Gastbeitrag zum 40. Todestag von Francis Schaeffer

Uwe Brinkmann hat auf seinem Blog (Link) seinen Gastbeitrag zu Francis Schaeffer veröffentlicht.

Kurzer Auszug:

Dass jemand, der die Bibel ernst nahm [1] und das Thema Weltmission [2] und Gemeinde [3] als Herzensanliegen verteidigte, sich gleichzeitig mit philosophischen Fragen beschäftigte [4] und sich „sogar“ mit Fragen der Kunst [5] und des Umweltschutzes auseinandersetzte [6] … –, das war für mich geradezu unerhört. Francis Schaeffer wurde in meinen frühen 20-ern zu einer wahnsinnig starken Ermutigung, die ganze geschöpfliche Wirklichkeit als die eine Welt Gottes zu verstehen und mein Leben nicht in einen religiösen und weltlichen Teil aufzuspalten.“

Herzliche Einladung, den Rest seines Beitrags im Original zu lesen:

https://www.brink4u.com/2024/05/14/zum-40-todestag-von-francis-a-schaeffer-1912-1984-eine-persoenliche-reflexion/

Gastbeitrag: Persönlicher Bezug zu Francis A. Schaeffer

von Marcel Haldenwang

Jonas Erne hat mich gebeten, anlässlich des 40. Todestages von Francis A. Schaeffer mit wenigen Worten darzulegen, was Schaeffer für mich persönlich bedeutet.

Man muss nicht alle seine ideengeschichtlichen Linien für plausibel halten – und sicher hat er hier und da bei seinen geistesgeschichtlichen Bezügen zumindest „didaktisch reduziert“, vielleicht auch unzulässig vereinfacht –, man muss auch den Verlust des gesellschaftlichen Einflusses durch Christen nicht wie er bedauern, aber eines ist für mich klar: Schaeffer hat wie kein Zweiter die Anfechtungen der Gläubigen durch das post-christliche Zeitalter und die Postmoderne vorweggenommen und darunter gelitten. Und ich verdanke Schaeffer an zwei Stellen meiner geistlichen Biografie entscheidende Impulse.

Der Bitte von Jonas komme ich daher gern nach und habe Schaeffer zu Ehren bereits vor einigen Jahren meinen Youtube-Kanal nach seinem Bestseller „Gott ist keine Illusion“ benannt.

Wir schreiben das Jahr 2017: Francis A. Schaeffer und die Gesetzlichkeit

Schon länger litt ich an der gesetzlichen Verengung meiner Glaubensgemeinschaft und Ortsgemeinde. Vergeblich hatte ich seit langer Zeit für das Thema zu sensibilisieren versucht. Doch Anachronismen wie die nach Geschlechtern getrennte Sitzordnung wurden verteidigt, als ginge es darum, die Jungfrauengeburt oder leibliche Auferstehung Jesu zu verteidigen. 2017 versuchte ich meinem Anliegen durch ein mehrseitiges Essay zum Thema Gehör zu verschaffen, blieb aber, wie es schien, unerhört. Schließlich sah ich mich genötigt, mit meiner Familie in der fünften (!) Generation meine Glaubensgemeinschaft und Ortsgemeinde zu verlassen. Damit einher gingen, wie ihr euch vorstellen könnt, der Verlust meiner Haltegruppe sowie Anfechtungen, ob meine Analyse richtig gewesen oder ob ich übers Ziel hinausgeschossen war.

Ich verschlang viele Bücher zum Thema und stieß dann bei Francis A. Schaeffer in bereits genanntem Buch auf einen Brief, den ein Student an Schaeffer gerichtet hatte. Darin schreibt der Student, dass seines Erachtens viele junge Leute aus frommen Familien in die Fänge der liberalen Theologie geraten seien, weil man sie nicht darüber aufgeklärt habe, was die absoluten Maßstäbe des Wortes Gottes und was lediglich Überbleibsel aus der Zeit des Viktorianismus seien. So hätten seine Kommilitonen geglaubt, die kleinbürgerlichen Normen und den Viktorianismus nur hinter sich lassen zu können, wenn sie auch die absoluten Maßstäbe des Wortes Gottes aufgäben und die Orthodoxie verließen. Schaeffer mahnt im Anschluss an diesen Brief seine Leser eindringlich, das Haus aufzuräumen statt es niederzubrennen.1 Diese Metapher traf mich wie der Blitz, und mir fiel es wie Schuppen von den Augen: Hatte ich nicht genau diesen Aufruf vernommen und versucht das Haus meiner Glaubensgemeinschaft aufzuräumen, damit es die nachrückende, akademisch gebildete Jugend nicht eines Tages niederreißen würde? Hatte ich nicht versucht zu sortieren, was bloße Tradition und durchaus veränderbar sein könnte und welche Überzeugungen und Lehrauffassungen zu den unveränderlichen Wahrheiten eines unwandelbaren Gottes gehörten?

Einige Zeit später stieß ich auf das Buch „Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts“, wo Schaeffer unter der Überschrift „Freiheit und Form“ seine Gedanken zum Thema exzellent weiter entfaltet:

Es gibt Form, und es gibt Freiheit. … Worum es mir in erster Linie geht, während wir dem Ende des 20. Jahrhunderts zugehen, ist einerseits, dass die … Kirche einen festen Platz hat und dass sie die Form einhalten sollte, die Gott geboten hat, dass uns aber anderseits ein weiter Spielraum für Veränderungen bleibt. Ich behaupte, dass wir Menschen nur mit eindeutigen Geboten der Schrift moralisch binden dürfen (dass wir darüber hinaus nur Ratschläge geben dürfen), dass wir ebenso in allen Bereichen, in denen das Neue Testament der Kirche keine Form vorschreibt, Freiheit genießen, die wir unter der Leitung des Heiligen Geistes ausüben sollen, um unserer besonderen Zeit und unserem speziellen Ort gerecht zu werden. … Mit anderen Worten: Das Neue Testament steckt gewisse Grenzen ab, aber innerhalb dieser Grenzen gibt es genügend Freiheit, sodass wir uns verschiedenen Orten und verschiedenen Zeitaltern anpassen können. … Wir müssen reden, wo die Schrift geredet hat. Wir müssen aber beachten, dass wir ebenfalls ihr Schweigen respektieren müssen. Innerhalb jeder Form gibt es Freiheit. … Gott hätte ja der Apostelgeschichte noch ein Kapitel anfügen und viel mehr Einzelheiten mitteilen können. Er hat es nicht getan. Und wir können doch nicht sagen, dass sich die Bibel irrt. Wir müssen glauben, dass nicht nur das, was uns gesagt ist, nach Gottes Willen und Inspiration letzte Gültigkeit besitzt, sondern auch, dass wir da, wo Gott schweigt, unter der Leitung des Heiligen Geistes Freiheit haben. Wenn die Kirche in einer sich wandelnden Zeit von ihrer Freiheit Gebrauch macht, dann wird es Kirchen geben, bis Jesus wiederkommt. Aber wir dürfen nicht zufällige historische Umstände oder behagliche soziologische Gegebenheiten aus der Vergangenheit mit Gottes absoluten Werten gleichsetzen, … Ist es nicht so, dass wir bibelgläubigen [sic] Christen oft gerade dann nicht mehr bibelgläubig sind, wenn wir soziologische Verhältnisse mit Gottes absoluten Werten gleichsetzen? Und ich bin überzeugt, dass das viele von euch unentwegt tun. Dadurch entsteht der Geruch der Verwesung, über den sich so viele Leute beklagen. Die ist die Wurzel eines großen Teils der Verwirrung in unseren christlichen Schulen und Kirchen: Man sieht nicht den Unterschied zwischen Gottes absoluten Werten und jenen Dingen, die lediglich ein Produkt historischer Zufälle sind. Ich habe den Vorteil, dass ich in vielen Ländern arbeite und gesehen habe, dass gottesfürchtige Menschen durch historische Gegebenheiten zu völlig unterschiedlichen Formen der Kirche geführt worden sind. Dasselbe gilt für verschiedenen Zeiten. Es hat Zeiten gegeben – besonders z. B. die Anfangszeit des Christentums –, in denen sich die Gemeinde nur in Privathäusern versammelte. Wer sich von Ihnen heute in einem schönen Kirchengebäude versammeln kann, der sollte Gott danken, dass Gott der Gemeinde entsprechend ihrer [sic] Bedürfnisse ein solches Gebäude geschenkt hat. Dieses Gebäude dürfen sie aber nicht mit einem absoluten Wert verwechseln. Verwechseln Sie nicht die Kirche mit einem Kirchengebäude. Das mag bis auf die Grundmauern niederbrennen. Aber die Zerstörung des Gebäudes zerstört nicht die Kirche. Es gab eine Zeit, in der sich die Kirche im Haus von Priska und Aquila versammelte. War diese Kirche deshalb weniger wert? Natürlich nicht. Aber das zeigt doch nur, dass der Heilige Geist zu verschiedenen Zeiten frei ist, verschieden zu führen. … Wir haben also Form und Freiheit. … Die Kirche soll bestehen, bis Jesus wiederkommt. Aber es muss ein Gleichgewicht zwischen Form und Freiheit geben, sowohl im Bereich der Gemeindeordnung, [sic] als auch in der praktizierten Gemeinschaft innerhalb der Kirche. Und es muss Freiheit unter der Leitung des Heiligen Geistes geben, das zu verändern, was verändert werden muss, damit die Kirche an ihrem Ort und zu ihrer Zeit veränderten Situationen gerecht werden kann. Andernfalls, glaube ich, wird die Kirche nicht als lebendige Kirche weiterbestehen können. Dann werden wir verknöchern und Christus aus der Kirche ausschließen. Dann werden seine Herrschaft und die Leitung des Heiligen Geistes leere Worte werden. Wir wollen dankbar sein, dass die Bibel uns eine bestimmte Form nennt. Dann müssen wir aber auch sorgfältig darüber wachen, dass wir uns nicht an unbiblische Formen binden, an Formen, die uns eine liebe Gewohnheit geworden sind, die aber in der Kirche des Herrn Jesus Christus keinen absoluten Rang haben. Abgesehen von den eindeutig festliegenden biblischen Normen, [sic] ist in der Ordnung und Arbeit der Kirche jede andere Einzelheit offengelassen, sodass sich die Kinder Gottes unter der Leitung des Heiligen Geistes darüber einigen können.2

Spätestens nach der Lektüre dieser Passagen war ich gewiss: Mein Dienst war zwar abgelehnt worden, aber mein Ansinnen hatte das Wohlwollen meines Herrn gefunden; wir waren nicht auf Abwegen und Gott würde uns als Familie nicht allein lassen auf der Suche nach einer neuen geistlichen Heimat!

Wir schreiben das Jahr 2022: Francis A. Schaeffer und die liberale Theologie

Die fanden wir dann auch nach einer mühsamen Odyssee durch unterschiedliche Gemeinden auf der Suche nach einer bibeltreuen. Die Geschwister einer „freien Brüdergemeinde“ in der Nachbarstadt nahmen uns schließlich herzlich auf, vertrauten uns schon bald verantwortungsvolle Aufgaben an, und mit Siegfried L. wurde mir ein echter väterlicher Freund und Vater in Christo geschenkt. Durch ihn wurden wir auch mit der Arbeit des Gideonbundes bekannt gemacht und schon bald Gideon-Mitglieder und Truckermissionare – ein Dienst, der mir schon lange am Herzen gelegen hatte, den ich aber auf eigene Faust nicht zu beginnen gewagt hatte.

Leider machte der geistliche Kampf auch in der neuen Glaubensgemeinschaft nicht lange Pause. Wir hatten uns gerade von der zurückliegenden Kontroverse um die (mutmaßliche) gesetzliche Verengung und dem Verlust unserer geistlichen Heimat erholt, als zur Dillenburger Konferenz der neuen Glaubensgemeinschaft im Jahr 2022 ein Gastreferent geladen wurde, der – akademisch verbrämt, aber unübersehbar – den Sühnungstod Jesu relativierte. Auch jetzt, beim Kampf an der entgegengesetzten Front, wo es dem Einbruch der liberalen Theologie zu wehren galt, war ich angesichts heftiger Gegenrede bisweilen verzagt und mir unsicher, ob ich ein Mandat Jesu besaß für diesen Kampf.

Da stieß ich beim Lesen einer Spurgeon-Biografie mit dem Titel „Spurgeon, wie ihn keiner kennt“ auf die von ihm mit seinem Baptistenbund ausgefochtene Downgrade-Kontroverse, bei der es auch bereits um den Einbruch von Bibelkritik, Allversöhnung und der Leugnung des Sühnungstodes ging. Ich sah sofort manche Parallelen zu den „Freien Brüdern“, die zunehmend offensichtlich auch keine Probleme damit hatten, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die bibelkritisch oder allversöhnlich waren oder gar den Sühnungstod Jesu relativierten. Ein Freund, der darum wusste, in welch schwerer See ich gerade unterwegs war, schrieb mir, dass auch Schaeffer bei seiner Auseinandersetzung mit solchen Angriffen auf den Kern des christlichen Glaubens Anleihen genommen hatte bei der Downgrade-Kontroverse. Die Tonaufnahmen, auf die er mich verwies, waren mir im Jahr 2022 eine große Hilfe und geistliche Stärkung.3

Mir gab zu denken, wenn auch Schaeffer sagt,

– dass der Konflikt ein alter ist und anhalten wird bis zur Wiederkunft Jesu,

– dass auch renommierte Namen vor Verführung nicht schützen,

– dass viele entgegen ihrer Erkenntnis in unseligen Jochgemeinschaften verbleiben,

– dass gemeinsame Evangelisation oft das Einfallstor für kompromittierende theologische Jochgemeinschaft ist,

– dass das Ringen um Reinheit der sichtbaren Kirche es evtl. erfordert, eine liebgewonnene Glaubensgemeinschaft zu verlassen,

– oder dass Kompromisse die nächste Generation in Gefahr bringen u. v. a. m.

Ich fühlte mich durch Schaeffer und Spurgeon gewissensmäßig vor die Wahl gestellt, in eine Gemeinde zu gehen, wo man ungestraft Gemeinschaft haben darf mit Leuten, die Fragen der Kategorie 1 (Sühnungstod) relativieren, oder aber in eine Gemeinde zurückzukehren, die wir 2017 verlassen hatten, weil wir glaubten, dass dort unwichtigen Gewissensfragen ein zu hoher Stellenwert eingeräumt wurde. Wir kamen zu dem Entschluss, dass die Gemeinde vorzuziehen ist, wo man sensibel dafür ist, dass auch Verbindung mit Irrlehre beschmutzt. Meine Frau und ich kehrten daher Anfang 2023 nach großen geistlichen Kämpfen in unsere vormalige Glaubensgemeinschaft zurück; Corona hatte zumindest in Bezug auf die Sitzordnung zu einer Auflockerung der anachronistischen Form geführt.

Wir schreiben das Jahr 2023: Francis A. Schaeffer und die heutigen Bibelschulen

Erst in den vergangenen Herbstferien las ich Schaeffers letztes Buch, das er – bereits schwer gezeichnet von seiner Krebserkrankung – in dem Jahr herausbrachte, das sein Todesjahr sein würde: „Die große Anpassung. Der Zeitgeist und die Evangelikalen“.

Abermals stellt Schaeffer präzise und mit Verve heraus, wie entscheidend das Schriftverständnis ist – für ihn neben der Haltung zum Lebensschutz einer der beiden Lackmustests für Bibeltreue –, um als Christ dem Druck des Zeitgeistes etwas entgegenzusetzen.

Als tragisch empfinde ich, dass Stephan Holthaus (zusammen mit dem geschätzten Historiker Lutz von Padberg) noch im Vorwort schrieb:

Die Bibelfrage bleibt die Wasserscheide. Sie wird den weiteren Weg der Evangelikalen bestimmen. Werden sie den Weg vieler Institutionen und Werke gehen, die einflussreich und bibeltreu anfingen, aber bedeutungslos und liberal endeten, oder lassen sie sich zurückrufen zur Irrtumslosigkeit der ganzen Schrift, mit dem sie begannen und das ihnen ihre Existenzberechtigung gab gegenüber allen Ideologien und Theologien unserer Tage?

Die FTH Gießen ist mit ihrer Bibelkritik im Gewand der Bibeltreue und v. a. Armin Baums Hermeneutik leider in genau die Falle der kulturellen Relativierung von Gottes Wort getappt, vor der Schaeffer so hellsichtig gewarnt hatte (vgl. u. a. S. 71).

Fazit: Francis A. Schaeffer und der „christliche Realismus“

Wie man Gemeinde in die Gegenwart transformiert, sodass die inhaltliche Substanz erhalten bleibt, aber glaubensferne Menschen und Christen anderer Prägung auf der Suche nach einer bibeltreuen Gemeinde nicht abgeschreckt werden durch Äußerlichkeiten, treibt mich nach wie vor existentiell um. Francis A. Schaeffer war mir bei diesem Ringen in den vergangenen Jahren sieben Jahren eine große Hilfe. Schaeffer ist mir auch deswegen zu einem großen Glaubensvorbild geworden, weil er nicht nur um Orthodoxie, sondern auch um „Orthopraxis“ rang; ihm war klar, dass Bibeltreue nur dann glaubwürdig vertreten wird, wenn ihre Adepten auch ein Leben in der Nachfolge Jesu führen.

Dabei war er sich der Gefahr bewusst, in der jeder christliche Apologet steht: Man kann in seinem Eifer für die biblische Wahrheit übers Ziel hinausschießen und in die Falle des Rigorismus tappen oder man kann dem Anpassungsdruck nachgeben und faule Kompromisse eingehen. Bemerkenswert finde ich daher, wie er unter der Überschrift „christlicher Realismus“ beiden Reaktionsweisen auf die Beliebigkeit der Postmoderne entgegentritt. Diesen Rat möchte ich uns anlässlich seines 40. Todestages abschließend in Erinnerung rufen:

[Wir brauchen] jeden Tag die Hilfe des Sohnes Gottes, denn aus eigener Kraft schaffen wir es nicht. Wir müssen ihn seine Furcht in uns wirken lassen. Wir können in unserer alten Natur Orthodoxie verkünden, und wir können in unserer alten Natur faule Kompromisse schließen. Unser Auftrag lautet jedoch ganz anders: Wir sollen mit Gottes Hilfe in unserer Generation Gott und sein Wesen sichtbar machen. An uns soll sich zeigen, dass er ein persönlicher, heiliger und liebender Gott ist. Unserer alten Natur nach können wir entweder rechtgläubig oder liebevoll und kompromissbereit sein. Eines aber können wir in unserer alten Natur nicht – wir können nicht gleichzeitig Gottes Gerechtigkeit und Liebe in unserem Leben sichtbar machen: das ist nur durch das Wirken des Heiligen Geistes möglich. Alles aber, was weniger darstellt, ist nicht Abbild Gottes, sondern eine Karikatur Gottes, der existiert.4

1 Vgl. Francis A. Schaeffer, Gott ist keine Illusion. Ausrichtung der historischen christlichen Botschaft an das zwanzigste Jahrhundert (Wuppertal: 1971), S. 181).

2 Francis A. Schaeffer, Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts (21973), S. 73 f., 77, 79-84.

3 https://www.labriideaslibrary.org/IdeasLibraryDatabase/The-Battle-With-Liberalism-In-The-Time-Of-Spurgeon?fbclid=IwAR3jaHJM9Y6xuM-CC48AV1drWnvqB9mb6B3I2QrAQmXa0soM97wgEDAt3Mw

4 Schaeffer, Gott ist keine Illusion, S. 172.

Interview mit Ellis Potter über Francis Schaeffer und L’Abri

Jonas (J): Hallo Ellis, danke für deine Bereitschaft zu einem Interview. Kannst du unseren Lesern etwas zu deinem persönlichen Hintergrund erzählen? Auf deiner Homepage habe ich gelesen, dass du ein früherer Mönch im Zen-Buddhismus warst. Wie kamst du da nach L’Abri?

Ellis (E): Ja, ich wuchs in Kalifornien in einer christlichen Familie auf. Und dann begann ich, Fragen zu stellen, welche die Christen nicht beantworten konnten. So dachte ich, dass der christliche Glaube nicht wahr sei. Ich war an den Absoluta des Lebens interessiert und wollte wissen, wie hoch es nach oben geht, wie fern die Ferne geht. Was kommt am Ende des Universums? Die Christen in meiner Umgebung konnten das nicht beantworten. Inzwischen habe ich Christen getroffen, die von der Bibel her Antworten darauf aufzeigen können. Doch damals konnte mir das niemand erklären. So begann ich umherzuschauen, ob irgendwer an den Absoluta des Lebens interessiert war, und ich fand heraus, dass die Zen-Buddhisten sich darüber Gedanken machten. Deshalb las ich einige Bücher über den Zen-Buddhismus und begann zu meditieren und besuchte ein Zen-Kloster in Los Angeles. Nach einer Weile fand ich ein näher gelegenes Kloster in den Bergen, das ich häufiger besuchen konnte. Mit etwa 25 Jahren habe ich dann alles zurückgelassen, alles verkauft und begann im Kloster zu leben. Das Leben im Kloster war sehr streng und diszipliniert. Nach und nach begann ich zu reisen und habe verschiedene Kloster besucht. Irgendwann kam ich auf diesen Reisen nach Europa. Ein Freund, den ich noch aus Kalifornien kannte, reiste mit mir, ein Christ, und wir besuchten verschiedene Kloster. Damals dachte ich, mein Ziel sei Japan, das Zentrum des Zen-Buddhismus. Dieser Freund wollte nach L’Abri, was ich nicht kannte. Er erzählte mir: Das ist eine Gemeinschaft von Christen, die denken. Ich sagte nein, das konnte ich nicht glauben. Als wir zusammen da waren, mochte ich L’Abri überhaupt nicht. Es war alles laut und geschäftig, mit Kindern und Hunden, und die redeten während sie aßen. Ich war das anders gewohnt. Im Kloster ist es ruhig, leise. So ging ich weiter nach Italien, wo ich Tee-Zeremonien kennenlernte. Und Tee, den ich heute noch trinke. Doch nach vier Monaten hatte ich genug von meinen Versuchen, Italienisch zu sprechen und vermisste meinen Freund. So kam ich nach L’Abri zurück.

Bekehrung

J: Und dort hast du dich dann bekehrt?

E: Ja, ich wurde dann dort Student und studierte den Römerbrief durch Vorlesungen, die Schaeffer auf Tonband aufgenommen hatte. Und dann wurde ich Christ. Zum Teil gegen meinen Willen. Ich wollte nicht Christ werden, denn die Christen, die ich kannte, mochte ich nicht besonders. Aber der christliche Glaube wurde überzeugend. Der wichtigste Grund, weshalb ich Christ wurde, war, weil er mir klar wurde. Es braucht weniger Glauben, um an den christlichen Gott zu glauben als an irgend etwas anderes. Eines Abends las ich Schaeffers Buch „Escape from Reason“, und als ich vom Buch aufschaute, hatte das ganze Universum seine Form geändert. Alles hatte einen neuen Fokus. Das war das Wirken des Heiligen Geistes in meinem Leben. Es war eine Mischung aus Logik, Gnade und Gottes Wirken, die mich vom christlichen Glauben überzeugt haben.

J: Das finde ich spannend. Bei einigen Personen, die sich in L’Abri bekehrt haben, las ich, dass auch die Gemeinschaft, das gemeinsame Leben, Gebet, und so weiter etwas war, was sie auch mit überzeugt hat. Wie war das bei dir?

E: Ja, die Gemeinschaft ist ein wichtiges Element von L’Abri. Es ist eine einmalige Art von Gemeinschaft, denn es ist kein Kloster, keine Kirche oder Gemeinde, keine akademische Institution. L’Abri hat sich als Mission gesetzt, eine Zuflucht für alle zu sein, die Zuflucht brauchen. Es ist eine offene Gemeinschaft innerhalb der Grenzen des vorhandenen Platzes. Jeder, der kommt, ist willkommen. Es gibt keine Voraussetzungen, kein Anmeldeformular, kein Ziel, wie die Gemeinschaft geformt werden soll. L’Abri lebt vom Gebet. Eine Art extremes Glaubenswerk. Wenn du in L’Abri mitarbeitest, darfst du keine Spendenaufrufe machen, keine Werbung. Es wird gebetet und auf Gott gewartet. Jeder, der an die Türe klopft, wird als jemand betrachtet, den Gott gesandt hat. Egal, wie alt oder jung jemand war, wie gebildet oder ungebildet. Jeder, der herein kommt, bestimmt durch seine Anwesenheit mit, wie sich L’Abri weiter entwickelt. In gewisser Weise ist L’Abri sehr passiv. Andere Werke haben einen Plan, wie sie sich entwickeln wollen. L’Abri hat keinen Plan. L’Abri ist unstrategisch. Diese Art von Gemeinschaft war für viele Menschen etwas ganz Besonderes. Für mich war Gemeinschaft insofern nichts Neues, da ich aus Klostern schon Ähnliches kannte. Aber für viele war das eindrücklich. Was mich mehr beeindruckt hat, war die Bibel und die tiefe pastorale Fürsorge der meisten Mitarbeiter.

Schaeffer und das 21. Jahrhundert

J: Eine andere Frage: Man hört ja häufig, dass Francis Schaeffer eine prophetische Stimme war, die vieles von dem vorhersah, was inzwischen eingetreten ist oder sich verstärkt hat. Was würdest du dazu sagen?

E: Ja, Francis Schaeffer war sich in der westlichen Kultur sehr bewusst, was um ihn herum ablief. Er konnte Tendenzen sehen, wie sich vieles weiter entwickeln würde. Ein Thema, das er immer wieder ansprach, war die westliche Suche nach dem persönlichen Frieden und Wohlstand. Dass der Hauptpunkt des Lebens sich immer mehr dorthin verlagert, wie es mir geht, mein Selbstbewusstsein, mein psychischer Zustand, meine Stabilität. Alles dreht sich immer mehr um mich selbst. So gibt es weniger Ehen, weniger Familien, weniger Gemeinschaft, und die Gemeinden sind geschwächt und verschwinden, weil der Fokus immer mehr auf das Ich gelegt wird anstatt auf den Anderen. Und ich denke, das war das Zentrale, was Schaeffer sah.

J: Ja, das sehe ich auch immer mehr zunehmen. Was denkst du, wenn die Familie Schaeffer heute, im 21. Jahrhundert in die Schweiz ziehen würden um ein Werk aufzubauen, würden sie etwas anders machen als damals?

E: Ich denke, dass sie im großen Ganzen dieselbe Arbeit aufbauen würden. Allerdings wäre der Zustand der Menschen, die kämen, ein ganz anderer. In der Zeit, als ich in L’Abri mitarbeitete, hatten wir zu einem Zeitpunkt mehrere Menschen mit psychischen Problemen. Es war sehr schwierig zu der Zeit, sie haben die Gemeinschaft etwas gestört und wir waren nicht genügend qualifiziert um mit manchen der Probleme umzugehen. So haben wir uns als Mitarbeiter darüber unterhalten, wie wir damit umgehen sollten. Sollten wir uns schützen, indem wir Schranken aufrichten? Schaeffer sagte etwas, das uns alle schockierte. Er sagte: Wenn uns der Herr nur noch die psychisch Kranken herschickt, dann ist das unsere Aufgabe. Aber wir beteten viel für diese Situation, und ich glaube nach wie vor, dass Gott uns da arg beschützte und dafür sorgte, dass wir nicht überfordert wurden. Dennoch waren fast alle, die kamen, in irgend einer Krisensituation. Menschen mit Veränderungen im Leben. Mit Entscheidungen, die sie treffen mussten. Jüngere Menschen, die gerade ihr Abitur abgeschlossen hatten und mit Fragen kamen, die ihre Eltern und Pastoren nicht beantworten konnten. Menschen, die nach der Schule nicht wussten, welchen Beruf sie wählen sollten. Menschen, die herausfinden mussten, ob der christliche Glaube wirklich wahr ist. Oder Menschen in ihren 40ern und 50ern, die ihre Kinder groß gezogen hatten und sich nun fragten: Was soll ich jetzt? Was ist jetzt der Sinn meines restlichen Lebens? Manche kamen mit Krisen unter der Fassade, die erst einmal nur etwas studieren wollten. Und dann nach drei oder vier Wochen in der Gemeinschaft kamen dann die richtigen Krisen plötzlich zum Vorschein.

Die Botschaft der Schaeffers

J: Nun haben die Schaeffers doch ein paar Bücher geschrieben. Ich kenne die große Gesamtausgabe der Werke von Francis in den fünf Bänden. Aber das ist für manche Leser etwas einschüchternd. Was wäre ein guter Einstieg oder eine gute Reihenfolge für junge Leser?

E: Das kommt sehr stark auf die Personen an. Wer sind sie? Was ist ihr Hintergrund? Akademisch oder nicht? Geht es um die Diskussion von philosophischen Ideen? Brauchen sie mehr ein pastorales Buch? Darauf kommt es an. Vielleicht „Gott ist keine Illusion“ oder „Und er schweigt nicht“. Und dann würde ich die Bücher von Edith Schaeffer mit einbeziehen. Wenn die Person etwa eine schwierige familiäre Situation hat, oder sich unsicher fühlt oder orientierungslos ist, würde ich Bücher von Edith Schaeffer zu Beginn empfehlen. Ihr Buch „L’Abri“ erzählt die Geschichte der Gemeinschaft. Bis etwa zu ihrem 70. Geburtstag hat sie noch geschrieben. Über viele Themen: Familie, Musik, Kunst.

J: In unserer Zeit hört man ja immer wieder von bekannten christlichen Pastoren und Leitungspersonen, die Vorbilder für viele waren und plötzlich gibt es Skandale, dass sie in Sünde gefallen sind, dass sie Fehler vertuscht haben. Gibt es aus dem Fundus der Schaeffers ein Hilfsmittel, wie man damit am besten umgeht?

E: Ja, da gibt es oft einen extremen Fokus auf bestimmte Menschen, die im Rampenlicht stehen. Dieser Fokus verzerrt eigentlich die Vision des ganzen und ganzheitlichen Christenlebens, wenn alles auf den sichtbaren Bereich dieser Personen gerichtet ist. Man ist heute so stark auf diese einzelnen Personen fokussiert und dann brechen plötzlich Gemeinschaften zusammen. L’Abri war über 60 Jahre lang auf eine relativ kleine,m ruhige Art aktiv. Der Fokus ist nicht auf die bekannten Studenten und Mitarbeiter gerichtet, sondern darauf, in Gemeinschaft und Gastfreundschaft zu dienen. Diese Prinzipien haben sich über die Jahrzehnte nie geändert. Es beginnt immer an der Basis. So ist L’Abri ganz etwas anderes als eine Bewegung.

J: Vielen Dank. Gibt es zum Abschluss unseres Interviews noch etwas Besonderes, was du auf dem Herzen hast, was du mit unseren Lesern teilen möchtest?

E: Ich möchte nichts von mir persönlich teilen, weil ich denke, das ist nicht wichtig. Aber einen Gedanken möchte ich mitgeben. Schaeffer war es immer wichtig, vom Gott zu erzählen, der nicht schweigt. Der Gott, der spricht. Gott spricht in Worten. Und Schaeffer legte großen Nachdruck darauf, dass Gott die Wahrheit klar und lebendig spricht. Und ich sehe, dass dies in unserer Kultur und im christlichen Leben immer weniger betont wird. In all meinen Büchern, Reisen und Vorlesungen versuche ich das weiterzugeben: Wahrheit sprechen und verstehen und unterstützen was wir sagen, anstatt nur Plattitüden und ein paar auseinandergerissene Teile der Bibel zu zitieren. Das ist ein Teil von Schaeffers Werk, was ich feststelle. Ich sehe, dass es immer notwendiger wird, weil wir sonst immer mehr in ein Chaos und Dunkelheit fallen. Das ist es, wozu ich Menschen ermutigen möchte: Übernehmt Verantwortung für was ihr sagt und hört sorgfältig zu. Fragt immer wieder: Was meinst du wirklich damit?, sodass eine echte Verbindung entstehen kann. Das Erste, was wir von Gott wissen in der Bibel ist, dass Er spricht. Und da greift auch der Teufel an und attackiert uns und bringt unsere Sprache durcheinander. Er verstümmelt sie, macht sie unklar, unwahrhaftig und unverbindlich. Und dann werden wir immer weniger wie Gott. Denn Gott ist immer ganz klar und verbindlich und übernimmt die Verantwortung und alle Konsequenzen für das was er sagt. Das wäre meine Botschaft an die Welt. Danke!

J: Vielen Dank für das Gespräch!

Ellis H. Potter war viele Jahre Mitarbeiter in L’Abri und später Pastor in Basel. Er hat einen Reisedienst und ist Autor mehrerer Bücher. Seine Homepage (englisch) ist hier zu finden (Link)

Gastbeitrag: Edith und Francis Schaeffer – ein Leben, das Spuren hinterlässt

von Carolin Schmitt

Ich weiß gar nicht mehr, wie und wann mir zum ersten Mal Bücher von Francis Schaeffer begegnet sind. Aber ich erinnere mich noch genau, dass ich im Jahre 2017 auf dem BLOG von Hanniel Strebel mehrere Beiträge über Francis Schaeffer gelesen hatte und auf das Buch „L‘ Abri“ von Edith Schaeffer aufmerksam wurde. Aufgrund meiner Frankophilie hatte der Titel auf Anhieb mein Interesse geweckt, so dass ich mir sofort ein Exemplar bestellen musste. Die Geschichte zur Entstehung und Entwicklung des Glaubenswerkes „L‘ Abri“ beeindruckte mich sehr.

Bereits von der ersten Seite hat mich der authentische Bericht über die Entstehung von L’Abri gefesselt und fasziniert. Ich musste staunen, war tief bewegt und gleichzeitig wurde ich wahnsinnig gestärkt, mutiger zu glauben. Gott hat die Familie Schaeffer in den vielen Jahren durch Schwierigkeiten, die meist mit Freuden und Glaubenssiegen einhergingen, geleitet. Seine Antworten auf die Gebete im Glauben haben mich zu Tränen gerührt. Die Prinzipien von Schaeffers, die auch immer Basis aller Gebete waren, haben in meinem Gebetsleben tiefe Spuren hinterlassen:
“… 1. Wir wollen darum beten, dass Gott uns die richtigen Menschen zuführt, und alle fernhielt, die nur zum Skilaufen kamen oder ein offenstehendes Haus ausnutzen wollten.
2. Wir wollen darum beten, dass Gott uns Woche um Woche und Monat um Monat genug Geld senden würde, um unsere Bedürfnisse zu decken und auch den Menschen, die er uns schicken würde, Gastfreundschaft zu gewähren.
3. Wir beschlossen, keine Pläne in Bezug auf unsere Arbeit zu machen, sondern uns in jeder Hinsicht der göttlichen Leitung zu überlassen.
4. Wir beten auch darum, dass falls die Arbeit wachsen sollte, Gott uns die richtigen Mitarbeiter senden solle. …” (L’ Abri, S. 147-148).

Zu dieser Zeit hatte ich immer wieder den Gedanken, eine evangelistische Initiative in unserem Ort zu starten. Diese Idee wurde durch die Lebensgeschichte der Familie Schaeffer bestärkt. Viele Wochen habe ich darüber gebetet bis schließlich in einem Austausch mit meinem Mann offenbar wurde, dass er seit Wochen die gleichen Gedanken wie ich hatte. So lag es für uns auf der Hand, dass wir Schritte gehen und schauen, was Gott mit uns vorhat. Im darauffolgenden Jahr, im Januar 2018, gründeten wir den Verein BASIS.lager Karlsdorf-Neuthard e.V.

Unser Verein soll anderen Menschen dienen und Gott die Ehre geben, indem wir das Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat verkünden. Wir möchten einen Ort für jeden anbieten – egal welchen Alters, welcher Herkunft, welcher Vorbildung oder welchen Milieus – der ernsthafte Antworten auf grundlegende Fragen nach dem Sinn des Lebens sucht oder geistliche Ermutigung und Zurüstung benötigt.

Für Christen, Missionare und Evangelisten möchten wir einen Raum schaffen, in dem wir uns gegenseitig ermutigen, korrigieren und unterstützen und geistlich erfrischt vom Zwischenstopp im BASIS.lager weiterziehen können, um Gott zu dienen. Dazu gehört für uns auch, dass Menschen bei uns übernachten oder bei einer gemeinsamen Mahlzeit mit uns Zeit verbringen können. Edith Schaeffer hat unser Anliegen sehr treffend formuliert: „Wir müssen uns gegenseitig ermutigen, auf Gott zu schauen, und uns von Ihm Hilfe und Kraft erbitten, in diesem Abschnitt unseres Jahrhunderts weiterzumachen. Wir müssen wissen, dass wir unterschiedliche Individuen sind und dass wir eine individuelle Bedeutung in der Geschichte haben. Unsere Entscheidungen sind es, die zählen.“ (L’ Abri, S. 304)

Die Familie Schaeffer wurde uns noch in einigen anderen Punkten zum Vorbild, da sie Mission völlig anders umgesetzt hat, als es allgemein üblich ist. Sie haben sich nicht hingesetzt und Pläne geschmiedet, sondern sie haben sich auf den Weg gemacht und von Gottes Vorsehung Schritt für Schritt führen lassen – auch wenn es nicht immer ganz einfach war und es Widerstände gab. L’Abri war kein Missionshaus oder eine Art Freizeitheim, sondern eine Familie, die ihre Türen für suchende Menschen öffnete, um zuzuhören, zu helfen und zu reden. Durch ihre tagtägliche Gastfreundschaft haben sie ein Werk Gottes begonnen, das noch heute existiert. Genau das hat uns inspiriert, den Verein zu gründen und wir möchten auf diese Art und Weise unseren Dienst leben und uns von Gott gebrauchen lassen.

Unser Ziel ist es, immer flexibel reagieren zu können, wenn Menschen mit Fragen auf uns zukommen, um ausreichend Raum und Zeit für diese Personen haben zu können. Wichtig ist uns, dass wir nicht zu viele zeitliche Ressourcen verplanen, um jederzeit auf Gottes Führung hören und reagieren zu können. Denn es soll nicht unser Werk, sondern Gottes Werk sein. Genau wie Edith und Francis Schaeffer möchten wir auch in schwierigen Phasen Gottes unfehlbarer Führung vertrauen und ihm Großartiges zutrauen. Ebenso möchten wir nicht auf Zahlen setzen. Der einzelne Mensch soll zählen, nicht die Masse. Wir vertrauen darauf, dass Gott uns so viele Menschen auf einmal schickt, dass alle zu Wort kommen können und wir über die notwendigen Kapazitäten verfügen. Freundschaften mit Menschen, die keine Christen sind, möchten wie bewusst pflegen und mit ihnen Zeit verbringen, ihnen zuhören und herausfinden, was sie bewegt und ihnen Sorgen macht, um ihnen von unserem Glauben an Jesus zu erzählen. Genau wie im Buch L’Abri immer wieder dargelegt wird, sind objektiver, in gewisser Weise „kühler“ Intellekt und persönlicher, kindlicher Glaube kein Widerspruch. Vielmehr ergeben Vernunft und Glaube erst zusammen ein Ganzes. Wir müssen nur die Augen und Ohren für Begegnungen und Gesprächsgelegenheiten öffnen und bereit sein, uns von Gott unterbrechen zu lassen, um Menschen die Wahrheit nahe zu bringen. Um es mit Francis Schaeffers Worten zu sagen: „Es gibt nur einen einzigen Grund, ein Christ zu sein – nicht zwei verschiedene!… und der ist, dass die christliche Verkündigung wahr ist.“ (L’ Abri, S. 285).

Wenn ich heute die letzten 6 Jahre Revue passieren lasse, kann ich nur staunen, wie Gott uns immer wieder überrascht und Wege gewählt hat, die für uns zuvor unvorstellbar waren. Ich könnte ein Dutzend großartiger Geschichten erzählen, die Gott mit unserem Verein geschrieben hat. Und alles fing damit an, dass das Leben von Edith und Francis Schaeffer in unseren Herzen Spuren hinterlassen hat. Mögen noch viele Menschen und nachfolgende Generationen von ihren Werken inspiriert und ermutigt werden, um Gott zu dienen. Lasst uns dafür beten!

Quelle:
Schaeffer, Edith, L’Abri, Hänssler Verlag Holzgerlingen, 1999.

Carolin Schmitt lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Karlsdorf/Baden. Sie arbeitet in Teilzeit als Wirtschaftsingenieurin in einem Softwareunternehmen und hat 2018 mit ihrem Mann und fünf weiteren Christen den Verein BASIS.lager Karldorf-Neuthard e.V. gegründet. Sie und ihre Familie sind aktives Mitglied in der FeG Bruchsal. In der Freizeit genießt sie die Natur, geht gerne wandern, liest gerne und schreibt hin und wieder kurze Artikel oder Rezensionen.

 

Gastbeitrag zu Francis Schaeffer

von Pastor Kai Kreienbring

Ich wurde gebeten ein kleines Statement anlässlich des 40.Todestages von Francis Schaeffer zu schreiben. Ich selber bin nie in L´Abri gewesen. Habe allerdings immer wieder davon gehört. Als ich 1983 Jesus kennenlernte und anfing mit intensiver mit dem Glauben und allem was dazu gehört zu beschäftigen bin ich auch öfter über Schaeffer gestolpert. Allerdings muss ich sagen, dass er mir anfangs viel zu intellektuell war (Ich war nur ein einfacher Schlosser der von Jesus auf eine Bibelschule gerufen wurde um in den vollzeitlichen Dienst zu gehen).

In den letzten 30 Jahren im Gemeindedienst sind mir immer wieder Schriften und Aussagen von Schaeffer in die Finger gefallen. Und je mehr ich darin las, je mehr merkte ich, dass er eine Art neuzeitlicher Prophet war. Jemand, der den Finger auf die Wunden seiner Zeit legte, Entwicklungen aufzeigte und immer wieder Jesus und Gottes Wort in den Mittelpunkt stellte. Gerade vor kurzem bin ich in seinem 1973 erschienen Buch „Tod in der Stadt“ über eine Aussage gestolpert, die er wahrscheinlich genauso gut oder noch deutlicher heute hätte schreiben können:

Die Bibel stellt ihre religiösen Lehren in einen historischen Rahmen hinein. Das ist genau das Gegenteil der modernen Theologie und des existentialistischen Denkens, das Gegenteil der Zurückführung von Religion auf eine subjektive Projektion, wie sie im zwanzigsten Jahrhundert vorgenommen wird.“

(Schaeffer, Francis; Tod in der Stadt; 1973; Harald Wever, Wuppertal; S.12)

Darin zeigt Schaeffer eine Entwicklung auf, die in unserer postmodernen Welt geradezu einen Höhepunkt erreicht hat. Ich glaube dies, du glaubst das – und wir beide haben recht! Auch in sogenannten post-evangelikalen Kreisen gewinnt diese Haltung in den letzten Jahren immer mehr an Boden. Wie sich nicht zuletzt in den diversen sexual-ethischen Diskussionen zeigt. Religion bzw Glaube stellt nicht mehr die Frage nach der Wahrheit, sondern nur noch die Frage nach dem subjektiven Befinden. Das hat mit dem historisch-biblischen Christentum nichts mehr zu tun. Und so stehen wir heute vor der Herausforderung das biblische Evangelium in eine Welt zu predigen, die gar nicht wirklich nach der Wahrheit fragt.

Hier lohnt es sich auch wieder neu, sich mit den Denkansätzen von Schaeffer auseinanderzusetzen! Auch wenn die Erscheinungsjahre seiner Bücher schon einige Jahrzehnte her sind!

 

Kai Kreienbring, Pastor der Volksmission Graz.

Seit 1990 teilweise ehrenamtlich, teilweise nebenberuflich, teilweise vollzeitlich im Gemeindedienst. Immer unter dem Motto „To know HIM and to make HIM known“

Gastbeitrag: Francis A. Schaeffer zu seinem 40ten Todestag 2024

von Pfr. Beat Laffer-König

Die erste Begegnung mit Francis A. Schaeffer am 5. Okt 1970. Francis Schaeffer (1912-1984) kam an die damalige FETA in Basel, heute STH, und wurde durch seinen Schwiegersohn, Udo Middelmann, übersetzt. Schon im 1. Semester, Herbst 1970, lehrte er Kulturphilosophie. Alle 24 Studenten konnten 1970 daran teilnehmen. Seine Vorlesungen waren äusserst spannend, interessant, aufschlussreich. Er stellte die Kultur in einen grossen Zusammenhang, beurteilte dabei die Kultur, vornehmlich des Westens, aus dem Blickwinkel des Biblischen Christentums. Damit vermittelte er uns Grundlagen, um Menschen aus allen Ländern besser zu verstehen, um ihnen das Evangelium als Antwort auf ihre Fragen besser vermitteln zu können. Professor Dr. theol. Samuel Külling, Rektor der neu gegründeten Ausbildungsstätte für Theologen und Theologinnen, war sehr angetan von Schaeffers Vorlesungen und äusserte sich dahingehend, dass er in seinem Studium in der Schweiz nie etwas Ähnliches gehört habe.

Besuch in L’Abri

Später konnte ich das Ehepaar Francis und Edith Schaeffer, zweimal in den Jahren ab 1970 in L’Abri, ob Huémoz/Ollon, Kanton Waadt, Schweiz, besuchen. Sie lebten dort in Huémoz als Familie. Ich wurde sehr offen und herzlich empfangen. Man fühlte sich sofort sehr wohl in ihrem bescheidenen Zuhause. In L’Abri hörte ich noch ausführlicher seine Vorlesungen. Obwohl sich immer sehr viele Zuhörer aus verschiedenen Ländern einfanden, hatte ich das Gefühl, dass er allein zu mir redete. Dies erstaunte mich sehr. Das war das erste Geheimnis des Ehepaars Schaeffer: Liebe und Wahrheit. Um ihren Lebensweg in der Schweiz zu verstehen, ist das Buch von Edith Schaeffer aufschlussreich, in «L’Abri, Gottes Wirklichkeit heute erlebt. Eine Familie wird Treffpunkt der modernen Jugend».

Das Ehepaar Schaeffer hatte vier Kinder. Die Bücher von Edith Schaffer sind ebenso wichtig zu lesen. Sie vermitteln Einsichten in ihren Weg des Glaubens und des christlichen Lebens. Ein weiteres Geheimnis ihres «Erfolgs» war ihre Bescheidenheit und zeitweilige Armut. Bewusst, so legte Schaeffer dar, kam ihre exakte Adresse nie in einem Buch vor. Man wollte möglichst nur echt suchenden Menschen, Männern und Frauen, in Praxis und Theorie, die Antwort des biblischen Christseins geben. Sehr viele Menschen kamen durch das Ehepaar zum Glauben an Jesus Christus. Orthodoxie und Orthopraxis wurden sehr glaubhaft gelebt und vermittelt. Das Ehepaar Schaeffer erfuhr auch Leiden, Anfechtungen und Angriffe. Froh und gestärkt im Glauben, reiste ich in meine Heimatstadt Basel zurück.

In L’Abri konnte man ebenfalls studieren. Viele Vorträge auf Tonband vermittelten Querverweise zu anderen Referenten, Referentinnen, und Vorlesungen, die dort ebenfalls gehört werden konnten. Ebenso wurde auf andere Bücher verwiesen. Es war somit keine Engführung zu beobachten, sondern Weite, aber dennoch verwurzelt im Biblischen Christentum. Meines Wissens gibt es auf der Welt andere «L’Abri»-Zentren, die vernetzt sind. Schaeffer beschrieb und untersuchte Kultur im Kontext von West und Ost, von Süd und Nord, dennoch kritisch durchleuchtet vom biblisch-christlichen Glauben her. Francis und Edith waren oft zusammen auf Wanderungen, tauschten sich über die heutige Situation in Kirchen und Gesellschaft aus. Die Strömungen der Säkularisation wurden in vielen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens aufgegriffen. Dabei war der biblisch-christliche Glauben die Basis. Das Zentrum war der Erlöser, der Christus, der Messias, wie ihn die Heilige Schrift bezeugt. Die Bibel, die Heilige Schrift, war und blieb immer im Sinn des Urchristentums und der Reformation das Basisdokument der Christen. Von dieser Basis aus wurden viele Bereiche beleuchtet, etwa Philosophie, Kunst, Musik und Kulturleben, Theologie, Mystizismus, Politik, Wirtschaft.

Wichtige Gedanken von Francis Schaeffer

Der Zerfall des Westens. Francis und Edith Schaeffer bewegte der Zerfall des Westens sehr, der Zerfall der Kirchen und der Gesellschaft. Sie zeigten «Die Linie der Verzweiflung» auf. Heute kann man noch weitergehen und teilweise von der Dekadenz des Westens reden. Zerfall, Dekadenz und Zerbruch haben ihren Ursprung in der Abwendung vom biblischen Christentum und als Folge davon den Zerfall der Kirchen. Von daher suchte ich in L’Abri die Frage zu beantworten, ob ich mich in der Evang.-reformierten Kirche im Pfarramt engagieren sollte. Udo Middelmann bewegte diese Frage ebenfalls sehr. Die Antwort war nicht leicht. Middelmann sagte unter anderem den Satz: «… um derentwillen, die an Jesus Christus glauben». Heute ist der Zerfall der Kirchen in Europa und Nordamerika noch weiter vorangeschritten – und dies sage ich nach 36 Jahren Tätigkeit als Pfarrer in der Evang.-reformierten Kirche der Schweiz. Seit 2013 bin ich pensioniert und übernahm Stellvertretungen in derselben.

Was ist Kirche? – Diese Frage ist heute noch umstrittener als im letzten Jahrhundert. Schaeffer nahm diese Thematik auf in den Büchern «Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts», «Die Kirche Jesu Christi. Auftrag und Irrweg», «Die grosse Anpassung – Der Zeitgeist und die Evangelikalen», und schon oben darauf hingewiesen, «Das Kennzeichen des Christen». Andere Bücher von ihm nehmen indirekt diese Thematik auf. Dabei wollen wir nicht vergessen, dass er zunächst der theologischen Richtung angehörte, die man als «liberale Theologie» bezeichnet. Seine Erfolglosigkeit führte Schaeffer dazu, diese Richtung zu verlassen und vieles von der Bibel her, vom biblisch-christlichen Glauben aus als die Basis zu durchdenken. Die «Dialektische Theologie», die man in den USA oft als «neoorthodoxy» bezeichnet, resultierend daraus die «Positive Theologie» oder «Offenbarungstheologie», verwarf Schaeffer ebenfalls. Das Problem liegt viel tiefer. Es geht um die Frage, ob die Heilige Schrift in allen ihren Aussagen wahr ist oder nicht.

Die Frage nach dem Glauben

Schaeffer und viele aus anderen wissenschaftlichen Bereichen gingen dieser Frage nach. So konnte man sehr viele Vorträge ab Tonband in L’Abri hören, reflektieren und studieren. Es wurde sehr viel darüber ausgetauscht. Es nützt wenig, einen sogenannten «Sprung» zu vollziehen und zu vertreten, dass diese Frage nicht relevant sei. Hauptsache man glaubt, so die Meinung. Schaeffer sah das nicht so. Er untersuchte viele Weltanschauungen, naturwissenschaftliche, philosophische aus West und Ost. Zugleich war er der Überzeugung, dass der christliche Glaube ebenfalls eine Weltanschauung vermittelt. Doch machte er deutlich, dass diese ihren Ursprung in Gott hat – und nicht im Menschen. Daher haben wir Menschen absolute Werte, Werte, die Gott setzte. Diese Werte sind nicht relativ. Die Heilige Schrift ist in ihren Urtexten inspiriert durch den Heiligen Geist, eine der drei Personen der Dreieinigkeit Gottes. Da Gott nicht lügen kann, muss sie wahr sein. Man soll alle Weltanschauungen auf ihre Aussagen hin überprüfen. Nicht alles, was die weltliche Wissenschaft vertritt, ist wahr. So sind zum Beispiel Naturwissenschaftler vorsichtiger, indem sie die Meinung vertreten: «Nach dem heutigen Stand des Wissens, ist es so, doch morgen, durch neue Forschung, muss alles revidiert werden.» Man kann die Meinung vertreten, dass die Heilige Schrift wahr ist.

In der Auseinandersetzung kann man die Wissenschaft nicht als wahr hinstellen, ohne sie zu überprüfen. Das ist intellektuelle Geistesarbeit. Dabei ergeben sich viele Voraussetzungen (Axiome, bis in die Mathematik), die nicht überprüft werden. Ich könnte viele solche Voraussetzung nennen, will jedoch nur auf die Geschichtsphilosophie vom Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel oder auf die Halbwertszeit der Atome (Chemische Elemente) hinweisen. Niemand kann beweisen, dass die Halbwertszeit in der Vergangenheit immer dieselbe war. In der Vorlesung – ich studierte nach der Theologie Naturwissenschaften an der Universität Basel – zeigte uns ein Chemie-Professor einen Versuch, der mit dem damaligen, derzeitigen chemisch-physikalischen Modell nicht erklärbar ist. Dieser war somit vorsichtig mit der Aussage, dass es so ist. Er meinte: «Wenn jemand von Euch dies herausfindet (ein anderes Modell), ist er morgen Nobelpreisträger». Schaeffer war nicht gegen die Wissenschaft, sondern sie soll kritisch befragt werden, und er lud viele Wissenschaftler nach L’Abri ein. Er hatte also keine Angst davor.

Ist Francis A. Schaeffers Schrifttum heute noch aktuell?

Ich meine Ja. Warum? Dazu möchte ich eine meiner Beobachtungen im Dienst als Pfarrer weitergeben. Zunächst weise ich auf das Stück von Samuel Beckett hin, «Warten auf Godot». Im Theaterstück kam Godot nicht. Das Warten war vergeblich. Es war beklemmend. Ich sah es circa 1970. Im Laufe der Zeit erkannte ich, dass die Menschen überhaupt nicht auf die Idee kommen, auf Gott zu warten, Gott zu erkennen. Sie haben vergessen, dass sie Gott vergessen haben – im Leben und im Sterben. Falls man religiös ist – und heute sind es viele Menschen – , sucht man nicht im biblischen Christentum, auch nicht im kirchlichen Christentum, sondern jenseits davon. Man stellt sich selbst die eigene Religiosität zusammen, eine Patchwork-Religiosität.

Man sucht Anleihen im Hinduismus, im Buddhismus und deren Systeme, in der Gnosis und Esoterik. Man überspielt den Individualismus im Mystizismus und sucht die Kraft in sich selbst. Das Gebiet, nahe bei Basel, in dem ich wohne, ist seit Jahrhunderten römisch-katholisch und circa ab 1870 zum Teil christ-katholisch. Es gibt eine einzige Gemeinde, in welcher ich nun wohne, in diesem Gebiet, welche evangelisch-reformiert war. Ich stelle jedoch heute fest, dass dieses Gebiet voller Esoterik ist, welche heutzutage von den drei Konfessions-Kirchen angeboten wird. Es ist Mystik ohne das Wort Gottes, ohne die Heilige Schrift. In den Kirchen – Freikirchen eingeschlossen – wird kaum mehr gefragt, was Gottes Wort zum kirchlichen, privaten und gesellschaftlichen Leben in Theorie und Praxis ausführt. Man hüpft zum Mainstream in der Meinung, dieser sei christlich geprägt.

Es braucht Zeit und Willen, die intellektuellen Abhandlungen von Francis A. Schaeffer verstehen zu wollen. Dasselbe gilt für die Bücher seiner Ehefrau Edith. Nicht wenige sind auf Deutsch erschienen. Es lohnt sich ebenfalls heute, sich mit den Schriften von Francis und Edith Schaeffer vertraut zu machen. Viele Menschen erhielten vom Ehepaar Schaeffer, in der Gemeinschaft von L’Abri, in persönlichen Gesprächen, durch ihre Bücher, echte Antworten auf ihre Fragen. Deshalb kamen auch viele Menschen zum Glauben an Jesus Christus. Die intellektuellen Barrieren, die ihnen den Zugang zum biblisch-christlichen Glauben verschloss, wurden beiseite geschafft. Beide verhalfen Suchenden, zum ursprünglichen Christlichen Glauben vorzustossen. Männer und Frauen wurden überzeugte Christen.

Pfarrer Beat Laffer-König, Biel-Benken, Schweiz, im März 2024.

Das Haus der 1000 und der einen Geschichte

Es war einmal ein Haus, das Haus der 1000 Geschichten. Seine Außenfassade war schon etwas älter, man hätte es für ein Spukhaus halten können. Die Türen waren nicht verschlossen, wer hinein wollte, konnte es auch. Manchmal verirrten sich Wanderer in die Gegend dieses Hauses. Sie waren froh, ein Dach über dem Kopf zu finden. Manche dieser Wanderer hinterließen ihre eigenen Geschichten in dem Haus. Einer kratzte mit seinem Messer ein Herz in den Türpfosten und schrieb „S&W“ hinein. Eine Liebesgeschichte. Ein anderer war schon gut angeschwipst, stieß sich den Kopf an einem Hängeschrank und ließ ein paar seiner Blutstropfen im Haus zurück. Eine Geschichte von Schmerzen, aber auch von einer gefühlten Sinnlosigkeit und Verdrängung. Wieder ein anderer nahm seine Gitarre heraus und sang von einer Welt des Friedens und des Glücks. Es war eine Geschichte der Hoffnung, doch das Haus wusste, dass es bis zu jenem Zeitpunkt, von dem der Musiker sang, noch eine Weile dauern würde. Wahrscheinlich würde es bereits zerfallen oder abgerissen sein, wenn jene Zeit des Friedens anbricht.

Das Haus sammelte all diese Geschichten, doch das Wertvollste war auf dem Dachboden. Ein ganzes Bücherregal mit Geschichten, von denen die ältesten so alt waren wie das Universum. Dieses Regal erzählte die Geschichte von der Erschaffung der Welt, von dem Gott der sprach und alles kam ins Dasein. Von den Menschen, die aus Liebe gemacht wurden, und sich doch abwandten und ihr eigener Gott sein wollte. Autonom, so hat man das dann später genannt. Von den Menschen, die den Worten nicht mehr vertrauten, sondern sich ihre eigenen Worte machen wollten, damit sie über andere Macht und Gewalt ausüben konnten. Es war aber auch die eine Geschichte der größten Liebe im ganzen Universum, der Liebe, die bereit war, auf alles zu verzichten, was ihr zustand. Von der Liebe, die Mensch wurde, um die Menschen in Freiheit zu führen. Frei aus der Sklaverei der Autonomität, frei von sich selbst. Frei vom Gefühl der Sinnlosigkeit und dem Zwang zur Verdrängung.

Auf diesem Dachboden war ein schlichtes Kreuz an der Wand. Dieses Kreuz erzählte die größte Liebesgeschichte des Universums, nämlich wie die Liebe Gottes bereit war, alle Scham und alle Schuld der Menschen zu tragen und am Ende den Tod mit dem Tod und der Auferstehung zu besiegen. Es war dieses Kreuz, das den Himmel mit der Erde verbindet, das eine Brücke über den klaffenden Abgrund des Todes darstellt. Eines Tages wird der Musiker recht bekommen: Dann wird es Frieden und Glück geben für alle, die in ihrem Leben die Geschichte vom Kreuz gehört und darauf geantwortet haben.

Total Truth auf deutsch erhältlich!

Pearcey, Nancy, Die ganze Wahrheit, Betanien Verlag 2024, Verlagslink, Amazon-Link

Endlich ist das Buch, von welchem ich schon hier (Link) und hier (Link) geschrieben habe, auf deutsch erhältlich. Lange wurde daran gearbeitet. Ich bin gespannt, wie die Übersetzung der Sprache und auch der Kultur gelungen ist. Beides geht dabei natürlich Hand in Hand.

Jedenfalls freue ich mich sehr, dass das nun endlich fertig gestellt ist. Nun sollte es mit Greg Koukls „Tactics“ ebenso vorangehen. Dann wäre nämlich endlich einmal das wichtigste Handwerkszeug für christliche Apologeten im deutschen Sprachraum erhältlich.

Gott wieder neu entdecken

Unsere Zeit erinnert mich immer wieder an jene von König Josia von Juda. Josia war ein kleiner Junge von gerade mal acht Jahren, als er König wurde. Sein Vater, der König Amon, war einer Verschwörung zum Opfer gefallen, aber schon. Amon und dessen Vater, König Manasse, hatten Gott verlassen, hatten ihren Glauben an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs dekonstruiert, haben die Bibel links liegen lassen. Den Tempel ließen sie verfallen. Stattdessen wurden dem Baal Altäre auf den Hügeln errichtet und für Aschera wurden Pfähle in den Boden gerammt, die angebetet wurden.

Auch in unserer Zeit verfällt viel von Gottes Haus. Die Bibel findet sich zwar in den meisten Haushalten; dennoch verstaubt sie in den Regalen und ihre Kraft geht in ständig neuen Umdeutungen ihrer Worte verloren. Die Gemeinde Jesu braucht dringend eine Renovation. Josia war bereit, mit dem Götzendienst seines Vaters und Großvaters zu brechen. Er riss die falschen Altäre nieder, und als er 26 Jahre alt war, beschloss er, dass der Tempel ganz wiederhergestellt werden sollte. Da wurde das Buch des Gesetzes, die damalige Bibel, im Tempel wiedergefunden. Josia tat Buße und feierte mit dem ganzen Volk ein rauschendes Passafest.

Wie können wir die Bibel unter dem ganzen Dreck von Wort-Umdeutungen, unter dem Schutt der zahllosen Gottesbilder, die in sie hineingelesen werden, wieder finden und darin Gott ganz neu entdecken? Darüber kann man natürlich ein ganzes Buch schreiben. Aber es gibt ein paar Dinge, die mir dazu in der letzten Zeit sehr wichtig geworden sind.

Baue deinem toxischen Selbst keinen Altar!

Deine Gefühle, dein Verstand, dein Wille, dein Gewissen sind wertvolle Werkzeuge aber schlechte Ratgeber. Dein Selbst, dein Ich ist toxisch.

Vertraue auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand; erkenne Ihn auf allen deinen Wegen, so wird Er deine Pfade ebnen. (Sprüche 3:5-6)

Oder wie es Jesus Christus ausdrückte:

Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. (Lukas 9:23)

König Salomo, Jesus Christus und viele weitere Autoren wissen, dass unser Selbst toxisch ist. Es ist gefährlicher Götzendienst, wenn wir dem Selbst den Platz in unserem Leben schenken, den einzig und allein Gott bekommen soll.

Während es stimmt, dass es durchaus Machtstrukturen gibt, die uns klein halten wollen, ist es bei Gott und in sehr vielen Gemeinden nicht so.

Grabe das Buch der Bücher wieder aus!

Wie bei König Josia spielt auch in unserem Leben ein Buch eine wichtige Rolle. Die Bibel ist ein Buch, das Gott an dich und mich und viele andere geschrieben hat. Wenn wir also nicht unser toxisches Selbst befragen sollen, was uns gut tut – wen befragen wir sonst? Frag Gott! Ganz einfach! Ja, klar, es gibt ein paar Dinge zu beachten, wenn wir die Bibel lesen. Das nennt man in der theologischen Fachsprache Hermeneutik. Das heißt, auslegen und verstehen, in unsere Zeit hinüber übersetzen. Aber dazu muss man keine Fachperson sein.

Das Wichtigste, was du der Bibel geben kannst, ist dein Vertrauen und deine ungeteilte Aufmerksamkeit. König Josia ließ sich das Buch Gottes vorlesen – und vertraute ihm. Er zog es nicht in Zweifel. Er hörte – und begann, es umzusetzen. Sehr wahrscheinlich war das Buch, das die Arbeiter im Tempel fanden, das 5. Buch Mose. Josia hörte die Abschiedspredigt von Mose, als Mose kurz vor seinem Tod noch einmal alles Wichtige wiederholte, was Gott ihm aufgetragen hatte.

Josia war bereit, sein toxisches Selbst zu hinterfragen und den Maßstab von außen, Gottes Wort, an sein Leben heranzulassen. Er wollte sich nicht rechtfertigen, sondern gab Gott recht. Er tat Buße, änderte sein Selbst und wurde damit zu einem geachteten König. Sein Vater und Großvater hatten ihre Baale und Ascheren und regierten in Wirklichkeit nach ihrem toxischen Selbst. Sie konnten als Könige alles tun und lassen, was ihnen einfiel – aber Gott sandte ihnen Propheten, um sie an die Wahrheit zu erinnern. Josia hatte Gott als Oberkönig und konnte so zu einem gerechten Hirten für sein Volk werden. Es gab zwar Machtstrukturen, aber keine mutwilligen, egoistischen.

Eine neue Gottesbegegnung

Wer ist Gott, und wenn ja, wie viele? Das erste Kriterium, das wir gesehen haben, ist ein grundsätzliches Vertrauen in die Bibel als Gottes Wort. Josia ließ damals die Prophetin Hulda nach Gottes Willen befragen. Uns ist ein direkter Zugang zum ganzen Wort Gottes gegeben. Und doch muss uns auch der Zugang zu Gott wieder freigeräumt werden. Es gibt in unserer Zeit die Vorstellung, dass Gott einfach GANZ ANDERS ist. Egal wie, Hauptsache ganz anders. Dahinter steckt folgender Gedanke: Gott wird in der Bibel ganz unterschiedlich gezeigt und mit vielem verglichen. Also kann ich mir von den ganz vielen Gottesbildern der Bibel irgend eins rauspicken, das mir gerade gefällt, oder eben auch gar keins.

Ist das realistisch und ehrlich? Nein. Viel besser ist es, wenn wir anfangen, die vielen Gottesbegegnungen in der Bibel übereinander zu legen und zusammen zu denken. Eine Art Synopse, eine Zusammenschau. Wenn du die Alpen von fern betrachtest und sie beschreiben sollst, kannst du auch nicht sagen: Heute sehen die Alpen aus wie das Matterhorn und übermorgen wie das Rothorn, und irgendwann anders wie Eiger Mönch und Jungfrau. Es geht auch nicht einfach zu sagen: Gott, das ist Jesus, und schon Luther hat gemeint, dass man die Bibel nach dem untersuchen müsse, „was Christum treibet“, also alles was irgendwie lieb klingt, und alles andere lasse ich außen vor.

Die weltweite Kirche oder Gemeinde Jesu aus allen Gläubigen aller Zeiten glaubt und bekennt sich zum dreieinen Gott. Das ist nichts, was man in die Bibel reinlesen muss. Das hat auch nichts mit patriarchalischem Machtverständnis und Ausgrenzung zu tun. Es ist ein Gott in drei Personen: Gott Vater, Jesus Christus und der Heilige Geist. Alle drei Personen sind gleichermaßen Gott und haben dieselbe göttliche Natur, aber Gott Vater ist nicht Jesus Christus ist nicht der Heilige Geist ist nicht der Vater. Schauen wir uns das an:

Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Die Erde aber war wüst und leer, und es lag Finsternis auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. (1. Mose 1:1-3)

Vergleichen wir mit:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist. […] Das wahre Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, sollte in die Welt kommen. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, doch die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; die nicht aus dem Blut, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Johannes 1:1-3,9-14)

Wer dies liest und glaubt, und dennoch die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes ablehnt, hat eine andere, fremde Religion angenommen. Wir haben hier Gott Vater, der die Schöpfung geplant hat und ausführt durch Sein Wort. Wir haben hier das Wort Gottes, Jesus Christus, Der eines Tages in Sein Eigentum kommen sollte, das wahre Licht, das in die Welt kam und unter uns wohnte. Und wir haben hier den Geist Gottes, der über den Wassern schwebt. Der dreieine Gott ist bei der Erschaffung der Welt beisammen, aber auch beim Erlösungswerk Jesu Christi am Kreuz auf Golgatha.

Das Sühnopfer Jesu: Deine persönliche Begegnung mit Gott!

Als der König Josia das Buch von Gottes Wort zu Ende gehört hatte, als die Ausbesserungen am Tempel weit fortgeschritten und die toxischen Altäre und Pfähle auf den Hügeln niedergerissen worden waren, feierte er mit seinem ganzen Volk ein riesiges Fest und schloss einen Bund mit Gott. Es war das Passafest, ein Fest, das an die Nacht des Auszugs aus Ägypten erinnern sollte. Am Abend vor dieser Nacht sollte in jedem Haus der Israeliten ein Lamm geschlachtet und das Blut des Lammes an die Türpfosten gestrichen werden.

Das Sühnopfer zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel: Es beginnt mit 1. Mose 3, wo die ersten Menschen in Sünde fallen. Da kommt Gott, schlachtet Tiere und bekleidet die Menschen mit den Fellen, damit sie sich ihrer Schuld und Nacktheit nicht mehr zu schämen brauchten. Das erklärt auch in 1. Mose 4, warum Gott das Tieropfer annahm und das Gemüseopfer zurückwies. Der Höhepunkt des Alten Testaments findet sich dann in 3. Mose 16 mit dem jährlichen großen Versöhnungstag, an dem die Schuld des ganzen Volkes vor Gott gesühnt wurde. Und dann im Neuen Testament, um die Zeit des jährlichen Passafestes herum, wird Jesus Christus gekreuzigt, das wahre Opferlamm.

Das Kreuz auf Golgatha ist der größte Schauplatz der Liebe Gottes. Da sehen wir Gottes Wesen in der vollkommensten, reinsten Form. Da sehen wir Gottes Heiligkeit, Gottes Hass und unendlicher Zorn auf die Sünde. Da sehen wir Gottes Gerechtigkeit, die nicht einfach mal fünfe gerade sein lassen kann. Da sehen wir Gottes Liebe, die so weit geht, dass Gott Selbst die Strafe für unsere Schuld trägt. Da sehen wir die Schönheit Gottes, in welcher alle diese Eigenschaften Seines Wesens zusammen kommen, geballt und verdichtet, Gottes verzehrendes Feuer, Gottes helles Licht, das kein Mensch ertragen kann, der nicht von Gott gerecht gesprochen wurde. Da sehen wir die alles entwaffnende Ehrlichkeit Gottes, die unser Leben ausleuchtet und zeigt, wie sehr wir die Erlösung brauchen. Dort am Kreuz ist der Ort, an welchem du Gott ganz persönlich begegnen kannst. Die Arme Jesu sind offen, ER wartet voll Sehnsucht auf deine Antwort des Glaubens.

Wenn wir Gott ganz neu entdecken wollen, gibt es diese drei Dinge, die absolut wichtig und unerlässlich sind: Ein Grundvertrauen in die Bibel, den Glauben an den dreieinen Gott und ein Festhalten am notwendigen Sühnopfer Jesu am Kreuz auf Golgatha. Diese drei Zutaten sind drei Brückenpfeiler, die ein stabiles Fundament für Einheit und Gemeinschaft aller Christen weltweit schaffen.

Buchtipp: Leb deine Wahrheit

und andere Lügen

Childers, Alisa, Leb deine Wahrheit – und andere Lügen, Fonts-Verlag Basel, 2023 Amazon-Link

Leb deine Wahrheit!“, „Authentizität ist alles!“, „Du lebst nur einmal!“, „Nur die Liebe zählt!“ Dies sind ein paar der platten Lügen, die in unserer Zeit weit verbreitet sind und die Alisa Childers schonungslos aufdeckt. Auch in christlichen Kreisen hört man solches immer wieder. Besonders dort, wo sich die „Dekonstruktion“ des Glaubens etabliert hat, ist man erstaunlich unkritisch offen für so übersimplifizierte Lügen.

Die Autorin – ja, ich bin sehr dankbar, dass es in unserer Zeit immer mehr Autorinnen gibt, die uns viel zu sagen haben, oft genug mehr als viele männliche Autoren zusammen – kam aus einer Gemeinde, die theologisch immer progressiver wurde. Wie sie sich aus den Fängen dieses Progressivismus befreien konnte, beschreibt sie in ihrem ersten Buch „Ankern“ (Link). Nun hat sie nachgelegt und beschreibt eine Reihe von dekonstruktiven Glaubenslügen.

Es sind recht kurze, knackige, aber auch inhaltlich klare, deutliche Kapitel. Sehr viele anschauliche Beispiele (mir persönlich waren es ehrlich gesagt zu viele Beispiele) aus dem Leben helfen, sich das Ganze richtig vorzustellen. Ich denke, jeder, der das Buch liest, wird von Zeit zu Zeit innehalten müssen, um das Gelesene zu verdauen. Sei es, weil man schon zu viele dieser Lügen inhaliert hat, sei es, weil man sich an die deutliche Sprache gewöhnen muss, oder sei es (wie in meinem Fall), dass man zuweilen vor lauter Beispielen und #Hashtags den roten Faden des Buches verloren hat und sich erst wieder daran erinnern muss, wo man davor war.

Der Höhepunkt des Buches ist eindeutig der Schluss, der krönende Abschluss des Buches. Da geht es in einem Unterkapitel um das Kreuz Jesu. Childers schreibt: „Keine der Lügen, über die wir in diesem Buch gesprochen haben, kann im selben Raum wie das Kreuz existieren. Wenn du dir selbst genügen willst, kannst du das Kreuz nicht ertragen. Es ist das Ärgernis, das uns zeigt, dass wir aus uns selbst nicht genügen, und es ist das Heilmittel für den Mangel, der aus unserem Nichtgenügen folgt. […] Das Kreuz wird niemals ein Werkzeug des Friedens sein, solange es nicht zum Werkzeug des Todes wird.“ (S. 227f)

Das sind Sätze, die tief sinken müssen. Das braucht Zeit zum Nachdenken. Zeit zum Gebet. Zeit, um Gott immer wieder ganz neu (und doch genau so wie viele Generationen vor uns) kennen zu lernen.

Ich empfehle das Buch sehr und gebe ihm 5 von 5 Sterne.