Killing Beauty Teil 2: Licht und Ordnung

Im ersten Teil (Link) sind wir mit Justin, Clemens und Irenäus den Spuren einer gefährlichen Schönheit nachgegangen – einer Schönheit, die Wahrheit meint und formt. Jetzt, mit Augustinus, beginnt eine neue Epoche: Schönheit als Ordnung, als Licht, als geistige Architektur.

Augustinus und die geistige Architektur der Schönheit

Wenn man nach einem Menschen fragt, der das Denken des Westens über Schönheit grundlegend geprägt hat – theologisch, philosophisch, geistlich –, dann landet man früher oder später bei ihm: Aurelius Augustinus, Bischof von Hippo, Denker des Übergangs, Konvertit mit schmerzhafter Erinnerung. Bei ihm wird die Schönheit zum Echo der Ewigkeit.

Und mehr noch: Bei Augustinus beginnt etwas, das die Kirche über ein Jahrtausend prägen wird – eine Theologie der geistigen Form: Schönheit nicht als Oberfläche, sondern als innere Ordnung, als Licht des Verstandes, als Zahl in Harmonie.

Doch wie kommt ein spätantiker Rhetoriker in Nordafrika dazu, ausgerechnet Schönheit zum Thema der Wahrheit zu machen?

Die Schönheit, die aufschreit

In seinen Confessiones, den Bekenntnissen, erinnert sich Augustinus an seine Jahre als junger Mann. Er war getrieben, suchend, stolz, klug. Er lebte für die Sprache, für den Glanz der Worte, für das Lob. Aber innerlich war er leer. Als er sich Christus zuwendet, schreibt er einen Satz, der in seiner Schlichtheit erschüttert:

Spät habe ich dich geliebt, o Schönheit, so alt und doch immer neu, spät habe ich dich geliebt. Und siehe, du warst in meinem Innern und ich draußen; und draußen suchte ich dich und stürzte mich in meiner Häßlichkeit auf die schönen Gebilde, die du geschaffen. Du warst bei mir, aber ich nicht bei dir. Weit weg von dir zog mich, was doch keinen Bestand hätte, wenn es nicht in dir wäre. Du hast mich laut gerufen und meine Taubheit zerrissen; du hast geblitzt und geleuchtet und meine Blindheit verscheucht.“
(Confessiones X,27)

Dieser Satz ist kein romantisches Pathos. Es ist der Aufschrei eines Menschen, der verstanden hat, dass wahre Schönheit nicht ergriffen, sondern offenbart wird. Augustinus bekennt: Ich suchte Schönheit in allem – nur nicht in Gott. Und doch war sie da. Nicht in den Augen, sondern in der Seele. Nicht in der Welt, sondern hinter ihr.

Ordnung ist das Erste – und das Letzte

Was ist schön? Für Augustinus ist die Antwort klar: Schön ist, was Ordnung hat. Was Maß hat. Was Licht ist. Nicht das, was glänzt, sondern das, was innerlich stimmt.

Diese schönen Dinge gefallen also aufgrund von Zahl, in der, wie wir schon gezeigt haben, Gleichmaß gesucht wird. Und das findet sich nicht nur in der Schönheit, die das Gehör betrifft und in der Bewegung des Körpers liegt, sondern auch in den sichtbaren Formen – wo der Begriff Schönheit ja noch geläufiger gebraucht wird. Oder meinst du, dass das etwas anderes ist als zahlenmäßige Gleichheit, wenn gleiche Glieder gleichen Gliedern entsprechen und die Einzelelemente eine mittlere Position einnehmen, so dass die Abstände auf beiden Seiten gleich sind? […] Und was ist mit dem sichtbaren Licht, das den Vorrang unter allen Farben hat – denn auch Farbe erfreut uns an Körperformen? Was suchen wir in Licht und Farben anderes, als das, was mit unseren Augen übereinstimmt? Denn allzu grelles Licht meiden wir, und zu Dunkles wollen wir nicht sehen – ebenso wie wir auch allzu laute Töne ablehnen und das bloße Geflüster nicht mögen. Das liegt nicht an den zeitlichen Abständen, sondern am Ton selbst, der gleichsam das Licht solcher Zahlen ist, dem so die Stille entgegengesetzt ist wie die Dunkelheit der Farbe.
(De Musica, VI, 13.38)

Damit mit Schönheit meint Augustinus nicht Präzision, sondern alles, was der Seele Ruhe gibt. Es geht ihm um eine Gleichmäßigkeit, um Ordnung. Schönheit ist nicht Lautstärke, sondern Struktur. Der Kosmos ist schön, weil er geordnet ist. Ein Psalm ist schön, weil er Rhythmus hat. Eine Seele ist schön, wenn sie im Einklang mit Gott lebt. Und je mehr etwas sich in sich selbst verliert, desto schöner wird es. Denn Schönheit ist nicht Selbstinszenierung, sondern Selbstvergessenheit in Gott.

Zahl, Musik, Licht – Schönheit als Spiegel des Ewigen

Augustinus glaubt: Zahl ist Gottes Handschrift in der Schöpfung. Nicht Mathematik im modernen Sinn – sondern das, was das Chaos bindet, das Maß gibt. Alles Sichtbare ist verwoben mit Ordnung. In der Musik etwa sieht Augustinus die Ordnung des gesamten Universums. Töne, Pausen, Wiederholung, Kontrast bilden ein System. Und dieses System verweist auf eine höhere Wirklichkeit. Schönheit ist immer eine Art Abglanz. Wie der Mond das Licht nicht aus sich hat, sondern empfängt, so auch jede Form. Sie glänzt nicht von sich – sie zeigt die Spur des Unendlichen. Darum spricht Augustinus oft vom Licht. Nicht das Licht der Sonne – sondern das Licht des Geistes. Wahrheit ist Licht. Und das Licht bringt Schönheit hervor.

Die innere Welt – und der Kampf um sie

Aber diese Schönheit ist nicht billig. Denn Augustinus kennt auch das Chaos. Sein Leben ist geprägt von Unordnung: Sexuelle Begierde, geistiger Hochmut, religiöse Irrwege. Für ihn ist klar: Das Hässliche beginnt dort, wo das Maß verlassen wird. Nicht das Fleisch ist böse, sondern das Maßlose. Nicht das Sichtbare ist verwerflich, sondern das Ungeordnete. Nicht das Begehren ist falsch – sondern grenzenlose Begierde. Diese ethisch-ästhetische Verbindung ist für Augustinus entscheidend: Das Schöne ist das Gute – und das Gute ist das Wahre. Dreifach verflochten – untrennbar. Und darum auch: gefährlich. Denn wer Schönheit ohne Wahrheit sucht, gerät in die Irre.

Die Kirche als Architektur der Wahrheit

Augustinus ist nicht nur Mystiker – er ist auch Kirchenvater. Für ihn ist Kirche geformte Schönheit. Die Liturgie: rhythmisch, maßvoll, wiederholend. Die Lehre: klar, geordnet. Die Gemeinschaft: ein Leib, viele Glieder – jeder am rechten Ort. Diese Denkweise prägt die Jahrhunderte. In den Jahrhunderten nach Augustinus entstehen Kirchenräume als Theologie aus Stein:

  • – Maß, Zahl, Licht – gotische Fenster, romanische Bögen– Ikonen: nicht individuell, sondern typologisch– Figuren: immer gleich – weil sie nicht Persönlichkeit darstellen, sondern weil sie primär etwas lehren wollen. Die äußere Form wird zum Träger der inneren Wahrheit. Und wo alle Figuren gleich aussehen, geht es nicht um Kreativität – sondern um Klarheit. Nicht die Seele des Malers soll glänzen, sondern das Antlitz Christi.

Wenn wir heute Bilder oder Statuen aus dem Mittelalter anschauen, ist unsere Sicht dieser Zeit von drei Strömungen geprägt, die wir noch im Detail ansehen werden. Jede Form von Kunst ist findet immer auf einem größeren Spektrum von äußerer Realität und innerer Realität statt. Äußere Realität ist das, was man sehen kann, möglichst 1:1 abbilden. Innere Realität sind die Gefühle und Gedanken, die man damit verbindet, die Dinge, die man mit seiner Kunst anderen weitergeben will. Insofern ist Kunst immer eine Form der Kommunikation. Das Mittelalter war stark von der inneren Realität geprägt: Bilder sollten primär lehren, sie waren die Bilderbibel für die Gesellschaft. Heute nehmen Comics eine ähnliche Funktion ein. Sie sind die Bilderbibeln einer nachchristlichen Gesellschaft, die langsam das Lesen verlernt. Mit Superhelden und anderen Erlöserfiguren.

 

Die Klarheit des Seins – Thomas von Aquin und die Schönheit

Wenn Augustinus der Denker der inneren Ordnung war, dann ist Thomas von Aquin der Theologe der sichtbaren Klarheit. Bei ihm wird Schönheit nicht nur geistlich, sondern seinsmäßig gedacht. Schönheit ist kein Beigeschmack, sie ist ein Wesensmerkmal der Wirklichkeit.

Schön wird ja genannt, was, wenn es gesehen wird, gefällt. Es besteht das Schöne deshalb im gebührenden Verhältnisse der Teile zu einander. Denn die Sinne gefallen sich in Dingen, welche gebührende Proportionen in ihren Teilen haben, wie in dem, was mit ihnen Ähnlichkeit hat; ist ja doch auch der Sinn in gewisser Weise Vernunft, sowie jede Erkenntniskraft überhaupt.“
(Summa Theologiae I, 5, 4)

Doch dieses „Gefallen“ ist bei Thomas nicht subjektiv, nicht launisch, nicht emotional. Es ist ein „richtiges Gefallen“ – eine Reaktion auf das, was ist. Schönheit ist nicht Stimmung – sie ist Erkenntnis. Sie gefällt, weil sie wahr ist.

Thomas nennt drei Merkmale des Schönen:

  1. Integritas (Ganzheit):
    Etwas ist schön, wenn es vollständig ist, wenn nichts Wesentliches fehlt. Ein abgebrochener Ton, eine zerstörte Statue – sie erschüttern uns, weil uns das Ganze fehlt. Schönheit ist die
    Gegenwart des Vollständigen.
  2. Consonantia (Harmonie, Proportion):
    Maßverhältnisse, Rhythmus, Zahlen – Schönheit lebt vom Einklang. In Musik, Architektur, Ethik.
    → Wenn Proportion verloren geht, entsteht Spannung. Wenn alles stimmt, entsteht Frieden.
  3. Claritas (Leuchtkraft, Klarheit):
    Hier denkt Thomas augustinisch weiter: Schönheit ist, was leuchtet. Nicht was laut ist. Sie hat
    eine Klarheit, die sich der Seele mitteilt. Nicht Licht als physische Erscheinung, sondern das geistige Leuchten der Wahrheit.

Diese drei Prinzipien gelten für alles Seiende – nicht nur für Kunstwerke.
→ Ein M
ensch ist schön, wenn sein Leben im Maß ist.
→ Eine Handlung ist schön, wenn sie gut und geordnet ist.
→ Ein Gedanke ist schön, wenn er klar und wahr ist.

Schönheit ist objektiv – aber nicht neutral

Für Thomas ist klar: Schönheit ist nicht im Auge des Betrachters. Sondern in der Wirklichkeit selbst. Sie ist nicht eine „Meinung“, sondern eine Eigenschaft – wie Wahrheit oder Güte. Das bedeutet: Schönheit kann täuschen – wenn sie nicht echt ist. Ein schönes Gesicht kann lügen. Eine kunstvolle Lüge kann glänzen. Aber sie ist nicht wirklich schön – weil sie nicht gut ist. Das ist die entscheidende Linie:
Schönheit ist nie nur Form – sie ist immer auch etwas Moralisches, etwas Wahres.
→ Was nicht gut ist, ist nicht schön.
→ Was nicht
wahr ist, ist nicht schön.

Theologie als Ästhetik des Seins

Mit Thomas wird Theologie zu einer Art metaphysischer Architektur:

  • Gott als reiner Akt des Seins – das höchste Maß, das größte Licht
  • Die Welt als Spiegel dieses Seins – fragmentarisch, aber real
  • Der Mensch als Mit-Schöpfer – fähig, Schönheit zu erkennen und weiterzugeben

Deshalb konnte die mittelalterliche Kirche nicht anders, als Kirchen zu bauen, Bilder zu malen, Gesänge zu singen – sie musste Schönheit schaffen. Nicht zur Unterhaltung – sondern zur Wahrheit. Weil Gott die höchste Schönheit ist, zieht er uns an – nicht durch Gewalt, sondern durch Herrlichkeit. Thomas hat es nie so poetisch formuliert wie Augustinus. Aber sein Denken ist wie eine Kathedrale: Klar, hoch, durchdacht, und geordnet auf das Licht hin.

 

Schönheit im Widerspruch – Peter Abaelard und das Denken in Gegensätzen

Zwischen Benediktinermönchen und Scholastikern, zwischen Klang und Konzept, zwischen Anselm von Canterbury und Thomas von Aquin – da steht Petrus Abaelardus.
Brillant. Umstritten. Leidenschaftlich. Und tief verwickelt in eine der seltsamsten, schmerzhaftesten Liebesgeschichten der Kirchengeschichte: Heloise und er.

Aber hinter seiner tragischen Biografie steht ein Kopf, der die Dialektik zum Werkzeug der Wahrheit machte – und damit auch Schönheit auf neue Weise denken ließ.

Sic et Non – das Schöne im Spannungsfeld

Abaelards berühmtestes Werk trägt den paradoxen Titel Sic et Non„Ja und Nein“. Darin stellt er Dutzende Aussagen von Kirchenvätern nebeneinander – die sich scheinbar widersprechen. Nicht, um sie zu zerstören. Sondern um zu zeigen: Wahrheit wächst im Ringen. Schönheit auch. Für Abaelard ist Schönheit kein einfacher Konsens, kein stiller Glanz, kein goldenes Maß – sondern Spannung. Schönheit entsteht dort, wo Widerspruch nicht zerstört – sondern tiefer führt.

Das Schöne ist, was begründet ist

In seinem Werk Theologia Summi Boni beschreibt Abaelard eine tiefe Einsicht: Nur das, was mit Einsicht geliebt wird, ist wirklich schön. Nicht das Gefühl macht etwas schön, sondern das verstandene Gute. Ohne Erkenntnis ist keine Liebe möglich. Und ohne Liebe ist keine Schönheit vollständig. Das ist seine Version von Augustinus’ Liebesordnung, aber mit einem neuen Ton: Liebe braucht Argumente. Schönheit braucht Gründe.

Form braucht Freiheit – und umgekehrt

Abaelard ist auch ein Musiker. Ein Komponist, der neue Harmonien schreibt. Für ihn ist klar: Die schönste Melodie ist nicht die einfache – sondern die, die Spannung aufnimmt und auflöst. So auch in der Theologie. So auch im Leben. Deshalb steht er im Kontrast zu starren Systemen:

  • – Er liebt Ordnung, aber nicht Vereinfachung– Er sucht Klarheit, aber nicht Kontrolle– Er denkt Schönheit in der Bewegung, aber nicht im Dogmatischen

Abaelard lehrt uns: Schönheit darf widersprechen. Sie darf Fragen stellen. Sie darf uns zwingen, genauer hinzusehen. Denn nur dort, wo das Denken reibt, wird das Licht heller. Vielleicht war er der erste, der ahnte: Schönheit ist nicht Synthese – sondern Suche. Und Gott ist schön, weil er nicht passt. Nicht in unsere Logik, unsere Systeme, unsere Bilder.

Nach Justin, Clemens und Irenäus kommt mit Augustinus eine neue Tiefe. Die Schönheit wird geistig. Sie tritt nicht auf – sie formt. Und mit dem Mittelalter beginnt ein riesiges Projekt: Die Wahrheit wird sichtbar gemacht durch Steine, Zahlen, Lieder, Bilder. Schönheit wird Architektur. Nicht dekorativ, sondern pädagogisch. Und damit auch gefährlich still.

Was bleibt?

Augustinus erinnert uns: Schönheit ist nicht Stil. Sie ist Ordnung im Licht. Und wo das Maß verlassen wird, verliert der Mensch seine Gestalt.

Und wie geht’s weiter?

Die Reformation wird diese Ordnung hinterfragen. Schönheit wird verdächtig. Bilder verschwinden. Kirchen werden weiß. Und doch bleibt eine Frage: Was, wenn Klarheit auch schön sein kann? Im nächsten Teil sehen wir, wie Reformatoren und Puritaner Schönheit nicht verwarfen, sondern zurückführten an den Anfang: zum Wort.

Text mit Hilfe von ChatGPT überarbeitet, Bild von Fooocus

Killing Beauty – eine Reise zum gefährlichen Zentrum der Wirklichkeit

 

Kürzlich habe ich hier von der Konferenz Jesus25.net erzählt (Link). Im Nachgang gab es von den Schweizer Bloggern von Daniel Option einen YouTube Talk dazu. Bitte schaut euch das ganze Video an – es lohnt sich sehr. Einen kurzen Abschnitt will ich euch wiedergeben:

Ja, es gibt ein Themenfeld, das mir sehr wichtig scheint, das durchaus mindestens ein Schwerpunkt sein könnte an einer Jesus 27, von der da gesprochen wurde. Und das ist die Weltzugewandtheit des Glaubens und des Evangeliums. […] Der Begriff der Welt wird unterschiedlich benutzt in der Bibel. Es hat etwas Negatives, etwas, das zum alten Äon gehört, zur alten Welt, die vergeht. Und von der wir uns sehr radikal auch abwenden sollen. […] Oder wir sollen nicht denken wie die Welt, zum Beispiel Römer 12 und so weiter. Also da gibt es … Das ist ein Teil des Bildes. Aber es ist immer auch die Liebe Gottes zur Welt, die ihn ja bewegt, Mensch zu werden in Jesus Christus, also so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab. Und ich finde, hier gäbe es eine wichtige Thematisierung dieser Ausbalancierung.“ (YouTube Talk Daniel Option 38:09-39:10 Link)

Diese Worte haben bei mir eine alte Frage neu angezündet: Wie kann eine Weltzugewandtheit aussehen, die nicht ihre Klarheit verliert? Und was hat Schönheit damit zu tun?

Ich predige und blogge schon lange darüber, dass wir sprachfähig werden müssen – was unsere Kultur und unsere Zeit betrifft. Wir brauchen dringend einen Weg, wieder von der Bibel her über Ästhetik und ganzheitliches Leben nachzudenken. Natürlich nicht nur reden – viel mehr leben. Aber vor dem Leben kommt oft das gedankliche Ringen. Vor etwa neun Jahren wollte ich schon mehr dazu schreiben (siehe hier: Link) und bin dann nicht weiter gekommen.

In den kommenden Wochen und Monaten möchte ich mich auf eine theologische Spurensuche begeben: Schönheit wiederentdecken – nicht als Stilfrage, sondern als geistliche Wirklichkeit.

  • In den ersten Teilen werfen wir einen Blick auf die letzten 2000 Jahre Kirchengeschichte: Was haben Christen über Schönheit, Kultur und Wahrheit gedacht?
  • Danach folgt ein Gang durch die Bibel: Wie spricht die Schrift über Schönheit – Schöpfung, Tempel, Opferkult, Kreuz und neue Schöpfung?
  • Am Ende richten wir den Blick auf unsere Gegenwart. Wir fragen, wie eine biblisch geprägte Ästhetik heute sichtbar, erfahrbar, lebbar sein kann – ohne in Kitsch oder Kritik zu verharren.

„Killing Beauty“ ist keine Klage über den Verfall der Kunst. Es ist ein Versuch, Schönheit wiederherzustellen – indem wir sehen, wie sie uns sieht, richtet, heilt, überführt und verändert. Wenn du magst, komm mit. Wir gehen ganz an den Rand – dorthin, wo Schönheit nicht mehr angenehm ist, sondern gefährlich.

Schönheit als Wahrheit – Justin der Märtyrer

Der erste Kirchenvater, der richtig viel darüber nachgedacht hat, war Justin der Märtyrer. Justin war ein Philosoph. Er war auf der Suche nach Wahrheit und hat auf dieser Suche Jesus Christus gefunden. Justin der Märtyrer († um 165) gehört zu den ersten, die versuchten, den christlichen Glauben öffentlich zu denken – in der Auseinandersetzung mit Philosophie, Religion und Kultur seiner Zeit. Und genau da taucht sie auf:
Die Schönheit. Nicht als Schmuck, sondern als Wahrheit.

Ein Gott, der glänzt

Für Justin ist Christus nicht der schönste Mensch im klassischen Sinn – kein Apoll, keine Statue. Sondern der fleischgewordene Logos: das göttliche Wort, die schöpferische Vernunft, die alle Dinge geordnet hat.

Als Christ erfunden zu werden, das ist, ich gestehe es, der Gegenstand meines Gebetes und meines angestrengten Ringens, nicht als ob die Lehren Platons denen Christi fremd seien, sondern weil sie ihnen nicht in allem gleichkommen, und ebensowenig die der anderen, der Stoiker, Dichter und Geschichtschreiber. Denn jeder von diesen hat, soweit er Anteil hat an dem in Keimen ausgestreuten göttlichen Logos und für das diesem Verwandte ein Auge hat, treffliche Aussprüche getan. Da sie sich aber in wesentlicheren Punkten widersprechen, zeigen sie damit, daß sie es nicht zu einem weitblickenden Wissen und zu einer unfehlbaren Erkenntnis gebracht haben. Was immer sich also bei ihnen trefflich gesagt findet, gehört uns Christen an, weil wir nach Gott den von dem ungezeugten und unnennbaren Gott ausgegangenen Logos anbeten und lieben, nachdem er unsertwegen Mensch geworden ist, um auch an unsern Leiden teilzuhaben und Heilung zu schaffen. (2. Apologie 13, BKV I/1, S. 230)

Die Schönheit, die Justin meint, ist die leuchtende Klarheit der Wahrheit. Alles Wahre – in Musik, Poesie, Architektur, Ethik – ist Teilhabe am Logos. Aber der Logos selbst ist größer. Und er ist personhaft geworden. Der Gekreuzigte – keine ästhetische Figur, aber die tiefste Form von Schönheit.

 

Schönheit, die nicht täuscht

Justin ist kein Romantiker. Er lebt im römischen Reich, in einer Welt voller Bildnisse, Götterfiguren, kultischer Ästhetik – Schönheit war allgegenwärtig. Aber für ihn kann Schönheit täuschen. Sie kann lügen. Sie kann Macht verschleiern. Götterbilder sind Form ohne Wahrheit – schön, aber leer.

Auch die bei euch üblichen Sinnbilder bekunden die Macht dieses Zeichens, ich meine die Feldzeichen und Siegeszeichen, mit welchen ihr überall aufzieht; tragt ihr doch damit, wenn auch unbewußt, die Abzeichen eurer Herrschaft und Macht zur Schau. Auch die Bildnisse der bei euch verstorbenen Herrscher stellt ihr in dieser Form dar und benennt sie noch in Inschriften als Götter. (1. Apologie 55, BKV I/1, S. 213)

Justin erkennt: Wenn Schönheit nicht an die Wahrheit gebunden ist, wird sie zur Täuschung. Oder schlimmer: zum Götzen und Dämon.

Schönheit, die überführt

In seinem Dialog mit Tryphon erzählt Justin von seiner eigenen Bekehrung: Wie er das Evangelium hörte, die Propheten las, das Leben der Christen sah – und wie sich in ihm etwas bewegte, das keine Argumentation je ganz erklären konnte. Es war mehr als Logik. Es war eine Erfahrung. Eine geistliche Schönheit, die ihn ergriff:

In meiner Seele aber fing es sofort an zu brennen, und es erfaßte mich die Liebe zu den Propheten und jenen Männern, welche die Freunde Christi sind. Ich dachte bei mir über die Lehren des Mannes nach und fand darin die allein verlässige und nutzenbringende Philosophie. 2. Dies ist der Weg und dies sind die Gründe, welche mich zum Philosophen gemacht haben. Ich hätte den Wunsch, daß alle vom gleichen Eifer wie ich beseelt wären und keiner von den Lehren des Erlösers sich abwenden möchte. Diese haben nämlich etwas Furchtbares an sich, da sie die, welche vom rechten Wege abweichen, zu schrecken vermögen; dagegen wird angenehmste Erholung denen, welche sich in sie vertiefen. (Dialog mit Tryphon 8, BKV I/1, S. 243)

Was ihn überzeugte, war nicht die Macht der frühchristlichen Kirche, denn sie hatte keine. Es war die Schönheit der Wahrheit. Eine Schönheit, die bereit war, zu sterben.

Schönheit, die aufleuchtet

Justin geht sogar noch weiter. Er behauptet: Alles Wahre, Gute, Schöne in der Philosophie und Kunst der Welt ist nicht falsch – sondern vorausgehende Spur. Ein „Wortsame“ (logos spermatikos) – ein Same des Logos, der in der Welt verborgen liegt. Damit wird Schönheit nicht abgeschafft, sondern zurückgefordert. Justin sagt: Christus ist die Vollendung der Schönheit, nach der alle Philosophen unbewusst suchten. Und diese Schönheit ist nicht harmlos.

Und heute? Wir sind umgeben von Bildern, Produkten, Inszenierungen. Schönheit ist überall – und nirgends. Sie ist Stilmittel, Verkaufstrick, Marketing-Tool. Aber auch Sehnsucht, Leere, Suche. Was wäre, wenn Schönheit wieder eine Frage nach Wahrheit wäre? Justin erinnert uns: Schönheit ist nichts für sich. Sie ist wahr – oder sie ist gefährlich.

Schönheit der Seele – Clemens von Alexandrien und die Erziehung zur Herrlichkeit

Clemens von Alexandrien war einer der ersten Theologen, die eine christliche Theorie der Schönheit entwickelten. Kein Ästhetik-Buch – sondern ein Weltbild: Schönheit ist das, was uns erzieht. Und der Lehrer ist Christus selbst.

Clemens († nach 215) lebte in Alexandria, dem intellektuellen Zentrum der Spätantike. Er war tief in der klassischen Bildung verwurzelt: Philosophie, Dichtung, Mathematik – all das war für ihn kein Feind des Glaubens, sondern ein Werkzeug. Ein Werkzeug in den Händen des Logos, der alles ordnet.

1. Nun war vor der Ankunft des Herrn die Philosophie für die Griechen zur Rechtfertigung notwendig; jetzt aber wird sie nützlich für die Gottesfurcht, indem sie eine Art Vorbildung für die ist, die den Glauben durch Beweise gewinnen wollen. „Denn dein Fuß“, so heißt es, „wird nicht anstoßen“, wenn du alles Gute, mag es sich bei den Griechen oder bei uns finden, auf die Vorsehung zurückführst.
2. Denn Urheber alles Guten ist Gott; aber bei dem einen wie dem Alten und dem Neuen Testament ist das unmittelbar um seiner selbst willen der Fall; bei S. a32 dem anderen wie der Philosophie ist es nur eine Folgeerscheinung.“ (Stromateis I, 5; BKV II/1)

In dieser Linie begreift Clemens auch Schönheit: nicht nur als eine Sinneserfahrung, sondern als Bildung der Seele. Wahre Schönheit entsteht dort, wo Tugend, Wahrheit und Erkenntnis in Harmonie stehen.

 

Für Clemens ist Christus der paidagogos, der göttliche Erzieher. Er macht den Menschen nicht religiös im engeren Sinne, sondern wahrhaft schön – durch Bildung im umfassenden Sinn: moralisch, geistlich, denkend.

„5. Jener Mensch aber, in dem der Logos wohnt, verändert sich nicht, verstellt sich nicht, hat die Gestalt des Logos, wird Gott ähnlich, ist schön, will sich nicht künstlich schön machen; er ist die wahre Schönheit; denn auch Gott ist diese; zu Gott wird aber jener Mensch, weil er will, was Gott will.“ (PaidagogosIII,1; BKV II/1)

Das ist radikal: Die Schönheit Christi ist nicht im äußeren Leib, sondern in der Demut, Sanftmut, Weisheit zu finden. Der Logos ist nicht Maler, sondern Bildhauer an unserer Seele.

 

Clemens bleibt aber kein naiver Kulturoptimist. Er sieht die Gefahr der Oberfläche, der Maskerade, der verführerischen Schönheit, die die Seele zerstreut statt sammelt. Besonders deutlich wird das in seiner Kritik an Luxus und Mode: Schminke, Schmuck, modisches Auftrumpfen – nicht, weil sie an sich böse sind, sondern weil sie den Blick ablenken vom Inneren, vom Maß, von der Wahrheit. Schönheit, wenn sie nicht zur Wahrheit führt, wird zur Täuschung. Genau wie bei Justin – aber bei Clemens mit einem anderen Ton: eher väterlich als apokalyptisch.

 

Für Clemens ist der schöne Mensch der tugendhafte Mensch – der geordnete, der maßvolle, der erlöste. Seine Seele ist im Gleichgewicht. Und darum leuchtet er. Schön ist, findet Clemens, was im richtigen Verhältnis steht, in der richtigen Proportion. Die Kirche ist für Clemens ein Erziehungsraum zur Schönheit. Keine Bühne für Äußerlichkeiten, sondern ein Ort, wo Christus als Lehrer das Innere formt – durch Erkenntnis, durch Wahrheit, durch Liebe.

Und heute?

Was, wenn wir heute genau das verloren haben? Eine Kirche, die ihre Sprache über Schönheit entweder ins Kitschige verschiebt – oder ins Misstrauen. Was, wenn wir wieder lernen müssten, dass Schönheit nicht im Glanz liegt, sondern im Maß? Nicht in der Wirkung, sondern in der Wahrheit? Clemens lädt uns ein, Schönheit nicht zu besitzen – sondern zu werden.

Die heilende Schönheit – Irenäus von Lyon und die Wiederherstellung der Form

Er liebte keine große Rhetorik. Er war kein Künstler der Sprache, sondern ein Pastor. Und doch hat Irenäus von Lyon († ca. 200) eine der kraftvollsten Theologien von Schönheit geschrieben – ohne je das Wort „Ästhetik“ zu benutzen. Denn für ihn ist Schönheit das Ziel: die Wiederherstellung des Menschen, der in Christus zu seiner wahren Gestalt zurückgeführt wird.

 

Die Welt als schöne Idee – aber zerbrochen

Irenäus schreibt gegen die Gnosis – gegen die Vorstellung, die materielle Welt sei schlecht, der Körper eine Falle, und die Erlösung reine Geistflucht. Für ihn ist klar: Gott hat die Welt gut geschaffen und den Menschen .

Sollte aber jemand sagen: „Wie denn? Konnte Gott nicht von Anfang an den Menschen vollkommen machen?“ so soll er wissen, daß Gott, der Unveränderliche und Unerschaffene, an und für sich alles vermag, das Erschaffene aber, eben weil es seinen Anfang erst später genommen hat, deshalb auch seinem Schöpfer nachstehen muß. Was eben geworden ist, kann nicht unerschaffen sein. Weil sie nicht unerschaffen sind, daher bleiben sie hinter dem Vollkommenen zurück. Weil sie jünger sind, darum sind sie gleichsam Kinder und folglich noch nicht gewöhnt und ungeübt in der Wissenschaft des Vollkommenen. Wie nämlich die Mutter ihrem Kinde vollkommene Speise reichen könnte, das Kind aber die zu starke Speise nicht vertragen kann, so war auch Gott imstande, dem Menschen die Vollkommenheit von Anfang an zu gewähren, der Mensch aber war unfähig, sie aufzunehmen; denn er war noch ein Kind. Und deswegen kam unser Herr in den letzten Zeiten, indem er alles in sich rekapitulierte, zu uns, nicht wie er selber hätte können, sondern wie wir ihn zu sehen vermochten. Er hätte nämlich in seiner unaussprechlichen Herrlichkeit zu uns kommen können; aber wir waren nicht im geringsten imstande, die Größe seiner Herrlichkeit zu ertragen. Und deshalb gab er, der das vollkommene Brot des Vaters war, sich uns gleichsam wie Kindern als Milch — denn das war seine menschliche Ankunft — damit wir gleichsam von der Mutterbrust seines Fleisches genährt,durch solche Milchnahrung gewöhnt wurden, das Wort Gottes „zu essen und zu trinken“ , und damit wir imstande wären, das Brot der Unsterblichkeit, welches der Geist des Vaters ist, in uns zu bewahren..“ (Adversus Haereses IV, 38,1; BKV III/1, S. 363)

Die ursprüngliche Schönheit ist eine Schönheit im Werden – dynamisch, wachsend, auf Vollendung hin. Und genau da beginnt die ästhetische Hoffnung: Der Mensch ist formbar – durch Christus.

Im Zentrum der Theologie des Irenäus steht die Recapitulatio – die Rückführung des Menschen durch Christus. Der Sohn nimmt den Weg des gefallenen Menschen auf sich, um ihn in göttliche Ordnung zurückzuführen. Diese Rückführung ist ästhetisch im tiefsten Sinn: Der Mensch wird wieder geordnet, proportioniert, heil. Die zerstörte Schönheit wird nicht überspielt – sie wird erneuert.

 

Schönheit im Leib – gegen den Leibverachtungstrieb

Irenäus ist der erste Theologe, der konsequent eine leibliche Schönheit denkt, ohne in Sinnlichkeit zu verfallen. Weil Gott selbst in den Leib eingetreten ist, verliert der Körper seine Scham. Der auferstandene Christus trägt die Zeichen des Leidens – aber in verklärter Gestalt. Schönheit ist kein Gegensatz zur Verletzung, sondern deren Erfüllung in Licht.

Denn das bloße fleischliche Gebilde ist kein vollkommener Mensch, sondern nur sein Leib und ein Teil des Menschen. Ebensowenig ist die Seele an sich der Mensch, sondern eben nur Seele und ein Teil des Menschen, noch ist der Geist der Mensch, sondern bloß Geist und kann nicht Mensch genannt werden. Die innige Vereinigung aber von all diesen macht den vollkommenen Menschen aus. Der Apostel erklärt sich also selbst und erläutert den vollkommenen und geistigen Menschen der Erlösung, wenn er im ersten Briefe an die Thessalonicher sagt: „Der Gott des Friedens aber heilige euch zu Vollkommenen, und unversehrt möge euer Geist und die Seele und der Leib ohne Tadel auf die Ankunft des Herrn Jesus Christus aufbewahrt werden“ 3 . Welche Ursache hatte er sonst, diesen dreien, d. h. der Seele, dem Leib und dem Geiste, zu wünschen, daß sie unversehrt und vollkommen fortdauern bis zur Ankunft des Herrn, wenn er nicht wußte, daß die innige Vereinigung der drei eben nichts anders wie ihre Erlösung bedeutet? (Adversus Haereses V, 6,1)

Für Irenäus ist die Kirche der Ort, an dem Schönheit geformt wird. Nicht durch Ästhetik, sondern durch Heiligung. Die Gemeinde ist der Ort, an dem Christus weiter „recapitulat“ – weiter formt, heilt, erhebt. Nicht durch Gewalt. Sondern durch Licht, Liebe, Wahrheit.

Denn Gottes Ruhm ist der lebendige Mensch, das Leben des Menschen aber ist die Anschauung Gottes. Wenn nämlich die Erkenntnis Gottes mittels der Schöpfung allen, die auf Erden leben, das Leben verleiht, dann muß umsomehr die Offenbarung des Vaters durch den Sohn das Leben denen verleihen, die ihn schauen.“ (Adversus Haereses IV, 20,7; BKV III/1, S. 325)

Dieser berühmte Satz ist der Schlüssel: Gottes Herrlichkeit ist ein Mensch, der lebt. Und: Ein schöner Mensch ist einer, der Gott schaut.

 

Und heute?

Was wäre, wenn Schönheit nicht nur eine Oberfläche wäre, sondern ein Weg? Nicht das Ziel eines Instagram-Filters, sondern das Ziel einer Menschwerdung? Irenäus sieht Schönheit nicht als Pose – sondern als Rückführung zur Wahrheit. Christus ist der Bildhauer. Die Kirche ist seine Werkstatt. Und wir sind seine Steinblöcke.

Zwischen Wahrheit und Verführung – ein erster Blick zurück

Justin sucht die Wahrheit – und findet ihre Schönheit in Christus. Clemens will den Menschen bilden – und erkennt Schönheit als Frucht geistlicher Ordnung. Irenäus sieht das Ziel – und nennt Schönheit, was heil, ganz und lebendig wird.

Drei Männer. Drei frühe Stimmen. Keiner spricht „Ästhetik“. Und doch ist alles durchzogen von der Frage: Was macht das Evangelium mit der Schönheit – und was macht Schönheit mit dem Evangelium?

Sie alle spüren: Schönheit ist nie neutral. Sie offenbart. Oder sie täuscht. Sie weckt Sehnsucht. Oder betäubt sie. Und sie alle glauben: Die wahre Schönheit kommt nicht von außen – sondern kehrt zurück. Sie kommt in Christus. Sie formt durch Wahrheit. Sie heilt durch Licht.

 

Was bleibt?

Die frühen Kirchenväter sagen: Schönheit ist gefährlich. Aber ohne sie ist die Wahrheit nackt. Und der Glaube sprachlos. Also brauchen wir sie – neu gedacht, neu gesehen, neu gehört.

 

Und wie geht’s weiter?

Mit Augustinus kommt im nächsten Teil eine neue Tiefe: Ordnung, Zahl, Licht, innere Sehnsucht. Mit ihm beginnt die große Synthese: Theologie als geistige Architektur – und Schönheit als Echo der Ewigkeit.

(Dieser Blogpost wurde mit Hilfe von ChatGPT strukturiert und überarbeitet. Titelbild generiert mit Fooocus)

 

Zwischen Herz und Verstand – mein Konferenzbericht zu Jesus25

600 Besucher, 70 Partnerorganisationen, drei Tage Gemeinschaft, Glaube, Gespräche. Und mittendrin: ich – mit Vorfreude, Erwartungen, Müdigkeit, und vielen tiefen Begegnungen. Die Jesus25-Konferenz wurde liebevoll der „evangelikale Kirchentag“ genannt. Rückblickend passt das gut – und doch war es so viel mehr.

Lange hatte ich darauf hingefiebert, mich gefreut auf die vielen Begegnungen. Denn darum ging es für mich persönlich primär. Mit einigen stehe ich seit Jahren online in Kontakt – über eMail oder soziale Medien, über Blogs, Artikel und Kommentare. Manche kannte ich aus dem Studium, andere on früheren Veranstaltungen. Und manche hoffte ich endlich mal persönlich kennen zu lernen.

Fasse in einer Minute zusammen…“, so hieß es des Öfteren. Wie würde ich die Konferenz in einer Minute zusammenfassen? Versuchen wir es:

Eine sehr spannende Konferenz mit wirklich großer Vielfalt, was Alter (von 3 Monaten bis weit über 80 Jahre war alles vertreten), Persönlichkeiten und gemeindliche Hintergründe betrifft: von evangelischen Landeskirchen, AB-Verband über FeGs und Baptisten bis hin zu uns Pfingstlern und Charismatikern war alles vertreten. Sehr viele wertvolle Gespräche und gute Vorträge und Foren. Was die Vorträge betrifft, hat mich beeindruckt, wie jeder Redner vollkommen gleichwertig gesehen wurde. Es gab keine Hauptredner, sondern nur Redner. Wenn es eine Folgeveranstaltung gibt, bitte behaltet das bei!

Ok, 83 Worte, das kann durchaus in einer Minute vorgetragen werden.

Doch damit ist halt nur das Allerwichtigste vom Allerwichtigsten gesagt. Die Vorträge waren allesamt sehr sehenswert, schaut doch immer mal wieder auf den YT-Kanal von Jesus25.net (Link), da wird nach und nach alles hochgeladen. Der Lobpreis von Gloria Kollektiv war super gut.

Wenn ich einen Vortrag besonders hervorheben soll, war es jener von Nicola Vollkommer zum Thema „Herz und Verstand – warum Denken, Gebet und Leidenschaft zusammengehört“. Sie hat mich wirklich enorm gepackt, vielleicht auch deshalb, weil mich genau dieses Zusammengehören schon seit vielen Jahren ganz intensiv beschäftigt.

14 Menschen, mit denen ich seit Jahren digital verbunden bin, standen plötzlich leibhaftig vor mir – Stimmen wurden zu Gesichtern, Profilbilder zu warmen Blicken. Das war für mich das Größte. Von weiteren durfte ich erfahren, dass sie schon länger Leser dieses Blogs sind. Richtig gute Zeit. Was ich das Schwierigste fand, war, meine eigenen Kräfte gut einzuschätzen und genügend Pausen zu machen, um zu regenerieren (Stichwort: „Esst viel, trinkt viel Kaffee, schlaft wenig!“)

Und dann waren da noch sage und schreibe vier Bände mit Beiträgen aus dem Leitungskreis zu den aktuellen Themen, die unsere Kirchen und Gemeinden beschäftigen. Ich hatte bis heute noch keine Zeit, um richtig reinzuschauen, lediglich ein wenig überflogen und quergelesen.

Viele Stände von Partnerorganisationen waren vor Ort, wo man sich über die jeweiligen Organisationen informieren konnte. Diesen Teil habe ich um der Zeit und Kräfte willen ein wenig vernachläßigt. Und die ganzen Bücherstände mit ihren papiernen Versuchungen gleich doppelt.

Was würde ich mir für die Zukunft wünschen? Es wäre schön, wenn es in zwei oder drei Jahren wiederholt werden könnte. Jährlich wäre für mich auch schon zu viel. An der Stelle nochmal meine Bitte: Keine Hauptredner, sondern wieder wie gehabt, viele einzelne, gleichwertige Redner. Und bitte, bitte bindet mehr Rednerinnen mit ein.

Was bleibt?

Neben Müdigkeit und einem vollen Notizbuch: Dankbarkeit. Und der Wunsch, das weiterzugeben, was mich bewegt. Ein paar Eindrücke, Gedanken und neue Materialien entstehen gerade daraus – für alle, die tiefer graben wollen. Wenn Du auf dem Laufenden bleiben willst, schau gern bald wieder hier vorbei.

Buchtipp: Start with WHY – Fang mit dem WARUM an!

Sinek, Simon, Start with WHY, Penguin Verlag 2011, Kindle-Version Amazon-Link

In der letzten Zeit beschäftige ich mich immer wieder gern mit Büchern zu Leiterschaft, Veränderung, persönliche Entwicklung und möchte euch in der nächsten Zeit ein wenig auf die Reise mitnehmen durch manche dieser Bücher. Ich stelle mir dazu oft die Frage, was diese Bücher für unsere Gemeinden bedeuten.

Simon Sinek beschreibt in Start with WHY, dass erfolgreiche Organisationen, Bewegungen und Führungspersönlichkeiten nicht mit dem Was oder Wie beginnen, sondern mit dem Warum. Dieses „Golden Circle“-Modell besteht aus drei Ebenen:

  1. WHY (Warum?) – Der tiefere Zweck, die Überzeugung oder der Antrieb, warum eine Organisation existiert.

  2. HOW (Wie?) – Die Werte und Prinzipien, mit denen das „Warum“ umgesetzt wird.

  3. WHAT (Was?) – Die konkreten Angebote oder Aktivitäten einer Organisation.

Sinek hat im Buch ein Bild, das einer Zielscheibe gleicht. Drei Kreise ineinander. In der Mitte ist das WHY, darum herum das HOW und zu äußerst das WHAT. Das sind die „Golden Circles“.

1. Das „Warum“ einer Kirche oder Gemeinde

Für Kirchen ist das „Warum“ entscheidend: Warum gibt es diese Gemeinde? Was ist ihre tiefere Überzeugung und Motivation? Was ist ihre Vision, ihre Mission als einzelne Ortsgemeinde an ihrem Platz?

Sinek zeigt, dass Menschen sich nicht mit Produkten oder Dienstleistungen identifizieren, sondern mit der Überzeugung dahinter. Ebenso sind Gemeindemitglieder oder Interessierte nicht nur wegen Programmen oder Strukturen da, sondern weil sie sich mit dem Warum der Kirche verbunden fühlen.

Eine Kirche sollte daher nicht nur mit „Wir bieten Gottesdienste, Kleingruppen und soziale Projekte an“ beginnen, sondern mit einem klaren, inspirierenden Warum, einer Vision, die Menschen anzieht.

2. Das „Wie“ – Werte und Prinzipien

Das „Wie“ beschreibt die Art und Weise, wie das Warum in der Praxis umgesetzt wird. Kirchen können ihre Werte und Prinzipien klar definieren:

  • Wie wird Gemeinschaft gelebt?

  • Wie wird das Evangelium verkündet?

  • Wie wird mit Konflikten umgegangen?

  • Wie drückt sich Nächstenliebe praktisch aus?

Kirchen, die ein starkes „Warum“ haben, aber in ihrem „Wie“ unklar sind, verlieren oft Glaubwürdigkeit. Warum ist das so? Nehmen wir mal an, eine Gemeinde definiert ihre Vision folgendermaßen: „Wir wollen Menschen in eine lebendige Beziehung mit Gott zu führen.“ und beginnt nun, wahllos alle möglichen Angebote unstrukturiert anzubieten, oder ist in ihrem täglichen Gemeindeleben unnahbar und kühl, wirkt das einfach nicht mehr authentisch.

3. Das „Was“ – Aktivitäten und Angebote

Das „Was“ sind die sichtbaren Ausdrucksformen der Kirche:

  • Gottesdienste

  • Kleingruppen

  • Jugendarbeit

  • Seelsorge

  • Soziale Projekte

  • Online-Angebote

  • und so weiter…

Viele Kirchen starten jedoch mit dem „Was“ und hoffen, dass sich daraus eine Identität entwickelt. Sinek zeigt, dass Menschen sich eher mit der tieferen Überzeugung verbinden und nicht nur mit Programmen.

4. Vertrauen und Leitung

In seinem Buch betont Sinek, dass Menschen Leitungspersönlichkeiten folgen, die sie inspirieren – nicht nur solchen, die Anweisungen geben. Gemeindeleiter sollten daher ihr eigenes, persönliches „Warum“ kennen und leben, um authentisch zu wirken. Vertrauen entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch eine klare, inspirierende Richtung.

5. „Diffusion of Innovation“ – Warum nicht alle sofort mitziehen

Sinek beschreibt, dass jede neue Idee oder Bewegung in mehreren Wellen angenommen wird:

  • Innovatoren (2,5%) – Die Ersten, die begeistert sind.

  • Frühe Anwender (13,5%) – Menschen, die die Vision erkennen und schnell mitmachen.

  • Frühe Mehrheit (34%) – Skeptische, aber offene Personen.

  • Späte Mehrheit (34%) – Diejenigen, die erst überzeugt werden müssen.

  • Nachzügler (16%) – Menschen, die sich nur verändern, wenn es gar nicht mehr anders geht.

Kirchen, die neue Wege gehen wollen, dürfen sich nicht entmutigen lassen, wenn nicht sofort alle mitziehen. Veränderung geschieht schrittweise.

Warum ist das für Kirchen und Gemeinden wichtig?

Viele Gemeinden kämpfen mit sinkenden Mitgliederzahlen, Orientierungslosigkeit oder dem Gefühl, nur Programme am Laufen zu halten. Start with WHY ermutigt uns dazu, nicht einfach ziellos Aktivitäten anzubieten, sondern tiefer zu fragen:

  • Warum gibt es unsere Kirche?

  • Warum tun wir, was wir tun?

  • Was ist unsere zentrale Botschaft, die Menschen inspirieren kann?

Kirchen, die ihr Warum klar kommunizieren und es authentisch leben, werden Menschen anziehen, die sich mit dieser Überzeugung identifizieren.

Fragen zur Reflexion – Finde dein „Warum“ als Kirche oder Gemeinde

  1. Warum existiert unsere Kirche?

    • Was ist unsere tiefste Überzeugung?

    • Welche Veränderung möchten wir in unserer Stadt/Gemeinde bewirken?

    • Was treibt uns jenseits von Traditionen oder Programmen an?

  2. Was unterscheidet uns von anderen Kirchen?

    • Gibt es einen besonderen Schwerpunkt oder eine klare Vision?

    • Womit identifizieren sich unsere Mitglieder am meisten?

    • Welche Werte prägen unser Gemeindeleben?

  3. Wenn unsere Kirche morgen nicht mehr existieren würde, was würde fehlen?

    • Welche Lücke würde in unserer Umgebung entstehen?

    • Würden Menschen außerhalb der Kirche das Fehlen bemerken?

Praktische Schritte – Wie Kirchen ihr „Warum“ leben können

  1. Kommuniziere das „Warum“ in allem, was du tust.

    • Nicht zuerst „Wir haben einen Gottesdienst um 10 Uhr“, sondern „Wir glauben, dass echte Hoffnung das Leben verändert – deshalb treffen wir uns.“

    • Webauftritt, Flyer, Predigten – überall sollte das Warum erkennbar sein.

  2. Baue ein starkes „Wie“ auf – gelebte Werte sind entscheidend.

    • Definiere klare Werte: Wie soll Gemeinschaft aussehen? Wie gehen wir mit Fehlern um? Wie gestalten wir geistliches Wachstum?

    • Lebe diese Werte sichtbar vor – sie sind das Bindeglied zwischen dem Warum und den konkreten Angeboten.

  3. Setze das „Was“ bewusst ein – Programme mit Sinn füllen.

    • Vermeide Aktivismus: Nicht „mehr Events“, sondern gezielte Angebote, die das „Warum“ transportieren.

    • Stelle dir immer die Frage: Dient dieses Angebot unserem Warum?

  4. Führung durch Inspiration, nicht nur durch Organisation.

    • Gemeindeleiter sollten ihr persönliches „Warum“ kennen und kommunizieren.

    • Menschen folgen inspirierten Leitern, nicht bloß Funktionsträgern.

  5. Sei geduldig mit Veränderung

    • Nicht alle werden sofort mitziehen – starte mit den Engagierten, dann wächst die Bewegung.

    • Baue eine Kultur auf, in der Veränderung und neue Ideen willkommen sind.

Dieser Blogpost wurde mit Hilfe von ChatGPT überarbeitet.

PromptSheet für Predigtvorbereitung mit ChatGPT online

Nachdem ich mich die vergangenen vier Monate in meiner Freizeit immer wieder mit KI und besonders ChatGPT beschäftigt und mich gefragt, wie diese Programme Gemeinden, Prediger, Mitarbeiter, etc. unterstützen können, habe ich als erste Ressource ein PromptSheet (Link hier) für die Predigtvorbereitung online gestellt.

Dieses PromptSheet ist eine Liste von Befehlen, die Du ChatGPT geben kannst, um Dich bei der Predigtvorbereitung zu unterstützen. Es ist mir wichtig, zu betonen, dass Du nie einfach den Output von ChatGPT übernehmen und 1:1 predigen solltest. Diese Befehle geben Beispiele, Inspiration, Hinweise zum Weiterdenken und Umformulieren, bis Du am Schluss die Predigt hast, die der Heilige Geist für Deine Gemeinde bereit hält.

Falls Du Fragen, Rückmeldungen, Hinweise oder Ähnliches hast, melde Dich gern bei mir auf allem bekannten Kanälen. Ich werde auch weiterhin Ressourcen dazu online stellen. Wer mich unterstützen möchte, damit ich noch schneller mehr dazu machen kann, darf dies gerne via Ko-Fi (Link hier) tun.

Auf dem Areopag der nachchristlichen Kultur

Unsere Gesellschaft ist immer weniger vom christlichen Glauben geprägt. Man kann sich darüber aufregen, muss es aber nicht. Fakt ist, dass immer mehr erklärt werden muss, was lange Zeit fast selbstverständlich war. Zugleich haben wir es mit einer Gesellschaft zu tun, die sich enorm nach Erlösung sehnt – dies aber nicht merkt, sondern oft geradezu verdrängt. Mich erinnert das immer wieder an Paulus – wie er auf dem Areopag mit den damaligen Denkern diskutierte.

Moment mal – wie ist denn das eigentlich? Sind unsere Zeitgenossen nicht schon viel gebildeter und feinfühliger als damals? Im Grunde genommen ist die Weltanschauung relativ ähnlich. Wir haben es weder damals noch heute mit einem echten Atheismus oder Unglauben oder Materialismus zu tun. Ein echter, reiner Materialismus ist in dem Universum, in welchem wir bekanntlich leben, nur sehr schwer aufrecht zu erhalten. Es ist unmöglich, ein in sich konsistenter Materialist zu sein. Von einem Stein könnte man es vielleicht noch annehmen, er wäre materialistisch, doch ein Mensch mit Bewusstsein? Äußerst unwahrscheinlich. Das Problem ist halt, dass Weltanschauungen nur selten reflektiert werden. Und so haben wir es sowohl bei Paulus auf dem Areopag, als auch in unserer nachchristlichen, neuheidnischen Gesellschaft in den meisten Fällen mit einer unreflektierten Spielart eines Pantheismus zu tun.

Nein, Pantheismus kann man nicht essen…

auch wenn es fast ein wenig nach Pancakes klingt. Pantheismus ist die Vorstellung, dass alles, was existiert, ein Teil von Gott ist. Das ganze Universum ist eins mit Gott, aber nicht als persönlicher Gott, sondern irgendeine Art unpersönliche Natur, die einfach alles umfasst. Es gibt im Pantheismus keine Unterscheidung zwischen Schöpfer und Geschöpf. Das ganze Universum mit allem darin ist miteinander verbunden und eine untrennbare Einheit.

Und hier kommt Paulus ins Spiel. Er hat wie kaum ein anderer verstanden, welche Auswirkungen diese Vorstellungen haben. Wir sind da ganz schnell in der Gefahr, dass wir die Ähnlichkeiten der Zeiten übersehen und meinen, dass der altheidnische Polytheismus etwas Archaischeres gewesen wäre. Doch heutige neuheidnische Spielarten des Pantheismus sind ebenso archaisch wie die damaligen. Um das zu verstehen, müssen wir versuchen, den griechisch-römischen Polytheismus zu durchdringen. Dieser Polytheismus war die Staatsreligion im römischen Großreich zur Zeit des Neuen Testaments. Ein Blick in die Schöpfungsmythen und Göttersagen zeigt, dass es viel widersprüchliche Erzählungen gab und dass diese Gottheiten eben nicht vor und über der Schöpfung stehen – vielmehr sind sie eine Art teilweise unsterbliche, teilweise nur schwer sterbliche höhere Menschen. Sie entstammen der Natur. Etwa bei Hesiod, der eine der verbreitetsten Schöpfungssage herausgegeben hatte, war am Anfang das Chaos, also ungeordnete Materie, die sich da selbst ordnete und daraus entstanden die Götter Gaia (Erde), Tartaros (Unterwelt), Nyx (Nacht), Erebos (Finsternis) und Eros (Liebe). Weitere Götter entstanden durch Paarung von diesen oder auch einfach durch Erschaffung durch diese ersten Götter.

Mit Paulus auf dem Areopag

Schon seit längerer Zeit gab es in der damaligen Kultur viel Kritik an diesem Polytheismus, eben gerade weil alle wussten, dass die Götter entweder der Natur entsprachen oder weil sie durch die Natur erschaffen und nichts weiter als etwas bessere Menschen waren. Und jetzt kam Paulus ins Gespräch mit Menschen, die bewusst Pantheisten waren, aber den pantheistischen Polytheismus ablehnten. Erinnern wir uns – für den Pantheisten ist das Göttliche überall in der Welt zu finden. Alles ist im Grunde genommen Gott. Alles ist miteinander verbunden und alles ist eine göttliche Einheit. Doch auch damals gab es schon unreflektierte Meinungen dazu.

Und Paulus wird nun auf den großen Platz gebracht und ausgefragt. Es ist interessant, womit Paulus nicht anfängt. Paulus geht nicht auf Johannes 3:16 ein, auf unseren liebsten Bibelvers, um das Evangelium zu erklären. Gut, das kann auch daran liegen, dass dieses Evangelium in dem Moment noch nicht geschrieben worden war. Vermutlich hat Johannes erst nach dem Tod von Paulus sein Evangelium geschrieben. Aber die Grundzüge von Johannes 3:16 finden wir bei Paulus auch. Immer und immer wieder. Doch hier wusste Paulus genau, dass seine Zuhörer das nicht verstehen. In Johannes 3:16 geht es um die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, es geht darum, dass Gott in die Welt kommen muss, um sie zu erlösen. Doch Menschen, die sich schon als Einheit mit dem Göttlichen wahrnehmen, als Einheit mit der Natur, die über allem steht, in Einheit mit dem Universum, verstehen nicht, dass Erlösung von außen kommen muss.

Paulus beginnt mit dem Gewissen

Wahrscheinlich ist es den wenigsten Bibellesern bewusst, weil wir uns so sehr daran gewöhnt haben, dass das Evangelium gottzentriert sein muss. Wir fangen mit Gott an. Es ist daran nichts grundsätzlich Falsches, aber es schafft in einer nachchristlichen Kultur des unreflektierten Pantheismus eine unnötige Mauer. Der Pantheist sieht sich als Teil Gottes, er ist sozusagen ein Ausfluss des Weltalls, des unpersönlichen All-Gottes. Paulus macht etwas grundlegend anderes. Er beginnt mit den Zuhörern. Er beginnt mit dem Gewissen, mit den Sehnsüchten, mit dem tiefsten inneren Verlangen der Menschen auf dem Areopag. Er beginnt mit der Kultur vor Ort. Er hat eine Götzenstatue gesehen, die „den unbekannten Göttern“ gewidmet ist. Und jetzt in einem rhetorisch kaum zu übertreffenden „Doublespeak“ lobt er die Athener für ihre tiefe Gottesfurcht, die so weit geht, dass sie sogar fürchten, sie könnten irgend einen Gott vergessen haben, und verspottet sie mit demselben Wort auch dafür. Und dann folgt eine längere Argumentation, die ungefähr auf Folgendes hinausläuft: Ihr habt eine Sehnsucht in eurem tiefsten Inneren, die tiefer geht als alles, was der heidnische Götzendienst und was der weltanschauliche Pantheismus euch bieten kann. Ihr sehnt euch nach der Erlösung durch einen persönlichen Gott, der der Schöpfung gegenübersteht. Diese Erlösung will ich euch heute verkünden. Und dann kommt das Evangelium.

Ganz spannend ist, dass das bei Paulus nicht nur auf dem Areopag so war. Es scheint mir, als hätte sich das durch seine ganze Evangelisationspraxis hindurchgezogen. Der Brief an die Römer ist eigentlich gleich aufgebaut. Er hat ja bekanntlich den Gemeinden in Rom geschrieben, um zu zeigen, dass er das richtige Evangelium verkündete, da er plante, Rom einst als Basis für die Evangelisierung Westeuropas bis nach Spanien zu nutzen. Und hier geht er genau so vor. Mit dem Unterschied, dass er in Rom sowohl Juden, die zu Christus gefunden haben, als auch ehemalige Heiden ansprechen wollte. Auch hier: Bevor der Mensch gewordene Gott ins Spiel kommt, geht es 2,5 Kapitel lang um den Menschen. Der Mensch mit seinen Versuchen, die Erkenntnis Gottes zu verdrängen. Der Mensch mit seinem Gewissen, das hin und her eiert zwischen überheblich und an sich selbst verzweifelt. Der Mensch mit seinem Mund, aus dem Gutes und Böses zugleich kommen kann. Und so weiter. Der Mensch. Die Sünde. Die Verzweiflung. Die Sehnsucht. Die Erlösung.

Der Marktplatz unserer Kultur

Wenn ich mir so unsere heutige, neuheidnische Kultur anschaue, fällt mir geradezu enorm auf, wie alle Kultur nach Erlösung schreit. Und um das zu sehen, müssen wir einen Schritt zurück machen, von der Johannes3:16-Brille weg. Ich würde einen anderen Vers aus dem Johannesevangelium vorschlagen, der uns da helfen kann: Größere Liebe hat niemand als die, dass einer sein Leben lässt für seine Freunde. (Johannes 15:13) Es klingt nun etwas allgemeiner, aber in diesem Vers hat Jesus Christus definiert, was Liebe ist. Unsere Kultur schreit nach Liebe und schreit nach Erlösung. Sie lebt zwischen der Überheblichkeit und der Verzweiflung an sich selbst. Ob ich jetzt auf die Songtexte von Taylor Swift oder neuere Romane und Filmserien schaue, überall zieht sich das hindurch. Und das sind gute Anknüpfungspunkte, die wir mit Jesus füllen können, wenn sich jemand mit diesen Fragen identifiziert. Jesus ist diese Liebe, diese Hingabe, Er hat Sein Leben gelassen für Seine Freunde. Er ist die Erlösung.

Zum Schluss ein paar meiner persönlichen Beispiele, die mir im Laufe der Jahre besonders aufgefallen sind. Das erste Mal, als es mir richtig bewusst wurde, war beim zweiten oder dritten Lesen von Stephen Kings „ES“ („It“). Ja, es ist schon ein älteres Werk, aus den 1980er-Jahren. Aber es hat mir wie kein anderes gezeigt, dass genau das Evangelium von der Liebe dessen, der sein Leben für die Freunde lässt, eigentlich in fast jeder spannenden Story im Mittelpunkt steht. Es gibt eine Gefahr. In der kleinen Stadt Derry in Maine werden Kinder ermordet. Eine Gruppe von sieben Kindern, die alle ihre Schwierigkeiten haben, nehmen den Kampf auf und schaffen es unter Lebensgefahr, das Monster zu besiegen und für einige Jahre Ruhe zu bekommen. Als sie erwachsen sind, beginnt das Ganze wieder. Diesmal gibt es sogar Tote unter den Freunden, die einander beistehen. Es sind oft die Schwachen, die im Kampf gegen das Böse besonders mutig werden. Gerade vor Kurzem sah ich mir die ZDF-Horrorserie „Hameln“ an. Auch hier gibt es wieder dasselbe. Um der Stadt zu helfen, um die Menschen vor dem bösen Wesen zu erlösen, braucht es drei gehandicappte Kinder, die unter Einsatz ihres Lebens kämpfen müssen. Von Frank Schätzings Roman „Der Schwarm“ schrieb ich vor einem Jahr schon mal (Link hier). Die Liste könnte man um hunderte von Werken ergänzen,

Wir müssen uns bewusst sein, dass das alles immer nur ein weltlicher Abklatsch ist, eine Art pantheistische Erlösungsstory, weil es der Mensch ist, der sich selbst erlöst. Aber die Menschen wollen es sehen, sie wollen diese wahre Liebe und Selbsthingabe, die Erlösung immer wieder und wieder und ohne Ende von Neuem sehen – mit ständig wechselnden Namen und Besetzungen. Unsere Kultur ächzt und stöhnt nach Erlösung. Echte Erlösung bringt nur Jesus Christus.

Fallen dir noch weitere Beispiele ein? Gib mir gern Feedback dazu!

Die Bibel lesen – ein guter Vorsatz, nicht nur fürs neue Jahr

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, Advent heißt warten auf die Ankunft Jesu. Für viele heißt es auch, warten auf das neue Jahr, um dann mit neuen guten Vorsätzen neu zu starten. Meine Empfehlung ist jedes Jahr wieder neu: Warte mit den guten Vorsätzen nicht bis zum neuen Jahr. Gute Vorsätze sind zu gut, als dass man sie zum Neujahr verschwenden sollte. Fang lieber gleich an; es ist eine gute Vorbereitung aufs neue Jahr.

Markus als Einstieg

Meine Empfehlung: Fang mit dem Markusevangelium an. Es würde sich anbieten, dass es sogar noch vor Silvester zu Ende gelesen werden kann. 16 Kapitel, relativ kurze Kapitel im Vergleich zu anderen der Evangelien. Und es wurde auch geradezu für eine Zeit wie unsere geschrieben. Wie meine ich das? Als ich vor einem guten Vierteljahrhundert mit dem Bibellesen angefangen habe, war es üblich, dass man als Anfang Johannes empfahl. Keine Frage, ein supertolles Evangelium, ich liebe es. Trotzdem würde ich es heute nicht mehr so machen und auch niemandem mehr empfehlen. Es sind darin einige theologische Lehren zu finden, die man zuerst einmal kennen muss, um möglichst viel von Johannes profitieren zu können. Johannes hat dieses Evangelium als letztes der vier geschrieben und eigentlich stillschweigend vorausgesetzt, dass zumindest andere bereits bekannt sind, wenn man seines liest.

Matthäus hat primär für eine jüdische Leserschaft geschrieben, die das Alte Testament schon relativ gut kennen und zeigt deshalb mit vielen Zitaten und Anspielungen auf, dass das ganze AT von Jesus erzählt und Jesus die Erfüllung des ganzen Alten Testaments ist. Markus hingegen schrieb für ein heidnisch-römisches Publikum, das mit den jüdischen Bräuchen nicht bekannt ist, deshalb erklärt er alles, was man nicht so leicht versteht. Deswegen würde ich persönlich immer als erstes Markus empfehlen.

Regelmäßigkeit über Menge

Die zweite Hilfestellung, die ich geben möchte, betrifft die Menge. Ich habe schon öfter Menschen getroffen, die überhaupt nicht gerne lesen oder auch eine Leseschwäche haben oder manchmal auch eine Angst vor Büchern und geschriebenen Worten. Es ist ein tolles Ziel, irgendwann mal fähig zu sein, die ganze Bibel in einem Jahr durchlesen zu können, und ich bin auch überzeugt, dass das jede und jeder lernen kann. Aber für den Anfang würde ich sagen, bleib in deiner Komfortzone. Ok, wenn ein Satz schon zuviel ist, dann muss es eben außerhalb der Komfortzone anfangen. Aber ein Satz oder ein Vers am Tag sollte drin sein.

Die ersten vier bis sechs Wochen sind wichtig, damit sich eine erste Routine bilden kann. Bleib diese Zeit in deiner Komfortzone, aber lies dafür jeden Tag. Es ist zum Beispiel wertvoll für den Anfang, sich einen besonderen Platz und eine bestimmte Zeit am Tag dafür zu nehmen. Mein zweieinhalbter Tipp betrifft noch die Bibelübersetzung. Nimm bitte für den Anfang eine, die ebenfalls in deiner Komfortzone ist. Jede Bibel ist besser als eine, die im Regal stehen bleibt und verstaubt.

Langsame Steigerung

Nach den ersten vier bis sechs Wochen erhöhen wir die Dosis. Du wirst gemerkt haben, dass ein Vers allein unbefriedigend ist. Die Story geht weiter, aber am nächsten Tag musst du erst wieder nachschauen: Was war jetzt da eigentlich gestern genau dran? Deshalb ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, um das Doppelte zu lesen. Zwei Verse. Oder Zwei Sätze. Zwei Abschnitte. Oder zwei Kapitel. Je nachdem, was bisher deine Komfortzone war. Und so geht es weiter, alle ein bis zwei Monate kommt eine neue Steigerung hinzu, bis irgendwann dein Ziel erreicht ist. Wetten, dass das noch vor Ende 2025 ist, wenn du die Tipps befolgst?

Wie weiter nach Markus?

Inzwischen sind wir bestimmt über das Evangelium von Markus hinausgekommen. Wo geht es weiter? Jetzt hast du im Grunde genommen totale Freiheit, zu entscheiden, wie es weiter gehen soll. Zum Beispiel noch ein Evangelium. Matthäus. Oder Johannes. Oder Lukas? Oder gleich weiter mit der Apostelgeschichte. Die geht nämlich da weiter, wo Markus aufhört. Oder wenn du möchtest, kannst du auch das ganze Bibelbuch mal vorne anfangen, bei 1. Mose. Ein Geheimtipp von mir – besonders wenn du nach Markus noch nicht so weit bist, dass du ganze Kapitel am Stück lesen möchtest – wäre auch das Buch der Sprüche. Da gibt es so viel Gutes darin, was sich leicht im Alltag umsetzen lässt und gleich zeigt, wie viel Segen im ganzen Bibelbuch steckt.

Was ich eher noch ein wenig weiter nach hinten stellen würde, sind der Prophet Hesekiel und die Offenbarung. Ja, ich weiß, dass manche Leser gerne erst den Schluss lesen, um zu wissen, wie die Story ausgeht. Ich spoilere mal: Es gibt ein Happy End. Jedenfalls für alle, die zu Jesus gehören. Aber die Offenbarung ist auch von Johannes geschrieben, der viel wertvolle Theologie in seine Schriften einfügt. Das braucht etwas mehr Hintergrundwissen aus dem Alten Testament, sodass ich vorschlage, zuerst etwas leichtere Kost zu sich zu nehmen.

Weitere Tipps und Ressourcen:

Mit der Zeit werden sich viele Bibelleser das eine oder andere Buch dazu kaufen. Ich empfehle, möglichst früh mit einer zweiten Bibel anzufangen, die etwas schwierigere als Hauptbibel und die einfacher übersetzte zum Nachschlagen, wenn Verse auch noch nach mehrmaligem Lesen unklar bleiben.

Ein Bibellexikon kann eine gute Hilfe sein, ebenso eine Konkordanz. Das ist ein Buch, welches zu wichtigen Worten alle Stellen eingetragen hat, wo das Wort vorkommt.

Wenn du mit der Apostelgeschichte fortfährst nach Markus oder allgemein nach den Evangelien, würde ich unbedingt eine Karte mit den Ortsnamen aus der damaligen Zeit ausdrucken oder aus dem Anhang der Bibel heraus kopieren. Glaub mir, du willst nicht alle zwei Minuten bei einem neuen Ortsnamen wieder nach hinten blättern müssen. Nimm lieber eine Karte ausgedruckt neben dich.

Und hier noch ein paar Links, wo ich ältere Beiträge von mir verlinke, die auch helfen können:

Neugierig Bibel lesen

Viele Fragen zum Bibel lesen

… und noch mehr Fragen zum Bibeltext

Die Mini-Kurzversion hiervon auf Insta

Und was sind deine Tipps? Ergänzungen? Fragen?

Das krasseste Gebet der Psalmen

Eins hat mich die fast zweijährige Zeit mit den Psalmen gelehrt: Es gibt sooooo viele unterschiedliche Psalmen. Ich hatte lange das Vorurteil, dass Psalmen immer so ein ähnliches Schema haben, aber in Wirklichkeit sind sie sehr verschieden. Man findet echt für jeden Moment, für jede Gefühlslage, für jede Begebenheit einen Psalm.

Viele Psalmen beginnen einfach mit Gebet oder mit dem Hinweis auf den Autor und die Melodie. Zwischendurch gibt es aber auch welche, die einen Hinweis geben auf den Moment, in welchem sie geschrieben wurden. So etwa jener Psalm, den ich heute etwas näher ansehen möchte. Hier (Link) habe ich die Situation und den Psalm vor einiger Zeit als Gedicht verarbeitet.

Der Schlüssel zu Gottes Herz

In dem Psalm, welchen er in dieser Situation schrieb, machte König David eine Aussage, die das krasseste Gebet der Psalmen, vielleicht sogar der ganzen Bibel sind. Ja, am Kreuz betete der Herr Jesus auch ein sehr krasses Gebet, ER betete für Seine Feinde, die Ihn ans Kreuz nagelten: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Ich bin mir unschlüssig, welches der zwei Gebete ich krasser finden soll. In gewisser Weise sind sie sich ähnlich.

Davids Psalm enthält einen Schlüssel, der uns zum Herzen Gottes führt: Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein zerbrochener Geist; ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten. (Psalm 51:19) Davor und danach hat sich David länger darüber ausgelassen, dass Gott eigentlich nicht so sehr an den Schlachtopfern interessiert ist. Ja, sie gehörten zum regelmäßigen, alltäglichen Gehorsam in der Zeit des Alten Testaments mit dazu. Sie waren ein Weg, mit dem Gott den Menschen zeigen wollte, dass Sünde etwas Schreckliches ist, was nur mit Blut und mit dem Leben eines perfekten Opfertiers, das man aufgezogen hat, für das man gesorgt hat, mit dem man einen persönlichen Preis bezahlt.

Mehr als mechanischer Gehorsam

Aber das Eigentliche, das, wonach sich Gottes Herz sehnt, ist nicht so sehr ein mechanischer Gehorsam. Der mechanische Gehorsam ist ganz klar immer noch besser als gar kein Gehorsam. Und trotzdem:

Der krasseste Moment im Leben eines Christen ist, wenn er zu Gott schreit: Herr, zerbrich mich! Nimm mich, forme mich, mach mein Herz von Herzen gehorsam, nicht mechanisch sondern aus Liebe zu DIR.

Und ich bin überzeugt: Wenn viele Menschen zugleich dieses Gebet neu entdecken, dann ist so vieles möglich. Dieses Gebet bedeutet gerade nicht: Herr, ich will meine Gaben und meine Persönlichkeit aufgeben und nur noch einen kleinen Bruchteil meines früheren Lebens. Im Gegenteil: Es bedeutet, dass Gott deine Kreativität und dein Wissen, deine Fähigkeiten und deine Gefühle nehmen darf und sie in etwas Neues verwandeln.

Es ist ein Leben, von dem Gott verspricht: Oder meint ihr, die Schrift rede umsonst? Ein eifersüchtiges Verlangen hat der Geist, der in uns wohnt; umso reicher aber ist die Gnade, die er gibt. Darum spricht er: »Gott widersteht den Hochmütigen; den Demütigen aber gibt er Gnade«. […] Demütigt euch vor dem Herrn, so wird er euch erhöhen. (Jakobus 4:5-6.10)

Gestillte Seele aus Gott

Interessant ist, dass König David mit den Jahren gelernt hat, diese innere Unruhe zu stillen und gegen seine Sünde anzukämpfen. So konnte er in einem anderen Psalm schreiben: Ein Wallfahrtslied. Von David. O HERR, mein Herz ist nicht hochmütig, und meine Augen sind nicht stolz; ich gehe nicht mit Dingen um, die mir zu groß und zu wunderbar sind. Nein, ich habe meine Seele beruhigt und gestillt; wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter, wie ein entwöhntes Kind ist meine Seele still in mir. Israel, hoffe auf den HERRN von nun an bis in Ewigkeit! (Psalm 131)

Ich habe meine Seele beruhigt, sagt David. Er hat Demut gelernt und Gott hat ihn erhört und erhöht. David hat gelernt, seiner Seele das Evangelium zu predigen. Vieles von dem, was uns zu schaffen macht, sind Dinge, die wir verdrängen. Ich darf in meinen Zeiten des Coachings (Link) auch vieles verarbeiten, wovon ich nicht dachte, dass es mir noch so sehr zu schaffen macht. Du darfst deiner Seele Gottes Gnade zusprechen und selber auch gnädig mit dir sein. Ein zerschlagenes Herz und ein zerbrochener Geist sind das ideale Material, mit dem Gott arbeiten kann.

Sei gesegnet!

40 Jahre nach Francis Schaeffers Todestag – was bleibt? und Rückblick

Nun ist drüben auf der Seite von E21 (Link) auch mein Gastbeitrag zu Francis Schaeffer erschienen. Hier ein kurzer Auszug.

Ein besonders eindrücklicher Schlüsselmoment im Leben von Francis Schaeffer war sein Umgang mit seiner Glaubenskrise. Es war um 1951/52 herum, als er merkte, wie wenig von Gottes Realität in der Christenheit übrig geblieben war. Wie sich alles nur noch um Rechthaberei oder liberale Theologie drehte. Die einen wollten Wahrheit in den Mittelpunkt stellen und vergaßen dabei die Liebe zu den Menschen; die anderen hoben die Liebe hoch und machten dafür Kompromisse mit Gottes Wort. Francis Schaeffer wanderte längere Zeit immer wieder allein in die Berge oder ging auf dem Heuboden auf und ab. Er betete, rang mit Gott und sich selbst – und ging alle Gründe noch einmal neu durch, weshalb er damals Christ geworden war.

Dieser Umgang mit Glaubenskrisen sollte für unsere Zeit zum Vorbild werden. Weniger Ablenkung, mehr Ringen, mehr Fragen, mehr den Zweifeln nachgehen. Ungelöste Zweifel führen zu einem unangenehmen inneren Grundgefühl, welches über längere Dauer zu einer Abneigung gegen den Glauben wird. Als Verantwortliche in Gemeinden und Jugendarbeit ist es entscheidend, dass wir Zweifel nicht verteufeln, sondern als ganz normalen Teil des Menschseins verstehen und den Betroffenen helfen, der Wahrheit Gottes auf den Grund zu gehen. Leider werden solche Zweifel in unserer Zeit viel zu schnell abgetan oder verdrängt, unter den Teppich gekehrt, wo sie weiter gären und wachsen. Für die damalige Nachkriegsgeneration wurde L’Abri zu einer Auffangstation, einer Zuflucht für Menschen mit solchen Krisen. Ihnen wurde geholfen, alle Grundlagen des Lebens neu zu durchdenken. Durch die geradezu pandemische Ausbreitung dieser Zweifel wäre es nötig, dass an jedem Ort ein solches L’Abri entstünde.“

Wer weiterlesen möchte, hier nochmal der Link:

https://www.evangelium21.net/media/4278/40-jahre-nach-francis-schaeffer-was-bleibt

Rückblick:

Rückblickend bin ich sehr dankbar für diese Serie, die dieses Jahr zu Schaeffer entstanden ist. Es ist wichtig, dass das nicht vergessen geht, was er aufgebaut hat, sondern dass vielmehr von ihm gelernt wird.

Hier noch einmal die Beiträge:

Mein Einstieg in die Serie:

https://blog.jonaserne.de/francis-a-schaeffer-serie-zum-40-todestag/1378/

Gastbeitrag von Pfarrer Beat Laffer-König, der unter Schaeffer studierte:

https://blog.jonaserne.de/gastbeitrag-francis-a-schaeffer-zu-seinem-40ten-todestag-2024/1380/

Pastor Kai Kreienbring, der zeigt, wie relevant Schaeffer für unsere Zeit ist:

https://blog.jonaserne.de/gastbeitrag-zu-francis-schaeffer/1382/

Carolin Schmitt, die mit dem Verein BASISlager Karlsdorf-Neuthard eine Art neues L’Abri gründete:

https://blog.jonaserne.de/gastbeitrag-edith-und-francis-schaeffer-ein-leben-das-spuren-hinterlaesst/1384/

Das Interview mit Ellis H. Potter, welcher sich in L’Abri bekehrte und lange Zeit dort mitarbeitete:

https://blog.jonaserne.de/interview-mit-ellis-potter-ueber-francis-schaeffer-und-labri/1389/

Marcel Haldenwang, der sein persönliches Gemeindeerleben durch Schaeffers Schriften reflektiert:

https://blog.jonaserne.de/gastbeitrag-persoenlicher-bezug-zu-francis-a-schaeffer/1391/

Uwe Brinkmann, welchem die Schriften von Schaeffer halfen, seinen Glauben nicht dekonstruieren zu müssen:

https://www.brink4u.com/2024/05/14/zum-40-todestag-von-francis-a-schaeffer-1912-1984-eine-persoenliche-reflexion/

Und schließlich noch mein E21-Beitrag, in welchem ich noch einmal ganz allgemein die Relevanz des Lebens und Schaffens der Schaeffers für unsere Zeit bespreche:

https://www.evangelium21.net/media/4278/40-jahre-nach-francis-schaeffer-was-bleibt

An dieser Stelle herzlichen Dank allen, die mitgewirkt haben.

Viel Segen bei der Lektüre!

Gastbeitrag zum 40. Todestag von Francis Schaeffer

Uwe Brinkmann hat auf seinem Blog (Link) seinen Gastbeitrag zu Francis Schaeffer veröffentlicht.

Kurzer Auszug:

Dass jemand, der die Bibel ernst nahm [1] und das Thema Weltmission [2] und Gemeinde [3] als Herzensanliegen verteidigte, sich gleichzeitig mit philosophischen Fragen beschäftigte [4] und sich „sogar“ mit Fragen der Kunst [5] und des Umweltschutzes auseinandersetzte [6] … –, das war für mich geradezu unerhört. Francis Schaeffer wurde in meinen frühen 20-ern zu einer wahnsinnig starken Ermutigung, die ganze geschöpfliche Wirklichkeit als die eine Welt Gottes zu verstehen und mein Leben nicht in einen religiösen und weltlichen Teil aufzuspalten.“

Herzliche Einladung, den Rest seines Beitrags im Original zu lesen:

https://www.brink4u.com/2024/05/14/zum-40-todestag-von-francis-a-schaeffer-1912-1984-eine-persoenliche-reflexion/