge nach Breslau und in die nähere Umgebung. Ebenfalls waren wir am Mittwoch noch einmal in der Stadt Breslau, wo es nicht nur stark „rangerte“, sondern auch Attraktionen wie Riesen-Seifenblasen zu sehen und testen waren.

Sonntags gegen Abend begann das EC offiziell, nach einem Abendessen durfte man zum ersten Mal campdorfweise anstehen, um Einlass in das große weiße Versammlungszelt gewährt zu bekommen. Nach der Eröffnungszeremonie und einer laut-fröhlichen Lobpreiszeit trat der Schweizer Pastor Stephan Hörtig auf die Bühne und begann gleich damit, das Evangelium mit den „Vier Punkten“ („The Four“) zu erklären. Im Anschluss daran erzählte er, was das Campthema „Kingdom: now but not yet“ mit dem Evangelium und mit unserem Leben zu tun hat.

Auch seine weiteren Predigten haben mir gut gefallen. Es ging darum, wer der Heilige Geist ist, um Seine Geistesgaben, um das Hören auf Gottes Stimme und zum Schluss darum, was es bedeutet, als Christ in dieser Welt zu leben; in dem Spannungsfeld zwischen dem „now“ und dem „not yet“. Wir sollen das Licht in der Welt sichtbar machen und Gott auch trotz vieler Widerstände, die gewiss kommen werden, treu dienen.
In den Teamzeiten am Vormittag wurden diese Themen noch im jeweiligen Team „im Kleinen“ besprochen und weiter ausgeführt. Das fand ich persönlich die wertvollsten Zeiten. In unserem Fall waren das sechs Personen, die zusammen die Bibel lesen, miteinander und füreinander beten, einander ermutigen und ermahnen. Da war Gottes Geist auf ganz besondere Weise am Wirken und hat mich herausgefordert.
Doch auch die freien Zeiten, die man nutzen konnte, um in ganz Europa bestehende Kontakte zu pflegen oder neue zu knüpfen, waren wertvoll. Was zur Zeit Pauli das Koine-Griechisch war, ist nun Englisch, denn meine paar Brocken Finnisch reichten leider nirgendwohin, um sich auf dem Camp zu verständigen.
Spiel und Spaß, Workshops und Wettbewerbe rundeten das Campleben ab. Abends konnte man sich noch in die zahlreichen Bistros setzen und bekam dort warme Mahlzeiten oder kühle Getränke (je nach Belieben natürlich auch umgekehrt). Auch unser Sohn fand (tagsüber) Spielplätze, die ihm Freude machten.
Auch die Rückreise ab dem 05.08.2016 war ganz spannend: Wohin man kam und wo immer man Halt machte, überall traf man auf Leute mit dem Camp-T-Shirt und die Frage: „Woher seid ihr?“ Oder zur Abwechlung: „Where are you from?“ 😉

Schuld und Sühne

Fjodor M. Dostojewski, Schuld und Sühne, 573 Seiten, kostenloses Kindle-Buch. https://www.amazon.de/Schuld-S%C3%BChne-Fjodr-Michailowitsch-Dostojewski-ebook/dp/B004UBCWK6/
Vor 150 Jahren (1866) veröffentlichte Fjodor M. Dostojewski sein Buch „Schuld und Sühne“, das von Thomas Mann als „den größten Kriminalroman aller Zeiten“ bezeichnet wurde. Es ist wirklich ein faszinierendes Werk der russischen Weltliteratur, das an Aktualität nichts eingebüßt hat. Dostojewski lotet die Grenzen der Moral aus, und zwar in gekonnter Weise, psychologisch und schriftstellerisch exzellent.
Ich bin lange vor den großen russischen Schriftstellern zurückgeschreckt und habe diese immer noch etwas weiter hinausgeschoben. Der Stil ist etwas eigen und Gewöhnung ist vonnöten. Als Marcus Hübner auf seinem Blog die Serie „Dostojewski lesen“ begonnen hat, fand ich das spontan eine gute Idee. Er bespricht wochenweise Kapitel der „Brüder Karamasow“. Hier muss ich zugeben, die ersten 100 Seiten fand ich schwierig, weil mir der Schreibstil Dostojewskis fremd war. Doch dranbleiben lohnt sich – das Buch hat mich gepackt und ich hatte es in zwei Monaten komplett durch. Vielleicht werde ich dazu auch noch mehr schreiben.
In „Schuld und Sühne“ geht es um einen Studenten, Rodion Raskolnikow, der sehr klug ist, aber leider auch sehr arm, und deshalb sein Studium nicht zu Ende finanzieren konnte. Nun lebt er in St. Petersburg, häuft sich einen Schuldenberg an, den er nicht bezahlen kann, und hofft auf finanzielle Unterstützung von zu Hause.
Ziemlich am Anfang des Buches lernt er einen ehemaligen Beamten kennen, der durch seine Trunksucht ebenfalls verarmt war, so sehr verarmt, dass seine Tochter Sonja auf den Strich gehen muss, sich zu prostituieren, um so die Familie über Wasser halten zu können. Kurz darauf erhält er einen Brief von seiner Mutter, in dem sie ihm berichtet, dass seine Schwester Dunja einen deutlich älteren aber vermögenden Mann heiraten wolle. Rodion vermutet, dass sie diesen hauptsächlich deshalb heiraten wolle, um ihn, Rodion, finanziell besser unterstützen zu können. Er empfindet diesen Schritt als demjenigen Sonjas sehr ähnlich.
Die Haupthandlung des Buches betrifft jedoch etwas anderes. Rodion hat eine fixe Idee, welche er in einem Zeitschriftenartikel dargelegt hatte: Wenn jemand, der ein seltenes Genie ist, in seinem Tun und seiner Zukunft bedrängt würde, so habe dieser ein Recht, so zu handeln, dass er das umsetzen kann, wozu er gemacht sei. So hätte etwa ein Napoleon das Recht gehabt, Menschen aus dem Weg zu schaffen, die versucht haben wollten, seine Zukunft zu verhindern. Da Rodion sich selbst für ein solches Genie hält, will er wissen, zu welcher Sorte Mensch er gehört. Er sieht da zwei Sorten: Die Menschen, also diese seltenen Genies, und den Rest der Menschheit nennt er „Läuse“. Um herauszufinden, was er ist, will er einen Mord begehen. Diesen verübt er an einer alten Frau, namentlich seiner Pfandleiherin, bei welcher er schon zweimal Pfand für Gegenstände bekommen hatte. Da die Schwester der Pfandleiherin im falschen Moment zu ihr kommt, nämlich kurz nach dem Mord, aber noch bevor Rodion das Haus verlassen konnte, muss auch sie dran glauben.
Dieser Mord lässt ihn nicht mehr los, das Gewissen meldet sich, eine Krankheit bricht aus, Rodion ist mehrere Tage bewusstlos, in den Zeiten, in welchen er wach ist, ist er immer unruhig. In der Zwischenzeit waren seine Mutter und Schwester zu Besuch gekommen. Es stellt sich heraus, dass der Zukünftige seiner Schwester ein ungehobelter Rüpel ist, der die Armut der Familie ausnutzen wollte, um eine demütige, ihn bewundernde Frau zu bekommen. Die Sache eskaliert schnell und die Verlobung wird aufgelöst.
Rodion ist sich nun beständig unsicher: Wieviel weiß die Polizei? Könnte sein Artikel in der Zeitschrift ihn verraten? Wie kann er den Verdacht von sich ablenken? Über diesem ständigen Grübeln wird er immer sehr schnell aufgebracht und lenkt auch öfter mal den Verdacht auf sich. Nach einigem Hin und Her stellt sich dann heraus, dass er tatsächlich verdächtigt wird. Auf viel Zureden von verschiedenen Seiten meldet er sich am Schluss freiwillig und gesteht die Tat. Einsichtig wird er nicht, dass er dadurch schuldig geworden ist.
Das Happy End zeichnet sich im Arbeitslager in Sibirien ab. Die treue Sonja, die ihn dorthin begleitet, wird ihm zur besten Freundin und mit der Zeit auch zur Geliebten. Eine große Frage bleibt offen: Wird er am Ende doch noch gläubig?
Ich meine, dass dies eine Schwäche des Buches ist. Dostojewski liebt es, sich in den finsteren Abgründen der menschlichen Seele aufzuhalten. Der Glaube ist etwas Wichtiges bei ihm, aber am Ende der Geschichte(n) bleibt häufig ein schaler Geschmack zurück – es fehlt etwas. Die Auflösung der größten und wichtigsten Frage im Leben eines jeden Menschen.
Davon abgesehen ist es ein großartiger Roman – Thomas Mann ist wohl zuzustimmen: Es ist zumindest einer der größten und besten Kriminalromane.

Albert-Einstein-Biographie von Albrecht Fölsing

Da mich schon seit früher Kindheit die Erforschung der gesamten Schöpfung Gottes sehr interessiert, möchte ich in dem Bereich auch gern immer wieder Neues lernen. So habe ich mir nun die umfangreiche Biographie Albert Einsteins von Albrecht Fölsing vorgenommen, um die Person, Theorien und Wirkungsgeschichte des großen Physikers des letzten Jahrhunderts besser kennenlernen und verstehen zu können.
Obwohl ich persönlich Einstein in vielen Bereichen alles andere als nahe stehe (was den Glauben und die Weltanschauung, Politik oder Wirtschaft betrifft – ich komme weiter unten noch darauf zu sprechen), habe ich von dem Buch in vielerlei Hinsicht sehr profitiert.
Die Biographie umfasst fast 1000 Seiten, und vielleicht fragt sich der eine oder andere Leser, wie ich es schaffe, an einem so langen Buch dranzubleiben. Meine ehrliche Antwort lautet: Gar nicht. So lange Bücher teile ich mir auf. Zunächst schaue ich mir die Kapitel und Unterkapitel an. Ich weiß, dass ich in einer Woche gut motiviert 300 Seiten schaffe, mehr allerdings meist nicht vom selben Buch am Stück. Deshalb brauche ich zwischendurch Abwechslung durch andere Bücher. So habe ich die ersten 200 Seiten Ende März gelesen, dann 400 Seiten im Laufe des Aprils (mit Unterbrechungen) und den Rest im Mai, ebenfalls mit Unterbrechungen. Diese Art des Lesens braucht etwas Übung, damit man beim nächsten Aufgreifen des Buches noch genau weiß, wo man aufgehört hat. Da ich mir Wichtiges anstreiche und am Seitenrand Notizen mache, fällt mir das leichter.
Im Folgenden möchte ich ein paar persönliche Höhepunkte, wichtige Zitate und eigene Gedanken zum Gelesenen auflisten.
1. Von der Begabung:
Übrigens weiß ich ganz genau, dass ich selbst gar keine besondere Begabung habe. Neugier, Besessenheit und sture Ausdauer, verbunden mit Selbstkritik, haben mich zu meinen Gedanken gebracht.“ (Albert Einstein) → S. 19
2. Von der langsamen Entwicklung:
Wenn ich mich frage, woher es kommt, dass gerade ich die Relativitätstheorie gefunden habe, so scheint es an folgendem Umstand zu liegen: Der Erwachsene denkt nicht über die Raum-Zeit-Probleme nach. Alles, was darüber nachzudenken ist, hat er nach seiner Meinung bereits in seiner frühen Kindheit getan. Ich dagegen habe mich so langsam entwickelt, dass ich erst anfing, mich über Raum und Zeit zu wundern, als ich bereits erwachsen war. Naturgemäß bin ich dann tiefer in die Problematik eingedrungen als ein gewöhnliches Kind.“ (Albert Einstein) → S. 25
3. Über die Berliner:
Ich verstehe jetzt die Selbstzufriedenheit des Berliners. Man erlebt so viel von außen, dass man die eigene Hohlheit nicht so schroff zu fühlen bekommt wie auf einem stilleren Plätzchen.“ (Albert Einstein) → S. 382
(JE: Das gilt heute nicht nur in Berlin, sondern an jedem Ort, wo man sich beständig von allem möglichen ablenken und berieseln lassen kann. Mehr stille Plätzchen täten der ganzen Menschheit gut.)
4. Über die Erfahrung:
Wirklich Neues erfindet man nur in der Jugend“ schrieb er an Zangger, „später wird man immer erfahrener, berühmter – und dümmer.“ → S. 463
5. Über die Neo-Kantianer:
Der Kant ist so eine Landstraße mit vielen, vielen Meilensteinen, und dann kommen die kleinen Hunderln, und jeder deponiert das Seinige an den Meilensteinen.“ (Albert Einstein) → S. 543
6. Über Israel:
Ich bin glücklich, in diesem Land zu sprechen, von dem aus die Thora die Welt erleuchtet hat, und in diesem Haus [damit meinte er die Hebräische Universität; Anm. JE], das eine Stätte der Weisheit und der Wissenschaft für alle Völker des Ostens werden soll.“ (Albert Einstein) → S. 607
7. Eine Gabe, die ich mir manchmal auch noch mehr wünschte:
Aber auch hier bewährte sich seine von Freunden vielfach mit Erstaunen registrierte „merkwürdige Gabe, Dinge, die ihm unangenehm sind, abzuschütteln wie ein Pudel das Wasser.“ → S. 677
8. Vom Gebrauch der Technik:
Sollen sich auch alle schämen, die gedankenlos sich der Wunder der Wissenschaft und Technik bedienen und nicht mehr davon erfasst haben als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frisst.“ (Albert Einstein) → S. 707f
9. Einsteins Religion des Pantheismus:
Wenn ich eine Theorie beurteile, dann frage ich mich, ob ich, wenn ich Gott wäre, die Welt in dieser Weise eingerichtet hätte.“ (Albert Einstein) → S. 791
(JE: In diesem Zitat findet man einiges über die Religion Einsteins. Gott war für ihn überhaupt kein persönlicher Gott, sondern die ganze Natur, also alles, was existiert, ist zusammen „Gott“. Das nennt man „Pantheismus“. Wir sollten deshalb nie Einsteins Worte dazu missbrauchen, um zu behaupten, Einstein hätte an einen persönlichen Gott geglaubt.)
10. Über eine Weltverfassung:
Wir müssen eine Verfassung der Welt, d. h. eine wirksame weltweite internationale Ordnung anstreben, die uns hilft, einen Atomkrieg zu verhüten.“ (Albert Einstein) → S. 810
(JE: Einstein war Kommunist, der sogar das russische Terrorregime Stalins verteidigte, indem er sagte, es würden in Russland so schwierige Umstände herrschen, die solches rechtfertigen würden. Er war zudem dafür, dass die USA als Weltpolizei als einziger Staat Atomwaffen aufrüsten solle, um die anderen Staaten durch Angst vor einem Atomkrieg in Schach halten zu können.)
Das Buch selbst ist verständlich geschrieben, da muss ich Fölsing ein großes Lob aussprechen. Dass ich die Theorien Einsteins jetzt wirklich verstanden habe, möchte ich noch nicht behaupten. Das wird noch einiges mehr an Lesen, Recherchieren und Nachdenken brauchen. Das ganze Leseerlebnis hat mir jedoch sehr gefallen, und ich kann es auf jeden Fall weiterempfehlen.

Biblische Weltanschauung im „Herr der Ringe“

1. Was ist Dein persönlicher Hintergrund zum Buch oder Film? Wie bist Du darauf gestoßen? Was hast Du davon erwartet?
Jonas Erne: Ich habe Tolkien erst kennengelernt, als „Herr der Ringe“ im Kino erschienen war. Das war mein erstes Mal, wo ich seinen Namen las und hörte. Als jemand, der verfilmten Büchern seit Kindheit sehr kritisch entgegensteht, wollte ich eigentlich nur die Bücher lesen. Diese haben mir gefallen; von den Filme war ich dafür erwartungsgemäß ziemlich enttäuscht. Beim ersten Lesedurchgang ist mir noch nicht besonders viel von der christlichen Weltanschauung dahinter aufgefallen. Wohl auch deshalb, weil ich nicht danach Ausschau gehalten habe.
2. John R. R. Tolkien wollte keine „biblische Geschichte“ schreiben, sondern einfach eine unterhaltsame Geschichte. Dennoch finden sich viele Bezüge dazu. Was denkst Du, woher das kommt?
Wenn ein Autor ein gläubiger Christ ist, wird dies in seinen Büchern immer auf irgendeine Art sichtbar werden. Ein Buch ist etwas, worin ein Autor sich und seine Phantasie ausgießt und deshalb auch immer ein Stück seiner selbst. Jeder Autor macht seine Weltanschauung in seinen Büchern sichtbar – wenn denn der Leser danach sucht.
3. Was ist überhaupt eine Weltanschauung? Was sind die Grundpfeiler der biblischen Weltanschauung?
Die Weltanschauung ist die „Brille“, durch die wir die Welt anschauen. Es sind persönliche Überzeugungen, die man mitbringt und die man (meist unbewusst) gebraucht, um die Realität zu bewerten und zu interpretieren. Ganz einfach gesagt sind die Grundpfeiler der biblischen Weltanschauung Schöpfung, Sündenfall, Erlösung und Wiederherstellung. Gott hat die Welt gut geschaffen, der Mensch ist durch den Sündenfall an Gott und der ganzen Welt schuldig geworden und hat sie ins Chaos gestürzt. Jesus Christus ist gekommen, um die bösen Mächte zu besiegen, den Menschen zu erlösen und die göttliche Ordnung wiederherzustellen.
4. In „Herr der Ringe“ finden sich viele Bezüge auf diese biblische Weltanschauung. Welche davon sind Dir beim Lesen oder Ansehen besonders wichtig geworden?
Wichtig geworden ist mir zum Beispiel das Prinzip der Verantwortung. Wir Menschen sind füreinander und für die ganze Schöpfung verantwortlich (das meint der Befehl zum Herrschen über die ganze Schöpfung im biblischen Schöpfungsbericht). Die Gefährten im Buch übernehmen Verantwortung füreinander und sind auch um die Natur besorgt. Oder Gollum, der am Ende (ungewollt?) Selbstmord begeht, um den Ring zu bekommen; dazu analog hat in der Bibel Satan Selbstmord begangen, indem er dafür gesorgt hat, dass die Bühne der Weltgeschichte so vorbereitet wurde, dass Jesus Christus – als Höhepunkt und Selbstzerstörung der Bosheit – ans Kreuz genagelt wurde.
5. Im „Herr der Ringe“ findet sich nicht eine einzelne Erlöser-Figur wie das Jesus Christus in der Bibel ist, vielmehr handelt es sich um eine ganze Reihe von Helden, die gemeinsam Mittelerde erlösen. Welche Personen machen welche Aspekte der „Erlösung“ aus?
Meiner Meinung nach ist die jesusähnlichste Person im Herr der Ringe Sam Gamdschie. Ja, genau, dieser unscheinbare Hobbit, der oft mehr ein Anhängsel ist. Aber wenn es mal wirklich drauf ankommt, ist er der zuverläßige Freund. Alle anderen Personen werden vom Ring entweder verführt oder sie trauen sich nicht, ihn anzufassen. Sam ist dazu bereit, als es nötig wurde. Er wusste nicht, wie er darauf reagieren würde, er weiß nur, dass es jetzt keine andere Möglichkeit gibt. Er opfert sich sozusagen selbst und durch dieses Opfer wird die Geschichte letztendlich ein Happy-End finden.
6. Gibt es Punkte an „Herr der Ringe“, die dem biblischen Weltbild widersprechen und die Du kritisieren würdest?
Was ich etwas schwierig finde, ist der Umgang mit der Magie im Herr der Ringe. Es kann der Eindruck entstehen, dass es so etwas wie „weiße Magie“ gibt, obwohl die Bibel jede Form der Magie eindeutig verbietet. In Wirklichkeit gibt es keine „weiße Magie“, egal was damit erreicht wird. Magie ist immer und in jeder Form dämonisch.
7. Wenn junge Autoren heute von Tolkien lernen wollen, was würdest Du ihnen empfehlen, aus dem „Herr der Ringe“ zu lernen, wenn sie auch eine unterhaltsame Geschichte auf der Basis der biblischen Weltanschauung schreiben möchten?
Lass dich von der Phantasie leiten, aber behalte immer die ganze Geschichte im Hinterkopf, um dich vor inneren Widersprüchen zu schützen.
8. Welche anderen Bücher kannst Du empfehlen, die auch unterhaltsame Geschichten auf der Basis der biblischen Weltanschauung sind?
Die Geschichten von C. S. Lewis, die Pilgerreise von John Bunyan, die Romane von G. K. Chesterton, aber auch von Dorothy L. Sayers.

Bibel lesen? Aber sicher, das hab ich nötig!

In einem kürzlichen Gespräch ging es um das Lesen der Bibel. Im Nachhinein habe ich noch weiter darüber nachdenken müssen, weil mir ein paar Dinge dazu ganz neu wichtig geworden sind. Ich könnte mir jetzt sagen: Du hast bis jetzt jedes Buch, jedes Kapitel und jeden Vers der Bibel mindestens 12x gelesen, die meisten davon schon deutlich öfter. Irgendwann reicht das doch. Ruh dich doch mal darauf aus. Du hast Theologie studiert und dabei viele Verse auswendig gelernt, eine ganze Zahl Texte aus dem Griechischen oder Hebräischen übersetzt. Reicht das nicht? Zugegebenermaßen hatte ich solche Gedanken auch schon. Aber noch jedes Mal bin ich beim Weiterdenken ganz eindeutig zum Schluss gekommen: Nein, das reicht noch lange nicht! Warum? Weil ich es nötig habe!
1. Ich habe es nötig, jeden Morgen in meinem Denken verändert zu werden. Ich bin jeden Tag ganz vielen Einflüssen ausgesetzt, die versuchen, mein Denken zu vergiften. Werbung versucht, sich in mein Denken einzuschleichen. Filme versuchen, mir ein falsches Weltbild einzutrichtern. Die Zeitungen und Zeitschriften strotzen von Artikeln und Berichten, die meine Aufmerksamkeit wollen. Jeden Morgen soll mein Denken weg von mir und weg von der Welt auf Gott ausgerichtet werden.
2. Ich habe es nötig, jeden Morgen etwas zu lesen, was ich nicht beurteilen muss. Dieser Punkt hängt mit dem ersten zusammen, geht aber noch mehr in die Tiefe. Alles, was sich außerhalb der Bibel befindet, ist fehlbar und muss deshalb beurteilt werden. Die Bibel ist da wohltuend anders. Sie muss nicht beurteilt werden, sondern ich darf mich von ihr beurteilen lassen. Das ist das Vorrecht aller Gläubigen: Das Wort dürfen wir „lassen stahn“, wie Martin Luther so treffend dichtete. Es muss nicht verändert werden, sondern es soll mich verändern. Die Bibel ist der fixe Punkt, mit dem wir das Universum aus den Angeln heben können.
3. Ich habe es nötig, mir jeden Morgen das Evangelium zu predigen.Ich liebe es, in einer Evangelisationsveranstaltung zu sitzen. Da kommen mir regelmäßig die Tränen, weil mir bewusst wird, wieviel der Herr Jesus für mich getan hat. Eigentlich weiß ich das schon, aber – ach! – wie schnell geht das wieder vergessen in der Eile des Alltags. Und wie gern würde ich da jeden Morgen in so einer Veranstaltung sitzen. Da das leider nicht möglich ist, habe ich es nötig, mir das selbst jeden Morgen zuzusprechen. Ich habe es nötig, mir wieder neu der Gnade und Größe Gottes bewusst zu werden.
4. Ich habe es nötig, dass Gott jeden Morgen neu zu mir spricht.So, und jetzt schreibe ich das als Pfingstler, der sich darüber freut, dass alle Gaben des Geistes im Hier und Jetzt für uns vorhanden und in Gebrauch sind. Die Gabe der Prophetie ist mir nichts Fremdes, und ich freue mich sehr darüber, von Gott immer wieder damit gebraucht zu werden. Und dennoch (oder gerade deshalb?) bestehe ich darauf, dass sich die Gabe der Prophetie nur dort gut und gesund entwickelt, wo wir Menschen des Wortes Gottes sind. Wenn wir wollen, dass Gott zu uns redet, dann wenden wir uns der Bibel zu. Dort redet Gott so zu uns, dass Sein Wort keine Überprüfung und keine Korrektur braucht. Paulus macht klar, dass dort, wo Menschen in der Gemeinde prophetisch reden, immer andere da sein müssen, die das Gesagte beurteilen. Die Bibel braucht das nicht, sie ist Gottes reines und unveränderliches Wort.
5. Ich habe es nötig, jeden Morgen für den Tag ausgerüstet zu werden.Jeden Morgen bekomme ich von Gott ganz bestimmte Dinge gezeigt, die mich durch den Tag begleiten und meine Augen für bestimmte Menschen und Situationen öffnen. Häufig werde ich so sensibel für Versuchungen, die mich an diesem Tag versuchen wollen. Dann kommt mir in den Sinn: Mensch, das haste ja heute früh gelesen! Finger weg davon! All das habe ich Tag für Tag von Neuem nötig, und deshalb lese ich auch sehr gerne und mit großer Freude, geradezu „gierig“ darin.
Und warum liest Du die Bibel (oder nicht)?

Das Problem des Übels in der Welt

Häufig wird die Existenz des Übels in der Welt als Argument gegen Gott angeführt. Das müssen wir etwas genauer betrachten, denn letzten Endes ist das Böse in der Welt eher ein Argument für als gegen die Existenz Gottes.
Das Argument gegen Gott aus dem Übel der Welt geht ungefähr folgendermaßen:
1. Gott ist ein allmächtiges Wesen, dem somit nichts unmöglich ist.
2. Gott ist gleichzeitig ein gutes Wesen, das nichts Böses in der Welt wollen kann.
3. Es geschieht jede Menge Böses in der Welt.
Deshalb kann Gott nicht existieren.
Es gibt dazu noch ein paar andere Abwandlungen dieses Arguments, zum Beispiel gegen die Allmacht Gottes, also dass das Böse in der Welt ein Beweis dafür sei, dass Gott nicht allmächtig sei oder sich beschränken würde, die Zukunft nicht vorher zu wissen, oder so ähnliches mehr. Ich möchte kurz auf die Prämissen eingehen. Bei der Prämisse 3. gibt es eigentlich nichts zu diskutieren; lediglich festzuhalten, dass jede Feststellung, die etwas gut oder böse nennt, einen absolut gesetzten Maßstab braucht.
Was ist Allmacht?
Die erste Prämisse besagt, dass Gott allmächtig ist. Dazu müssen wir uns aber die Frage stellen, was Allmacht ist. Allmacht ist die unbegrenzte Fähigkeit, alles zu machen, was a) logisch möglich ist und b) dem Charakter des Allmächtigen entspricht. Die Bibel sagt zum Beispiel, dass Gott allmächtig ist und gleichzeitig, dass Gott nicht lügen kann. Das ist kein Widerspruch, es besagt lediglich, dass wir unsere Definition von Allmacht an Gott anpassen müssen und nicht umgekehrt.
Manchmal hört man die Frage: Kann Gott einen Stein erschaffen, der so schwer ist, dass er ihn nicht mehr hochheben kann? Das ist so eine Frage, welche die Regeln der Logik übertritt. Ein allmächtiges Wesen, das etwas schafft, was die Allmacht übersteigt, ist ein Widerspruch in sich selbst. Das wäre ungefähr so, wie zu verlangen, dass Deutschland in der gleichen Saison fünf verschiedene Vereine haben soll, die alle zusammen Deutscher Meister im Fußball sind. Meister kann im Fußball jedes Jahr nur ein Verein werden, das ist ein Teil der Definition des Meistertitels, weshalb so lange gespielt werden muss, bis der eine Meister gefunden wurde. Fünf Meistervereine im selben Jahr zu verlangen, ist deshalb total unlogisch und somit auch unmöglich, solange die momentane Definition des Meistertitels beibehalten wird.
Der Mensch: Abbild Gottes in der bestmöglichen Welt
Ich möchte deshalb im folgenden zwei Arbeitshypothesen aufstellen. Beide entstammen der christlichen Weltanschauung und ich meine, dass sie zusammen die beste Erklärung für unsere Welt ist. Wir wollen deshalb für den Anfang einmal davon ausgehen, dass diese zwei Hypothesen wahr sind und sie dann durchdenken und daraus Schlüsse ziehen, um diese am Schluss mit der Realität vergleichen und so beurteilen zu können. Meine erste Hypothese lautet: Der Mensch ist als Ebenbild Gottes geschaffen und trägt deshalb einige Wesenszüge Gottes an sich:
Gott ist allwissend – der Mensch ist wissend: mit Verstand ausgestattet, kann planen und sich auf die Zukunft freuen, wenn er etwas geplant hat. Er kann sich über sich selbst viele Gedanken machen, kann philosophieren und über den Sinn des Lebens nachdenken. Er kann sich überlegen, welche Entscheidung in welchem Fall zu den besten Resultaten führen wird.
Gott ist allmächtig – der Mensch ist mächtig: Er ist mit vielen Möglichkeiten ausgestattet, die es ihm erlauben, die überlegten Entscheidungen in Taten umzusetzen und kann somit eine ganze Menge bewirken – zum Guten wie zum Schlechten.
Gott hat Emotionen – der Mensch hat auch Emotionen: Der große Unterschied ist der, dass der Mensch von den Emotionen hin- und hergetrieben wird. Gott kann verschiedene Emotionen zugleich haben: Freude über alles Gute und Schöne und Hass und Zorn gegen alles, was das Gute und Schöne zerstört.
Gott ist kreativ, der Mensch ist auch kreativ: Auch hier gibt es einen qualitativen Unterschied. Gott kann aus dem Nichts Neues hervorbringen; der Mensch kann nur das bereits Geschaffene verändern. Er kann zum Beispiel Kunststoffe herstellen, indem er bestehende Stoffe künstlich verändert, aber er kann keine neuen Atome schaffen.
Gott ist vollkommen frei – der Mensch ist beschränkt auch sehr frei: Was der Mensch nicht kann, ist, sich über die von Gott gesetzten und aufrecht erhaltenen Naturgesetze eigenmächtig hinwegzusetzen, aber er hat innerhalb dieser sehr viel Freiheit, weil er von Gott Verantwortung übertragen bekommen hat. Der Mensch ist für sich selbst und sein Umfeld verantwortlich, soweit seine persönliche Freiheit reicht.
Meine zweite Hypothese lautet, dass wir in der besten aller (logisch) möglichen Welten leben, weil Gott sie so geschaffen hat. Das heißt, dass wir in unserer hiesigen Welt die größten Möglichkeiten haben, gemäß diesem Bild Gottes zu leben. Im Folgenden möchte ich diese zwei Hypothesen an der Realität, in der wir leben, prüfen.
Was ist das Übel in der Welt?
Dazu brauchen wir zunächst einmal Definitionen, die das Böse oder das Übel in der Welt beschreiben. Wir müssen unterscheiden zwischen verschiedenen Arten des Übels. Es kann nämlich sein, dass wir unterschiedlich Dinge als böse betrachten, die man gar nicht so in eine Kategorie zusammenfassen kann. Ich möchte drei Kategorien unterscheiden. Die erste Kategorie betrifft Dinge, die uns manchmal als übel erscheinen, aber tatsächlich nur die logische Folge von guten Dingen sind. Ein Beispiel: Wenn der Fußballverein, den wir mögen, absteigt statt Meister zu werden, dann gefällt es uns nicht. Es scheint uns ein Übel zu sein. Oder wenn es genau dann regnet, wenn wir geplant haben, eine Feier im Garten zu machen, dann scheint das schlecht zu sein. Aber gleichzeitig ist beides gut – aus dem Blickwinkel des anderen Fußballvereins, der Meister wird oder aus dem Blickwinkel des Gartens, der dringend Wasser braucht. Eine zweite Kategorie des Übels betrifft Naturkatastrophen. Flutwellen, Stürme, Dürren und so weiter. Die dritte Kategorie beinhaltet alle von Menschen direkt oder indirekt verursachten Übel.
Was ist echte Verantwortlichkeit?
Gott möchte in diesem Fall, dass wir echte Verantwortung übernehmen müssen. Schauen wir uns das näher an. Eine Entscheidung ist nur dann eine echte Entscheidung, wenn es auch eine Auswahl von Möglichkeiten gibt und wenn die richtige Entscheidung echte gute Zustände hervorrufen, während falsche Entscheidungen echte negative Zustände hervorrufen. Eine Welt, in der es keine Entscheidungen gäbe, könnte der Mensch keine Verantwortung übernehmen und keine all dieser Fähigkeiten einbringen, die dem Bild Gottes entsprechen.
Gott ist ein guter Gott, ein barmherziger Gott, der Mitleid hat. Somit möchte Gott, dass wir diese Eigenschaften kennenlernen und uns auch aneignen sollen. Doch Mitleid gibt es nur in einer Welt, in der es Leid gibt – das Wort Mit-Leid ist daraus abgeleitet. Gott ist ein Gott, der gerne hilft – und wir sollen auch gerne helfen. Doch Hilfe kann nur jemand geben, wenn jemand sie benötigt. Wir sollen Entscheidungen treffen können, die einen echten, handfesten Unterschied machen. Die richtige Entscheidung zu treffen ist etwas Gutes, doch ist es besser, wenn die richtige Entscheidung Mut braucht und uns nicht einfach so von selbst geht. Diese Beispiele lassen sich natürlich beliebig weiter ausbauen und wohl jeder kann sich zusätzliche überlegen.
Und was ist mit dem Tod?
Es gibt ein Übel in der Welt, das alle anderen zu übersteigen scheint: Der Tod. Vielleicht denken wir, etwas Leid ist ja zuweilen schon schön und recht, aber was ist mit dem Tod? Darf ein liebevoller Gott sowas zulassen?
Ich möchte mich dieser Frage von zwei Seiten aus nähern. Wenn es den Tod als Folge einer Entscheidung geben kann, dann haben wir es mit ernsthafteren Entscheidungen zu tun. Eine richtige, das heißt gute, Entscheidung ist wertvoller, wenn sie einen Tod verhindern kann; und wenn es bei der falschen Entscheidung die Möglichkeit des Todes gibt, so ist sie ernsthafter und somit auch wertvoller. Somit ist eine Welt, in welcher die Möglichkeit des Todes existiert, eine ernsthaftere und deshalb auch bessere Welt.
Zugleich ist der Tod aber auch noch etwas anderes. Unter Umständen kann der Tod die Erlösung aus dem Übel des Lebens sein. Der Tod sorgt dafür, dass ein Sadist sein Opfer nur bis zu einer bestimmten Grenze quälen kann. Oder dass Krankheit, Schmerzen und andere Leiden irgendwo ein Ende finden. Somit kann der Tod auch ein Moment der Gnade sein.
Bei all den Gedanken dürfen wir nicht vergessen, dass es nicht Gott ist, der das Übel in der Welt schafft. Er hat lediglich die Möglichkeit dazu gemacht – und der Mensch ist selbst und trotz besseren Wissens da reingelaufen.
Fazit
Somit scheint mir der Fall klar zu sein, dass das Leid in der Welt kein Gegensatz zu einem liebenden, allmächtigen und allwissenden Gott ist. Der Mensch ist nach Gottes Ebenbild geschaffen, trägt also im Kleinen und Unperfekten viele Züge, die auf Gott als seinen Schöpfer hinweisen und ist in die beste aller logisch möglichen Welten platziert worden, damit er dort verantwortlich, kreativ, vernünftig, und so weiter zu Gottes Ehre leben soll.

Löwe und Lamm oder Despot und Waschlappen?

Was ist ein echter Mann? Wie werden Jungs zu Männern? Das ist so eine Frage, die mich schon länger beschäftigt und zu der ich auch schon ab und zu gebloggt habe. Im letzten Post habe ich versucht, das Verschwinden von Werten, Tugenden und Helden im Laufe der jüngeren Geschichte nachzuzeichnen. Heute versuche ich, darauf aufzubauen und ein wenig weiter zu gehen.
Ich meine, dass das größte Vorbild und die beste Quelle für echte Männlichkeit Jesus Christus ist. Johannes beschreibt Ihn kurz und knackig in der Offenbarung als Löwen und Lamm. Das finde ich eine sehr geniale Beschreibung: Siehe, es hat überwunden der Löwe, der aus dem Stamm Juda ist, die Wurzel Davids, um das Buch zu öffnen und seine sieben Siegel zu brechen! Und ich sah, und siehe, in der Mitte des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten stand ein Lamm, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, welche die sieben Geister Gottes sind, die ausgesandt sind über die ganze Erde. (Offenbarung 5, 5 – 6)
Jesus Christus ist gleichzeitig der Löwe von Juda und das geschlachtete Opferlamm. Das ist, meine ich, eine treffende Beschreibung von Männlichkeit.
Löwe: Stark, anmutig, König der Tiere, schnell, majestätisch, ehrfurchtgebietend, etc.
Lamm: Schwach, demütig, klein, ausgeliefert, still, etc.
Entscheidend ist dabei die Fähigkeit, beides sein zu können und unterscheiden zu können, was wann dran ist. Und hier liegt in unserer Zeit häufig ein Missverständnis vor. Ein Löwe zur falschen Zeit wird zum Despoten, und ein Lamm zur falschen Zeit wird zum Waschlappen. Nehmen wir noch einmal Jesus Christus zum Vorbild. ER war ein Löwe, als Er die Händler vom Tempelvorhof verjagte. Da war Er alles andere als harmlos, Johannes berichtet sogar von einer (ziemlich schmerzhaften) Kamelpeitsche. Oder wenn es um die Gesetze der Pharisäer ging, welche um jedes Gebot Gottes herum noch einen „Zaun“ von menschlichen Geboten machten, konnte Er auch verbal ziemlich löwengleich werden.
Kurz gefasst könnte man sagen: Ein echter Mann ist ein Löwe, wenn er Schwache gegen Starke verteidigt, aber ein Lamm gegenüber den Schwächeren. Das Problem unserer Zeit ist, dass diese Unterscheidung fehlt. Ein Familienvater, der seiner Familie gegenüber als Löwe auftritt, wird zum Despoten. Und ich fürchte, dass es hier ein Problem gibt: Männer fühlen sich zu selten als Löwen, deshalb nutzen sie die Momente, wo sie Schwächeren gegenüber stehen, um den Löwen rauszuhängen und wandeln sich so zum Despoten. Oder manche Männer fühlen sich von ihrer Familie eingeschüchtert und meinen deshalb, sie müssten dann zum Löwen mutieren. All das macht uns zu Despoten.
Zugleich sind wir in der Öffentlichkeit allzu gern Lämmer, nach dem Motto: Immer angepasst, immer unauffällig. Das macht uns zu Waschlappen. Und dann gibt es in unserer Zeit auch eine Angst vor dem Heldentum: Lieber Waschlappen als Löwen, denn Waschlappen tun keinem was zu Leide. Das Löwentum wird unterdrückt, bis es eines Tages nicht mehr geht. Dann kommt plötzlich alle aufgestaute Löwenenergie raus und richtet sich – leider zu häufig – gegen Menschen, die uns eigentlich als Lämmer brauchten.
Wie gehst Du damit um? Ich würde mich auf Deine Gedanken dazu sehr freuen.

Wert-lose Gesellschaft

Was ist ein Wert? Wert hat etwas mit Seltenheit und Kostbarkeit zu tun. Wenn ich eine Arbeit erledige, die nur 100 andere Personen erledigen können, so ist sie wertvoller, als wenn es 10 Millionen gibt, welche dieselbe tun können. Oder wenn sie viel Vorarbeit braucht, so ist sie auch wertvoller, als wenn sie keine solche benötigt.
Es waren die Werte der christlichen Weltanschauung, welche die abendländische Kultur für viele Jahrhunderte geprägt haben. Dabei kann man nicht vom „christlichen Abendland“ sprechen, sondern lediglich vom mit christlichen Werten durchsetzten Abendland. Im Zuge der Aufklärung wurde versucht, diese Werte ohne Christentum zu propagieren. Spätestens Friedrich Nietzsche hat gezeigt, dass dies nicht möglich ist. Wenn man wie er schon kein Christentum wollte, dann müsse man auch auf all diese Werte verzichten. So versuchte er gegen Ende seines Lebens alle möglichen Werte zu durchdenken und auf eine neue Basis zu stellen, die sich an der griechischen Antike und nicht am „orientalischen“ Christentum orientierten. Erschienen ist dieses Werk nie; nach seinem Tod wurden die unfertigen Notizen dazu durchgesehen und veröffentlicht.
Nietzsche war ein einsamer Rufer in einer überaus optimistischen Zeit. Das christliche Weltbild hat eine Grundlage geschaffen, welche seit dem Zeitalter des Humanismus zu immer neuen Entdeckungen, Forschungen und Erfindungen führte. Die Industrialisierung war zu Nietzsches Zeiten weit vorangeschritten, der Mensch glaubte, keine Grenzen zu haben. Dieser Optimismus führte so weit, dass man dachte, man brauche in dieser Zeit der Vernunft keinen Krieg mehr zu fürchten. Und dann brach er doch herein, verwüstete viele Landstriche und führte zur Verzweiflung.
Die Zeit der Weimarer Republik war zunächst eine Zeit der Erholung, doch schon bald kam der nächste Schock: Sanktionen, Weltwirtschaftskrisen, Arbeitslosigkeit, und dazu eine Regierung, die alledem nicht gewachsen war. Der Ruf nach einem „starken Mann“, der den Karren aus dem Dreck zieht, wurde laut. Wohin das führte, wissen wir alle.
In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg wurde es immer stiller um die Werte. Im Kino gab es nicht mehr den Helden, sondern den Anti-Helden. Man könnte regelrecht von einer Angst vor Werten, Tugenden und Helden sprechen. Es durfte nur noch schlechte Vorbilder geben, von denen man sagen konnte: Hauptsache anders als die! Egal wie, nur anders als die vor uns!
An die Stelle von Werten, Tugenden und Helden sind Diskurse, Gleichgültigkeit und Waschlappen getreten. Hauptsache man redet miteinander. Hauptsache wir haben uns alle lieb. Hauptsache wir legen uns nicht mehr fest. Wenn alles gleich gültig ist, dann ist auch alles gleichgültig. Weil es keine Wahrheit gibt oder niemand diese wirklich erfahren kann, sind wir zu einer wertlosen Wegwerf-Gesellschaft geworden.
Und dann geschehen Dinge, die uns plötzlich doch wieder überzeugen, dass es gut und böse, richtig und falsch, wahr und unwahr gibt und dass es möglich sein muss, dies zu unterscheiden.
Wie können wir in dieser Zeit leben? Wie können wir unserer nächsten Generation wieder echte Werte und Tugenden mitgeben? Wie können wir ihr zu Vorbildern und Helden werden?

Zeitumstellung ist friedensfördernd

Einer neuen Studie vom Bundesamt für Staatssicherheit (Bass) zufolge soll die jährliche Zeitumstellung das Friedenspotential drastisch erhöhen. Erich Aushecker, Vorsitzender des Bass, erklärte diesen Umstand folgendermaßen: „Zunächst einmal hat jeder, der Krieg führen möchte, dank der Zeitumstellung ein halbes Jahr lang eine Stunde weniger; aufs ganze Jahr gesehen macht das 30 Minuten. Somit bleibt einem pro Tag rund 5 Sekunden weniger Zeit, um Krieg zu führen. Zweitens konnten wir empirisch nachweisen, dass in allen Ländern, welche die Zeitumstellung eingeführt haben, noch nie am letzten Sonntag im März zwischen 2:00 und 3:00 Uhr MEZ ein Krieg ausgebrochen ist. Und nicht zuletzt müssen wir zu bedenken geben, wie sehr die Zeitumstellung Menschen von vollkommen unterschiedlichen Interessen eint: Sie alle haben ein gemeinsames Thema, dem sie sich in aller Lautstärke und Tonhöhe widmen können. Die Zeitumstellung ist deshalb ein wichtiger Beitrag für die Völkerverständigung.“ Vielleicht sollte Herr Aushecker als nächstes eine tägliche Zeitumstellung von 24 Stunden beantragen?