Psalm 1

Psalm 1 (Gedicht)
Glückselig gepriesen von Gott ist der Mann,
von dessen Leben man sagen kann:
Er lebt nicht nach der Gottlosen Rat,
der Sünder Weg ist ihm zu schmaler Grat
auch der Spötter Kreis ist ihm zuwider
drum setzt er sich dort niemals nieder.
Vielmehr liebt er das Wort des HERRN
er liest und überdenkt es gern
er nimmt es auf und setzt es um
das sehn auch die um ihn herum.
Was er gelesen, nimmt er mit,
es folget ihm auf Schritt und Tritt.
So gleicht er einem starken Baum,
mit Bedacht gepflanzt auf feuchtem Raum:
Im Wasserbach streckt er Wurzeln aus,
die Frucht, sie wächst von selbst heraus.
Sein Blätterdach sitzt fest und gut:
Gelingend ist, was er auch tut!
Doch seht, es gibt die andre Seite:
So viele gottesferne Leute,
die von alledem nichts wollen wissen.
Ihr Leben, es ist wie zerrissen:
Wie Spreu, die Winde mit sich wehn.
Das, was sie tun, kann nicht bestehn!
Wenn einst der HERR fragt nach dem Leben,
was können sie für Antwort geben?
„Wir haben, HERR, Dich nicht bedacht!
Nein, wir haben gespottet und gelacht!“
Dann ist es zu spät, denn das Gericht
rafft sie hinweg, das ist im Licht.
Wo immer Gemeinschaft mit Gott wird sein,
da wird kein Sünder sein, oh nein!
Denn Gott weiß, wer zu Ihm gehört.
Daran ändert nichts, was man auch beschwört
Ein Leben ohne Gott, so ist’s nun mal,
führt ins Verderben, und das fatal!
(frei nach Psalm 1)
22. 08. 2012, Jonas Erne

O Mensch, der eilig dich erhebest

O Mensch, der eilig dich erhebest
O Mensch, der eilig dich erhebest
in eitel Stolz und Selbstvertraun
siehst nicht, wie nichtig all dein Streben
auf eigne Gerechtigkeit zu baun.
Wie schnell kommt doch des Tages Grauen,
das alles weit ins Lichte rückt
wo du dich selber musst beschauen,
dein Auge all dein Tun erblickt
Die Dinge, die in finstern Ecken
wir lange haben weg versteckt,
damit wir selbst uns nicht erschrecken
und keiner das Wahre uns entdeckt
Doch sieh, der Nacht folgt immer Licht
und leuchtet aus den letzten Fleck.
Der helle Tag ist das Gericht:
Da kommt zum Vorschein all der Dreck,
den lieber wir verstecken wollen.
Doch gibt’s die andre Lösung heute
für jeden, der es noch bereute,
im Leben, was er tat.
Und bracht‘ dem Herrn auf Golgatha
die Schuld wie als ein Opfer dar
dem Herrn der größten Liebe,
der auf sich nahm die Hiebe
und alle unsre Schuld.
Jonas Erne, 21. 08. 2012

Timotheus Magazin #8: Demut

Timotheus Magazin #8: Demut
Demut – ein unpopulärer und oft auch unverstandener doch nicht unwichtiger Begriff christlichen Lebens wird in der achten Ausgabe des Timotheus-Magazins zum Thema gemacht. Ein mutiger Schritt, der aber vielen Lesern – mich inbegriffen – zum Segen werden soll. Das ganze Magazin überzeugt mit liebevoll gestaltetem, zurückhaltendem und dadurch das Wort in den Mittelpunkt stellenden Design. Einziger Punkt, der mir persönlich negativ auffiel, ist die weiße Schrift auf dem hellen Hintergrund der Titelseite. Da würde ich mir um der Leserlichkeit willen etwas mehr Kontrast wünschen.
Die verschiedenen Beiträge sind sehr wertvoll für unser Leben als Christen. Schon der Lead-Text des ersten Beitrags ist aufrüttelnd: „Es ist geradezu bizarr: Während Jesus einen Weg der Selbstverleugnung, Entbehrung und Erniedrigung ging, wollen wir „Christen“ besser leben als der Sohn Gottes selbst. Wir strotzen vor Selbstbewusstsein und verwirklichen uns selbst. Darüber haben wir längst vergessen, wem wir eigentlich „folgen“. Ein Plädoyer auf den Pfad der Demut zurückzukehren!“ Peter Voth, der Autor jenes ersten Beitrags, schildert in bewegenden Worten den Weg der Demut, den der Herr Jesus gegangen ist und zeigt auch ganz praktisch für jede und jeden von uns auf, wie der Weg der Demut, der Weg unter dem sanften Joch Jesu, das Ruhe verschafft, aussieht.
Im zweiten Beitrag „Mahnung zur Demut“ schreibt Waldemar Dirksen von der Warnung Jesu vor der Ehrsucht und dem Stolz, den er beschreibt: „Während der Demütige darauf bedacht ist, sich selbst zu erniedrigen, nutzt der Stolze jede Gelegenheit, um sich selbst zu erhöhen.“ Von besonderer Freude für mich war der dritte Beitrag über die Lektionen, die Charles H. Spurgeon in Sachen Demut lernen musste. Bei ihm bemerkt man, dass seine Vollmacht in der Predigt nicht nur aus dem guten Bibelwissen kommt, sondern vor allem aus der Lehre der Gnade und aus diesen persönlichen Lektionen in der Demut. „Spurgeon hatte es schon durch das Evangelium gelernt und nun durch diese schwere Lektion noch mehr verstehen können. Es heißt ganz praktisch, dass wir uns auch im Leid und Feindschaft nicht um uns selbst drehen. Christi Ehre und das Wohl des anderen soll mir wichtiger sein als ich selbst.“
Sodann folgt ein weiterer lesenswerter Beitrag von Hans-Jürgen Holzmann über „Demut unter Menschen“. Er zeigt sehr schön auf, dass Demut die einzig richtige Haltung des Gläubigen zu Gott und zu seinen Mitmenschen ist. „Demut unter Gott bedeutet zu wissen, dass der souveräne Herr den Plan und die Kontrolle hat. Es bedeutet zu wissen, dass alle – auch für uns unverständlichen – Dinge dauerhaft zu unserem Besten sein werden.“ Dies ist die Grundlage für ein Leben der Demut, ja es ist die Grundlage überhaupt für ein Leben mit dem Herrn Jesus. Und es hat Konsequenzen für unser Leben.
Darauf folgt ein Auszug aus der Biographie von Iain H. Murray über den amerikanischen Prediger John MacArthur „Dienst am Wort und an der Herde“. Auch MacArthur musste seine Lektionen in der Demut lernen. Die Biographie ist übrigens im Betanien-Verlag erhältlich und der Auszug macht Lust auf mehr.
Auch der letzte Beitrag, eine Art Kurz-Studie dessen, was Paulus im Philipperbrief über Demut sagt, macht Freude zu lesen. Hans-Werner Deppe schreibt: „Wir sollen von derselben Gesinnung geprägt sein wie Christus: demütige Selbsterniedrigung, die vom Herzen ausgehend dazu führt, nicht für sich selbst, sondern dem Herrn gehorsam und anderen dienend zu leben.“
Alles in allem enthält die Zeitschrift viele wertvolle Gedanken und animiert zu echter, hingegebener Nachfolge. Ich möchte die Zeitschrift, die man hierabonnieren oder verschenken kann, herzlich weiter empfehlen. Sie ist von Menschen gemacht, die dem Herrn mit ganzer Hingabe nachfolgen und dies auch weitergeben möchten. Ich freue mich schon auf die nächste Ausgabe!

Wir müssen uns von der Bibel an die Hand nehmen lassen

Gerade ein gutes Zitat bei Prof. Hans Joachim Iwand gefunden:

„Wenn ihr nicht gewillt seid, darauf Rücksicht zu nehmen, in wessen Bereich und Wirklichkeit ihr eintretet, wenn ihr euch nicht von der Bibel an die Hand nehmen lasst, dann freilich werdet ihr gerade die Sache der Bibel nicht begreifen. Ihr werdet sie zerschlagen und auseinandernehmen wie eine Uhr in viele, viele kleine Teilchen, ihr werdet diese Teilchen genau untersuchen und studieren, aber ihr werdet sie nicht wieder zusammensetzen können und das Uhrwerk – der ihm eigentümliche Gang und Stundenschlag – wird vernichtet sein.“ (H. J. Iwand, Nachgelassene Werke, Bd. 1: Glauben und Wissen, S. 272)

Postmoderne Geschichtenerzähler und die Veränderung des Denkens

Postmoderne Geschichtenerzähler und die Veränderung des Denkens
Und paßt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern laßt euch [in eurem Wesen] verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist. (Römer 12, 2)
Wir Menschen der Postmoderne lieben Geschichten. Wir lieben sie so sehr, dass viele Prediger inzwischen auf den Zug des Geschichtenerzählens aufgesprungen sind, sodass manche Predigten zu einer Art Geschichtenmarathon geworden sind. Ich möchte zuerst aufzeigen, warum wir Geschichten so sehr lieben, danach diese Gründe auf den Vers von Paulus aus dem Römerbrief beziehen und zum Schluss aufzeigen, wie in der Bibel Geschichte und Geschichten erzählt werden und was wir daraus lernen können für unser eigenes Leben.
1. Warum wir Geschichten lieben
Die Gründe hierfür kann man in bewusste und unbewusste, bzw. in vordergründige und hintergründige Arten von Gründen einteilen. Die bewussten und damit vordergründigen hören sich in der Regel sehr positiv an:
– Diese Geschichten kommen direkt aus dem Leben.
– Diese Geschichten bewirken etwas in mir.
– Diese Geschichten kann ich mir gut einprägen.
Nichtsdestotrotz muss man festhalten, dass durch diese Geschichten sehr wenig wirkliche, bleibende Veränderung (die Bibel nennt das „Frucht“) festzustellen ist. Deshalb müssen wir uns auch mit den unbewussten, hintergründigen und plötzlich nicht mehr so positiven Gründen unserer Kultur der Geschichten befassen:
– Die Geschichten wühlen unsere Gefühle auf und vernebeln damit das klare Denken.Wir haben uns in unserer Gesellschaft (auch als Christen) angewöhnt, die Gefühle als Maßstab für unsere Situation zu betrachten. Auch wenn wir das abstreiten oder uns nicht bewusst sind, es ist dennoch so. Wir werden von Kindesbeinen dazu erzogen, nach unseren Gefühlen zu urteilen und zu handeln. Weil uns keine absoluten Maßstäbe mehr beigebracht werden, müssen wir subjektive Maßstäbe suchen; und sobald wir mit dem Willen nicht festen Maßstäben folgen, setzen sich automatisch immer die Gefühle durch und bestimmen unser Handeln. Wir müssen hier aufpassen, dass wir die Gefühle nicht gänzlich beiseite schieben, denn auch sie sind uns von Gott gegeben und haben ihre bestimmte Funktion, aber innerhalb fester Grenzen des durch Gottes Wort veränderten Denkens. Zurück zu den Geschichten: Sie sind heutzutage immer so aufgebaut, dass sie einem Drama gleichen mit einem Höhe- (besser gesagt Tief-)punkt und dem darauf folgenden Happy-End. Dies lässt den Hörer innerlich mitgehen, er identifiziert sich für die Dauer der Geschichte mit der Hauptperson und das wirkt sich natürlich automatisch auf die Gefühle aus. Der Hörer „fühlt“ sich verändert, während lediglich seine Gefühle mitgegangen sind. Und dies vernebelt sein ganzes Denken, denn einerseits werden die Hormone in Wallung gebracht und andererseits bildet er sich gleich darauf ein, richtig verändert worden zu sein.
– Die Geschichten sind zu persönlich und zu detailreich. Während der Hörer sich bei der Erzählung dieser Geschichte mit der Hauptperson identifiziert, hört dies nach dem Ende der Geschichte plötzlich auf. Man realisiert: ich bin nicht die Person, sondern es ist die andere Person, die das subjektiv und persönlich so erlebt hat. Im Sinne von: Was Gott mit der anderen Person vorhat, wird bestimmt nicht bei mir der Fall sein. Wir werden noch sehen, wie Jesus in den Gleichnissen sehr weise mit diesem Problem umgegangen ist.
– Die Geschichten „müssen“ nicht beurteilt werden. Wir haben als Kinder unserer Zeit eine panische Angst davor, zu urteilen, sehr oft gepaart mit einer Faulheit, die das noch verstärkt. Jesus befahl uns, alles zu prüfen und wachsam zu sein. Bei Geschichten haben wir das Problem, dass sie subjektiv erlebt wurden und deshalb schon als solche „echte Erlebnisse“ gar nicht erst an der Bibel geprüft werden „dürfen“. Denn es ist ja das Erleben jener Person, also „muss“ es echt sein. Alles bewusst in Anführungszeichen, denn das Denken ist falsch. Auch das Erlebte (genauso wie alle unsere Gefühle) müssen an der Bibel ganz klar und bewusst geprüft werden. Mit Geschichten kann man das Problem „Lehre trennt, Liebe eint“ (so ein typisches falsches postmodernes Denken) elegant umgehen.
2. Die Erneuerung eures Sinnes
Unsere Welt liebt Geschichten, weil sie ein schnelles Ergebnis bringen (Stichwort: Konsumgesellschaft), denn sie sorgen für schnelle, schöne Gefühle. Geschichten werden so zu einer Art Droge, was auch in unserer evangelikalen Welt zu einer Art Event-Christentum geführt hat. Um dies wirksam zu bekämpfen, werden nun diese Gefühls-Events durch das Geschichten-Predigen in die einzelnen Ortsgemeinden hineingetragen.
Und genau hier greift das Wort von Paulus: Passt euch nicht dem Weltlauf an. Besser übersetzt: Lasst euch nicht der Welt gleichförmig machen. Wir sollen als Christen nicht gleich sein wie die Welt, sondern uns verändern lassen. Die Schwierigkeit ist folgende: Veränderung hat ihren Preis. Der Welt gleichförmig wird man automatisch. Veränderung kostet Zeit, Kraft, die Bereitschaft, auch weniger beliebt zu sein in der Welt, und so weiter. Wenn wir bei Paulus weiter lesen, wird uns bewusst, was genau verändert werden muss: Nicht die Gefühle, sondern unser Denken. Gefühle sind wie der Wind, sie kommen und gehen wie immer sie gerade wollen. Sie können leicht beeinflusst werden, aber sind sehr unstet. Unser Denken besitzt eine gewisse Konstante, die sich durchaus verändern lässt, aber durch diese Konstante ist diese Veränderung des Denkens mit deutlich mehr Aufwand verbunden. Echte Veränderung des Denkens findet dort statt, wo der Mensch sich und sein bisheriges Denken von Gottes Wort beurteilen und verurteilen lässt und aus dieser Verurteilung dazu geführt wird, das falsche Denken durch richtiges Denken zu ersetzen. Aus dem richtigen Denken gespeist können dann auch erst die richtigen Worte und Handlungen kommen.
Und dann kommt Paulus zum eigentlichen Grund, weshalb wir unser Denken überhaupt verändern lassen sollen: Damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist. Ohne das veränderte Denken sind wir also nicht imstande, Gottes Willen zu erkennen! Ich denke schon, dass der Großteil der Christen wissen möchte, was Gottes Wille für sein Leben ist. Wo wir also unsicher sind, was Gottes Wille ist, da liegt es sehr oft an unserer Unfähigkeit, zu prüfen, was der Wille Gottes ist. Es liegt daran, dass wir am Anfang des Christenlebens stehen bleiben, uns von Events und Geschichtchen hin- und hertreiben lassen, uns dabei zwar für kurze Zeit gut fühlen, aber nicht wirklich im Glauben voran gehen können. Wir stehen uns selbst im Weg. Und das ist eine Katastrophe, die uns tief, tief bestürzen und ins Gebet treiben sollte.
3. Trotzdem Geschichten erzählen?
Mit dem bisher Gesagten wurde über unsere heutige Art, Geschichten zu erzählen, ein vernichtendes Urteil ausgesprochen. Nun mag der Leser einwenden: Das mag ja alles stimmen, aber man hat doch zu allen Zeiten Geschichten erzählt und Jesus war auch ein großer Geschichtenerzähler. In der Tat stimmt dies. Deshalb möchte ich zum Abschluss einen kurzen Exkurs anfügen, wie dennoch Geschichten nach dem Vorbild der Gleichnisse Jesu erzählt werden können.
Wenn man die Gleichnisse Jesu aus der Vogelperspektive überfliegt, so fällt auf, dass sie alle Konstrukte sind, die der Verdeutlichung eines bestimmten Umstands dienen. Sie gleichen einem Strichmännchen beim „Sonntagsmaler“, das eine bestimmte Tätigkeit zeigen soll. Sie sind auf das Wesentliche gekürzt, es sind keine Wendungen darin enthalten, die Anlass geben, sich mit der Person auf emotionaler Ebene zu identifizieren. Es sind keine unnötigen Details enthalten, jedes Detail, jeder Nebensatz dient lediglich der Verdeutlichung der Hauptaussage des Gleichnisses. Abgesehen von Lazarus wird keine Person mit Namen genannt, und auch dort nur, um aufzuzeigen, dass im Himmel die Namen der Gläubigen bekannt sind und um dies in den Gegensatz zum „unbekannten“ reichen Mann zu setzen. Ansonsten geht es immer um einen Sämann, einen König, ein Ackerfeld, ein Knecht, und so weiter. Deshalb fällt die Anwendung auf die eigene Person auch viel leichter. Und genau das bezwecken diese Geschichten Jesu auch. Es geht um die Anwendung, also um die Veränderung des Denkens und dadurch des Handelns.
Wenn wir also Geschichten erzählen wollen, so ist es wichtig, dass danach der Zusammenhang auf jeden einzelnen Hörer ganz deutlich herausgearbeitet wird. Geschichten verändern nicht von sich aus, es ist die aus ihr gewonnene Lehre, die, auf den Hörer angewandt, zu einer Veränderung führt. Jesus gibt uns als ein wunderbares Beispiel die Deutung vom Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld. Er wendet es Schritt für Schritt auf seine Zuhörer an. Nach diesem Vorbild können auch wir vorgehen. Aber wir dürfen niemals bei der Geschichte stehen bleiben und den Rest dem Hörer überlassen. Die Hauptaufgabe bei jeder dieser Geschichten ist die Auslegung und Anwendung auf den einzelnen Hörer. Ebenso müssen wir lernen, sie so zu beschränken, dass jedes Detail dann tatsächlich auch angewandt werden kann. Und dies ist eine ganz große Herausforderung in einer Zeit, von der Paulus sagte, dass die Menschen „immerzu lernen und doch nie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können“ (2. Tim. 3, 7) und den Fabeln hinterherjagen und dem, was in den Ohren kitzelt (also dem, was sich gut anfühlt).
Hier ist unsere große Verantwortung, zur Gleichförmigkeit mit der postmodernen Welt ein klares „Nein“ zu haben und uns gegen diese falsche Kultur des Geschichten Erzählens zur Wehr zu setzen. Sei gesegnet mit der Kraft Gottes dazu!

Freude an Gott

Freude an Gott
Wir leben in einer Zeit, in welcher man viel davon spricht, was Gott für uns getan hat, was Er für uns tut, was Er uns schenken möchte, was Er für uns bereit hält – aber wo wird noch darüber gepredigt, wer und wie Gott ist? Wo wird man noch dazu herausgefordert, sich auf den eifernden, eifersüchtigen, feurigen, mit Inbrunst liebenden aber auch über das Unrecht zürnenden Gott einzulassen? Es ist wunderbar, wenn wir uns an dem erfreuen können, was Gott alles für uns tut, getan hat, geschaffen hat – alles zu unserer Freude. Aber wie viel größer und besser ist eine Freude an Gott um Gottes Willen! Der Herr Jesus sagte: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Heute würde Er wohl sagen: Selig sind, die nicht empfangen und doch Freude haben!
Die schlimmste Sünde oder anders gesagt: die Sünde schlechthin, wird in Jeremia 2, 13 genannt: „Mein Volk hat eine zweifache Sünde begangen: Mich, die Quelle des lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen zu graben, löchrige Zisternen, die kein Wasser halten!“Es ist die Sünde schlechthin, Gott als die Quelle unseres Lebens zu verlassen, um uns auf eine eigene, selbstgerechte Lebensgrundlage zu verlassen, die kein echtes Leben bringt. Es ist die Sünde schlechthin, Gott als die Quelle unserer Kraft zu verlassen, um uns auf unsere eigene, menschliche Stärke zu verlassen. Es ist die Sünde schlechthin, Gott als die Quelle unserer Freude zu verlassen, um unseren eigenen, weltlichen Freuden einen höheren Platz einzuräumen als Ihm, dem Herrn.
Paulus schreibt im ersten Kapitel des Römerbriefs von dieser Sünde: „Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, da Gott es ihnen offenbar gemacht hat; denn sein unsichtbares Wesen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit Erschaffung der Welt an den Werken durch Nachdenken wahrgenommen, so daß sie keine Entschuldigung haben. Denn obgleich sie Gott erkannten, haben sie ihn doch nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt, sondern sind in ihren Gedanken in nichtigen Wahn verfallen, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild, das dem vergänglichen Menschen, den Vögeln und vierfüßigen und kriechenden Tieren gleicht.“ Was die Menschen also getan haben, war genau dies, was Gott dem Volk Israel durch Jeremia vorwirft: Sie haben Gott als Quelle von allem Guten verlassen und stattdessen die Schöpfung angebetet. Die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit der Schöpfung! Und hier kommt nun, was uns alle das angeht: Wie viele Christen freuen sich mehr über die Erlösung, über die Geistesgaben, über die Vollmacht, die Gott ihnen gibt, über ihren Mund, mit dem sie Gott bezeugen können oder über ihre Gelehrsamkeit, mit der sie über göttliche Dinge philosophieren können, als über Gott Selbst! Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden. Da geht es nicht einfach nur um „die Ungläubigen da draußen“, nein, da sind wir alle herausgefordert, uns zu prüfen!
Eines Tages, wenn die ganzen Gerichte vorbei sein werden, und die Ewigkeit begonnen hat, dann werden wir sehen, wie das sein wird. Dann wird die Erlösung nicht mehr nötig sein, denn es wird in Gottes Gegenwart nur noch Erlöste geben. Es werden keine Geistesgaben mehr gebraucht, denn Gottes Reich wird vollkommen zu Ende gebaut sein. Es wird auch kein scharfsinniges Nachdenken oder ein gutes Mundwerk mehr nötig sein. Das Einzige, was dann noch zählen wird, ist die Frage, ob wir gelernt haben, Gott als Quelle unserer Freude zu sehen und zu genießen. Das höchste Ziel des Menschen ist es, Gott zu erkennen und sich an Ihm zu erfreuen. Und je mehr wir uns an Ihm erfreuen, desto mehr ist Er geehrt. Das heißt nun für uns, dass tatsächlich die Freude am Herrn unsere Stärke ist, und wenn wir zu Gottes Ehre leben wollen, sind wir dazu herausgefordert, diese Freude am Herrn zu suchen und darin zu wachsen. Wenn am Schluss eine Ewigkeit lang (und die ist dann doch eine recht lange Dauer) nur noch Gott da ist, wird sich zeigen, ob wir dies gelernt haben. Und ich kann mir vorstellen, dass es für manche von uns, die sich nie darum gekümmert haben, sondern immer nur die weltliche Freude oder die Freude an der Schöpfung und an den Gaben Gottes kennengelernt haben, wird diese Zeit wohl auch nicht ganz einfach sein.
Unsere Zeit prägt uns zu einer Konsumgesellschaft, die sich an dem erfreut, was man schnell haben kann. Freude an Gott ist nichts, was einem einfach so zufliegt. Man kann sie auch nicht kaufen. Sie will erarbeitet werden. Aber sie ist es wert, erarbeitet zu werden, denn sie ist es, was in der Ewigkeit bleibenden Bestand haben wird.
Gottes Befehl an uns, dass wir uns zu jeder Zeit freuen sollen, ist gewissermaßen ein Dilemma, in dem wir alle stecken. Denn niemand kann Freude „machen“. Freude ist eine Frucht des Geistes, und kann deshalb nur empfangen werden. So, wie der Baum sich nicht entscheiden kann, im Frühjahr Frucht zu tragen, ist es auch für uns nicht möglich, Freude durch einen reinen Akt des Willens zu empfangen. Sonst wäre es keine Frucht des Geistes, sondern eine Frucht des Willens. Nun haben wir einerseits also einen Befehl, der uns sagt, dass wir uns allezeit freuen sollen, andererseits aber keine Möglichkeit, diesen Befehl aus eigener Kraft zu befolgen. Ich glaube, dieses Dilemma ist eben gerade deshalb perfekt für uns gemacht, weil es uns in die Ver-Zwei-flung und in die Ent-Täuschung treiben soll.
Die Verzweiflung ist der Zustand, in welchem wir gewahr werden, dass es zwei (oder mehr) Dinge gibt, die man tun sollte, aber unter keinen Umständen selbst zusammenbringen kann. Deshalb ist Verzweiflung der Zustand der äußersten Not des Hin- und Hergerissenseins zwischen zwei oder mehr Möglichkeiten. Zugleich bewirkt es auch Ent-Täuschung, also den Zustand, der eine Selbsttäuschung beendet. Solange man meint, dass man etwas selbst tun kann, täuscht man sich, deshalb ist diese Enttäuschung sehr hilfreich. Der Mensch in unserer modernen Konsumgesellschaft bildet sich sehr viel auf sich, auf seine Erfahrung, auf seinen Verstand, auf sein Vermögen, seine Erlebnisse und so weiter ein. Er braucht deshalb ganz dringend diesen Zustand der Verzweiflung und der Enttäuschung, um sich ganz neu auf das einlassen zu können, was Gott von ihm und für ihn möchte.
Noch einmal zurück zum Thema: Freude ist eine Frucht des Geistes. Psalm 1 sagt es deutlich, auch Jesus sprach oft von der Frucht, die wir bringen sollen. Im ersten Psalm heißt es von dem Gläubigen, dass er wie ein Baum ist, der an Wasserbächen gepflanzt ist und seine Frucht bringt zu seiner Zeit. Das Bild ist perfekt zugeschnitten auf unser Leben als Nachfolger Jesu. Betrachten wir dieses Bild aus dem ersten Psalm mal im Detail:
  1. Wie ein Baum, der gepflanzt ist. Es ist ganz wichtig, dass wir uns bewusst sind: Gott hat uns da gewollt, wo wir sind. Wir sind in die richtige Zeit, in die richtige Familie, in das richtige Umfeld, an den richtigen Ort, und so weiter, hingestellt. Es ist kein Zufall, dass wir geboren wurden. Es war kein „Unglück“ oder sonst etwas Ähnliches, sondern Gott hat uns gewollt, geschaffen und an den richtigen Ort gepflanzt. Egal, wie schwierig die Menschen um uns sind, Gott hat uns genau zu ihnen geschickt, wir haben eine Verantwortung für den Umgang mit ihnen.
  2. Gepflanzt an Wasserbächen. Ein Baum braucht Wasser, Licht und Nährstoffe für gesundes Wachstum. Deshalb haben wir Gottes Wort bekommen, dazu die Predigt in der Gemeinde, die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen, und so weiter. Auch unsere Gemeinde ist der Ort, an den wir gepflanzt sind. Dort gehören wir hin, denn Gott hat die Predigt von Gottes Wort dazu bestimmt, uns zu helfen, wenn es uns an Glauben mangelt. 
  3. Damit ein Baum stark werden kann und zu einem stabilen Wurzelwerk kommen und an Stärke zunehmen, braucht er ziemlich viel Gegenwind. So sind die Schwierigkeiten in unserem Leben nicht etwa eine Strafe oder eine Art gestelltes Bein von Gott, selbst wenn uns das manchmal so vorkommt. Vielmehr dient es uns zum Besten, damit wir daran reifen, wachsen und stärker werden können. 
  4. Damit ein Baum viel Frucht bringen kann, ist es wichtig, dass er regelmäßig „beschnitten“, also zurückgeschnitten, wird. Bei einem Baum werden nur die stärksten Äste übrig gelassen, der Rest muss tüchtig zurückgeschnitten werden, damit die Kraft des Baumes nicht für die vielen schwachen Ästchen verschwendet wird, die nur wenig Frucht tragen können. Auch in unserem Leben gibt es Dinge, darin sind wir durch Schwierigkeiten und Gegenwind schon stark gewachsen, haben darin Vertrauen auf Gott gelernt, und andere Dinge, die bringen uns immer wieder in Versuchung, ihnen mehr zu vertrauen als Gott. Von solchen Dingen sagte Jesus mal, dass wir sie abhacken und wegwerfen sollen, wenn sie uns in solche Versuchung führen. Also: Unser Auftrag ist es, auf die Sachen freiwillig zu verzichten, die uns von Gott wegführen, und über all unser Tun immer wieder mit uns selbst ins Gericht gehen, uns prüfen, was es in unserem Leben gibt, was uns verführt. Davon spricht Paulus, wenn er in Bezug auf das Herrenmahl schreibt, dass es besser sei, wenn jeder sich selbst richten würde. Wenn wir es nämlich nicht selbst – freiwillig – tun, so muss es Gott tun, denn Er wird alles tun, um uns mit Seiner Liebe festzuhalten und nicht von Ihm weglaufen zu lassen. 
  5. Der Baum bringt Frucht zu seiner Zeit. Im Winter erholt er sich, im Frühjahr wächst er besonders stark, blüht im frühen Sommer und dann kommt die Frucht, die im Herbst dann geerntet werden kann. Die Frucht braucht ihre Zeit, aber sie kommt. Unsere Aufgabe ist es, alles aus dem Weg zu räumen, was die Frucht vom Wachsen abhalten kann. Mehr müssen wir gar nicht, ja, vielmehr: Wir können es gar nicht! Wenn wir unseren Teil dazu täglich tun und mit uns selbst ins Gericht gehen und auf das verzichten, was uns von Gott wegbringt, dann kann es gar nicht anders sein, als dass die Frucht wächst und irgendwann reif ist. Das ist das geistliche Gesetz von Saat und Ernte. Wer mit Tränen sät, wird mit Freuden ernten, sagt die Bibel. Es braucht Geduld, es braucht Ermutigung dazu, es braucht immer wieder damit weitermachen, aber gerade dadurch machen wir den Weg frei für das Wachstum der Freude in Gott.

Selig sind die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten

Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich! (Matthäus 5, 10)
Nachdem der Herr Jesus den Charakter (Verse 3 – 6) und das Verhalten (Verse 7 – 9) eines Gläubigen beschrieben hat, geht Er nun in den Versen 10 – 12 auf die Bereitschaft des Gläubigen ein, um der frohen Botschaft willen Verfolgung, Spott und Hindernisse zu ertragen. Dies ist das Schicksal jedes Menschen, der an den Herrn Jesus glaubt und nach Seinem Wort lebt, gewisse Schwierigkeiten auf sich zu nehmen. Mit anderen Worten: Man kann nicht den Willen Gottes tun, ohne dafür das frühere Leben in der Welt aufzugeben.
Das Leben mit Gott ist immer dem selbstsüchtigen, konsumorientierten und subjektivistischen Leben der Welt entgegengesetzt. Es richtet sich unter allen Umständen nach dem aus, was man als Gottes Willen erkannt hat. Es nennt die Sünde beim Namen und spielt keinen falschen Frieden vor. Und damit wird auch klar, dass sich der weltliche Mensch mit seinem weltlichen, egoistischen Lebensstil davon betroffen oder gar angegriffen fühlt. So kommt es automatisch zu einer Art Verfolgung, auch wenn man dies nicht einmal unbedingt will.
Dennoch gehört die Bereitschaft, eine solche Verfolgung zu ertragen, nun mal einfach zum Leben als Christ dazu. Wichtig ist dabei, dass nicht wir selbst es sind, die eine solche provozieren, denn sonst haben wir sie wahrlich verdient und können uns das nicht „anrechnen“ lassen. Wir dürfen niemanden aus persönlichen Gründen provozieren, einzig und allein die göttliche Gerechtigkeit in unserem Handeln darf dies tun. Sie wird daran erkannt, dass wir es nicht leichtfertig tun, sondern immer nur aus dem Wunsch, das Beste für den Anderen zu wollen. Wer leichtfertig provoziert – oder gar um der Provokation willen – hat nicht verstanden, worum es wirklich geht. Nicht um mich, nicht um meine Gefühle, nicht um mein Denken, sondern einzig darum, dass Gott geehrt und dem Mitmenschen geholfen wird. Alles andere ist nichtig und verderblich.
Auch hier bekommen die Gläubigen eine Verheißung: Denn ihrer ist das Reich der Himmel. Dies ist die achte Seligpreisung. Man kann sie als Makrostruktur folgendermaßen einteilen:
A: Die Armen im Geist → Himmelreich (V. 3)
      B: Die Trauernden → Tröstung (V. 4)
           C: Die Sanftmütigen → Das Land ererben (V. 5)
                D: Nach Gerechtigkeit Hungernde → satt werden (V. 6)
                D‘: Die Barmherzigen → Barmherzigkeit (V. 7)
           C‘: Die im Herzen Reinen → Gott sehen (V. 8)
      B‘: Friedensstifter → Kinder Gottes (V. 9)
A‘: Um Gerechtigkeit willen Verfolgte → Himmelreich (V. 10)
Bei dieser Einteilung betrachten wir die Verse 11 und 12 als Erklärung der letzten Seligpreisung. Dies wird auch durch die wechselnde Anrede begründet. A und A‘ bilden eine Klammer um den ganzen Block der Seligpreisungen mit der Verheißung, dass der Gläubige das Himmelreich erben wird, also in das ewige Leben eingehen wird. Es wird zudem noch einmal mehr deutlich, dass diese Seligpreisungen allesamt auf jeden Gläubigen zutreffen.
Auch die übrigen Seligpreisungen zeigen auf, dass Gott alle unsere Bedürfnisse kennt und sie auch stillen möchte: Die Trauernden haben den Tröster zur Seite, die nach Gerechtigkeit Hungernden haben vom Herrn Jesus die göttliche Gerechtigkeit übertragen bekommen, die Barmherzigen werden selbst mit Barmherzigkeit bedacht. Und in allem drin finden wir die Bedeutung der Gemeinde, welche den Auftrag hat, als Gottes Mund, Gottes Arme, Gottes Hände, Gottes Füße den Willen des Herrn auf der Erde auszuführen.

Selig sind die Friedensschaffer!

Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen! (Matthäus 5, 9)
Die Übersetzung mit „Friedfertige“ kann hier zu einem ziemlich üblen Missverständnis führen, denn nach wie vor geht es nicht mehr um den Charakter des Gläubigen, sondern um sein Verhalten. Das griechische Wort an dieser Stelle wird wohl besser mit „Frieden Machende“ übersetzt. Es geht eben nicht darum, um des lieben Friedens willen zu schweigen, sondern um das aktive Schaffen von Frieden in friedlosen Zeiten.
Doch zunächst wollen wir uns fragen, was in der Bibel mit „Frieden“ überhaupt gemeint ist. Das Alte Testament, welches die Bibel Jesu und der Apostel war, hat hierfür den hebräischen Begriff „Schalom“. In der Grundbedeutung ist mit Schalom zunächst einmal Wohlergehen in jeglicher Art und Weise gemeint. Dies geht von Gesundheit über Freude bis hin zu finanziellem Gedeihen.
Etwas genauer betrachtet ist dieses Schalom jedoch immer an den Geber des Schalom, an den Jahwe des Alten Testaments, gebunden. Er gibt den Frieden, und Er nimmt ihn, wenn notwendig, auch wieder weg. Wer sich von Jahwe abwendet und anderen Göttern nachläuft, der stellt sich gegen Jahwe und hebt deshalb den Schalom Jahwes auf.
Auch die Propheten des Alten Testaments wandten sich gegen andere, nämlich falsche Propheten, welche den Schalom Jahwes dort verkündet haben, wo kein Schalom ist, nämlich im Ungehorsam gegen Jahwe. So hat schon Micha ben Jimla, ganz speziell aber auch Jeremia und andere mehr gegen diese Schalom-Propheten gewettert, weil sie den Königen Israels bestätigen wollten, dass ihr Ungehorsam gegen Jahwe mit dem Schalom Jahwes vereinigt werden konnte.
Schalom machen bedeutet also auch, dass man dort, wo Ungehorsam ist, kein Blatt vor den Mund nehmen darf, sondern aufdecken muss, wo der Ungehorsam gegen Jahwe stattfindet. Denn nur die Beseitigung des Ungehorsams kann den Schalom Gottes wieder erneuern. Der Friede Gottes entsteht also dort, wo Menschen ihre Schuld vor Gott einsehen und die Vergebung annehmen, die der Herr Jesus für uns erkauft hat am Kreuz von Golgatha.
Gerade deshalb ist das Evangelium auch eine frohe Botschaft: Weil der Gott, welcher über die Ungerechtigkeit und Gottlosigkeit in der Welt zürnt, selbst auf die Erde gekommen ist, um diese Ungerechtigkeit gut zu machen, also zu bezahlen, was an Schuld entstanden ist.
Eine andere Art von Schuld entsteht aber auch immer wieder zwischen uns Menschen. Wo die Einen ausgebeutet, die anderen gemobbt, die dritten verletzt und die vierten einsam im Stich gelassen werden, da ist viel Schuld vorhanden, viel Unfrieden. Auch hier sind wir als Gläubige gefordert, einzutreten und Frieden zu machen, wo kein Friede ist. Wir dürfen dort aktiv werden, wo dieser Unfriede herrscht und den Menschen die gute Botschaft vom Frieden mit Gott, mit uns selbst, mit unseren Mitmenschen und unserer Umwelt weitergeben. Wir sind als Friedensstifter geradezu aufgefordert, den Mund nicht zu verschließen, sondern ihn zu öffnen, und echten, wahren Frieden zu bringen.
Als Frieden Machende haben wir eine wunderbare Verheißung: Denn sie werden Gottes Kinder heißen. Wir werden nicht durch unser ganzes Engagement zu Kindern Gottes, sondern weil Er uns als solche adoptiert und als Kinder annimmt. Als solche, die sich für den Frieden einsetzen, brauchen wir selbst zuerst den Frieden mit Gott. Und wenn wir den Frieden mit Gott haben, dürfen wir auch mit uns selbst Frieden schließen. Denn Gott hat uns angenommen, deshalb dürfen wir auch uns selbst annehmen und werden deshalb auch unsere Mitmenschen annehmen und alles dafür tun, dass auch sie ihren Platz in der Familie Gottes bekommen können.
Echtes Frieden Machen ist somit eine durch und durch aktive Aufgabe, die jede und jeder Gläubige bekommen hat. Denn es ist mit unserer Welt im Argen, Unfrieden, wohin das Auge blickt. Unzufriedenheit, Armut, Krankheit, Schmerz, Verletzung, kaputte Menschen, Mobbing, und so weiter. Unsere Aufgabe ist groß, aber da wir den Frieden und so auch die Ruhe und die nötige Kraft dafür von Gott bekommen haben, ist diese Aufgabe kein Ding der Unmöglichkeit, sondern wartet nur noch darauf, dass wir sie anpacken.

Bildung – eine biblische Herusforderung

Bildung – eine biblische Herausforderung
Ich möchte hier keine komplette Ausarbeitung des Themas geben, sondern nur ein paar Gedanken dazu festhalten, die vielleicht eine neue Diskussion anstoßen können. Das Thema beschäftigt mich seit längerer Zeit, und ich wünschte, es würde wieder vermehrt zu einem Thema in unseren Gemeinden werden. Wenn Dich, liebe Leserin, lieber Leser, das Thema auch beschäftigt, so melde Dich bitte bei mir, diskutiere mit, verbreite Deine Gedanken dazu, etc. Vielleicht wird sich eines Tages die Möglichkeit zu einer umfassenderen Ausarbeitung des Themas ergeben.
  1. Bildung ist ein biblischer Auftrag
Von Anfang an ist Bildung ein Bestandteil dessen, was Gott dem Menschen aufträgt. Die allererste Art der Bildung kommt von Gott Selbst, als Er dem ersten Menschenpaar erklärt, was ihr Auftrag ist in dem von Ihm erschaffenen Garten. Gott spazierte mit ihnen durch den Garten und sie redeten zusammen darüber, also Gott bildete die Menschen. Bildung hat somit viel mit Kommunikation zu tun. Anders gesagt: Ohne Kommunikation gibt es keine Bildung. Sie ist in erster Linie der Auftrag an die Eltern (5. Mose 6, 4 – 9), in zweiter Linie aber auch an die Gemeinde (5. Mose 24, 8).
Der Sinn und Zweck der Bildung ist, dass das Wissen und die Gottesfurcht an die nächste Generation weitergegeben wird, damit jede Generation mündig werden kann und nicht hin- und hergeworfen wird von jedem Wind der Lehre (Epheser 4, 14 – 16). Bildung kommt ursprünglich von „Bild“ und bedeutet diese Umgestaltung in das Bild des Herrn Jesus, von der zum Beispiel Paulus spricht (Römer 8, 28 – 30).
Wir sehen also, dass die Bildung in erster Linie ein Auftrag an die Eltern ist, aber auch von ihnen an andere Menschen weiter gegeben werden kann, die im Gesetz des Herrn und im Wissen der jeweiligen Generation unterrichtet sind. Das ist unsere Grundlage für die weiteren Ausführungen.
  1. Das Bildungsmonopol eines gottlosen Staates
Wir leben in einem gottlosen Staat, welcher das Bildungsmonopol unrechtmäßig an sich gerissen hat. Das hat nun Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist, dass dadurch eine allgemeine Bildung garantiert ist, denn gewissenlose Eltern können auf diese Weise ihre Kinder nicht von der Bildung fernhalten. Der Nachteil ist, dass nun ein gottloser Staat über den Inhalt und die Art der Bildung verfügen kann, sowie denjenigen Eltern, die keine entsprechende staatlich anerkannte Ausbildung haben, die Kinder wegnimmt, um sie fremd zu bilden.
Da wir aber die menschliche Obrigkeit achten und ehren sollen, sowie zum Gehorsam verpflichtet sind, solange sie uns nicht dazu zwingt, Gottes Gebote zu übertreten, suchen wir nach Möglichkeiten, um den vom Staat gegebenen Richtlinien zur Bildung zu entsprechen (Römer 13, 1 – 7). Es müssen also solche Möglichkeiten sein, welche 1) den vom Staat festgelegten Richtlinien entspricht, 2) den von Gott in Seinem Wort gegebenen Richtlinien für Bildung, Wissen, etc., entspricht, und 3) für uns als Gemeinden möglich sind.
  1. Möglichkeiten von Gemeinden
Es gibt schon mehrere christliche Kindergärten und Schulen, und dafür bin ich sehr dankbar. Es wäre aber auch sehr gut, wenn wir hier noch zulegen könnten. Fakt ist aber, dass eine Schule nur sehr schwer von einer einzelnen Gemeinde getragen werden kann. Meist braucht es einige Jahre für den Aufbau und Nachweis der bildungsmäßigen Qualität, bis es auch finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite her gibt. Das führt oft zu Engpässen, es ist also ein Projekt, welches mehrere Gemeinden zusammen planen und durchführen müssen.
Und genau hier kommen viele Projekte ins Schleudern, weil die Bereitschaft fehlt, mit den Gemeinden, die man als Konkurrenzbetriebe betrachtet, zusammen zu arbeiten. Am ehesten würde sich ein solches Projekt auf der Ebene der evangelischen Allianz einer Stadt lohnen. Dies würde nicht nur die gemeinsamen Kinder bilden, sondern wäre einerseits ein Projekt, welches die Einheit in der Allianz fördert, andererseits aber auch für die Gemeinden ein neues „Missionsprojekt“, denn eine christliche Schule hat sehr hohe Bildungsstandards und wird somit auch für andere Eltern attraktiv sein.
Des Weiteren braucht man auch die richtigen Lehrkräfte. Für eine bibeltreue Schule braucht es nicht nur bibeltreue Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch welche, die fähig sind, den Kindern die Liebe zu Gottes Wort und zum Leben mit dem Herrn Jesus mitzugeben. Das ist dann die echte Bildung, nämlich diejenige, welche den Kindern wirklich hilft, ins Bild Jesu umgestaltet zu werden.
Sie brauchen aber auch eine dem entsprechende gute Ausbildung. Und genau an dieser Stelle wäre es sehr wichtig, dass man hier mal ansetzen könnte. Wir brauchen eine bibeltreue Lehramtsausbildung für Klassen- und Fachlehrer aller Stufen. Und entsprechend für diese Ausbildung auch Menschen, welche jene Lehrer ausbilden können.
  1. Fazit und Ausblick
Was wir brauchen, ist ein Dreifaches: Bibeltreue Schulen, bibeltreue Lehrkräfte und eine bibeltreue Ausbildungsstätte für Lehrer. Zunächst aber brauchen wir das Gespräch über die vorhandenen Möglichkeiten. Die Bereitschaft zum Gespräch darüber. Eine Plattform, um das Gespräch darüber erfolgen zu lassen. Wenn Du interessiert bist, selbst Ideen hast, oder Dich sonst auf irgend eine Art dazu mit einbringen möchtest, bitte melde Dich. Habe den Mut dazu.

Selig sind, die reinen Herzens sind

Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen! (Matthäus 5, 8)
Hier können wir sehen, was Gott wichtig ist. Diese Seligpreisung ist eine direkte Attacke auf das, was die Pharisäer und Schriftgelehrten sagten. Ihnen war nämlich die äußere Reinheit wichtiger als Reinheit des Herzens. Äußere Reinheit besteht im Befolgen von bestimmten Riten und Geboten, wobei es ihnen egal war, mit welcher inneren Einstellung, mit welcher Herzenshaltung diese Gesetze befolgt wurden. Reinheit im Herzen bedeutet, dass man in seinen Wünschen und in allem, was man tut, Gott gefallen möchte. Es gibt auch falsche Gründe, das Richtige zu tun:
  1. Das Richtige tun aus Egoismus. Sehr oft denken wir, wenn wir nur das Richtige (das von Gott Gewollte) tun, dann haben wir in der Gemeinde, bei der Arbeit oder bei unseren Freunden einen Vorteil. Wir werden gelobt, bekommen vielleicht einen besseren Posten, eine Aufgabe, die wir lieber tun, werden befördert oder ein höheres Gehalt.
  1. Das Richtige tun aus Stolz. Man kann auch aus Stolz das von Gott geforderte tun. Wer aus Stolz gehorsam ist, tendiert dazu, Gott vorzuhalten, wie gut er doch ist und handelt und nimmt sein eigenes Verhalten als Begründung für einen Lohn, der zum Beispiel in einer bestimmten Gebetserhörung besteht. Er ist auch immer sehr schnell dabei, das Verhalten anderer an seinem eigenen Verhalten zu messen.
  1. Das Richtige tun aus Angst. Die Angst vor den Konsequenzen des falschen Verhaltens schafft eine Distanz zwischen Gott und dem Menschen. Angst ist hier ein schlechter Ratgeber. Angst führt zu einem Sklavengehorsam, der seinen Herrn weder erkennt noch erkennen will. Jedoch dienen gerade die göttlichen Gebote dazu, dass man Ihn erkennen und in Sein Bild verwandelt werden soll. Angst ist es auch, die den Satan und seine Scharen zu ihrem Tun antreibt. Insofern ist der aus Angst Gehorsame nicht besser als jene.
Es muss somit das reine Herz eine andere Grundlage zum Gehorsam haben, nämlich Gnade, Liebe, Demut und Freimut. Ein reines Herz sucht also nicht den eigenen Vorteil, sondern lebt zur Ehre Gottes. Es weiß auch, dass alles Gute, das es tut, kein Gewinn ist, sondern einfach das, was es dem Herrn Jesus schuldet. Es weiß: ohne Erlösung wäre es zu gar nichts Gutem fähig. Es kennt auch die Liebe und Güte sowie die Barmherzigkeit und Vergebung durch den Herrn Jesus. Es übt sich beständig darin, zu vergeben, und zwar allen: Seinen Mitmenschen, seinen besonders Nahestehenden, deren Enttäuschungen oft sehr stark schmerzen, sich selbst (das ist nicht selten eine der schwierigsten Aufgaben) und auch Gott. Manchmal ist es notwendig, wenn man sich von Gott im Stich gelassen fühlt, auch hier loszulassen von diesem negativen Gefühl. Er steht über dieser Welt und hat den kompletten Überblick, auch über all die Dinge, die wir gar nicht wissen und berechnen können.
Ein reines Herz bekommen wir, weil Jesus unsere Schuld, unsere Unreinheit am Kreuz weggenommen und bezahlt hat. Es gibt nichts, womit man es verdienen könnte, denn es ist unbezahlbar. Wer ein reines Herz hat, kann vor sich selbst und vor Gott ehrlich werden. Er braucht sich nicht vor dem Licht Gottes zu fürchten, sondern tritt freiwillig und gerne in dieses Licht, um sich prüfen zu lassen. Er kann auf alle Feigenblätter und anderen Verstecke verzichten, denn er ist mit einem reinen Kleid, weiß wie Schnee, mit der göttlichen Herrlichkeit umgeben.
Dies gilt für alle, die wiedergeborene Gläubige sind. Und sie alle bekommen das Versprechen: Wer reinen Herzens ist, der wird Gott schauen. Gott zu schauen bedeutet zunächst einmal, Gott ganz genau kennenzulernen. Wir dürfen Den kennenlernen, Der die ´Himmel und die Erde geschaffen hat. Wie sehr sehnen sich doch manche Menschen danach, jemanden persönlich kennenzulernen, der in einem bestimmten Bereich des Lebens besonders gut ist, zum Beispiel einen Musiker einer guten Band. Oder einen besonders guten Maler oder Romanautoren. Wie viel mehr sollte sich doch jeder Mensch danach sehnen, Den kennenzulernen, welcher der Urheber, Erfinder und Geber von aller Schöpfung und aller menschlichen Kreativität ist! Welch eine Ehre, dass Er bereit ist, uns zu kennen und Sich uns zu erkennen, geradezu zum Kennenlernen, zu geben.
Sodann bedeutet dieses Versprechen aber auch, dass all unsere Neugier, all unsere allzu menschlichen Fragen, gestillt werden sollen. Gottes Charakter zu kennen bedeutet, zu erfahren, warum Gott wann anders handelt als wir uns dies vorstellen. Wir werden erkennen, dass Gottes Plan und Handeln zu jedem Zeitpunkt bis ins kleinste Detail einfach perfekt ist. Dies macht uns dankbar und fröhlich.
Letztendlich ist diese Gottesschau von Angesicht zu Angesicht auch der Grund ewiger Freude. Die Freude im Herrn, weil wir uns von Ihm geliebt wissen. So groß ist Seine Liebe zu uns, dass Er Sein Ein und Alles, Seinen geliebten Sohn für uns hingab. Wir sind mit einem unfassbar großen (teuren) Preis losgekauft worden. Dieser Preis bestimmt nun unseren Wert. Nicht das, was eine Lebensversicherung zahlen würde, sondern der Wert des geliebten Sohnes, der an unserer Statt für unsere Sünde starb.
All dies entstammt nicht irgendwelchen ungewissen Visionen und Träumen, sondern dem Wort Gottes, in welchem Er uns dies Selbst offenbart. Wenn wir bereit sind, unser Herz reinigen zu lassen, müssen wir uns ins Licht von diesem Wort stellen und uns von ihm messen lassen. Es ist der Maßstab für die Reinheit unseres Herzens und unseres ganzen Lebens. Alles, was wir für das Erlangen und behalten eines reinen Herzens wissen müssen, steht da drin. Möge der Heilige Geist unsere Augen für Gottes Wort öffnen und unsere Herzen reinigen und rein erhalten!