Buchtipp: Undeceived von Chris Yates

Undeceived by Chris Yates

Yates, Chris, Undeceived, März 2026, Amazon-Link

Lying in my bed I hear a book click and I think of truth… Es begann an einem Freitagnachmittag. In der Facebook-Gruppe „Christian Rock/Metal“ ploppte eine Nachricht auf, in der es ausnahmsweise nicht um eine neue CD, sondern um ein Buch ging: „Undeceived – A Christian Metal Novel“. Mein erster Gedanke: Extol. Im Juni 2000 veröffentlichte die norwegische Band ihr zweites Album unter exakt diesem Namen. Neugierig besorgte ich mir die Kindle-Version von Chris Yates. Später am Abend, nachdem wir gegessen hatten, legte ich mich neben meine zwei jüngeren Jungs. Während sie einschliefen, verschwand ich in den 2000er-Jahren zwischen Paris (Texas) und Seattle.

Das Buch ist ein Roman – die Personen und Bands sind frei erfunden. Doch nachdem ich das Werk in einer „Liegung“ verschlungen hatte (nach etwa anderthalb Stunden und dem ein oder anderen verdrückten Tränchen war ich durch) und den Autor kontaktierte, stellte sich heraus: Chris Yates hat vieles davon selbst erlebt. Im Buch ist Undeceived der Name einer Metalcore-Band aus Freunden, die gerade ihr Line-up polieren, als sie auf die Anzeige eines Bandcontests stoßen. Nachdem sie bei einem Konzert erleben, wie eine andere Formation gottlose Parolen ausstößt, entscheiden sie sich für einen radikalen Gegenentwurf: Sie wollen eine bewusst christliche Band sein und am Ende ihrer Shows zur Umkehr zu Jesus aufrufen.

Beim Contest wird ihnen genau das zum Verhängnis: Obwohl sie musikalisch den meisten Zuspruch vom Publikum erhalten, wird ihnen der Sieg aberkannt. Wenig später, nach einem Auftritt bei einem großen christlichen Jugendevent, folgt der nächste Dämpfer: Christliche Leitungspersonen bezeichnen ihre Musik als böse. Doch eine Aufnahme dieses Konzerts landet im Internet und verbreitet sich rasant. Plötzlich sind sie bekannt – so bekannt, dass ein Studio aus der Umgebung von Seattle ihnen ein Angebot macht. Die Bedingung: Sie müssen sich ein halbes Jahr lang in der dortigen Szene beweisen.

Es folgt, was in der damaligen Zeit des „wilden Metal-Westens“ folgen musste: Umzug, Konflikte und irgendwann die Auflösung. Ohne zu viel zu verraten: Wer einen reißerischen Rockstar-Absturz erwartet, wird enttäuscht. Und genau das ist die Stärke des Buches. Das Ende ist unspektakulär, fast schon zahm – und gerade deshalb tiefgreifend ehrlich. Es zeigt, dass der Dienst für den Herrn nicht immer im Scheinwerferlicht stattfindet, sondern oft in der Treue des Alltags – lange nachdem der MySpace-Account (oder die „Time Capsule“, wie Chris es nannte) gelöscht wurde.

Nachdem ich das Tablet zur Seite gelegt hatte, schrieb ich Chris Yates an. Ich wollte wissen, wie viel von seiner echten Band „Jolly Lhama“ in Undeceived steckt. Chris, der heute wieder in Paris, TX, lebt, antwortete fast in Echtzeit. Er bestätigte mir, was man beim Lesen spürt: Das Buch ist eine Parabel. Die echten Versatzstücke seines Lebens – vom Umzug quer durch die USA bis hin zu den DIY-Shows auf den Parkplätzen von Autowerkstätten – sind der Motor dieser Geschichte.

Warum hat mich das so berührt? Vielleicht, weil Yates den Finger in eine Wunde legt, die viele von uns kennen. Die Band im Buch merkt schnell: Das Image, das von ihnen erwartet wird – egal ob von der Industrie oder der christlichen „Bubble“ –, hat oft wenig mit der Realität zu tun. Der Titel Undeceived (nicht länger getäuscht oder schlicht: Ent-täuscht) ist Programm. Es geht um das Ablegen der Masken.

Chris erzählte mir von einer seiner liebsten Erinnerungen: Ein kleiner All-Ages-Club namens Club Impact in Tacoma. Ein junges Paar betrieb diesen christlichen Laden und kochte für die Bands, bevor sie auf die Bühne gingen. Es ist dieses Bild einer gemeinsamen Lasagne vor dem Lärm der Show, das den Kern des Buches atmet. Während die Welt des Metalcore oft nach „härter, lauter, extremer“ schreit, findet der Glaube bei Chris Yates dort statt, wo Menschen einander dienen – sei es am Kochtopf oder am Schlagzeug. Diese Bodenständigkeit zieht sich durch das ganze Werk. Es geht nicht um den großen Rockstar-Mythos, sondern um die kleinen, echten Momente.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Lektion des Buches: Dass wir nicht erst dann wertvoll sind, wenn wir auf einer Bühne stehen und die Welt bekehren, sondern genau dann, wenn wir ehrlich unsere Geschichte teilen – bei einer Lasagne oder nachts im Kinderzimmer, während die nächste Generation neben uns einschläft. Es ist ein sehr heilsames Ende. Nicht der Druck, nicht die Geschwindigkeit des Shreddings, und auch nicht die Anzahl der neuen Releases oder Touren, die man macht, zählen. Vielmehr ist es die Treue an dem Ort, an den man gestellt wird.

Diese Art von Bodenständigkeit versuche ich nicht nur in meinen Texten, sondern auch in meinen Audiokursen weiterzugeben. Kein ‚Bekehrungs-Druck‘, sondern echtes Handwerkszeug, um beispielsweise die Bibel wieder als das zu lesen, was sie ist: Ein Buch voller Leben, Scheitern und Hoffnung. Wer tiefer graben will, findet hier (Link) einen unaufgeregten Einstieg.