Warum wir Auftragsmorde legalisieren sollten

Vorsicht, Satire!!! Den folgenden Artikel habe ich im Blog von The Gospel Coalition (engl. Original) auf englisch gefunden. Da ich den Artikel der deutschsprachigen Welt nicht vorenthalten wollte, habe ich ihn mit freundlicher Genehmigung der Autorin, Betsy Childs, übersetzt.

Warum wir Auftragsmorde legalisieren sollten

Ich werde die Erste sein, die es eingesteht: Berufskiller sind fragwürdig. Aber sie sind fragwürdig, weil sie eine Arbeit erledigen, die niemand anders tun will, eine Arbeit, die tatsächlich illegal ist. Indem wir Auftragsmorde ein „Verbrechen“ nennen, haben wir die Tatsache verschleiert, dass Berufskiller der Gesellschaft einen wertvollen Dienst bereitstellen.
Viele Frauen finden sich gefangen in ungewollten Ehen. Der Ehebund beschneidet die Freiheit einer Frau ernstlich, und Ehemänner können unangemessen fordernd sein. Eine Frau in einer solchen Situation ist verletzlich. Sie sieht nur noch einen Ausweg, und so trifft sie die schwierige Entscheidung, ihren Ehemann zu töten.
Doch die unbequeme Wahrheit ist, dass eine Frau, die einen Mord gegen ihren Ehemann in Auftrag gibt, mit größter Wahrscheinlichkeit tausende von Dollars zahlen muss, ohne die Garantie zu haben, dass der Mord tatsächlich ausgeführt wird. Diesen Auftrag zu legalisieren, würde die Unsicherheit beseitigen. Gemietete Schützen könnten überprüft und trainiert, sowie auf professionelle Sicherheitsstandards angehalten werden. Niemand will, dass ein Treffer daneben geht. Wenn keine Gefahr der Anklage mehr bestünde, würde dies die Kosten von Auftragsmorden drastisch senken. Auftragsmord zu legalisieren würde ein schmutziges Geschäft ins rechte Licht rücken.
Während eine Scheidung in den meisten Fällen eine attraktive Alternative für einen Auftragsmord sein könnte, haben manche Frauen nicht die emotionalen und finanziellen Ressourcen, um eine Scheidung hinter sich zu bringen. Eine strittige Scheidung durchzuführen kann mehr als ein Jahr Zeit in Anspruch nehmen. Nachdem Anwälte die Finanzen des Paares geleert haben, bleibt der Frau nur wenig Geld zurück, um ihr Leben fortzusetzen. Außerdem: Ein diskreter Mord zur rechten Zeit schützt den Ehemann vor dem Schmerz, herausfinden zu müssen, dass er nicht mehr gewollt ist. Ein wahrlich erfahrener Attentäter kann seine Zielperson schmerzlos in einem Moment umlegen ohne jedes Leiden. Das Ende einer Ehe hat das Potential, das Leben einer Frau zu ruinieren, aber wenn ihr Ehemann schnell und sauber herausgeholt wird, so kann dies ein neuer Anfang für sie sein.
Auftragsmord ist ein unbequemes Thema, und ich persönlich könnte nie einen Mord beauftragen. Besser wäre es, zuerst ungewollte Ehen zu vermeiden. Das ist aber keine Entscheidung, die jemand anderes für eine Frau machen kann. Es ist ihre Ehe, nur sie kann entscheiden, wann sie enden muss.
Ich bin mir bewusst, dass manche Leser damit zögern, diesen Vorschlag zu befürworten, aber haltet doch einmal inne, um zu betrachten, wie sehr die Legalisierung der Abtreibung dazu beigetragen hat, dass eine Frau, die ihr Kind töten will, nicht mehr stigmatisiert wird. Einst wurde die Abtreibung als Mord gesehen und konnte deshalb nur im Geheimen und mit großem Risiko für die Frauen durchgeführt werden. Jetzt feiert unser Staat Frauen, die ihr Recht ausüben, Familienmitglieder zu töten. Weshalb sollten wir dieses Recht nicht ausweiten und den Frauen das Recht geben, ihre Partner zu töten?
(Original in Englisch von Betsy Childs, Übersetzung von mir)

Die Menschenopfer des 21. Jahrhunderts

Wenn du in das Land kommst, das der Herr, dein Gott, dir gibt, so sollst du nicht lernen, nach den Greueln jener Heidenvölker zu handeln. Es soll niemand unter dir gefunden werden, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt, oder einer, der Wahrsagerei betreibt oder Zeichendeuterei oder ein Beschwörer oder ein Zauberer, oder einer, der Geister bannt, oder ein Geisterbefrager, oder ein Hellseher oder jemand, der sich an die Toten wendet. Denn wer so etwas tut, ist dem Herrn ein Greuel, und um solcher Greuel willen vertreibt der Herr, dein Gott, sie vor dir aus ihrem Besitz. (5. Mose 18, 9 – 12)
Wir brauchen heute weder in den Busch zu gehen, noch sonst wo hinzufahren, um die nächsten Menschenopfer zu finden. Sie finden tagtäglich in unseren Städten und Krankenhäusern statt. Dort, wo Menschen eigentlich den Auftrag hätten, Leben zu retten, wird es heute zerstört. Das ist eine schreckliche Perversion unserer Zeit.
Denn sie haben Ehebruch getrieben, und Blut ist an ihren Händen; ja, mit ihren Götzen haben sie Ehebruch getrieben, und für sie sogar ihre eigenen Kinder, die sie mir geboren haben, durchs Feuer gehen lassen, so dass sie verzehrt wurden! Überdies haben sie mir auch das angetan: Sie haben an demselben Tag mein Heiligtum verunreinigt und meine Sabbate entheiligt. Denn wenn sie ihre Kinder ihren Götzen geschlachtet hatten, so kamen sie noch am selben Tag in mein Heiligtum, um es zu entweihen.Siehe, das haben sie mitten in meinem Haus getrieben! (Hesekiel 23, 37 – 39)
Dadurch, dass man meint, man könne – in postmodernem Konstruktivismus – das Leben einfach neu definieren und dadurch ein Verbrechen zur neuen Tugend machen, werden die schlimmsten Morde nicht nur erlaubt, sondern regelrecht befürwortet. Es gibt eine riesige Lobby der „Pro Choice“ („für die Wahl“)-Fraktion. Noch schlimmer ist der Druck, der durch diese Legalisierung und all die Möglichkeiten der pränatalen Diagnose entsteht. Und doch ist es bezeichnend, wie sehr Gott für das Leben ist – auch für das Leben in der Gefangenschaft in Ägypten. Auch für das Leben unter schweren Umständen – als Sklaven der Ägypter. So wertvoll ist das Leben für Gott, dass sogar eine offensichtliche Lüge, die gezielt zum Schutze dieses Lebens eingesetzt wurde, durch Gottes Segen bestätigt wurde.
Und der König von Ägypten redete mit den hebräischen Hebammen, von denen die eine Schiphra, die andere Pua hieß, und er sprach: Wenn ihr die Hebräerinnen entbindet, so seht auf der Stelle nach; wenn es ein Sohn ist, so tötet ihn, ist es aber eine Tochter, so lasst sie leben! Aber die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, was ihnen der König von Ägypten befohlen hatte, sondern sie ließen die Knaben leben. Da ließ der König von Ägypten die Hebammen rufen und fragte sie: Warum tut ihr das, dass ihr die Knaben leben lasst? Da antworteten die Hebammen dem Pharao: Nun, die hebräischen Frauen sind nicht wie die ägyptischen; sie sind lebhafter; ehe die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie geboren! Und Gott segnete die Hebammen; das Volk aber vermehrte sich und nahm gewaltig zu. (2. Mose 1, 15 – 20)
Zwischen 110’000 und 120’000 Menschenopfer werden dem modernen Moloch der Selbstbestimmung jedes Jahr in den Rachen geworfen. In Deutschland. Weltweit geht man von etwa 42’000’000 pränatal ermordeten Kindern pro Jahr aus. Zum Vergleich: Der 2. Weltkrieg hat weltweit insgesamt etwa 66’000’000 Menschenleben gekostet. Somit kommt man mit den Abtreibungen in 1,5 – 2 Jahren ungefähr auf die Zahl der Menschenleben, die der 2. Weltkrieg in 6 Jahren gekostet hat. Nur mal so weit ein kleiner Vergleich. Das sind schreckliche Zahlen.
Weitaus schrecklicher ist allerdings die Gleichgültigkeit der Kirchen und Gemeinden heutzutage. Gerade da uns die Bibel auffordert, uns für die Schwachen einzusetzen:
Ein Psalm Asaphs. Gott steht in der Gottesversammlung, inmitten der Mächtigen richtet er: »Wie lange wollt ihr ungerecht richten und die Person des Gottlosen ansehen? (Sela.) Schafft Recht dem Geringen und der Waise, den Elenden und Armen laßt Gerechtigkeit widerfahren! Befreit den Geringen und Bedürftigen, errettet ihn aus der Hand der Gottlosen!«(Psalm 82, 1 – 4)
»Warum fasten wir, und du siehst es nicht, warum kasteien wir unsere Seelen, und du beachtest es nicht?« — Seht, an eurem Fastentag geht ihr euren Geschäften nach und treibt alle eure Arbeiter an! Siehe, ihr fastet, um zu zanken und zu streiten und dreinzuschlagen mit gottloser Faust; ihr fastet gegenwärtig nicht so, dass euer Schreien in der Höhe Erhörung finden könnte. Meint ihr, dass mir ein solches Fasten gefällt, wenn der Mensch sich selbst einen Tag lang quält und seinen Kopf hängen lässt wie ein Schilfhalm und sich in Sacktuch und Asche bettet? Willst du das ein Fasten nennen und einen dem Herrn wohlgefälligen Tag? Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: dass ihr ungerechte Fesseln losmacht, dass ihr die Knoten des Joches löst, dass ihr die Unterdrückten freilasst und jegliches Joch zerbrecht? Besteht es nicht darin, dass du dem Hungrigen dein Brot brichst und arme Verfolgte in dein Haus führst, dass, wenn du einen Entblößten siehst, du ihn bekleidest und dich deinem eigenen Fleisch nicht entziehst? (Jesaja 58, 3 – 7)
Die Schwächsten unserer Gesellschaft sind die Ungeborenen. Sie bedürfen am allermeisten unseres Schutzes. Sie haben keine eigene Stimme, um sich wehren oder auch nur zu Wort melden zu können. In einer zunehmend sozialistisch gestalteten Gesellschaft bekommt der Mensch seinen Wert nicht durch sein Menschsein, sondern durch den Wert, den er seiner Gesellschaft bringt. Sprich: Seiner Arbeit. Deshalb müssen Frauen auch weg von den Kindern, hin an den Arbeitsplatz, um einen von der Gesellschaft anerkannten Wert zu bekommen. Dies war bereits in der DDR so, und wird jetzt in der EUdSSR immer stärker vertreten. Es geht nicht mehr um Gleichberechtigung. Diese ist nur ein Vorwand, um möglichst viele Arbeiterinnen und Arbeiter für den Staat ausbeuten zu können. Und so sind es auch die Schwächsten und Kleinsten, denen ihr Wert als Menschen abgesprochen wird. Die Kranken und die Alten. Wo die Abtreibung eine so große Lobby hat, wird es nicht lange dauern, bis auch die Euthanasie eingeführt wird, damit am Ende nur noch die leben dürfen, welche der Gesellschaft einen größtmöglichen Nutzen bringen.
Alle Tiere sind gleich, nur manche Tiere sind gleicher.“ (George Orwell)

Die Himmel erzählen

Die Himmel erzählen
Die Himmel erzählen von Dir, mein Herr,
die Sterne von Deiner Herrlichkeit.
Ein Tag ruft dem andern zu, wie sehr
das Werk Deiner Hand Dir Ehre verleiht
Du hast die Sonne so schön gemacht,
die jeden Tag uns vom Himmel lacht.
Wir freuen uns an ihrem Glanz,
bewundern von Ost bis West ihren Tanz.
Auch durch Dein Wort sprichst Du uns an,
zeigst uns darin, wie alles begann.
Möchtest uns führen und leiten darin,
Dein ganzer Wille gibt uns Sinn.
All Deine Wahrheit wird offenbar,
durch Deinen Maßstab sehen wir klar.
Zeig‘ meine Schuld, vergib‘ die Sünd‘
Du bist mein Erlöser, ich Dein Kind.
(frei nach Ps. 19; Jonas Erne)

Fundamente des christlichen Glaubens für jedermann

Das Gemeinsam-Lesen-Projekt

Der amerikanische Theologe Wayne A. Grudem hat 1994 eine biblische Glaubenslehre (der Fachbegriff dafür ist „Systematische Theologie“ oder „Biblische Dogmatik“) herausgegeben, die nicht nur sehr gut geschrieben und dadurch leicht verständlich ist, sondern die auch geradezu auf den Gebrauch in Gemeinden, Bibelstunden und Hauskreisen zugeschnitten ist. Sie ist exakt, schaut immer verschiedene Auslegungsmöglichkeiten an, die im Laufe der Kirchengeschichte propagiert wurden, und zieht Schlussfolgerungen direkt aus dem gesamten Zeugnis der Bibel.

Er definiert die „Systematische Theologie“ folgendermaßen: „Systematische Theologie ist jedes Studium, das die Frage beantwortet: ‚Was lehrt die Bibel uns heute über jedes denkbare Thema?’“ (S. 27). Daraus schlussfolgert er: „Tatsächlich betreibt ein Christ jedes Mal, wenn er etwas über die Lehraussage der ganzen Bibel sagt, nach unserer Definition in gewissem Sinne ’systematische Theologie‘ – indem er über verschiedene Themen nachdenkt und die Frage beantwortet: ‚Was lehrt die Bibel uns heute?’“ (S. 30)
Nachdem nun 2013 endlich die deutsche Übersetzung dieses genialen Werks erschienen ist, haben wir, Waldemar Justus, Pastor und Blogger von www.jesus24.deund Jonas Erne, Vikar und Blogger von http://jonaserne.blogspot.de, die Idee entwickelt, dass man dieses Buch von Grudem auch als größeres Leseprojekt gemeinsam lesen kann. Dazu ist jeder, der dies möchte, aufgefordert, nach jeweiliger Möglichkeit jede Woche ein Kapitel zu lesen. Dieses wird dann in unserer dazugehörigen Facebook-Gruppe (Link) kurz vorgestellt und dann darf jede und jeder über den Inhalt dieses Kapitels mitdiskutieren, Fragen stellen, andere Fragen beantworten, und so weiter. Jede Woche wird nur ein neues Kapitel zur Diskussion freigegeben.
Das Leseprojekt beginnt in der ersten Kalenderwoche des neuen Jahres, in dem Fall also am 30.12.2013. Jeder, der interessiert ist, kann sich den gesamten Leseplan ab sofort in unserer Facebook-Gruppe herunterladen. Die Teilnahme ist völlig unverbindlich, wir würden uns jedoch über rege Diskussion bis zum Ende des Buches wünschen. Durch dieses Projekt des gemeinsamen Lesens können wir uns gegenseitig dazu motivieren, beim Lesen dran zu bleiben und haben zugleich auch immer die Möglichkeit zum regen Austausch darüber.
Wer das Buch von Grudem noch kaufen möchte, kann dies auf deutsch oder englisch bei Amazon.

Dietrich Bonhoeffer – Gemeinsames Leben

Dietrich Bonhoeffer – Gemeinsames Leben
Die letzten 10 Tage habe ich in kleinen Häppchen das Buch „Gemeinsames Leben“ von Dietrich Bonhoeffer gelesen. Es ist ein wahrer Genuss. Meine Ausgabe stammt von 1955 und wurde im Chr. Kaiser Verlag München gedruckt. Nachfolgend ein paar der besonderen Leckerbissen:
Von der christlichen Gemeinschaft
„Christliche Gemeinschaft heißt Gemeinschaft durch Jesus Christus und in Jesus Christus. Es gibt keine christliche Gemeinschaft, die mehr, und keine, die weniger wäre als dieses. Von der kurzen einmaligen Begegnung bis zur langjährigen täglichen Gemeinschaft ist christliche Gemeinschaft nur dieses. Wir gehören einander allein durch und in Jesus Christus.
Was heißt das? Es heißt erstens, dass ein Christ den anderen braucht um Jesu Christi willen. Es heißt zweitens, dass ein Christ zum anderen nur durch Jesus Christus kommt. Es heißt drittens, dass wir in Jesus Christus von Ewigkeit her erwählt, in der Zeit angenommen und für die Ewigkeit vereinigt sind.“ (S. 8)
Von der seelischen und der geistlichen Liebe
„Seelische Liebe ist ihrem Wesen nach Begehren, und zwar Begehren nach seelischer Gemeinschaft. So lange sie dies Begehren noch irgendwie befriedigen kann, wird sie es nicht aufgeben, auch um der Wahrheit willen nicht, auch um der wahren Liebe zum Anderen willen nicht. Wo sie aber für ihr Begehren keine Erfüllung mehr erwarten kann, dort ist sie am Ende, nämlich beim Feind. Hier schlägt sie um in Hass, Verachtung und Verleumdung.
Eben hier ist aber auch der Ort, an dem die geistliche Liebe anfängt. Darum wird die seelische Liebe zum persönlichen Hass, wo sie der echten geistlichen Liebe begegnet, die nicht begehrt, sondern dient. Seelische Liebe macht sich zum Selbstzweck, zum Werk, zum Götzen, den sie anbetet, dem sie alles unterwerfen muss. Sie pflegt, sie kultiviert, sie liebt sich selbst und sonst nichts auf der Welt. Geistliche Liebe aber kommt von Jesus Christus her, sie dient ihm allein, sie weiß, dass sie keinen anderen unmittelbaren Zugang zum anderen Menschen hat. Christus steht zwischen mir und dem Andern. Was Liebe zum Andern heißt, weiß ich nicht schon im Voraus aus dem allgemeinen Begriff von Liebe her, der aus meinem seelischen Verlangen erwachsen ist, – das alles mag vielmehr vor Christus gerade Hass und böseste Selbstsucht sein, – was Liebe ist, wird mir allein Christus in seinem Wort sagen.“ (S. 18f)
Vom Wert der täglichen Losung
„Wir sind fast alle mit der Meinung groß geworden, es handle sich in der Schriftlesung allein darum, das Gotteswort für den heutigen Tag zu hören. Darum besteht die Schriftlesung bei Vielen nur aus einigen kurzen, ausgewählten Versen, die das Leitwort des Tages ausmachen sollen. Es ist nun kein Zweifel, dass etwa auf den Losungen der Brüdergemeinde für alle, die sie gebrauchen, bis zur Stunde ein wirklicher Segen liegt. Gerade in den Kampfzeiten der Kirche ist das vielen zu ihrem großen und dankbaren Erstaunen aufgegangen. Aber es kann ebensowenig ein Zweifel darüber bestehen, dass kurze Leit- und Losungsworte nicht an die Stelle der Schriftlesung überhaupt treten können und dürfen. Die Losung für den Tag ist noch nichtz die Heilige Schrift, die durch alle Zeiten hindurch bis in den jüngsten Tag bleiben wird. Die Heilige Schrift ist mehr als Losung. Sie ist auch mehr als „Brot für den Tag“. Sie ist Gottes Offenbarungswort für alle Menschen, für alle Zeiten. Die Heilige Schrift besteht nicht aus einzelnen Sprüchen, sondern sie ist ein Ganzes, das als solches zur Geltung kommen will.“ (S. 30f)
Gottes Wort, das Lied der Kirche und das Gebet der Gemeinde
„Gottes Wort, das Lied der Kirche und das Gebet der Gemeinde stehen am Anfang des Tages. Erst wenn die Gemeinschaft mit dem Brote des ewigen Lebens versorgt und gestärkt worden ist, vereinigt sie sich, um von Gott das irdische Brot für dieses leibliche Leben zu empfangen. Danksagend und um Gottes Segen bittend nimmt die christliche Hausgemeinde das tägliche Brot aus der Hand des Herrn. Seit Jesus Christus mit seinen Jüngern zu Tische saß, ist die Tischgemeinschaft seiner Gemeinde durch seine Gegenwart gesegnet.“ (S. 42)
Einsam in der unchristlichen Umwelt
„Jeder Tag bringt dem Christen viele Stunden des Alleinseins mitten in einer unchristlichen Umwelt. Das ist die Zeit der Bewährung. Das ist die Probe auf eine rechte Meditationszeit und auf eine rechte christliche Gemeinschaft. Hat die Gemeinschaft dazu gedient, den einzelnen frei, stark und mündig zu machen, oder hat sie ihn unselbständig und abhängig gemacht? Hat sie ihn eine Weile an die Hand genommen, damit er wieder lernt, eigene Schritte zu tun, oder hat sie ihn ängstlich und unsicher gemacht? Das ist eine der ernstesten und schwersten Fragen an jede christliche Lebensgemeinschaft. Weiter wird sich hier entscheiden, ob die Meditationszeit den Christen in eine unwirkliche Welt geführt hat, aus der er mit Schrecken erwacht, wenn er wieder in die irdische Welt seiner Arbeit hinaustritt, oder ob sie ihn in die wirkliche Welt Gottes geführt hat, aus der er gestärkt und gereinigt in den Tag hineingeht?“ (S. 59)
Von der Demut
„Wer lernen will zu dienen, der muss zuerst lernen, gering von sich selbst zu denken. „Niemand halte weiter von sich, denn sich gebührt zu halten“ (Röm. 12, 3) „Sich selbst recht kennen und gering von sich denken zu lernen, das ist die höchste und nützlichste Aufgabe. Nichts aus sich selber machen und dabei stets von anderen eine gute Meinung haben, das ist große Weisheit und Vollkommenheit“ (Thomas a Kempis). „Haltet euch nicht selbst für klug“ (Röm. 12,17). Nur wer aus der Vergebung seiner Schuld in Jesus Christus lebt, wird in rechter Weise gering von sich denken, der wird wissen, dass seine Klugheit hier ganz an ihr Ende kam, als Christus ihm vergab, der erinnert sich der Klugheit der ersten Menschen, die wissen wollten, was gut und böse ist und in dieser Klugheit umkamen. Der erste aber, der auf dieser Erde geboren wurde, war Kain, der Brudermörder. Das ist die Frucht der Klugheit des Menschen. Weil der Christ nicht mehr sich selbst für klug halten kann, darum wird er auch von seinen Plänen und Absichten gering denken, er wird wissen, dass es gut ist, dass der eigene Wille gebrochen wird in der Begegnung mit dem Nächsten. Er wird bereit sein, den Willen des Nächsten für wichtiger und dringlicher zu halten als den eigenen. Was schadet es, wenn der eigene Plan durchkreuzt wird? Ist es nicht besser, dem Nächsten zu dienen, als den eigenen Plan durchzusetzen?“ (S. 64)
Keiner zu gut, dem Nächsten zu dienen
„Keiner ist für den geringsten Dienst zu gut. Die Sorge um den Zeitverlust, den eine so geringe und äußerliche Hilfeleistung mit sich bringt, nimmt meist die eigene Arbeit zu wichtig. Wir müssen bereit werden, uns von Gott unterbrechen zu lassen. Gott wird unsere Wege und Pläne immer wieder, ja täglich, durchkreuzen, indem er uns Menschen mit ihren Ansprüchen und Bitten über den Weg schickt. Wir können dann an ihnen vorübergehen, beschäftigt mit den Wichtigkeiten unseres Tages, wie der Priester an dem unter die Räuber Gefallenen vorüberging, vielleicht – in der Bibel lesend. Wir gehen dann an dem sichtbar in unserem Leben aufgerichteten Kreuzeszeichen vorüber, das uns zeigen will, dass nicht unser Weg, sondern Gottes Weg gilt. Es ist eine seltsame Tatsache, dass gerade Christen und Theologen ihre Arbeit oft für so wichtig halten, dass sie sich darin durch nichts unterbrechen lassen wollen. Sie meinen damit Gott einen Dienst zu tun, und verachten dabei den ‚krummen und doch geraden Weg‘ Gottes (Gottfried Arnold). Sie wollen von den durchkreuzten Menschenweg nichts wissen. Es gehört aber zur Schule der Demut, dass wir unsere Hand nicht schonen, wo sie Dienst verrichten kann, und dass wir unsere Zeit nicht in eigene Regie nehmen, sondern sie von Gott füllen lassen.“ (S. 67f)
Vom Wert der Beichte
„In der Beichte geschieht der Durchbruch zur Gemeinschaft. Die Sünde will mit dem Menschen allein sein. Sie entzieht ihn der Gemeinschaft. Je einsamer der Mensch wird, desto zerstörender wird die Macht der Sünde über ihn, und je tiefer wieder die Verstrickung, desto heilloser die Einsamkeit. Sünde will unerkannt bleiben. Sie scheut das Licht. Im Dunkel des Unausgesprochenen vergiftet sie das ganze Wesen des Menschen. Das kann mitten in der frommen Gemeinschaft geschehen. In der Beichte bricht das Licht des Evangeliums in die Finsternis und Verschlossenheit des Herzens hinein. Die Sünde muss ans Licht. Das Unausgesprochene wird offen gesagt und bekannt. Alles Heimliche und Verborgene kommt nun an den Tag. Es ist ein harter Kampf, bis die Sünde im Geständnis über die Lippen kommt. Aber Gott zerbricht eherne Türen und eiserne Riegel (Ps. 107, 16). Indem das Sündenbekenntnis im Angesicht des christlichen Bruders geschieht, wird die letzte Festung der Selbstrechtfertigung preisgegeben. Der Sünder liefert sich aus, er gibt all sein Böses hin, er gibt sein Herz Gott, und er findet die Vergebung all seiner Sünde in der Gemeinschaft Jesu Christi und des Bruders.“ (S. 77f)

Gedanken zum Lesen

Gedanken zum Lesen
Wir leben in einer Zeit, in der wir mit einer zunehmenden Flut von Büchern, eBooks, PDFs, Zeitschriften, Zeitungen, aber auch vielen anderen Medien überflutet werden, die durch ihr Auftreten allesamt den Wunsch äußern, von uns gelesen, gehört, oder sonst wie wahrgenommen zu werden. Ich bin eine Leseratte, ein Bücherwurm. Schon als kleiner Junge hat es mich fast „magisch“ zu den Bücherregalen hingezogen. In den letzten Tagen habe ich mir vermehrt Zeit genommen, um meine Lesegewohnheiten unter die Lupe zu nehmen, und möchte dazu ein paar Gedanken weitergeben.
1. Lesen mit einem Ziel
Wenn wir lesen, dann geht es zunächst einmal um uns selbst. Auch wenn es inzwischen schon den Nebenjob des Rezensenten gibt, werden wohl doch nur wenige so viel Zeit haben, um einfach nach Lust und Laune querfeldein zu lesen. Davon abgesehen ist das auch nicht besonders sinnvoll, denn dadurch gewöhnen wir uns ein Muster an, nach welchem wir bald dazu tendieren werden, Bücher nur anzufangen und zum nächsten zu springen, bevor wir überhaupt das erste beendet haben. Wir lesen also nicht für den Autor, auch nicht für den Verlag, sondern für uns selbst. Und jeder von uns steht an seinem individuellen Platz im Leben, hat seine individuellen Stärken und Schwächen, sein bisheriges Wachstum, seine aktuellen Fragen und blinden Flecke im Leben. Um Bücher so zu nutzen, dass sie uns tatsächlich das größtmögliche weitere Wachstum geben, tun wir gut daran, die Bücher nach diesen Themen auszusuchen. Dazu hilft es, vielleicht auch mit Hilfe von Menschen, die uns gut kennen, diese Themen zu finden und aufzuschreiben. Und dann nach entsprechender Literatur zu suchen.
TL;DR: Es ist gut, wenn wir die Bücher, die wir lesen, nach den Themen auswählen, die für uns gerade wichtig sind.
2. Lesen mit klarem Verstand
Jeder Autor kann immer nur eine Art Stückwerk bieten. Niemand hat in allem die Wahrheit voll erfasst. Jeder ist noch unterwegs dazu. Deshalb wird auch niemand in einem Buch alles korrekt schreiben können. Jedes Buch nebst der Bibel bedarf der Prüfung an Gottes ewig gültigem, ein für alle Mal überlieferten Wort. Deshalb ist es wichtig, dass wir auch da alles prüfen und das Gute behalten. Gerade bei Büchern mit Lebensberichten und sogenannten Zeugnissen ist große Vorsicht geboten. Immer wieder kommen zum Beispiel Berichte von Menschen, die behaupten, sie seien schon in der Hölle gewesen und danach – aus welchem Grund auch immer – wieder zurückgekehrt seien. Es gibt auf jeden Fall Visionen der Hölle, es gibt Nahtoderlebnisse, aber die Bibel schließt von Grund auf aus, dass jemand in unserer Zeit tatsächlich die Hölle besuchen und von dort wieder zurückkommen kann. Wir brauchen bei jedem Buch die Möglichkeit, es am Maßstab der Bibel zu messen und unter Umständen falsche Dinge klar zurückzuweisen.
TL;DR: Beim Lesen brauchen wir klaren Verstand und immer den Maßstab der Heiligen Schrift, um alles Gelesene auf den Prüfstand zu stellen.
3. Lesen von neuen und alten Texten
Ich habe hier auf einen sehr guten Text von C. S. Lewis hingewiesen, der herausstellte, wie wichtig es sei, dass wir nicht nur neue Bücher lesen, sondern auch alte. Mit neuen Büchern meine ich jetzt nicht nur diejenigen ab 2010, sondern ich würde den Beginn unserer momentanen Zeit ab etwa 1980 rechnen. Wir tun also gut daran, Bücher zu lesen, die vor dieser Zeit geschrieben wurden, und zwar auch welche, deren Autoren einige Zeit davor lebten. Die Schriften und Bücher der Reformation und anschließend der englischen und amerikanischen Puritaner, diejenigen der frühen Methodisten, des deutschen Pietismus und der Heiligungsbewegung, aber auch der frühen Jahre unserer Pfingstbewegung sind nicht nur lehrreich, sondern sehr stärkend. Ich bin für mich persönlich stark von den Puritanern beeinflusst. Die Bücher ihrer Zeit haben eine Tiefe, eine Klarheit und ein Verständnis, das heute vielfach fehlt.
TL;DR: Wir brauchen nicht nur (post)moderne Bücher, sondern tun gut daran, auch ältere zu lesen.
4. Lesen zur Selbsterbauung
Bücher sollen uns helfen, im Glauben zu wachsen, im täglichen Leben Probleme zu lösen und auf unsere zahlreichen Fragen Antworten zu geben. Daneben gibt es aber auch Bücher, die uns helfen wollen, dass wir uns entspannen können. Dazu dienen zum Beispiel Romane oder andere klassische Literatur. Dazu ist es gut, wenn wir uns zweierlei Dinge bewusst sind: Auf der einen Seite können wir nicht sagen, dass es Romane gibt, die dem Gläubigen verboten sind. Auf der anderen Seite sollten wir aber auch unserer Grenzen bewusst sein. Jeder „Input“, dem wir ausgesetzt sind, wird uns in irgend einer Weise verändern. Gerade für die erbauliche Literatur ist es wertvoll, auf ältere Bücher zurückzugreifen. Diese haben bereits den Test der Zeit überstanden. Sie sind von Generationen von Menschen gelesen worden und haben trotz allem überlebt. So wurde zum Beispiel John Bunyans Roman „Die Pilgerreise“ zum am zweithäufigsten verkauften Buch – direkt nach der Bibel.
TL;DR: Lesen zur Entspannung und Erbauung ist gut – dabei ist wichtig, dass wir uns bewusst sind, welchen Einflüssen wir uns aussetzen wollen.
5. Lesen mit dem Notizblock
Um den größtmöglichen Gewinn aus dem Lesen herausholen zu können, braucht es etwas Arbeit. Die wichtigste Regel für gewinnbringendes Lesen ist Auseinandersetzung mit dem Gelesenen. Solange wir mit dem Inhalt nur einverstanden sind und ihn abnicken, bleiben wir auf unserem Level stehen. Meine Empfehlung wäre, beim Lesen immer einen Notizblock dabei zu haben und wichtige Sätze und Gedanken daraus zu notieren. Was es zumindest braucht, ist aktive Reflektion des Gelesenen, also aktiv darüber nachdenken, weiterdenken, vergleichen, an der Bibel prüfen, nach Analogien (Vergleichen) suchen, und – ganz wichtig – nach Möglichkeiten zur praktischen Umsetzung Ausschau halten. Erst durch diese aktive Auseinandersetzung macht unser Gehirn etwas wirklich Bleibendes: Es lernt. Deshalb ist es auch gut, ab und an mal wieder ein Buch zu lesen, in welchem das Gegenteil behauptet wird. So lernt man noch klarer zu prüfen und sich mit der Materie auseinanderzusetzen.
TL;DR: Die aktive Auseinandersetzung mit dem Gelesenen ist wichtig, deshalb ist es hilfreich, sich zum Gelesenen Notizen zu machen und immer wieder darüber nachzudenken.
6. Das Lesen der Bibel ist unersetzlich
Manche Bücher können tatsächlich eine Hilfe zum Verstehen der Bibel sein, aber sie können niemals das Lesen der Bibel ersetzen. Dies gilt übrigens auch Losungs- und Andachtsbücher. Dort werden häufig nur einzelne Verse aufgelistet und im Falle von Andachtsbüchern auch erklärt. Dabei fehlt jedoch etwas: Man verpasst dabei, die Bibel in ihrer Gesamtheit kennenzulernen. In diesen Büchern wird immer nur ein sehr kleines Spektrum der Bibel abgedeckt, eine ganze Menge geht verloren. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, in jedem Jahr einmal die Bibel ganz durchzulesen. Dies ist bei drei Kapiteln pro Tag möglich. Wem dies zuviel ist, kann es mit einem Kapitel pro Tag auch in drei Jahren machen. Es ist einfach wichtig, dass wir auf diese Weise lernen, was die Bibel alles zu sagen hat.
TL;DR: Die Bibel zu lesen und zu kennen ist das Wichtigste. Wir sollten Andachtsbücher nur als Mittel dazu nutzen, die Bibel jedoch in ihrer Gesamtheit immer wieder von vorne bis hinten durchlesen.
7. Lesen, wenn zu wenig Zeit ist
Was, wenn nun zu wenig Zeit ist? Was wir mit unserer Zeit machen, ist immer eine Frage der Priorität. Wenn es uns wichtig ist, unseren Verstand so zu schulen, dass auch er zur Ehre Gottes genutzt werden kann, werden wir nicht darum herum kommen, immer wieder zu lesen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es gut machbar ist, pro Tag eine bestimmte Zeit – etwa eine halbe Stunde – für solches aktives Lesen einzuteilen – und dann auch dafür zu nutzen. Auf diese Weise kann man zwar nicht innerhalb weniger Tage dicke Schmöker durchlesen, aber auf längere Zeit verteilt kommt man so auch ans Ziel. Manchmal lohnt es sich auch, die Prioritäten unserer Aktivitäten zu überdenken und neu auszurichten. Dabei kann man sich etwa die Frage stellen, welchen Stellenwert die sozialen Medien, der Fernseher oder das neue Computerspiel haben sollen.
TL;DR: Um zum Lesen Zeit zu finden, kann es nötig sein, Prioritäten neu zu ordnen. Bücher können auch mit wenig Zeitaufwand pro Tag über längere Zeit hinweg gelesen werden.
Was denkst Du zu diesen Gedanken, lieber Leser? Welche der Tipps gefallen Dir gut, welche vermisst Du? Gibt es Themen, zu welchen Bücher gesucht werden? Auf Wunsch kann ich gerne mal mein stetig wachsendes Bücherregal durchsuchen. Ich freue mich über jeden konstruktiven Kommentar!

Zum 50. Todestag von C. S. Lewis

Heute vor 50 Jahren ist der irische Schriftsteller, der besonders durch seine Buchserie „Die Chroniken von Narnia“ bekannt wurde, gestorben. Er war Literaturwissenschaftler, aber ganz besonders begabt war er auch in christlicher Apologetik (Verteidigung des christlichen Glaubens) und im Schreiben fantasievoller Erzählungen. Einen wertvollen Text von ihm habe ich hier gepostet.

Gedicht zum Herbst

Herbst

Nebel ziehen in die Felder
Düster, grau wirkt alles Licht
Kaum ein Strahl dringt in die Wälder
Lange Nacht bis Tag anbricht

Die letzte Hoffnung scheint verschwunden
Unauffindbar, gut versteckt
Gut verschnürt und angebunden
Vergraben und mit Stein bedeckt

Es fallen nun der Bäume Blätter
Sanft und leis rot-brauner Schnee
Bäume schütteln die Skeletter
Es knarrt und knackst: Sommer ade!

Auch sammeln sich schon jetzt die Wandrer
Die Stimmung sieht nach Aufbruch aus
Der Wind, der bläst, ist jetzt ein andrer
Mensch, zieh dich zurück ins Haus!

Oh, Wehmut, nach Sonne schrei ich nun
Im Sommer wünscht‘ ich mir die Kälte
Nach Wärme ist es mir zu tun
Ins feste Haus, bau ab die Zelte!

Wohin des Wegs, du Wandrersmann?
Willst jetzt dein Ziel erreichen?
Komm rein, und zieh dich wärmer an
Sonst musst du gar erbleichen!

Doch stetig auf das Ziel gerichtet
Geht es den schmalen Grat entlang
Denn selbst, wo Schnee und Eis geschichtet
Führt meines Herrn Stimme Klang.

07. 09. 2005; Jonas Erne

Zum Reformationstag: Sola gratia, sola fide, sola scriptura, solus Christus

Sola gratia – allein aus Gnade

Denn es ist kein Unterschied: Alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes, so dass sie gerechtfertigt werden ohne Verdienst, durch seine Gnade, mittels der Erlösung, die in Christus Jesus ist. (Römer 3, 23 – 24)

Wie weit haben sich doch die heutigen Gemeinden, die sich auf die Reformation berufen, von ihren Reformatoren entfernt! Wir müssen uns immer wieder erneut an dem festhalten, was sie uns damals erkämpften. Sie haben die wichtigsten biblischen Wahrheiten wiederentdeckt und auf den hellen Leuchter der Kirche gesetzt. Doch die Gefahr, wiederum hinter die Reformation zu fallen, ist enorm groß. Der erste Grundsatz der Reformation war: „sola gratia“ – „allein aus Gnaden“. Dieser steht zunächst im Gegensatz zum Ablasshandel. Im Mittelalter war es nämlich üblich, dass man sich mit einem bestimmten Geldbetrag die Sündenvergebung angeblich kaufen konnte. Je nach „Größe“ der Sünden und Vermögen des Sünders wurde ein Betrag festgelegt. Man konnte sich auch für fixe Beträge eine bestimmte Anzahl von Jahren aus dem Fegefeuer freikaufen. Dies alles, damit sich die höheren Geistlichen der Kirche ein teures, ausschweifendes Leben leisten konnten.

Doch die Bibel sagt uns etwas ganz anderes: Hier werden alle Menschen in einen Topf geworfen und von allen zusammen gesagt: Es gibt absolut keinen Unterschied vor Gott: Jeder Mensch ist ein Sünder und hat sein Leben mit Gott verspielt. Auf der göttlichen Waage sind alle für zu leicht befunden und haben nicht die Gewichtigkeit oder Herrlichkeit wie Gott sie hat. Jeder Mensch kommt verderbt und als Sünder zur Welt, bereits vor der Geburt ist die Beziehung zu Gott von ihm zerbrochen und zerstört. Denn jeder Mensch stammt aus dem Geschlecht Adams, in dem die Sünde von Generation zu Generation weitervererbt wird. Deshalb kann auch niemals ein Mensch von sich aus zu Gott kommen: Niemand hat von sich aus das Recht, in Gottes Gegenwart zu gehen. So durfte auch in der Stiftshütte kein Priester seinen Dienst tun, bevor er gereinigt war. Bevor Aaron und seine Familie zum Priesterdienst zugelassen wurden, mussten sie für sich spezielle Opfer auf dem Altar darbringen, um vor Gott rein zu sein. Ihre Sündhaftigkeit und ihre Tatsünden wurden durch das Opfer Gott übergeben, und sie waren rein für den Dienst in der Stiftshütte.

Diese Opfer sind ein Vorbild für den Sühnetod von Jesus Christus. Er ist aus Gnade auf die Erde gekommen und hat die Sünde von allen, die jemals wahrhaftig an Ihn glauben werden, auf Sich genommen. Diese Gnade ist völlig unverdient und unverdienbar. Niemand wird sich dafür jemals revanchieren können. Die Erlösung ist ein Geschenk an alle Gläubigen. Es gibt absolut keinen Verdienst, der die Erlösung irgendwie ersetzen, erzwingen oder vervollständigen könnte. Nur Gott kann sie uns schenken und uns rechtfertigen aufgrund dessen, was der Herr Jesus für uns getan hat. Dass wir gerechtfertigt sind, bedeutet: Wir sind vor Gottes Gericht absolut gerecht gesprochen, und nichts auf der Welt kann uns dieses Urteil wieder wegnehmen. Mit diesem Freispruch von aller Schuld beginnt die Zeit der Freiheit, in welcher wir lernen sollen, als Gerechte zu leben. Kein Mensch kann das gleich von einem Tag auf den nächsten. Aber wenn wir wieder eine ungerechte Tat getan haben, die dem göttlichen Leben widerspricht, so dürfen wir wissen:

Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist Er treu und gerecht, dass Er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.(1. Johannes 1, 9)

So wie die Priester in der Stiftshütte, obwohl sie grundsätzlich durch das anfängliche Opfer rein wurden, sich jeden Morgen vor Dienstantritt die Hände und Füße im Waschbecken mit Wasser waschen mussten, so sollen auch wir jeden Tag zu Gott gehen, unsere Sünden bekennen und uns im Wasserbad von Gottes Wort neu reinigen und ausrichten lassen.

Sola fide – allein aus Glauben

Ihn hat Gott zum Sühnopfer verordnet, durch sein Blut, für alle, die glauben, zum Erweis seiner Gerechtigkeit, wegen der Nachsicht mit den Sünden, die zuvor geschehen waren unter göttlicher Geduld, zur Erweisung seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit, damit er selbst gerecht sei und zugleich den rechtfertige, der aus dem Glauben an Jesus ist. Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen? Durch welches Gesetz? Das der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens! So kommen wir zu dem Schluß, daß der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt werde, ohne Gesetzeswerke. (Römer 3, 25 – 28)

Gott rettet Menschen allein aus Seiner Gnade. Diese Rettung kann nur Gott bewirken, wir Menschen können uns diese Gnade (deshalb heißt sie ja auch so) weder verdienen noch erarbeiten noch sonst etwas dafür tun. Und trotzdem handelt Gott nicht ganz allein ohne das Dazutun des Menschen. Vielmehr nimmt Gott die von Ihm zur Gnade bestimmten Menschen und gibt ihnen die notwendige Kraft und Hilfe, damit sie ihren Teil zur Errettung beitragen können. Aufgrund der Sünde hat jeder Mensch bevor er sich bekehrt einen verfinsterten, blinden Verstand, Gefühle, die ihn immer nur von Gott abhalten können und einen ans Irdische, Vergängliche gebundenen Willen. Gottes Gnadenwerk an dem Auserwählten ist dieses: Der Verstand wird erleuchtet und er kann sich plötzlich mit Gottes Augen sehen. Die Gefühle werden von der Welt weg und zu Gott hingezogen, und der Wille wird so frei, dass er sich für Gott entscheidet. Den neuen Zustand nennt die Bibel „Glauben“. Der Glaube umfasst die ganze Seele des Menschen: Plötzlich versteht er die Zusammenhänge von Gottes Wort und vor allem von der Erlösung, die durch Jesus Christus als Sühnopfer geschehen ist. Er begreift, was er zuvor nie begreifen konnte, da sein Verstand dermaßen verfinstert und blind war: Ich bin schuldig vor Gott und vor vielen Menschen geworden, aber Gott ist Selbst auf die Erde gekommen, um für mich und meine Schuld zu sterben und um wieder von den Toten zu auferstehen, damit ich auch mit Ihm ewig zusammen leben darf. Daraus entsteht eine große Dankbarkeit und Liebe, außerdem werden die Gefühle plötzlich zu Gott hingezogen. Und nun entscheidet sich der Mensch vollkommen aus eigenem Antrieb, dem Herrn Jesus nachfolgen und Ihm immer ähnlicher werden zu wollen. Er versteht nun plötzlich auch, dass seine riesige Schuld bisher wie ein riesiger Felsbrocken über seinem Kopf an einem seidenen Faden gehangen ist. Das einzige, was den Felsbrocken davon abgehalten hatte, ihn zu zermalmen, war Gottes große Geduld. Aber eines Tages kommt für jeden Menschen das Ende dieser Geduld. Und dann kommt es darauf an, ob unser tonnenschwerer Felsbrocken noch da hängt, oder ob er auch einer von denen war, die der Herr Jesus auf Sich Selbst hat stürzen lassen am Kreuz von Golgatha. Wie sieht es über deinem Kopf aus?

Glaubst du mit voller Gewissheit, dass der Herr Jesus für dich gestorben ist? Hast du auch angefangen, ein Leben als Geretteter zu leben? Solange wir noch mit dem Willen an das Irdische gebunden sind, können wir zwar in der Bibel lesen und uns „Mühe geben“, aber da müssen wir doch einsehen: Ich kann nicht! Ich darf nicht! Ich muss! Ohne im wahren rettenden Glauben zu stehen kann niemand nach Gottes Willen leben. Sobald wir aber im Glauben stehen, heißt es für uns nur noch: ich muss nicht, ich kann! Ich kann lernen nach Gottes Willen zu leben und aktiv Gottes Kraft der Gnade im Leben umsetzen und anwenden. Ich muss nicht nach den Vorgaben, Sorgen, Ängsten und Nöten des alten, früheren Lebens leben. Im Glauben leben bedeutet auch, dass wir im Vertrauen Schritte über das objektiv Sichtbare hinaus machen. Es bedeutet, dass wir mit Gottes Eingreifen in schwierigen Situationen rechnen. Deshalb geht es nicht mehr um Gesetzeswerke, die wir tun sollen, sondern um Glaubenswerke. Ein Gesetzeswerk tut man, weil man sich dazu gezwungen fühlt. Ein Glaubenswerk hingegen tut man, weil man es als den Wunsch dessen erkannt hat, den man liebt. Deshalb sagte der Herr Jesus auch in Johannes 15, 14: Ihr seid Meine Freunde (die Ich liebe und die Mich lieben), wenn ihr alles tut, was Ich von euch möchte.

Er möchte nicht, dass wir als Gesetzeswerke alles tun, was irgendwie in der Bibel steht, sondern Er möchte, dass wir es als Glaubenswerke, als Seine Freunde, aus Liebe zu Ihm tun.

Sola Scriptura – Allein die Schrift

Die ganze Schrift ist von gottgehaucht und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werke ausgerüstet. (2. Timotheus 3,16-17)

Das dritte Schlagwort der Reformation ist: Allein die Schrift. Die Errettung geschieht allein aus Gnaden, allein durch Glauben und wird allein durch die Schrift bezeugt. In der damaligen Zeit war es üblich zu sagen, dass nur diejenigen, welche die mündliche Tradition der römisch-katholischen Kirche sehr gut kannten, auch wirklich imstande gewesen seien, die Bibel adäquat zu verstehen und auszulegen. Für die kirchliche Praxis bedeutete das: Der einfache, normal gebildete Christ hatte keinen Einblick in das, was die Schrift lehrt. Und es ist ein Fakt, dass es Katholiken noch keine 60 Jahre erlaubt ist, die Bibel selbst zu lesen. Nun kamen die Reformatoren und riefen aus: nein, es braucht nicht die katholische mündliche Tradition, um die Schrift zu verstehen, sondern die Bibel legt sich selbst aus. Das heißt, um die Bibel zu verstehen, braucht es nur die Bibel selbst.

Auch heutzutage ist es wieder notwendig, die Gemeinde auf dieselbe Weise zu reformieren. Es gibt nur einen Unterschied zu damals: Damals gab es genau eine katholische Tradition, derzufolge man die Schrift auslegte. Heute gibt es unzählige verschiedene Varianten von mündlicher oder schriftlicher Tradition. Man spricht dabei auch von verschiedenen Theologien oder theologischen Schulen. Da gibt es die Befreiungstheologie, die feministische Theologie, die religionsgeschichtliche Schule und viele mehr. Einige von diesen Schulen kann man zusammenfassen unter dem Namen „historisch-kritische Methode“. Das bedeutet: Man sucht in außerbiblischen Dokumenten nach Hinweisen, die damalige Bräuche, Sitten oder einfach bestimmte Worte „aufschlüsseln“ sollen. Sobald man sie dann „aufgeschlüsselt“ hat, sucht man danach, ob diese Aussagen „heute noch gültig seien“. Viele Aussagen werden dann zu rein historischen, kulturell bedingten Aussagen degradiert. Weiterhin untersucht man besonders die verschiedenen Autorennach ihrer jeweils „eigenen Theologie“ und spielt dann die einzelnen Autoren gegeneinander aus. Ein weiteres beliebtes Kritikmittel besteht darin, dass man versucht herauszufinden, welche Schriften „echt“ vom jeweiligen Autor sind, der in der Schrift angegeben ist. Bei den Paulusbriefen lassen die meisten bibelkritischen Theologen nur vier als „echte“ Paulusbriefe gelten. Der Rest – behaupten sie – sei von Paulusfans verfasst, die von Paulus noch persönlich unterrichtet wurden, aber erst nach seinem Tod diese Briefe geschrieben hätten. Da gäbe es noch viel mehr Schwachsinn wiederzugeben, aber um der Zeit willen sparen wir uns das jetzt…

Die ganze Schrift ist gottgehaucht. Das heißt, sie ist von Gott inspiriert und in Seinem Auftrag in der ursprünglichen Sprache fehlerlos aufgezeichnet. Dass die Schrift gottgehaucht ist, bedeutet, dass Gott Selbst zwar fehlerhafte Menschen beauftragt hatte, den Vorgang des Aufschreibens aber so überwacht und kontrolliert, dass wir jetzt sicher sein können, dass jedes Wort darin nicht nur für die damalige Zeit und Kultur, sondern auch für heute und bis zum Ende dieses Erdenzeitalters gültig ist und bleibt. Die Bibel ist also unfehlbar an und für sich und unveränderlich. Sie ist jedoch nicht nur wahre und unfehlbare Theorie, sondern sie will ganz praktisch ins Leben umgesetzt werden. Sie ist nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung und zur Erziehung in der Gerechtigkeit. Sie zeigt uns somit, wie wir leben sollen. Sie zeigt uns den Weg, den der Herr Jesus für uns gebahnt hat und möchte uns helfen, auf diesem Weg zu bleiben. Sie will, dass jeder Mensch, der sein Leben Gott übergeben hat und damit ganz und gar Ihm gehört, immer vollkommener wird. Gott hat alles, was wir dazu brauchen, schon im Vornherein vorbereitet und möchte einfach, dass wir das ausleben, was Er für uns bereit hält. Wenn immer uns Menschen begegnen, dann dürfen wir wissen, dass wir einen göttlichen Auftrag haben für sie. Wir sollen Diener von allen Menschen werden, dann dienen wir Gott recht.

Der Herr Jesus sagte einmal: Was ihr den Geringsten Meiner Brüder getan habt, das habt ihr Mir getan. So, wie wir die Menschen behandeln, von denen wir am schlechtesten denken, so behandeln wir auch Ihn.

Solus Christus – Christus allein

Und es ist in keinem andern das Heil; denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in welchem wir sollen gerettet werden! (Apostelgeschichte 4,12)

Was bereits ziemlich kurz nach der Entstehung der Gemeinde gesagt werden muss, hat in jeder Zeitepoche der Kirchengeschichte seine Bedeutung und Wichtigkeit. So ist es typisch für die Zeit der Reformation, dass auch diese eine Wahrheit ganz neu gefunden und verkündet wird. Es ist dies die äußerst wichtige Lehre, dass der Herr Jesus Christus der einzige ist, der retten kann. Zu Lebzeiten der Reformatoren war vor allem die Meinung verbreitet, dass es die katholische Kirche, beziehungsweise die Zugehörigkeit zu ihr sei, die den Menschen retten könne. So wurde der Kindertaufe die okkulte Macht zugeschrieben, vor dem ewigen Gericht retten zu können, weil sie die Kinder gleich sozusagen zu Mitgliedern der Kirche macht. Hier muss das Wort Christus allein angesetzt werden. Die römisch-katholische Kirche verliert zwar auch in den eigenen Reihen immer mehr an Einfluss. Sie hat die Mitgliedschaft der Kirche ins Zentrum gestellt. Heutzutage ist es die Autonomie des einzelnen Menschen, die diesen Status einnimmt. Seit der „Aufklärung“ wird die menschliche Freiheit und Selbstbestimmung zum neuen Götzen erhoben. Jeder soll nach seiner eigenen Fasson selig werden. Hauptsache er fühlt sich gut dabei. Und solange er sich dabei gut fühlt, darf niemand versuchen, ihn von etwas anderem zu überzeugen. Dadurch bekommen die Gefühle einen neuen Stellenwert und Auftrag, den sie niemals richtig erfüllen können.

Christus allein. Ach wie dringend notwendig ist es, dass wir uns genau das auf unser Banner schreiben. Christus allein. Nur Er kann retten aus dieser Sündennacht. Christus allein. Nur Ihm sei alle Ehre. Christus allein. Nur Seinen Namen wollen wir bekannt machen. Denn nur in Seinem Namen kann der Mensch die einzig wahre Erfüllung finden: Frieden mit Gott. Freiheit von der Macht der Sünde. Wahre Heilung für Körper, Seele und Geist. Echte Liebe. Diese Liste kann beliebig verlängert werden. Was bedeutet Er für dich? Auch in freikirchlichen Gemeinden besteht die reale Gefahr, dass man etwas Fremdes an die Stelle setzt, die Ihm allein gehört. Er ist DER Name, der am allerhäufigsten in unserem Mund getragen werden soll. Er ist DIE Person, zu der wir am allermeisten gehören wollen sollten. Er ist DER, welcher die ganze Gemeinde selbst baut, der Architekt sozusagen. Wir alle sind nur einfache Bauleute auf dieser Baustelle. Jeder von uns muss seinen Teil zur Ortsgemeinde beitragen, sonst fehlt dem Architekten sehr viel. Er ist nicht auf uns angewiesen, aber rechnet mit uns. Und da auf dieser heiligen Baustelle mitarbeiten zu dürfen ist ein riesiges Vorrecht.

Die Rettung ist einzig und allein in dem Namen Jesus Christus. Sein jüdischer Name ist Jeschua haMaschiach. Jeschua bedeutet Rettung, Heil, Heilung. Er ist es, der kaputte Menschen und zerstörte Beziehungen wieder heilt. Er ist in den Riss gestanden, der die Menschen von Gott getrennt hat. Er hat am Kreuz mit Seinem Leben dafür bezahlt, dass die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen wiederhergestellt werden kann. Und mit Seiner Hilfe können wir auch alle Beziehungen zwischen uns Menschen wiederherstellen. Es ist nicht einfach, so wie auch der Tod nicht einfach war für Ihn. Manchmal müssen auch wir „Blut schwitzen“ um Seinen Willen zu erreichen. Aber Sein Versprechen haben wir:

Siehe Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit.

Amen.

Anmerkung: Dies war ursprünglich eine vierteilige Andachtsserie, die ich für Daily Message 2010 geschrieben habe. Sie hat jedoch nichts an Aktualität verloren. 

Nancy Pearcey – Total Truth

Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch durch eine längere Rezension von Hanniel Strebel, die auf TheoBlog veröffentlicht wurde. Da ich mich schon seit Längerem mit Fragen der Weltanschauung, aber auch der Wissenschaften und der Geschichte beschäftige, war mein Interesse sofort geweckt.
Das Herzstück von Pearceys Argumentation findet ist die Kritik an der Zweiteilung der Welt in die Sphären „Herz“ gegen „Hirn“, oder wie sie es auch nennt: „private Sphäre“ gegen „öffentliche Sphäre“ oder „subjektive Werte“ gegen „objektive Fakten“. Das Problem besteht darin, dass sich Evangelikale mit dieser Zweiteilung des Lebens abgefunden haben, ja sogar so weit gehen, diese Zweiteilung auch zu lehren und in den Köpfen zu verfestigen. Der Gedanke dahinter ist, dass wenn man sich in die private, subjektive Sphäre zurückzieht, dass man dann gegen die Angriffe immun sei.
Hinter dieser Sichtweise entlarvt Pearcey eine bestimmte Weltanschauung, die nicht einfach aus dem Nichts entstanden ist, sondern sich im Laufe der Zeit eingeschlichen hat. Doch zuerst kommt sie allgemein zum Thema Weltanschauung. Die Weltanschauung befasst sich mit der Sichtweise, die jemand von der Welt – also von der Gesamtheit der Realität – hat. Man muss sehen, dass hinter jeder Aussage und jedem Gedanken auch eine bestimmte Weltanschauung steckt. Diese ist jedoch nichts, was sich wissenschaftlich beweisen ließe, sondern sie ist von einer bestimmten Philosophie oder Ideologie geleitet.
Nun müssen an jede Weltanschauung drei Fragen gestellt werden: Wie hat alles begonnen? (Schöpfung) Was ist schief gelaufen? (Sündenfall) Was sollen wir jetzt tun? (Wiederherstellung). Mit diesen drei Begriffen Schöpfung, Sündenfall und Wiederherstellung lässt sich jede dieser Ideologien und Philosophien überprüfen und beurteilen. Dazu lässt sich anhand der Bibel zugleich eine biblische Weltanschauung aufbauen. Dies ist sehr wichtig, wenn wir wollen, dass die Bibel für unser Leben relevant sein soll und auch umgesetzt wird.
Das Buch besteht aus vier Teilen mit insgesamt 13 Kapiteln. Im ersten Teil geht es um das Thema „Weltanschauung“: Woraus besteht diese? Was gibt es für Weltanschauungen? Wie sind diese im Lichte der Bibel zu beurteilen? Wie kann man eine biblische Weltanschauung aufbauen? Mit vielen Beispielen aus dem Leben zeigt Pearcey, wie sehr eine zertrennte Weltanschauung zu großen Schwierigkeiten im Leben führt:
Wir müssen sichergehen, dass, wenn unsere Kinder das Haus verlassen, dieselbe Überzeugung tief in ihr Gedächtnis eingebrannt ist – dass das Christentum fähig ist, wenn es auf dem Marktplatz der Ideen herausgefordert ist, in sich zu verhalten. Es reicht nicht, junge Gläubige einfach zu lehren, wie man eine persönliche „Stille Zeit“ hält, wie man ein Bibellernprogramm befolgt und wie man mit einer christlichen Gruppe auf dem Campus Verbindung aufnimmt. Wir müssen sie auch darin anleiten, wie man auf intellektuelle Herausforderungen antwortet, die ihnen im Schulzimmer begegnen werden. Bevor die das Haus verlassen, sollten sie mit all den „-ismen“ wohlbekannt sein, vom Marxismus zum Darwinismus bis zum Postmodernismus. Es ist am besten für junge Gläubige, wenn sie von diesen Ideen zuerst von den vertrauten Eltern, Pastoren oder Jugendleitern hören, welche sie in den Strategien trainieren können, um die konkurrierenden Ideologien analysieren zu können.“ (Total Truth, S. 125; Übersetzung von mir)
Im zweiten Teil, welcher die Kapitel 5 – 8 enthält, geht es in erster Linie um die Grundlage des ersten Teils der Weltanschauung: Um die Schöpfung. Anhand vieler neuerer Beispiele zeigt Pearcey, dass die Schöpfung durch einen intelligenten Designer keinesfalls veraltet ist, sondern es einfach auf die Unterdrückung durch bestimmte philosophische Behauptungen zurückzuführen ist, dass inzwischen auch in den Gemeinden immer mehr von Modellen der Evolution die Rede ist. Auch hier zeigt sie sehr schön die historischen Linien auf, die zu diesem Denken führten. Es wird gar nicht erst nach der Möglichkeit eines Designers gefragt, sondern dieser wird a priori ausgeschlossen wie zum Beispiel Richard Dawkins zeigt:
Ein Atheist oder philosophischer Naturalist in diesem Sinn vertritt also die Ansicht, dass es nichts außerhalb der natürlichen, physikalischen Welt gibt: keine übernatürliche kreative Intelligenz, die hinter dem beobachtbaren Universum lauert, keine Seele, die den Körper überdauert, und keine Wunder außer in dem Sinn, dass es Naturphänomene gibt, die wir noch nicht verstehen. Wenn etwas außerhalb der natürlichen Welt zu liegen scheint, die wir nur unvollkommen begreifen, so hoffen wir darauf, es eines Tages zu verstehen und in den Bereich des Natürlichen einzuschließen.“(Dawkins, Richard, Der Gotteswahn, S. 25 – 26)
Dieser naturalistischen Sichtweise wird die biblische Sichtweise entgegen gestellt, die auf der Auffassung beruht, dass die Bibel auch dort irrtumslos ist, wo sie Aussagen über die Entstehung der Arten, die Biologie oder die Astronomie, und so weiter, macht. Pearcey zeigt, dass die biblische Weltanschauung in sich deutlich stimmiger ist als die naturalistische.
Im dritten Teil wird die Geschichte des Evangelikalismus genauer unter die Lupe genommen. Die Frage dahinter lautet: Wie kam es, dass die Evangelikalen sich den Bereich des Denkens und der Fakten einfach so wegnehmen ließen? Auch hier verfolgt Pearcey die Spuren in den Bereichen der Epistemologie, der Arbeit und zuletzt auch in der Bewegung des Feminismus. Sie kommt zum Schluss: Wo immer die Christenheit auf die Kultur gestoßen ist, waren es nicht so sehr die Christen, die die Kultur verändert haben, sondern vor allem die Kultur, welche die Christen verändert hat. Dies sollte uns zu denken geben.
Abgerundet wird das Buch mit dem vierten Teil, das nur aus dem Kapitel 13 besteht. Dort geht es um die praktische Umsetzung des Bisherigen. Spätestens hier wird man daran erinnert, dass sie eine Schülerin von Francis Schaeffer ist. In Wirklichkeit natürlich schon viel früher, da sie in groben Zügen seine Art der Apologetik übernimmt. Aber hier wird es deutlich wie nie zuvor, denn es geht um das Ausleben der tätigen christlichen Nächstenliebe. Wahrheit muss immer in Liebe kommen. Die Christenheit hat zu lange versucht, das Richtige mit weltlichen Mitteln zu erreichen. Sie muss deshalb „der Welt sterben“ und nur noch zu den biblischen Methoden der Liebe und Wahrheit greifen. Wo gottlose Methoden aus dem Marketing übernommen werden, kann der Segen Gottes auch nicht auf unserem Tun liegen:
Traurigerweise leben viele Christen den größten Teil ihres Lebens so, als ob die Naturalisten recht hätten. Sie stimmen den großen Wahrheiten der Bibel verstandesmäßig zu, aber ihre praktischen, täglichen Entscheidungen machen sie nur auf der Grundlage dessen, was sie sehen, hören, messen und berechnen können. […] Sie mögen ja aufrichtig tun wollen, was Gott von ihnen wünscht, aber sie tun es auf die Art und Weise der Welt – indem sie weltliche Methoden benutzen und sich von weltlichen Wünschen motivieren lassen, um Erfolg und Beifall zu bekommen.“ (Total Truth, S. 362; Übersetzung von mir)
Das Buch ist sehr lesenswert. Ich empfehle es jedem sehr, der sich mit Fragen der Weltanschauung, der Wissenschaft aus biblischer Sicht oder der Entwicklung des Christentums in den letzten Jahrhunderten interessiert. Gute Englischkenntnisse sind von Vorteil, da Pearcey ein breites Spektrum dieser Sprache benutzt. Es kann hier bestellt werden.
Gegen Ende des Buches würde man sich wünschen, es hätte ebenso viele Kapitel über die praktische Umsetzung des Bisherigen. Viele wichtige Themen sind kurz angerissen, würden aber weiteres Nachdenken erfordern. Auch fände ich es sehr wertvoll, wenn solche Bücher auf deutsch erscheinen könnten.