#Blockupy, Martin Heidegger und ein Blick in die Geschichte

Heute findet in Frankfurt die Einweihung des neuen EZB-Gebäudes statt. Parallel dazu wurden mehrere Demonstrationen angemeldet. Durch Zweiteres ist nun ganz Frankfurt und ein großer Teil der Umgebung lahmgelegt. Autos von der Polizei und von Anwohnern werden angezündet. Bereits eine Stunde nach dem offiziellen Beginn der ersten „Demo“ wird ein Polizist von einem geworfenen Stein verletzt. Ganze Straßensäume werden von den Pflastersteinen befreit, damit die „Demonstranten“ genügend Munition haben. Kurz gesagt: Es herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände.
Ich bin dankbar, in einer westlichen Demokratie leben zu dürfen. Ich bin dankbar für das Versammlungs- und Demonstrationsrecht. Ich bin dankbar für das Streikrecht. Ich bin dankbar für die Meinungsfreiheit, die wir haben. Womit ich ein Problem habe, ist etwas anderes: Wenn dies missbraucht wird. Es ist eine Sache, sich politisch zu betätigen oder eine Demo zu organisieren, oder auch an einem Streik um gerechtere Löhne teilzunehmen. Doch zunehmend wird all das missbraucht. Und damit habe ich ein Problem. Die Blockupys missbrauchen das Demonstrationsrecht, um Krawall zu machen, um fremdes Eigentum zu beschädigen und Leib und Leben von anderen Menschen aufs Spiel zu setzen. Sie missbrauchen die Steuergelder, die nötig sind, um 10’000 Polizisten aus ganz Deutschland und 28 Wasserwerfer nach Frankfurt zu bringen und im Einsatz zu haben.
Das Problem ist aber auch, dass diese linksextremistischen gewalttätigen Demos, die in den letzten Jahren stark zugenommen haben, immer mehr Menschen ins andere Lager (politisch gesehen) treibt. Das Chaos und die Gewalt führen dazu, dass die Bevölkerung mehr denn je gespalten wird und sich immer mehr Menschen nach einer starken Regierung sehnt, die alles im Griff hat. Auch die Ungewissheiten im in der internationalen Politik tun das Ihre dazu: Propaganda aus Russland, aus den USA, Veröffentlichungen zu den Geheimdiensten, Finanzkrise in vielen Euro-Ländern, und so weiter. Das ist gefährlicher Wunsch. Um das aufzuzeigen, möchte ich einen kurzen Blick in die Geschichte werfen.
Martin Heidegger ist ein Philosoph, der heute vielen Menschen Angst macht. Er war einer von denen, die sich sehr früh schon der NSDAP angeschlossen hatten und der auch an seiner Universität in Freiburg viel Werbung für diese Partei machte. In den letzten Jahren sind auch immer mehr von seinen „geheimen Tagebüchern“ veröffentlicht worden, die uns belegen, dass er Zeit seines Lebens ein Antisemit geblieben ist und sogar der Meinung war, dass Hitler nicht weit genug gegangen sei.
Ich finde es wichtig, dass wir uns davon keine Angst machen lassen, sondern versuchen, zu lernen, was Heidegger – der ja beleibe kein dummer Mann war – dazu gebracht hat, die nationalsozialistische Bewegung zu unterstützen. Heideggers philosophische Formung hat vor allem im Zeitalter der Weimarer Republik stattgefunden. Das war das erste Mal, dass in Deutschland eine Demokratie bestand. Diese Demokratie war von schwierigen Umständen geprägt: Finanzkrise, Reparationszahlungen, Chaos, schwache Wirtschaft, und so weiter. Es kam bei vielen Leuten eine idealisierte Erinnerung an das Kaiserreich vor dem Ersten Weltkrieg auf: Da gab es tatsächlich wirtschaftlichen Fortschritt, man fühlte sich relativ sicher, es gab trotz einer armen Unterschicht eine recht große wohlhabende Mittelschicht, und so weiter. Das wurde natürlich noch stark idealisiert.
Das war die Zeit, in welcher Heideggers Philosophie entstand. 1927 kam sein Buch „Sein und Zeit“ heraus, mit dem er zum ersten Mal weitherum Bekanntheit erlangte. In diesem Buch machte er noch keine wirklich politischen Aussagen, aber etwas merkt man daran: Er unterschied zwischen dem „eigentlichen“ und dem „uneigentlichen“ Leben. Und seine Meinung war, dass die allermeisten Menschen ihr ganzes Leben lang nur „uneigentlich“ lebten. Man könnte es ungefähr so sagen: Der Mensch, welcher sich durch sein Umfeld bestimmen lässt, lebt uneigentlich. Erst dann, wenn ich mich entscheide, gegen meine Kultur und gegen mein Umfeld meinen eigenen Lebensentwurf zu leben, erst dann habe ich begonnen, eigentlich zu leben. Und jetzt war es für Heidegger ein Problem, dass in der Demokratie diese riesige Menge von uneigentlich lebenden Menschen das Sagen haben sollen.
Etwas Zweites kam hinzu: Heidegger war mit seinem eigenen Leben auch nicht zufrieden. Er wartete lange darauf, dass etwas passiert, was ihm die Berufung gibt, mit seinem eigenen „eigentlichen“ Leben zu beginnen. Und das Eigentliche beginnt für ihn mit einer Revolution. So kam es, als er von der nationalsozialistischen Revolution hörte, dass er sich gedrängt fühlte, auf diese Weise sein „eigentliches“ Leben zu beginnen. In diesem Moment begann er mit einem Verdrängungsprozess, der alles negative ausblendete. Was „seine“ Partei, „seine“ Revolution tat, das war zuerst gut und später irgendwann zu sehr kompromissbereit.
Wenn ich heute Blockupy, Antifa, aber auch neonazistische Aufzüge sehe, so schaudert mich. Wenn unsere Gesellschaft noch weiter gespalten wird, so steht der nächsten Revolution nicht mehr viel im Wege. Wir brauchen keine Revolutionen. Wir brauchen keine Ideologien. Wir brauchen keine leeren Versprechen. Und schon gar keine gewalttätigen Aufzüge. Was wir brauchen, ist Jesus Christus. In Ihm ist die Rettung. In Ihm ist Friede mit Gott, Friede mit uns selbst, Friede mit unseren Mitmenschen zu finden. Martin Heideggers Leben zeigt, was passiert, wenn kluge Menschen ohne Jesus Christus losziehen und die Welt verändern möchten. Was wir heute und schon seit 100 Jahren ernten, ist die natürliche Folge dessen, dass wir die Wahrheit aufgegeben haben. Der Säkularismus frisst seine Kinder. Je länger, je mehr. Herr, erbarme Dich unser! Schenk Erweckung und eine Rückkehr zu Dir!!!

Die Schriften des Alten Testaments

Wenn wir vom Alten Testament sprechen, so meinen wir damit die Sammlung der folgenden 39 Bücher:
  • 5 Bücher des Gesetzes (1. – 5. Mose): Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri, Deuteronomium.
  • 12 Bücher der Geschichte: Josua, Richter, Ruth, 1. und 2. Samuel, 1. und 2. Könige, 1. und 2. Chronik, Esra, Nehemia und Esther.
  • 5 Bücher der Weisheitsliteratur: Hiob, Psalmen, Sprüche, Prediger und Hoheslied.
  • 17 Bücher der Propheten: Jesaja, Jeremia, Klagelieder, Hesekiel, Daniel, Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zefanja, Haggai, Sacharja und Maleachi.
Diese Bücher zusammen machen das aus, was wir den Kanon des Alten Testaments nennen. Kanon ist ein griechisches Wort und bedeutet ungefähr soviel wie Schilfrohr. Das Schilfrohr wurde damals als Maßstab gebraucht. Deshalb kann der Begriff Kanon ungefähr so definiert werden:
Der Kanon ist die Gesamtmenge der Schriften, die nach eindeutigen Kriterien und Regeln zu einer bestimmten Sammlung dazugezählt werden können.“ (Definition von mir)
Jesus selbst hat den gesamten Kanon immer wieder zitiert. Er nannte die Sammlung „Das Gesetz des Mose, die Propheten und die Psalmen“ (vgl. Lukas 24, 44). Die Bücher der Geschichtsschreibung zählten als vordere Propheten, die oben genannten Propheten als hintere Propheten.
Die Sammlung der Schriften des Alten Testaments begann mit Mose. Die Zehn Worte, die Mose am Sinai bekommen hatte, waren sogar von Gott eigenhändig geschrieben: Und als er mit Mose auf dem Berg Sinai zu Ende geredet hatte, gab er ihm die beiden Tafeln des Zeugnisses, Tafeln aus Stein, beschrieben mit dem Finger Gottes.(2. Mose 31,18) Diese Tafeln mussten in der Bundeslade aufbewahrt werden: Zu jener Zeit sprach der Herr zu mir: Haue dir zwei steinerne Tafeln aus, so wie die ersten waren, und steige zu mir auf den Berg und mache dir eine hölzerne Lade, so will ich auf die Tafeln die Worte schreiben, die auf den ersten Tafeln waren, die du zerbrochen hast, und du sollst sie in die Lade legen! So machte ich eine Lade aus Akazienholz und hieb zwei steinerne Tafeln aus, wie die ersten waren, und stieg auf den Berg, und die zwei Tafeln waren in meinen Händen. Da schrieb er auf die Tafeln entsprechend der ersten Schrift die zehn Worte, die der Herr zu euch auf dem Berg gesprochen hatte, mitten aus dem Feuer, am Tag der Versammlung. Und der Herr gab sie mir. Und ich wandte mich und stieg vom Berg herab; und ich legte die Tafeln in die Lade, die ich gemacht hatte; und sie blieben dort, wie der Herr es mir geboten hatte. (5. Mose 10, 1 – 5)
Dieser Sammlung in der Bundeslade fügte Mose noch weitere Texte hinzu: Als nun Mose damit fertig war, die Worte dieses Gesetzes vollständig in ein Buch zu schreiben, da gebot er den Leviten, welche die Bundeslade des Herrn trugen, und sprach: Nehmt das Buch dieses Gesetzes und legt es neben die Bundeslade des Herrn, eures Gottes, damit es dort ein Zeuge gegen dich sei. Denn ich kenne deinen Ungehorsam und deine Halsstarrigkeit. Siehe, noch [bis] heute, während ich [noch] unter euch lebe, seid ihr ungehorsam gegen den Herrn gewesen; wieviel mehr nach meinem Tod!(5. Mose 31, 24 – 27) Das Buch des Gesetzes sind die 5 Mosebücher, zumindest bis kurz vor seinem Tod. Vermutlich wurden sie nach dem Tod Mose noch vervollständigt, da der Bericht über seinen Tod auch darin enthalten ist. Josua, der Mose als Leiter folgte, fügte weitere Teile hinzu (vgl. Josua 24, 26), ebenso auch einige weitere Könige, Priester und Propheten.
Für Jesus gab es interessanterweise nie eine Diskussion darüber, aus welchen Büchern Gottes Wort besteht. Er diskutierte zwar häufig über die Auslegung des Alten Testaments, aber nie über den Umfang. Das Neue Testament zitiert an hunderten von Stellen Texte aus dem Alten Testament, häufig mit der Einleitung, dass dies Worte Gottes sind, aber nirgendwo gibt es eine Stelle, an der die sogenannten apokryphen Bücher als Gottes Wort zitiert werden. Überhaupt wird nur an einer einzigen Stelle etwas aus den Apokryphen zitiert, und zwar im Judasbrief, wo Judas 14 – 15 das erste Henoch-Buch (60,8 und 1,9) zitiert. Doch ähnlich wie Paulus, der an zwei Stellen heidnische griechische Dichter zitiert (in der Apostelgeschichte 17, 28 und in Titus 1,12), werden diese Stellen nicht gebraucht, um etwas zu beweisen, sondern lediglich als Illustration.
Auch die frühe Kirche hat bis zur Zeit der Reformation die Apokryphen nie als inspirierten Teil der Bibel gesehen – bis zum Konzil von Trient im Jahre 1546. Auch die Kirchenväter haben die Apokryphen äußerst selten zitiert – im Gegensatz zu den kanonischen Büchern des Alten Testaments. Deshalb tun wir gut daran, sie nicht zur Bibel selbst hinzuzuzählen. Sie sind – so meinte bereits Martin Luther – erbaulich zu lesen, aber sie haben auf keinen Fall dieselbe Autorität wie die 39 oben genannten Bücher des Alten Testaments.
Ebenso haben die Apokryphen auch kein inneres Zeugnis, dass sie zu Gottes Wort gehören sollten. Weder haben sie ihren festen Platz innerhalb der Heilsgeschichte, noch behaupten sie von sich selbst, sie seien Gottes Wort – so wie das die Bibel tut.
Wenn man die Diskussion ein wenig zurückverfolgt, kann man auch unter den frühen jüdischen Schriftgelehrten ziemlich deutliche Übereinstimmung finden. Es gab so gut wie gar keine Diskussion darüber, ob die apokryphen Schriften dazuzuzählen seien – die Überzeugung war, dass sie es nicht sind. Vielmehr gab es höchstens ein paar Diskussionen zu den 39 Schriften des Kanons, und auch hier nur in wenigen Fällen. Etwa das Buch Esther (weil dort Gott überhaupt nie erwähnt wird) oder das freizügige Hohelied. Aber auch hier war schon sehr früh – bereits etwa 200 Jahre vor unserer Zeitrechnung – sehr klar, dass a. Die Apokryphen nicht dazu gehören und b. die 39 Bücher unseres heutigen Alten Testaments die echten, kanonischen Bücher sind, die Gottes Wort sind.
Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. Ihn hat er eingesetzt zum Erben von allem, durch ihn hat er auch die Welten geschaffen; dieser ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens und trägt alle Dinge durch das Wort seiner Kraft; er hat sich, nachdem er die Reinigung von unseren Sünden durch sich selbst vollbracht hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt. (Hebräer 1, 1 – 3)

WANTED! Gemeinden für alle Generationen!

Wenn ich auf mein Leben zurückschaue, so bin ich sehr dankbar für die Gemeinden, die ich in diesen Jahren besuchen durfte. Klar: Nirgendwo ist die perfekte Gemeinde, überall gibt es noch viele Dinge, die besser gemacht werden könnten. Aber schon seit meinen ersten Schritten als Christ ist mir etwas bewusst geworden, was mein geistliches Wachstum sehr gestärkt hat: Ich brauche ältere Christen als meine Vorbilder. Was meine ich damit? Zunächst meine ich damit nicht, dass ich versuche, andere Christen zu kopieren. Ich meine damit auch nicht, dass es Menschen gab, mit denen ich in allen Fragen einverstanden war. Was ich damit meine, ist: Ich brauche gläubige Christen, die schon seit einigen Jahren diesen Weg gehen und das Leben ein wenig besser kennen als ich.
Unter der jüngeren Generation haben sich häufig Jugendgemeinden und eingeschworene Jugendkreise gebildet, die so von sich selbst überzeugt sind und meinen, es hätte noch nie jemand zuvor ihre Probleme und ihre Situation gehabt. Sie erfinden ständig das Rad neu. Das kann in manchen Momenten gut sein. Aber auf lange Dauer sehe ich, wie sich diese jungen Menschen abkämpfen – und immer mehr von ihnen langsam aber sicher den Anschluss an die Gemeinde verliert und irgendwann in der Welt aufwacht und sich fragt, was denn nun überhaupt den Unterschied zwischen Gemeinde und Welt ausmacht. Ich bekomme dazu immer mal wieder Anfragen.
Damit ist kein Wort gegen Jugendkreise gesagt. Ich selbst leite auch den Jugendkreis in unserer Gemeinde. Das ist eine gute Sache. Aber der Jugendkreis, bzw. die Beziehungen unter Jugendlichen, darf nicht als Gemeinde-Ersatz gesehen werden. Ein Jugendkreis will in die Ortsgemeinde eingebunden sein und soll sich als Teil dieser verstehen. Wenn ich wieder zurückschaue, so fällt mir auf, dass das häufig gerade nicht der Fall war. Und ich sehe nach all diesen Jahren auch immer klarer und deutlicher die Gefahr des Umstands, dass dies so ist.
Gott hat Sich etwas dabei gedacht, als Er uns Menschen als verschiedene Generationen gemacht hat. Sie sind ein Geschenk an uns – wenn wir lernen, von ihnen zu profitieren. Ich weiß nicht, wie es anderen geht – aber als ich ein frisch bekehrter Teenie war, da wollte ich möglichst viel und schnell über Jesus lernen. Ich war in den Bibelstunden, in den Gebetsstunden, in den Gottesdiensten, in einem Hauskreis und auch zugleich noch in der Jugend – alles gleichzeitig. Und nach diesen Veranstaltungen war es mir immer noch nicht genug, da fragte ich oft einem älteren Christen – oder auch mal mehreren von ihnen – ganze Löcher in den Bauch. In solchen Gesprächen habe ich auch meine ersten Autoren von guten Büchern kennengelernt. Meine ersten Einflüsse waren C. H. Spurgeon, John F. MacArthur, D. Martyn Lloyd-Jones, Dr. Kurt E. Koch, und manche mehr.
Es ist ein Geschenk Gottes, dass wir verschiedene Generationen haben. Wir dürfen dabei lernen, dass wir nicht so allein sind, wie wir manchmal denken. Andere vor uns haben mit ähnlichen Schwierigkeiten gekämpft. Manche hatten auch in früheren Zeiten Probleme mit Drogen, mit sexuellen Gedanken, mit Sorgen, mit Verweltlichung, mit dem regelmäßigen Bibellesen und persönlichen Gebet, mit der sinnvollen Zeiteinteilung, und so weiter. Nicht immer sind die Vorschläge eins zu eins in unsere Zeit übertragbar, aber sie sind es immer wert, gehört, überdacht und vielleicht auch getestet zu werden.
Gleichzeitig hat die Jugend auch den anderen Generationen viel zu bieten. Junge Leute sind oft gut informiert, einfühlsam und leidenschaftlich. Ich möchte Leidenschaft als etwas vom Wertvollsten bezeichnen, was wir haben. Leidenschaft treibt uns an und treibt uns hinaus, dorthin, wo andere Menschen sind, die uns brauchen. So kann ein fruchtbarer Austausch zwischen den Generationen entstehen – wenn wir ihn denn suchen und unterstützen. Aber weil das für die Gemeinde so kräftigend ist, gibt es einen Feind, der alles tut, um das zu verhindern. Er versucht, die Generationen zu spalten. Er schafft einen Generationenkonflikt. Er schafft Gleichgültigkeit. Er versucht, den Austausch auf jede mögliche Art zu verhindern. Und wir müssen immer wieder Buße darüber tun, dass wir das in unseren Gemeinden zulassen. Indem wir nichts gegen diesen Generationenkonflikt unternehmen, jagen wir einen Teil der Gemeinde hinaus und geben so dem Teufel Raum. Das ist ein großes Problem.
Was können wir praktisch machen, um den Austausch zu fördern? Ich glaube es muss von beiden Seiten her gearbeitet werden – und die Jugendleitung ist ein wichtiger Teil, der die Verbindung schafft. Hier ein paar Tipps aus meiner bisherigen Praxis. Es gäbe bestimmt noch mehr. Falls Du noch weitere Ideen hast, immer her damit!
– Innerhalb der Jugend gebe ich eine Vision von Gemeinde weiter. Ich zeige in Andachten, wie Gemeinde praktisch aussieht, welchen Platz die Jugend hat. Ich zeige, dass wir als Jugend der Gemeinde viel zu bieten haben.
– Die Jugend nimmt die Richtung der gesamten Gemeinde mit auf. Die Themen werden (nicht immer, aber immer wieder) an die großen Themen der Gemeinde angepasst. Es soll allerdings an die Jugend angepasst werden und nicht zu ähnlich sein.
– Ich suche nach Arbeitsbereichen, an welchen die Jugendlichen, die das wünschen, mitarbeiten können. So bekommen sie einen Einblick in das Leben der Gemeinde. Sie sind dann eingebunden und tatsächlich Teil von diesem Ganzen, das wir Ortsgemeinde nennen.
– Ich versuche, den Jugendkreis zu einem wichtigen Anliegen der Gesamtgemeinde zu machen, indem es immer mal wieder Berichte darüber gibt und auch speziell für die Jugend gebetet wird. 
– Zuletzt der vermutlich wichtigste Punkt: Ich lade immer mal wieder erwachsene Gläubige der Gemeinde ein, in die Jugend zu kommen. Sie bekommen den Auftrag, eine Andacht zu halten, und zwar gebe ich ihnen dazu die Frage mit: Was möchtest Du unserer Jugend mitgeben, was sie aus Deiner Erfahrung, Wissen, etc. fürs Leben als Christen lernen können? Nach der Andacht haben die Jugendlichen die Möglichkeit, dazu Fragen zu stellen. Das führt häufig zu sehr spannenden und wertvollen Gesprächen und Diskussionen.
Und womit hast Du schon gute Erfahrungen gemacht? Wie wird das in Deiner Gemeinde gehandhabt?

Bücherliste: Den Glauben verteidigen

Heute möchte ich eine große Sammlung beginnen, wo ich Bücher aufliste, die ich ganz besonders empfehlen möchte, wo es darum geht, wie man den christlichen Glauben ganz praktisch verteidigen kann. Ich verlinke alle Bücher, zu denen ich schon eine Rezension geschrieben habe. Mit der Zeit wächst hoffentlich die Liste und auch die Anzahl der Links zu meinen Rezensionen. Die Liste darf gern in den Kommentaren noch ergänzt werden. Ich schaue mir Deine Empfehlungen an und erweitere die Liste gegebenenfalls.
Craig, William Lane, On Guard (2010), Amazon-Link, Rezension.
Craig, William Lane, Reasonable Faith (2009), Amazon-Link, Rezension.
Frame, John, Apologetics to the Glory of God (1994), Amazon-Link, Rezension.
Groothuis, Douglas, Christian Apologetics (2011), Amazon-Link, Rezension.
Groothuis, Douglas, Truth Decay (2000), Amazon-Link, Rezension.
Koukl, Gregory, Tactics (2009), Amazon-Link, Rezension.
Lewis, Clive Staples, Pardon, ich bin Christ (2014), Amazon-Link, Rezension.
Moreland, J. P., Craig, W. L., Philosophical Foundations for a Christian Worldview (2003), Amazon-Link, Rezension.
Pearcey, Nancy, Finding Truth (2015), Amazon-Link, Rezension.
Pearcey, Nancy, Total Truth, (2008), Amazon-Link, Rezension.
Schaeffer, Francis A., A Christian View of Philosophy and Culture (1982), Amazon-Link, Rezension.
Strobel, Lee, Der Fall Jesus (2014), Gerth Medien, Amazon-Link, Rezension.
Swinburne, Richard, Die Existenz Gottes (1987), Amazon-Link, Rezension.
Swinburne, Richard, Gibt es einen Gott? (2005), Amazon-Link, Rezension.
Swinburne, Richard, Glaube und Vernunft (2009), Amazon-Link, Rezension.
Was denkt Ihr, liebe Leser, was fehlt noch in der Liste? Gerne mit kurzer Begründung als Kommentar!

Von Sklaven des Reichtums und Sklaven des Neids

Auf dem Twitterkanal von Papst Franziskus habe ich einen Tweet gefunden, der mich einmal mehr irritiert hat. Mein Blogpost ist jetzt aber keine Kritik am Papst, da ich zwar katholisch im Sinne von „zur ganzen, weltweiten Gemeinde Jesu Christi gehörend“ bin, nicht aber römisch. Insofern ist er weder mein Vorbild noch mein Oberhaupt, und es geht mich eigentlich nichts an, was er sagt, schreibt oder zwitschert. Da diese Aussage so oft vorkommt, habe ich den päpstlichen Tweet zum Anlass genommen, darüber ein paar Gedanken zu verfassen. Franziskus hat geschrieben:
Ok, ich stimme der Aussage zunächst einmal zu. Wenn wir zu sehr am Reichtum hängen, so sind wir Sklaven unseres Reichtums. Jetzt ist aber die Frage: Was will der Autor dieser Zeilen verstanden wissen? Macht er eine Aussage über sich selbst? Dann dürfte wohl zu hoffen sein, dass der Welthunger bald mit den Mitteln aus dem Vatikanstaat vertrieben sein wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies passieren wird, ist selbst bei einem zu Beginn hoch bejubelten „Reformpapst“ relativ gering.
Viel größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man zwischen den Zeilen einen versteckten Appell lesen soll: Eine Kritik am Reichtum per se und damit die Aufforderung, gegen den Reichtum und für mehr Umverteilung zu arbeiten. Damit schlägt Franziskus in eine Kerbe, die auch unter Evangelikalen sehr beliebt ist. Der Kapitalismus ist das Böse. Die Gesetze der Marktwirtschaft sind schuld. Die „Reichen“ sind Raubtiere, die nur danach streben, den Reuchtum zu vermehren. Diese Aussagen sind ebenso dumm wie sie beliebt sind. Es tut halt gut, wenn man sich beklagen kann und über andere zu schimpfen. Das gibt ein Gefühl der moralischen Überlegenheit.
Das Problem fängt schon mit der Frage an, wie man Reichtum definiert. Meist nimmt man sich selbst zum Durchschnitt: Wer mehr hat als ich, ist reich; wer weniger hat, ist arm. Es gibt keine adäquate Feststellung, wo Reichtum beginnt. Nach unten gibt es eine Linie, die „Armutsgrenze“ – und doch haben manche Menschen, die mit weniger leben müssen, nicht das Gefühl, arm zu sein, während sich andere wiederum, die mehr haben, arm fühlen. Die „Reichen“ jedenfalls, das sind immer die anderen.
Es gibt nun tatsächlich Leute, die immer dem Geld hinterherlaufen. Manche müssen das machen, weil sie eine Familie zu versorgen haben. Andere müssen es nicht, aber sie wollen es, weil das Geld für sie eine Sicherheit bietet. Wieder andere haben bestimmte Ziele, die sie erreichen wollen. Viele Menschen sind in dieser Weise Sklaven des Reichtums, wie Franziskus das geschrieben hat.
Aber es gibt nicht nur die Sklaverei des Reichtums, es gibt auch eine Sklaverei des Neids. Das sind Menschen, die ständig schauen müssen, wer jetzt zu „den Reichen“ gehört, die ständig den Reichtum anprangern und sich für mehr „Umfairteilung“ einsetzen. Darunter sind auch zahlreiche evangelikale Werke, Gemeinden, Pastoren und Christen zu finden, die sich diesem Reichtumsbashing anschließen und so, ohne es zu merken, zu Sklaven ihres Neids werden.
In theologischer und wirtschaftlicher Unkenntnis wird ein Gleichheitswahn propagiert, der im Grunde dann eben doch wieder zu Ungleichheit und einer Zunahme der Armut führen muss:
In theologischer Hinsicht wird der Unterschied zwischen der allgemeinen und speziellen Gnade wild durcheinander geworfen. Da wird etwa mit Galater 3, 28f argumentiert, um den Gleichheitswahn zu zementieren. In der Galaterstelle geht es nur um die Gemeinde: Jeder, der zu Christus gehört, steht vor Gott gleich da. Aber damit sind keineswegs die geschlechtlichen oder sozialen Unterschiede aufgehoben. Für gläubige Christen gilt: Wir sind alle Geschwister und stehen so als Gleichwertige vor Gott. Aber das gilt innerhalb des Neuen Bundes für Menschen, welche die spezielle, erlösende Gnade Gottes erfahren haben. Keineswegs darf das der Welt auch blind übergestülpt werden.
In wirtschaftlicher Hinsicht wird der Fakt ausgeblendet, dass Umverteilung und der Einsatz des Staates als Konkurrent der Privatwirtschaft auf lange Sicht zum Stillstand und dadurch zu mehr Armut führen muss. Es ist das Verdienst der freien Marktwirtschaft und des guten Einsatzes von Reichtum, dass eine Wirtschaft florieren kann. Nur in der Marktwirtschaft können neue Arbeitsstellen geschaffen werden. Wohin es führt, wenn zu viele Menschen vom Staat leben müssen – sei es als Angestellte oder Sozialhilfeempfänger – lässt sich zur Zeit in Griechenland feststellen.
So ist es nun an der Zeit, dem Neid „adé“ zu sagen. Nicht ohne Grund wird dieser in den Zehn Worten in 2. Mose 20, 17 als Sünde angeprangert. Er ist zerstörerisch – für den einzelnen Menschen und die ganze Gesellschaft. Statt noch mehr Umverteilung zu fordern, täten wir gut daran, für die vielen Firmen in der Privatwirtschaft dankbar zu sein, die den Reichtum für die Allgemeinheit einsetzen, um noch mehr Arbeitsplätze zu schaffen und mehr Umsatz zu erzeugen. Und nicht vergessen, wie viele Menschen es gibt, die ihren privaten Reichtum in Stiftungen einsetzen, um Armut, Hunger, Analphabetismus und Hoffnungslosigkeit in der Welt zu bekämpfen.

Ein puritanischer Glaubensgrundkurs

Wer mich kennt, weiß, dass ich häufig das Lesen von alten Büchern – insbesondere aus der Zeit der Reformation, der Puritaner und des frühen Methodismus – empfehle. Ab und an kommt dann die Frage: Alles gut und recht, aber wo fange ich an?
Eins der Bücher, die ich da besonders gern empfehle, ist ein kleiner Glaubensgrundkurs von Henry Scougal. Dieser Mann wurde 1650 in Schottland geboren. Sein Vater war über 20 Jahre lang Bischof von Aberdeen. Mit 15 Jahren begann Henry seine theologische Ausbildung und wurde mit 22 Jahren zum Pastor ordiniert. Ein Jahr später kehrte er an die Universität zurück, wo er die restlichen fünf Jahre seines Lebens als Theologieprofessor lehrte. Mit 27 Jahren starb er – viel zu früh, möchte man sagen – an Tuberkulose.
Sein wichtigstes Werk ist ein ausführlicher Brief an einen Freund, in welchem er den christlichen Glauben vorstellt. Kurz vor seinem Tod hat er den Inhalt dieses Briefs noch überarbeitet und für den Druck freigegeben. Es erschien unter dem Titel „The Life of God in the Soul of Man“ (Das Leben Gottes in der Seele des Menschen) und ist als schönes PDF kostenlose online zu finden (Link).
Dieses Büchlein hat schon vielen Menschen geholfen, einen Durchbruch zum echten Glauben zu finden. Etwa der Erweckungsprediger und Evangelist George Whitefield hat erzählt, dass seine Bekehrung, nach der er lange gesucht und gestrebt habe, erst durch das Lesen von Scougals Buch bewirkt wurde.
Scougal beginnt damit, zu erklären, was wahrer Glaube ist und was nicht. Er definiert den Glauben als „Göttliches Leben“ (Divine Life) und erklärt das recht ausführlich. Dem Glauben als „göttliches Leben“ stellt er das natürliche oder „tierische Leben“ (animal life) des Menschen gegenüber. Der Mensch ist für etwas Besseres gemacht als dieses animal life, deshalb macht er sich schuldig gegenüber Gott, wenn er sich von der tierischen Selbstliebe und Egoismus leiten lässt.
Was den Unterschied ausmacht, das ist das Leben, welches Gott im gläubigen Menschen lebt: Er erfüllt den Menschen mit Liebe zu Gott, und diese Liebe zu Gott führt weiter zur Liebe gegenüber den Mitmenschen. (Nebenbemerkung: Das ist eine ganz wichtige Sache, dass wir diese Reihenfolge beibehalten. Zuerst kommt die Liebe zu Gott, die automatisch zur Nächstenliebe führt und nicht umgekehrt! Das wird im 21. Jahrhundert zu oft vergessen und verwechselt!) Davon ausgehend wird der gesamte Glaube Stück für Stück angeschaut und daraus viele wertvolle Lehren und Konsequenzen für unser tägliches Leben gezogen. Das kurze Büchlein (84 Seiten) ist relativ leicht zu lesen, an den Stil muss man sich halt gewöhnen („doth“ statt „does“, etc.).
Ich habe das Buch leider bisher noch nicht auf deutsch gefunden. Falls jemand etwas davon weiß, bin ich dankbar um Hinweise.

Die Irrtumslosigkeit der Bibel

Wir haben bereits gesehen, was es bedeutet, dass die Bibel von Gott inspiriert ist. Jetzt geht es noch darum, dass sie in ihrer Inspiration vollkommen irrtumslos ist. Das betrifft die gesamte Bibel, Buch für Buch, Kapitel für Kapitel, Vers für Vers und Wort für Wort. Der Begriff Irrtumslosigkeit bedeutet, dass die Autographen (so nennt man die originalen Handschriften, die allerdings heute nicht mehr vorhanden sind) in den Originalsprachen keinen einzigen Fehler oder Irrtum enthalten.
Das Buch der Offenbarung hat als letztes Buch die gesamte biblische Offenbarung beendet. Deshalb heißt es dort: Fürwahr, ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand etwas zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht; und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott wegnehmen seinen Teil vom Buch des Lebens und von der heiligen Stadt, und von den Dingen, die in diesem Buch geschrieben stehen.(Offenbarung 22, 18 – 19) Diese Worte des Herrn Jesus Christus müssen wir ernst nehmen – es steht viel auf dem Spiel!
Gerade weil die Bibel ja in dynamischer Weise inspiriert ist, haben die verschiedenen Autoren der biblischen Bücher auch unterschiedlich geschrieben. Der Evangelist Lukas war Arzt, weshalb seine Berichte auch wissenschaftlich viel exakter waren. Petrus, dessen Bericht von Markus aufgeschrieben wurde, war ein einfacher Fischer und hat aus der Sicht des einfachen Volkes geschrieben. So kommt der Charakter und die Persönlichkeit der einzelnen Autoren immer wieder zum Vorschein. Deshalb ist es auch kein Widerspruch gegen die Irrtumslosigkeit, wenn jemand schreibt, dass die Sonne auf- und untergehe. Das entspricht einfach dem, was die Menschen gesehen haben und ist deshalb korrekt.
Interessant ist, dass Jesus ganz viel aus dem Alten Testament zitiert und damit bestätigt hat. Ganz besonders oft waren das gerade die Berichte des Alten Testaments, die heute besonders unter Beschuss stehen:
– Schöpfung und Ehe (Matthäus 19,5)
– Sintflut und Arche Noah (Lukas 17,26-27)
– Sodom und Gomorrah (Lukas 17,28-29)
– Tyrus und Sidon (Matthäus 11,21-22)
– Die Beschneidung (Johannes 7,22)
– Das Passah (Matthäus 26,2)
– Das Gesetz (Johannes 7,19)
– Die Gebote (Matthäus 19,7-9)
– Der brennende Dornbusch (Markus 12,26)
– Jona und der Riesenfisch (Matthäus 12,40)
– Die Buße Ninives (Matthäus 12, 41)
– David, der Schaubrote aß (Matthäus 12,3)
– Die Dürre zur Zeit Elias (Lukas 4,25)
– Die eherne Schlange (Johannes 14-15)
und so weiter. Jesus hat also bestätigt, dass alle diese Begebenheiten, von denen das Alte Testament berichtet, vollkommen wahr sind.
Wir haben bereits gesehen, dass Gott die Persönlichkeit der einzelnen Autoren nicht ausgeschaltet hat, sondern jeder so schreiben lassen, wie es ihm entspricht. Das ändert nichts an der Irrtumslosigkeit der Bibel. Genau dasselbe gilt auch für verschiedene grammatikalische Konstruktionen, die manchmal auf den ersten Blick „falsch“ aussehen. In Wirklichkeit haben uns diese Konstruktionen eine ganze Menge zu sagen. So wird etwa dem Heiligen Geist (das hebräische Wort Ruach ist weiblich und bedeutet Wind, Atem, Hauch, Geist) manchmal ein Verb in der männlichen Form beigefügt. Dies ist kein Fehler, sondern fordert uns auf, danach zu suchen, was uns diese Konstruktion zu sagen hat.
Das bedeutet aber auch, dass wir aufgerufen sind, die Bibel als eine Sammlung vieler historischer Dokumente zu sehen, die uns auch in Bezug auf das, was sie erzählen, völlig zuverlässig sind. Die Bibel versucht nicht einfach, Unerklärliches zu erklären, sondern gibt uns vor, was korrekt ist. Sie sagt uns, dass alles einen Schöpfer hat, der die Naturgesetze geschaffen hat und immerzu dafür sorgt, dass wir uns auf jene verlassen können. Ein Naturgesetz wohnt nicht einfach „automatisch“ in einer Sache drin. Es muss erschaffen und erhalten werden. Ein Wissenschaftler, dessen Aufgabe es ist, die Realität zu sehen, zu betrachten, zu beschreiben und zu untersuchen, muss sich in dieser Hinsicht auf den Schöpfer verlassen – selbst wenn er dessen Existenz verleugnet.
Was passiert aber, wenn wir als Christen anfangen, die Irrtumslosigkeit der Bibel zu bezweifeln oder gar abzustreiten?
1) Wir bekommen ein Problem mit Gottes Charakter. Plötzlich ist Gott nicht mehr zuverlässig. Gott wird zum Lügner. Und wir müssen uns fragen: Wenn Gott ein Lügner ist, müssen wir als Gottes Nachahmer dann auch zu Lügnern werden?
2) Wir bekommen ein Problem mit der Frage, worauf wir uns verlassen können. Wenn die Bibel Irrtümer enthält, was ist dann der Maßstab dafür, um Irrtum von Wahrheit unterscheiden zu können? Es wird nicht nur alles subjektiv, sondern wir können damit auch gleich die ganze Bibel in die Tonne kloppen.
3) Wir bekommen ein Problem mit uns selbst. Am Ende kommt es nur noch auf uns selbst an – wir sind dazu verdammt, unser eigener Maßstab zu sein und uns ein Leben lang um uns selbst zu drehen. Jeder Mensch, der einigermaßen realistisch denkt, kann dies nur als Fluch sehen, da er weiß, wie wenig Verlass auf sich selbst ist.
Die Worte des Herrn sind reine Worte, in irdenem Tiegel geschmolzenes Silber, siebenmal geläutert. Du, o Herr, wirst sie bewahren, wirst sie behüten vor diesem Geschlecht ewiglich! Es laufen überall Gottlose herum, wenn die Niederträchtigkeit sich der Menschenkinder bemächtigt.(Psalm 12, 7 – 9)

Einheit in Vielfalt und Vielfalt in Einheit

Gestern habe ich darüber gepredigt, dass Gott Vielfalt liebt, weil die Vielfalt in Gottes Wesen selbst zu finden ist. Im zweiten Teil der Predigt ging es um die Konsequenzen, die sich für die Gemeinde daraus ergeben, die wir in Römer 12, 3 – 5 finden.
Gott der Drei-Eine: Einheit in Vielfalt und Vielfalt in Einheit
Wenn wir über die Welt nachdenken, die Gott gemacht hat, oder über die Gemeinde, die Ihm gehört, dann ist es wichtig, dass wir verstehen, wie alle Dinge dazu gemacht sind, um Gottes Wesen bekannt zu machen. Das Thema Vielfalt und Einheit führt uns zur Lehre von der Dreieinigkeit Gottes. Ein Gott – eine Einheit – in drei Personen. Drei unterschiedliche Personen in einem Gott. Wir finden die Dreieinigkeit schon bei der Schöpfung am Werk: Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Die Erde aber war wüst und leer, und es lag Finsternis auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. (1. Mose 1, 1 – 3) Hier haben wir Gott in drei Personen am Werk: Gott Vater spricht. Das Wort, das Er da ausspricht, ist Gott Sohn, von dem Johannes sagt: Das Wort wurde Fleisch. Und Gottes Geist schwebt über den Wassern. Da haben wir sie alle drei.
Zweites Beispiel: Die Taufe Jesu. Hier finden wir in allen Evangelien die Dreieinigkeit Gottes am Werk: Gott Sohn lässt sich taufen, Gott Heiliger Geist kommt wie eine Taube auf Ihn herab, Gott Vater spricht aus dem Himmel: Da kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber wehrte ihm und sprach: Ich habe es nötig, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt so geschehen; denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen! Da gab er ihm nach. Und als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser; und siehe, da öffnete sich ihm der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabsteigen und auf ihn kommen. Und siehe, eine Stimme [kam] vom Himmel, die sprach: Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe! (Matth. 3, 13 – 17)
Wem das noch nicht reicht, der kann auch den Epheserbrief aufschlagen und im 1. Kapitel die Verse 3 – 14 lesen. Dort beschreibt Paulus, wie die drei Personen der göttlichen Dreieinigkeit das Werk der Erlösung unter sich aufgeteilt haben: Gott Vater sendet Gott Sohn, Gott Sohn vollführt die Erlösung am Kreuz, Gott Heiliger Geist wendet diese auf uns ganz persönlich an. Es gäbe übrigens noch genügend Beispiele mehr.
Vielfalt und die Schönheit der ganzen Schöpfung
Und dann werfen wir einen Blick auf die Schöpfung und sehen diese unaussprechlich große Vielfalt: Abertausende Arten von Tier, Pflanzen, Gesteinen, Himmelskörpern, alles ist aufeinander abgestimmt und passt zueinander. Zwar finden sich überall die Spuren des Sündenfalls, der zum Verderben, Krankheit, Tod, Verschleiß, etc. geführt hat, und doch ist überall ein gut Teil der Schönheit erhalten geblieben. Ich möchte an zwei Beispielen aufzeigen, was passiert, wenn wir die Lehre von Gottes Dreieinigkeit verlassen. Es gibt immer wieder Christen, die meinen, dass ihnen die Dreieinigkeit zu kompliziert wäre und wir deshalb darauf verzichten könnten oder sollten. Noch einmal zur Wiederholung: Die Dreieinigkeit bedeutet Einheit in der Vielfalt.
Islam: Einheit ohne Vielfalt
Wenn wir die Dreieinigkeit aufgeben oder vernachlässigen, dann haben wir auf der einen Seite Einheit ohne Vielfalt. Gutes Beispiel: Der Islam. Im Islam gibt es nur einen Gott, der keinesfalls in drei Personen besteht. Die Dreieinigkeit ist Gotteslästerung für den Moslem. Gott darf keinen Sohn haben. Gott darf nicht für die Sünden der Menschheit sterben können. Im Koran gibt es an mehreren Orten die Rede von der Liebe Allahs, aber die ist nur für Menschen, die für den Islam kämpfen, zu haben.
Das führt dazu, dass alle Menschen gleich werden müssen. Vielfalt hat keinen Wert, sondern ist gefährlich. Im Islam müssen alle gleich denken, handeln, leben, um Allah zu gefallen. Einheit ohne Vielfalt. Und genau diese Vielfalt, die der Realität entspricht, diese Liebe Gottes zu allen Menschen, diese Selbsthingabe Jesu am Kreuz für die Sünden der Menschen, genau das ist es, was für viele Muslime attraktiv am christlichen Glauben ist. Sie wissen als Muslime nicht, ob sie gerettet werden können. Das hängt laut Koran von Allahs Barmherzigkeit ab. Moslem sein rettet nicht, denn im Grunde genommen kann niemand das tun, was Allah gefällt. Diese Unsicherheit ist schrecklich und treibt uns viele Muslime in die Arme, denn bei uns gibt es echte Gewissheit der Erlösung. Aber auch bei Christen kommt es vor, dass man die Einheit überbetont. Immer dann, wenn es gesetzlich wird, ist das der Fall.
Postmoderne: Vielfalt ohne Einheit
Und so, wie man auf der einen Seite vom Pferd fallen kann, indem man die Einheit ohne Vielfalt betont, gibt es auch die andere Seite, die auch nicht besser ist: Vielfalt ohne Einheit. So war es in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts weit verbreitet, zu glauben, dass es keine absolute Wahrheit geben könne, sondern sich jede Kultur und Gesellschaft ihre eigenen Wahrheiten selbst schaffen würde. Dieses Denken war der Postmodernismus. Zum Glück ist dieses unsinnige Denken jetzt schon länger wieder vorbei, nur ist das halt leider in einigen Gemeinden noch nicht angekommen.
Wer jetzt noch wissen will, was das mit der Gemeinde zu tun hat, findet eine Aufnahme der Predigt wie üblich im Archivverlinkt.

Je suis moi-même – ich bin ich selbst!

Erst ist man „Charlie“, etwas später ist man „Niger“, dann ist man auch noch „Juif“ und plötzlich ist man jede Woche etwas Neues. Zunächst mal so viel: Es ist wichtig, dass man sich mit den Dingen auseinandersetzt, die Tag für Tag in der Welt geschehen. Gerade als Christ habe ich den Auftrag: „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden!“(Römer 12, 15) Das ist ein ganz dringender Auftrag, ein Befehl Gottes, der an mich persönlich gerichtet ist. Mich berührt es deshalb zutiefst, wenn ich vom Pariser Attentat oder dem Terror durch Boko Haram oder die Verfolgungen und Brandstiftungen im Niger lese. Das geht mir nahe.
Und ich bin gerade deshalb, weil es mir nahe geht, auch schnell versucht, Solidarität ausdrücken zu wollen. Das geht ganz schnell, indem ich mein Profilbild auf Facebook wechsle und den Hashtag „#JeSuisCharlie“ benutze. Dann gehöre ich auch dazu. Dann darf ich mich zu der großen Menge der Empörten zählen. Dann hab ich was Gutes getan, ich bin ein Held, ich kämpfe gegen das Unrecht. Ich habe „meine Stimme erhoben“.
Täglich bekomme ich im Schnitt etwa zwei bis drei eMails, die von mir wünschen, dass ich eine Petition unterschreibe. Ich habe im Thunderbird inzwischen einen Spezialordner eingerichtet, in dem alle Online-Petitionen via Schlagwortsuche automatisch abgelegt werden. Etwa einmal im Monat überfliege ich die Themen der Petitionen und lasse rund 99% davon im Mülleimer landen. Man darf sich jetzt über mich aufregen, das ist ok. Wer ein Ventil braucht, um seine Wut verdampfen zu lassen, darf auch die Kommentarfunktion meines Blogs nutzen. Allerdings werden Hasstiraden etwa in ähnlichem Abstand wie der Petitionsordner aussortiert.
Ich glaube, Emotionen sind etwas ganz Wichtiges, Wertvolles, Gottgewolltes. Ein Geschenk, das es wert ist, dass wir es hüten und pflegen. Und dazu zähle ich nicht nur die „positiven“ Emotionen. Auch Zorn ist etwas durch und durch Gottgewolltes – genauso wie die Freude auch. Zorn ist eine ganz wichtige – und nur zu häufig vernachlässigte – Eigenschaft Gottes. Gottes Zorn richtet sich gegen die Sünde. Gott hasst die Sünde und deshalb ist Er zornig auf die Sünde. So zornig, weil uns die Sünde von Ihm trennt. Weil sie uns hässlich macht in Gottes Augen. Weil sie uns zerstört.
Und wegen dieser Sünde, die uns hässlich und kaputt macht, ist Jesus Christus auf die Welt gekommen. Er war ebenso zornig auf die Sünde. So zornig, dass Er eine Peitsche aus Seilen machte und damit die Leute aus dem Tempel verjagte, die mit der Sünde der anderen Menschen ein großes Geschäft machten. Der grausame Tod Jesu am Kreuz von Golgatha hat uns in Gottes Augen wieder sauber und schön gemacht. Wenn wir zu Jesus Christus gehören, dann sieht Gott – wenn Er uns anschaut – nicht uns sündige Menschen, sondern Er sieht Jesus Christus. Weil wir in Jesus Christus verborgen sind.
Und deshalb glaube ich, dass Zorn etwas Heiliges ist. Ich meine damit nicht die Wut im Bauch, wenn man neidisch zusieht, wie der Nachbar schon wieder ein neues Auto in der Garage hat. Heiliger Zorn ist eine Antriebsfeder, die uns dazu bringen soll, gegen die Sünde in der Welt zu kämpfen. Als Christen kämpfen wir vor allem mit dem Evangelium gegen die Sünde. Gottes Reich wird dort gebaut, wo Menschen das Evangelium von Jesus Christus hören und zum Glauben kommen. Dort, wo immer mehr Menschen zum Glauben kommen und sich bewusst unter den Gehorsam unter Gottes Wort stellen, nimmt auch in der ganzen Umgebung die Sünde ab. Zeiten der Erweckung werden zum Beispiel dadurch charakterisiert, dass viel weniger Alkohol getrunken wird und es deshalb weniger Schlägereien und Unfälle gibt. Wo immer mehr Menschen zum Glauben kommen, nimmt die Zahl von Ehescheidungen, von Prostitution und Abtreibung automatisch ab. So breitet sich Gottes Reich durch das treue Verkündigen des Evangeliums aus. Das ist die echte Art der biblischen Gesellschaftstransformation.
Immer mehr Gemeinden kommen jedoch davon ab und versuchen, als Gemeinde Politik zu machen. Das ist nicht biblisch, weil es nicht die primäre Aufgabe der Gemeinde ist, Politik zu treiben. Es ist natürlich die Aufgabe der einzelnen Gemeindeglieder, die in der Politik tätig sind (oder werden möchten), nach biblischen Maßstäben fürs Zusammenleben in der Gesellschaft zu suchen. Das ist die indirekte Art der Gesellschaftstransformation, die aber nicht der Gemeinde als solcher gegeben ist.
Ok, zurück zu Charlie Hebdo und Co. Ich glaube, wie gesagt, dass echter Zorn etwas Heiliges ist, was uns antreiben sollte. Und hier möchte ich meinen Zorn nicht durch ein billiges Substitut ersetzen. Ich meine das so: Ich könnte mein Profilbild wechselb und mich in die riesige Masse der Charlie-Hebdos begeben. Dann habe ich etwas getan. Ich habe einen Einsatz gebracht. Ich habe meine Stimme erhoben. Ich fühle mich wieder gut (oder zumindest besser), weil mein Zorn ein Ventil gefunden hat. Aber mein Zorn gegen die Sünde, die unsere Welt beherrscht, möchte ich nicht für einen Teller des Linsengerichts verscherbeln. Er ist mir heilig. Er soll mich anspornen, soll meine Antriebsfeder sein, um in dieser Welt mehr zu bewegen. Ich hege und pflege ihn. Deshalb bin ich nicht Charlie. Ich bin immer noch ich selbst. Und das ist gut so.
Ich glaube, dass es mit der politischen Einflussnahme mancher Gemeinden ähnlich verhält. Das Evangelium treu zu verkünden bringt keine schnellen Erfolge. Manchmal braucht es Jahre und Jahrzehnte, bis man etwas sehen kann. Aber diese langsamen Erfolge sind erwiesenermaßen größer und wertvoller. Sie bleiben für die Ewigkeit. Das ist es, wofür mein Herz brennt und wofür mein heiliger Zorn gepflegt werden soll.

Die Frage nach der Inspiration

Paulus schreibt an Timotheus: Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und was dir zur Gewissheit geworden ist, da du weißt, von wem du es gelernt hast, und weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, welche die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.“ (2. Timotheus 3, 14 – 17)
Alle Schrift ist von Gott eingegeben. Im griechischen Text steht da „theopneustos“, das heißt „gottgehaucht“. Die gesamte Bibel ist somit von Gott inspiriert. Doch was bedeutet nun genau dieses „inspiriert“? Darüber gibt es eine ganze Menge von Debatten, und es ist wichtig, dass wir uns mit der Frage nach der Inspiration beschäftigen. Bevor wir die verschiedenen Theorien zur Inspiration anschauen, zunächst ein Blick auf die wichtigsten weiteren Bibelstellen zum Thema:
Und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu achten als auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, daß keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet. (2. Petrus 1, 19 – 21)
Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. Ihn hat er eingesetzt zum Erben von allem, durch ihn hat er auch die Welten geschaffen; dieser ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens und trägt alle Dinge durch das Wort seiner Kraft; er hat sich, nachdem er die Reinigung von unseren Sünden durch sich selbst vollbracht hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt. (Hebräer 1, 1 – 3)
Auch von den Schriften des Neuen Testaments gilt, was die Autoren über die Bibel sagen. So zählt Petrus die Briefe von Paulus zu den heiligen Schriften hinzu: Und seht die Langmut unseres Herrn als [eure] Rettung an, wie auch unser geliebter Bruder Paulus euch geschrieben hat nach der ihm gegebenen Weisheit, so wie auch in allen Briefen, wo er von diesen Dingen spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen, was die Unwissenden und Ungefestigten verdrehen, wie auch die übrigen Schriften, zu ihrem eigenen Verderben. (2. Petrus 3, 15 – 16)
Paulus macht dasselbe mit den Evangelien: Die Ältesten, die gut vorstehen, sollen doppelter Ehre wert geachtet werden, besonders die, welche im Wort und in der Lehre arbeiten. Denn die Schrift sagt: »Du sollst dem Ochsen nicht das Maul verbinden, wenn er drischt!«, und »Der Arbeiter ist seines Lohnes wert«.(1. Timotheus 5, 17 – 18) Hier zitiert Paulus das Lukasevangelium, nämlich Lukas 10, 7 und zählt es zur heiligen Schrift hinzu.
Und dann gibt es in der Bibel auch einige tausend direkte Zitate, in welchen Gott in direkter Rede zitiert wird. Schon nur wenn wir in der Konkordanz nach „spricht der Herr“ suchen, taucht dies 849x auf. Über 900x zusätzlich in der Vergangenheitsform: „sprach der Herr“. Und auch das Neue Testament enthält viele direkte Zitate Gottes – jedes Mal, wenn der Herr Jesus den Mund auftat, können wir sagen: So spricht der Herr.
Und nun stellt sich die Frage: Was genau bedeutet es, wenn wir sagen, dass die ganze Bibel von Gott inspiriert ist?
1. Diktattheorie
Die erste mögliche Theorie möchte ich „Diktattheorie“ nennen. Sie wird leider häufig mit dem Begriff „Verbalinspiration“ durcheinandergebracht. Die Diktattheorie besagt, dass die Autoren der Bibel Wort für Wort von Gott empfangen und Wort für Wort davon geschrieben haben. Damit wäre es wie in der Schule, wo der Lehrer einen Text vorliest und alle Schüler am Schluss genau diesen Text aufgeschrieben haben sollten. Damit hätte die Bibel nur Gott allein zum Autor. Diese Theorie versucht zwar, das Wort Gottes hoch zu halten, aber die Tatsache kommt dabei zu kurz, dass jeder Autor seinen eigenen Charakter, seine Sprache, seinen Wortgebrauch, und so weiter hat.
2. Liberale Theorien
Es gibt verschiedene liberale Theorien, die im Grunde besagen: Die Bibel enthält Gottes Worte und sie enthält daneben eine Menge Menschenworte, und der Theologe oder der Bibelleser muss versuchen, die Menschenworte davon zu eliminieren, damit am Ende das Wort Gottes übrig bleibt. Die Geschichte und die Erfahrung zeigen, dass jeder Versuch, so vorzugehen, am Ende immer dazu führt, dass man nur das in der Bibel finden kann, was man zuerst an sie herangetragen hat. So hat etwa die „Leben-Jesu-Forschung“ versucht, alle übernatürlichen Elemente aus dem Leben Jesu herauszudestillieren, doch am Ende blieb vom gesuchten „historischen Jesus“ nichts mehr übrig.
3. Existentialistische Theorie
Karl Barth, einer der wichtigsten Vertreter der existentialistischen Theologie, war der Meinung, dass die Bibel nicht per se Gottes Wort ist. Vielmehr war sie einst Gottes Wort (nämlich dann, als der jeweilige Autor sie aufgeschrieben hatte) und sie kann heute wieder zum Wort Gottes werden – aber erst durch die Predigt, erst dadurch, dass der Mensch von Gottes Wort persönlich angesprochen wird. Auch hier haben wir wieder das Problem, dass die Bibel dadurch viel zu wenig ernst genommen wird. Der Mensch wird ins Zentrum gerückt, Theologie wird zur Anthropologie (Lehre vom Menschen).
4. Personalinspiration
Diese Theorie kam vor allem im Zeitalter des Idealismus auf. Nicht die Bibel ist von Gott inspiriert, sondern die Autoren waren inspiriert, weil sie eine besondere Begegnung mit Gott hatten und deshalb ihr menschlicher Geist von Gott erfüllt und damit inspiriert war. Deshalb ist bei der Personalinspiration auch nicht alles, was die Autoren geschrieben haben, 1:1 von Gott inspiriert, sondern alles nur Menschenworte, die vom vergöttlichten Menschenverstand wiedergegeben wurden. Auch diese Theorie nimmt die Größe des Wunders der göttlichen Inspiration nicht ernst genug.
5. Realinspiration
Eine weitere Theorie nennt sich Realinspiration. Sie besagt, dass die Texte der Bibel nicht von Gott inspiriert sind und keinesfalls historisch echt sein müssen, aber die ethischen, sittlichen Themen, die seien von Gott inspiriert. Auch hier kann man dann die Themen frei nach Belieben herauspicken – die Bibel wird der totalen Beliebigkeit des Menschen unterworfen. Deshalb wird auch diese Theorie der Bibel nicht gerecht.
6. Dynamische Verbalinspiration
Die überzeugendste Theorie scheint mir jene zu sein, die ich dynamische Verbalinspiration nenne. Sie besagt, dass Gott verschiedene Menschen gebraucht hat und bei keinem von ihnen den Willen oder die Persönlichkeit ausgeschaltet, sondern im Gegenteil, in einem dynamischen Prozess gerade den verschiedenen Charakter der Autoren gebraucht, um sie am Ende alle zusammen die Bibel schreiben zu lassen, welche wir heute haben. Gott hat diesen dynamischen Prozess überwacht und dafür gesorgt, dass nicht nur alles Nötige in der Bibel zu finden ist, sondern auch dass nichts davon fehlt. Auf diese Weise ist die große Vielfalt, die wir in der Einheit der ganzen Bibel finden, auch ein Hinweis darauf, dass unser dreieiner Gott als der Drei-Eine Vielfalt in Einheit und Einheit in Vielfalt ist.
Freuet euch des HERRN, ihr Gerechten; die Frommen sollen ihn recht preisen. Danket dem HERRN mit Harfen; lobsinget ihm zum Psalter von zehn Saiten! Singet ihm ein neues Lied; spielt schön auf den Saiten mit fröhlichem Schall! Denn des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss. Er liebt Gerechtigkeit und Recht; die Erde ist voll der Güte des HERRN. Der Himmel ist durch das Wort des HERRN gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes. Er hält die Wasser des Meeres zusammen wie in einem Schlauch und sammelt in Kammern die Fluten. Alle Welt fürchte den HERRN, und vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnet. Denn wenn er spricht, so geschieht’s; wenn er gebietet, so steht’s da. (Psalm 33, 1 – 9)