Gastbeitrag: Edith und Francis Schaeffer – ein Leben, das Spuren hinterlässt

von Carolin Schmitt

Ich weiß gar nicht mehr, wie und wann mir zum ersten Mal Bücher von Francis Schaeffer begegnet sind. Aber ich erinnere mich noch genau, dass ich im Jahre 2017 auf dem BLOG von Hanniel Strebel mehrere Beiträge über Francis Schaeffer gelesen hatte und auf das Buch „L‘ Abri“ von Edith Schaeffer aufmerksam wurde. Aufgrund meiner Frankophilie hatte der Titel auf Anhieb mein Interesse geweckt, so dass ich mir sofort ein Exemplar bestellen musste. Die Geschichte zur Entstehung und Entwicklung des Glaubenswerkes „L‘ Abri“ beeindruckte mich sehr.

Bereits von der ersten Seite hat mich der authentische Bericht über die Entstehung von L’Abri gefesselt und fasziniert. Ich musste staunen, war tief bewegt und gleichzeitig wurde ich wahnsinnig gestärkt, mutiger zu glauben. Gott hat die Familie Schaeffer in den vielen Jahren durch Schwierigkeiten, die meist mit Freuden und Glaubenssiegen einhergingen, geleitet. Seine Antworten auf die Gebete im Glauben haben mich zu Tränen gerührt. Die Prinzipien von Schaeffers, die auch immer Basis aller Gebete waren, haben in meinem Gebetsleben tiefe Spuren hinterlassen:
“… 1. Wir wollen darum beten, dass Gott uns die richtigen Menschen zuführt, und alle fernhielt, die nur zum Skilaufen kamen oder ein offenstehendes Haus ausnutzen wollten.
2. Wir wollen darum beten, dass Gott uns Woche um Woche und Monat um Monat genug Geld senden würde, um unsere Bedürfnisse zu decken und auch den Menschen, die er uns schicken würde, Gastfreundschaft zu gewähren.
3. Wir beschlossen, keine Pläne in Bezug auf unsere Arbeit zu machen, sondern uns in jeder Hinsicht der göttlichen Leitung zu überlassen.
4. Wir beten auch darum, dass falls die Arbeit wachsen sollte, Gott uns die richtigen Mitarbeiter senden solle. …” (L’ Abri, S. 147-148).

Zu dieser Zeit hatte ich immer wieder den Gedanken, eine evangelistische Initiative in unserem Ort zu starten. Diese Idee wurde durch die Lebensgeschichte der Familie Schaeffer bestärkt. Viele Wochen habe ich darüber gebetet bis schließlich in einem Austausch mit meinem Mann offenbar wurde, dass er seit Wochen die gleichen Gedanken wie ich hatte. So lag es für uns auf der Hand, dass wir Schritte gehen und schauen, was Gott mit uns vorhat. Im darauffolgenden Jahr, im Januar 2018, gründeten wir den Verein BASIS.lager Karlsdorf-Neuthard e.V.

Unser Verein soll anderen Menschen dienen und Gott die Ehre geben, indem wir das Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat verkünden. Wir möchten einen Ort für jeden anbieten – egal welchen Alters, welcher Herkunft, welcher Vorbildung oder welchen Milieus – der ernsthafte Antworten auf grundlegende Fragen nach dem Sinn des Lebens sucht oder geistliche Ermutigung und Zurüstung benötigt.

Für Christen, Missionare und Evangelisten möchten wir einen Raum schaffen, in dem wir uns gegenseitig ermutigen, korrigieren und unterstützen und geistlich erfrischt vom Zwischenstopp im BASIS.lager weiterziehen können, um Gott zu dienen. Dazu gehört für uns auch, dass Menschen bei uns übernachten oder bei einer gemeinsamen Mahlzeit mit uns Zeit verbringen können. Edith Schaeffer hat unser Anliegen sehr treffend formuliert: „Wir müssen uns gegenseitig ermutigen, auf Gott zu schauen, und uns von Ihm Hilfe und Kraft erbitten, in diesem Abschnitt unseres Jahrhunderts weiterzumachen. Wir müssen wissen, dass wir unterschiedliche Individuen sind und dass wir eine individuelle Bedeutung in der Geschichte haben. Unsere Entscheidungen sind es, die zählen.“ (L’ Abri, S. 304)

Die Familie Schaeffer wurde uns noch in einigen anderen Punkten zum Vorbild, da sie Mission völlig anders umgesetzt hat, als es allgemein üblich ist. Sie haben sich nicht hingesetzt und Pläne geschmiedet, sondern sie haben sich auf den Weg gemacht und von Gottes Vorsehung Schritt für Schritt führen lassen – auch wenn es nicht immer ganz einfach war und es Widerstände gab. L’Abri war kein Missionshaus oder eine Art Freizeitheim, sondern eine Familie, die ihre Türen für suchende Menschen öffnete, um zuzuhören, zu helfen und zu reden. Durch ihre tagtägliche Gastfreundschaft haben sie ein Werk Gottes begonnen, das noch heute existiert. Genau das hat uns inspiriert, den Verein zu gründen und wir möchten auf diese Art und Weise unseren Dienst leben und uns von Gott gebrauchen lassen.

Unser Ziel ist es, immer flexibel reagieren zu können, wenn Menschen mit Fragen auf uns zukommen, um ausreichend Raum und Zeit für diese Personen haben zu können. Wichtig ist uns, dass wir nicht zu viele zeitliche Ressourcen verplanen, um jederzeit auf Gottes Führung hören und reagieren zu können. Denn es soll nicht unser Werk, sondern Gottes Werk sein. Genau wie Edith und Francis Schaeffer möchten wir auch in schwierigen Phasen Gottes unfehlbarer Führung vertrauen und ihm Großartiges zutrauen. Ebenso möchten wir nicht auf Zahlen setzen. Der einzelne Mensch soll zählen, nicht die Masse. Wir vertrauen darauf, dass Gott uns so viele Menschen auf einmal schickt, dass alle zu Wort kommen können und wir über die notwendigen Kapazitäten verfügen. Freundschaften mit Menschen, die keine Christen sind, möchten wie bewusst pflegen und mit ihnen Zeit verbringen, ihnen zuhören und herausfinden, was sie bewegt und ihnen Sorgen macht, um ihnen von unserem Glauben an Jesus zu erzählen. Genau wie im Buch L’Abri immer wieder dargelegt wird, sind objektiver, in gewisser Weise „kühler“ Intellekt und persönlicher, kindlicher Glaube kein Widerspruch. Vielmehr ergeben Vernunft und Glaube erst zusammen ein Ganzes. Wir müssen nur die Augen und Ohren für Begegnungen und Gesprächsgelegenheiten öffnen und bereit sein, uns von Gott unterbrechen zu lassen, um Menschen die Wahrheit nahe zu bringen. Um es mit Francis Schaeffers Worten zu sagen: „Es gibt nur einen einzigen Grund, ein Christ zu sein – nicht zwei verschiedene!… und der ist, dass die christliche Verkündigung wahr ist.“ (L’ Abri, S. 285).

Wenn ich heute die letzten 6 Jahre Revue passieren lasse, kann ich nur staunen, wie Gott uns immer wieder überrascht und Wege gewählt hat, die für uns zuvor unvorstellbar waren. Ich könnte ein Dutzend großartiger Geschichten erzählen, die Gott mit unserem Verein geschrieben hat. Und alles fing damit an, dass das Leben von Edith und Francis Schaeffer in unseren Herzen Spuren hinterlassen hat. Mögen noch viele Menschen und nachfolgende Generationen von ihren Werken inspiriert und ermutigt werden, um Gott zu dienen. Lasst uns dafür beten!

Quelle:
Schaeffer, Edith, L’Abri, Hänssler Verlag Holzgerlingen, 1999.

Carolin Schmitt lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Karlsdorf/Baden. Sie arbeitet in Teilzeit als Wirtschaftsingenieurin in einem Softwareunternehmen und hat 2018 mit ihrem Mann und fünf weiteren Christen den Verein BASIS.lager Karldorf-Neuthard e.V. gegründet. Sie und ihre Familie sind aktives Mitglied in der FeG Bruchsal. In der Freizeit genießt sie die Natur, geht gerne wandern, liest gerne und schreibt hin und wieder kurze Artikel oder Rezensionen.

 

Gastbeitrag zu Francis Schaeffer

von Pastor Kai Kreienbring

Ich wurde gebeten ein kleines Statement anlässlich des 40.Todestages von Francis Schaeffer zu schreiben. Ich selber bin nie in L´Abri gewesen. Habe allerdings immer wieder davon gehört. Als ich 1983 Jesus kennenlernte und anfing mit intensiver mit dem Glauben und allem was dazu gehört zu beschäftigen bin ich auch öfter über Schaeffer gestolpert. Allerdings muss ich sagen, dass er mir anfangs viel zu intellektuell war (Ich war nur ein einfacher Schlosser der von Jesus auf eine Bibelschule gerufen wurde um in den vollzeitlichen Dienst zu gehen).

In den letzten 30 Jahren im Gemeindedienst sind mir immer wieder Schriften und Aussagen von Schaeffer in die Finger gefallen. Und je mehr ich darin las, je mehr merkte ich, dass er eine Art neuzeitlicher Prophet war. Jemand, der den Finger auf die Wunden seiner Zeit legte, Entwicklungen aufzeigte und immer wieder Jesus und Gottes Wort in den Mittelpunkt stellte. Gerade vor kurzem bin ich in seinem 1973 erschienen Buch „Tod in der Stadt“ über eine Aussage gestolpert, die er wahrscheinlich genauso gut oder noch deutlicher heute hätte schreiben können:

Die Bibel stellt ihre religiösen Lehren in einen historischen Rahmen hinein. Das ist genau das Gegenteil der modernen Theologie und des existentialistischen Denkens, das Gegenteil der Zurückführung von Religion auf eine subjektive Projektion, wie sie im zwanzigsten Jahrhundert vorgenommen wird.“

(Schaeffer, Francis; Tod in der Stadt; 1973; Harald Wever, Wuppertal; S.12)

Darin zeigt Schaeffer eine Entwicklung auf, die in unserer postmodernen Welt geradezu einen Höhepunkt erreicht hat. Ich glaube dies, du glaubst das – und wir beide haben recht! Auch in sogenannten post-evangelikalen Kreisen gewinnt diese Haltung in den letzten Jahren immer mehr an Boden. Wie sich nicht zuletzt in den diversen sexual-ethischen Diskussionen zeigt. Religion bzw Glaube stellt nicht mehr die Frage nach der Wahrheit, sondern nur noch die Frage nach dem subjektiven Befinden. Das hat mit dem historisch-biblischen Christentum nichts mehr zu tun. Und so stehen wir heute vor der Herausforderung das biblische Evangelium in eine Welt zu predigen, die gar nicht wirklich nach der Wahrheit fragt.

Hier lohnt es sich auch wieder neu, sich mit den Denkansätzen von Schaeffer auseinanderzusetzen! Auch wenn die Erscheinungsjahre seiner Bücher schon einige Jahrzehnte her sind!

 

Kai Kreienbring, Pastor der Volksmission Graz.

Seit 1990 teilweise ehrenamtlich, teilweise nebenberuflich, teilweise vollzeitlich im Gemeindedienst. Immer unter dem Motto „To know HIM and to make HIM known“

Gastbeitrag: Francis A. Schaeffer zu seinem 40ten Todestag 2024

von Pfr. Beat Laffer-König

Die erste Begegnung mit Francis A. Schaeffer am 5. Okt 1970. Francis Schaeffer (1912-1984) kam an die damalige FETA in Basel, heute STH, und wurde durch seinen Schwiegersohn, Udo Middelmann, übersetzt. Schon im 1. Semester, Herbst 1970, lehrte er Kulturphilosophie. Alle 24 Studenten konnten 1970 daran teilnehmen. Seine Vorlesungen waren äusserst spannend, interessant, aufschlussreich. Er stellte die Kultur in einen grossen Zusammenhang, beurteilte dabei die Kultur, vornehmlich des Westens, aus dem Blickwinkel des Biblischen Christentums. Damit vermittelte er uns Grundlagen, um Menschen aus allen Ländern besser zu verstehen, um ihnen das Evangelium als Antwort auf ihre Fragen besser vermitteln zu können. Professor Dr. theol. Samuel Külling, Rektor der neu gegründeten Ausbildungsstätte für Theologen und Theologinnen, war sehr angetan von Schaeffers Vorlesungen und äusserte sich dahingehend, dass er in seinem Studium in der Schweiz nie etwas Ähnliches gehört habe.

Besuch in L’Abri

Später konnte ich das Ehepaar Francis und Edith Schaeffer, zweimal in den Jahren ab 1970 in L’Abri, ob Huémoz/Ollon, Kanton Waadt, Schweiz, besuchen. Sie lebten dort in Huémoz als Familie. Ich wurde sehr offen und herzlich empfangen. Man fühlte sich sofort sehr wohl in ihrem bescheidenen Zuhause. In L’Abri hörte ich noch ausführlicher seine Vorlesungen. Obwohl sich immer sehr viele Zuhörer aus verschiedenen Ländern einfanden, hatte ich das Gefühl, dass er allein zu mir redete. Dies erstaunte mich sehr. Das war das erste Geheimnis des Ehepaars Schaeffer: Liebe und Wahrheit. Um ihren Lebensweg in der Schweiz zu verstehen, ist das Buch von Edith Schaeffer aufschlussreich, in «L’Abri, Gottes Wirklichkeit heute erlebt. Eine Familie wird Treffpunkt der modernen Jugend».

Das Ehepaar Schaeffer hatte vier Kinder. Die Bücher von Edith Schaffer sind ebenso wichtig zu lesen. Sie vermitteln Einsichten in ihren Weg des Glaubens und des christlichen Lebens. Ein weiteres Geheimnis ihres «Erfolgs» war ihre Bescheidenheit und zeitweilige Armut. Bewusst, so legte Schaeffer dar, kam ihre exakte Adresse nie in einem Buch vor. Man wollte möglichst nur echt suchenden Menschen, Männern und Frauen, in Praxis und Theorie, die Antwort des biblischen Christseins geben. Sehr viele Menschen kamen durch das Ehepaar zum Glauben an Jesus Christus. Orthodoxie und Orthopraxis wurden sehr glaubhaft gelebt und vermittelt. Das Ehepaar Schaeffer erfuhr auch Leiden, Anfechtungen und Angriffe. Froh und gestärkt im Glauben, reiste ich in meine Heimatstadt Basel zurück.

In L’Abri konnte man ebenfalls studieren. Viele Vorträge auf Tonband vermittelten Querverweise zu anderen Referenten, Referentinnen, und Vorlesungen, die dort ebenfalls gehört werden konnten. Ebenso wurde auf andere Bücher verwiesen. Es war somit keine Engführung zu beobachten, sondern Weite, aber dennoch verwurzelt im Biblischen Christentum. Meines Wissens gibt es auf der Welt andere «L’Abri»-Zentren, die vernetzt sind. Schaeffer beschrieb und untersuchte Kultur im Kontext von West und Ost, von Süd und Nord, dennoch kritisch durchleuchtet vom biblisch-christlichen Glauben her. Francis und Edith waren oft zusammen auf Wanderungen, tauschten sich über die heutige Situation in Kirchen und Gesellschaft aus. Die Strömungen der Säkularisation wurden in vielen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens aufgegriffen. Dabei war der biblisch-christliche Glauben die Basis. Das Zentrum war der Erlöser, der Christus, der Messias, wie ihn die Heilige Schrift bezeugt. Die Bibel, die Heilige Schrift, war und blieb immer im Sinn des Urchristentums und der Reformation das Basisdokument der Christen. Von dieser Basis aus wurden viele Bereiche beleuchtet, etwa Philosophie, Kunst, Musik und Kulturleben, Theologie, Mystizismus, Politik, Wirtschaft.

Wichtige Gedanken von Francis Schaeffer

Der Zerfall des Westens. Francis und Edith Schaeffer bewegte der Zerfall des Westens sehr, der Zerfall der Kirchen und der Gesellschaft. Sie zeigten «Die Linie der Verzweiflung» auf. Heute kann man noch weitergehen und teilweise von der Dekadenz des Westens reden. Zerfall, Dekadenz und Zerbruch haben ihren Ursprung in der Abwendung vom biblischen Christentum und als Folge davon den Zerfall der Kirchen. Von daher suchte ich in L’Abri die Frage zu beantworten, ob ich mich in der Evang.-reformierten Kirche im Pfarramt engagieren sollte. Udo Middelmann bewegte diese Frage ebenfalls sehr. Die Antwort war nicht leicht. Middelmann sagte unter anderem den Satz: «… um derentwillen, die an Jesus Christus glauben». Heute ist der Zerfall der Kirchen in Europa und Nordamerika noch weiter vorangeschritten – und dies sage ich nach 36 Jahren Tätigkeit als Pfarrer in der Evang.-reformierten Kirche der Schweiz. Seit 2013 bin ich pensioniert und übernahm Stellvertretungen in derselben.

Was ist Kirche? – Diese Frage ist heute noch umstrittener als im letzten Jahrhundert. Schaeffer nahm diese Thematik auf in den Büchern «Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts», «Die Kirche Jesu Christi. Auftrag und Irrweg», «Die grosse Anpassung – Der Zeitgeist und die Evangelikalen», und schon oben darauf hingewiesen, «Das Kennzeichen des Christen». Andere Bücher von ihm nehmen indirekt diese Thematik auf. Dabei wollen wir nicht vergessen, dass er zunächst der theologischen Richtung angehörte, die man als «liberale Theologie» bezeichnet. Seine Erfolglosigkeit führte Schaeffer dazu, diese Richtung zu verlassen und vieles von der Bibel her, vom biblisch-christlichen Glauben aus als die Basis zu durchdenken. Die «Dialektische Theologie», die man in den USA oft als «neoorthodoxy» bezeichnet, resultierend daraus die «Positive Theologie» oder «Offenbarungstheologie», verwarf Schaeffer ebenfalls. Das Problem liegt viel tiefer. Es geht um die Frage, ob die Heilige Schrift in allen ihren Aussagen wahr ist oder nicht.

Die Frage nach dem Glauben

Schaeffer und viele aus anderen wissenschaftlichen Bereichen gingen dieser Frage nach. So konnte man sehr viele Vorträge ab Tonband in L’Abri hören, reflektieren und studieren. Es wurde sehr viel darüber ausgetauscht. Es nützt wenig, einen sogenannten «Sprung» zu vollziehen und zu vertreten, dass diese Frage nicht relevant sei. Hauptsache man glaubt, so die Meinung. Schaeffer sah das nicht so. Er untersuchte viele Weltanschauungen, naturwissenschaftliche, philosophische aus West und Ost. Zugleich war er der Überzeugung, dass der christliche Glaube ebenfalls eine Weltanschauung vermittelt. Doch machte er deutlich, dass diese ihren Ursprung in Gott hat – und nicht im Menschen. Daher haben wir Menschen absolute Werte, Werte, die Gott setzte. Diese Werte sind nicht relativ. Die Heilige Schrift ist in ihren Urtexten inspiriert durch den Heiligen Geist, eine der drei Personen der Dreieinigkeit Gottes. Da Gott nicht lügen kann, muss sie wahr sein. Man soll alle Weltanschauungen auf ihre Aussagen hin überprüfen. Nicht alles, was die weltliche Wissenschaft vertritt, ist wahr. So sind zum Beispiel Naturwissenschaftler vorsichtiger, indem sie die Meinung vertreten: «Nach dem heutigen Stand des Wissens, ist es so, doch morgen, durch neue Forschung, muss alles revidiert werden.» Man kann die Meinung vertreten, dass die Heilige Schrift wahr ist.

In der Auseinandersetzung kann man die Wissenschaft nicht als wahr hinstellen, ohne sie zu überprüfen. Das ist intellektuelle Geistesarbeit. Dabei ergeben sich viele Voraussetzungen (Axiome, bis in die Mathematik), die nicht überprüft werden. Ich könnte viele solche Voraussetzung nennen, will jedoch nur auf die Geschichtsphilosophie vom Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel oder auf die Halbwertszeit der Atome (Chemische Elemente) hinweisen. Niemand kann beweisen, dass die Halbwertszeit in der Vergangenheit immer dieselbe war. In der Vorlesung – ich studierte nach der Theologie Naturwissenschaften an der Universität Basel – zeigte uns ein Chemie-Professor einen Versuch, der mit dem damaligen, derzeitigen chemisch-physikalischen Modell nicht erklärbar ist. Dieser war somit vorsichtig mit der Aussage, dass es so ist. Er meinte: «Wenn jemand von Euch dies herausfindet (ein anderes Modell), ist er morgen Nobelpreisträger». Schaeffer war nicht gegen die Wissenschaft, sondern sie soll kritisch befragt werden, und er lud viele Wissenschaftler nach L’Abri ein. Er hatte also keine Angst davor.

Ist Francis A. Schaeffers Schrifttum heute noch aktuell?

Ich meine Ja. Warum? Dazu möchte ich eine meiner Beobachtungen im Dienst als Pfarrer weitergeben. Zunächst weise ich auf das Stück von Samuel Beckett hin, «Warten auf Godot». Im Theaterstück kam Godot nicht. Das Warten war vergeblich. Es war beklemmend. Ich sah es circa 1970. Im Laufe der Zeit erkannte ich, dass die Menschen überhaupt nicht auf die Idee kommen, auf Gott zu warten, Gott zu erkennen. Sie haben vergessen, dass sie Gott vergessen haben – im Leben und im Sterben. Falls man religiös ist – und heute sind es viele Menschen – , sucht man nicht im biblischen Christentum, auch nicht im kirchlichen Christentum, sondern jenseits davon. Man stellt sich selbst die eigene Religiosität zusammen, eine Patchwork-Religiosität.

Man sucht Anleihen im Hinduismus, im Buddhismus und deren Systeme, in der Gnosis und Esoterik. Man überspielt den Individualismus im Mystizismus und sucht die Kraft in sich selbst. Das Gebiet, nahe bei Basel, in dem ich wohne, ist seit Jahrhunderten römisch-katholisch und circa ab 1870 zum Teil christ-katholisch. Es gibt eine einzige Gemeinde, in welcher ich nun wohne, in diesem Gebiet, welche evangelisch-reformiert war. Ich stelle jedoch heute fest, dass dieses Gebiet voller Esoterik ist, welche heutzutage von den drei Konfessions-Kirchen angeboten wird. Es ist Mystik ohne das Wort Gottes, ohne die Heilige Schrift. In den Kirchen – Freikirchen eingeschlossen – wird kaum mehr gefragt, was Gottes Wort zum kirchlichen, privaten und gesellschaftlichen Leben in Theorie und Praxis ausführt. Man hüpft zum Mainstream in der Meinung, dieser sei christlich geprägt.

Es braucht Zeit und Willen, die intellektuellen Abhandlungen von Francis A. Schaeffer verstehen zu wollen. Dasselbe gilt für die Bücher seiner Ehefrau Edith. Nicht wenige sind auf Deutsch erschienen. Es lohnt sich ebenfalls heute, sich mit den Schriften von Francis und Edith Schaeffer vertraut zu machen. Viele Menschen erhielten vom Ehepaar Schaeffer, in der Gemeinschaft von L’Abri, in persönlichen Gesprächen, durch ihre Bücher, echte Antworten auf ihre Fragen. Deshalb kamen auch viele Menschen zum Glauben an Jesus Christus. Die intellektuellen Barrieren, die ihnen den Zugang zum biblisch-christlichen Glauben verschloss, wurden beiseite geschafft. Beide verhalfen Suchenden, zum ursprünglichen Christlichen Glauben vorzustossen. Männer und Frauen wurden überzeugte Christen.

Pfarrer Beat Laffer-König, Biel-Benken, Schweiz, im März 2024.

Francis A. Schaeffer: Serie zum 40. Todestag

Vor 40 Jahren – genau genommen am 15. Mai 1984 – ist der Theologe, Kulturkritiker und Apologet Francis Schaeffer gestorben. Er hat mehr als eine Generation von Menschen mit seinen Gedanken, Schriften, Gesprächen und überhaupt seinem ganzen Leben geprägt. Auch heute noch dauert sein Einfluss in vielen Menschen und Werken fort. Ich habe eine Reihe von Personen gefunden, die in den kommenden Wochen ihre Gedanken dazu teilen werden.

Ich persönlich bin zum ersten Mal im Herbst 2009 auf die Schriften von Francis Schaeffer aufmerksam geworden. Es war in einer Vorlesung zur Theologie des Alten Testaments an der STH Basel. Ich glaube was mir im ersten Moment am meisten imponierte, war die Story von den Knickerbockerhosen mitten unter Studenten, von welchen Anzug und Krawatte erwartet wurden. Direkt nach jener Vorlesung bin ich in der Bibliothek verschwunden – und tauchte ab in eine neue alte Welt. Was mich so faszinierte, war nicht unbedingt etwas Neues, sondern die Klarheit und Deutlichkeit von Gedanken, die mich davor auch schon länger umgetrieben hatten; aber zugleich auch diese liebevolle Suche nach Anknüpfungspunkten in der Kultur seiner Zeit. Ich hatte zuvor noch nicht erlebt, dass ein Theologe so eine Vielzahl von Themen, kulturellen Werken und philosophischen Gedanken auf eine Art und Weise miteinander verknüpfen konnte, die jedem Leser eine ganze Reihe von Tools an die Hand gab, um alles zu prüfen. In den Wochen, die auf diese Entdeckung folgten, lernte ich das TheoBlog (Link) von Ron Kubsch kennen und knüpfte einige interessante Online-Bekanntschaften. Rund viereinhalb Jahre später und viele Stunden intensiven Lesens der Werke von Francis und teilweise auch von Edith Schaeffer habe ich zum 30. Todestag ein PDF (Link) zusammengestellt, in welchem ich das Leben und Werk von Francis Schaeffer etwas näher beleuchtete. Es gehört bis heute zu den häufigsten Downloads von meiner Seite (Link).

Ungefähr zur selben Zeit, als ich mich mit dem Leben und Werk der Familie Schaeffer befasste, wurde ich auch auf mehrere ihrer Studenten und geistlichen Erben aufmerksam. Ab dem Sommer 2013 las ich immer wieder Abschnitte von Douglas Groothuis’ Buch „Truth Decay“. Hier (Link) habe ich davon berichtet. Im Herbst jenes Jahres ebenfalls Nancy Pearceys Buch „Total Truth“ (Link). Total Truth ist übrigens inzwischen auf deutsch erhältlich (Link). Ein Jahr später habe ich auch Greg Koukls Buch „Tactics“ (Link) vorgestellt.

Allen diesen Büchern ist gemeinsam, dass sie auf zwei Dinge zurückgreifen, die Francis Schaeffer immer wieder betont hat:

1. Die Zweiteilung des Lebens in einen öffentlichen und einen privaten Teil

und

2. Die Wichtigkeit der Weltanschauung als Brille, durch welche ein Mensch alles sieht.

In seinem Buch „Escape from Reason“ geht Schaeffer der Zweiteilung nach und führt sie auf das Mittelalter zurück, als die Scholastiker begannen, die Offenbarung Gottes und die Theologie in die zwei Teile „natürliche Offenbarung“ (also durch die Natur, die Schöpfung, den Menschen, die Vernunft erfahrbar) und eine „besondere Gnade / Offenbarung“ (durch die Bibel und direktes Wirken Gottes) zu unterteilen. Immer mehr wurde im Laufe der Jahrhunderte der natürliche oder öffentliche Teil des Lebens vom speziellen oder privaten Teil des Lebens abgetrennt. Die Reformation und viele Erweckungsbewegungen haben immer wieder danach gestrebt, diese Zertrennung aufzulösen und das ganze Leben wieder neu – so wie es die Bibel kennt, nämlich als ganze Einheit des Leben – zusammen zu führen.

Und das Zweite, das Thema Weltanschauung. Eine solche ist wie eine Brille, durch welche der Mensch alles wahrnimmt. Jeder Mensch trägt eine solche Brille. Die Bibel gibt uns mit ihrer großen Geschichte Gottes mit dieser Welt – Schöpfung, Sündenfall, Kreuz, Wiederherstellung – das realistischste Weltbild, das man haben kann. Jede einzelne Weltanschauung kann geprüft werden, indem man sie zu Ende denkt, wie eine Karte, auf welcher man die Wege abläuft, um sie auf ihre Echtheit zu prüfen. Woher kommen wir? Was ist das Problem in unserer Welt? Was ist die Lösung? Wohin geht es? Das sind so Grundfragen, auf welche jede Weltanschauung in irgend einer Weise antwortet. Und hier ist die Bibel in ihrer Ganzheit die Quelle der realistischsten und in sich gesehen widerspruchsfreisten Weltanschauung.

Wer mehr dazu wissen möchte, ist herzlich eingeladen, sich die oben verlinkten Bücher näher anzuschauen. Damit möchte ich in die Serie zu Francis Schaeffers 40. Todestag starten und freue mich auf die nächsten Beiträge, die ich hier alle paar Tage bis zum 15. Mai veröffentlichen darf.

Seid gesegnet!

Gott wieder neu entdecken

Unsere Zeit erinnert mich immer wieder an jene von König Josia von Juda. Josia war ein kleiner Junge von gerade mal acht Jahren, als er König wurde. Sein Vater, der König Amon, war einer Verschwörung zum Opfer gefallen, aber schon. Amon und dessen Vater, König Manasse, hatten Gott verlassen, hatten ihren Glauben an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs dekonstruiert, haben die Bibel links liegen lassen. Den Tempel ließen sie verfallen. Stattdessen wurden dem Baal Altäre auf den Hügeln errichtet und für Aschera wurden Pfähle in den Boden gerammt, die angebetet wurden.

Auch in unserer Zeit verfällt viel von Gottes Haus. Die Bibel findet sich zwar in den meisten Haushalten; dennoch verstaubt sie in den Regalen und ihre Kraft geht in ständig neuen Umdeutungen ihrer Worte verloren. Die Gemeinde Jesu braucht dringend eine Renovation. Josia war bereit, mit dem Götzendienst seines Vaters und Großvaters zu brechen. Er riss die falschen Altäre nieder, und als er 26 Jahre alt war, beschloss er, dass der Tempel ganz wiederhergestellt werden sollte. Da wurde das Buch des Gesetzes, die damalige Bibel, im Tempel wiedergefunden. Josia tat Buße und feierte mit dem ganzen Volk ein rauschendes Passafest.

Wie können wir die Bibel unter dem ganzen Dreck von Wort-Umdeutungen, unter dem Schutt der zahllosen Gottesbilder, die in sie hineingelesen werden, wieder finden und darin Gott ganz neu entdecken? Darüber kann man natürlich ein ganzes Buch schreiben. Aber es gibt ein paar Dinge, die mir dazu in der letzten Zeit sehr wichtig geworden sind.

Baue deinem toxischen Selbst keinen Altar!

Deine Gefühle, dein Verstand, dein Wille, dein Gewissen sind wertvolle Werkzeuge aber schlechte Ratgeber. Dein Selbst, dein Ich ist toxisch.

Vertraue auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand; erkenne Ihn auf allen deinen Wegen, so wird Er deine Pfade ebnen. (Sprüche 3:5-6)

Oder wie es Jesus Christus ausdrückte:

Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. (Lukas 9:23)

König Salomo, Jesus Christus und viele weitere Autoren wissen, dass unser Selbst toxisch ist. Es ist gefährlicher Götzendienst, wenn wir dem Selbst den Platz in unserem Leben schenken, den einzig und allein Gott bekommen soll.

Während es stimmt, dass es durchaus Machtstrukturen gibt, die uns klein halten wollen, ist es bei Gott und in sehr vielen Gemeinden nicht so.

Grabe das Buch der Bücher wieder aus!

Wie bei König Josia spielt auch in unserem Leben ein Buch eine wichtige Rolle. Die Bibel ist ein Buch, das Gott an dich und mich und viele andere geschrieben hat. Wenn wir also nicht unser toxisches Selbst befragen sollen, was uns gut tut – wen befragen wir sonst? Frag Gott! Ganz einfach! Ja, klar, es gibt ein paar Dinge zu beachten, wenn wir die Bibel lesen. Das nennt man in der theologischen Fachsprache Hermeneutik. Das heißt, auslegen und verstehen, in unsere Zeit hinüber übersetzen. Aber dazu muss man keine Fachperson sein.

Das Wichtigste, was du der Bibel geben kannst, ist dein Vertrauen und deine ungeteilte Aufmerksamkeit. König Josia ließ sich das Buch Gottes vorlesen – und vertraute ihm. Er zog es nicht in Zweifel. Er hörte – und begann, es umzusetzen. Sehr wahrscheinlich war das Buch, das die Arbeiter im Tempel fanden, das 5. Buch Mose. Josia hörte die Abschiedspredigt von Mose, als Mose kurz vor seinem Tod noch einmal alles Wichtige wiederholte, was Gott ihm aufgetragen hatte.

Josia war bereit, sein toxisches Selbst zu hinterfragen und den Maßstab von außen, Gottes Wort, an sein Leben heranzulassen. Er wollte sich nicht rechtfertigen, sondern gab Gott recht. Er tat Buße, änderte sein Selbst und wurde damit zu einem geachteten König. Sein Vater und Großvater hatten ihre Baale und Ascheren und regierten in Wirklichkeit nach ihrem toxischen Selbst. Sie konnten als Könige alles tun und lassen, was ihnen einfiel – aber Gott sandte ihnen Propheten, um sie an die Wahrheit zu erinnern. Josia hatte Gott als Oberkönig und konnte so zu einem gerechten Hirten für sein Volk werden. Es gab zwar Machtstrukturen, aber keine mutwilligen, egoistischen.

Eine neue Gottesbegegnung

Wer ist Gott, und wenn ja, wie viele? Das erste Kriterium, das wir gesehen haben, ist ein grundsätzliches Vertrauen in die Bibel als Gottes Wort. Josia ließ damals die Prophetin Hulda nach Gottes Willen befragen. Uns ist ein direkter Zugang zum ganzen Wort Gottes gegeben. Und doch muss uns auch der Zugang zu Gott wieder freigeräumt werden. Es gibt in unserer Zeit die Vorstellung, dass Gott einfach GANZ ANDERS ist. Egal wie, Hauptsache ganz anders. Dahinter steckt folgender Gedanke: Gott wird in der Bibel ganz unterschiedlich gezeigt und mit vielem verglichen. Also kann ich mir von den ganz vielen Gottesbildern der Bibel irgend eins rauspicken, das mir gerade gefällt, oder eben auch gar keins.

Ist das realistisch und ehrlich? Nein. Viel besser ist es, wenn wir anfangen, die vielen Gottesbegegnungen in der Bibel übereinander zu legen und zusammen zu denken. Eine Art Synopse, eine Zusammenschau. Wenn du die Alpen von fern betrachtest und sie beschreiben sollst, kannst du auch nicht sagen: Heute sehen die Alpen aus wie das Matterhorn und übermorgen wie das Rothorn, und irgendwann anders wie Eiger Mönch und Jungfrau. Es geht auch nicht einfach zu sagen: Gott, das ist Jesus, und schon Luther hat gemeint, dass man die Bibel nach dem untersuchen müsse, „was Christum treibet“, also alles was irgendwie lieb klingt, und alles andere lasse ich außen vor.

Die weltweite Kirche oder Gemeinde Jesu aus allen Gläubigen aller Zeiten glaubt und bekennt sich zum dreieinen Gott. Das ist nichts, was man in die Bibel reinlesen muss. Das hat auch nichts mit patriarchalischem Machtverständnis und Ausgrenzung zu tun. Es ist ein Gott in drei Personen: Gott Vater, Jesus Christus und der Heilige Geist. Alle drei Personen sind gleichermaßen Gott und haben dieselbe göttliche Natur, aber Gott Vater ist nicht Jesus Christus ist nicht der Heilige Geist ist nicht der Vater. Schauen wir uns das an:

Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Die Erde aber war wüst und leer, und es lag Finsternis auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. (1. Mose 1:1-3)

Vergleichen wir mit:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist. […] Das wahre Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, sollte in die Welt kommen. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, doch die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; die nicht aus dem Blut, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Johannes 1:1-3,9-14)

Wer dies liest und glaubt, und dennoch die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes ablehnt, hat eine andere, fremde Religion angenommen. Wir haben hier Gott Vater, der die Schöpfung geplant hat und ausführt durch Sein Wort. Wir haben hier das Wort Gottes, Jesus Christus, Der eines Tages in Sein Eigentum kommen sollte, das wahre Licht, das in die Welt kam und unter uns wohnte. Und wir haben hier den Geist Gottes, der über den Wassern schwebt. Der dreieine Gott ist bei der Erschaffung der Welt beisammen, aber auch beim Erlösungswerk Jesu Christi am Kreuz auf Golgatha.

Das Sühnopfer Jesu: Deine persönliche Begegnung mit Gott!

Als der König Josia das Buch von Gottes Wort zu Ende gehört hatte, als die Ausbesserungen am Tempel weit fortgeschritten und die toxischen Altäre und Pfähle auf den Hügeln niedergerissen worden waren, feierte er mit seinem ganzen Volk ein riesiges Fest und schloss einen Bund mit Gott. Es war das Passafest, ein Fest, das an die Nacht des Auszugs aus Ägypten erinnern sollte. Am Abend vor dieser Nacht sollte in jedem Haus der Israeliten ein Lamm geschlachtet und das Blut des Lammes an die Türpfosten gestrichen werden.

Das Sühnopfer zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel: Es beginnt mit 1. Mose 3, wo die ersten Menschen in Sünde fallen. Da kommt Gott, schlachtet Tiere und bekleidet die Menschen mit den Fellen, damit sie sich ihrer Schuld und Nacktheit nicht mehr zu schämen brauchten. Das erklärt auch in 1. Mose 4, warum Gott das Tieropfer annahm und das Gemüseopfer zurückwies. Der Höhepunkt des Alten Testaments findet sich dann in 3. Mose 16 mit dem jährlichen großen Versöhnungstag, an dem die Schuld des ganzen Volkes vor Gott gesühnt wurde. Und dann im Neuen Testament, um die Zeit des jährlichen Passafestes herum, wird Jesus Christus gekreuzigt, das wahre Opferlamm.

Das Kreuz auf Golgatha ist der größte Schauplatz der Liebe Gottes. Da sehen wir Gottes Wesen in der vollkommensten, reinsten Form. Da sehen wir Gottes Heiligkeit, Gottes Hass und unendlicher Zorn auf die Sünde. Da sehen wir Gottes Gerechtigkeit, die nicht einfach mal fünfe gerade sein lassen kann. Da sehen wir Gottes Liebe, die so weit geht, dass Gott Selbst die Strafe für unsere Schuld trägt. Da sehen wir die Schönheit Gottes, in welcher alle diese Eigenschaften Seines Wesens zusammen kommen, geballt und verdichtet, Gottes verzehrendes Feuer, Gottes helles Licht, das kein Mensch ertragen kann, der nicht von Gott gerecht gesprochen wurde. Da sehen wir die alles entwaffnende Ehrlichkeit Gottes, die unser Leben ausleuchtet und zeigt, wie sehr wir die Erlösung brauchen. Dort am Kreuz ist der Ort, an welchem du Gott ganz persönlich begegnen kannst. Die Arme Jesu sind offen, ER wartet voll Sehnsucht auf deine Antwort des Glaubens.

Wenn wir Gott ganz neu entdecken wollen, gibt es diese drei Dinge, die absolut wichtig und unerlässlich sind: Ein Grundvertrauen in die Bibel, den Glauben an den dreieinen Gott und ein Festhalten am notwendigen Sühnopfer Jesu am Kreuz auf Golgatha. Diese drei Zutaten sind drei Brückenpfeiler, die ein stabiles Fundament für Einheit und Gemeinschaft aller Christen weltweit schaffen.

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und andere Lügen

Childers, Alisa, Leb deine Wahrheit – und andere Lügen, Fonts-Verlag Basel, 2023 Amazon-Link

Leb deine Wahrheit!“, „Authentizität ist alles!“, „Du lebst nur einmal!“, „Nur die Liebe zählt!“ Dies sind ein paar der platten Lügen, die in unserer Zeit weit verbreitet sind und die Alisa Childers schonungslos aufdeckt. Auch in christlichen Kreisen hört man solches immer wieder. Besonders dort, wo sich die „Dekonstruktion“ des Glaubens etabliert hat, ist man erstaunlich unkritisch offen für so übersimplifizierte Lügen.

Die Autorin – ja, ich bin sehr dankbar, dass es in unserer Zeit immer mehr Autorinnen gibt, die uns viel zu sagen haben, oft genug mehr als viele männliche Autoren zusammen – kam aus einer Gemeinde, die theologisch immer progressiver wurde. Wie sie sich aus den Fängen dieses Progressivismus befreien konnte, beschreibt sie in ihrem ersten Buch „Ankern“ (Link). Nun hat sie nachgelegt und beschreibt eine Reihe von dekonstruktiven Glaubenslügen.

Es sind recht kurze, knackige, aber auch inhaltlich klare, deutliche Kapitel. Sehr viele anschauliche Beispiele (mir persönlich waren es ehrlich gesagt zu viele Beispiele) aus dem Leben helfen, sich das Ganze richtig vorzustellen. Ich denke, jeder, der das Buch liest, wird von Zeit zu Zeit innehalten müssen, um das Gelesene zu verdauen. Sei es, weil man schon zu viele dieser Lügen inhaliert hat, sei es, weil man sich an die deutliche Sprache gewöhnen muss, oder sei es (wie in meinem Fall), dass man zuweilen vor lauter Beispielen und #Hashtags den roten Faden des Buches verloren hat und sich erst wieder daran erinnern muss, wo man davor war.

Der Höhepunkt des Buches ist eindeutig der Schluss, der krönende Abschluss des Buches. Da geht es in einem Unterkapitel um das Kreuz Jesu. Childers schreibt: „Keine der Lügen, über die wir in diesem Buch gesprochen haben, kann im selben Raum wie das Kreuz existieren. Wenn du dir selbst genügen willst, kannst du das Kreuz nicht ertragen. Es ist das Ärgernis, das uns zeigt, dass wir aus uns selbst nicht genügen, und es ist das Heilmittel für den Mangel, der aus unserem Nichtgenügen folgt. […] Das Kreuz wird niemals ein Werkzeug des Friedens sein, solange es nicht zum Werkzeug des Todes wird.“ (S. 227f)

Das sind Sätze, die tief sinken müssen. Das braucht Zeit zum Nachdenken. Zeit zum Gebet. Zeit, um Gott immer wieder ganz neu (und doch genau so wie viele Generationen vor uns) kennen zu lernen.

Ich empfehle das Buch sehr und gebe ihm 5 von 5 Sterne.

Eine Reise zum Herzen der Psalmen: Klagepsalmen

Dies ist der zweite Teil unserer Reise zum Herzen der Psalmen. Zum ersten Teil geht es hier (Link). Wer sich mit den Psalmen beschäftigt, wird über eine Tatsache stolpern: In den Psalmen wird oft geklagt. Es geht um Sorgen, um Nöte, um Schmerzen. Wenn wir das mit vielen heutigen Gebeten vergleichen, dann fällt der Unterschied ziemlich krass auf. Die meisten frei formulierten Gebete (und auch sehr viele vorformulierte) sind in gewisser Weise triumphalistisch. Oberflächlich. Kleingläubig. Oder einfach gebetsautomatmäßig. So als ob Gott ein Automat wäre, der auf unser oben eingeworfenes Gebet dann antwortet, wenn der Betrag stimmt.

Jesus hat anders gebetet: Er hat auch geklagt

Ich schrieb im ersten Teil schon, dass die Psalmen im Grunde genommen auf die Kommunikation von Gott zurück gehen. Gott ist ein singender Gott, und Gott hat die Psalmen schon gekannt und festgelegt, bevor es Menschen gab, die sie aufschreiben konnten. Viele der Klagepsalmen gehen auf die Zeit zurück, als Jesus auf der Erde war. Oops – sie wurden doch schon Jahrhunderte früher aufgeschrieben? Oh ja – und genau das ist das Geniale: Der Heilige Geist sagte David und den weiteren Psalmschreiber durch ihr persönliches Leben schon früher, wie es Jesus einst gehen wird. Ganz deutlich wird das in Psalm 22, den Jesus am Kreuz betete.

Gerade in den vergangenen Wochen wurde mir eines deutlich, als ich die drei Bände von Philip Schaffs „Creeds“ (Link) las, also eine sehr umfangreiche Sammlung von Glaubensbekenntnissen und Katechismen aus vielen Jahrhunderten und aus vielen verschiedenen christlichen Konfessionen und Denominationen. Für die Christen der meisten Jahrhunderte war klar, dass Jesus nicht erst am Kreuz litt. Das Leiden am Kreuz, der Tod und die Auferstehung sind natürlich der Höhepunkt davon, und sie sind es, die uns erlöst haben. Aber das Leiden war etwas, was den Herrn Jesus Sein ganzes menschliches Leben lang begleitete. Und das wird oft vergessen oder viel zu wenig betont. ER litt unter den Kleinglauben der Jünger. ER litt unter dem Anblick des Volkes Israel, das wie Schafe ohne Hirten war. ER litt unter dem Anblick der Krankheiten und der dämonisierten Menschen. Jesus weinte. Litt. Betete. Klagte.

Das Klage-Gebet: Der sicherste Ort für deine Nöte

Wir haben es verlernt, zu klagen und zu beten wie Jesus. Und wie die Apostel. Und wie die meisten Christen vieler Jahrhunderte. Es gibt in unserer Zeit eine sehr ungesunde Tendenz und Gewohnheit unter uns: Wir nähern uns Gott sehr oberflächlich, tun so, als ob alles in Ordnung wäre. Und stattdessen klagen und murren wir lieber da, wo andere Menschen zuhören, die an der Situation nichts verändern können. Das macht etwas mit uns: Es verbittert. Viele Menschen haben sich so an das Klagen und Murren vor Menschen, an das Lästern und Hintenrum-Gerede gewöhnt, dass sie sich schon gar nicht mehr vorstellen können, wie es ohne Grund zum Lästern wäre.

Lass dir eins gesagt sein: Das Gebet ist der beste Ort, an den du mit deiner Klage und deinen Sorgen gehen kannst! Gott fordert uns in Seinem Wort geradezu auf, unsere Sorgen auf Ihn zu werfen, weil ER für uns sorgen will (1. Petrus 5:7). Wenn wir es nicht tun, sondern zu Gott nur oberflächlich kommen und stattdessen unsere Sorgen lieber mit anderen Menschen teilen, klagen und murren, dann geben wir dem Teufel Raum, so dass er uns verbittert machen kann.

Psalm 6: Ehrliche Klage verändert alles

Ich möchte dich einladen, den Psalm 6 in deiner Lieblingsbibel und am besten auch noch in einer oder zwei anderen Übersetzungen mal durchzulesen. Es ist nicht so viel Arbeit, aber sie lohnt sich umso mehr. Es sind nur elf Verse. David kommt zu Gott mit vielen Klagen, mit Vorwürfen. Wie lange, Gott, wie lange lässt Du Dir Zeit? Wie lange soll ich noch leiden? Wie lange noch lässt Du zu, dass mich meine Feinde bedrängen? Mein Bett ist nass von meinen Tränen! Darf man so beten?

David macht das Richtige. Er geht mit seiner Klage nicht zu seinen Freunden. Er geht nicht in den Hauskreis, um über seine Feinde abzulästern. Er geht nicht zu seinen Nachbarn, um ihnen zu erzählen, wie lange es ihm schon ach so schlecht geht. Nein, er geht damit zu Gott. Er richtet seinen Blick auf den Schöpfer des Universums, auf den König der Könige. Mir wurde bei diesem Psalm ganz besonders bewusst: Auf Gott schauen ändert nicht unseren Fokus oder Blickwinkel – es ändert alles. Wenn es nur unseren Fokus ändern würde, dann würden wir uns ständig durch Blickwinkelveränderung selbst erlösen müssen. Doch Gott sei Dank, dass ER uns beständig hält und unseren Blick immer wieder auf Ihn richtet.

Für wen beten wir?

David betet. Er klagt. Er schreit. Er macht Vorwürfe. Das ist alles vollkommen in Ordnung. Er macht es für sich und für Gott. Er macht es nicht, um damit Aufmerksamkeit von anderen Menschen auf sich zu ziehen. Jesus sagte etwas Krasses in der Bergpredigt: Wenn du armen Menschen etwas gibst, es aber so tust, dass es möglichst viele sehen können, dann hast du damit keine Schätze im Himmel gesammelt, sondern deinen Lohn (nämlich die Aufmerksamkeit) schon bekommen. Ich glaube das ist das Problem auch beim Beten: Viele Menschen, die sich Klage-Gebete angewöhnt haben, bekommen ihren Lohn schon auf der Erde. Viel wird für die Aufmerksamkeit geklagt, nicht für die Beziehung zu Gott.

Ich glaube, wenn mehr in der stillen Kammer geklagt würde, könnte man auch mehr Veränderung sehen.

Wegbereiter: Neues PDF-Dokument online

Wie bereits im Dezember kurz erwähnt, habe ich seit etwa November an einem neuen PDF geschrieben, das ich nun hier kurz vorstellen und verlinken möchte. Ich bin fest davon überzeugt, dass Gott in unserer Zeit Erweckung schenken möchte. Nebst weiteren Gründen, die ich der Schrift und der Geschichte entnehme, habe ich vor etwa 17 Jahren vom Herrn eine Vision dafür bekommen, über welche ich unter anderem darin berichte.

Ich zeige im ganzen Dokument anhand von Jesaja 40 und zahlreichen weiteren Abschnitten der Hl. Schrift, wie wir uns darauf vorbereiten können, Wegbereiter für eine solche prophetische Erweckung zu werden. Falls Dich das Thema interessiert – es steht jetzt zum Download (Link) bereit.

Ebenso ist es auch auf meiner Downloadseite (Link) verlinkt – relativ weit unten.

Ein paar (mir persönlich wichtig gewordene) Auszüge habe ich auf Instagram (Link) gepostet.

Hier eine kurze Leseprobe aus dem ersten Kapitel:

Gott sucht Wegbereiter. Menschen, die in den Riss treten und in unserer Zeit mutig vorangehen. Die bereit sind, um geistlich wachsen zu können, auch den Preis der Nachfolge zu bezahlen. Kostet das einen Preis? Das ist von der Sichtweise abhängig. Wegbereiter brauchen einen Fokus. Das kostet den Preis, sich nicht ablenken zu lassen. Wegbereiter suchen Gott und Seinen Willen für unsere Welt, das kostet Zeit, Energie und den Willen zum Warten auf den Herrn. Es beginnt schon mit dem Preis, das vorliegende Dokument zu lesen und umzusetzen. Doch niemand hält es zufällig in der Hand. Schließlich ist Gott dabei, Seinen Willen in der Welt umzusetzen. Vor einiger Zeit las ich in meiner „stillen Zeit“ im Philipperbrief:

Sorgt euch um nichts; sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden. (Phil 4:6)

Als ich danach noch länger über den Vers nachdachte und zum Herrn betete, sprach Er plötzlich zu mir: „Wenn Ich etwas tun möchte, so werde Ich als Erstes Meine Gemeinde ins Gebet bringen.“ Das saß tief. Es ermutigte mich sehr, denn es bestätigte vieles, was ich zur Zeit sehe, höre und lese. An vielen Orten sind Menschen dabei, zu beten. An vielen Orten entstehen gar Gebetshäuser, in denen Menschen aus verschiedenen Gemeinden zusammenkommen, um zu beten. Das macht mir sehr viel Mut.

Wegbereiter zahlen jedoch auch noch einen weiteren Preis: Sie sind oftmals einsam. Besonders in unserer Zeit. Sie erleben Angriffe von allen Seiten. Von jenen, welche keine neuen Wege wollen, und von jenen, die meinen, dass der Weg ja schon das Ziel sei, und deshalb jeder Weg richtig sei. Doch Wegbereiter sind keine Brückenbauer. Sie versuchen nicht, Brücken über die unüberbrückbare Kluft zu schlagen. Sie gehen voran und sind Vorbilder für jene, die ihnen folgen wollen. Im Moment sind sie oft einsam. Doch viele werden ihre Vorbilder sehen und sich nach demselben Weg sehnen.

Bist Du bereit für eine Reise zum Herzen Gottes und dazu, Dich zu einem solchen Wegbereiter verändern zu lassen?

Jahresende: Dank, Rückblick und Ausblick

Eigentlich bin ich kein Freund von solchen Traditionen. Ja. Eigentlich. Und doch… Mache ich es einmal mehr. In erster Linie, um einmal Euch danke zu sagen. Das ist mir am wichtigsten. Ich habe die letzten zweieinhalb Jahre das Bloggen ziemlich schleifen lassen. Und doch bekomme ich an den meisten Tagen um die 800 und mehr Besucher. Damit habe ich nicht gerechnet. Deshalb: Danke!

Ja, die letzten zweieinhalb Jahre haben mich ziemlich „im Griff“ gehabt, wir haben gebaut, unser drittes Kind ist zur Welt gekommen. Wir haben jetzt einen eigenen Garten mit allem was dazu gehört (vor allem viel Arbeit… grins…)

Und ja, ich weiß auch, dass viel für mich gebetet wird. Auch dafür ein großes Danke. Ich weiß wenige Menschen, die das mehr brauchen. Also auch im neuen Jahr, wer es auf dem Herzen hat, betet gern für mich. Deshalb auch ein paar Updates in eigener Sache.

Rückblick:

Ich habe dieses Jahr wirklich wenig Neues gepostet. Am häufigsten wurden ältere Beiträge aufgesucht, und was mich ein wenig schmerzt, ist die Erkenntnis, dass es primär die satirischen und die gesellschaftskritischen Beiträge und negativen Buchrezensionen sind, die aufgerufen werden. Das möchte ich eigentlich nicht. Ich versuche eigentlich immer mehr Positives, Aufbauendes zu schreiben. Wenn dieser Trend so weiter geht, muss ich mein Konzept überdenken und möglicherweise manches ändern.

Wenn ich auf das Jahr zurückblicke, sehe ich jedoch vor allem viel Hoffnung am Horizont. Es hat sich viel in eine gute Richtung verändert. Ich freue mich, dass eine ganze Reihe von guten Projekten, Vlogs, Podcasts und so weiter gestartet sind.

Zunächst einmal hat das Netzwerk Bibel und Bekenntnis, das ich sehr schätze, damit begonnen, richtig gute Vorträge online zu stellen. Seit Neuestem arbeitet es mit einem anderen Netzwerk, das ich ebenfalls sehr schätze, nämlich Evangelium21, zusammen und im Rahmen dieser Zusammenarbeit entstand die Mediathek offen.bar

Außerdem hat mein Blogger-Freund Markus Till, der auch bei offen.bar Mitgründer und Referent ist, einen Podcast namens Bibel-Live begonnen. Seine Beiträge sind immer sehr lesens-, hörens- und sehenswert. Ganz große Empfehlung.

Ebenfalls ein Bloggerfreund, nämlich Thomas Richter, hat für IDEA ein neues Instagram-Format aufgebaut: Stammtischgespräche. Unbedingt ansehen. Im neuen Jahr geht es weiter. Es gab schon viele richtig gute Stammtischgespräche.

Nicht ganz so neu, aber für mich eine neue Entdeckung ist Crosspaint.tv, ein ganzes Team hinter einem jungen Mann namens Natha. Dieses Team macht super Bibel-Erklärungen, YouTube-Diskussionen, und seit November gibt es auch ein erstes Buch: Überrascht von Furcht. Hier meine Rezension.

Das sind so die Highlights. Daneben gab es natürlich auch viele weitere richtig gute Sachen, von denen ich bestimmt schon mehr als die Hälfte wieder vergessen habe. Aber all das macht mir Mut für 2022. Ich bin überzeugt, dass wir in eine ganz entscheidende Phase der Weltgeschichte kommen.

Ausblick

Mit dieser Überzeugung starte ich in ein neues Jahr, in dem ich auch wieder mehr schreiben will. Aktuell bin ich gerade dabei, ein Dokument zu schreiben, das fürs Erste den Arbeitstitel „Wegbereiter für die kommende prophetische Erweckung“ trägt. Ich glaube, dass vieles in diese Richtung weist und dass Gott Erweckung schenken wird. Allerdings anders als wir es bisher gewohnt sind. Gott hat mir vor rund 17 Jahren eine Botschaft dazu geschenkt, die mir Mut macht, und dieses Jahr habe ich zum ersten Mal die Freiheit bekommen, auch öffentlich davon zu erzählen. Ein paar kurze Snippets daraus findest Du auf meinem Instagram-Kanal. Ich hoffe und bete (bitte betet mit mir!), dass ich das PDF bis Ende Januar so weit bereit habe, dass ich es hochladen und dann noch einmal kurz vorstellen kann.

Fortsetzen werde ich auch die Blogserie, die ich zu Hiob begann, wo ich meine persönlichen wichtigen Lektionen aus den verschiedenen Bibelbüchern vorstelle. Außerdem möchte ich eine neue Blogserie zur Offenbarung anfangen. So der Herr will und wir leben, wird das im späten Frühjahr oder im Sommer beginnen. Es geht mir unter anderem darum, zu zeigen, was wir alle von den verschiedenen Endzeitmodellen lernen können, und wie wir die Offenbarung auch jenseits von bestimmten Modellen zu uns sprechen lassen können.

Zurück zur ersten Liebe

Dem Engel der Gemeinde von Ephesus schreibe: Das sagt, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, der inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt: Ich kenne deine Werke und deine Bemühung und dein standhaftes Ausharren, und dass du die Bösen nicht ertragen kannst; und du hast die geprüft, die behaupten, sie seien Apostel und sind es nicht, und hast sie als Lügner erkannt; und du hast [Schweres] ertragen und hast standhaftes Ausharren, und um meines Namens willen hast du gearbeitet und bist nicht müde geworden. Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. Bedenke nun, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Sonst komme ich rasch über dich und werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegstoßen, wenn du nicht Buße tust! Aber dieses hast du, dass du die Werke der Nikolaiten hasst, die auch ich hasse. Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der in der Mitte des Paradieses Gottes ist. (Offb 2:1-7)

Jesus Christus lässt zu Beginn der Offenbarung Johannes an sieben Gemeinden Briefe schreiben. Alle sieben Briefe sind für uns zum Lesen bestimmt. Sie gelten nicht nur einzelnen Gemeinden der damaligen Zeit, sondern sind vielmehr auch Worte an unsere Zeit. Sie beschreiben sieben geistliche Zustände, in denen wir uns befinden können. Dieser erste Brief an die Gemeinde von Ephesus enthält viel Lob. Als der Apostel Paulus in der Apostelgeschichte auf seiner Missionsreise unterwegs war und Abschied nahm von der Gemeindeleitung von Ephesus, warnte er sie mit drastischen Worten:

Und nun siehe, ich weiß, dass ihr mein Angesicht nicht mehr sehen werdet, ihr alle, bei denen ich umhergezogen bin und das Reich Gottes verkündigt habe. Darum bezeuge ich euch am heutigen Tag, dass ich rein bin von aller Blut. Denn ich habe nichts verschwiegen, sondern habe euch den ganzen Ratschluss Gottes verkündigt. So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch zu Aufsehern gesetzt hat, um die Gemeinde Gottes zu hüten, die er durch sein eigenes Blut erworben hat! Denn das weiß ich, dass nach meinem Abschied räuberische Wölfe zu euch hineinkommen werden, die die Herde nicht schonen; und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen in ihre Gefolgschaft. Darum wacht und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht aufgehört habe, jeden Einzelnen unter Tränen zu ermahnen. (Apg 20:25-31)

Räuberische Wölfe, verkehrte Männer aus der eigenen Gemeinde, das klingt schlimm. Der Herr Jesus bestätigt in der Offenbarung, dass die Gemeinde in Ephesus das richtig gemacht hat. Doch dann gibt es eine Wendung: Du hast deine erste Liebe verlassen. Interessant, was er nicht sagt: Er sagt nicht: Du hast deine erste Liebe verloren. Nein, es ist kein Zufall. Du hast sie verlassen. Du hast etwas getan, weshalb diese erste Liebe verschwunden ist. Sie sind Jesus treu geblieben. Sie haben gewacht und aufgepasst, dass keine falschen Lehrer und Propheten kommen konnten. Doch bei all dem Aufpassen ist ihnen die Begeisterung, die Leidenschaft abhanden gekommen. Sie haben ihre Leidenschaft verloren. Sie waren bibeltreu, fromm, vorsichtig, alles gute Dinge. Dennoch sind sie auf der anderen Seite vom Pferd gefallen. Sie taten vieles richtig, aber nicht mehr aus Liebe, nicht mehr aus Leidenschaft heraus, sondern weil es für sie zur frommen Arbeit, zur Pflicht, zur Last, zur Tradition geworden ist.

Zwischen den Worten von Paulus und dem Brief von Jesus in der Offenbarung sind etwa 40 Jahre vergangen. Eine neue Generation von Leitern wird wohl inzwischen die Gemeinde übernommen haben. Menschen, die alles richtig gelernt haben, die um die Gefahren wussten. Doch sie haben selbst möglicherweise die Erweckung der ersten Zeit gar nicht miterlebt. Sie brauchten eine eigene Erweckung. Jede Generation braucht ihre eigene Erweckung. Jede Generation muss für ihre eigene Generation im Gebet einstehen und eigene Fürbitter auf die Mauern stellen. Deswegen sagt Jesus zu dieser Gemeinde: Tue die ersten Werke. Passe nicht nur auf. Tue nicht nur aus Tradition, was man früher auch schon tat. Tue es, weil du eine eigene, eine neu entfachte Leidenschaft entwickelst. Die Erweckung der Zeit von Paulus war von viel Gegenwind gekennzeichnet. Die Gemeinde war so voller Leidenschaft, dass die Silberschmiede der Stadt Angst hatten, dass ihnen die Kundschaft für ihre Silberstatuen der Göttin Artemis weglief. Sie fürchteten richtiggehend um ihre Existenz. Das war das Feuer der ersten Liebe.

Kann es sein, dass wir manchmal auch nur noch versuchen, die Asche der früheren Generation zu hüten? Kann es sein, dass wir das Feuer gar nicht mehr selbst kennengelernt haben, sondern nur vom Hörensagen? Dann ist es an der Zeit, dass wir unsere Stimmen erheben und zum Herrn und König des Universums schreien, dass Er uns diese erste Liebe wieder neu schenkt.