Jenseits des Glaubens – Ein Interview mit Bradley Monton

Dieses Interview mit Bradley Monton ist zuerst im amerikanischen Salvo Magazin in der Ausgabe 26 vom Herbst 2013 erschienen. Mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers zum Übersetzen und  Veröffentlichen des vollständigen Interviews. An dieser Stelle herzlichen Dank an meinen Vater Beat Erne, der mir bei der Übersetzung dieses wissenschaftlich anspruchsvollen Interviews viele gute Tipps geben konnte. This interview was first published in Salvo Magazine, copyright 2013, by Salvo Magazine (Supplement to Issue 26, Fall 2013), available at: http://www.salvomag.com/new/mag/salvo26-supplement.php

Jenseits des Glaubens (oder des Fehlens desselben)

Der Wissenschaftsphilosoph Bradley Monton lässt den Atheismus hinter sich, um Intelligent Design objektiv zu beurteilen.
Man muss nicht an Gott glauben, um den Wert des Intelligent Design anzuerkennen. Der Philosophieprofessor der Universität von Colorado ist ein typisches Beispiel. In seinem Buch „Seeking God in Science: An Atheist Defends Intelligent Design“ („In der Wissenschaft nach Gott suchen: Ein Atheist verteidigt Intelligent Design“) erklärt Monton, warum er denkt, dass die Hypothese Wert habe, obwohl er der Überzeugung sei, dass deren Schlussfolgerungen letzten Endes falsch seien. Hier tut er dasselbe, bevor er erklärt, welche Art einer wissenschaftlichen Entdeckung es bräuchte, damit er seinen Skeptizismus endlich aufgeben und die Existenz eines Schöpfers annehmen würde – ein Durchbruch, den er tatsächlich begrüßen würde, und sei es nur, damit die langjährige Ungewissheit beendet würde, die den Ursprung des Lebens umgibt.
Was führt Sie dazu, Intelligent Design (ID) ernst zu nehmen?
ID-Erforschungen sind Teil einer langen Tradition in der Philosophie, die Natürliche Theologie genannt wird – die Suche in der natürlichen Welt nach Hinweisen für die Existenz Gottes. Intelligent Design hat auf den ersten Blick den Stellenwert dieser langen philosophischen und wissenschaftlichen Tradition. Das ist ein Grund, weshalb ich denke, dass ID ernst genommen werden soll. Zum anderen ist es so, dass ich die Argumente der ID-Gegner zu sehr emotionsgeladen finde und intellektuell nicht so stabil wie man es sich wünschen würde. Mich nerven meine Mit-Atheisten, die schlechte Argumente gegen Intelligent Design präsentieren und dann von allen erwarten, dass sie glauben, sie hätten die Debatte aufgelöst mit diesen schlechten Argumenten.
Warum, was denken Sie, dass manche Wissenschaftler es ablehnen, Intelligent Design ernst zu nehmen?
Das ist eine schwierige Frage, denn es ist eine Angelegenheit der menschlichen Psychologie und Soziologie. Aber ich würde sagen, dass manche Atheisten einen Fundamentalismus zeigen, der sie daran hindert, sich schon nur vorstellen zu können, dass ein vernünftiger, rationaler und intelligenter Mensch eine Sicht haben kann, die von seiner eigenen abweicht. Andere glauben, dass die Wissenschaft das A und O sei – dass sie alle wichtigen Fragen über die Realität beantworten könne. Es gibt sogar Wissenschaftler da draußen, wie zum Beispiel der Theoretische Physiker Steven Weinberg, die verkünden, dass weder Religion noch Philosophie uns irgend etwas Wichtiges über die Welt sagen kann. Ich bin da völlig anderer Meinung. Die Philosophie ist tatsächlich ein wichtiges Feld der Forschung. Sie kann die Art von ethischen Wahrheiten herausfinden und was spezifische Wahrheiten sein können. Philosophie kann auch genutzt werden, um die Existenz Gottes auf eine Art zu untersuchen, wie das die Wissenschaft nicht kann.
Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Sie Intelligent Design nicht vollständig zustimmen können. Was sind Ihrer Meinung nach einige Schwächen von ID?
Es gab eine Zeit, da hätte ich gesagt, dass die größte Schwäche der ID-Befürworter in dem Versagen liegt, eine Theorie auf den Tisch zu stellen, die nachprüfbare Voraussagen macht, aber das alles änderte sich mit Jonathan Wells Buch „The Myth of Junk DNA“ (Der Mythos von der Müll-DNA). Darin sagte Wells voraus, dass diese vorgebliche Müll-DNA – die DNA-Sequenzen, von denen viele Wissenschaftler behaupteten, dass sie nutzlos seien – absichtlich für die Struktur der menschlichen Biologie dort sei. Nun, im Laufe des letzten Jahres oder so hat empirische Forschung gezeigt, dass es tatsächlich viel weniger Müll-DNA ist, als Wissenschaftler bisher dachten. Das ist einfach ein großartiges Beispiel einer nachprüfbaren Voraussage, die von einem Befürworter von Intelligent Design gemacht wurde, und sich als erfolgreich herausgestellt hat.
Warum können Sie dann Intelligent Design dennoch nicht vollständig unterstützen?
Ich glaube, dass ID-Wissenschaftler immer noch viel mehr an nachprüfbaren Voraussagen machen sollten. Ich verstehe, dass dies schwierig ist. Ich sage nicht, dass es ein einfaches Projekt ist. Wie auch immer, es wäre schön, wenn sie ein vollwertiges Forschungsprogramm hätten, das zur Entwicklung von Theorien in der Wissenschaft führen würde. Ich denke, dass es möglich ist, obwohl es unglaublich schwierig ist, mit neuen wissenschaftlichen Theorien aufzutauchen, die in einem Paradigmenwechsel resultieren würde. Nun, es waren nur Leute wie Newton, Einstein und Copernicus, die dazu fähig waren. Aber man weiß nie, vielleicht wird eines Tages jemand eine Theorie entwickeln, die den Paradigmenwechsel bringt, die es fertigbringt, Intelligent Design in dem Prozess zu fördern.
Und was sind die Stärken von Intelligent Design?
Die größte Stärke ist, dass es dazu führt, dass Menschen sehr vorsichtig über das Ausmaß nachdenken, in dem ein wissenschaftlicher Beweis für entweder Gott oder sonst einen Schöpfer besteht. Dazu sind die spezifischen Argumente selbst auch interessant und wichtig zu bedenken. Zum Beispiel finde ich Michael Behes Forschung zu irreduzibel komplexen biologischen Systemen eine extrem überzeugende Forschungslinie, selbst wenn es sich herausstellen sollte, dass es ein fehlerhaftes Argument ist. Es hilft einfach dem Vorankommen der Wissenschaft, wenn man Argumente wie das von Behe auf den Tisch legt.
Dasselbe gilt auch für die mehr physikbasierten Felder des Intelligent Design, wie etwa die Studien, welche von Guillermo Gonzalez und Jay Richards durchgeführt wurde. Sie glauben, dass unser Universum ideal gelegen ist, nicht nur für die Existenz des Lebens, sondern auch für seine Beobachtbarkeit. Warum gibt es einen Zusammenhang zwischen den von Geschöpfen wie uns bewohnbaren Regionen des Universums und den Regionen, die besonders geeignet sind, um das Universum zu beobachten und darüber zu lernen? Das ist eine interessante Frage, aber soweit ich weiß, hat noch nie ein atheistischer Physiker darüber nachgedacht, bis Gonzalez und Richards die Szene betraten. Verteidiger des Intelligent Design bringen die Menschen dazu, auf neue Arten über die Wissenschaft und wissenschaftliche Forschung nachzudenken.
Was denken Sie über die Multiversum-Theorie – diesen Glauben, dass es tatsächlich eine unendliche Anzahl von Universen da draußen gibt, welche die Komplexität unseres eigenen Universums wahrscheinlicher und weniger besonders macht?
Es gibt zwei Weisen, wie man die Multiversumshypothese verstehen kann. Die eine besagt, dass diese anderen Universen räumlich-zeitlich getrennt sind, was bedeutet, dass jedes Universum in einem eigenen Teil der Realität besteht, und keine Verbindung zu irgend einem anderen Universum hat. Die zweite Art, es zu sehen, wäre, dass diese Universen tatsächlich miteinander verbunden sind. Vielleicht gibt es eine Art verzweigende Struktur, die einem Universum die Möglichkeit gibt, neue zu verursachen. Physiker sprechen auch von Blasen-Universen, die aus dem Hintergrund anderer Universumsstrukturen in Existenz kommen.
Ob man von der ersten oder der zweiten Möglichkeit spricht, wie auch immer, da gibt es Probleme, die die Hypothese des Multiversums beunruhigend machen. Im Fall der räumlich-zeitlich getrennten Universen ist es unklar, wie man zu einem Beweis für die Existenz dieser Universen kommen kann ohne göttliche Offenbarung. Und bei verbundenen Universen muss man sich fragen, „Wie ist es zu dieser ganzen physikalischen Realität gekommen, die es einem Universum ermöglicht, andere Universen zu produzieren oder einem Blasen-Universum einfach so in Existenz zu kommen? Wäre da nicht auch unwahrscheinlich viel Feintuning nötig verbunden mit der Existenz dieser physikalischen Realitäten?“ Wie man sehen kann, erreicht die Multiversumshypothese nicht wirklich viel. Unendliche Universen sind unzureichend, wenn es darum geht, das offensichtliche Design unseres Universums wegzuerklären.
Denken Sie, dass Intelligent Design an den öffentlichen Schulen gelehrt werden soll?
Ich denke, dass es pädagogisch nützlich wäre, dies zu tun, natürlich. Was ich weiß aus den vergangenen 13 Jahren als Lehrer ist, dass es falsch ist, Dinge zu ignorieren, von denen die Schüler schon gehört haben könnten oder in Zukunft gewiss noch hören werden. Zum Beispiel, wussten Sie, dass die kalifornischen Richtlinien für Lehrer von K-12-Schülern festhalten, dass wenn ein Schüler etwas über Intelligent Design fragt, man ihm dann sagen soll, dass dies nicht ins Klassenzimmer der Naturwissenschaften gehört – dass er stattdessen seine Eltern oder seinen Pastor fragen soll? Die Diskussion und Debatte so einzustellen ist schlechte Pädagogik. Lehrer sollten offen sein für jede Art von Beweis und ihren Schülern sagen, dass die Probleme bezüglich der Entstehung des Lebens noch immer offen zur Debatte stehen.
Lehren Sie Ihre eigenen Studenten über Intelligent Design?
Als beamteter Universitätsprofessor darf ich im Hörsaal über so ziemlich alles sprechen, was ich will. Deshalb, ja, ich spreche in meinem Wissenschaftsphilosophie-Kurs über Intelligent Design, und die Studenten sind sehr interessiert daran. An der High School (entspricht dem Gymnasium) wurde ihnen die Wissenschaft nur aus einem Guss von Fakten gelehrt, ohne zu verstehen, wie eine Theorie entwickelt wird oder wie die Theorien, die wir jetzt haben, von Wissenschaftlern gemacht wurden, um frühere Theorien abzulehnen, auf oft sehr kontroverse Art, und dass sie wissenschaftliche Revolutionen einbezogen haben und komplizierte Faktoren der menschlichen Psychologie. Aus diesem Grund verstehen sie nicht, wie Wissenschaft funktioniert. Ich habe herausgefunden, dass Intelligent Design eine fruchtbare Art ist, um Studenten zu lehren, wie Wissenschaft tatsächlich funktioniert und dass es eine menschliche Anstrengung ist, die voll von Kontroversen ist.
Denken Sie, dass die akademische Freiheit beschränkt ist für nichtbeamtete Befürworter von Intelligent Design?
Es gibt auf jeden Fall dokumentierte Fälle von Professoren, die in Schwierigkeiten gerieten, weil sie Ideen des Intelligent Design eingebracht haben, und ich denke das ist wirklich unglücklich. Die Hochschule sollte Ideen respektieren, egal wie kontrovers sie sind. Sobald man Menschen als intellektuell gebildet einstuft, sollte ihnen erlaubt sein, die Probleme zu verfolgen, welche sie wollen, selbst solche, die gegen die aktuelle Rechtgläubigkeit gehen – welche den Standard-Kanon, der besagt, wie man denken soll, verletzen. Intelligent Design sollte an der Hochschule erlaubt sein, denn die meisten Befürworter des Intelligent Design sind intellektuell gebildet. Darüber gibt es keinen Zweifel. Leute wie Michael Behe und Jonathan Wells sollte erlaubt sein, empirischen und philosophischen Forschungen nachzugehen, in welcher Richtung auch immer sie denken, dass sie am besten zur Wahrheit führen.
Wie haben andere Akademiker auf Ihre Schriften und Statements über Intelligent Design reagiert?
Die Stärke, in der ich angegriffen wurde, ist tatsächlich irrsinnig. Ich gab hier an der Universität von Colorado eine öffentliche Vorlesung über Intelligent Design, und eine ganze Anzahl von Biologieprofessoren der Universität verlangten, dass ich gefeuert würde. Einer von diesen Professoren, Michael Klymkowsky, ging so weit, dass er seine eigene öffentliche Vorlesung als Antwort auf die Meinige organisierte. Unglücklicherweise für ihn endete seine Vorlesung in Unordnung, indem er meine Ansichten falsch wiedergab und es verpasste, eigene Argumente zu bringen. Zu Beginn war die Zuhörerschaft zum größten Teil auf seiner Seite, aber am Ende wussten sie nicht mehr, was sie denken sollten, da seine Argumente so schwach waren.
So habe ich absurde Kritiken erhalten wie diese, aber ich habe auch eine Menge Unterstützung bekommen, besonders von Philosophen, denen nicht besonders viel am Kampf um Intelligent Design liegt. Sie haben keine großen Anstrengungen auf sich genommen, um ID zu erforschen, aber sie schätzen meine offene Perspektive. Sie haben mir auch gesagt, dass sie beunruhigt seien über die engstirnigen und emotionsgeladenen Angriffe auf Seiten der philosophischen und wissenschaftlichen Kritiker des Intelligent Design. Es war sehr ermutigend, diese Art der Unterstützung zu bekommen.
Sie haben geschrieben, dass die Argumente für Intelligent Design Sie weniger sicher gemacht haben bezüglich Ihres Atheismus. Was würde es brauchen, damit Sie ihn vollständig aufgeben?
Manche Menschen sind aufgrund der göttlichen Offenbarung dazu gekommen, an Gott zu glauben, was intellektuell gesehen legitim ist, soweit ich betroffen bin. Ich wünschte, ich hätte auch diese Art einer tiefgreifenden offenbarenden Erfahrung, denn dann könnte ich aufhören, mich mit philosophischen Argumenten abzuquälen und mit dem Ausmaß, in welchem das Feintuning des Universums auf einen Schöpfer hinweist. Doch die Tatsache ist, dass ich das nicht habe. Viele andere Menschen haben das auch nicht, was uns nach alternativen Arten eines Beweises suchen lässt. Ich finde den geschichtlichen Beweis des Christentums – oder irgend einer anderen Religion, wenn wir schon dabei sind – nicht besonders überzeugend. Es ist nicht so, dass diese Art des Beweises definitiv mangelhaft ist, es ist nur so, dass es für mich nicht genug überzeugend ist. Abgesehen von der Offenbarung und dem geschichtlichen Beweis ist der meiner Meinung nach beste Ort, um Gott zu finden, in der Wissenschaft, und das ist einer der Gründe, weshalb ich so motiviert bin, um über Intelligent Design nachzudenken.
Welche Art des wissenschaftlichen Beweises wäre dann überzeugend genug, um Ihre Meinung zu ändern?
Es wäre ein Hinweis darauf, dass ein verstandesmäßiger innerer Sinn die grundlegende Eigenschaft des Universums ist. Meinetwegen könnte Gott ein rein seelisches Wesen sein, ohne auf die Art mit der physikalischen Realität verbunden zu sein wie wir es sind durch unsere Körper. Wenn wir also eine Art von Beweis fänden, dass der innere Sinn grundlegend ist, dann würde mich dies auf den langen Weg bringen, mich zu einem Gläubigen zu machen. Und wenn wir einen Hinweis finden könnten darauf, dass die physikalische Welt nicht ursächlich geschlossen ist – dass nicht nur der Verstand eine grundlegende Einheit ist, sondern er gleicherweise eine grundlegende Rolle spielt in der Struktur der Welt – dann würde dies auch ein überzeugender Hinweis sein für die Existenz Gottes. Wenn nun aber herausgefunden würde, dass der verstandesmäßige Sinn nur eine Rolle in den Prozessen unseres Gehirns spielt, dann würde mich das allein nicht dazu bringen, an Gott zu glauben, obschon es mich sicherlich offener für diese Idee machen würde. Aber wenn wir entdecken würden, dass ein verstandesmäßiger innerer Sinn sich an anderen Orten in der Welt einmischen würde als allein in den Prozessen unseres Gehirns, dann wäre dies so ziemlich der unwiderlegbare Beweis.
Gibt es noch andere atheistische Wissenschaftler, die auch glauben, dass die Argumente für Intelligent Design einen gewissen Wert haben?
Thomas Nagel kommt mir in den Sinn als jemand, der findet, dass die Argumente für Intelligent Design Wert haben, obwohl er ein Atheist ist und überhaupt nicht geneigt, an Gott zu glauben. In seinem neuen Buch „Mind and Cosmos“ (Geist und Kosmos) drängt er auf eine teleologische Theorie der Realität, welche sich von den üblichen naturalistischen Ansichten der Wissenschaft unterscheidet, aber auch anders als die Intelligent Design-Hypothese. Nagels Ansicht ist, dass das Universum grundlegend zielorientiert ist. Es hat einen teleologischen (zielgerichteten) Aufbau, den wir eines Tages durch wissenschaftliche Forschung entdecken werden. Teil dessen, wie Nagel für diese Theorie argumentiert, ist durch das positive Zitieren von Argumenten der Befürworter des Intelligent Design, von welchen er glaubt, dass sie eher die Existenz seiner teleologischen Struktur befürworten als einen Designer.
Nebst Nagel gibt es auch eine Reihe von atheistischen Physikern, die offen sind für ID-Argumente. Ein Teil des Grundes dafür ist, wie ich denke, dass Physiker dabei sind, den grundlegenden Aufbau der Realität zu studieren, was zu allen möglichen tiefgreifenden Fragen führt. Und wenn man beginnt, solche Fragen zu stellen – Warum haben wir die Naturgesetze, die wir haben? Warum haben wir drei räumliche Dimensionen? Warum gibt es überhaupt ein Universum? – dann ist die Hypothese eines Designers eine hervorragende. Obwohl ich persönlich sie zurückweise, sollte es doch aus unserem heutigen Gespräch sehr deutlich hervorgehen, dass ich denke, dass man sie ernst nehmen sollte.
Bradley Monton – Außerordentlicher Professor der Wissenschaftsphilosophie an der Universität von Colorado – BA in Physik und Philosophie an der Rice Universität – PhD in der Philosophie von der Princeton Universität – Autor von Seeking God in Science: An Atheist Defends Intelligent Design

Christsein, das ist im Licht leben

(Diese Predigt kann in meinem Predigtarchiv auch als MP3 angehört oder heruntergeladen werden.)
Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen, dass Gott Licht ist und in ihm gar keine Finsternis ist. Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis wandeln, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit; wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde. (1. Johannes 1, 5 – 7)
Nachdem wir vorletzte Woche mit dem 1. Johannesbrief begonnen haben, werden wir heute damit fortfahren. Johannes hat uns in den ersten vier Versen gezeigt, dass es wichtig ist, dass wir mit Gott und unseren Geschwistern im Glauben in Gemeinschaft leben und dass diese Gemeinschaft zur Freude führen wird. Diese vier ersten Verse sind die Einleitung in diesen Brief. In den Versen von heute legt er das Fundament für das Leben in der Gemeinschaft mit Gott. Lesen wir im 1. Johannes im ersten Kapitel die Verse 5 – 7.
Wir sehen hier das Fundament, das Johannes legt. Er fängt damit an, dass er sagt, dass Gott Licht ist. Ganz wichtig ist hier zu sehen, dass Johannes hier mit Gott anfängt. Die Bibel fängt immer mit Gott an, nie mit dem Menschen. Hier fängt Johannes mit Gott an. In seinem Evangelium fängt er mit Gott an: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. (Joh. 1,1) oder der Anfang des AT: Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. (1.Mo. 1,1) Immer fängt die Bibel mit Gott an. Und weil die Bibel das tut, sollen wir das auch tun.
Das ist auch der Grund, weshalb es mir wichtig ist, dass wir immer wieder fortlaufende Auslegungspredigten haben. In der heutigen Zeit möchte man nicht mehr mit Gott anfangen, sondern sehr oft steht der Mensch am Anfang und im Zentrum der Predigten. Wenn man nicht diese Art der fortlaufenden Auslegungspredigten hält, so ist die Gefahr sehr groß, dass man mit dem Menschen, mit seinen Problemen oder mit den Lieblingsthemen des Predigers anfängt. Und das ist dann erstens sehr unausgewogen, weil immer wieder die gleichen Themen kommen und zweitens wird der Text sehr oft nur als Sprungbrett gebraucht, um zu dem zu führen, was der Prediger sagen möchte.
Eine Predigt besteht jedoch nie aus den Gedanken eines Predigers über einen Bibeltext, sondern die Predigt ist Gottes Wort an uns im Hier und Jetzt. Predigen heißt nämlich, die Bibel zu nehmen. Und sie ernst zu nehmen. Und den Text, der dort steht in seinem Kontext für die heutige Zeit verständlich auszulegen und auf unsere Zeit anzu-wenden. Und wenn man fortlaufend predigt, ist man erstens gezwungen, sich mit all den Themen der Bibel zu beschäftigen, was für Ausgewogenheit sorgt und hilft zweitens, dass man den Text nicht aus seinem Kontext herausreißt. Predigen heißt also, die Bibel zu kennen und gleichzeitig auch die heutige Zeit zu kennen, weil die Menschen der heutigen Zeit es verstehen sollen. In gewisser Weise sollte jeder von uns diese zwei Sprachen sprechen und die Sprache der Bibel für die heutige Zeit verständlich übersetzen können.
1. Gott ist Licht – und wir auch!
Johannes hat uns bereits gesagt, dass er den Brief geschrieben hat, damit unsere Freude vollkommen werden soll. Und nun fährt er fort, uns zu erklären, wie das geschehen soll. Was sagt er dazu? DAS ist die Botschaft, die ich euch sagen muss: Nämlich: Gott ist… was? Was würden wir an der Stelle erwarten? Dass Gott Liebe sei? Ja, das sagt er später im Brief auch. Aber hier sagt er uns, dass die wichtigste Botschaft über Gott die ist, dass Gott Licht ist und dass in Ihm keine – absolut keine – Finsternis ist. Und dies ist der Grund, weshalb jeder Mensch von Grund auf ein Problem mit Gott hat. Nicht Gott hat ein Problem mit dem Menschen, sondern der Mensch mit Gott.
Der Mensch tendiert dazu, seine Schwächen verstecken zu wollen. Er schämt sich dafür, nicht perfekt zu sein. Und das zeigt auch, weshalb er nicht von Grund auf in der Gemeinschaft mit Gott leben kann. Er hält es dort nicht aus, weil Gott Licht ist. Und wenn er in diesem Licht leben wollte, so kämen alle seine Sünden zum Vorschein, und er müsste sich mit ihnen auseinandersetzen.
Genau davon sprach der Herr Jesus im Gespräch mit Nikodemus: Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind. (Johannes 3, 19 – 21)
Weil Gott Mensch wurde und so das Licht in die Finsternis kam, hat die Welt begonnen, das Licht zu hassen. Wo Jesus hinkam, wurden Menschen von ihren Sünden überführt. Und das wollten sie nicht. Es ist natürlich auch sehr unangenehm, wenn man mal einen Blick in das eigene, verdorbene Herz werfen muss. Doch der Herr Jesus bietet uns nicht nur diesen Blick in die eigene Verdorbenheit, sondern Er will uns ein neues Herz schenken. Auf Chaos folgt immer das Gericht und dann die Wiederherstellung. Zuerst muss der Mensch einsehen, dass er Hilfe braucht. Dann schreit er nach dem großen Seelenarzt und wird so neu gemacht. Der Herr Jesus hat die Strafe für all unsere Sünden, für all unsere Schande, für all unsere Rebellion am Kreuz auf Golgatha bezahlt. Wenn du an Ihn glaubst und dich auf die Seite Gottes stellst und dein Leben anschaust und Gott recht gibst, dass du es verdienen würdest, diese Schuld durch ewige Trennung von Gott selbst bezahlen zu müssen, aber glaubst, dass der Herr Jesus diese Schuld bezahlt hat, dann wird Er dir ein neues Herz schenken.
Und jetzt kommt was ganz Spezielles. Nicht nur Gott ist Licht, auch wir sollen Licht sein. Unser Leben soll so sein, dass die Menschen in uns Gott erkennen können. Das Licht ist durch den Heiligen Geist in dein Leben eingezogen. Jetzt soll es nach außen sichtbar werden. Wie der Herr Jesus in der Bergpredigt sagte: Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; so leuchtet es allen, die im Haus sind. So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. (Matth. 5, 14 – 16)
2. Gemeinschaft mit Gott – in allem!
Deshalb fährt Johannes auch fort in seinem Brief: Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis wandeln, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit; wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde. (1. Joh. 1, 6 – 7) Es geht immer noch darum, dass Gott Licht ist. Und jetzt wird uns die Konsequenz aufgezeigt. Die besteht darin, dass wenn Gott Licht ist, und jemand behauptet, dass er mit Gott Gemeinschaft hat, dann sieht man an seinem Verhalten, ob das stimmt. Wenn er immer etwas zu verbergen hat und anderen perfektes Leben vorspielen muss, dann kann da was nicht stimmen. Wir sollen auf der einen Seite in unserem Leben Gottes Charakter widerspiegeln aber zugleich nicht so, dass andere nur die Fassade der Perfektion sehen können. Jeder von uns braucht immer wieder Hilfe, und dafür hat Gott uns die Gemeinde geschenkt.
Wenn die Menschen in uns das Licht Gottes sehen sollen, so heißt das, dass wir nicht das Recht haben, uns in ein Kloster zurückzuziehen, sondern unser Leben in der Welt, sichtbar gestalten sollen. Das meinte der Herr Jesus in Seinem wunderbaren Gebet: Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hasst sie; denn sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. (Johannes 17, 14 – 16)
Die Menschen, die ihre Verderbtheit nicht sehen wollen, die hassen uns, und zwar deshalb, weil unser Leben ihnen zeigt, was ihnen fehlt. Deshalb braucht uns dieser Hass auch nicht zu erschrecken, er ist einfach ein Teil unseres Lebens. Unser Auftrag ist es, sie trotz dieses Hasses gegen uns zu lieben und ihnen das Beste zu tun.
Wir sind in der Welt, aber nicht von der Welt. Deshalb möchte ich den Begriff der Zweisprachigkeit einführen. Ich habe bereits in der Einleitung heute darüber gesprochen. Wir müssen einerseits die Bibel kennen und in ihr zu Hause sein. Zugleich aber auch unsere Zeit und Kultur kennen und in ihr zu Hause sein. Das sind zwei verschiedene Sprachen, die wir immer wieder übersetzen müssen.
Es gibt jedoch eine ganz große Schwierigkeit in unserer heutigen Christenheit. Sie besteht darin, dass wir unser Leben, das in der Welt aber nicht von der Welt sein soll, aufgespalten haben. Wir haben es in zwei Teile aufgeteilt. Nennen wir sie den geistlichen Teil und den praktischen Teil. Oder den privaten und den öffentlichen Teil unseres Lebens. Im geistlichen oder privaten Teil gilt uns das, was Gott uns sagt, und im praktischen oder öffentlichen Teil haben wir zugelassen, dass die Welt bestimmen darf, was für uns gelten soll. Das ist wie ein Mensch mit multipler Persönlichkeit. Eigentlich gibt uns die Bibel eine umfassende Weltanschauung, die alle Dinge des Lebens umfasst, doch wir haben der Welt erlaubt, uns für die öffentlichen Dinge eine der Bibel diametral entgegenstehende Weltanschauung aufzuzwingen.
3. Gott ist Licht – für alle!
Wir haben gesehen, dass Gott Licht ist. Und weil Gott Licht ist, ist Er Licht nicht nur für uns Christen, sondern für alle Menschen. Aus diesem Grund ist es auch so wichtig, dass wir uns nicht aus der Welt zurückziehen, sondern uns in ihr betätigen, zur Ehre Gottes. Wenn wir wählen gehen, dann wählen wir zur Ehre Gottes. Wenn wir zur Arbeit gehen, gehen wir zur Ehre Gottes. Wenn wir die Spülmaschine einschalten, geschieht dies zur Ehre Gottes. Gott hat uns zu Seiner Ehre geschaffen und zu Seiner Ehre mit Fähigkeiten ausgestattet, mit einem Verstand, mit Neugier, Kreativität. Dadurch, dass wir etwas in der Welt bewegen, ehren wir Gott.
Viele Christen haben das Gefühl, dass sie nur dann richtig zur Ehre Gottes leben können, wenn sie in die Mission oder in den Pastorendienst gehen. Das ist völlig falsch. Der Großteil des Lebens für Gott findet außerhalb von unserem Gemeindegebäude statt. Er findet in deiner Wohnung statt, an deinem Arbeitsplatz, in deinem Auto oder auf deinem Fahrrad, wo immer du bist.
Gott hat die Welt geschaffen und den Menschen und ihn auf die Erde gestellt und ihm den Auftrag gegeben, die Erde in Besitz zu nehmen, sie zu bebauen und zu pflegen. Wo Menschen Kultur schaffen, wird Gottes Ebenbild sichtbar. Wenn wir Musik genießen, wird Gott geehrt weil Er uns so geschaffen hat, dass wir sie genießen können.
Dann kam der Sündenfall. Der hat die Harmonie zwischen Gott und Mensch, die Harmonie zwischen Mensch und Mensch, so wie die Harmonie zwischen Mensch und Natur zerstört. Missverständnisse, Sprachverwirrung, Schweiß bei der Arbeit, Sünde, Schmerzen, Krankheit und Tod haben Einzug gehalten. Der Auftrag blieb der selbe. Stück für Stück hat uns Gott die Bedienungsanleitung für diese Welt übermittelt. Und am Schluss ist Er Selbst gekommen, um die Möglichkeit zu schaffen, dass die Harmonie wiederhergestellt werden kann. Wer sein Leben mit Jesus lebt in der Gemeinschaft und im Licht Gottes, darf erleben, wie Gott Sich das alles gedacht hat. Und wir dürfen den Menschen, die das noch nicht wissen, helfen darauf zu kommen. Das ist es, was Licht sein bedeutet.
Das ist die Weltanschauung, die uns die Bibel gibt. Gott hat alles sehr gut geschaffen, doch der Mensch hat gegen diesen Gott rebelliert. So ist nun alles von dieser Rebellion betroffen und verderbt. Dennoch bleibt der Auftrag derselbe: Der Mensch soll als Ebenbild Gottes die Erde in Besitz nehmen, pflegen, erforschen, Neues entdecken und erfinden, und so weiter. Wenn Menschen dies tun, sieht man Gottes Ebenbild in Aktion.
Wenn wir Licht sein wollen in dieser Zeit, so haben wir den Auftrag, hierbei zu helfen. Wir sollen uns nicht ins Kloster zurückziehen, sondern Licht sein bringt nur dort etwas, wo es dunkel ist. Unser eigentlicher Auftrag ist nicht nur in der Gemeinde, geistliches Leben findet in deiner Familie, an deinem Arbeitsplatz, wo immer du bist, statt. Die Zeit in der Gemeinde ist zur Stärkung und Ausrichtung auf Gott gedacht, und auch um Menschen einzuladen, von Gott zu hören. Aber sie dient nicht zum Selbstzweck, sondern dazu, ausgerüstet zu werden und dann so in den eigentlichen täglichen Kampf des Lebens zu ziehen. Licht sein heißt auch, dass wir uns dafür einsetzen, dass es in dieser Welt weniger Ungerechtigkeit gibt, dass Missverständnisse ausgeräumt werden und dass Vergebung passieren kann.
Schluss
Wir haben gesehen, dass Gott Licht ist, und dass dieses Licht darin besteht, dass alles aufgedeckt wird, was falsch gelaufen ist oder läuft. Wenn wir im Licht Gottes leben, werden Dinge sichtbar, die wir nicht sehen wollen. Aber wir müssen uns dem stellen und uns selbst vor Gott verurteilen. So wird in unserem Leben dieses göttliche Licht sichtbar, nämlich dass wir mit Gott Gemeinschaft haben. Wir sollen auch Licht sein in dieser Welt. Dies geschieht dadurch, dass wir die Welt mit Gottes Augen betrachten und uns dafür einsetzen, dass die Dinge, die beim Sündenfall kaputt gegangen sind, wiederhergestellt werden, indem Menschen von Jesus hören und indem die Ungerechtigkeit in der Welt bekämpft wird.

Am Schöpfer kommt niemand vorbei

Die Bibel macht uns ganz deutlich und unzweideutig klar, dass niemand an Gott dem Schöpfer vorbeikommt. Zahlreiche Verse machen dies klar:
Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis; nur Toren verachten Weisheit und Zucht! (Sprüche 1,7)
Hier wird schon deutlich, dass jeder, der die Gottesfurcht ablehnt, sich dadurch letztlich als unvernünftig outet. Paulus schreibt im Brief an die Kolosser über den Herrn Jesus:
Dieser ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene, der über aller Schöpfung ist. Denn in ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: alles ist durch ihn und für ihn geschaffen; und er ist vor allem, und alles hat seinen Bestand in ihm. (Kolosser 1, 15 – 17)
Wenn es also Naturgesetze gibt, so sind diese darauf zurückzuführen, dass der Herr Jesus dafür sorgt, dass sie Bestand haben, denn „alles hat seinen Bestand in Ihm“. Auch die Tatsache, dass Gott der Schöpfer ist, kann aus dem Vorhandensein der Schöpfung gelesen werden:
Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündigt das Werk seiner Hände. (Psalm 19,2)
Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, da Gott es ihnen offenbar gemacht hat; denn sein unsichtbares Wesen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit Erschaffung der Welt an den Werken durch Nachdenken wahrgenommen, so daß sie keine Entschuldigung haben. Denn obgleich sie Gott erkannten, haben sie ihn doch nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt, sondern sind in ihren Gedanken in nichtigen Wahn verfallen, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild, das dem vergänglichen Menschen, den Vögeln und vierfüßigen und kriechenden Tieren gleicht. (Römer 1, 18 – 24)
Die Bibel macht uns klar, dass es ohne die Bereitschaft, sich Gott unterzuordnen, keine echte Wissenschaft geben kann. Der moderne Atheismus oder philosophische Naturalismus ist der vergebliche Versuch, Wissen zu schaffen, ohne sich dem Gott der Bibel unterordnen zu müssen. Systematisch wird Gott ausgeklammert, indem a priori davon ausgegangen wird, dass es „keine übernatürliche kreative Intelligenz“ (Richard Dawkins) gebe.
Damit wird zunächst das Fundament der Wissenschaft aufgegeben. Wenn Wissenschaftler davon ausgehen, dass die physikalische, natürliche Welt bestimmten Naturgesetzen unterworfen sei, die man erforschen könne, so stellt sich natürlich die Frage, woher diese kommen. Der philosophische Naturalismus kann und will darauf keine Antwort geben. Wissenschaft an sich konnte nur auf der Grundlage entstehen, dass man von einem kreativen Plan hinter dem Geschehen ausging. Die gesamte Geschichte der Wissenschaft zeigt dies. Wo immer dieses Fundament aufgegeben wird, kommt es zu Dualismen, die sich widersprechen. Das Leben wird in verschiedene Teile zerstückelt, für welche jeweils andere „Gesetze“ gelten, die – alles zusammen genommen – einander widersprechen.
Der philosophische Naturalismus geht zum Beispiel davon aus, dass in einem geschlossenen System immer dieselben Gesetze zu denselben Ergebnissen führen. Da jedoch der Mensch selbst auch zu diesem System dazu gehört, ist es ihm unmöglich, objektive Messungen zu machen. Oder wenn er versucht, ein solches System außerhalb seiner selbst herzustellen, wird es ihm unmöglich sein, das Ergebnis zu messen.
Es ist äußerst interessant, zu sehen, wie exakt Paulus diese Veränderung vorhergesehen hat:
Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild, das dem vergänglichen Menschen, den Vögeln und vierfüßigen und kriechenden Tieren gleicht. (Römer 1, 24)
Nun wird die Natur – also die Schöpfung – plötzlich zum neuen Götzen, indem man nicht mehr Gott, sondern der Schöpfung den Ehrenplatz gibt. Der Mensch und sein Verstand wird zum Maßstab aller Dinge, denn die Natur hat ja alles aus sich selbst hervorgebracht. So verblendet ist man inzwischen geworden.
Gerade da wir als Gläubige wissen, dass Gott uns die ganze Wahrheit gegeben hat und wir mit der Bibel den Maßstab für alle Dinge im Leben haben, lasst uns daran festhalten und auch dort, wo man uns belächelt, fest an dem halten, was Gott uns gegeben hat. Wir haben nichts Relatives, nichts was nur das private Leben betrifft, sondern die absolute Wahrheit, die zu allen Zeiten gelten wird, bis der Herr wiederkommt und später alles neu schaffen wird. Unsere Aufgabe ist es nicht, wissenschaftsfeindlich zu sein. Sie ist nicht unser Feind. Sie ist in vielen Dingen ein Fortschritt, der uns Gott näher bringen kann. Aber die Wissenschaft muss mit der Lupe von Gottes Wort betrachtet und beurteilt werden. Und je mehr wir das tun, desto größer wird uns der Gott der Bibel, der lebendige und ewige und einzige Gott.

Neuer Blog: CoramDeo.ch

Seit etwa drei Wochen gibt es in der christlichen Bloggerszene einen neuen Blog: CoramDeo.ch. Im ersten Post wird gleich vorgestellt, was das bedeutet:

Coram Deo ist lateinisch und bedeutet so viel wie “in der Gegenwart Gottes.”

Auch das Ziel des Blogs wird hier erklärt, und ich muss sagen, dass ich die Idee dahinter für sehr wertvoll und äußerst wichtig in unserer Zeit halte:

In einer Zeit, in der die Liebe Gottes und seine Bereitschaft zu vergeben überbetont wird, möchte dieser Blog einen Beitrag dazu leisten, ein Gottesbild zu fördern, welches auf der  Bibel gründet. […]

“Aber kann man die Liebe Gottes überbetonen?” mögen Sie sich jetzt fragen. Wenn in unserer Vorstellung von Gott keinen Platz mehr ist für seine Heiligkeit, seine Gerechtigkeit, seine Souveränität und sogar seinen Zorn (alles Eigenschaften, die die Bibel bezeugt), dann entspricht der Gott unserer Gedanken nicht dem Gott der Bibel und wir stehen in der Gefahr Götzendienst (das Anbeten eines falschen Gottes) zu betreiben. Klar, als endliche Wesen werden wir nie ein vollständiges Verständnis von dem unendlichen Gott haben, doch es besteht ein grosser Unterschied zwischen einem unvollständigen Gottesbild und einem falschen Gottesbild.

Was hier festgehalten wird, ist mir auch schon aufgefallen. Sehr oft wird einseitig Gottes Liebe betont, was zu einem Götzenbild führt, bei dem Gott zu einem lieben Opa degradiert wird, der unsere Sünden unter den Teppich kehrt und hofft, dass keiner sie findet.
Ich finde diesen Blog sehr wertvoll und möchte euch empfehlen, auch immer mal wieder dorthin zu klicken und die neusten Beiträge zu einem Leben in der Gegenwart Gottes zu lesen.

Biblische Namen und Symbole des Heiligen Geistes

Wer ist der Heilige Geist? Die dritte Person Gottes umweht oft etwas schwer Fassbares. Wer ist dieser Geist? Was tut Er? Das sind wichtige und überaus spannende Fragen. Verschiedene Fragen zum Heiligen Geist werden uns hier im Blog immer mal wieder begegnen. In einem ersten Teil habe ich einmal gesammelt, wie der Heilige Geist in der Bibel genannt wird. Es gibt viele verschiedene Ausdrücke und Symbole, mit denen die Bibel den Heiligen Geist bezeichnet. In der folgenden Datei habe ich 52 davon in vier Kategorien eingeteilt und jeweils kurz zu erklären versucht:
Dieses Material steht kostenlos auf meiner Homepage zur Verfügung. Es darf gerne verlinkt, kopiert, ausgedruckt und kostenlos oder zum Selbstkostenpreis weitergegeben, aber nicht verändert werden.
Für Fragen, Ergänzungen, Anregungen, Lob, Kritik und alles andere könnt ihr gerne die Kommentarfunktion im Blog nutzen oder mich per eMail kontaktieren (Adresse am Ende der PDF-Datei).

Mark Dever – Persönliche Evangelisation

Mark Dever – Persönliche Evangelisation
„Warum evangelisieren wir nicht?“ Mit dieser Frage und einer ganzen Reihe von Antworten steigt Mark Dever in das Buch ein. Besonders gut und wichtig fand ich folgende Antwort: „Dass wir beim Evangelisieren versagen, liegt zum Teil daran, dass wir ein mangelhaftes Verständnis davon haben. Gott verwendet nicht so sehr die evangelistische Gabe (obwohl es eine biblische Gabe des Evangelisten gibt), sondern die Treue Tausender und Millionen von Christen, die niemals behaupten würden, evangelisieren sei ihre Gabe. Deine Schlussfolgerung, dass du nicht für eine bestimmte Aufgabe begabt seist, befreit dich nicht von der Verantwortung zu gehorchen. Daraus ziehst du vielleicht den Schluss, dass evangelisieren nicht deine Gabe ist, aber es ist immer noch deine Pflicht.“ (S. 21)
Zusammengefasst besteht seine positive Antwort, was wir tun können, aus 12 Schritten: „Wir wollen über 12 mögliche Schritte nachdenken: Bete, plane, akzeptiere es, verstehe, sei treu, riskiere etwas, bereite dich vor, schaue voraus, liebe, fürchte, höre auf und gedenke.“ (S. 20)
Im zweiten Kapitel geht Mark auf das Evangelium ein. Die Schwierigkeit ist, dass heutzutage viel zu viele Menschen ein falsches Verständnis davon haben, was das Evangelium nun ist (und was es nicht ist). Zunächst entlarvt er vier falsche aber leider weit verbreitete Vorstellungen vom Evangelium: Die Gute Nachricht lautet nicht einfach „Ich bin ok“ (S. 28ff), Die Gute Nachricht lautet nicht einfach „Gott ist Liebe“ (S. 31ff), Die Gute Nachricht lautet nicht einfach „Jesus möchte unser Freund sein“ (S. 33ff) und Die Gute Nachricht lautet nicht: „Wir sollen rechtschaffen leben“ (S. 35ff). An dieser Stelle hätte ich gerne noch einen fünften Teil gehabt namens: Die Gute Nachricht lautet nicht: „Wir sollen die Gesellschaft transformieren [oder: verändern]“.
Am Ende dieser vier Teile, die erklären, was das Evangelium nicht ist, kommt er auf den Punkt und macht dem Leser klar: „Wer in unserer Gemeinde in Washington Mitglied werden möchte, den bitte ich, mir das Evangelium in nur einer Minute zu sagen. Wie würdest du das Evangelium in aller Kürze formulieren? Ich habe folgende Kurzfassung überlegt:
Die gute Nachricht des Evangeliums ist: Der wahre und heilige Gott, der alles geschaffen hat, schuf auch uns Menschen, und zwar nach seinem Bild, um ihn zu erkennen. Doch der Mensch fiel in Sünde und Verdammnis. Aber in seiner großen Liebe wurde Gott in Jesus Mensch, lebte ein vollkommenes Leben und erfüllte das Gesetz. Er starb als Sühnopfer am Kreuz und nahm die Strafe all derer auf sich, die zu ihm umkehren und ihm vertrauen. Er ist von den Toten auferstanden, was beweist, dass Gott das Opfer Christi angenommen hat und dass sein Zorn gegen uns gestillt ist. Er ruft uns nun dazu auf, über unsere Sünden Buße zu tun und allein auf ihn zu vertrauen, um Vergebung zu erlangen. Wenn wir unsere Sünden bereuen und auf Christus vertrauen, sind wir wiedergeboren zu einem neuen Leben, einem ewigen Leben mit Gott.“(S. 38f)
Im dritten Kapitel geht es darum, wem der Auftrag, zu evangelisieren, gegeben ist. Mark Dever macht jetzt klar, dass dieser Auftrag jedem wiedergeborenen Christen gilt. Jeder, der dem Herrn Jesus gehört und Sein Nachfolger ist, hat diesen Auftrag bekommen. Das vierte und fünfte Kapitel dient dazu, eine ausgewogene Praxis des Evangelisierens zu finden. Dies soll mit Ehrlichkeit und auch mit einer gewissen Dringlichkeit geschehen, aber auch mit Freude. Menschen sollen in die Gemeinde eingeladen werden, aber auch dazu, selbst nachzudenken. Ebenso wertvoll sind auch die Hinweise, was kein Evangelisieren ist: Es ist kein Aufdrängen, es ist auch kein persönliches Zeugnis geben, auch kein soziales oder gesellschaftliches Engagement, aber auch keine Apologetik. Diese Dinge können ein Teil des Evangelisierens sein, aber nicht das Ganze.
Wertvoll ist auch das sechste Kapitel, in welchem Mark auf die möglichen Reaktionen eingeht, die auf das Evangelium folgen. Manche lehnen ab, andere sind unentschlossen, aber hin und wieder gibt es auch zustimmende Reaktionen und Menschen, die tatsächlich für den Herrn Jesus gewonnen werden. Im siebten Kapitel geht es um die Motivation, weshalb wir evangelisieren sollen. Was sind unsere Motive dabei? Warum tun wir das überhaupt?
Den Schluss bildet der Epilog, in welchem sich Dever mit neumodischen Techniken auseinander setzt, die die Evangelisation als einen Verkaufsabschluss betrachtet und mit psychologischen Tricks versucht, den „potentiellen Kunden“ dazu zu bringen, etwas zu tun. Leider habe ich solche Techniken schon öfter sehen müssen als mir lieb war. Das Resultat eines evangelistischen Gesprächs hängt nicht von unseren Techniken und Methoden ab, sondern es ist allein von Gottes Wirken abhängig.
Dieses kurze Buch (123 Seiten) ist leicht verständlich, aber wohltuende Kost für jeden, der den Auftrag wahrnehmen möchte, das Evangelium von Jesus Christus weiter zu geben. Ich empfehle es sehr. Wer es bestellen möchte, kann dies hier tun. Übrigens findet im Oktober diesen Jahres in der Arche Gemeinde Hamburg die Eckstein Konferenz zum Thema „Persönliche Evangelisation“ statt, die ich Interessierten auch empfehlen möchte.C. J. Mahaney und Jeff Purswell sind als Gastsprecher eingeladen.

Christsein, das ist Freude!

 Diese Predigt kann in meinem Predigtarchiv auch als MP3 angehört oder heruntergeladen werden.

Was von Anfang war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen haben, was wir angeschaut und was unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens — und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns erschienen ist —, was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude vollkommen sei. (1. Johannes 1, 1 – 4)

Wir werden diesen Herbst den 1. Johannesbrief etwas genauer unter die Lupe nehmen. Dieser Brief – und das ist ganz wichtig, dass wir das kapieren – ist eine Botschaft für gläubige Christen. Besonders die Verse aus dem ersten Kapitel werden ja oft für den evangelistischen Zweck gebraucht, und da möchte ich sagen, obwohl diese Verse auch dem Ungläubigen etwas zu sagen haben, findet oft ein Missbrauch statt, indem man die Botschaft, die an Gläubige gerichtet ist, auch an die Ungläubigen richtet.
Dieser Brief wurde von Johannes geschrieben, und zwar von dem Johannes, der auch als Lieblingsjünger Jesu bezeichnet wird, nämlich Johannes der Sohn von Zebedäus. Er war es, der sowohl das Johannes-Evangelium, als auch die drei Johannesbriefe und die Offenbarung geschrieben hat. In unserem Brief bezeichnet er sich als einer der Augenzeugen. Er hat den Herrn Jesus mit eigenen Augen gesehen, mit eigenen Ohren gehört und mit eigenen Händen berührt. Darüber kann es absolut keinen Zweifel geben, wenn wir der Bibel glauben. Der Brief hat seine Autorität nicht nur dadurch, dass er in der Bibel steht, sondern auch dadurch, dass er von einem geschrieben wurde, der drei Jahre seines Lebens mit dem Herrn Jesus verbracht hat. Um den Brief besser zu verstehen, werden wir immer wieder Parallelen zu den anderen Schriften von Johannes ziehen. Johannes hat nämlich seine ihm ganz persönliche und spezielle Wortwahl und Argumentation, auf die er immer wieder zurückgreift. Paulus würde das Gleiche ganz anders ausdrücken. Paulus arbeitet nämlich viel mit Argumenten der Logik. Wenn das eine so ist, dann muss daraus logischerweise jenes folgen. Das ist Paulus‘ Vorgehensweise, der ein Stück weit wie in der Schule ein Lehrer argumentiert. Johannes hingegen gebraucht viele Gegensätze und arbeitet stark auf der emotionalen Ebene, seelsorgerlich. Wir werden das noch sehen.
Noch ein kurzes Wort zum Inhalt des ganzen Briefes. Wenn man einen Brief schreibt, so hat dies eine bestimmte Absicht. Man will etwas weitergeben. Besonders zu der Zeit, als Johannes lebte, war es teuer, einen Brief zu schreiben und zu verschicken. Da hat man sich fünfmal überlegt, ob das jetzt wirklich nötig ist, und nur das Wichtige geschrieben. Damals gab es noch kein WhatsApp, Skype, eMail oder Facebook-Messenger. Die Absicht des ersten Johannesbriefs bestand darin, vor drei falschen Sichtweisen über den Herrn Jesus zu warnen und zu zeigen, was geistliches Leben wirklich bedeutet. Johannes möchte uns zeigen, woran wir erkennen können, dass wir tatsächlich zu Gott gehören und uns unserer Erlösung absolut gewiss sein dürfen.
1. Innige Gemeinschaft Gottes
Johannes schreibt oft etwas verschachtelte Sätze und Botschaften, wo er eine Aussage anfängt, dann etwas anderes dazwischen schiebt, und die Aussage später fortsetzt. Die Übersetzung ins Deutsche macht das noch komplizierter, weil es im Deutschen manche Sprachformen gar nicht erst gibt. Unsere vier Verse haben drei Themen zum Inhalt: Die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, die Gemeinschaft und die Freude.
Am Anfang geht es um das, was bereits vor der Erschaffung der Welt vorhanden war, nämlich die göttliche Gemeinschaft zwischen Gott Vater und Gott Sohn. Diese innige Gemeinschaft ist für Johannes das Vorbild für die Gemeinschaft, die wir mit Gott und miteinander als Gläubige haben sollen. Gehen wir kurz ins Evangelium von diesem Johannes. Da sehen wir, wie der Herr Jesus gebetet hat: Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben werden, auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; auf dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, auf dass sie eins seien, gleichwie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie zu vollendeter Einheit gelangen, und damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, gleichwie du mich liebst. (Joh. 17, 20 – 23) Das ist ein total krasses Gebet. Unsere Gemeinschaft mit Gott und die Gemeinschaft als Gläubige untereinander soll so stark sein wie die Liebesbeziehung zwischen Gott Vater und Gott Sohn, die bereits vor der Erschaffung des Universums bestand. Einfach der Hammer.
Ok, also Johannes sagt uns: Von Anfang an war da eine perfekte Beziehung der Liebe, des Gehorsams, und so weiter, zwischen Gott Vater und Gott Sohn. Die war schon da, bevor das Universum geschaffen wurde. Und von Anfang an war auch das Erlösungswerk am Kreuz ein Teil von Gottes Plan. Das war absolut keine spontane Reaktion auf etwas Unvorhergesehenes, sondern es war der von Gott geplante Liebesbeweis dem Menschen gegenüber. Am Anfang steht die Liebesbeziehung innerhalb von Gott, die dann durch die Selbsthingabe Jesu am Kreuz auf der einen Seite Gottes Liebe zeigen soll, und auf der anderen Seite die Gemeinschaft des Menschen mit Gott wieder ermöglichen.
2. Gemeinschaft mit Gott durch die Menschwerdung Gottes
Johannes fährt nun fort und erzählt von diesem Umstand. Das Leben ist erschienen. Gott ist Mensch geworden, der ewige Gott wurde zu einem sterblichen Menschen, der alles durchmachen musste, was wir auch durchmachen – mit einem Unterschied: Er hat nie gesündigt. Weil Gott in Jesus Mensch wurde und weil Er sündenfrei lebte und am Schluss des irdischen Lebens Sein Lebens als Bezahlung unserer Schuld bei Gott gegeben hat, deshalb wird diese Gemeinschaft mit Gott erst möglich gemacht.
Heutzutage ist die Menschwerdung Gottes für viele Menschen etwas Unvorstellbares. Aber nicht erst heute, das war es schon immer. Und das ist mit ein Grund, weshalb Johannes diesen Brief geschrieben hat. Zu seiner Zeit gab es drei Irrlehren, die heute immer noch kursieren, also komplett altmodische Sichtweisen. Die erste war, dass der Herr Jesus eigentlich nur eine Art Engel mit menschlich aussehendem Körper war. Die Zeugen Jehovas sagen das ähnlich. Sie sagen, dass der Erzengel Michael später als Jesus auf die Erde kam. Eine zweite Richtung sagte, dass wir zwischen dem Menschen Jesus und dem Christus oder Messias unterscheiden müssen und erst bei der Taufe im Jordan, als der Heilige Geist wie eine Taube auf Ihn kam, der Mensch Jesus zum Christus und Sohn Gottes wurde. Die dritte sagte, dass Jesus einfach ein guter Mensch war, der aufgrund seines guten Lebens zu einem von vielen Kindern Gottes gemacht wurde und so einfach unser Vorbild sein soll. Alle drei Richtungen sind mir in der heutigen Zeit immer wieder begegnet.
Und gegen alle diese drei Richtungen bezieht Johannes hier klar Stellung. Jesus war vor der menschlichen Geburt nicht einer der Erzengel, sondern Gott. Und er wurde durch die Zeugung in der Jungfrau Maria, die übrigens nicht Jungfrau blieb, sondern auf ganz normale, menschliche Weise noch mehr Kinder bekam, als Messias geboren. Es war notwendig, dass der Erlöser ohne menschliche Zeugung, sondern durch ein göttliches Eingreifen gezeugt wurde, damit Er nicht die Sündennatur bekommt, mit der jeder von uns zur Welt kommt.
Am Kreuz von Golgatha hat der Herr Jesus unsere Sünden bezahlt und hat damit den Weg frei gemacht, damit wir mit Gott in dieser Gemeinschaft leben können, die Er auch hat. Der Tod und die Aufer-stehung Jesu haben ein Stück weit den Kreis der Gemeinschaft in der Dreieinigkeit Gottes geöffnet, sodass wir als Gläubige an dieser Gemeinschaft teilhaben dürfen. Aufgepasst, wir werden dadurch nicht zu Göttern, die Gott gleich wären. Aber uns wird ein Platz in diesem Zusammensein, in dieser Einheit drin geschenkt.
3. Freude ist Ausdruck der Gemeinschaft
Weil wir wissen, dass wir als Gemeinschaft aller Gläubigen in dieser Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott sind, spricht Johannes davon, dass er den Brief schreibt, damit seine Leser wissen, dass sie auch mit Johannes und den übrigen Aposteln und als Gläubige untereinander Gemeinschaft haben. Die Gemeinschaft als Gläubige entspringt nicht etwas Menschengemachtem wie etwa der Ökumene, dem Arbeits-kreis Christlicher Kirchen oder der evangelischen Allianz. Das hat alles nichts zu tun mit dem, was Gott unter Einheit und Gemeinschaft versteht. Es geht auch nicht darum, dass alle in jedem Detail dieselbe Erkenntnis haben müssen, um zu dieser Gemeinschaft zu gehören.
Ein Produkt von dieser Gemeinschaft beschreibt Johannes im vierten Vers: Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude vollkommen sei.Die Freude soll vollkommen sein. Die Freude entsteht aus dieser Gemeinschaft heraus. Sie ist ein Merkmal oder Kennzeichen dafür, dass man in dieser Gemeinschaft drin ist. Paulus war in Rom im Gefängnis, und trotzdem hatte er diese Freude. Der Herr Jesus betete im Garten Gethsemane und schwitzte Blut – und trotzdem hatte Er diese Freude. Er starb am Kreuz unter qualvollen Schmerzen – und trotzdem hatte Er Freude.
Freude heißt nicht, dass plötzlich alles Spaß machen muss, was man tut. Das ist so eine Lüge der modernen Spaßgesellschaft. Echte Freude, die von Gott kommt, gibt uns die Kraft, unsere Angst zu überwinden und in allem, was wir tun, nach Gottes Willen zu fragen und handeln. Sie ist nichts, was man in sich selbst machen kann, wie auch der Glaube nichts ist, was man machen kann, beides wird in uns bewirkt – durch die Gemeinschaft mit Gott und mit Geschwistern im Glauben. Wenn die Bibel von der Freude spricht, meint sie unsere Reaktion, die sich aus dieser Gemeinschaft heraus ergibt.
Freude ist auch eine Art der Zufriedenheit, die daraus entsteht, dass wir wissen: Gott kümmert sich um uns, ich muss mir keine Sorgen machen, ich darf meine Sorgen auf Ihn werfen, denn Er sorgt für mich. Freude entsteht zum Beispiel dann, wenn wir über das nachdenken, was Gott uns geschenkt hat und Ihm dafür danke sagen. Sie gibt uns Kraft, die Dinge, die wir anpacken müssen, mit verstärktem Elan zu tun.
Und jetzt sagt uns Johannes, dass diese Freude ein Merkmal unseres Glaubens sein soll. Sie soll vollkommen werden. Das Wort für „vollkommen“ wird besser mit „vollständig aufgefüllt“ übersetzt. Wir sind in einer Welt, die im Argen liegt, leben in einem Land, das vor die Hunde geht, wo es für eine natürliche Freude schon gar keine Gründe mehr gibt. In der Gemeinschaft mit Gott wird diese Freude immer und immer wieder aufgefüllt. Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir diese Gemeinschaft mit Gott pflegen. Die Freude, die von Gott kommt, soll einerseits unveränderlich da sein, und andererseits sollen wir sie immer wieder auffüllen lassen.
Dieser vierte Vers in unserem Text ist eine wahnsinnige Herausforderung an jede und jeden von uns. Wir leben in einer Zeit, in welcher die Hektik des Alltags und die Unruhe der Welt ständig an unseren Nerven zehrt. Dennoch haben wir die Aufgabe, diese Freude in uns auffüllen zu lassen. Sie kommt durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt. Dazu schreibt Paulus im Brief an die Epheser: Und berauscht euch nicht mit Wein, was Ausschweifung ist, sondern werdet voll Geistes; redet zueinander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern; singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen; sagt allezeit Gott, dem Vater, Dank für alles, in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus; ordnet euch einander unter in der Furcht Gottes!(Eph. 5, 18 – 21)
Unsere Freude soll nicht durch ein Übermaß an alkoholischen Getränken kommen, sondern dadurch, dass wir uns immer wieder in der Gemeinschaft unserer örtlichen Gemeinde aber auch zu Hause in der einsamen Kammer Gott loben und danken. 
Johannes fordert uns aber noch mehr dazu heraus, unser Leben zu prüfen, wie es denn um diese Freude steht. Haben wir diese Freude, die ein erstes wichtiges Merkmal der Gotteskindschaft ist? Deshalb möchte ich dir, uns allen, heute diese Frage auch stellen: Hast du diese erfüllende, bleibende Freude, die auch in schweren Zeiten beim Durchhalten und Weitermachen hilft? Diese Freude, die größer ist als alles, was die Welt uns geben kann? Diese Genügsamkeit im Herrn Jesus? Diese Zufriedenheit trotz der schrecklichen Verderbtheit und Gefallenheit der Welt?
Schluss
Wir haben gesehen, dass es von Anfang an – längst bevor Gott die Himmel und die Erde geschaffen hat – eine wunderbare, perfekte Einheit und Gemeinschaft zwischen Gott Vater und Gott Sohn gab. Diese Gemeinschaft ist am Kreuz von Golgatha geöffnet worden, so dass jeder, der an den Herrn Jesus glaubt, zu einem Teil von dieser Gemeinschaft werden darf. Diese Gemeinschaft ist das Vorbild für die Gemeinschaft zwischen den Geschwistern im Glauben in der Gemeinde. Aus dieser segensreichen Gemeinschaft mit Gott und den Geschwistern heraus kommt die Freude. Sie ist ein erstes wichtiges Merkmal unserer Gotteskindschaft. Wenn uns diese Freude fehlt, so dürfen wir in der Gemeinde auch Hilfe suchen und einander gegenseitig helfen. Die Gemeinschaft unter uns soll zu einer Quelle dieser Freude werden.

Greg Gilbert – Was ist das Evangelium?

Ich möchte heute ein super Buch vorstellen, in welchem ich immer wieder mit viel Gewinn lese. Es ist ein kleines Büchlein, das eigentlich schnell durchgelesen ist, aber der Inhalt ist derart gut, dass man über vieles gleich mal länger nachdenken muss (oder darf).
Ich spreche von Greg Gilberts Buch „Was ist das Evangelium?“ Ich möchte nachfolgend ein paar besondere Leckerbissen zitieren und empfehle wirklich jedem, dieses Buch zu lesen. Es ist theologisch hochwertig, aber auch für den theologisch völlig ungeschulten Laien leicht verständlich, da alles gut erklärt wird. Auch – und vielleicht besonders – für Menschen, die sich für den christlichen Glauben interessieren ist dieses Buch eine super Gelegenheit.
„Egal, wie man es dreht und wendet – zu sagen, dass Jesus Christus gestorben ist, um uns von negativen Gedanken über uns selbst zu retten, ist verwerflich unbiblisch. Tatsächlich lehrt uns die Bibel, dass ein großer Teil unseres Problems darin besteht, dass wir zu groß von uns denken, nicht zu klein. Denken Sie einmal einen Moment lang darüber nach. Womit hat die Schlange Adam und Eva versucht? Sie sagte ihnen, dass sie zu negativ über sich selbst denken. Sie sagte ihnen, sie müssten positiver denken, sich nach ihrem vollen Potenzial ausstrecken, wie Gott sein!“ (S. 63f)
„Leider ist die Lehre vom stellvertretenden Opfer vermutlich ein Teil des christlichen Evangeliums, den die Welt am meisten hasst. Die Menschen empört der Gedanke, dass Jesus für die Sünde eines anderen bestraft wurde. Mehr als ein Autor hat dies „göttliche Kindesmisshandlung“ genannt. Und doch: Wenn wir das stellvertretende Opfer ablehnen, schneiden wir dem Evangelium das Herz heraus.“ (S. 83f)
„Der Gedanke, die Gesellschaft müsse durch die Arbeit von Christen sichtbar verändert werden, scheint in letzter Zeit von vielen Evangelikalen Besitz ergriffen zu haben. Ich halte das für ein lobenswertes Ziel und ich glaube auch, dass die Bemühung, sich dem – persönlichen oder system-immanenten – Bösen in der Gesellschaft entgegenzustellen, biblisch ist. […] Viele „Transformationalisten“ gehen aber noch weiter und behaupten, der Auftrag, „die Gesellschaft zu erlösen“, sei tief in den Aussagen der Bibel eingewoben. Wenn Gott tatsächlich die Welt neu schaffen will, argumentieren sie, dann liegt es in unserer Verantwortung, uns an dieser Arbeit zu beteiligen. […] Es geht mir darum, dass unter einigen „Transormationalisten“ die gesellschaftliche Erlösung fast unmerklich zur großen Verheißung und zum Mittelpunkt des Evangeliums wird – was natürlich bedeutet, dass das Kreuz bewusst oder unbewusst von diesem Platz verdrängt wird.“ (S. 136 – 138)
Wer mehr lesen will, möge sich das Buch bestellen. Das kann man hier tun.

Der Siegeszug Friedrich Schleiermachers

Der Theologe und Philosoph Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher schrieb 1799 über das „Wesen der Religion“:

Ihr Wesen ist weder Denken noch Handeln, sondern Anschauung und Gefühl. Anschauen will sie das Universum, in seinen eigenen Darstellungen und Handlungen will sie es andächtig belauschen, von seinen unmittelbaren Einflüssen will sie sich in kindlicher Passivität ergreifen und erfüllen lassen.“ (Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen, 2. Aufl. der Ausgabe zum Hundertjahr-Gedächtnis, herausgegeben von Rudolf Otto, S. 32)
Diese Gefühlsvergötzung greift in unserer Zeit um sich wie kaum zuvor. Das Denken und Erfassen mit dem Verstand wird immer mehr vernachlässigt, vielmehr steht das Gemeinschaftserlebnis und die dabei entstehenden Gefühle von Massensuggestion im Mittelpunkt. Nach Schleiermacher hat der Glaube also nichts mehr mit Nachdenken und auch nichts mit ethischem Handeln zu tun. Das gehört für ihn auch zum Leben, aber er teilt das ganze Leben in zwei getrennte Bereiche ein: Auf der einen Seite das Denken, Wollen und Handeln, das der Wissenschaft entspringt und auf der anderen Seite die Gefühlswelt und das passive Sich-Ergreifen-Lassen vom Unbekannten in – wie er das nennt – „kindlichem“ Glauben.
Wir müssen zwei Dinge dazu festhalten: Die Bibel spricht an keiner Stelle gegen Gefühle, denn die Gefühle gehören zu unserem Leben dazu, genauso wie das Denken auch. Aber die Bibel ruft zu einer Nüchternheit auf, was bedeutet, dass Gefühle – genau so wie das Denken – an einem absoluten Maßstab, nämlich der Bibel, geprüft werden müssen. Die postmoderne Haltung sagt aus: es ist gut, solange es mir ein gutes Gefühl gibt. Diese Haltung verkennt, dass Satan, der Gegenspieler Gottes, wie ein Engel des Lichts ist. Er kann ebenfalls wunderschöne Gefühle machen. Und als Drittes leben wir in einem menschlichen Körper, in dem man mit bestimmten Dingen ebenfalls Hormone ausschütten lassen kann, die uns dann ein gutes Gefühl geben. Ein gutes Beispiel ist die Tafel Schokolade, die uns einen Moment lang ein wunderbares Gefühl gibt, doch schon bald ihre Schwäche zeigt, indem man an den ungewolltesten Orten zuzunehmen beginnt.
Ein Zweites dazu: Die Bibel ruft uns dazu auf, uns verändern zu lassen. Dies geschieht dadurch, dass Gott uns einen fixen Maßstab gibt, der durch alle Jahrhunderte und Jahrtausende Gültigkeit hat. An diesem Maßstab muss unser Denken, Fühlen, Wollen und Handeln geprüft werden. Nicht unser Gefühl ist dabei ausschlaggebend, nicht unsere Erfahrung, sondern Gottes Wort, die Bibel. Gott möchte, dass wir uns an Seinen Maßstab anpassen, keinesfalls aber die Bibel an unseren persönlichen Maßstab. Paulus schreibt zu dieser Veränderung: Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, angesichts der Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber darbringt als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer: das sei euer vernünftiger Gottesdienst! Und passt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern lasst euch [in eurem Wesen] verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.(Römer 12, 1 – 2)
Diese Veränderung ist es, die wir brauchen. Ein neues Vertrauen in das irrtumslose Wort Gottes und eine gewisse Art von Zweifel an uns selbst. Wir haben in unserer Zeit nicht zu wenig Selbstvertrauen, sondern eher zu viel Selbstvertrauen und zu wenig Gottesvertrauen.

Kurzbiographie: John Bunyan

Das Leben von John Bunyan
1. Einleitung
John Bunyans Buch „Die Pilgerreise“ ist nach der Bibel das meistgedruckte und meistverkaufte Buch auf dem christlichen Buchmarkt. Es ist ein geistlicher Roman, der mit Gleichnissen versucht, den Weg eines Gläubigen zu beschreiben. Häufig greift er dazu auch auf die Bibel zurück, wo das Leben als Christ auch als Pilgerweg durch eine fremde Welt hindurch beschrieben wird.
Dieses Buch geht nicht auf einen studierten Theologen zurück, sondern auf einen ganz gewöhnlichen Mann, einen Kesselflicker mit nicht einmal besonders guter schulischer Bildung. Doch selbst der große puritanische Theologe John Owen ging oft und gerne dorthin, wo Bunyan predigte. Was ihn auszeichnete, war seine große Erfahrung, seine Menschenkenntnis, aber auch und gerade sein großes Vertrauen in das Wort Gottes.
Wir wollen nun in aller Kürze sein Leben und Werk betrachten, immer mit der Frage im Hinterkopf, was wir für heute von diesem John Bunyan lernen können.
2. Kindheit, Jugend, Heirat
John Bunyan kam am 28. November 1628 in Elstow bei Bedford, in der Nähe von Northampton, in England, zur Welt. Er hatte zwei jüngere Geschwister. Wir wissen leider sehr wenig über seine frühere Zeit, selbst in der Autobiographie „Grace Abounding“ (überströmende Gnade) wird die gesamte Kindheit und Jugendzeit in ein paar Nebensätzen abgehandelt.
Er ging in Bedford zur Schule und lernte dort wohl gerade mal das Nötigste zum Leben: Lesen, schreiben, rechnen. Dann lernte er den Beruf seines Vaters: Kesselflicker. Das ist eine Art Kupferschmied, die sich darauf spezialisiert hatte, alle möglichen Geräte des Haushalts zu reparieren. Die meisten von ihnen hatten keine feste Werkstatt, da es dann zu wenig zu tun gab, um überleben zu können. Vielmehr zogen sie in den Dörfern umher und kamen in die Häuser, um dort vor Ort gleich alles wieder reparieren zu können.
1648 heiratete er seine erste Frau. Wir wissen ihren Namen nicht aus sicheren Quellen, wir wissen nur, dass die erste Tochter der beiden Mary genannt wurde, und weil es damals üblich war, dass das erste Mädchen den Vornamen der Mutter bekam, lässt sich mit einiger Sicherheit sagen, dass die Frau auch so hieß. Mit ihr hatte er zwei Töchter, Mary und Elizabeth, sowie zwei Söhne, John und Thomas. Leider ist sie schon nach acht Jahren der Ehe gestorben. Drei Jahre nach ihrem Tod heiratete Bunyan erneut, diesmal eine Elisabeth, mit der er auch noch einmal zwei Kinder hatte, welche sie Sarah und Joseph nannten.
3. Gottes Werk der Bekehrung
Kurz vor seiner Hochzeit hatte John noch ungefähr drei Jahre bei der Armee gedient. Dort wird er wohl bereits öfter mit puritanischen Predigten der Feldpfarrer konfrontiert worden sein. Dennoch dauerte es noch eine gute Weile, bis er zu einer endgültigen Bekehrung und der völligen Heilsgewissheit gedrungen war. Seine Frau Mary war tief gläubig, und auch ihr Vater war ihm darin zu einem Vorbild geworden. Doch vorerst wollte der junge Kesselflicker noch nichts davon wissen. Er ging zwar in die Kirche, doch war der Inhalt der Predigten – so eindrücklich sie auch gewesen sein mochten – nach einem leckeren Sonntagsbraten schnell wieder vergessen.
Inzwischen war John vor allem in Bedford zur Arbeit unterwegs, denn in Elstow gab es für ihn zu wenig zu tun, und da seine erste Tochter blind zur Welt gekommen war, brauchte er ein Einkommen, das für sie als Familie zum Auskommen reichte. In Bedford traf er eine Gruppe von älteren Frauen, die sich über geistliche Dinge, wie zum Beispiel die Notwendigkeit der Wiedergeburt, unterhielten. Da erfasste ihn der Wunsch, noch mehr darüber zu erfahren, und so suchte er immer wieder die Gemeinschaft mit diesen Menschen. Dieser Kontakt führte immer mehr dazu, dass er die Dummheit seines Selbstvertrauens und die überführende Kraft von Gottes Wort erkannte.
Doch immer mehr nahmen auch die Versuchungen zu, die ihm schwer zu schaffen machten. Immer wieder kam der „Vater der Lüge“ und wollte ihn davon abbringen, weiter nach dem Weg zu suchen. John war sehr empfindsam für solche Dinge, und so geschah es immer wieder, dass er sich verwirren ließ und manchmal über Tage in einer niedergeschlagenen Stimmung verbrachte. Als er den gläubigen Leuten von Bedford erzählte, brachten sie ihn in Kontakt mit John Gifford, ebenfalls ein Laienprediger, der einst als Major in der englischen Armee gedient hatte, und eine schwere Zeit hinter sich hatte, ähnlich jener, in der sich Bunyan gerade befand.
Durch all diese schweren Zeiten hindurch, diese von Selbstzweifel und inneren Nöte geprägten Wochen und Monate, wurde John Bunyan zu einem Dienst vorbereitet, der in seinen Tagen vielen Tausenden und über die Jahrhunderte hinweg bis zum heutigen Tag wohl etlichen Millionen Menschen zum Segen werden sollte. Im Jahre 1653 ließ er sich in der Ouse, einem Fluss in der Nähe, taufen.
4. Der Kesselflicker als Prediger
1655 zog er mit der Familie ganz nach Bedford um. Er war inzwischen in der Versammlung von John Gifford zum Diakon gewählt worden. Doch schon kurz darauf starb seine Frau Mary. Und nicht allzu viel später stirbt auch John Gifford, der Pastor der Versammlung in Bedford. Nun gibt es für alle noch viel mehr zu tun. Vier Kinder zu Hause, die Arbeit für den Lebensunterhalt, der Dienst in der Gemeinde, und so weiter.
Gerade auch in seiner Versammlung hat er immer wieder gezeigt, dass sein Bibelstudium sehr exakt und wirklich ausführlich war. Schließlich hatte er sie ja während Jahren verzweifelt durchforscht, um darin das ewige Leben zu finden und die Gewissheit, zu den Auserwählten zu gehören. So haben immer mehr Menschen in seinem Umfeld gemerkt, wozu er berufen war. Nur ihm selbst machte das große Probleme. Erst nach langem Bitten ließ er sich dazu überreden, in einer Privatversammlung Gottes Wort zu lesen und auszulegen. Dies war immer mit großem Segen verbunden, sodass er begann, an verschiedenen Orten zu predigen, wohin er eingeladen wurde.
Schon bald wurde er bekannt, und es dauerte nicht lange, bis ihm das Predigen verboten wurde. Weil er sich gewohnt war, kräftig und deutlich zu predigen und kein Blatt vor den Mund zu nehmen, regte sich der Widerstand aus den Großkirchen. Inzwischen war Oliver Cromwell gestorben, und im Mai 1660 bestieg Charles II den Thron von England. Unter ihm wurde die Uniformitätsakte zum Gesetz gemacht, die das „Book of Common Prayer“, eine von kirchlichen Theologen verfasste Sammlung von Liturgien, Liedern und Gebeten, zum offiziellen Dokument gemacht, dessen regelmäßigen Gebrauch jeder Pfarrer mit der Unterschrift bezeugen musste. Unter anderem wurde auch das Predigen nur noch denjenigen erlaubt, welche von der anglikanischen Kirche als Pfarrer eingesetzt wurden.
5. Die Zeiten im Gefängnis
So wurde bald eine Gelegenheit gefunden, um John Bunyan festzunehmen. Dies geschah am 12. November 1660. Er wurde verhört, und durfte gerade während dieses Verhörs erfahren, wie Gott ihn mit den richtigen Worten im richtigen Moment getröstet hat. Seine Gegner hatten bald kaum noch etwas zu erwidern, so sprachen sie ihn wütend schuldig und ließen ihn ins Gefängnis bringen. Inzwischen hatte er ja noch ein zweites Mal geheiratet. Seine zweite Frau, Elisabeth, musste eine ganz besonders schwere Zeit durchmachen. Da Bunyan weit herum bekannt war, und deshalb viele Feinde hatte, konnte auch sie mit ihren Worten nichts ausrichten, um die Freiheit ihres Mannes zu erbitten.
Sechs Jahre musste er im Gefängnis verbringen. 1662 wurde die Verwendung des Common Prayer Book als Gesetz erlassen, und ungefähr 2000 Pastoren ihres Amtes enthoben. Zahlreiche von ihnen wurden ebenfalls inhaftiert, weil sie ebenfalls ohne Erlaubnis mit Predigen fortfuhren. Im Gefängnis flocht er bunte Schnüre und Bänder, die er an Händler verkaufen konnte, um so seiner Familie etwas Geld fürs Allernötigste zukommen zu lassen. Daneben kümmerte er sich um das geistliche Wohl der Mitgefangenen und ging auch weiterhin seiner schriftstellerischen Tätigkeit nach.
Nach Verlauf der sechsjährigen Haft wurde Bunyan freigelassen. Unter stetiger Beobachtung durch Spione führte er seine Berufung fort. Die Freiheit dauerte nicht besonders lange, und schon wurde er wieder nach kurzem Verhör ins Gefängnis gebracht. In dieser Zeit starb auch sein ältestes Mädchen, die blinde Mary.
1672 kam John endlich wieder frei. Der König hatte inzwischen erkannt, dass er etwas diplomatischer vorgehen musste. So durften sich die freien Gemeinden wieder treffen, sie mussten nur ihre Orte offiziell anmelden. John Bunyan bekam eine Predigtlizenz, mit der er in jeder offiziell angemeldeten Gemeinde predigen durfte. Nun wurde in Bedford eine ehemalige Scheune ausgebaut und angemeldet. Diese Gemeinde in Bedford stellte ihn nun als Pastor an. Doch schon 1874 wurde ein neuer Haftbefehl gegen ihn ausgestellt, mit der Behauptung, Bunyan würde gegen den König predigen. Im Stadtgefängnis hat er jetzt die Pilgerreise geschrieben, sein bekanntestes Werk. 1676 wurde er auf den Wunsch des großen Puritaners John Owen wieder auf freien Fuß gelassen. 1687 wurde die Pilgerreise in London gedruckt. Bereits bis Ende dieses Jahres wurden weit mehr als 2000 Exemplare verkauft. Sein Dienst war in den darauf folgenden Jahren sehr gesegnet. Doch leider war seine Gesundheit schon immer etwas schwierig. Im Alter von fast 60 Jahren starb John Bunyan an Fieber am 31. August 1688.
6. Die Pilgerreise
Dieses weitaus bekannteste Werk von Bunyan wurde seit seinem Erscheinen in über 120 Sprachen übersetzt und ist nach der Bibel das meistgelesene Buch von einem Gläubigen. Seine gesamte Kenntnis der Schrift, seine Kenntnis des Menschen und seine Kenntnis der schrecklichen Abgründe im Herzen des Menschen haben ihn zu einem Schriftsteller gemacht, der wie kaum ein anderer dazu gebraucht werden konnte, um Menschen aller Zeiten und Kulturen zu einem Segen zu werden.
Die Pilgerreise beschreibt das Leben des Gläubigen als eine Art Gleichnis. Er beschreibt den Weg zum Glauben, und das ist in gewisser Weise auch eine autobiographische Szene. Das Herz des Menschen, das lange suchen muss, bis es Christus gefunden hat, und auch danach ständig in Gefahr steht, versucht zu werden, wird wunderschön dargestellt.
Die Hauptperson ist Herr Christ. Er wohnte in der Stadt Zerstörung und trug eine schwere Last. In einem Buch hatte er gelesen, dass ihn diese Last ins ewige Verderben bringt. So macht er sich auf die Suche nach der Rettung. Er findet durch Evangelist den Weg zur engen Pforte, wo er hindurch geht. Doch kaum ist er drüben, prasseln die bösen Pfeile auf ihn ein, und er muss den Weg schnell fortsetzen. Dann kommt er an verschiedenen Orten vorbei. Manchmal sind es Menschen, die ihn vom Weg abbringen wollen, oder auch Situationen, die ihm Angst machen. So etwa das Tal der Todesschatten. Aber zwischendurch findet er immer wieder Ermutigung, die ihm hilft, weiter zu gehen. So geht es immerzu weiter, bis sie am Ende in der himmlischen Stadt ankommen.
Wer das Buch liest, wird sich selbst schnell darin wiederfinden. Es ist ein exzellentes Gleichnis für unser Leben als Gläubige, die den Weg durch die enge Pforte gefunden haben. Mit großer geistlicher Erkenntnis führt John Bunyan all die Schwierigkeiten auf, die auf uns zukommen auf diesem schmalen Weg. Dies hilft dem Leser, sich in dieser Welt zurecht zu finden und ermutigt immer wieder, zum weitermachen. Es gibt übrigens auch einen zweiten Band der Pilgerreise, die Bunyan einige Zeit nach dem ersten verfasst hatte. In diesem geht es dann um die Frau von Herrn Christ, um Christin und deren Kinder.
7. Weitere Werke
John Bunyan hat einige Bücher und Predigtsammlungen geschrieben. Besonders zu erwähnen sind vor allem zwei Bücher nebst der Pilgerreise. Das erste ist seine Autobiographie namens „Grace Abounding“ (Überreiche Gnade). Er beschreibt darin zuerst sein schlimmes Leben vor seiner Bekehrung (in unserer Zeit würden wohl manche fragen, was daran denn so schlimm sei). Interessanterweise erwähnt er Elstow als Ort, wo er aufgewachsen ist, nur zweimal nebenbei. Dann fährt er fort, die wunderbare Gnade Gottes zu beschreiben, wie der Herr ihn nie aufgegeben hat, sondern dafür gesorgt, dass das göttliche Geschehen an seiner Seele auch tatsächlich bis zum Ende durchgeführt wurde. Wie er unter dem Dienst von John Gifford immer mehr gestärkt wurde und wie er letztendlich herausfand, dass Gott ihm die Gnadengabe des Predigens verliehen hatte. Das Buch endet damit, dass er die Verhaftung schildert, in der er sich gerade befand.
Das zweite Buch, das auch eine besondere Erwähnung verdient, ist „The Holy War“ (der heilige Krieg), in dem es jedoch keinesfalls um politische Kämpfe geht, sondern um den geistlichen Kampf, der ständig um die Seele des Menschen tobt. Auch dieses Werk ist als Gleichnis geschrieben. Im Zentrum steht die Stadt namens „Menschenseele“. Shaddai ist der Herrscher und Schöpfer des Universums und der Stadt Menschenseele. Aber leider hat Diabolus, der Feind von Shaddai, die Stadt eingenommen. Und nun geht es um diesen Kampf, um die Mittel zum Kampf, und im Zentrum steht Immanuel, der Sohn von Shaddai, der den Kampf gegen Diabolus anführt. Dieses Werk ist auch von großer geistlicher Bedeutung für das Leben als Christen. Es zeigt ebenfalls, wie groß Bunyans Kenntnis des Menschen war.
8. John Bunyans Vorbild für uns
Ich möchte an dieser Stelle drei Bereiche nennen, in welchen uns John Bunyan ein Vorbild werden kann. Es gäbe bestimmt noch viel mehr aufzuzählen, aber diese drei sind mir besonders wichtig geworden.
1. Er war kein ausgebildeter Theologe, aber ein ausgezeichneter Menschen- und Bibelkenner. Seine schulische Bildung war gering, sie reichte aus, dass er lesen und schreiben konnte, hatte jedoch keinen akademischen Grad, und dennoch hat Gott ihn als Werkzeug für viele Generationen und Jahrhunderte gebraucht. Was wir heute brauchen, sind Menschen, die bereit sind, sich mit einer solchen Hingabe an die Bibel zu wenden. Bunyan hat wohl recht wenige andere Bücher als die Bibel gekannt. Aber seine Bibel kannte er und war in ihr zu Hause. Und wichtiger noch: Er hatte gelernt, ihr zu vertrauen. Wir haben viel zu oft nur ein oberflächliches Vertrauen in die Bibel und ein viel zu großes Vertrauen in uns selbst. Es sollte umgekehrt sein: Dass wir an uns selbst zweifeln, das tut not, aber unser solides Fundament, an dem wir alles andere, inklusive uns selbst, prüfen, das muss das Wort Gottes sein. Es braucht keine Ausbildung an einer Universität, um Gott zu kennen. Aber es braucht viel Liebe zu dem Buch, in dem Gottes Wort steht.
2. Er hatte seine Erkenntnis mit großem Kraftaufwand erkämpft. Bunyan wusste darum, dass das Leben als Gläubige ein Kampf ist. Dass man immerzu den Regungen seines eigenen, betrügerischen Herzens und den Verführungspfeilen Satans ausgeliefert ist. Es hat bei ihm Jahre gedauert, bis er den ersten Kampf, denjenigen um die absolute Heilsgewissheit, errungen hatte. Aber diese Kämpfe führten dazu, dass er kein oberflächlicher Mann wurde, sondern dass seine Erkenntnis wirklich in die Tiefe des Seins ging. Dorthin, wo sie sein Leben tatsächlich beeinflusste. Viele Predigten zielen heute nur auf eine ganz oberflächliche Zustimmung ab, aber sie werden nicht erkämpft. Deshalb gibt es auch so viel moralischen Verfall in den Gemeinden.
3. Diese Erkenntnis in der Tiefe seines Lebens gab ihm die Kraft, um auch in den schweren Zeiten im Gefängnis standhaft zu bleiben. Sein Wissen um die absolute Wahrheit und Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift und die totale Treue seines Gottes, ließen ihn die langen Jahre des Aufenthalts im Gefängnis als etwas Positives sehen. Er wusste, dass er nicht nachgeben konnte, weil er seinen Gott nicht verleugnen durfte. Sein Gott hatte ihn zum Predigen begabt, deshalb musste er das tun und durfte keinen Kompromiss eingehen und zustimmen, dass er aufhören würde mit dem Predigen. Er war bereit, unter den schwersten Umständen seines Lebens Gott treu zu bleiben. Wenn wir diese Kraft auch wollen, so wird uns nichts daran vorbeiführen, diesen Kampf um die echte, tiefe Erkenntnis auch selbst zu durchleben.
Zum Abschluss noch vier Amazon-Links für Leseratten:
Hier gibt es eine gute deutsche Biographie über John Bunyan von Frank Mott Harrison
Hier kann man die Pilgerreise kaufen
Hier gibt es seine Autobiographie „Überreiche Gnade“
Hier ist der Link zum Heiligen Krieg