Der Bruch im seelsorgerlichen Gespräch
Eduard Thurneysen schreibt:
(Thurneysen, Eduard, Die Lehre von der Seelsorge, Chr. Kaiser Verlag München, 1948, S. 114)
Selig sind die Sanftmütigen
Vers 3: Ihrer ist das Reich der Himmel = Gemeinde, in welcher zugleich auch die zukünftige Ewigkeit beginnt
Die Gemeinde ist die örtliche Gemeinschaft derer, die an den Herrn Jesus gläubig geworden sind. Jeder Gläubige hat seinen Platz in der Gemeinde und gehört dieser Gemeinde, weil er ein Glied (ein Körperteil) des Leibes Jesu ist, genau so, wie auch meine Füße mir gehören. Sie sind ein Teil von mir, und was ich ihnen befehle, das müssen sie tun. Die Willens-Schaltzentrale der Gemeinde ist immer der Herr Jesus selbst, Er ist das Haupt, der Kopf, und hat damit das Sagen. Auch wenn es keine Gemeinde gibt, welche 100% immer dem Herrn gehorsam ist, so ist es doch notwendig und der Wille Gottes, dass wir einer Ortsgemeinde angeschlossen sind und ihr treu dienen. Eine Gemeinde kann nie besser sein als ihre Gemeindeglieder, deshalb ist es nötig, dass jede und jeder am eigenen Platz das Beste gibt.
In der Gemeinde können wir auch diese Sanftmut lernen, die der Herr von uns möchte. Was bedeutet denn „Sanftmut“ eigentlich? Das griechische Wort „praus“ wurde ursprünglich gebraucht, um einen guten, treuen und nicht aufsäßigen Knecht (Diener, also Hausangestellten) zu beschreiben. Sanftmut ist somit das Gegenteil von Aufsäßigkeit, Kritiksucht, Murren, etc. und läuft darauf hinaus, dass man seine Aufgaben auch dann, wenn sie einem nicht schmecken, treu und gewissenhaft erledigt ohne zu murren. Auch Demut und Unterwürfigkeit ist ein Stück weit in diesem Begriff enthalten.
Wenn Jesus nun von dieser Sanftmut spricht, meint Er damit, dass wir zunächst unserem Herrn und Retter mit solcher Sanftmut dienen sollen. Wir sollen nicht aufbegehren, wenn wir Dinge tun müssen, von denen wir denken, sie seien unter unserer Würde. Sanftmut ist aber auch in der Gemeinde angesagt, gerade der Leitung der Gemeinde gegenüber. Wir müssen nicht immer der selben Meinung sein, aber ihre Stellung ist zumindest vergleichbar mit derjenigen unseres Arbeitgebers. Diesem müssen wir auch in angemessener Haltung begegnen, um ihn nicht zu erzürnen. Wir haben uns in der Gemeinde aber oft angewöhnt, der dortigen Obrigkeit gegenüber schamlos frech und kritisch gegenüber zu treten. Sie sind unsere Obrigkeit im geistlichen Reich Gottes. So wie es Richter, Priester, Könige, Leiter gab in Israel, so sind unsere Gemeindeleiter von Gott als geistliche Obrigkeit im Reich Gottes eingesetzt. Nicht unfehlbar, aber Respekt verdienend. Auch in der Welt steht es uns gut an, die sanftmütige Herzenshaltung anzutrainieren. Gerade bei der Arbeit und in der Verwandtschaft, wo es so oft zu Streit kommt.
… und trotzdem liebe ich die Gemeinde!
Ökumene oder Einheit des Geistes?
Unter dem Schlagwort „Lehre trennt, Liebe eint“ wird heutzutage sehr oft eine unbiblische, geistlose Ökumene propagiert. Das eigentliche Problem ist dabei jedoch nicht, dass Gemeinden und Kirchen der verschiedenen Denominationen zusammenarbeiten. Das Problem liegt ganz woanders: Diese Lehre von der Ökumene erwartet in dieser Zusammenarbeit das Heil für die ganze Christenheit. Es ist eine moderne Art von Messias-Erwartung, einzig mit dem Unterschied, dass das moderne Heil nicht von Jesus Christus ausgeht, sondern von den Menschen. Sehr oft wird das auch mit dem Gebet um das Kommen des Reiches Gottes „wie im Himmel so auf Erden“ begründet. Man will das Gottesreich auf pastorale, psychologische und marktwirtschaftliche Weise herbeiholen. Nun könnte man natürlich auch fragen, weshalb dies denn falsch sei. Die Antwort darauf ist recht einfach, Jesus gab sie in Joh. 18, 36: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Das heißt: Es kann nicht mit den weltlichen Methoden hergestellt werden. Es gibt viele Werkzeuge, die uns dabei unterstützen können, weltliche Werkzeuge. Aber das Reich Gottes wird nur auf übernatürliche Weise gebaut. Jedes Werkzeug sollte auch gut durchdacht werden, bevor man es einsetzt. Hier gilt: Vieles kann gut sein, aber nicht in jedem Fall. Ein Beispiel: Wenn der größte Teil der Gemeinde am Liederbuch hängt, macht es relativ wenig Sinn, auf den Beamer umzusteigen. Sowohl das Liederbuch, als auch der Beamer sind beides weltliche Hilfsmittel, Werkzeuge, die gute Dienste leisten können. Je nachdem, wann und wie sie eingesetzt werden. Doch all diese Tools müssen gezielt überlegt genutzt werden, und: Sie haben direkt nichts mit dem Ausbreiten des Reiches Gottes zu tun.
1. Gottes Reich wird ausgebreitet durch das Evangelium
Das scheint mir der erste und wichtigste Punkt zu sein. Wir müssen bedenken: Das Evangelium ist Lehre, es ist da, um gehört zu werden, so wie Paulus im Römerbrief 10, 17 schreibt: „Der Glaube kommt aus dem Hören (der Verkündigung), das Hören der Verkündigung aber aus dem Wort Christi.“ Ohne das verkündigte Evangelium gibt es keinen Glauben. Zumindest hat Gott auf keine andere Art und Weise versprochen, auch nur irgend eine Form des echten Glaubens zu schaffen, als eben durch die Verkündigung Seines Wortes. Dass es auch andere Einzelfälle gibt, ist korrekt, aber wer immer hier auf Erden aktiv Gottes Reich bauen möchte, muss dies durch die Verkündigung des Evangeliums tun. Und weil das Evangelium die Liebe unseres Gottes bezeugt, der wegen unserer Sünde gelitten hat, gekreuzigt wurde und für unser Leben mit Ihm auferstand, darf diese einzig seligmachende Lehre weder verwässert noch aufgegeben werden. Es ist uns verboten, irgend einen anderen Mittelpunkt zu wählen als den, welchen Gott uns gesetzt hat. Wir dürfen weder den Menschen mit seinen Problemen, noch die Ungerechtigkeit dieser Welt, noch die Ökumene oder irgend etwas Anderes an diese Stelle setzen. Gott hat uns das Evangelium gegeben, um das Reich Gottes auszubreiten. Alles andere widerspricht dem Auftrag an uns.
2. Gottes Reich wird ausgebreitet durch die Gemeinden
Die Ortsgemeinde ist der Platz, an dem das Evangelium gepredigt werden soll. Dadurch werden Menschen in den Glauben gerufen, im Glauben gestärkt und dazu ausgerüstet, selbst auch zum Botschafter dieses wunderbaren Evangeliums zu werden. Dies geschieht durch Wort und Tat am Arbeitsplatz, in der Familie, in der Nachbarschaft, beim Einkaufen, überall sind Menschen, denen man das Evangelium vorleben und sie in die Gemeinde einladen kann. Es ist auch gut, dass es verschiedene Gemeinden und Denominationen gibt. So fühlen sich nicht alle in derselben Gemeindeform wohl. Das ist auch nicht schlimm. Es kann uns zwar zu denken geben über unseren Gemeindestil, aber solange jemand überhaupt in eine Gemeinde geht, in welcher das Evangelium gepredigt und gelebt wird, ist das gut. Hier sieht man einmal mehr, dass Lehre eben nicht trennt, sondern eint. Somit ist das Schlagwort völlig deplatziert, wenn es um die Einheit der Gläubigen geht. Die gemeinsame Lehre eint die Gemeinden automatisch, egal welchen Denominationen sie angehören. Der Apostel Paulus schreibt schon bezüglich der Einheit des Geistes in Epheser 4, 4 – 6: „ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.“ Damit nennt er alle Elemente, welche die Gemeinden zu einer Einheit machen: Es ist ein weltweiter Leib, die unsichtbare Gemeinde aller wahrhaft Gläubigen, und ein und derselbe Heilige Geist, der alle Gläubigen verbindet. Eine Hoffnung, die wir alle gemeinsam haben, nämlich die Hoffnung auf das ewige Leben mit Gott in Gemeinschaft aller Gläubigen aller Zeiten. Alle haben wir einen Herrn, den Herrn Jesus, dem wir alle gemeinsam unterstellt sind. Es gibt nur eine Taufe, nämlich die Taufe zur Buße auf den Glauben, dieser werden alle Gläubigen teilhaftig. Und wir alle glauben an den einen Gott und Vater aller Gläubigen.
Es ist nun klar, dass damit auch eine gewisse Trennung vorhanden ist. Moslems können nicht von Allah als ihrem Vater sprechen. Wer nicht den Glauben an den Herrn Jesus teilt, schließt sich automatisch selbst von dieser Gemeinschaft aus. Insofern trennt die Lehre schon, denn sie ruft nicht „Friede, Friede“, wo kein Friede ist (Hes. 13, 10 u. a.). Es ist auch wichtig, niemandem etwas Falsches vorzumachen, indem man dort einen Frieden predigt, wo gar keiner ist. Denn damit macht man sich am Anderen schuldig, statt ihm die Chance zu echter Umkehr und wahrem Leben aus dem Herrn Jesus zu geben.
3. Unsere Gemeinden brauchen Lehre – dringender denn je zuvor
Nachdem man die Lehre längere Zeit vernachlässigt hat, sind Generationen von Menschen herangewachsen, die keine Ahnung mehr haben, was sie glauben (sollen) und was nicht. Die Menschen sehnen sich nach dem stärkenden frischen „Gras“ der Weide und lechzen nach allem, was diesen Anschein macht. Viele Bücher mit schwerwiegenden Irrlehren, die das Evangelium untergraben versuchen, werden gerade deshalb bereit und willig aufgenommen, weil sie so viel mehr nach Lehre und Sicherheit klingen, als all das, was ihnen Woche für Woche von den Kanzeln entgegen schallt. Sollte uns das nicht zu denken geben? Ich meine, ja, das sollte es. Dies sagt uns nämlich einiges über unsere eigene Gemeindelehre aus. Wer gesättigt ist, braucht nicht Ausschau halten nach fremden Wiesen und fremden Hirten. Ganz besonders sollte auch der biblische Unterricht und die Kinderlehre, Sonntagsschule, etc. überdacht werden. In der Zeit von ca. 6 – 12 Jahren wird ein Kind am stärksten geprägt. Gewohnheiten, die es sich in jener Zeit antrainiert, sind nur sehr schwer später wieder loszubekommen. Deshalb sollten Sonntagsschullehrer, Religionslehrer an der Grundschule, aber auch Eltern ganz besonders unterstützt und in ihrem Glauben gestärkt werden. Und sie alle sollten ein Auge für die biblische Lehre erhalten und lernen, wie sie auf kindgerechte Art und Weise den Kindern die wichtigen Lehren der Schrift beibringen können.
Drei Schutzmauern zum Allerheiligsten
Diese Bestandteile beschreiben den Weg des Glaubens, den Weg zum Vaterherzen Gottes und den Weg der Gemeinde zum Allerheiligsten. Der Vorhof konnte von allen Israeliten besucht werden. Auf dem Brandopferaltar wurden die Tiere für das Sündopfer geopfert. Wenn jemand gesündigt hat, brachte er ein Opfertier zum Tempel. Dort bekannte er dem Priester seine Sünde, legte dem Tier die Hand auf den Kopf und schlachtete es, indem er dem Opfertier die Halsschlagader aufschnitt. Mit dem Auflegen der Hand übertrug er seine Sünde auf das Tier und bekannte mit dem Schächten, dass er eigentlich verdient hätte, zu sterben. Dies diente auch dazu, dass man sich in Zukunft mehr Gedanken machte, was Sünde bedeutet. Der Lohn der Sünde ist der Tod, schrieb Paulus (Römer 6, 23). Jeder Israelit wusste dies, denn seine Sünden kosteten zahlreichen Tieren das Leben. Als eigentliches Opferlamm kam Jesus Christus und starb an unserer Stelle (Hebräer 9, 14). Seither ist es nicht mehr notwendig, für seine Sünden Tiere zu schlachten. Ein für alle Male ist der Herr Jesus gestorben und auferstanden und hat damit unser aller Sünde bezahlt (Hebräer 7, 27).
Das zweite Gerät im Vorhof ist das kupferne Waschbecken. Dort drin mussten die Priester sich jeden Tag, bevor sie ihren Dienst antraten, ihre Hände und Füße waschen. Das Waschbecken war außen ganz kupfern, das heißt, es bestand aus dem Metall, welches damals für Spiegel genutzt wurden. Wer sich also in dem Waschbecken wusch, musste sich die ganze Zeit selbst ansehen, und damit auch seine mangelnde Perfektion erkennen. Jesus griff das Motiv des Vorhofs bei der letzten Zusammenkunft vor der Kreuzigung im Obergemach auf und sagte seinen Jüngern, dass jeder, der einmal ganz gereinigt ist (der sich bekehrt hat) nur noch nötig hat, seine Füße gewaschen zu bekommen (Johannes 13, 10). Die Fußwaschung ist die sich immer wieder erneut wiederholende Bitte: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern (Matthäus 6, 12). Sich gegenseitig die Füße zu waschen bezieht sich somit auch auf die gegenseitige Vergebung.
So ist der Vorhof also das in unserem Leben, was nach außen hin sichtbar ist. Es ist die erstmalige Bekehrung und Abkehr von der Sünde, sowie das tägliche Leben in der Heiligung. Die erste Mauer der Gemeinde ist also das Leben der Gemeindeglieder. Dieser Schutz wird durch die Bereitschaft zur Gemeindezucht aufrechterhalten. Eine Gemeinde, die nicht mehr bereit ist, Gemeindezucht zu üben, hat der Welt und der Sünde ein erstes Tor offengelassen. Das Aufgeben der Gemeindezucht ist ein erster sichtbarer Schritt in die Welt hinein.
Im äußeren Zelt, dem Heiligtum, befinden sich wie bereits festgehalten drei Geräte: Die Menorah, das ist der siebenarmige Leuchter, steht für den Heiligen Geist, welcher der Autor der Bibel ist. Er hat die Schreiber der biblischen Bücher inspiriert und ihnen die richtige Erleuchtung gegeben, um das aufzuschreiben, was Gott allen Generationen und Völkern aller Zeiten sagen möchte, ist aber zugleich auch derjenige, der beim Lesen und Hören das richtige Verständnis des geschriebenen Wortes gibt. Die sieben Leuchter stehen für die Göttlichkeit des Heiligen Geistes und das Öl in ihnen für die geistliche Salbung (1. Johannes 2, 20; 27). Diese ist notwendig, damit wir die Bibel überhaupt verstehen können.
Als Zweites befindet sich da auch der Tisch mit den Schaubroten. Dies sind Brote, die regelmäßig nach genauen Vorgaben neu gebacken und nach ebenso genauen Vorgaben auf diesem Tisch ausgerichtet werden mussten. Jesus sagt von sich selbst: „ICH bin das Brot des Lebens“ (Johannes 6, 48) und: „Niemand lebt vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort aus dem Munde Gottes“ (Matthäus 4, 4). Jesus ist das fleischgewordene Wort Gottes, man könnte auch sagen das Wort Gottes (die Bibel) in einem menschlichen Körper (Johannes 1, 14).
Das dritte Gerät im Heiligen ist der Räucheraltar. Auf diesem wurden Tag für Tag Rauchopfer dargebracht. Wie wir aus Offenbarung 5, 8 erfahren, ist dieses Rauchopfer ein Sinnbild für unser Gebet. Wenn wir beten, steigen unsere Gebete wie Rauch zu Gott auf und werden von einem Engel in einer Schale überbracht. Auch hier hilft uns der Heilige Geist, denn wir wissen nicht, was wir beten sollen. Er schenkt uns Erkenntnis darüber wenn wir in Gottes Wort lesen, dessen Urheber der Heilige Geist ist.
Die mittlere Schutzmauer ist somit das Zwiegespräch mit Gott, das in erster Linie durch das Lesen der Bibel und das Gebet geschieht. Satan versucht beständig, diese Schutzmauer einzureißen, indem er uns vom Gebet abhält und die Unfehlbarkeit und Allgenügsamkeit der Bibel in Frage stellt. Es stimmt, dass Gott auf unzählige Arten zu uns sprechen kann, doch haben wir alles, was wir brauchen in der Bibel. In ihr finden wir die Antworten auf unsere Fragen. Wir dürfen uns freuen, wenn Gott auch auf andere Arten zu uns spricht, doch dies ist weder heilsnotwendig noch sollen wir es bewusst suchen. Wenn wir auf das Lesen der Bibel verzichten und stattdessen von Gott erwarten, auf andere Weise eine Antwort zu bekommen, ist das Hochmut. Und bekanntlich widersteht Gott den Hochmütigen. Ebenso ist jegliches bewusste Ablehnen von Teilen der Bibel ebendieser Hochmut und führt ins Verderben. Wo die Bibel als ewiger, letztgültiger und in jeder Situation aktueller Maßstab abgelehnt wird, gibt es kein Fundament mehr, das halten kann. Deshalb ist es ja gerade auch diese Schutzmauer, auf die Satan beständig einstürmt.
Im Allerheiligsten, im innersten Raum, da stand die Bundeslade. Dies war eine Art von Truhe, in welcher sich die zwei Tafeln mit den Zehn Worten (Geboten) befanden. Dies war das Gesetz, gegen welches niemand verstoßen durfte und welches das Leben der Israeliten sowohl mit Gott als auch untereinander regelte. Oben auf der Bundeslade war der Sühnedeckel, ein mit Gold überzogener Deckel, auf dem zwei goldene Cherubim waren. In die Mitte zwischen die beiden Cherubim war die Schechina-Herrlichkeit, das ist die Gegenwart Gottes. Dort hin musste jedes Jahr am Jom Kippur (Versöhnungstag) das Blut eines Bockes gespritzt werden. Das Blut deckte die Sünden (gegen das darunter liegende Gesetz) des Volkes zu. Dieses Bedecken ist die Versöhnung, auch Gnade genannt. Die Gnade ist die Kraft des Heiligen Geistes, die uns zur Bekehrung bringt und uns hilft, ein Gott gefälliges Leben zu führen. Wo die Versöhnung geleugnet wird, hat Satan den Tempel ganz eingenommen. Leider ist dies in zunehmend mehr Gemeinden der Fall. Wo die äußerste Schutzmauer einmal gefallen ist, wird es nicht allzu lange dauern, bis die nächste dran kommt. Und auch nach der Zweiten bis zur Dritten ist nur ein kleiner Schritt.
Deshalb lasst uns selbst prüfen, welche unserer Mauern noch intakt sind. Lasst uns kämpfen und nicht aufgeben dabei. In einer Zeit, in welcher zunehmend auch bibeltreue Gemeinden fallende Mauern sehen, ist das nicht einfach. Wir brauchen eine geistliche Erneuerung, gerade besonders auch an den Ausbildungsstätten, den Universitäten, wo Menschen für den Dienst in Gottes Tempel zugerüstet werden. Lasst uns nicht müde werden, die Zentralität des Sühnewerks auf Golgatha, der Unfehlbarkeit und Allgenügsamkeit des Wortes Gottes und des Lebens im Gehorsam nach Gottes Willen festzuhalten. Und lasst uns beten, dass eine Erweckung kommt, eine Erweckung an geistlichen Leitern, die bereit sind, sich ganz und gar dem Wort Gottes zu unterstellen. Mit dem Herrn Jesus auf dem Banner und dem Wort Gottes als zweischneidiges Schwert ist uns der Sieg gewiss.
Fromm-fröhliches Solochristentum
Wir leben in einer Zeit, in welcher man meinen könnte, die Gemeinde sei eine überholte Institution für Ewiggestrige. Der heutige Christ kann sich seine Predigten im Internet anhören, kann ganze Gottesdienste im Fernsehen verfolgen oder im Radio anhören. Je mehr diese Tendenz zunimmt, desto mehr fragt sich der einzelne Mensch aber auch: Was kann Gott für MICH tun? Ich, Mich, Mir und Mein bestimmen unser Denken. Dabei vergessen wir viel zu schnell, dass in all den Bildern, die Jesus und die Apostel vom Christsein gebrauchen, gar nicht so sehr auf den Einzelnen bezogen sind. Nehmen wir zum Beispiel das Gleichnis Jesu vom Guten Hirten, der das hundertste Schäflein suchen geht. Da ist es normal, dass die Herde beisammen bleibt. Das einsame, fromm-fröhliche Soloschäflein ist hier ungehorsam und muss wieder zur ganzen Herde gebracht werden. Im Epheserbrief gebraucht Paulus das Bild einer geistlichen Armee, die gegen die Mächte des Bösen kämpft. Sie ist für den Kampf als gesamte Armee ausgerüstet und nicht für den Nahkampf einzelner Soldaten. Wer so ausgerüstet ist, wie Paulus dies im Epheser 6 beschreibt, wird allein keine große Chance haben, einen Kampf zu überstehen. Gott hat sich nie gedacht, dass das Solochristentum eine legitime Form des Glaubens sein kann. Ein einzelner Stein, so schön er auch zugehauen ist, und so passgenau er auch ist, er macht kein geistliches Haus aus, wie Petrus dies im zweiten Kapitel seines ersten Briefes beschreibt.
Nein, Gott hat klar festgelegt, dass jeder Gläubige eine Heimat, ein Zuhause, eine Gemeinde braucht. Wer dies nicht einsehen will, beweist damit nur, dass er Gottes Plan noch nicht verstanden hat. Die Gemeinde hat eine ganz zentrale Funktion im Plan Gottes, und deshalb haben wir alle auch die Verantwortung, ein Vorbild in Bezug auf unsere Treue zu unserer Ortsgemeinde zu sein und andere damit anzureizen und zu ermahnen, ihre Gemeinde nicht zu verlassen. Ich möchte hier in aller Kürze versuchen zu umreißen, weshalb wir alle ein geistliches Zuhause brauchen, eine Ortsgemeinde, der wir uns verbindlich anschließen:
1. Die Gemeinde ist Gottes Rettungsanstalt für die Welt. Gott hat das aktive Hören der Predigt in der Gemeinde als Mittel zur Rettung eingesetzt (Römer 10, 17). Dies ist die einzige von Gott offiziell verordnete Möglichkeit, um gerettet zu werden. Die Predigt ist nur vor Ort in der Gemeinde dynamisch und kräftig und dazu geschaffen, um verlorene Sünder zu Heiligen im Herrn zu machen. Wo eine Gemeinde vorhanden ist, und diese Möglichkeit (aus welchen Gründen auch immer) nicht genutzt wird, ist absolut keine Entschuldigung für den fehlenden Glauben zu finden. Auch wenn uns, die wir vielleicht bereits zum Glauben gekommen sind, der Glaube in einer bestimmten Situation fehlt oder abhanden gekommen ist, so ist die Predigt in der Ortsgemeinde der von Gott dafür verordnete Ort.
2. Die Gemeinde ist von Gott dafür eingesetzt, damit wir in der Liebe und in der Mündigkeit wachsen. Gottes Absicht mit der Gemeinde ist es, dass dort viele verschiedene gerechtfertigte Sünder aufeinander treffen und aneinander Liebe lernen. Dies ist sehr oft mit schweren Enttäuschungen verbunden, weil wir vielleicht Dinge erleben müssen, von denen wir denken, dass wir von Gläubigen etwas Besseres erwarten dürften. Solche zu hohen Erwartungen, gepaart mit schweren Verletzungen, helfen uns, Menschen besser kennen und einschätzen zu lernen. Außerdem ist die Gemeinde auch der Ort, an welchem wir in unserer Mündigkeit wachsen dürfen. Mündigkeit bedeutet, dass wir lernen, alle Dinge aus der Sicht Gottes zu sehen und zu beurteilen.
3. Die Gemeinde ist der Ort, an welchem wir unsere Gaben und Talente einsetzen dürfen. Jede und jeder von uns hat bestimmte Gaben und Talente von Gott bekommen. Dies sind Aufgaben, die wir gut und gerne machen. Sie alle gehören zuerst der Gemeinde, sobald wir dem Herrn Jesus gehören. Die Gemeinde ist der Leib Christi, also der Körper des Herrn Jesus Christus. Und wenn wir Ihm dienen wollen, so tun wir dies in der Gemeinde. Dort sind wir Hände und Füße des Herrn Jesus, mit denen wir gemeinsam die Welt als Salz und Licht verändern. Ein Lichtfünklein und ein Salzkörnchen bleibt unbemerkt. Erst durch den gemeinsamen Dienst in der Welt wird diese aufmerksam auf die Liebe des Herrn.
Evangelium21-Konferenz – ein Rückblick
Noch eines sollte man sich nicht entgehen lassen: Im kommenden Mai, vom 13. – 15. 05. 2012, wird die zweite Auflage der Konferenz stattfinden. Als Redner werden John Piper und Donald A. Carson, sowie weitere Sprecher vom Netzwerk Evangelium21 erscheinen. Am besten gleich vormerken und rechtzeitig anmelden! Natürlich auch dieses Mal wieder in der Arche Gemeinde und Missionswerk Hamburg.
Rahab und die rote Schnur
Das Erste was wir von ihr lesen ist das: Wir haben gehört. Sie hat gehört und ist durch das Hören gläubig geworden. Das sagt uns Paulus in Röm. 10, 17 auch. Der Glaube kommt aus dem Hören von der guten Nachricht von Gott. Und diese Gute Nachricht, das Evangelium, ist nicht erst etwas Neutestamentliches, es beginnt mit 1. Mose 1, 1: Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.
Das Zweite, was wir von ihr lesen ist das: Sie bekennt sich zum Gott Israels. Sie sagt: Denn Jahwe, euer Gott, ist Gott im Himmel und auf Erden. Das ist ihr Glaubensbekenntnis und kommt von ganzem Herzen. Dieses Glaubensbekenntnis geschieht aber nicht nur mit den Lippen, sondern auch mit ihren Taten. Sie nimmt die Kundschafter des Gottesvolkes auf und führt die Soldaten in ihrer Stadt in die Irre. Sie hat sich entschieden für den Gott Israels und ist dafür bereit, sogar ihre eigene Heimat, ihr Zuhause, zu verraten.
Ein Drittes sehen wir: Sie wünschte sich ein Versprechen von Gott, eine Zusage, dass ihr Glaube belohnt wird. Sie hatte noch keine Bibel, in der alle Verheißungen drin stehen. Deshalb bat sie die Kundschafter, ihr zu versprechen, dass sie und ihre Familie unter Gottes Schutz stehen. Sie bekam auch diese Verheißung mit der Bedingung, dass sie in das Fenster, wo sie die Kundschafter herunterließ, ein Stück karminrote Schnur hängen solle.
Viertens sehen wir, dass ihr Gehorsam vollständig war. Er betrug 100%. Gott ist 100% treu und 100% genau im Einhalten Seiner Versprechen. Er möchte aber von uns auch 100%igen Gehorsam. Rahab war so gehorsam. Sie nahm keine grüne oder blaue Schnur, nein, eine karminrote Schnur musste her und in genau dieses eine Fenster gehängt werden. Dieses Fenster lag nach außen hin zur großen Verkehrsstraße, wo jeden Tag hunderte von Händlern und Käufern durchkamen. Wahrscheinlich wurde sie auch oft ausgefragt und ausgelacht wegen dieser Schnur, doch sie war bereit, den Preis des Spottes zu zahlen.
Diese blutrote Schnur ist ein Symbol für das Blut, das Jesus auf Golgatha für uns zur Erde fließen ließ. Auch Er war ausgestellt, verspottet und hatte mächtig zu leiden. Auch Er war geduldig und gehorsam bis zum Tod – dem schrecklichen Tod am Kreuz. Damit wir wieder mit Gott versöhnt leben können hat Er unsere Schuld bezahlt. Mit jedem Tropfen Blut, das aus Ihm auf die Erde floß. Und wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist Er treu und gerecht, dass Er unsere Schuld vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit! (1. Joh. 1, 9). Das ist Gottes Versprechen an jede und jeden von uns! Wie Rahab die Kundschafter beim Wort nahm, dürfen wir Gott beim Wort nehmen. Wie Rahab gehorsam war, und zwar mit Genauigkeit gehorsam, so dürfen auch wir Gott mit genauem Gehorsam dienen. Was ist zur Zeit deine rote Schnur? Ist es, dass du eine Gemeinde suchst und dich dort verbindlich einbringst? Ist es, dass du in deiner Gemeinde regelmäßig teilnimmst und mitmachst? Ist es, dass du andere Menschen in die Gemeinde einlädst? Sei gesegnet!
(Kurzfassung einer Predigt, gehalten am 26. Juni 2011)
