Monday Humor: Postschweinerei

Die Schweine fühlen sich diskriminiert, weil sie Schweine genannt werden. Immer wieder führen sie Demonstrationen gegen diese Benennung durch und diskutieren unter sich, wie sie lieber genannt werden wollen. Sie seien ja äußerst reinliche Tiere, die sich nur deshalb von Zeit zu Zeit im Dreck wälzten, um danach wieder sauber zu werden. Außerdem sei es eine große Zumutung, dass Menschen ihr Durcheinander als Schweinerei bezeichnen würden, viel treffender würde man diese Menscherei nennen, da ja nur Menschen sowas in Realität machen könnten. Eine kleine aber sehr lautstarke Gruppe von Schweinen will außerdem erreichen, dass alle Schweine nur noch so genannt würden, wie sie sich fühlen: Ein Schwein, das sich als Katze fühlt, solle deshalb auch „Katze“ genannt werden, auch dann, wenn sie das Miauen und Schnurren noch nicht gelernt hat.

Nun gibt es eine große Diskussion darüber, wie sich die Schweine in Zukunft nennen sollen. Eine wachsende Anzahl von Schweinen plädiert dafür, sich Postschweine zu nennen, da sie sich damit von ihren früheren Generationen abheben und diese kritisieren können. Nun erhebt allerdings die Gewerkschaft der briefverteilenden Schweine Einspruch und will eine Klage gegen diese Verwendung prüfen, da sich dieser Name für ihre Arbeiter etabliert hat. Die weitere Diskussion dürfte spannend werden; insbesondere auch deshalb, weil inzwischen wieder eine neue Generation von Schweinen in die Fußstapfen der älteren Generation davor getreten ist, die sich wiederum durch den Begriff Postschweine diskriminiert fühlen würde.

Rückblick auf ein volles Lesejahr

Etwas über 90 Bücher habe ich 2017 gelesen, teilweise neu erschienene, daneben aber auch ein paar richtig alte Klassiker. Die meisten habe ich zum ersten Mal gelesen, einzelne aber auch insgesamt schon öfters. Hier ein paar Listen von Büchern, die mich besonders beschäftigt haben:

a. Neuerscheinungen

1. Fischer, Rebecca Dernelle, Und dann kam Pia. Link zum Buchtipp

2. Engelberg, Ernst, Bismarck. Sturm über Europa. Link zum Buchtipp

3. Kubsch, Ron, Das komponierte Ich. Link zum Buchtipp

4. Freiburghaus, Michael, Gott hört Dich. Predigtband zum Gebet. Link zum Buchtipp

5. Burdick, Alan, Warum die Zeit verfliegt. Link zum Buchtipp

b. Alte Bücher

1. Tolstoy, Leo, Krieg und Frieden.

2. Bronte, Emily, Sturmhöhe.

3. Milton, John, Paradise Lost

4. Bronte, Charlotte, Jane Eyre

5. MacDonald, George, Phantastes

c. Biographien

1. Oberman, Heiko A., Luther: Man Between God and the Devil

2. Brands, H. W., Reagan: The Life.

3. Kjetsaa, Geir, Dostojewskij

4. Isaacson, Walter, Benjamin Franklin, Gedanken zum Buch

5. Safranski, Rüdiger, Nietzsche

d. Sachbücher

1. Postman, Neil, Wir amüsieren uns zu Tode. 10 Zitate aus dem Buch

2. Safranski, Rüdiger, Romantik: Eine deutsche Affäre

3. Tautz, Jürgen, Die Honigfabrik. Link zum Buchtipp

4. Clark, Christopher, Preußen: Aufstieg und Niedergang

5. Parzany, Ulrich, Was nun, Kirche? Ein großes Schiff in Gefahr. Link zum Buchtipp

e. Vermischtes

1. Böcking, Daniel, Ein bisschen Glauben gibt es nicht. Link zum Buchtipp Link zum Interview

2. Schmid, Claudia, Die Feuerschreiber. Link zum Buchtipp Link zum Interview

3. Chambers, Whittaker, Witness

4. Solzhenitsyn, Alexandr I., Archipel Gulag (in drei Bänden)

5.1. Lloyd-Jones, D. Martyn, Die Predigt und der Prediger (2017 zum 12. Mal gelesen, da ich es seit 2007 jedes Jahr mindestens einmal lese)

5.2. Machen, J. Gresham, Christianity and Liberalism (2017 zum vierten Mal gelesen und wirklich enorm wertvolle Hinweise gefunden – gerade auch für unsere Zeit)

Wer die restlichen Bücher auch noch sehen will, kann auf Goodreads (Link) meine 2017 gelesenen Bücher ansehen.

Buchtipp: Schlafende Schönheiten

King, Stephen, King, Owen, Sleeping Beauties, Heyne-Verlag München, 1. Aufl. 2017, Verlagslink, Amazon-Link

Vielen Dank an den Heyne-Verlag für das zugesandte Rezensionsexemplar!

Wer oder was ist Evie? Was passiert in einer Welt, in welcher nur noch Männer wach sind? Wie würde es den Frauen ergehen, wenn sie an einem neuen Ort eine neue Existenz unter sich aufbauen könnten? Lauter spannende Fragen, die Vater und Sohn King gemeinsam aufwerfen und in ihrem Roman nach Antworten suchen.

Vor 20 Jahren bin ich nach einer ganzen Reihe von Fantasy-Bänden von Wolfgang Hohlbein irgendwann beim ersten Buch von Stephen King gelandet. Wenn ich mich richtig erinnere, war es ES, das Buch, welches inzwischen erneut verfilmt und vor Kurzem in die Kinos gekommen ist. Darauf folgten einige weitere von King, dessen Bücher mich über die Jahre hinweg immer wieder begleitet haben. So war ich gespannt auf das Neuste von ihm und begann gleich zu lesen, als das Paket kam.


Die Geschichte spielt in Dooling, einer von den Kings für diesen Roman erfundenen Stadt in den Appalachen, ein kleines Städtchen mit einem Frauengefängnis, das eine wichtige Rolle spielt. Im ersten Kapitel werden ein paar für beschauliche Städtchen typische Szenen geschildert. Eine Unterhaltung im Frauengefängnis, die Gedanken eines frisch ausgebildeten Psychiaters zu seinem ersten Patienten, das Gespräch dieses Psychiaters mit seiner Frau, die zufällig auch noch Sheriff des Städtchens ist.

Plötzlich geschieht etwas Unerwartetes: Weltweit tritt eine Schlafkrankheit, Aurora genannt, auf. Sie befällt nur Frauen, und zwar ausnahmslos alle, die ab dem bestimmten Tag einschlafen oder bereits in diesen Tag hinein schlafen. Bei all diesen schlafenden Frauen wächst ein Kokon, ein spinnwebenartiges, immer dichter werdendes Netz aus den Körperöffnungen des Kopfes heraus, der mit der Zeit den ganzen Körper umschließt. Ein Wettrennen mit der Zeit beginnt. Viele Frauen versuchen mit allen Mitteln wach zu bleiben. Sie nehmen Drogen, Medikamente, Kaffee oder laufen ständig im Kreis, bis sie halbwegs vor Müdigkeit den Verstand verlieren.

All dies geschieht weltweit, doch eine Sensation gibt es bei den Frauen von Dooling: Sie sind die einzigen, welche stellvertretend für alle anderen Frauen wieder aufwachen – aber zu einer späteren Zeit, in welcher sie alleine Dooling und die Umgebung bewohnen. Sie bekommen die Chance, das Leben ohne Männer auszuprobieren. In dieser neuen Welt, die sie Unser Ort nennen, vergeht die Zeit viel schneller. In wenigen Tagen in der normalen Welt sind am neuen Ort bereits Monate vergangen. So können sie sich in kurzer Zeit ein Bild darüber machen, wie ein solches Leben aussehen würde. Natürlich gefällt es ihnen gut.

In der normalen Welt bricht unterdessen Panik aus. Fake-News werden verbreitet, dass Aurora ansteckend sei und ganze Brenner-Brigaden zündeln an den schlafenden Frauen herum. Mittlerweile ist bekannt geworden, dass Evie Black als einzige Frau einschlafen und ganz normal wieder aufwachen kann. Da mittlerweile auch Lila Norcross, die Sheriff des Ortes, eingeschlafen ist, hat eine Gruppe von Männern den Vorsitz der Polizei übernommen und versucht, Evie aus dem Frauengefängnis zu bekommen. Clint Norcross, der Psychiater des Gefängnisses, versucht Evie zu beschützen, während die Polizisten inzwischen glauben, dass Evie getötet werden muss, um der Aurora ein Ende zu setzen. So kommt es in beiden Welten zu einem sehr unterschiedlichen Showdown: Wird Evie, deren Tod das Tor zwischen den beiden Welten verschließen würde, lange genug am Leben bleiben? In der Welt der Frauen Doolings stellt sich die Frage anders: Ist die Frauenheit bereit, sich geschlossen und demokratisch für eine Rückkehr in die normale Welt zu entscheiden?

Das Buch wirft spannende Fragen auf. Überhaupt ist das eine große Stärke von Stephen King, in seinen Romanen Fragen zu stellen und immer wieder neu zu beantworten. Doch in diesem Fall sind die Antworten mehr als dürftig. Insgesamt hat mich das Buch enttäuscht, da ich mir von King Besseres gewohnt bin. Seine Antworten auf die tiefen Fragen, die er aufwirft, werden mit einem billigen Steinzeit-Feminismus beantwortet: Am weiblichen Wesen wird die Welt genesen. Die Frauen von Dooling opfern sich buchstäblich, weil sie aus einer nahezu perfekten weiblichen Welt freiwillig wieder in die normale Welt zurückkehren, und damit retten sie diese Welt. Die Männer hingegen kennen im Roman der Kings nur Krieg, Streit, Habsucht, Machtgeilheit.

Da haben wir das alte Märchen der Feministinnen von Simone de Beauvoir bis hin zu einem inzwischen kleineren Strang der postmodern-feministischen Bewegung: Männer sind böse, oder besser gesagt: Sie sind das Böse schlechthin, und sie brauchen eine Evie, die sie dazu zwingt, mal untätig warten zu müssen und die richtige Entscheidung den Frauen zu überlassen. Wir Menschen sind als Frauen und Männer geschaffen, die einander gegenseitig ergänzen, aber erlösen können sie einander nicht. Das kann nur der stellvertretende Opfertod von Jesus Christus und Seine nach drei Tagen erfolgte Auferstehung aus den Toten. Der letztendliche Versuch der Kings, den Steinzeitfeminismus abzuschwächen, indem Evie am Schluss über die Entscheidung der Frauen, wieder zurückkehren zu wollen, weinen muss, misslingt vollständig. Es wirkt einfach nicht mehr glaubwürdig. Es handelt sich um ein derart absurdes Ende, dass damit die ganze vorige Geschichte zerstört wird. Schließlich gibt es auch keine zusätzliche Auflösung in dem Sinne, dass eigentlich etwas ganz anderes gemeint sei. Es ist einfach ein weiterer Bruch innerhalb einer sowieso schon von Brüchen durchzogenen Story, der den Leser am Ende fragend und enttäuscht zurücklässt.

Daneben gibt es aber auch weitere Fragen, die aufgeworfen und gut beantwortet werden. Etwa die Herkunft und Verbreitung von Fake-News. Die Verbreitung geschieht nämlich kaum gewollt, sondern durch Unwissenheit und Bequemlichkeit, weil man zu faul ist, um die Fakten zu prüfen. Was mir auch gut gefiel, ist die Art, wie herausgearbeitet wird, dass wir oft das Gewohnte als so normal empfinden, dass wir den Wert davon erst bemerken, wenn es uns fehlt. Doch insgesamt kommt das Buch um Längen nicht an die früheren, wirklich spannenden Romane wie ES heran. Wie weit das auf die Zusammenarbeit mit seinem Sohn Owen zurückzuführen ist, kann ich nicht sagen, da ich dessen Short Stories einfach nicht kenne. Es könnte aber auch einfach daran liegen, dass King langsam die Ideen ausgehen und er deshalb längst ausgetretene Pfade vertiefen muss. Ich weiß es nicht und werde ihm auch in Zukunft weitere Chancen geben, mich vom Gegenteil zu überzeugen. Die Länge fand ich jedenfalls angenehm; die über 950 Seiten der deutschen Ausgabe geben einem genügend Zeit und Gelegenheit, um in der Geschichte anzukommen und sich hineinzufinden.

Ich gebe dem Buch drei von fünf möglichen Sternen.

Buchtipp: Bismarck. Sturm über Europa

Engelberg, Ernst, Engelberg, Achim, Bismarck. Sturm über Europa, Pantheon-Verlag, 2017, Verlagslink / Amazon-Link

Vielen Dank an den Pantheon-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Geschichte kann so spannend sein! Gerade dann, wenn das Leben eines Autors mit dem von ihm Geschriebenen verknüpft ist. Der Großvater von Ernst Engelberg hatte die Revolution von 1848 miterlebt und in deren Zuge das adlige „von“ abgelegt. Der Vater hatte 1898 den SPD-Ortsverein von Haslach im Kinzigtal ins Leben gerufen. Engelberg selbst gehörte der KPD an, lebte während des Dritten Reichs im Exil und lehrte später in der DDR, wo er Mitglied der SED und nach dem Mauerfall der PDS war. Von der Biographie Bismarcks erschien 1985 der erste von den zwei Bänden – und zwar als eines der ganz wenigen Bücher zeitgleich im Osten und im Westen des damals noch geteilten Deutschlands. Der Sohn, Achim Engelberg, hat nach dem Tod seines Vaters dessen Archive übernommen und eine gekürzte einbändige Fassung der Biographie für die Veröffentlichung vorbereitet. Vier Generationen in einer solchen Verbundenheit, da ist das Ergebnis sehr interessant.

Engelberg beschreibt das Leben Ottos von Bismarck sehr lebendig und farbenfroh. Der Leser meint immer wieder, selbst mitten im Geschehen zu stehen, die Fragen beantworten zu müssen, denen sich der erste Reichskanzler stellen muss. Es ist in erzählerischer Sicht ein wahrer Genuss, dieses ausführliche und doch so kompakte Buch zu lesen. Engelberg erzählt von der Familie, in welche Bismarck hineingeboren wurde; es war eine Familie von Gutsbesitzern, Landjunkern und Beamten in Pommern. Nach einer Kindheit auf dem Lande besuchte er das Gymnasium in Berlin, wo er in der Stadtwohnung seiner Familie lebte. Dort war jeweils für den Winter und das Frühjahr auch „Onkel Fritz“ zu Hause, der immer wieder hochgestellte Persönlichkeiten zu Besuch hatte. Nach einem Studium und Referendariat kehrte Bismarck zurück ins Pommersche, wo er mithalf, den elterlichen Kniephof zu modernisieren. Dort machte er nun auch vermehrt die Bekanntschaft mit den Vertretern der Pommerschen Erweckungsbewegung um Adolf von Thadden-Trieglaff, der wiederum die Berliner Brüder Ludwig und Leopold von Gerlach beeinflusste, und letztlich war es Ludwig von Gerlach, der Bismarck in die Politik zu bringen vermochte.

An der Stelle muss ich Engelberg ein großes Lob aussprechen. Es ist ihm gelungen, eine Biographie zu schreiben, welche die damalige geistliche Entwicklung der Regionen Pommern und Berlin ernst nimmt. Das findet man selten – und das gerade von einem ziemlich links orientierten Historiker. Und doch schafft er es, die Ansichten der Hochkonservativen ernst zu nehmen und zu würdigen. Davon dürfte es ruhig mehr geben. Das habe ich richtig genießen können beim Lesen. Auch dass Engelberg diese so oft stiefmütterlich behandelten pietistischen Erweckungskreise wieder zur Sprache bringt, rechne ich ihm hoch an. Zuweilen gibt es aber auch leichte Spitzen seinerseits gegen manche der Sichtweisen der Pietisten, wie etwa hier: „Die Abwendung von der Aufklärung drückte sich bei den Neupietisten manchmal recht drastisch aus, so wenn Gustav von Below einmal schrieb, man müsse den ‚gewaltigen Teufel von geistiger Verstandeshoffart‘ bekämpfen.“ (S. 78)

Wie schätzte Engelberg den Glauben Bismarcks ein? Auch hierzu ein kurzes Zitat aus dem Buch: „Sein Verhältnis zu Gott ist von Anfang an eigenständig, aktiv und jeder Form passiver Gottergebenheit geradezu feind. Dem Bruder gegenüber sagte er es am 31. Januar 1847, als er über sein Verhältnis zu Johanna schrieb, am deutlichsten: ‚In Glaubenssachen gehen wir, mehr zu ihrem als zu meinem Leidwesen, etwas auseinander, wenn auch nicht so sehr als Du meinesteils glauben magst, denn mancherlei innre und äußre Ereignisse haben in letzter Zeit Veränderungen in mir hervorgebracht, durch die ich mich, was früher, wie Du weißt, nicht der Fall war, berechtigt halte, mich den Bekennern der christlichen Religion beizuzählen.’“ (S. 114) Man mag darüber nun selbst denken wie man mag, aber ich schätze an dieser Biographie die Offenheit, mit welcher sich der Autor diesen Dingen widmet.

Bismarck erlebte die Revolution von 1848, ja, er erlebte sie nicht nur, sondern beteiligte sich im Lager der Konservativen an ihr, das heißt, er wandte sich gegen das Revolutionäre an ihr und für die bisherige Machtverteilung. Schließlich war er ein Preuße von ganzem Herzen, und so setzte er sich für dieses sein altbekanntes Preußen ein. Mit den Gebrüdern von Gerlach besprach er sich des Öfteren, und machte durchaus auch mal Geschäfte hinter dem Rücken des Königs Friedrich Wilhelm IV, da auf diesen zuweilen kein Verlass war. Wie es wohl nicht anders geht, nimmt auch der Erfolg Bismarcks mit den Gesetzen zur Unfall- und Krankenversicherung der Arbeiter ein Kapitel bei Engelberg ein. Schließlich konnten so die Sozialdemokraten, aus welchen seine Familie stammt, Punkte sammeln.

Man merkt an vielen Stellen dem Autor seine politische Herkunft an, was allerdings in Ordnung ist. Schließlich lässt er auch die andere Seite zu Wort kommen. So entsteht ein rundes Ganzes, ein Buch, das man gerne liest, und eine Schilderung, die den Leser in die Zeit hinein nimmt, in welcher sie spielt. Wer sich für die Person Ottos von Bismarck interessiert, dem empfehle ich diese Biographie sehr. Mir hat auch das Nachwort gefallen, in welchem die Herkunft des Autors sowie die Entstehungsgeschichte der Biographie noch näher erläutert wird.

Ich gebe dem Buch deshalb fünf von fünf Sternen.

Wochenschau KW 48

Am 26.11. ist mein neuer Blog online gegangen und eine lesenswerte Analyse einer modernen Predigt wurde auf dem LogosBlog veröffentlicht: Gottesdienst oder Grünen-Parteitag?

Auf The BabylonBee ist am 27.11. eine geniale Satire veröffentlicht worden: Liberal Christian attempts to Debate Atheist but they just agree on everything.

Auf dem Blog The Road Less Traveled erschien am 28.11. ein treffender Kommentar zu unserer Zeit: Das Zeitalter der Anti-Aufklärung.

Am 29.11. habe ich auf OrthodoxPop eine gute Analyse des Hossa-Talks mit Johannes Hartl, dem Leiter des Gebetshauses Augsburg, gelesen: Dr. Johannes Hartl @ HossaTalk. Außerdem feiert das TheoBlog sein 10jähriges Bestehen und macht auch dieses Jahr wieder eine Weihnachtsaktion, bei der drei Bücher verlost werden: 10 Jahre TheoBlog und die Weihnachtsaktion 2017.

Auf LGVGH ist am 30.11. ene schöne Weihnachtsgeschichte erschienen: Vom König, der kam, um zu bleiben

Am 01.12. hat hanniel.ch drei wichtige Wortmeldungen zum Evangelikalismus gebloggt: Drei Wortmeldungen zum Stand des Evangelikalismus.

Abenteuer Bibeltreue

Das Leben mit Gott, wenn man die Bibel in ihrer Gesamtheit als Gottes vollkommen inspiriertes, unfehlbares und fehlerloses Wort betrachtet, ist ein wunderbares Abenteuer. Gott lädt mich ein, mich jeden Tag ganz entspannt und voller Freude mit Seinem Wort zu befassen, es immer wieder von Neuem zu lesen, daraus zu lernen und es umzusetzen in meinem täglichen Leben. Ich muss mich nicht ständig fragen, ob das, was ich gerade lese, tatsächlich voll und ganz Gottes Wort ist oder ob es nur ein Bericht darüber ist, wie ein Mensch früher Gott gesehen und erlebt hat. Das gibt mir einen Ruhepol, einen festen Anker, einen Felsen in der Brandung des täglichen Lebens. Gott lädt mich dazu ein, Ihn beim Wort zu nehmen. Jedes Versprechen innerhalb der Bibel darf ich analysieren, den Kontext genauer anschauen, um es richtig zu verstehen, und dann auf mein Leben anwenden.

Gott gebraucht auch die Fülle Seines Wortes, um mich in Frage zu stellen. Hier finde ich ein großes Problem unserer Zeit, dass viele Menschen versuchen, Gottes Wort so zu verbiegen, dass sie sich selbst gut dargestellt finden, weil sie kein Interesse daran haben, sich von Gottes Wort in Frage stellen und verändern zu lassen. Lieber bleiben sie so wie sie sind. Das ist angenehmer und mit weniger Aufwand und Schmerzen verbunden. Ja, die Erkenntnis seiner selbst kann manchmal ganz schön hart sein. Aber sie tut gut und will das Leben zum Besseren verändern.

Unter dem Wort Gottes bleiben befreit mich von meinen eigenen Vernüfteleien und hilft mir, demütig zu bleiben. Es ist keine Demut, die Bibel mit dem Verstand oder einem bestimmten bibelfremden Jesusbild in Gotteswort und Menschenwort einteilen zu wollen. Das ist Hochmut und führt zu einer Überschätzung des heutigen Lesers. Es führt auch zu einer Überschätzung unserer Zeit, weil man somit davon ausgehen kann, dass unsere Zeit und Kultur um Längen besser und verständiger sei als die Zeiten, in welchen die Autoren der Bibel lebten. So viel sollten wir uns nicht anmaßen – schließlich hat ein äußerst blutiges und grausames 20. Jahrhundert zur Genüge gezeigt, wohin der menschliche Verstand, der sich über Gott stellt, kommen wird.

Unter dem Wort Gottes bleiben ist immer ein Abenteuer, weil ich in der Bibel immer wieder ganz neu überrascht werde. Wer mit manchen Methoden der Bibelkritik arbeitet, wird am Ende immer genau das bekommen, was er zuerst vorausgesetzt hat. Aus diesem Grund werden heutzutage auch oft Glaubensbekenntnisse wie etwa das Apostolikum zu einem neuen Maßstab, mit welchem man die Bibel messen will. Diese Bekenntnisse sind kein Teil der Bibel – sie müssen durch die Bibel geprüft werden. Das wird nun oft auf den Kopf gestellt und stattdessen das Bekenntnis zum Prüfen der Bibel missbraucht. Aber wenn ich unter dem Wort bleibe und die Bibel lese, dann überrascht mich Gott immer wieder von Neuem, denn so viel Inhalt steckt da drin, dass es für viele Leben des Entdeckens und Ausgrabens reicht, bis man nur mal die größten Schätze geborgen hat. Ich bin dadurch frei, ganz auf Gott zu hören und von Ihm zu lernen ohne die Brillen der Bibelkritik, die nach allen möglichen natürlichen Einflüssen auf die Bibelautoren ausgehen. Ich darf stattdessen von einer übernatürlichen Inspiration durch den Heiligen Geist ausgehen, der in jedem Wort, in jedem Buchstaben zu mir sprechen will – und das macht das Leben abenteuerlich.

Man kommt natürlich mit Hilfe der Bibelkritik auf alle möglichen abenteuerlichen Auslegungen, aber zu guter Letzt ist das langweilig, weil jeder immer nur auf sich selbst zurückgeworfen wird. Jeder findet damit in der Bibel das, was er eh schon vorausgesetzt hat; das, was in ihm schon vorhanden war. Da ist mir das Abenteuer der Bibeltreue viel wertvoller. Übrigens sollten wir uns zwei Sachverhalte gut auf der Zunge zergehen lassen, die Peter Stuhlmacher bereits 1975 im Rahmen eines Vortrags in Augsburg über den Siegeszug der historisch-kritischen Bibelauslegung erwähnte:

Gleichwohl gilt es, zwei weitere Sachverhalte ebenso aufmerksam zu registrieren. Der erste von beiden wird gegenwärtig einem breiten Publikum auch schon von ausgesprochenen Kritikern der Kirche und des Christentums wie Joachim Kahl oder Rudolf Augstein zum Bewusstsein gebracht, dass nämlich die z. Z. in der Diskussion stehenden Spitzenergebnisse der protestantischen (und ich darf jetzt hinzufügen: auch der neueren katholischen) Bibelkritik in der Öffentlichkeit zu einem enormen Substanzverlust geführt haben. Der zweite Tatbestand ist weniger offenkundig, drängt sich aber in internen Gesprächen mit Pfarrern, Katecheten und christlich engagierten Studenten belastend auf. Die historische Kritik hat gerade die in dieser Kritik ausgebildete Theologenschaft stark in ihrem Schriftgebrauch verunsichert und ist zugleich zu kompliziert geworden, um in der theologischen Ausbildung wirklich angeeignet und dann auch einleuchtend praktiziert werden zu können.“ (Stuhlmacher, Peter, Schriftauslegung auf dem Wege zur biblischen Theologie, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen, 1975, S. 167f)

Mit anderen Worten: Die Bibelkritik ist untauglich für die gemeindliche Praxis und führt zum Verlust zentraler Inhalte des christlichen Glaubens. Da ist mir eine bibeltreue Hermeneutik viel wertvoller, denn diese führt ebenso zu den positiven Ergebnissen der Bibelwissenschaft und das deutlich einfacher und schneller. Für bibelkritische Predigten, die zu „abenteuerlichen“ Aussagen kommen, gibt es immer wieder Beispiele, siehe etwa hier (Link).

5 Gründe, warum mich die junge Generation hoffen lässt

1. Weil Gottes Gnade groß ist

Ich bin enorm dankbar für die junge Generation, die Menschen, welche jetzt Kinder und Teenies sind. Sie machen mir große Hoffnung. Doch der wichtigste Grund, der mich für die junge Generation hoffen lässt, liegt nicht in den Menschen, sondern in Gottes mächtiger Gnade, die groß ist und mehr zu tun vermag als wir je zu erdenken, erhoffen oder zu erbitten vermögen. Paulus ermutigt den jungen Timotheus: Niemand verachte dich wegen deiner Jugend, sondern sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Geist, im Glauben, in der Keuschheit. (1Tim 4,12) Und ich darf mir viele junge Menschen zum Vorbild nehmen, von denen ich unglaublich viel lernen kann. Das ist ein riesiges Vorrecht.

2. Mehr Kinder als lange Zeit davor

Es werden zur Zeit in Deutschland mehr Kinder geboren als viele Jahre davor. Zuweilen spricht man sogar von einem „kleinen Babyboom“, der zwar noch lange nicht mit jenem der Nachkriegszeit verglichen werden kann, aber seit 2011 werden jedes Jahr mehr Kinder geboren als im jeweiligen Jahr davor. Viele Menschen haben gemerkt, dass Kinder ein echter Segen sind, und sind bereit, für die kommende Generation Verantwortung zu übernehmen. Das macht mir Hoffnung. Außerdem ist die Anzahl der pränatalen Kindsmorde seit einigen Jahren rückläufig. Das bedeutet leider immer noch unermesslich viel Leid und schreckliche Folgen, aber immerhin geht der Trend langsam in die richtige Richtung. Hier müssen wir dran bleiben und uns weiter für das Recht auf Leben für die Schwächsten und Hilflosesten einsetzen.

3. Die Suche nach der EINEN Wahrheit

Die junge Generation weiß wieder um die Tatsache, dass es nur eine Wahrheit geben kann – und dass diese gesucht und gefunden werden will. Das ist eine phantastische Ausgangslage für die Gemeinde Jesu Christi, um hier den Weg, die Wahrheit und das Leben zu zeigen. Natürlich gibt es nach wie vor einige „Konkurrenz“ auf dem Marktplatz der Wahrheitsanbieter, aber unsere jungen Menschen werden langfristig bemerken, dass einzig die Bibel, die in ihrer Gesamtheit Gottes Wort ist, mit der Realität übereinstimmt; auch und gerade da, wo es um Dinge geht, die unser Leben auf den Kopf stellen und uns zum Neu-Denken herausfordern.

4. Logik und Argumente werden wieder salonfähig

Aus der jungen Generation werden wieder große Denker, Philosophen, Theologen und Künstler aufstehen, die um den Wert von Denken, Logik und Argumenten wissen. Es wird nicht mehr „Deine Logik und meine Logik“ oder „Deine Wahrheit und meine Wahrheit“ geben, sondern Argumente werden auf allen Seiten ausgetauscht, um der einen, gemeinsamen absoluten Wahrheit näher zu kommen. Es ist der perfekte Nährboden für Apologetik in den Gemeinden. Wohl den Menschen, die sich rechtzeitig darauf einstellen, bevor die jungen Menschen mit einem Wischi-Waschi-Friede-Freude-Eierkuchen-Wir-ham-uns-alle-lieb-und-sind-grenzenlos-tolerant-Anti-Evangelium aus den Gemeinden vergrault worden sind.

5. Charakter zählt wieder mehr

Die Zeit des zerstückelten, fragmentierten Menschen ist vorbei. Die junge Generation will sich als Einheit sehen, als ganze Menschen, wo es nicht mehr nur um gute „Werte“ geht, sondern um den Charakter. Sie sucht nach den Helden des Alltags und möchte Vorbilder haben, um selbst wieder anderen zum Vorbild werden zu können. Das gibt mir Hoffnung und lässt mich immer wieder erneut dankbar von den jungen Menschen lernen.

Zitat der Woche: Die Fortsetzung des Antimodernismus

1993, als der Postmodernismus so voll im Gange war, schrieb David F. Wells mit einer erstaunlichen Einsicht, dass dieser nichts weiter als eine Fortsetzung des früheren Antimodernismus sei:

It is certainly curious, not to say illuminating, that many of today’s expressions of post-modernism are simply continuing what were seen as the anti-modernisms of a century ago. Then, roughly between 1880 and 1920, they were the recoil against modernity, the revolt against an overcivilized world. Solace was sought in the simple life, in quaint mind cures, in the revival of the arts and crafts, in the quest for self and the search for authentic experience.“ (David F. Wells, No Place for Truth, S. 61)

Inzwischen hat sich auch der Postmodernismus selbst erledigt, und nur noch ein paar konstruktivistische Philosophen, soziologisch geschulte Gleich- und Plattmacher, sowie einige der theologischen Ausbildungsstätten werden nicht müde, diesen toten Gaul zu reiten.

Möglicherweise wird so ab 2070 oder 2080 der nächste Schub kommen. Bereits um die Jahrhundertwende ins 19. Jahrhundert gab es ähnliche Bewegungen. Was bis in 60 Jahren noch alles geschehen wird, darauf bin ich gespannt, freue mich, und bin dankbar dafür, genau in dieser interessanten Zeit leben zu dürfen.

Buchtipp: Warum die Zeit verfliegt

Burdick, Alan, Warum die Zeit verfliegt, Karl Blessing Verlag München, 1. Aufl. 2017, Verlagslink/ Amazonlink
Vielen Dank an den Blessing-Verlag für das Rezensionsexemplar.
Alan Burdick ist Journalist für den New Yorker und hat ein Buch über die Zeit geschrieben. Er schreibt im Vorwort, dass ihm die Zeit schon immer Mühe bereitet habe, und er sich deshalb den größten Teil seines Lebens davor gedrückt habe, eine Uhr zu tragen (S. 17). Er hat sich jedoch für das Phänomen Zeit interessiert und sich auf die Suche gemacht, um herauszufinden, was die verschiedenen Wissenschaften über die Zeit zu berichten haben. Er sucht Biologen und Physiker auf, durchsucht Studien und macht Selbstversuche, um hinter das Geheimnis der Zeit zu kommen.
Das Buch ist gut gefertigt, der Umschlag entspricht dem schlichten Umschlag des englischen Originals, einfach gehalten, beinahe unscheinbar. Viel weißer Hintergrund mit zwei schwarzen Uhrzeigern. Einerseits hebt sich diese Titelgestaltung wohltuend von vielen überladenen Titeln anderer Bücher ab, andererseits läuft sie Gefahr, gar nicht mehr wirklich wahrgenommen zu werden.
Burdick macht sich auf die Suche nach der präzisesten Zeit der Welt. In seiner Vorstellung muss das eine Uhr sein, welche die exakteste Zeit angibt. In Paris findet er diese Zeit, doch nicht in Form einer Uhr, denn es gibt weltweit eine ganze Reihe von Uhren, welche beständig miteinander verglichen und durch Berechnung und Schätzung aneinander angeglichen werden: „Die exakteste Uhr der Welt, die Koordinate Weltzeit, wird von einem Komitee produziert. Das Komitee verlässt sich dabei auf hoch entwickelte Computer und Algorithmen und den Input von Atomuhren, doch die Metaberechnung, die leichte Bevorzugung des Inputs der einen Uhr vor dem der anderen, wird letztendlich durch die Debatten bedächtiger Wissenschaftler gefiltert. Zeit ist eine Gruppe diskutierender Menschen.“ (S. 42)
Einen großen Bereich des Buches nimmt das Thema Zeitwahrnehmung ein. Das Leben ist von einem circadianen Rhythmus geprägt. Circadian heißt „um den Tag herum“, was etwa so viel bedeutet, dass dieser Rhythmus ungefähr 24 Stunden dauert. Viele Zellen unseres Körpers funktionieren ungefähr circadian, wobei das Tageslicht, das in unsere Augen fällt, immer wieder zum Taktgeber wird, der die unzähligen Uhren in unserem Körper neu justiert und aufeinander abstimmt.
Burdick machte sich auch einmal auf die Reise in die Arktis, um herauszufinden, „wie es sich dort anfühlt.“ (S. 106) Dort ist im Sommer monatelang so etwas wie ein einziger Tag; die Sonne geht nie unter, es wird höchstens ein etwas dunkleres oder helleres Grau. Was hingegen geschieht, wenn der Körper nur noch Nacht um sich herum hat, erfährt Burdick von den Schilderungen Michel Siffres, der insgesamt dreimal über eine längere Zeit in einer Höhle gelebt hat, um herauszufinden, wie er auf diese Umstellung reagiert. Auch er empfand die Zeit wie „ein einziger langer Tag.“ (S. 131) Doch als er wieder ins Freie kam, klagte er über ein „beschädigtes Gedächtnis“ (ebd.), da er nicht mehr wisse, was er vor dem letzten Mal schlafen gemacht habe.
Wir Menschen nehmen Zeit als Aneinanderreihung von Momenten und als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wahr. Doch wie lange ist eigentlich die Gegenwart? Paul Fraisse etwa definierte 1957 die Gegenwart als Zeit von ungefähr fünf Sekunden, weil diese Zeit ausreiche, um einen kurzen Satz von 20 – 25 Silben auszusprechen (vgl. S. 239) Leider verpasst Burdick die Chance, diese Definition näher zu erläutern. Ich persönlich empfinde es als eine ausgezeichnete Definition, denn diese Zeitspanne reicht auch aus, um einen kurzen Satz zu verstehen oder einen einfachen Gedanken zu Ende zu denken.
Wie lange erscheint uns eine bestimmte Zeitdauer? Fünf Minuten im Kino sind enorm schnell vorbei – dieselben fünf Minuten beim Zahnarzt ziehen sich in die Länge wie ein Kaugummi. Interessante Experimente haben weitere Kriterien ausfindig gemacht, welche dazu führen, dass eine bestimmte Zeitdauer als länger oder kürzer wahrgenommen wird: „Stellen Sie sich einen Punkt vor, der kurz auf dem Computerbildschirm erscheint. Sie werden gebeten zu beurteilen, wie lang die Dauer von ‚kurz‘ war: Je heller der Punkt, desto länger wird sie Ihnen erscheinen. Auch die Dauer eines größeren Punktes wirkt länger als die Dauer eines kleineren, die eines bewegenden länger als die eines stationären, die eines sich schnell bewegenden Punkts länger als die eines sich langsam bewegenden, die eines schnell flackernden länger als die eines langsam flackernden.“(S. 272) Oder noch etwas alltäglicher formuliert: „Susan und ich hatten eine Spielzeugwechselpolitik eingeführt, erhielten aber bald eine Grundlektion in Zeitwahrnehmung: Für den Zwilling, der Das Ding gerade nicht hat, dauert die Zeit, in der der andere es hat, immer länger. Dauer liegt im Auge des Betrachters, nicht in dem des Besitzers.“ (S. 324)
Jeder Mensch hat jeden Tag 24 Stunden Zeit. Und doch: „Zeit ist das Einzige, an dem es gefühlsmäßig jedem Menschen mangelt.“ (S. 402) Ich nicke. Und bin dankbar, dass Gott uns die Ewigkeit schenken möchte.
Alan Burdick hat es geschafft, ein Buch zu schreiben, das sich spannend, wenn auch nicht ganz so leicht liest. Häufig gibt es Umbrüche zwischen verschiedenen Fragen, die alles andere als glatt oder rund sind. Es ist ein Buch, das trotz unkomplizierter Sprache viel Aufmerksamkeit erfordert. Aber es ist sehr lesenswert, weshalb ich es auch sehr empfehlen möchte. Wer sich für unsere menschliche Wahrnehmung der Zeit interessiert, wird hier viele Antworten bekommen. Und doch frage ich mich am Ende: Hat Burdick die große Frage des Buches, warum die Zeit verfliegt, eigentlich beantwortet? Er hat sich der Frage von vielen Seiten genähert, doch eine letztgültige Antwort bleibt er dem Leser schuldig. Hat der Autor eine? Gibt es überhaupt eine solche? Oder könnte es sein, dass der Buchtitel gar nicht so viel mit dem Inhalt zu tun hat, sondern eher versuchen soll, noch mehr Leser zu rekrutieren? Ich weiß es nicht, aber ich bin dankbar, dass ich es gelesen habe. Es hat mir viel zu denken gegeben.
Ich gebe dem Buch fünf von fünf Sternen.