Lobpreiskultur – Auf die Liedwahl kommt es an

Im zweiten Blogpost zum Thema „Lobpreiskultur – für wen machen wir das eigentlich?“ haben wir gesehen, dass unsere Motive, unsere Beweggründe für den Lobpreis wichtig sind. Lobpreis zu leiten ist eine pastorale Aufgabe, und das sollte stets so geschehen, dass niemand vom Lobpreis ausgeschlossen wird – weder bewusst noch unbewusst. Hier hat die Auswahl der Lieder eine wichtige Funktion.
Von allen Lobpreisliedern, die schon geschrieben wurden, sind etwa 2% so gut, dass sie ein Jahrhundert oder noch länger überdauern können. Viele andere stehen später zwar immer noch in den Liederbüchern, aber weil sie niemand mehr kennt, gehen sie dennoch unter. Wir haben heute das große Vorrecht, auf den Liedschatz der besten 2% der Lieder aus 2000 Jahren Kirchengeschichte zurückgreifen zu können – und zugleich die Verantwortung, die Lieder unserer Zeit zu prüfen und die besten 2% zu finden. Wir müssen nicht auf jeden neuen Zug aufspringen. Weniger ist hier oft mehr, denn jedes neue Lied, das gelernt werden muss, bedeutet für die Gemeinde wieder eine neue Aufgabe, die es zu bewältigen gibt. Dies ist keinesfalls ein Aufruf, auf neue Lieder zu verzichten, aber zumindest die Bitte, sich zum Wohl der Gemeinde bei jedem neuen Lied, das eingeführt werden soll, noch ein zweites und drittes Mal zu fragen, ob das Lied tatsächlich der ganzen Gemeinde dient und folgende drei Kriterien erfüllt.
1. Lieder mit Botschaft und Tiefgang
Das erste und vermutlich wichtigste Kriterium ist inhaltlicher Art. Es geht um die Theologie, die hinter einem Text steht. Hat das Lied eine Botschaft? Erzählt es von der Gnade, von der Größe, Herrlichkeit, Heiligkeit, Gerechtigkeit und Liebe Gottes? Von der Ewiggültigkeit und absoluten Zuverlässigkeit der Bibel? Von der Schöpfung und Erlösung? Von der Reinigung und Heiligung von der Sünde durch den Heiligen Geist? Von der Sündhaftigkeit des Menschen? Von der Wiederkunft Jesu Christi als Richter aller Lebenden und Toten? Vom Leben und Auftrag der Kinder Gottes? Von der Schönheit der Gemeinde?
Nicht jedes dieser Themen muss in jedem Lied vorkommen, aber es geht im Lobpreis nicht darum, Jesus als Kumpel von nebenan zu begrüßen und ein wenig auf schöne Family zu machen. Auch sind Zweizeiler, die 50 Mal wiederholt werden müssen, um von der Länge her als Lied wahrgenommen zu werden, nicht gerade besonders tiefgründig.
2. Lieder mit verständlichen, korrekten Texten
Jeder sollte verstehen können, was er singt. Das ist zunächst eine Frage der Sprache eines Liedes. Versteht jede und jeder in der Gemeinde die englische Sprache so gut, dass man ganze Lieder in jener Sprache singen kann? Da kann die Situation in einem Jugendgottesdienst schon ganz anders sein. Bei übersetzten Liedern gibt es wieder etwas zu bedenken: Stimmt denn der deutsche Text inhaltlich überhaupt noch mit dem englischen Original überein? Da wäre zum Beispiel das absolut schöne englische Lied „In Christ Alone“ von Keith Getty und Stuart Townend. In der deutschen Version ist ein neues Lied entstanden, das außer der Melodie kaum noch etwas mit dem englischen Original gemeinsam hat. Hier wäre allerdings auch nötig, dass die deutsche Lobpreisszene wachsen kann. Und nicht zuletzt ist auch die Rechtschreibung eine häufig vernachlässigte Kunst. Doch wird in der Gemeinde durch falsche Ordokravieh – äh, pardon, natürlich Orthographie, wem ist es denn aufgefallen? – auch nur eine Person vom Singen abgehalten, so sind wir wieder unserer Aufgabe, jedem das Mitmachen zu ermöglichen, nicht gerecht geworden.
3. Lieder mit klarer, singbarer Melodie und Tonlage
Was der Gemeinde ebenso beim Mitsingen hilft, ist eine klare, deutliche und singbare Melodie. Sie sollte innerhalb des singbaren Spektrums liegen. Da auch zu Hause immer seltener gesungen wird, fehlt am Sonntag bei den meisten Gottesdienstbesuchern die Übung, die nötig ist, um ein möglichst großes Spektrum abzudecken. Kenny Lamm bestimmt in einem sehr lesenswerten (englischen) Artikel das ideale Spektrum zwischen dem A in der tieferen Oktave und dem D eine Oktave höher. Lieder, deren Spektrum noch weiter auseinandergeht, sind für den durchschnittlichen Gottesdienstbesucher gar nicht singbar. Wir tun deshalb auch gut daran, die Lieder so zu transponieren, dass die gesamte Melodie innerhalb dieses Spektrums bleibt. Zuweilen führt dies zu komplizierten Akkorden, aber gerade damit können wir wieder zeigen, dass eine gute Gruppe von Musikern auch das schafft. Professionalität zeigt sich beim Lobpreis gerade nicht darin, zu zeigen, was andere nicht können, sondern sich auf die Bedürfnisse der Gottesdienstbesucher einzustellen und ihnen zu dienen. 
Vielleicht wäre es auch an der Zeit, die guten neuen Lobpreislieder wieder zweistimmig zu komponieren und zu singen?

Lobpreiskultur – für wen machen wir das eigentlich?

Im ersten Blogpost zum Thema „Lobpreiskultur – Alles Show oder was?“ habe ich anhand eines englischen Artikels von Thom Schultz einen allgemeinen Überblick über die Problematik der heutigen Lobpreiskultur gegeben. Heute möchte ich etwas tiefer graben und nach der richtigen Motivation für den Lobpreis suchen. In vielen amerikanischen Gemeinden heißt der Lobpreisleiter „worship pastor“ (zu deutsch also „Lobpreis-Pastor“). Er erfüllt eine wichtige pastorale Aufgabe innerhalb des Gottesdienstes. Wir täten gut daran, den Lobpreisleiter als Pastor zu betrachten, welcher der ganzen Gemeinde dienen soll.
Drei Dimensionen des Lobpreises
Der Lobpreis-Pastor und mit ihm das ganze Team (zuweilen besteht es nur aus einer Person, öfter jedoch aus ganzen Orchestern oder Bands) führt die singende Gemeinde in drei Dimensionen des Lobpreises hinein. Um der Einfachheit willen unterscheide ich hier noch nicht zwischen den zwei Kategorien „Lobpreis“ (Lob für Gottes Werke) und „Anbetung“ (Lob für Gottes Wesen). Vielleicht komme ich darauf in einem anderen Post noch zu sprechen.
Lobpreis findet in drei Richtungen statt: Nach oben – zu Gott; nach außen – um mich herum – zu meinem Umfeld; nach innen – zu mir selbst:
Nach oben: Zuerst ist Lobpreis immer an Gott gerichtet. Der Singende dankt Gott, lobt Gott, betet Gott an, schüttet Gott sein Herz aus, und so weiter. Gemeinsame Lieder sind ein Hilfsmittel, das vielen Menschen hilft, ihre Situation, Gefühle und Gedanken in Worte zu kleiden. Lobpreis ist ein Gebet, ein Reden zu Gott, und zwar ein korporatives, ein gemeinschaftliches Reden zu Gott.
Nach außen: Die zweite Richtung geht nach außen. Im Lobpreis spreche ich meine Mitmenschen an, ich spreche ihnen die Größe und die wunderbaren Werke Gottes zu, ich mache ihnen Mut, an diesem Gott, dem ich alles in meinem Leben zu verdanken habe, festzuhalten. Ich sage ihm: Du bist nicht allein, es sind noch andere, die mit ähnlichen Situationen zu kämpfen haben, aber wir haben einen gemeinsamen Gott, der größer ist.
Nach innen: Damit ist keine mystische Versenkung in sich selbst gemeint, sondern der Zuspruch an sich selbst, dass dieser Gott, den wir gemeinsam loben, auch die eigene Lage im Griff hat. Ich mache mich bereit, diesem Gott der Bibel im Horchen auf die Predigt und im darauffolgenden Gehorchen persönlich zu begegnen.
Wem wollen wir wirklich dienen?
Ausgehend von diesen drei Dimensionen sehen wir, dass es wichtig ist, jedem Einzelnen in der Gemeinde zu helfen, dass er auch ein Teil dieses Lobpreises sein kann und darf. Es geht zuerst um Gott und um die Gemeinde. Lobpreis soll zuerst auf Gott hinweisen. Das Lobpreis-Team hat die Aufgabe eines Scheinwerfers: Ein Scheinwerfer, der sich selbst beleuchtet, tut seine Aufgabe sehr schlecht. Seine Aufgabe ist es, etwas anderes anzuleuchten und es sichtbar zu machen. So ist es das große Privileg, im Lobpreis auf Gottes Größe und Herrlichkeit hinzuweisen. Weil Gott exzellent ist, darf unser Musizieren auch exzellent sein. Wir müssen keine Fehler einbauen. Aber wir sind mit unserer Musik und dem Gesang in erster Linie Diener der Gemeinde. Unsere Aufgabe ist es, alles so zu arrangieren, zusammenzustellen, zu üben und zu spielen, dass möglichst jeder einzelne Besucher des Gottesdienstes möglichst gut mitsingen und die drei Dimensionen des Lobpreises miterleben kann.
Die eigene innere Haltung ist hierbei sehr wichtig. Sie sollte immer mal wieder überprüft werden:
– Worum geht es mir? Wem möchte ich mit meinem Instrument oder Gesang, mit meinem Können und Wissen dienen?
– Wie tue ich das am besten?

– Wie können wir als Lobpreis-Team der Gemeinde noch besser helfen, dass möglichst jede und jeder mitsingen kann und will?

Die Bibel „meistern“ – eine Idee für die „Stille Zeit“

Gegen Ende des letzten Jahres habe ich mir folgende Frage gestellt: Die letzten 12 Jahre habe ich die Bibel jedes Jahr einmal ganz durchgelesen in meiner (oft nicht grad allzu stillen) „Stillen Zeit“. Verschiedene Versionen von Bibelleseplänen habe ich dazu genutzt, aber irgendwie habe ich mal nach was ganz Neuem gesucht. Beim Googeln bin ich dann auf einen englischen Artikel von Fred Sanders auf Patheos gestoßen, der das Buch von James Gray „Mastering The English Bible“ vorstellt (inzwischen scheint der Artikel bereits im Nirvana angelangt zu sein – allerdings lässt er sich über die „Wayback Machine“ noch abrufen). Die Idee dahinter fand ich sehr spannend, so habe ich mir das Buch von Gray gleich mal als PDF (Link) heruntergeladen und gelesen.
Wer war James Gray?
James Martin Gray (1851 – 1935) war Pastor, Bibellehrer, Autor, Dozent und Präsident des Moody Bible Institute in Amerika. Nebst den 25 Büchern, die er schrieb, hat er auch einige Kirchenlieder verfasst. Er arbeitete lange Zeit mit dem Evangelisten Dwight L. Moody zusammen. Über die Entdeckung „seiner“ Methode des Bibellesens schreibt er:
Die erste praktische Hilfestellung, die ich je bekommen habe, um die englische Bibel zu meistern, stammt von einem [theologischen] Laien. Wir waren gemeinsam Besucher einer bestimmten christlichen Konferenz oder Zusammenkunft und für ein paar Tage zusammengewürfelt, und ich sah in seinem Leben als Christ etwas, was für mich vergleichsweise fremd war: Ein Frieden, eine Ruhe, eine Freude, ein geistliches Gleichgewicht, womit ich nur wenig Erfahrung hatte. Eines Tages wagte ich ihn zu fragen, wie er denn zu dieser Erfahrung gekommen sei. Er antwortete: „Indem ich den Brief an die Epheser gelesen habe.“ Ich war erstaunt, denn ich hatte ihn gelesen, ohne zu diesem Resultat zu kommen, und deshalb bat ich ihn, mir die Art und Weise, wie er ihn gelesen habe, zu erklären, als er folgendes berichtete: Er war dann und wann aufs Land gegangen, um dort den Samstag mit seiner Familie zu verbringen, als er eine Taschenausgabe des Epheserbriefs dabei hatte, und am Nachmittag, als er in den Wald ging und unter einen Baum lag, begann er zu lesen; er las ihn in einem Zug durch und fand sein Interesse erwacht, und las ihn gleich noch einmal auf dieselbe Art, und unter zunehmendem Interesse wieder und wieder. Ich glaube er fügte hinzu, dass er ihn etwa 12 oder 15 Mal durchlas: „Und als ich aufstand, um ins Haus zu gehen“, sagte er, „war ich im Besitz des Ephesebriefs, oder, besser gesagt, er war im Besitz von mir, und ich war ‚hochgehoben um an himmlischen Örtern zu sitzen in Christus Jesus‘ in einer Weise, die auf Erfahrung gegründet war, wie das zuvor noch nicht so mit mir war, und es wird nie wieder aufhören, so zu sein.“ Ich gebe zu, dass mein Herz voll Dankbarkeit zu Gott war für das erhörte Gebet, als ich diesem einfachen Vortrag zuhörte, ein Gebet seit Monaten, wenn nicht seit Jahren, dass ich erfahren möge, wie man Sein Wort meistern kann. Und doch, gleichzeitig zu dieser Dankbarkeit kam auch die Demütigung hinzu, dass ich ein so einfaches Prinzip zuvor noch nicht entdeckt hatte, welches ein Junge von zehn oder zwölf Jahren hätte kennen können. Und daran zu denken, dass ein „ordinierter“ Pfarrer zu den Füßen eines [theologischen] Laien sitzen muss, um das wichtigste Geheimnis seines Handwerks zu lernen!“ (James M. Gray, How To Master The English Bible, S. 17ff, Übersetzung von mir)
Worum geht es bei seiner Methode?
Das Wichtigste der Methode ist damit erklärt. Normalerweise wird man dazu angeleitet, die Bibel Buch für Buch durchzulesen und dann wieder vorne anzufangen. Gray schlägt jetzt auch vor, vorne anzufangen, aber das erste Buch der Bibel nicht nur einmal, sondern gleich 20 Mal zu lesen, bevor das zweite Buch dran kommt. Gray gibt ein paar Regeln zu diesem Lesen:
1. Fang vorne an, beginne dort zu lesen, wo Gott mit Schreiben begonnen hat.
2. Lies das Buch. Es kommt nicht auf unsere Geschwindigkeit an, sondern einfach darauf, es zu lesen.
3. Lies das Buch fortlaufend. Immer weiter. Manche Bücher können auch in einzelne Abschnitte geteilt werden, die das Lesen erleichtern.
4. Lies das Buch immer und immer wieder. Gray schlägt 20 Wiederholungen vor. Dies scheint mir sinnvoll zu sein.
5. Lies das Buch unabhängig von Kommentaren, Erklärungen und Ähnlichem. Fremde Hilfe ist in dem Fall immer nur wie eine Krücke, die uns von anderen abhängig macht.
6. Lies das Buch unter Gebet. Das ist die wichtigste Regel für Gray. Das ernnsthafte Suchen Gottes im Gebet hilft uns, das jeweilige Buch der Bibel vom Heiligen Geist erleuchtet zu lesen.
Was sind meine bisherigen Erfahrungen damit?
Auch wenn ich eine absolute Leseratte und ein großer Bibelfreak bin, hat mich eine Sache daran etwas erschreckt, und ich denke, dass dies für die meisten Menschen das größte Hindernis ist: Ganz vorne anzufangen, mit einem Buch, das 50 Kapitel lang ist. Bei 20 Wiederholungen macht das alles insgesamt 1000 Kapitel, was bedeutet, dass man bei einem Durchschnitt von 3 Kapiteln pro Tag fast ein ganzes Jahr im 1. Buch Mose verweilt. Bevor ich mich an ein solch großes Unternehmen wagte, wollte ich die Sache erst mal in Ruhe testen. So habe ich das erste Halbjahr von 2014 damit verbracht, kurze Bücher der Bibel nach dieser Methode zu lesen. Aus dem Neuen Testament die Johannes- und Petrusbriefe sowie Titus und die zwei an Timotheus, aus dem Alten Testament Ruth und einige der 12 „kleinen Propheten“, immer abwechselnd eines aus dem Alten und eines aus dem Neuen Testament.
Wer sich also auch fragt, ob sich das lohnen würde, dem empfehle ich, das Projekt so anzugehen. Welche Bücher man sich zu „Testzwecken“ aussucht, ist eine persönliche Geschmackssache. Für den Anfang lohnt es sich, mit kürzeren zu beginnen, da man die Schwierigkeiten auf diese Weise schneller ausfindig machen kann.
Was sind die Schwierigkeiten? Es ist ein großes Projekt, für das man sich einige Jahre (ich rechne bei mir als jemand, der schnell, gerne und viel liest, 15 Jahre für das gesamte Projekt. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, da dies im Durchschnitt 4 Kapitel pro Tag zu lesen bedeutet. Wer langsamer liest, sollte wohl eher mit 20 – 25 Jahren rechnen. Ebenso kommt man immer wieder an einen Punkt, an dem das Lesen schwierig wird. Es wird anstrengend. Man fragt sich: „Wie oft denn noch?“ In diesen Momenten ist es wichtig, dran zu bleiben und weiter zu lesen. Wieder und wieder und noch einmal. Hier ist Disziplin und ein gewisses Maß an Selbstbeherrschung nötig.
Mein persönliches Fazit
Meine bisherigen Erfahrungen damit sind sehr gut. Es ist sehr hilfreich, über längere Zeit in ein und demselben Buch der Bibel zu „wohnen“ und zu bleiben. Ich werde das Projekt ab dem Juli diesen Jahres starten. Ich bin gespannt, wie es laufen wird und was dabei herauskommt. Das 1. Buch Mose werde ich in folgenden Teilen lesen: 1. Mose 1–11 (Urgeschichte), 1. Mose 12–25 (Abraham), 1. Mose 26-35 (Isaak und Jakob) und 1. Mose 36-50 (Joseph). Ich werde mir für das „Zählen“ der Leserunden eine Tabelle zum Abhaken / Ankreuzen machen. Falls Interesse besteht, kann ich diese auch zum Download bereitstellen.
Was hältst Du nach dem Lesen diesen Beitrags von der Idee? Wenn es die (momentan eher knappe) Zeit erlaubt, werde ich ab und zu mal wieder von den Ergebnissen berichten.

Ausflug zur Erzgrube / Nagoldtalsperre

Da heute ein freier Tag ist, haben wir uns kurzerhand entschieden, zur Erzgrube zu fahren. Das ist ein schöner Stausee im Nordschwarzwald.
 Dort angelangt wurden die Inline-Skates ausgepackt und die diesjährige Inliner-Saison eingeläutet. Erst einmal um den Stausee herumgefahren.
 Danach gab es beim Seeheiner – übrigens eine sehr leckere und empfehlenswerte Gaststätte – ein gutes Mittagessen. Für mich einen großen italienischen Salatteller mit Thunfisch und Zwiebelringen.
 Natürlich durfte auch ein Nachtisch nicht fehlen. Kaffee und Cappucchino mit Eis.
Wie man sehen kann, ist der Seeheiner gut frequentiert. Besonders Fahrer von großen, schweren Zweirädern kommen hier gern vorbei.
 Auch die Bibelverse, die an vielen Orten am Ufer entlang angebracht sind, gefallen mir gut. Manchmal muss man sie ein wenig suchen, um sie zu finden. Das macht es spannend 😉
 Nach dem Mittagessen haben wir uns noch auf eine Liegewiese am Ufer des Stausees hingelegt…
 … und gechillt.
Ein sehr schöner freier Tag.

Lobpreiskultur – Alles Show oder was?

Eins gleich vorweg: Ich bin in der glücklichen Lage, zu einer Gemeinde zu gehören, in welcher ich kaum etwas am Lobpreis auszusetzen habe. Bei uns sind die Lieder vielfältig, das Spektrum reicht von Martin Luther und Paul Gerhardt bis zu Hillsong und der OutBreakBand, die alle gleichwertig nebeneinander stehen und auch in denselben Gottesdiensten gesungen werden.
Dennoch fällt mir auf, wie sich in vielen Gemeinden eine Lobpreiskultur breitmacht, die in eine Richtung geht, die mir zu denken gibt. Ich möchte deshalb in mehreren Blogposts auf verschiedene Aspekte eingehen, die mir auffallen und über die ich mit meinen Lesern nachdenken möchte. Ich bitte bewusst um Mitdenken und um Rückmeldungen, denn ich bin mir wohl bewusst, dass ich nur von meiner subjektiven Sichtweise herkommen kann und meine Beiträge deshalb ergänzungs- und korrekturbedürftig sind.
Aufgefallen ist mir immer wieder, wie oft es Lobpreiszeiten gibt, in denen nur wenige Menschen mitsingen. Ich persönlich liebe es, zu singen, ich bin mit Musik und Gesang aufgewachsen, und für mich ist eine Lobpreiszeit, bei der ich selbst nicht mitsinge, einfach unvorstellbar. Doch in manchen solcher Zeiten, wenn man sich verstohlen umblickt, fällt auf: Da sind bei vielen Liedern gerade mal noch 25 – 30% der Anwesenden am Mitsingen. Zuweilen noch weniger. Ich persönlich frage mich da halt, wozu der Lobpreis denn dann überhaupt noch dienen soll.
Eine wichtige Bibelstelle zum Lobpreis finden wir bei Paulus im Epheserbrief: Und berauscht euch nicht mit Wein, worin Ausschweifung ist, sondern werdet voller Geist, indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt! Sagt allezeit für alles dem Gott und Vater Dank im Namen unseres Herrn Jesus Christus!(Epheser 5, 18 – 20)
Hier stellt uns Paulus den Lobpreis – das gegenseitige Zusprechen von Gottes Wort durch Lieder und gesungene Psalmen – als etwas vor, was dazu führen soll, dass wir voll vom Heiligen Geist werden. Hier ist jetzt kein Platz für eine nähere Ausführung einer „Theologie des Lobpreises“, auch wenn ich das gerne írgendwann mal in Angriff nehmen möchte. Aber es wird klar, dass Lobpreis etwas ist, bei dem alle mitmachen sollen (können). Natürlich auf freiwilliger Basis. Aber es soll zumindest niemand davon ausgeschlossen werden.
Natürlich: Wir schließen nie jemanden bewusst davon aus, das ist klar. Jeder darf mitmachen. Und doch werden manche Leute unbewusst ausgeschlossen, und zwar leider ziemlich schnell und häufig. Da mich das Thema schon seit Längerem beschäftigt, war ich natürlich sehr interessiert, als mir auf Facebook gleich von mehreren Freunden der folgende Artikel  von Thom Schultz empfohlen wurde: http://holysoup.com/2014/05/21/why-they-dont-sing-on-sunday-anymore
Thom Schultz beschreibt in diesem Artikel seine Probleme, die er mit der heutigen Lobpreiskultur hat. Ich kann diese vier Gründe vollkommen unterschreiben – auch wenn ich denke, dass sie mehr an der Oberfläche kratzen. Deshalb werde ich noch in weiteren Posts etwas tiefer graben. Aber für den Anfang wäre schon viel erreicht, wenn man sich mit diesen vier Punkten auseinandersetzt und daran etwas ändert. Hier also Thoms vier Punkte in meinen Worten (es ist keine wörtliche Übersetzung des Textes) zum Teil mit meinen persönlichen Anmerkungen dazu:
1. Alles Show oder was?
Thom bemängelt, dass der Lobpreis in vielen Gemeinden schon als Show aufgebaut ist – wie ein Konzert. Das Lobpreis-Team macht eine Show, der Rest besteht aus erwartungsvollen Zuschauern, die sich auf das freuen, was ihnen geboten wird. Die Band wird im Rampenlicht gut inszeniert, der Rest sitzt im Dunkeln.
2. Die Professionalität
In etwas gut zu sein ist nichts Verwerfliches. Im Gegenteil – es ehrt Gott. Aber gerade beim Lobpreis – zumindest wenn man sich wünscht, dass die Leute mitsingen – ist weniger oft mehr. Es geht darum, gut zu spielen, keine Fehler zu machen, aber nicht, sich und sein Können ins Zentrum zu rücken.
3. Der Lärm
Die Lautstärke wird oft so hochgedreht, dass die Leute ohne Mikrophon ihre eigene Stimme nicht mehr hören können. Das ist frustrierend. Weshalb also noch mitsingen? Hier kommt oft eine Frage der Technik ins Spiel. In großen Räumen ist es schwierig (und teuer), die Musik so zu verstärken, dass man sie zugleich überall hören kann, ohne dass es zu laut ist. Das ist auch wieder eine Frage an das Gemeinde-Budget und die Professionalität der Techniker. Dennoch sollte die Lautstärke immer so dosiert sein, dass man sich selbst noch singen hören kann.
4. Die Auswahl der Lieder
Viele Lieder sind schwierig zu singen. Andere Lieder sind unbekannt. Der Großteil der Lieder in einer Lobpreiszeit sollte bekannt sein. Wenn neue eingeführt werden, dann eher selten und nicht zu häufig hintereinander. Und unbedingt auch darauf achten, dass sie in einer singbaren Tonlage sind. Ich merke selbst, dass sich das Spektrum der Töne verringert, seit ich nicht mehr regelmäßig im Chor sondern nur noch in der Gemeinde singe. Lieder müssen von der Gemeinde gelernt werden. Und manchmal gibt es auch Lieder, die einfach inhaltlich derart flach und leer sind, dass man sie besser gar nicht erst ins Repertoire aufnimmt. Zum Thema Liedauswahl werde ich voraussichtlich mal noch einen extra Blogpost machen.
So weit die vier Punkte von Thom Schultz. Alle vier habe ich schon öfter als oft erlebt, und alle vier sollten möglichst eliminiert werden, um den Menschen die Freiheit zu lassen, mitzusingen. Ich habe lange darüber nachgedacht, woher die Sache mit der Lobpreis-Show kommt. Hier meine Theorie: Viele Menschen genießen es, auf christlichen Konferenzen und ähnlichen Events zu sein. Sie kommen von diesen Events zurück in eine „normale“ Gemeinde, in denen solche „Event-Kicks“ fehlen. Einige meiden deshalb die örtlichen Gemeinden, weil diese das nicht bieten können. Also „müssen“ nun die sonntäglichen Gottesdienste auch zu solchen „Events“ werden. Professionelle Musik, emotionaler Kick und mitreißende Botschaft. Außerdem lassen sich Menschen mit Musik im Hintergrund viel besser zu einer Entscheidung bewegen – weil sie psychisch manipuliert sind. Hier meine Anfrage: Brauchen wir das echte (und oft sehr stille) Wirken des Heiligen Geistes tatsächlich durch Manipulation ersetzen?
Auf Deine Nachfragen, Antworten und weiteren Gedanken freue ich mich!

Auseinandersetzung mit dem EKD-Familienpapier

In zwei Wochen jährt sich die Veröffentlichung des Familienpapiers der EKD zum ersten Mal. Wie man sehen kann, ist diese „Orientierungshilfe“ auf viel Kritik gestoßen. Vielen Kritikpunkten muss ich zustimmen. Dennoch bin ich dankbar, dass dieses Familienpapier diese Diskussion angestoßen hat. Dies und manches mehr daran zu würdigen ist mir wichtig. Ebenso auch, Alternativen aufzuzeigen oder wichtige Punkte davon weiterzudenken.
Ehe und Familie sind die Grundbausteine jeder Gesellschaft. Deshalb ist es wertvoll, darüber nachzudenken, wie dies in unserer Zeit und Kultur gelebt werden kann, aber auch, was die örtlichen Gemeinden tun können, um Ehen und Familien in ihrem Leben und Auftrag zu unterstützen. Deshalb möchte ich hier meine Gedanken dazu weitergeben. Eine Kurzfassung davon ist bereits in der BfP-Monatszeitschrift GEISTbewegt! vom April erschienen. Der Text dieser Kurzfassung findet sich auch hier.
Die etwas längere Version meiner Auseinandersetzung mit der Orientierungshilfe kann hier als PDF heruntergeladen werden. Er darf kostenlos weitergegeben, gemailt, ausgedruckt und verbreitet werden. Anfragen, Korrekturen und Kommentare sind jederzeit willkommen.

Zum 450. Todestag von Johannes Calvin

Zum 450. Todestag von Johannes Calvin
Vor 450 Jahren (am 27. Mai 1564) ist der Genfer Reformator Johannes Calvin gestorben. Auch dann, wenn man nicht in allen Dingen seine Meinung vertritt, ist sein Werk von sehr großer Bedeutung – auch und gerade für die weitere Entwicklung westlichen Geschichte und Kultur der letzten 500 Jahre. Ich staune immer wieder erneut über seine große Gottes- und Menschenkenntnis, die sich auch besonders in seiner „Institutio“ niederschlägt. Hier die ersten Abschnitte daraus:
1. Ohne Selbsterkenntnis keine Gotteserkenntnis
All unsere Weisheit, sofern sie wirklich den Namen Weisheit verdient und wahr und zuverlässig ist, umfasst im Grunde eigentlich zweierlei: Die Erkenntnis Gottes und unsere Selbsterkenntnis. Diese beiden aber hängen vielfältig zusammen, und darum ist es nun doch nicht einfach, zu sagen, welche denn an erster Stelle steht und die andere aus sich heraus bewirkt.
Es kann nämlich erstens kein Mensch sich selbst betrachten, ohne sogleich seine Sinne darauf zu richten, Gott anzuschauen, in dem er doch „lebt und webt“ (Apg. 17, 28). Denn all die Gaben, die unseren Besitz ausmachen, haben wir ja offenkundig gar nicht von uns selber. Ja, selbst unser Dasein als Menschen besteht doch nur darin, dass wir unser Wesen in dem einigen Gott haben! Und zweitens kommen ja diese Gaben wie Regentropfen vom Himmel zu uns hernieder, und sie leiten uns wie Bächlein zur Quelle hin.
Noch viel deutlicher aber wird gerade in unserer Armut der unermessliche Reichtum aller Güter erkennbar, der in Gott wohnt. Besonders zwingt uns der jämmerliche Zerfall, in den uns der Abfall des ersten Menschen hineingestürzt hat, unsere Augen emporzurichten: hungrig und verschmachtend sollen wir von Gott erflehen, was uns fehlt, aber auch in Furcht und Erschrecken lernen, demütig zu sein. Denn der Mensch birgt ja in jeder Hinsicht eine Welt von Elend in sich, und seitdem wir der göttlichen Zier verlustig gegangen sind, macht eine beschämende Blöße unendlich viel Schande offenbar. Ist es aber so, dann muss ja notwendig jeder Mensch vom Bewusstsein seines heillosen Zustandes wenigstens zu irgendeinem Wissen von Gott getrieben werden. Wir empfinden unsere Unwissenheit, Eitelkeit, Armut, Schwachheit, unsere Bosheit und Verderbnis – und so kommen wir zu der Erkenntnis, dass nur in dem Herrn das wahre Licht der Weisheit, wirkliche Kraft und Tugend, unermesslicher Reichtum an allem Gut und reine Gerechtigkeit zu finden ist. So bringt uns gerade unser Elend dahin, Gottes Güter zu betrachten, und wir kommen erst dann dazu, uns ernstlich nach ihm auszustrecken, wenn wir angefangen haben, uns selbst zu missfallen. Denn von Natur hat jeder Mensch viel mehr Freude daran, sich auf sich selbst zu verlassen, und das gelingt ihm auch durchaus – solange er sich selbst noch nicht kennt, also mit seinen Fähigkeiten zufrieden ist und nichts von seinem Elende weiß oder wissen will. Wer sich also selbst erkennt, der wird dadurch nicht nur angeregt, Gott zu suchen, sondern gewissermaßen mit der Hand geleitet, ihn zu finden.
2. Ohne Gotteserkenntnis keine Selbsterkenntnis
Aber andererseits kann der Mensch auf keinen Fall dazu kommen, sich selbst wahrhaft zu erkennen, wenn er nicht zuvor Gottes Angesicht geschaut hat und dann von dieser Schau aus dazu übergeht, sich selbst anzusehen. Denn uns ist ja ein mächtiger Hochmut geradezu angeboren, und darum kommen wir uns stets durchaus untadelig, weise und heilig vor, wenn uns nicht handgreifliche Beweise unsere Ungerechtigkeit, Beflecktheit, Torheit und Unreinheit vor Augen halten und uns so überführen. Dazu kommt es aber gar nicht, wenn wir bloß auf uns selber sehen und nicht zugleich auf den Herrn; denn er ist doch die einzige Richtschnur, nach der ein solch Urteil über uns selbst erfolgen kann. Wir sind ja von Natur alle zur Heuchelei geneigt, und so befriedigt uns schon irgendein leerer Schein von Gerechtigkeit ebensosehr, wie es die Gerechtigkeit selber könnte. Und weil unter uns und um uns rein nichts zu erblicken ist, das nicht von schrecklicher Unreinigkeit befleckt wäre, so begeistert uns, solange wir über die Grenzen menschlicher Unreinheit nicht hinausblicken, schon das, was bloß ein bisschen weniger besudelt ist, weil wir es bereits für rein halten. Es geht wie bei einem Auge, das ausschließlich an den Anblick schwarzer Farbe gewöhnt ist – und das dann schon für schneeweiß hält, was vielleicht grau oder geschwärztes Weiß ist. Überhaupt können wir an dem leiblichen Sinnesorgan ein Beispiel nehmen, wie sehr wir in der Beurteilung unserer inneren Tüchtigkeit Trugbildern erliegen. Denn wenn wir am lichten Tage die Erde anschauen oder das, was uns umgibt, so wähnen wir wohl, ein starkes und durchdringendes Sehvermögen zu besitzen. Sobald wir aber die Sonne mit offenem Auge stracks anblicken wollen, so wird jene Sehkraft, die den Dingen dieser Erde gegenüber völlig ausreichte, ganz überwältigt und geblendet, so dass wir bekennen müssen, dass diese Sehkraft, so scharf sie im Irdischen war, gegen die Sonne geradezu Schwachsichtigkeit ist! Genau so ist es bei der Betrachtung unseres geistlichen Besitzes. Lenken wir den Blick nicht über die Erde hinaus, so sind wir mit der eigenen Gerechtigkeit, Weisheit und Tugend reichlich zufrieden und schmeicheln uns mächtig – es fehlte, dass wir uns für Halbgötter hielten! Aber wenn wir einmal anfangen, unsere Gedanken auf Gott emporzurichten, wenn wir bedenken, was er für ein Gott sei, wenn wir die strenge Vollkommenheit seiner Gerechtigkeit, Weisheit und Tugend erwägen, der wir doch gleichförmig sein sollten – so wird uns das, was uns zuvor unter dem trügerischen Gewand der Gerechtigkeit anglänzte, zur fürchterlichsten Ungerechtigkeit; was uns als Weisheit wundersam Eindruck machte, wird grausig als schlimmste Narrheit offenbar, was die Maske der Tugend an sich trug, wird als jämmerlichste Untüchtigkeit erfunden! So wenig kann vor Gottes Reinheit bestehen, was unter uns noch das Vollkommenste zu sein schien.
3. Der Mensch vor Gottes Majestät
Daher kommt es, dass nach vielfach wiederholten Berichten der Schrift die Heiligen von Furcht und Entsetzen durchgerüttelt und zu Boden geworfen wurden, sooft ihnen Gottes Gegenwart widerfuhr. Menschen, die zuvor, ohne seine Gegenwart, sicher und stark dastanden – jetzt, da er seine Majestät offenbart, sehen wir sie derart Schrecken und Entsetzen gejagt, dass sie geradezu in Todesangst niederfallen, ja vor Schrecken vergehen und fast zunichte werden! Daran merken wir, dass den Menschen erst dann die Erkenntnis seiner Niedrigkeit recht ergreift, wenn er sich an Gottes Majestät gemessen hat. Beispiele solcher Erschütterungen haben wir im Richterbuche wie auch bei den Propheten. Es ging soweit, dass im Volke Gottes die Redewendung in Gebrauch kam: „Wir müssen sterben, denn wir haben den Herrn gesehen“ (Ri. 13, 22; Jes. 6, 5; Ez. 1, 28; u. a.). Und wenn das Buch Hiob (z.B. Kap. 38 ff.) den Menschen durch das Bewusstsein seiner Torheit, Ohnmacht und Beflecktheit zu Boden werfen will, so dienen ihm stets die Beschreibungen von Gottes Weisheit, Kraft und Reinheit zum Beweise. Das ist berechtigt: Wir sehen, wie auch Abraham, nachdem er einmal von nahem des Herrn Herrlichkeit erschaut hat, um so besser erkennt, dass er „Erde und Asche“ ist (Gen. 18, 27). Elia vermag sein Nahen nicht mit unverdecktem Antlitz zu ertragen (1. Kön. 19, 13). Solcher Schrecken liegt in seinem Anblick! Was soll auch der Mensch tun, der doch Staub ist und ein Wurm, wenn selbst die Cherubim in heiliger Scheu ihr Angesicht verhüllen müssen! (Jes. 6, 2). Eben dies spricht Jesaja aus: „Der Mond wird sich schämen und die Sonne mit Schande bestehen, wenn der Herr der Heerscharen König sein wird“ (Jes. 24, 23). Das heißt: wenn er seine Herrlichkeit in voller Nähe offenbaren wird, dann versinkt auch das sonst Leuchtendste in Finsternis.“
(Johannes Calvin, Institutio, Unterricht in der christlichen Religion, übersetzt von Otto Weber, Buchhandlung des Erziehungsvereins Neukirchen, Kreis Moers, 1936)

Tim Lambesis von As I Lay Dying im Interview

Gedanken zum Interview mit Tim Lambesis
Als Fan von Musik etwas härterer Gangart mochte ich natürlich die Band „As I Lay Dying“ (AILD) schon seit Längerem. Als vor gut einem Jahr (am 7. Mai 2013) deren Frontmann Tim Lambesis verhaftet wurde, war ich dann doch etwas überrascht. Die Medien schlachteten dieses Ereignis natürlich bis zum Gehtnichtmehr aus. Am 16. Mai 2014 wurde er zu sechs Jahren Haft verurteilt. Jetzt endlich brach er sein Schweigen und gab Ryan Downey ein Interview (Link). Als ich es am vergangenen Sonntag las, dachte ich lange darüber nach. Es enthält viele Themen, die wirklich sehr wichtig für unsere Generation (und die nachfolgenden Generationen) sind. Ich möchte fünf davon herauspicken und kurz erläutern. Dennoch möchte ich jedem, der Englisch lesen kann, empfehlen, das gesamte Interview zu lesen. Vielleicht findet sich auch ein „freiwilliges Opfer“, das bereit wäre, das Interview zu übersetzen.
Zuerst die wichtigsten Inhalte in Kurzfassung: Tim Lambesis ist in einem christlichen Umfeld aufgewachsen. Nach seinem Schulabschluss begann er, mit Bands zu touren. Unter anderem hat er dann im Jahr 2000 die Band „As I Lay Dying“ gegründet, die schon nach kurzer Zeit Touren durch die ganze Welt hatte. 2004 heiratete er Meggan Murphy. Da er in der Zeit als Teenager mit seiner Gemeinde Bibelfreizeiten in sehr armen Ländern durchführte, wo ihn das Schicksal vieler Waisenkinder persönlich stark berührte, entschieden sie sich, Kinder aus Äthiopien zu adoptieren. Durch lange Touren als Band kam eine zunehmende Entfremdung zwischen Tim und seiner Frau auf. Er fühlte sich in den Zeiten, die er zu Hause verbrachte, immer stärker abgelehnt von Meggan, woraufhin er immer mehr Zeit im Fitness-Studio verbrachte, anstatt bei seiner Familie zu sein. Sie ihrerseits fühlte sich dadurch ebenfalls abgelehnt, weshalb sie sich an ihre adoptierten Kinder zu klammern begann und ihm immer weniger Zeit mit ihnen ließ. Um weiterhin als Muskeltyp zu gelten, nahm er nun auch noch Steroide, da seine Muskeln eine Grenze (ein „Plateau“, wo das natürliche Wachstum nicht mehr nur mit Bodybuilding weitergeht) erreichten. 2012 wurde ihm alles zuviel, weshalb er sich entschied, sich von seiner Frau zu trennen. Schon ein halbes Jahr zuvor hatte er ihr mitgeteilt, dass er nicht mehr wirklich an Gott glaube. Im Scheidungsprozess hatte sie alles getan, um ihm möglichst wenig Freiheiten mit den Kindern zu lassen, was ihn weiter wütend machte. Um eine traurige Sache kurz zu machen: Er kam dann auf die absolut schreckliche Idee, es wäre besser für ihn und die Kinder, wenn seine Ex-Frau nicht mehr leben würde. Über seinen Steroid-Dealer ließ er sich einen Auftragsmörder vermitteln, der ihm dann jedoch zum Glück einen Undercover-Agenten schickte, der Lambesis verhaften ließ, sobald er ihm den Auftrag gegeben hatte. So weit die Sicht von Lambesis, wie er sich im Interview äußert. Dass dieses Interview – wie alles – mit Vorsicht zu genießen ist, sollte klar sein; spätestens seit einer ersten Antwort des AILD-Gitarristen Nick Hipa (Link). Im Folgenden fünf Stichworte mit meinen Gedanken dazu, was wir von Tim Lambesis lernen können und was wir besser machen sollten.
1. Entfremdung
Das menschliche Gehirn ist hochkomplex – und mehr noch: Es ist sehr sehr dynamisch, anders gesagt: Es verändert sich ständig. Jeder Gedanke, jedes Bild, jedes aufgenommene Wort in unserem Leben hinterlässt bleibende Spuren. Jeder Mensch verändert sich also ständig. Rund um die Uhr. Das ist eine der großen Stärken des Menschen: Er kann sich so sehr gut und schnell an jede neue (veränderte) Situation anpassen. Entfremdung kommt zustande, wenn sich Menschen in sehr unterschiedliche Richtungen verändern. So braucht es in der Ehe und Familie immer wieder gemeinsame Zeiten, gemeinsame Erlebnisse, gemeinsame Erinnerungen. Kommunikation ist sehr wichtig und beeinflusst die Richtung, in die wir uns verändern. Tim Lambesis war oft über Monate auf Tour und von seiner Frau und den Kindern getrennt. So haben sie sich in sehr unterschiedliche Richtungen entwickelt. Dies kommt auch in Familien vor, die keine Profimusiker sind. Das gemeinsame Fernsehen kann diese Entwicklung nicht aufhalten. Auch der Computer und das Handy oder Smartphone drängt sich häufig in den Vordergrund und verhindert die gemeinsame Veränderung in dieselbe Richtung.
2. Identität
Die Fragen „Wer bin ich? Was macht mich aus? Was macht mich besonders?“ stellt sich jeder Mensch im Laufe seines Heranwachsens. Tim war sein Leben lang in einem christlichen Umfeld, doch nicht selten wird auch hier nicht wirklich eine Antwort auf diese Fragen gegeben. Junge Menschen brauchen Vorbilder, die ihnen sicht- und spürbar vorleben, was es bedeutet, ein Mann oder eine Frau, ein Vater oder eine Mutter zu sein. Viel zu lange haben unsere Gemeinden diese Aufgabe der Schule, den Hollywood-Filmen und dem BRAVO-Magazin überlassen. Wo sind die Frauen und Mütter, wo die Männer und Väter, die der nächsten Generation zeigen, was es bedeutet, eine gelingende Ehe und Familie zu haben? Tim Lambesis hat seine vermeintliche Identität im Erfolg als Musiker und Bodybuilder gefunden. Er bereut zutiefst, wohin das geführt hat. Lasst uns Gemeinden bauen, die der nächsten Generation eine echte Identität zu vermitteln vermögen.
3. Apologetik
Lambesis erzählt in seinem Interview, dass er sich mit den Fragen beschäftigt hat, die der sogenannte „Neue Atheismus“ an den christlichen Glauben stellt. Und irgendwann hat er sich auf deren Seite gestellt und den Glauben an Gott abgelehnt. Erst nach seiner Verhaftung, als er viel Zeit alleine verbrachte und Zeit zum Nachdenken hatte, stellte er sich wieder diesen Fragen. Der Apologet William Lane Craig, von dem er insgesamt um die 1000 Buchseiten las, half ihm dabei. Auch hier wieder eine Anfrage an unsere Gemeinden. Sind wir bereit, die nächste Generation auf das Leben vorzubereiten? Spätestens an der Schule wird jede und jeder heutzutage mit den Argumenten des „New Atheism“ konfrontiert. Haben wir den jungen Menschen Antworten, echte Antworten, auf all diese Fragen? Können wir ihnen helfen, Tools zu entwickeln, mit deren Hilfe sie sich im ganzen Dschungel der Irrlehren, Religionen und Ideologien zurechtfinden können? Sind wir bereit, uns ganz auf die jungen Menschen einzulassen und ihnen ins Leben hinein zu helfen?
4. Christliche Kultur
Eine ganz wichtige Aussage machte Tim, als er über christliche Bands sprach. Er sagte: „We toured with more “Christian bands” who actually aren’t Christians than bands that are. In 12 years of touring with As I Lay Dying, I would say maybe one in 10 Christian bands we toured with were actually Christian bands.“ („Wir waren mit mehr „christlichen Band“ unterwegs, die in Wahrheit keine Christen waren, als mit solchen, die welche waren. In den zwölf Jahren, in denen ich mit As I Lay Dying unterwegs war, würde ich sagen, waren etwa eine von zehn Bands, mit denen wir unterwegs waren, tatsächlich christliche Bands.“) Es gibt eine Art „christliche Kultur“, die man deshalb „christlich“ nennt, weil ihre Erzeugnisse in den christlichen Buchläden zu finden sind. Ich bin kein Experte was die christliche Metalszene betrifft, aber ausgehend von dem, was ich bisher kenne, würde ich seine Zahl bestätigen. Nicht alles, was man in den christlichen Buchläden findet, ist christlich. Dasselbe trifft auch auf Bücher zu. Es gibt eine Unmenge an Büchern, die ich keinesfalls zur christlichen Literatur zählen würde, und die man da trotzdem antrifft. So ist auch hier Vorsicht und gutes Prüfen angesagt.
5. Meines Bruders Hüter
Den letzten Gedanken möchte ich zuerst einmal mir selbst zusprechen. Ja, ich bin ein Hüter meiner Mitmenschen. Ja, ich bin auch verantwortlich für sie. Lambesis bedauert, dass er sich verändert hat, ohne dass eines der anderen Bandmitglieder ihn auf die Richtung hingewiesen hat. Eines ist klar: Letztendlich trug er selbst die Verantwortung für seine Entscheidungen. Aber gerade seine Bandmitglieder, die ja auch viel Zeit mit ihm verbrachten, hätten ihn auch einmal darauf aufmerksam machen können oder sollen. Dies sei nie geschehen, sagt Lambesis nun. Ob das tatsächlich so war, oder ob dies lediglich die Sichtweise des Interviewten ist, lässt sich zur Zeit nicht mit letzter Sicherheit feststellen. Was aber auffällt, ist, dass sich immer weniger Menschen für andere mitverantwortlich fühlen. Lieber nichts sagen als jemandem „auf den Fuß zu treten“ ist die neue Devise geworden. Auch in vielen Gemeinden. Alles wird geduldet, überall zwei und mehr Augen zugedrückt, bloß damit die „Liebeskeule“ („das ist aber lieblos“, „du darfst niemanden verurteilen“, etc.) nicht hervorgeholt wird. Ich möchte meiner Geschwister Hüter sein und habe auch Glaubensgeschwister, die mich gut genug kennen, um meine Veränderungen sehen zu können, die in mein Leben hinein sprechen dürfen und sollen. Ganz nach Hebräer 10, 23 – 25: Lasst uns festhalten am Bekenntnis der Hoffnung, ohne zu wanken — denn er ist treu, der die Verheißung gegeben hat —, und lasst uns aufeinander achtgeben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken, indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie es einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das um so mehr, als ihr den Tag herannahen seht!

Zum 30. Todestag von Francis August Schaeffer

Heute vor 30 Jahren, am 15. Mai 1984, ist der Pastor, Theologe und insbesondere Apologet Francis August Schaeffer gestorben. Da er im deutschen Sprachraum inzwischen leider nicht mehr so bekannt ist wie er sein sollte, möchte ich ihn, sein Werk und seinen bleibenden Einfluss ein wenig näher vorstellen.
Deshalb habe ich eine PDF-Datei zum Download bereitgestellt. 
Eine noch ausführlichere Übersicht über die Schriften des Ehepaars Edith und Francis Schaeffer von Ron Kubsch steht übrigens im TheoBlog.de zum Download bereit.
Möge sein Leben und Werk wieder bekannter werden und vor allem: Möge uns sein Leben und Werk zum Vorbild dienen und uns danach streben lassen, wie Schaeffer nach einem authentischen Leben zu trachten. Die Menschen brauchen auch heute noch, was Schaeffer ihnen zu geben versuchte. Sein Motto war: „Ehrliche Fragen brauchen ehrliche Antworten.“

Wer noch mehr lesen möchte, dem empfehle ich als Einführung zu Schaeffer: Ron Kubsch, Wahrheit und Liebe – Was wir von Francis Schaeffer für die Gegenwart lernen können.

Hier die Einführung zu Schaeffer in meinem PDF:

„Vor 30 Jahren (am 15. Mai 1984) ist Francis August Schaeffer gestorben. Heute hört man relativ selten von ihm. Und doch war er ein Mann, der wie kaum ein Anderer die Menschen seiner Zeit kannte und liebte. Wer war denn dieser Francis Schaeffer? Was hat ihn zu dem Menschen gemacht, der er war? Und: Was kann er unserer Zeit lehren, was uns verloren gegangen ist? Diesen und vielen weiteren Fragen wollen wir nachgehen.

Heute, 30 Jahre nach seinem Tod, können wir vieles sehen, was Schaeffer uns geradezu prophetisch vorausgesagt hat. Mit seinem Tod ist eine schmerzliche Lücke entstanden, die so einfach niemand füllen kann. Zugleich hat er uns aber auch einen reichen Schatz an Schriften hinterlassen, die es absolut wert sind, immer wieder gelesen zu werden. Nicht nur gelesen, vor allem auch gelebt.

Francis Schaeffer war ein Mann, dem das Zusammenspiel von Glauben und Tun ganz besonders wichtig war. Er nahm die Menschen ernst, er lebte ihnen vor, was er predigte. So war sein „Missionswerk“ L’Abri (französisch für „die Zuflucht“) ein reines Glaubenswerk. Er schrieb keine Bettelbriefe, sondern erbat sich das fürs Leben Notwendige direkt bei Gott – und er bekam es.

Wir wollen in den folgenden Seiten das Leben von Schaeffer und seine Botschaft an unsere Zeit betrachten. Möge dieser Mann uns ermutigen, ein echtes, authentisches Leben zu führen, durch welches die Menschen die Kraft und Wahrheit Gottes erkennen können.“

Geschichtsepochen und ihre Auswirkungen Teil 1: Industrialisierung

Ich bin für viele Dinge dankbar, die uns unsere Kultur durch die Technik schenkt. Zugleich finde ich es aber auch wichtig, dass wir uns bewusst sind, dass die Technik nicht nur von uns benutzt wird, sondern uns zugleich verändert. Das ist an sich auch nicht unbedingt etwas Schlechtes. Erfinden und entdecken gehört zu unserem Schöpfungsauftrag dazu: Wir dürfen die Schöpfung gebrauchen, sind aber auch für sie verantwortlich, um sie zu pflegen und für ihr Bestes zu sorgen. Doch es ist wichtig, dass wir uns bewusst werden, was dadurch mit uns geschieht. Deshalb möchte ich verschiedene Epochen der Menschheitsgeschichte und ihre Auswirkungen auf die Menschheit und die Schöpfung in loser Folge betrachten. 
Die Industrialisierung
Ein besonders schwerwiegender Umbruch fand durch die Industrialisierung statt. Darunter versteht man die Zeit ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Sie fand zunächst in England statt, wo 1712 von Thomas Newcomen die erste Dampfmaschine erfunden und in Betrieb genommen wurde. Die Dampfkraft war erstmals eine Form der Energie, die in einer Weise gelenkt werden konnte, dass sie alles übertraf, was der Mensch mit Muskelkraft leisten konnte. Die Industrialisierung ist geprägt von zahlreichen Folgen für die Menschheit:
1. Die Arbeit in der Fabrik. Viele Menschen mussten plötzlich ihre Arbeit in der Fabrik erledigen. Dort wurde sie schneller und oft auch exakter gemacht. Der Familienbetrieb musste häufig dichtmachen, weil die Preise von den Produkten aus der Fabrik günstiger waren.
2. Dadurch wurde die Familie getrennt. Der Vater arbeitete in der Fabrik, der Rest der Familie blieb zu Hause. Das Umfeld, in welchem die Kinder bisher für ihr Leben lernen konnten, ging damit verloren. Auch heute ist der Vater in vielen Fällen nur noch derjenige, der „den Müll rausträgt“, weil er viel zu wenig Zeit zu Hause mit der Familie verbringen kann.
3. Es kam zu einer Entfremdung zwischen Arbeit und Familie. Der Arbeitsplatz war von nun an die öffentliche Sphäre, während die Familie immer weiter zum Rückzug in die Privatsphäre gezwungen wurde. Durch diese Veränderung wurde die Familie auch immer weniger als wertvoll betrachtet, weshalb sich zunehmend Frauen benachteiligt fühlten. Die Auswirkungen führten zur ersten Welle der Frauenrechtsbewegung, die damals durchaus berechtigt war und für die ich dankbar bin.
4. Durch die Aufteilung der Arbeit in der Fabrik kam es zu einer Entfremdung zwischen dem Arbeiter und seinem Produkt. War bisher der Arbeiter verantwortlich, dass das Endprodukt qualitativ hochwertig war, so übernahm dies nun ein Anderer. Der Einzelne war nur noch ein kleines Rädchen im ganzen Getriebe der Fabrik.
5. Durch diese Entfremdung wird der Mensch von einer Person mit der Fähigkeit zur Verantwortung und Beurteilung zu einer Sache degradiert. Er wird zu einem Teil der Maschine, die er bedienen und überwachen muss – in Wirklichkeit wird er von ihr überwacht, kontrolliert und beherrscht. Der Mensch wird zum Sklaven der Maschine, er braucht sie zu seinem Überleben, er ist von ihr abhängig.
6. Durch den Verlust des Lernumfelds im familiären Umfeld einerseits und der stets zunehmenden Notwendigkeit der Spezialisierung wurden die Bildungsstätten immer mehr ausgelagert. Die Schulen übernahmen diese Aufgabe immer stärker und so wurden Kinder der Familie entrissen. Natürlich gab es schon immer externe Schulen, wie zum Beispiel im mittelalterlichen Kloster und an den dortigen Universitäten, aber die eigentliche Wende wurde erst mit der Industrialisierung eingeleitet.
7. All diese Veränderungen wurden in einer weiteren Entwicklungsphase noch deutlich verstärkt, als erstmals elektrischer Strom als Energieform gewonnen werden konnte, die sich beliebig in andere Energieformen umwandeln lässt. Waren es vorerst nur die Telegrafie und etwas später die Glühbirne, so kann man sich heute das Leben ohne diese Technik kaum noch vorstellen.
8. Durch diese rasante Entwicklung der Technologisierung wächst auch beständig die Kluft zwischen den Generationen. Die Entdeckung des fließenden Stroms als Energieform und die Erfindung der Computerchips sind zwei revolutionäre Meilensteine auf dem Weg der Technologisierung. Hier liegt eine große Herausforderung für die Familie in der heutigen Zeit. Es lässt sich also feststellen, dass mit dem Zeitalter der Industrialisierung ein Umbruch in der Gesellschaft stattgefunden hat, der sie in ihren Grundfesten erschüttert hat. Die Familie wurde zertrennt und seither hat der Zerfall all dessen stattgefunden, was zu den vorigen Zeiten die Gesellschaft zusammengehalten hatte.